Schattenbilder

Part 1

Chapter 13,112 wordsPublic domain

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S. 110 (‚Die traurige absonderliche Aventüre‘ ...) S. 233 (‚Er entsann sich noch der Nächte,‘ ...)

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Schattenbilder

Schattenbilder

Eine Fibel für

Kulturbedürftige in Deutschland

Von

Herbert Eulenberg

83. bis 85. Tausend

Verlag von Bruno Cassirer Berlin 1927

Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig

Inhaltsverzeichnis

Vorrede VII

Vorwort zur zweiten Auflage XVII

Hans Sachs 1

Eine Rede von Hans Sachs 6

Andreas Gryphius 10

Lessing 16

Der junge Goethe 22

Goethe und Italien 28

Nachfolge Goethes 34

Schiller 43

Jean Paul 50

Heinrich von Kleist 56

Franz Grillparzer 63

Friedrich Hebbel 70

Adelbert v. Chamisso 75

Heinrich Heine 82

Brentano der Dichter 90

Eduard Mörike 99

Der Graf Platen 106

Ludwig Tieck 116

E. T. A. Hoffmann 124

Schweizer Dichter 131

Theodor Fontane 140

Rückert 146

Geibel 154

Wilhelm Busch 163

Homer 168

Cervantes 174

William Shakespeare 181

Martin Luther 187

Franziskus von Assisi 195

Dante 204

Raffael 209

Michelangelo in seinen Gedichten 216

Boccaccio 224

Giordano Bruno 232

Zur Würdigung Molières 239

Emile Zola 246

Graf Gobineau 252

Maupassant 257

Lord Byron 264

Oskar Wilde 271

Dostojewski 277

Ibsen 285

Bismarck 293

Etwas über Friedrich den Großen 299

Napoleon 304

Gedanken über Albrecht Dürer 321

Rembrandt 327

Arthur Schopenhauer 335

Friedrich Nietzsche 341

Vorrede

im Marktschreierton dieser Zeit.

(Zur +ersten+ Auflage.)

Was, Bube! Willst du wieder Verse machen, Statt kluge Worte wichtig hinzuschreiben? Sie werden dich von vornherein verlachen, Kannst du denn wirklich gar nichts ernsthaft treiben? Verkaufe würdig deine schönen Sachen, Daß sie nicht im Verlegerlager bleiben. Der seufzt quartalweis’ sonst dich muffig an: „Nein, Lieber, Sie sind nicht der rechte Mann.“

Nun gut, so will ich’s denn allhier versuchen, Die leichte Ware herrlich anzupreisen Wie Zuckerbäcker ihre Sonntagskuchen, Wie Metzger stolz auf ihre Würste weisen. Mag man mich hinterdrein auch laut verfluchen Und dieses Buch dazu als altes Eisen. Hat man es erst gekauft, so schiert mich’s nicht, Was man darüber zu dem Nachbarn spricht.

Man liest, nicht neu ist diese Leichenklage, In Deutschland ungern Bücher, die nicht Mode. Nach solchen vollends ist fast nie die Frage, Die ohne Plan und richtige Methode Höchst oberflächlich zu des Kenners Plage Ihr Thema nicht behandeln bis zu Tode. Fehlt solchem Werk gar ein sexueller Reiz, Kauft’s keine Katze, höchstenfalls man leiht’s.

So muß ich denn in die Posaune blasen, So laut, daß Mauern fallen, Deutsche stutzen, Daß alle Sortimenter nach mir rasen, Mit diesem Buch die Fensterlage putzen, Daß es da hängt, sichtbar vor aller Nasen, Bescheidenheit ist schön, doch ohne Nutzen, Und hältst du dich nicht für ein großes Licht, Die andern glauben es von selber nicht.

So hört und glaubt es mir vor allen Dingen: „Ich war und bin der klügste über allen, Die heute bei uns nach dem Lorbeer springen, Wenn andre auch dem Pöbel mehr gefallen, Weil sie ihm nach den trägen Ohren singen, Charakterlos wie Dichter oder Quallen. Ich mache niemals eine Konzession Hört! vor dem Kaiser nicht, staunt! noch vor Cohn.

Ich schreibe niemals Bitt- und Bettelbriefe An Bühnenleiter oder Bürgermeister, Verbeuge mich nicht still in aller Tiefe Vor jedem Kritiker, vielleicht verreißt er Auch diese Bilder mir als falsche, schiefe, Die Leute werden täglich dumm und dreister. Macht nichts! Ich ziehe meinen Hut nicht ab Vor keinem, sei es Kerr, Kahn, Falk, Hart, Bab.

Ich weiß, man kann das Rennen anders machen Mit schlauer Haltung, vielen Schmeicheleien, Kann Hintertreppen gehn, wenn sie nicht krachen, Den Einflußreichen schöne Worte weihen, Und sind sie fort, sich in sein Fäustchen lachen, Daß Gott und Scherl die Narren läßt gedeihen. Man nennt das Bauernfang im deutschen Land, Mir ist die Kunst vertraut nicht, doch bekannt.

Mir fällt es schwer, den Rücken hohl zu biegen Und jeden, der Skribent ist, anzulächeln. So mochte Alexanders Vater siegen, Ich mag nicht allen Komplimente fächeln, Ich weiß, es ist nicht klug und fast verstiegen, Man muß Kollegen loben oder hecheln. So wird man kritisierend über Nacht Aus einem armen Schreiber eine Macht.

Mir ist dies Treiben ganz und gar zuwider, Ihr könnt mir darum folgen ohne Beben. Ich tu nicht nur, ich bin auch wirklich bieder Und habe mit dem Buch hier kein Bestreben. Ich spreize nicht dem Pfau gleich mein Gefieder, Will keinen töten, keinen Freund erheben, Wie dies allwöchentlich bei uns geschieht, Wenn man uns einen neuen Kleist beschied.

Ich will nicht Hofrat noch Direktor werden, Man hat es früher dann und wann erfahren, Daß Bücher drum geschrieben sind auf Erden, So lohnt ein Frevel oft sich erst nach Jahren. Ich habe auch nicht andere Beschwerden, Ich brauchte Groll und Haß nicht aufzusparen. Das einzige, was man von der Wahrheit hat, Sie macht die Leber frei, nur sonst nicht satt.

Ich bin auch keiner Zeitung fest verpflichtet Und keinerlei Partei treu zugeschworen. Für allen Schaden, den ich angerichtet, Haft’ ich mit meinen eignen Eselsohren. Mein Kinderglaube selbst ist arg gelichtet, Ich gelte nicht getauft mehr, kaum geboren. Vertraut mir eure tapfern Seelen drum, Die alte Zeit geht nicht mehr in mir um.

Ich dünke mich nicht besser und nicht schlechter Als jeder, der nicht im Gefängnis weilet. Ich borge ungern, bin kein guter Fechter Und hab’ mich auf der Schule nicht beeilet. Ich liebe Frauen, bin kein Kostverächter Und wehre mich, bevor man mich verkeilet. Mehr sag’ ich nicht zu meinem eignen Ruhm, Die andern werden es noch weniger tun.

So steh’ ich als Charakter stolz erhaben Und trage meinen Mantel ohne Falten. Nun muß ich meine großen Geistesgaben Hoch in die Luft, nicht untern Scheffel halten Wie ein Magister stolz vor seinen Knaben, Mein Pfund, mein geistig Königreich verwalten. Sonst glaubt es keiner auf mein bloßes Wort Und wirft dies Buch halb aufgeschnitten fort.

Ach ja, ich muß es einmal doch gestehen, Ich hab’ kein Amt, bin nicht einmal Professor, Zum Doktor bracht’ ich es rein aus Versehen, Doch dies ist mir und euch kein Bildungsmesser. So scheint mein Schreiben beinah’ ein Vergehen, Der Fachmann weiß in Deutschland alles besser. Verwünscht, wie mach’ ich’s euch nur sonnenklar, Daß alles vor mir auf dem Holzweg war?

Erst wollt’ ich gar -- hätt’ ich’s nur so gehalten! -- Als Übersetzung diese Sammlung geben. Man kann ganz leicht mit einem Deutschen schalten, Kommt man vom Ausland her, das ist es eben. Sonst wird das Zutraun furchtbar schnell erkalten, Besonders wenn man jung ist und am Leben. Doch jeder Fremde findet Deutschland brav, Fragt Bernhard Shaw, er selber spricht sich „Schaf“.

In früherer Zeit, ja so muß ich beginnen, Da man die Dichtkunst Literatur benannte, Da fingen die gelehrten dicken Spinnen Die Dichter ein, für die das Volk entbrannte, Und keiner konnte diesem Los entrinnen, Das nach dem Tod ihn in ein Schubfach bannte. Die Literarhistorie -- o Graus! Sah ordentlich als Apotheke aus.

Es war sehr leicht: Man runzelte die Stirne, Kam auf den toten Eichendorff die Rede, Man blätterte ein wenig im Gehirne Von Neuromantik an bis auf die Vede, Da hing er sanft wie eine reife Birne, Man rubrizierte ihn nach mancher Fehde: „Katholisch, fromm, verworren, Volkston, schlicht, Als Dramendichter taugt er leider nicht.“

Es war, ich sagt’ es schon, oft ein Vergnügen, So einen nach dem andern vorzunehmen Und matt zu machen mit drei Winkelzügen, Daß sich im Grab vor ihm die Würmer schämen. Ich tät es selbst gern mit, ich will nicht lügen, Wenn später nicht Gewissensbisse kämen. Auch paßt es nicht in meinen Plan hinein, Drum laß ich jeden, wie er war, so sein.

Was nützt es, einen toten Mann zu schlagen, Weil er nicht andre beßre Verse machte? Wir brauchen seinem Geist nicht nachzujagen, Ich kritisiere nie, wenn ich verachte. Ein Besen mag mit Staub und Quark sich plagen, Der ohne Nase nie an Blumen dachte. Ich schreib’ die Künstler auf, wie ich sie seh’, Was ich nicht liebe, das tut mir nicht weh.

Der Kritikus will alles besser machen, Er faßt die Sache stets am andern Zipfel, Und er beweist dir -- es ist nicht zum Lachen -- Daß flach und falsch, was du verehrst als Gipfel, Er macht die Börse, an der sie verkrachen, Doch alles bleibt wie auf dem i der Tipfel. Zum Schluß hält jeder Künstler uns zum Spott Die Welt, die er erschuf, für gut wie Gott.

Der Deutsche möchte jeden gern verbessern. Die Kunst ist dafür da, sie zu zensieren. Selbst Goethen möcht’ man da und dort verwässern, Wo Jungfern sich und Pfarrer vor ihm zieren. Man pocht und kritisiert an allen Fässern, Statt zu genießen will man nur probieren. Man liebt den Riesen nicht und haßt den Zwerg. „Nur im Essay erträgt sich Eulenberg.“

Ihr findet nichts von solcherlei Geplapper In diesem Büchlein, das die Welt läßt gehen: Die Mühle samt dem Wasser und Geklapper. So läßt es auch die Menschen gehn und stehen. Es nennt den Geizhals ruhig Filz und Schrapper, Will jeden mit und ohne Hemd besehen. Und sagt und fügt nichts weiteres dazu Als: „Laßt die armen Menschen doch in Ruh’!“

Davon will zwar der Fachmann wenig wissen, Er will die Suppe selber noch versalzen. Erst wenn er seinen Tadel dreingeschmissen, Hört ihr vergnügt ihn mit der Zunge schnalzen. Ihr findet keinen bei mir recht verrissen, Wer das will, mag das Buch zusammenfalzen. Kein Künstler hat gelebt in dieser Welt, Dem ich den Totenschein nicht gut bestellt.

Ich schreibe nicht für hyperkluge Köpfe, Die ihre Eier aus den Künstlern brüten Und sich als Henkel fühlen für die Töpfe, Mit seltnen Worten farbenklexend wüten, Die Königsmacher sind die tollsten Tröpfe. Ich bin kein Literat, Gott soll mich hüten! Ich weiß, daß unsere ganze Zeit vergeht, Auch wenn man in der „Neuen Rundschau“ steht.

Ich schreibe nicht für nimmersatte Leser, Die täglich neunzehn Zeitungen verdauen, Und hinter ihre scharfen Brillengläser Geduckt die Meinung andrer wiederkauen, Achtlos wie Vieh, das Blumen rupft wie Gräser, Die auf ihr Leibblatt wie auf Gott vertrauen, Und eh’ sie ungern ins Theater gehn, Zuerst stets, was die Zeitung sagt, besehn.

Drum wollen wir, die ihr so weit gelesen, Uns friedlich vorher auseinandersetzen. Ich zeige euch der Künstler wahres Wesen, Doch ohne sie dabei roh zu zerfetzen. Ich kenne keine Guten, keine Bösen, Weiß nur die Kunst, die Tugend nicht zu schätzen. So lest mich auch und denkt euch viel dabei, Und rührt die Löffel gut für meinen Brei.

Nur schimpft nicht gleich auf mein’ und eure Kosten, Ihr könnt es täglich alles besser schreiben, So löst ihr mich hohnlächelnd von dem Posten. Bis dahin will ich demutsvoll dort bleiben, Als Säulenheiliger auf meinem Pfosten Den Gottesdienst der Kunst still weiter treiben. Den Philologen nur ein Kinderschreck Fang’ ich bescheiden ihre Kunden weg.

Glaubt mir, ich kenne Universitäten, Man lernt dort nie die Künstler richtig schauen, Bist du in einen Hörsaal eingetreten, Mußt du dich dem Katheder anvertrauen Und zu der Weisheit des Professors beten, Der faßt die Welt an mit gelehrten Klauen Und knetet dir die Dichter vor wie Wachs, Du kennst Fritz Reuter nicht mehr von Hans Sachs.

Sie sind Rohstoff für seine weisen Worte, Im letzten Grunde liebt er nur sich selber, Sie müssen ein durch seine enge Pforte, Er streichelt oder schlachtet sie wie Kälber. O teurer Jüngling, meide diese Orte, Du wirst davon gelehrter nicht, nur gelber. Kauf dir dies Buch! Gottlob, du hast es schon, Schick’ eine kurze Karte mir zum Lohn!

Steigt alle ein! Wir wollen endlich fahren, Mein Schifflein, Büchlein treibt nach vielen Küsten. Ihr kennt die Wonnen nun und die Gefahren, So mögt ihr euch und eure Seelen rüsten! Erinnerung dankt uns allen erst nach Jahren, Dann wißt ihr, ob ich recht tat mich zu brüsten. Bis dahin gebt mir achtungsvoll Kredit Und nehmt als Lotsen auf die Fahrt mich mit!

Kaiserswerth am Rhein. Im Herbst 1909. +Herbert Eulenberg.+

Vorwort zur zweiten Auflage,

das unbedingt gelesen werden muß*).

Nun muß ich doch aus dem Poetischen ins Prosaische lavieren und aus dem Scherz Ernst machen, angesichts dieser +neuen+ Auflage, die mir und meinem Buche widerfahren ist. Ich muß es, einmal, um auf die vielen freundlichen Zuschriften, die mir aus dem +großen+ Leserkreis, den zu meinem Erstaunen literatur- und kulturhistorische Aufsätze im heutigen Deutschland finden, zugegangen sind, hier mit schlichten deutschen Worten mein: „Ich danke Euch allen!“ hinzusetzen.

Dann aber bin ich auch gezwungen, den mancherlei böswilligen Äußerungen, Angriffen und Vorwürfen die Spitze zu bieten, mit der mir von der Seite meiner Gegner zu Leibe gerückt worden ist. Ich halte dafür, daß man alle Ausfälle seiner Feinde möglichst schnell erwidern und abwehren muß. Sonst setzt sich leicht beim zuschauenden und zuhörenden Publikum die Meinung fest, daß unsere Widersacher über uns triumphiert hätten, daß wir die Unterlegenen wären, und daß es mit unseren Ansichten schwach, wenn nicht faul stände. Solche irrigen Annahmen soll man aber niemals beim Publikum, wie man vom Rheumatismus sagt, „einreißen“ lassen. Und darum nütze ich gleich die gute Gelegenheit, die mir dieses Vorwort zur zweiten Auflage bietet, mich vor den Schranken meiner Leser mit meinen Gegnern auseinanderzusetzen.

Viele Kritiker haben nämlich gefunden, daß diese kurzen Aufsätze dem Vorwurf selten ganz gerecht würden, daß sie kleine Federzeichnungen, keine lebensgroßen Bilder und Darstellungen der Männer, denen sie gewidmet wären, wiedergäben. Diese mir offenbar nicht wohlwollenden Leute muß ich darum bitten, nochmals auf den Titel dieser Sammlung von Miszellen zu achten, der besagen will, daß es sich hier nur um hoffentlich gut gezeichnete Umrisse von großen Menschen, um eine skizzenhafte Darstellung ihres Wesens und Wirkens in meiner Manier handelt. Man werfe diesen Radierungen darum nicht das vor, was sie ausmacht: Kürze, Wesentlichkeit, Knappheit.

Man wird vielleicht, auch auf der Seite meiner Feinde, gerechter und milder gegen mich sein, wenn ich den Ursprung der meisten dieser kurzen, zwanglosen literarischen Skizzen offenbare. Es sind nämlich in der Mehrheit Reden, Theaterreden, die ich während eines Zeitraums von vier Jahren allsonntäglich in den von +Louise Dumont+ angeregten Matineen des Düsseldorfer Schauspielhauses gehalten habe. Das waren wiederum künstlerische Veranstaltungen, zu deren Erklärung für den, der sie nicht gekannt hat, ich hier drei Programme abdrucken will, aus denen man, wenn man sie durchliest, sich schnell und gut ein Bild von ihnen machen kann.

*) Es wurde gleichzeitig mit dem Vorwort zur ersten Auflage gedruckt, in der festen Annahme, daß die erste die letzte bleiben würde.

I. Altdeutsches Theater.

+Hans Sachs+ (1494-1576) und +Andreas Gryphius+ (1616-1664)

1. Einführende Worte. (Herbert Eulenberg.)

2. Etzliche ergötzliche +Schwänke+ und Narrenspossen in lustige Reimpaare gebracht von Hans Sachs, der weyland ehrsamer Schuhmachermeister in Nürnberg gewesen ist und ein tüchtiger Poet dazu.

Vorgetragen von einem wackern Schauspieler.

3. +Meisterlieder+ der Meistersinger in den +alten+ Weisen der Singschulen, wie sie in Nürnberg, Mainz, Straßburg, Kolmar und an andern Orten Gott und der Welt gefällig, üblich waren.

Gesungen von einem höchst fürtrefflichen Sänger.

4. „+Das Kälberbrüten+“, ein Fastnachtspiel von Hans Sachs vom 7. Oktober 1551. Mit drei Personen folgendermaßen darzustellen:

Der dumme verschlafene Bauer. Die grobe Bäuerin. Der erzschlaue Pfaffe. Ein Korb mit zwei runden roten Käsen, so aus den Niederlanden kommen.

5. Einige ernste geistliche Lieder von dem Syndikus zu Glogau, +Andreae Gryphio+ sich selbst und andern zum Trost nach jenem entsetzlichen, dreißig Jahre lang währenden Kriege aufgeschrieben.

Schön vorgetragen von einem würdigen Mimen.

6. „+Horribilicribrifax+“ ein gar lustiges „Schertzspiel“ in mehreren Akten vom besagten schlesischen Poeten +Gryphius+ verfaßt und in +eine+ kurzweilige Szene kontrahieret von einem heutigen Dichtersmann. In diesem Schertzspiel von dem berühmten Kapitäne Horribilicribrifax von Donnerkeil auf Wüsthausen werden eingeführt als Redende:

1. v. +Horribilicribrifax+, ein weyland reformierter Hauptmann, agiert von einem wüsten Gesellen.

2. +Sempronius+, ein alter verdorbener Schulmeister von großer Einbildung, agiert von einem spindeldürren Darsteller.

3. +Dionisius+, ein armer Bader, agiert von einem Durchschnittsmenschen.

4. +Coelestine+, eine sittsame Jungfer, agiert von einem zarten, aber resoluten Fräulein.

Als Blasende: +Der Hoboist+: Prologus und Epilogus.

Zum Beginn und Abschluß des Stückes findet ein feierlicher Umzug der Akteurs über die Szene statt.

II. Johannes Boccaccio.

Gedächtnisfeier zur Erinnerung an den großen Certaldesen,

+Giovanni Boccaccio+

den Verfasser des „Dekameron“, den ersten Meister in der Kunst des Erzählens im Abendlande. (Er ward geboren vor fast 600 Jahren zu Certaldo im Florentinischen und starb daselbst am Tage der Lichtwende im Dezember anno 1375.) Dieses ist die Inschrift, die er auf sein Grab in der Stiftskirche St. Jacopo ebendort setzen ließ:

„Unter dem Stein hier ruhen der Staub und der Rest des Johannes. Aber sein Geist ruht vor Gott wie sein Leben geschmückt mit Verdiensten. Vater war ihm Boccaccio, Certaldo heißt seine Heimat. Für die Dichtkunst glühte sein Herz, solang’ es hier schlug.“

1. Worte zur +Einführung+,

gesprochen von Herbert Eulenberg.

2. Die berühmte +Beschreibung der Pest+ zum Eingang des „Dekameron“.

Vorgetragen von einem guten Sprecher.

3. Etzliche +Liebesfragen+ und ihre Entscheidungen, ein ergötzliches Gesellschaftsspiel, so in vornehmen Kreisen von Neapel und Florenz in jenen vergangenen Zeiten oft angestellt wurde. (Aus Boccaccios „Filocopo“, seinem Erstlingswerk.) -- +Liebesliedchen der Fiammetta+.

Vorgetragen von einer jungen anmutvollen Schauspielerin.

4. Erzählung von dem Studenten, dessen Liebe von einer schönen Witwe böslich verschmäht wurde, welcher aber alsbald fürchterliche Rache an ihr nahm -- eine bittere Warnung für alle spröden und tückischen Frauenspersonen. (Die 7. Novelle aus dem 8. Tage des „Dekameron“.)

Wiedererzählt von einem gleich dem Studenten tollen Kerl.

III. Rokoko.

„Ach, wer bringt die schönen Stunden Jener Zeiten uns zurück?“

1. Introduktion.

Gesprochen von Herbert Eulenberg.

2. Suite für Violine und Spinett von +Arcangelo Corelli+: Praeludio. -- Sarabande I. -- Sarabande II. -- Gavotte. -- Adagio.

Ausgeführt von einer Violine und einem Spinett.

3. Lieder „An Chloë“. -- „Warnung“. (Beide von dem berühmten Wiener Meister W. A. +Mozart+.) -- „Schäferlied“ von Jos. +Haydn+. -- „Wiegenlied“. (Text von Weiße.) Musik vermutlich von +Mozart+.

Lieblich vorzutragen von einer Demoiselle.

4. Gedichte +Hagedorn+: Die Küsse. -- +Gleim+: Triolet. -- +Der junge Goethe+: Wirkung in die Ferne. -- Wer kauft Liebesgötter? -- +Hölty+: Die Lebenspflichten. -- +Das Kanapee.+ -- +Gellert+: Die Widersprecherin. -- Der betrübte Witwer.

Zu sprechen von einer spitzen Aktrice.

5. Flötenkonzert von +Joh. Joach. Quant+, +Friedrich dem Großen+ zugeeignet.

Ausgeführt von einer Flöte, einer Geige und dem Spinett.

6. +Alt-Arie+ von Ritter Christoph Willibald +Gluck+.

Melodisch zu singen von einer Demoiselle.

7. Tänze aus der Zeit des Rokoko:

1. Menuett nach Mozart. 2. Gavotte von Bocherini.

Am besten von zwei jungen Jungfern in der Tracht jener Tage vorzuführen.