Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Part 1

Chapter 13,282 wordsPublic domain

Anmerkungen zur Transkription.

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~.

Schein und Sein

Wilhelm Busch

Schein und Sein

Nachgelassene Gedichte

Zweite Auflage

München

Lothar Joachim Verlag

1909

~Published April 15 1909, Privilege of Copyright in the U. S. reserved by Lothar Joachim, Munich under the Act approved March 3 1905.~

Alle Rechte vorbehalten.

Inhalts-Verzeichnis.

Seite

Schein und Sein 1 1899

Woher, wohin? 2 1899

Der Stern 3

Leider! 4

Selbstgefällig 5

Zum Geburtstag im Juni 6

Unbeliebtes Wunder 9 1895

Waldfrevel 12 1899

Abschied 13

Der Renommist 14 1899

Doppelte Freude 16 1899

So und So 17 1899

Greulig 18 1899

Empfehlung 19 1899

Zum Geburtstag 20 1898

Modern 22 1899

Der fremde Hund 23 1899

So war's 24 1899

Die Nachbarskinder 25 1899

Von selbst 26 1899

Beneidenswerth 27 1899

Auch er 28 1899

Die alte Sorge 29 1899

Eitelkeit 30 1899

Gedankenvoll 31

Vielleicht 33 1899

Niemals 34 1899

Wanderlust 35 1899

Beruhigt 36 1899

Fehlgeschossen 37 1899

Unbillig 38 1899

Er ist mal so 39 1899

Verzeihlich 40 1899

Befriedigt 41 1899

Gestört 42 1899

Armer Haushalt 43 1899

Ärgerlich 44 1899

Gedrungen 45 1899

Im Sommer 46 1899

Künftig 47 1899

Vergeblich 48 1899

Versäumt 49 1899

Wassermuhmen 50 1899

Das Blut 51 1899

So nicht 52 1899

Laß ihn 53 1899

Bis auf weiters 54 1899

Gründer 55 1899

Entrüstet 56 1899

Wiedergeburt 58 1899

Frisch gewagt 59 1899

Glückspilz 60 1899

Immerfort 61 1899

Verfrüht 62 1899

Nörgeln 63 1899

Vertraut 64 1900

Tröstlich 65 1900

Unfrei 66 1900

Zwei Jungfern 67 1900

Unbequem 68 1900

Rechthaber 69 1900

Bös und gut 70 1902

Immerhin 71 1905

Erbauliche Bescheidenheit 73 1906

Ich bin Papa 74 1907

Gründliche Heilung 76 1907

Frühlingslied 78 1907

Zu Neujahr 80 1907

In trauter Verborgenheit 81 1907

Was Großmütterlein sang 83

Am Vorabend von Rosens Geburtstag 85 1893

Peinlich berührt 91 1907

Das traurige Röslein 92

Der Thürmer 93 1907

Buch des Lebens 95

Schein und Sein.

Mein Kind, es sind allhier die Dinge, Gleichviel, ob große, ob geringe, Im Wesentlichen so verpackt, Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.

Wie wolltest du dich unterwinden, Kurzweg die Menschen zu ergründen. Du kennst sie nur von außerwärts. Du siehst die Weste, nicht das Herz.

W. B. 1899.

Woher, wohin?

Wo sich Ewigkeiten dehnen, Hören die Gedanken auf, Nur der Herzen frommes Sehnen Ahnt, was ohne Zeitenlauf.

Wo wir waren, wo wir bleiben, Sagt kein kluges Menschenwort; Doch die Grübelgeister schreiben: Bist du weg, so bleibe fort.

Laß dich nicht auf's Neu gelüsten. Was geschah, es wird geschehn. Ewig an des Lebens Küsten Wirst du scheiternd untergehn.

Der Stern.

Hätt Einer auch fast mehr Verstand, Als wie die drei Weisen aus Morgenland, Und ließe sich dünken, er wär wohl nie Dem Sternlein nachgereist, wie sie; Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt, Fällt auch auf sein verständig Gesicht, Er mag es merken oder nicht, Ein freundlicher Strahl Des Wundersternes von dazumal.

Leider!

So ist's in alter Zeit gewesen, So ist es, fürcht ich, auch noch heut. Wer nicht besonders auserlesen, Dem macht die Tugend Schwierigkeit.

Aufsteigend mußt du dich bemühen, Doch ohne Mühe sinkest du. Der liebe Gott muß immer ziehen, Dem Teufel fällt's von selber zu.

Selbstgefällig.

Mein Büdelein Is noch so tlein, Is noch so dumm, Ein ames Wum, Muß tille liegen In seine Wiegen Und hat noch keine Hos'. Ätsch, ätsch! Und ich bin schon so goß.

Zum Geburtstag im Juni.

Den Jahreszeiten allen Selbviert sei Preis und Ehr! Nur sag ich: Mir gefallen Sie minder oder mehr.

Der Frühling wird ja immer Gerühmt, wie sich's gebührt, Weil er mit grünem Schimmer Die graue Welt verziert.

Doch hat in unsrer Zone Er durch den Reif der Nacht Schon manche grüne Bohne Und Gurke umgebracht.

Stets wird auch Ruhm erwerben Der Herbst, vorausgesetzt, Daß er mit vollen Körben Uns Aug und Mund ergötzt.

Indeß durch leises Tupfen Gemahnt er uns bereits: Bald, Kinder, kommt der Schnupfen Und's Gripperl seinerseits.

Der Winter kommt. Es blasen Die Winde scharf und kühl; Roth werden alle Nasen, Und Kohlen braucht man viel.

Nein, mir gefällt am besten Das, was der Sommer bringt, Wenn auf belaubten Ästen Die Schaar der Vöglein singt.

Wenn Rosen, zahm und wilde, In vollster Blüthe stehn, Wenn über Lustgefilde Zephire kosend wehn.

Und wollt' mich Einer fragen, Wann's mir im Sommer dann Besonders thät behagen, Den Juni gäb ich an.

Und wieder dann darunter Den selben Tag gerad, Wo einst ein Kindlein munter Zuerst zu Tage trat.

Drum flattert dies Gedichtchen Jetzt über Berg und Thal Und grüßt das liebe Nichtchen Vom Onkel tausendmal.

Unbeliebtes Wunder.

In Tours, zu Martin Bischofs Zeit, Gab's Krüppel viel und Bettelleut. Darunter auch ein Ehepaar, Was glücklich und zufrieden war. Er, sonst gesund, war blind und stumm; Sie sehend, aber lahm und krumm An jedem Glied, bis auf die Zunge Und eine unverletzte Lunge. Das paßte schön. Sie reitet ihn Und, selbstverständlich, leitet ihn Als ein geduldig Sattelthier, Sie obenauf, er unter ihr, Ganz einfach mit geringer Müh, Bloß durch die Worte Hott und Hüh, Bald so bald so, vor allen Dingen Dahin, wo grad die Leute gingen. Fast Jeder, der's noch nicht gesehn, Bleibt unwillkürlich stille stehn, Ruft: »Liebergott, was ist denn das?« Greift in den Sack, giebt ihnen Was Und denkt noch lange gern und heiter An dieses Roß und diesen Reiter. So hätten denn gewiß die zwei Durch fortgesetzte Bettelei, Vereint in solcherlei Gestalt, Auch ferner ihren Unterhalt, Ja, ein Vermögen, sich erworben, Wär' Bischof Martin nicht gestorben. Als dieser nun gestorben war, Legt man ihn auf die Todtenbahr Und thät' ihn unter Weheklagen Fein langsam nach dem Dome tragen Zu seiner wohlverdienten Ruh. Und sieh, ein Wunder trug sich zu. Da, wo der Zug vorüber kam, Wer irgend blind, wer irgend lahm, Der fühlte sich sogleich genesen, Als ob er niemals krank gewesen. Oh, wie erschrak die lahme Frau! Von weitem schon sah sie's genau, Weil sie hoch oben, wie gewohnt, Auf des Gemahles Rücken thront. »Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen, Damit wir noch beizeit entrinnen.« Er läuft, er stößt an einen Stein, Er fällt und bricht beinah ein Bein. Die Prozession ist auch schon da. Sie zieht vorbei. Der Blinde sah, Die Lahme, ebenfalls kuriert, Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert, Und beide sind wie neu geboren Und kratzen sich verdutzt die Ohren. Jetzt fragt es sich: Was aber nun? Wer leben will, der muß was thun. Denn wer kein Geld sein eigen nennt Und hat zum Betteln kein Talent Und hält zum Stehlen sich zu fein Und mag auch nicht im Kloster sein, Der ist fürwahr nicht zu beneiden. Das überlegten sich die Beiden. Sie, sehr begabt, wird eine fesche Gesuchte Plätterin der Wäsche. Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt Und spaltet Klötze, daß es knackst, Von morgens früh bis in die Nacht. Das hat Sankt Martin gut gemacht.

Waldfrevel.

Ein hübsches Pärchen ging einmal Tief in des Waldes Gründe. Sie pflückte Beeren ohne Zahl, Er schnitt Was in die Rinde.

Der pflichtgetreue Förster sieht's. Was sind das für Geschichten? Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz Und wird den Fall berichten.

Abschied.

Die Bäume hören auf zu blühn, Mein Schatz will in die Fremde ziehn; Mein Schatz der sprach ein bittres Wort: Du bleibst nun hier, aber ich muß fort.

Leb wohl, mein Schatz, ich bleib dir treu, Wo du auch bist, wo ich auch sei. Bei Regen und bei Sonnenschein, So lang ich lebe, gedenk ich dein.

So lang ich lebe, lieb ich dich, Und wenn ich sterbe, bet für mich, Und wenn du kommst zu meinem Grab, So denk, daß ich dich geliebet hab.

Einst in München geschrieben als Ergänzung zu der letzten Strophe, die Freund Krempelsetzer, der das Ganze componirte aus dem Volksmunde behalten hatte.

Der Renommist.

In einem Winkel, genannt die Butze, Wo allerlei Kram, Der nichts mehr nutze, Zusammenkam; Bei alten Hüten, alten Vasen, Bei Töpfen, ohne Henkel und Nasen, Befand sich ein Reiterstiefel auch, Jetzt nur noch ein faltiger Lederschlauch. Großmächtig hat er das Wort geführt Und ganz gewaltiglich renommirt: »Ha, damals! Ich und mein Kamerad! Immer fein gewichst von hinten und vorn, Blitzblank der Sporn, Durch die Straßen geklirrt, Alle Herzen verwirrt, Es war ein Staat! Hurrah, der Krieg, Maustodt oder Sieg! Unser Herr Leutenant, Schneidig, Schwert in der Hand; Doch hätt ich nicht gespornt sein Pferd, Verloren wär die Schlacht von Wörth.« In dem Moment, zu aller Schrecke, Trat plötzlich hervor aus seiner Ecke Ein strammer Reiserbesen. »Hinaus! rief er, du alter Renommist! Was schert es uns, was du gewesen; Wir sehen, was du bist!« -- Ein Schubbs. Ein Schwung. Der Stiefel liegt draußen auf dem Dung.

Doppelte Freude.

Ein Herr warf einem Bettelmann Fünf Groschen in den Felber. Das that dem Andern wohl, und dann That es auch wohl ihm selber.

Der Eine, weil er gar so gut, Kann sich von Herzen loben; Der Andre trinkt sich frischen Muth Und fühlt sich auch gehoben.

So und so.

Zur Schenke lenkt mit Wohlbehagen Er jeden Abend seinen Schritt Und bleibt, bis daß die Lerchen schlagen. Er singt die letzte Strophe mit.

Dagegen ist es zu beklagen, Daß er die Kirche nie betritt. Hier, leider, kann man niemals sagen: Er singt die letzte Strophe mit.

Greulig.

Er hatte, was sich nicht gehört, Drei Bräute an der Zahl Und nahm, nachdem er sie bethört, 'ne vierte zum Gemahl.

Allein, es war ein kurzes Glück. Kaum waren sie getraut, So hat der Hund auch diesen Strick Schon wieder abgekaut.

Empfehlung.

Du bist nervös. Drum lies doch mal Das Buch, das man dir anempfahl. Es ist beinah, wie eine Reise Im alten wohlbekannten Gleise. Der Weg ist grad und flach das Land, Rechts, links und unten nichts wie Sand. Kein Räderlärm verbittert dich, Kein harter Stoß erschüttert dich, Und bald umfängt dich sanft und kühl Ein Kaumvorhandenseinsgefühl. Du bist behaglich eingenickt. Dann, wenn du angenehm erquickt, Kehrst du beim »stillen Wirthe« ein. Da giebt es weder Bier noch Wein. Du schlürfst ein wenig Äpfelmost, Ißt eine leichte Löffelkost Mit wenig Fett und vieler Grütze, Gehst früh zu Bett in spitzer Mütze Und trinkst zuletzt ein Gläschen Wasser. Schlaf wohl, und segne den Verfasser!

Zum Geburtstag.

Der Juni kam. Lind weht die Luft. Geschoren ist der Rasen. Ein wonnevoller Rosenduft Dringt tief in alle Nasen.

Manch angenehmes Vögelein Sitzt flötend auf den Bäumen, Indeß die Jungen, zart und klein, Im warmen Neste träumen.

Flugs kommt denn auch dahergerennt, Schon früh im Morgenthaue, Mit seinem alten Instrument Der Musikant, der graue.

Im Juni, wie er das gewohnt, Besucht er einen Garten, Um der Signora, die da thront, Mit Tönen aufzuwarten.

Er räuspert sich, er macht sich lang, Er singt und streicht die Fiedel, Er singt, was er schon öfter sang; Du kennst das alte Liedel.

Und wenn du gut geschlafen hast Und lächelst hold hernieder, Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast, Zum nächsten Juni wieder.

Modern.

Hinweg mit diesen alten Herrn, Sie sind zu nichts mehr nütz! So rufen sie und nähmen gern Das Erbe in Besitz.

Wie andre Erben, die in Noth, Vergeblich warten sie. Der alte reiche Hoffetodt Der stirbt bekanntlich nie.

Der fremde Hund.

Was fällt da im Boskettgesträuch Dem fremden Hunde ein? Geht man vorbei, so bellt er gleich Und scheint wie toll zu sein.

Der Gärtner holt die Flinte her. Es knallt im Augenblick. Der arme Hund, getroffen schwer, Wankt in's Gebüsch zurück.

Vier kleine Hündchen liegen hier Nackt, blind und unbewußt. Sie saugen emsig alle vier An einer todten Brust.

So war's.

Der Theetopf war so wunderschön, Sie liebt ihn, wie ihr Leben. Sie hat ihm leider aus Versehn Den Todesstoß gegeben.

Was sie für Kummer da empfand, Nie wird sie es vergessen. Sie hielt die Scherben an einand Und sprach: So hat's gesessen!

Die Nachbarskinder.

Wer Andern gar zu wenig traut, Hat Angst an allen Ecken; Wer gar zu viel auf Andre baut, Erwacht mit Schrecken.

Es trennt sie nur ein leichter Zaun, Die beiden Sorgengründer; Zu wenig und zu viel Vertraun Sind Nachbarskinder.

Von selbst.

Spare deine guten Lehren Für den eigenen Genuß. Kaum auch wirst du Wen bekehren, Zeigst du, wie man's machen muß.

Laß ihn im Galoppe tollen, Reite ruhig deinen Trab. Ein zu ungestümes Wollen Wirft von selbst den Reiter ab.

Beneidenswerth.

Sahst du noch nie die ungemeine Und hohe Kunstgelenkigkeit, Sowohl der Flügel, wie der Beine, Im Thierbereich mit stillem Neid?

Sieh nur, wie aus dem Felsgeklüfte Auf seinen Schwingen wunderbar Bis zu den Wolken durch die Lüfte In stolzen Kreisen schwebt der Aar.

Sieh nur das Thierchen, das geringe, Das zu benennen sich nicht ziemt, Es ist durch seine Meistersprünge, Wenn nicht beliebt, so doch berühmt.

Leicht zu erlegen diese beiden, Das schlag dir lieber aus dem Sinn. Wer es versucht, der wird bescheiden, Sei's Jäger oder Jägerin.

Auch er.

Rührend schöne Herzgeschichten, Die ihm vor der Seele schweben, Weiß der Dichter zu berichten. Wovon aber soll er leben?

Was er fein zusammen harkte, Sauber eingebundne Werklein, Führt er eben auch zu Markte, Wie der Bauer seine Ferklein.

Die alte Sorge.

Er kriegte Geld. Die Sorge wich Die ihn bisher beklommen. Er hat die Jungfer Fröhlich sich Zu seinem Schatz genommen.

Sie tranken Wein, sie aßen fein, Sie sangen zum Klaviere; Doch wie sie sich so recht erfreun, Da klopft es an die Thüre.

Die alte Sorge war's, oweh, Die magerste der Sorgen. Sie setzte sich in's Kanapee Und wünschte Gutenmorgen.

Eitelkeit.

Ein Töpfchen stand im Dunkeln An stillverborgener Stelle. Ha, rief es, wie wollt ich funkeln, Käm ich nur mal in's Helle.

Ihm geht es, wie vielen Narren. Säß Einer auch hinten im Winkel, So hat er doch seinen Sparren Und seinen aparten Dünkel.

Gedankenvoll.

Ich weiß ein stilles Fensterlein Liegt heimlich und versteckt, Das hat mit Laub der grüne Wein Und Ranken überdeckt.

Im Laube spielt der Sommerwind, Die Rebe schwankt und nickt, Dahinter sitzt ein hübsches Kind Gedankenvoll und stickt.

Im jugendklaren Angesicht Blüht wundersüß der Mund Als wie ein Rosenknösplein licht Früh in der Morgenstund.

Im Netzgeflecht das blonde Haar Umfaßt ein braunes Band, Das liebe blaue Augenpaar Blickt sinnend auf die Hand.

Und's Köpfchen scheint so still zu sein. Ist doch ein Taubenschlag. Gedanken fliegen aus und ein Den lieben langen Tag.

Sie fliegen über Wald und Flur In's weite Land hinaus. Ach, käm ein einzig Täubchen nur Und flöge in mein Haus.

Vielleicht.

Sage nie: Dann soll's geschehen! Öffne dir ein Hinterpförtchen Durch »Vielleicht«, das nette Wörtchen, Oder sag: Ich will mal sehen!

Denk an des Geschickes Walten. Wie die Schiffer auf den Plänen Ihrer Fahrten stets erwähnen: Wind und Wetter vorbehalten!

Niemals.

Wonach du sehnlich ausgeschaut, Es wurde dir beschieden. Du triumphirst und jubelst laut: Jetzt hab ich endlich Frieden!

Ach, Freundchen, rede nicht so wild, Bezähme deine Zunge. Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, Kriegt augenblicklich Junge.

Wanderlust.

Die Zeit, sie orgelt emsig weiter, Sein Liedchen singt dir jeder Tag, Vermischt mit Tönen, die nicht heiter, Wo Keiner was von hören mag.

Sie klingen fort. Und mit den Jahren Wird draus ein voller Singverein. Es ist, um aus der Haut zu fahren. Du möchtest gern wo anders sein.

Nun gut. Du mußt ja doch verreisen. So fülle denn den Wanderschlauch. Vielleicht vernimmst du neue Weisen, Und Hühneraugen kriegst du auch.

Beruhigt.

Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit. Schade, daß sie leicht und leer ist, Denn ich wollte lieber Klarheit Über das, was voll und schwer ist.

Emsig sucht ich aufzufinden, Was im tiefsten Grunde wurzelt, Lief umher nach allen Winden Und bin oft dabei gepurzelt.

Endlich baut ich eine Hütte. Still nun zwischen ihren Wänden Sitz ich in der Welten Mitte, Unbekümmert um die Enden.

Fehlgeschossen.

Fritz war ein kecker Junge Und sehr geläufig mit der Zunge. Einstmals ist er beim Ährenlesen Draußen im Felde gewesen, Wo die Weizengarben, je zu zehn, Wie Häuslein in der Reihe stehn. Ein Wetter zog herauf. Da heißt es: Lauf! Und flink, wie ein Mäuslein Schlüpft er in's nächste Halmenhäuslein. Krach! -- Potztausendnochmal! Dicht daneben zündet der Wetterstrahl. Ätsch! rief der Junge, der nicht bange, Und streckt die Zunge aus, die lange: Fehlgeschossen, Herr Blitz! Hier saß der Fritz!

Unbillig.

Nahmst du in diesem großen Haus Nicht selbst Quartier? Mißfällt es dir, so zieh doch aus. Wer hält dich hier?

Und schimpfe auf die Welt, mein Sohn, Nicht gar zu laut. Eh du geboren, hast du schon Mit dran gebaut.

Er ist mal so.

Zwar mit seinem losen Mund Neigt er zum Krakeele. Dabei ist er doch im Grund Eine treue Seele.

Die er seine Freunde nennt, Dulden seine Witze, Denn ein Jeder, der ihn kennt, Kennt auch seine Mütze.

Verzeihlich.

Er ist ein Dichter, also eitel. Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm, Zieht er aus seinem Lügenbeutel So allerlei Brimborium.

Juwelen, Gold und stolze Namen, Ein hohes Schloß im Mondenschein Und schöne höchstverliebte Damen, Dies alles nennt der Dichter sein.

Indessen ist ein enges Stübchen Sein ungeheizter Aufenthalt. Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen, Und seine Füße werden kalt.

Befriedigt.

Er 'hört, als eines von den Lichtern, Die höher stets und höher steigen, Bereits zu unsern besten Dichtern, Das läßt sich leider nicht verschweigen.

Was weiß man von den Sittenrichtern? -- Er lebt von seiner Frau geschieden, Hat Schulden, ist nicht immer nüchtern -- Aha, jetzt sind wir schon zufrieden!

Gestört.

Ich gedachte still zu sitzen, Doch sogleich begann das Treiben: Du mußt gehen, laufen, schwitzen, Um so forsch, wie wir, zu bleiben.

Und sie wollten mir nach ihrer Mode keine Ruhe gönnen, Gleich wie Boten und Hausierer Sollt ich hin und wieder rennen.

Ich besah mir diese Geister, Diese ungestümen Treiber. Oft sind solche weisen Meister Grad die ärgsten Klageweiber.

Armer Haushalt.

Weh, wer ohne rechte Mittel Sich der Poesie vermählt. Täglich dünner wird der Kittel, Und die Milch im Hause fehlt.

Aengstlich schwitzend muß er sitzen, Fort ist seine Seelenruh, Und vergeblich an den Zitzen Zupft er seine magre Kuh.

Ärgerlich.

Aus der Mühle schaut der Müller, Der so gerne mahlen will. Stiller wird der Wind und stiller, Und die Mühle stehet still.

So geht's immer, wie ich finde, Rief der Müller voller Zorn. Hat man Korn, so fehlt's am Winde, Hat man Wind, so fehlt das Korn.

Gedrungen.

Schnell wachsende Keime Welken geschwinde; Zu lange Bäume Brechen im Winde.

Schätz nach der Länge Nicht das Entsprungne; Fest im Gedränge Steht das Gedrungne.

Im Sommer.

In Sommerbäder Reist jetzt ein jeder Und lebt famos. Der arme Docter, Zu hause hockt er Patientenlos.

Von Winterscenen, Von schrecklich schönen, Träumt sein Gemüth, Wenn, Dank Ihr Götter, Bei Hundewetter Sein Weizen blüht.

Künftig.

Oh komm herbei, du goldne Zeit, Wenn alle, die jetzt bummeln, In schöner Unparteilichkeit Sich bei der Arbeit tummeln.

Der Lärm, womit der Musikant Uns stört, wird dann geringer. Wer Dünger fuhr, wer Garben band, Dem krümmen sich die Finger.

Vergeblich.

Schon recht. Du willst als Philosoph Die Wahrheit dir gewinnen; Du machst mit Worten ihr den Hof, Um so sie einzuspinnen.

Nur sage nicht, daß zwischen dir Und ihr schon alles richtig. Sie ist und bleibt, das wissen wir, Jungfräulich, keusch und züchtig.

Versäumt.

Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen, Das Lernen findet er nicht schön; Er möchte träumen, möchte gaffen Und Vogelnester suchen gehn.

Er liebt es, lang im Bett zu liegen. Und wie es halt im Leben geht: Grad zu den frühen Morgenzügen Kommt man am leichtesten zu spät.

Wassermuhmen.

In dem See die Wassermuhmen Wollen ihr Vergnügen haben, Fangen Mädchen sich und Knaben, Machen Frösche draus und Blumen.

Wie die Blümlein zierlich knicksen, Wie die Fröschlein zärtlich quacken, Wie sie flüstern, wie sie schnacken, So was freut die alten Nixen.

Das Blut.