Schriften 13: Märchen; Dramatische Gedichte; Fragmente

Part 11

Chapter 113,479 wordsPublic domain

Gespenster stehn im Saal, Die schlagen auf den dreisten In wilder Wuth zumal Mit ihren grimmen Fäusten.

Der König rief: Erbarmen, Ihr schlagt mich ja zu todt! Sie hörten nicht den Armen, Und brachten ihn in Noth.

Sie stießen ihn wohl mächtig Hinaus dann vor das Thor, So daß er lag ohnmächtig In bitterm Schmerz davor.

Halb todt schleicht zu den Seinen, Der Fürst, im Antlitz bleich, Die Herrn und Diener weinen, Sie fragen ihn zugleich:

Ist euch bei Tag und Nacht, Das schwere Amt gelungen? Habt ihr dort gut gewacht, Den großen Schatz errungen?

Er sprach: zu bösem Glück Hatt' ich es unternommen, Bin hin zum Schloß, zurück Zu meinem Leid gekommen.

Er ging, sein Regiment Nahm nun von Stund' an, ab, Der Feind das Reich zertrennt, Jung geht er in sein Grab.

* * * * *

Es hatte auch Persina, Im Arragoner Land Die Tochter, hieß Plantina, Auf einen Berg verbannt,

Die mußten ob Schätzen theuer Dort wohnen und sie hüten, Und Wurm und Ungeheuer Lief um den Berg mit Wüthen.

Es waren grause Schlangen, Unthier und wilde Drachen, Die trugen all Verlangen, Die Schätze zu bewachen.

Es kamen viele Ritter, Den'n nicht der Weg gelungen, Sie wurden allsammt bitter Von dem Gewürm verschlungen.

So kam von Engelland Auch einst ein tapfrer Mann, Er war als Freund verwandt Dem herrlichen Tristan,

Mitglied der Tafelrunde, Von König Arturs Leuten, Er wollt zu guter Stunde Die reichen Schätz' erbeuten,

Mit Kraft und kühnem Muthe Hinauf zum Berge gehen, Er wollt' mit Leib und Blute Das Abentheur bestehen.

Der Bote ritt im Zagen Mit ihm den Berg hinauf, Allein im schnellen Jagen Nahm er rückwärts den Lauf.

Der Degen blieb alleine Und war in großer Noth, Er sprach: ich seh das eine, Das ist mein naher Tod.

Wo ich die Augen wende Ist Dampf und wildes Wüthen Und Würmer ohne Ende, Die diesen Berg behüten.

Frisch auf und sei gerüstet, Behalt den Muth, du Schwert, Weil mich des Kampfs gelüstet, Die Sache ist es werth.

So ging er ohne Zagen, Ihm sprangen Würm entgegen, Doch kein Thier durfte wagen Zu stehn dem tapfern Degen.

Er schlägt sie alle nieder Und dringt den Berg hinauf, Es kommen andre wieder Und sperren seinen Lauf.

Ein schmaler Pfad sich wandte Zum steilen Berg hinan, Wo manche wilde Bande Bedroht den werthen Mann.

Er ging auf lauter Schlangen, Auf Natter und Skorpion, Er hat sich's unterfangen Und spricht dem Grausal Hohn.

Schmal sind und steil die Wege, Kaum Platz für seinen Schritt, Weit hallen seine Schläge, Laut klingt sein erzner Tritt.

Da woll'n zwei wilde Drachen, Im Sprung her zu ihm dringen, Der zahnbewehrte Rachen Klafft weit, ihn zu verschlingen.

Es rasseln ihre Flügel, Und scharf sind ihre Klauen, Womit sie in den Hügel Und harten Felsen hauen.

An seinem Schild sie klirren, Nicht bebt der tapfre Mann, Er läßt sich gar nicht irren Und schreitet risch hinan.

Der Drachen Auge blicket Ihn an mit rother Glut, Doch bleibt sein Schwert gezücket, Im Busen scharf der Muth.

Mit zwei gewaltgen Schlägen Haut er die Häupter runter. Drauf stößt der wackre Degen Zum Abgrund sie hinunter.

Den Weg ging er nun weiter Zum steilen Berg hinan, Der wurde nirgends breiter Nur enger wird die Bahn.

Ein Bär kam ihm entgegen Gar groß und ungeheuer, Auf engen Felsen-Wegen, Ein schlimmes Abentheuer.

Der Bär hat scharfe Klauen, Und ist im Grimme wild, Die in den Harnisch hauen Ihm zerren ab den Schild.

Der Ritter muß sich wehren, Er kämpft mit Mannes Muth, Er trifft das Maul des Bären, Weit spritzt das dunkle Blut.

Der Bär aufbrüllt im Grimme Und richtet sich empor, Weit tönt die rauhe Stimme, Er springt zum Ritter vor.

Der schreitet keck entgegen, Und gab ihm manchen Schlag, Bald vor dem kühnen Degen Die große Tatze lag.

Der Bär thut auf ihn dringen In allergrimmster Wuth, Es mußte mit ihm ringen Der edle Ritter gut.

Der Harnisch reißt und trennet Sich ab dem Ritter werth, Mit Schrecken das erkennet, Verliert zugleich sein Schwert.

Der Dolch muß ihn bewehren, Den nimmt er tapferlich Und giebt damit dem Bären Gar manchen scharfen Stich.

Worauf des Bären Stimme Noch einmal brüllt empor, Er zuckt in seinem Grimme, Das Leben er verlor.

Der Held sucht seinen Degen, Er faßt ihn freudig an, Und höher steigt verwegen, Der wunderkühne Mann.

Ein jeder Schritt war Kämpfen, Streit jeder Athemzug, Die Ungeheur zu dämpfen, Fand er da Kampf genug.

Er hört ein fern Getöse Und tritt beherzt hinzu, Da hielt der Wurm, der böse Im Schatten seine Ruh.

Vor einer Thür von Stahl, Lag breit das schlimm Gewürm, Drinn war der Schatz im Saal, Der Wurm der letzte Schirm.

Er schlief, sein Athem brauset, Er selber ein Gebirge, Der Ritter sieht, ihm grauset, Tritt zu, daß er ihn würge.

So wie er schnarcht geht Feuer Aus seinem offnen Schlund, Es glänzt das Ungeheuer Von vielen Farben bunt.

Die Zähne große Steine, Den'n keine Waffen halten, Die scharfbeklauten Beine, Können wohl Felsen spalten.

Mit Brüllen thut er wachen Und grimmt den Ritter an, Sperrt seinen grausen Rachen Thorweit dem tapfern Mann.

Das Schwert thut kühnlich blitzen, Ihn schirmt das Schild zugleich, Doch mag es ihm nicht nützen, Das Thier fühlt keinen Streich.

Es faßt mit seinem Munde Das Schwert im Augenblicke, Zerbeißt es auch zur Stunde, Speit wieder aus die Stücke.

Drauf schrie's, es bebt der Wald, Und an den Mann sich drang, Den es im Schlund alsbald Mit leichter Müh verschlang.

Den Freunden bracht der Bote Die Kund nach Engelland, Von dieses Ritters Tode, Der sich dem unterwand

Plantina zu erlösen, Die auf dem Schlosse harrt, Doch leider von dem bösen Gewürm verschlungen ward.

* * * * *

Geoffroy erhielt von diesem Thiere, auch von dem Tode des Ritters aus Engelland Nachricht, wunderte sich, daß es ein solches Ungeheuer in der Welt geben könne und nahm sich vor, es zu bekämpfen, und das wunderliche Abentheuer zu bestehn. Er rüstete sich, zog aus, ward aber unterwegs so gefährlich krank, daß ihm kein Arzt helfen mochte: als er dieses merkte, sagte er: ich habe zwei Riesen umgebracht, aber dieses wilde Thier wird meinem Schwert entgehen, will mich daher zu Gott wenden, und alle weltlichen Gedanken fahren lassen.

Legte sich hiemit auf sein Sterbebette, beichtete, machte sein Testament, bezahlte seine Schulden, und empfing alle Christliche Rechte, worauf der tapfre Mann selig und in dem Herrn verschied.

Dieses ist die Geschichte von der Melusina, die wohl recht ein Spiegel alles menschliches Glückes genannt werden kann.

König Rother. Fragment. 1806.

König Rother zieht einer Jungfrau die Schuhe an.

In der Kammer ward es stille, Da sprach die Königinne: O weh, Fraue Herlind, Wie groß meine Sorgen sind Um den Herren Dietheriche, Den hätt' ich sicherliche Verstohlen gern gesehn, Und möcht' es füglich geschehn Um den tugendhaften Mann, Fünf Ringe lustsam Die möchte ein Bothe schier Um mich verdienen, Der den Held balde Brächte zu meiner Kammer. In Treuen sprach Herlind: Ich will mich heben geschwind, Ich geh zu der Herbergen sein, Es bringe Schaden groß oder klein, Doch pfleget er solcher Zucht Daß wir seyn dürfen ohne Furcht.

Herlind ging balde Zu einer Kammer Und nahm ein theuerlich Gewand, Wie manche Fraue hat, Darin zierte sie den Leib, Da ging das listige Weib Zu dem Herrn Dietheriche. Er empfing sie frommliche, Viel nahe sie zu ihm saß, Dem Recken sie in das Ohre sprach: Dir entbietet holde Minne Meine Frau, die Königinne, Und ist dir mit Freundschaft unterthan, Du sollt hin zu ihr gahn, Dorten will die Magd Dich selber wohl empfahn, Nur um deine Ehre, In allen Treuen Herre. Du magst das wohl gewiß sein An der Jungfrauen mein.

Also redete da Dietherich: Fraue du versündigest dich An mir elenden Manne, Ich bin auch zu Kammern gegangen Hievor da das mochte sein, Warum spottest du mein? Leider, so that man dem Armen ja, Eure Fraue gedacht der Rede nie, Hie sind so viele Herzogen Und Fürsten in dem Hofe, Daß ihr mit einem anderen Mann Euren Scherz möchtet han, Des hättet ihr minder Sünde, Ihr verdienet die Abgründe Daß ihr mich so thöricht wolltet han, Ich bin ein so armer Mann, Doch ehemals ich war Daheim ein reicher Graf.

Herlinde sprach dem Herren zu, Sie konnte ihre Rede wohl thun: O nein, mein Herre Dietherich, Nicht verdenke du also mich, Ich habe dieses, weiß Gott, nicht gethan, Mich hieß meine Fraue hieher gahn, Es nimmt sie großes Wunder, Daß du so manche Stunde In diesem Hofe seiest gewest Und sie doch niemals wolltest sehn, Das ist doch selten nur gethan Von einem so stattlichen Mann, Nur verweist mir die Rede nicht, Der Königinne wäre lieb Welche Ehre dir gescheh Wie du sie auch nie gesehn, Wolltest du aber hingehn So thätest du nichts übeles daran.

Dietherich zu der Frauen sprach: (Er wuste wohl, daß es ihr Ernst war) Hie sind so viele der Merker, Wer behalten will seine Ehre Der soll mit Klugheit gahn, Es wähnet der elende Mann Daß er nimmer so wohl thu, Daß sie es alle für gut Halten, die in dem Hofe sein; Nun sage der Jungfrauen dein Meinen Dienst, will sie ihn nehmen, Ich mag sie jetzt nicht sehen Vor der Helle des Tages, Ich fürchte, daß es erschalle Lästerlich uns Beiden, So verbietet mir das Reiche Constantin der Herre, So muß ich immermehre Flüchtig sein vor Rothere Und mag mich nirgend erretten.

Herlind wollte von dannen gahn. Der Herre bat sie da bestahn Und hieß schnell seine Goldschmiede Zween silberne Schuhe giessen, Und zween von Golde. Als er sie geben wollte Da bat er Asprianen, Daß sie nur zu einem Fuße kamen, Daß er die beiden nehme Und sie der Frauen gebe, Und einen Mantel viel gut, Zwölf Ringe Gold roth: So soll man wohl belohnen Einer Königinne Bothe. Da sprang die fröhliche Von dem Herren Dietheriche.

Herlind kam balde Zu ihrer Frauen Kammer Und sagete ihr von dem Herren, Er pflege seiner Ehren Sehre fleißigliche: Das wisset wahrliche, Ihm ist die Huld des Königes lieb, Er mag dich darum sehen nicht, Weil es sich nicht will fügen, Nun schaue an diese Schuhe, Die gab mir der Held gut Und that mir auch Liebes genug, Und einen Mantel wohlgethan, Wohl mir, daß ich je zu ihm kam, Und zwölf Ringe die ich han Die gab mir der Held lustsam, Es mochte nie auf der Erden Ein schönerer Ritter werden Als Dietherich der Degen Gott laß es mich erleben, Ich gafft ihn an ohn' danken, Daß ich mich des immer mag schämen.

Es scheint wohl, sprach die Königinne, Daß ich nicht seliglich bin, Nun er mich nicht will sehen Magst du die Schuh mir geben, Um des Herren Hulde, Schnell ward der Kauf gethan, Sie zog den goldenen an, Dann nahm sie den silbernen Schuh, Der ging an denselben Fuß. O weh! Sprach die schöne Königinn Wie wir nun gehöhnet sind, Denn mit den Schuhen lustsam Ist ein Missegriff gethan, Ich bringe ihn nimmermehr an, In Treuen du must zurücke gahn Und bitten Dietheriche Sehre gezogenliche, Daß er dir den anderen Schuh gebe, Und mich auch sehen wolle selber Wenn er unter seinen Verwandten Je gut Geschlecht gewanne.

O weh, sprach Herlind, Wie doch der Schade nun ist Fraue unser beiden, Nun wisset es in Treuen Sollt' ich immer Schande han Ich muß wieder zurücke gahn. Da hub die Fraue wohlgethan Ihr Kleid lustsam Hoch auf an die Knie, Denn sie gedachte der Zucht nicht, Frauelichen Ganges sie vergaß, Wie schnelle sie über den Hof gelaufen was Zu den Herren Dietheriche, Er empfing sie frommliche In allen den Geberden Als wenn er sie nie gesehen, Da wuste der Held wohlgethan Warume sie zurücke kam.

Herlind sprach zu dem Herren: Ich must immermehr In Botschäften gahn, Mit dem Schuh ist Missegriff gethan, Sie sind der Königinne Gegeben um deinetwillen, Noch sollten wir den einen haben, Das heißt dich meine Fraue mahnen, Daß du ihr den andern Schuh wolltest geben, Und sähest sie auch selber Wenn du unter deinen Verwandten Je gutes Geschlecht gewannst.

Ich thät' es gerne, sprach Dietherich Nur die Kammerere die melden mich. Nein, sprach Herlind, Mit Freuden sie in dem Hofe sind, Die Ritter schiessen den Schaft Da ist großen Spieles Kraft, Ich will hin vor dir gahn, Nun nimm zween deiner Mann Und hebe dich viel balde Nach mir zu der Kammer, Mit dem großen Schalle Vermissen sie dein alle. Herlind wollte von dannen gahn, Da sprach der listige Mann: Nun warte des Kammerers, Ich will nach dem Schuhe fragen. Schnelle kam Asprian, Er sprach: O weh, was habe ich dir gethan, Die Wege ich nicht erleiden mehr mag, Du bemühest mich diesen ganzen Tag Immer mit neuen Mähren, Mehr als du sonst thatest, Herre, Ihrer war hier ein großer Theil geschlagen, Die haben die Knechte zu tragen, Nimm nach deinem Gefallen, Ich bringe sie dir alle. Da nahm Asprian Die anderen Schuhe lustsam, Und einen Mantel sehr gut, Und auch zwölf Armkränze roth, Und gab alles der alten Bothin, Da ging sie also verstohlen Viel sehre fröhliche Von dem Herren Dietheriche, Und sagete auch schnelle Ihrer Frauen liebe Mähre.

Des Mägdleins Schauen war sehnlich. Sich berieth der Herr Dietherich Mit Berther, dem alten Mann, Wie es mit Fuge möchte gahn. Verständig sprach der Herzoge: An dem versammelten Hofe Will ich machen großen Schall, Der zieht die Leute überall, So bemerket dich kein Mann. Er hieß die Riesen ausgahn, Selber bedeckt er sein Roß, Sich hub der Laut da auf dem Hof, Da führte der alte Jüngeling Tausend Ritter in den Ring, Widolt mit der Stangen Fuhr her mit Klange In aller der Geberde Als ob er thöricht wäre, Da überwarf sich Asprian, Der war der Riesen Spielmann, Grimme hin zwölf Klafter sprang, So thaten die anderen alle mit sammt, Er griff einen ungefügen Stein, Daß von den Merkeren kein Mann Dietherich vernahm, Da sie begunnten umher gahn.

In deme Fenstere die junge Königinne stund, Schnelle kam der Held jung Ueber Hof gegangen. Da ward er wohl empfangen Mit zween Rittern herrlich, Hin ging der Recke Dietherich, Da wurde die Kammer aufgethan, Darein ging der Held wohlgethan, Den hieß die junge Königinn Selber willkommen sein, Und sprach was er dort geböte Daß sie das gerne thäten Nach ihrer beider Ehren: Ich habe dich gerne, Herre, Um deine Biederkeit gesehn, Und um etwas anderes ist es nicht geschehn, Diese Schuhe lustsam Die sollt du mir ziehen an. Viel gerne, sprach Dietherich, Nun ihr es geruhet an mich. Der Herre zu ihren Füßen saß, Viel schöne seine Gebärde was, Auf sein Bein satzte sie den Fuß, Es wurde nie Fraue besser beschuht. Da sprach der listige Mann: Nun sage mir, Fraue lustsam Mähre auf die Treue dein So wie du Christin wolltest sein, Dein hat nun gebeten mancher Mann, Wenn es in deinem Willen sollte stahn Welcher unter ihnen allen Dir am besten gefalle.

Das saget er, da sprach die Fraue: Viel ernstlicher im Treuen Herre, auf die Seele mein, So wahr ich getaufet bin, Der aus allen Landen Die theuren Wigande Zu einander hiesse gahn, So würde doch nie kein Mann Der dein Genosse möchte sein, Das nehm ich auf die Treue mein Daß niemals eine Mutter gewann Ein Kind also lustsam, Darum mit Züchten Dietherich Mag ich lieben und ehren dich, Denn du bist in Tugenden ein ausgenommner Mann,

Sollte ich aber die Wahl han; So nähm' ich einen Helden gut und stark Dessen Bothen kommen her in dies Land, Die noch hie leben In meines Vaters Kerker, Der ist geheissen Rother Und sitzet westlich über Meer, Ich will auch immer Jungfrau gahn Mir werde denn der Held lustsam.

Als das Dietherich vernahm, Da sprach der listige Mann: Willt du Rother minnen, Den will ich dir balde bringen, Es lebet in der Welt kein Mann, Der mir so Liebes hätte gethan, Er minderte ofte meine Noth, Das lohne ihm noch Gott, Wir genossen fröhliche das Land Und lebten fröliche mitsamt. Er war mir immer gnädig und auch gut, Es hat mich auch nie vertrieben der Held gut.

In Treuen, sprach die junge Königinn, Ich verstehe nicht die Rede dein, Dir ist Rother also lieb, Er hat dich auch vertrieben nicht, Von wannen du auch fährest Held stark, Du bist ein Bothe hergesandt, Dir ist des Königes Huld lieb, Nun verheele mir die Rede nicht, Was du mir heute wirst anzeigen, Das will ich immer verschweigen Bis an den jüngesten Tag. Der Herre zu der Frauen sprach: Nun stell' ich alle meine Ding In Gottes Gnade und bei dir, Ja, es steht dein Fuß In Rotheres Schooß.

Die Fraue sehre erschrack, Den Fuß sie aufzog Und sprach zu Dietherich Sehre freundlich: Nun war ich doch nie so ungezogen, Mich hat mein Uebermuth betrogen, Daß ich meinen Fuß Sazte in deinen Schooß, Und bist du Rother so hehr So möchte kein König nimmermehr Bessere Tugend gewinnen, Der ausgenommenen Dinge Hast du von Meisterschaft List, Welches Geschlechtes du aber auch bist, Mein Herze sehnend, Und hätte dich Gott nun hergesendet Das wäre mir inniglicher lieb, Aber ich mag dir doch vertrauen nicht Du bescheinest mir denn die Wahrheit, Und wär' es dann aller Welt leid So räumte ich sicherliche Mit dir das Reiche, So ist es aber ungethan, Doch lebet kein Mann So schöne, den ich dafür nähme, Wenn du der König Rother wärest.

Also redete da Dietherich, Sein Gemüthe war sehre listig: Nun hab' ich Freunde mehre, An denen armen Herren In dem Kerker, Wann die mich sähen, So möchtest du daran verstahn, Daß ich dir wahr gesaget han. In Treuen, sprach die Königinn, Die erwerb' ich von dem Vater mein Mit adelichem Sinne, Daß ich sie aus gewinne, Er giebet sie aber keinem Mann, Er muß sie denn auf den Leib han, Daß ihrer keiner entrinne, Bis man sie wieder bringe In den Kerker, Wo sie waren in Nöthen.

Des antwortete da Dietherich: Ich will sie nehmen über mich Vor Constantine dem reichen Morgen sicherliche Wann er wird zu Hofe gahn. Die Fraue also lustsam Küßte den Herren, Da schied er von dann mit Ehren Aus von der Kammern Zu der Herbergen balde, So wie Berther das ersah, Wie schnell der Ring zerlassen war. Da sagete der Herre Dietherich Die Mähre also wunniglich Dem theuerlichen Herzogen, Des begunnten sie beide Gott loben.

Die Jungfraue lag über Nacht Daß sie in vielen Gedanken war, Als es zu dem Tage kam, Einen Stab sie nahm Und kleidete sich in ein schwarz Gewand, Als wollte sie pilgern über Land, Eine Palme sie auf ihre Schulter nahm Als wenn sie aus dem Lande wollte gahn, So hob sie sich viel balde Zu ihres Vaters Kammer Und klopfete an das Thürlein. Auf that da Constantin, Als er das Mägdelein ansach Wie listiglich sie zu ihm sprach: Nun lebet wohl, Herr Vater mein, Mutter, ihr sollt gesund sein, Mir traumte in der Nacht Es sende des hohen Gottes Gewalt Seinen Bothen mir herab, Ich muß in den Abgrund gahn Mit lebendigem Leibe, Daran ist gar kein Zweifel, Dessen mag mich Niemand erwenden, Ich will nun das Elende Bauen immermehre Zum Troste meiner Seele.

Traurig sprach da Constantin: O nein, liebe Tochter mein, Sage mir, was du wöllest, Dich davon zu erlösen. Vater, es bleibt immer gethan, Mir würden denn die gefangenen Mann, Die will ich kleiden und baden, Daß sie Genade müssen haben An ihrem armen Leibe Ettelicher Weile, Ich begehre sie nur auf drei Tage, Dann sollst du sie wieder haben Zu deinem Kerker. Constantin der edle Sprach, daß er das gerne thäte, Wenn sie einen Bürgen hätten, Der die auf den Leib dürfte nehmen Und sie ihm wieder möchte geben, Daß ihrer keiner entrunne. Da sprach die Magd, die junge: Ich bitt' es heute so manchen Mann Daß sie ettelicher muß bestahn Des Leib ist also tugendhaft Deme du sie mit Ehren geben magst. Da sprach Constantin: Das thu ich gerne, Tochter mein.

Es war die Stunde Nunmehr gekommen Daß Constantin zu Tische ging, Dietherich nicht unterließ Er kam mit seinen Mannen Vor den König gegangen. Da man das Wasser nahm Die Jungfraue lustsam Ging um den Tisch flehend Mit heissen Thränen, Ob sie jemand so liebes hätte gethan, Der die gefangnen Mann Auf den Leib durfte nehmen; Ihr keiner durfte sie des gewähren. Die Herzogen, die reichen, Entzogen sich allgeleiche, Bis sie zu dem Recken kam, Mit dem der Rath war gethan. Da sprach die Magd herrlich: Nun gedenke, Held Diethrich, Aller deiner Güte Und hilf mir aus den Nöthen, Nimm die Bothen auf dein Leben, Die heisset dir der König geben, Verzaget sind meines Vaters Mann, Sie dürfen sich des nicht unterstahn, Doch soll die Eitelkeit dein Mit samt mir getheilet sein, Daß ich der geniesse, Und wenn du's gerne liessest, So erläst es dir nicht dein tugendhafter Muth, Du sollst mir das gewähren Held gut. Gerne, sprach Dietherich, Was Du geruhest an mich Das gehe mir nur an meinen Leib, Doch werde ich dein Bürge schönes Weib.