Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel
Part 8
Seite Tafelerklärung V Alphabetischer Index VII Addenda VIII Einleitung 1 Primates 1. Macacus maurus F. Cuv. Taf. I und II 2 Macacus tonkeanus n. sp. 3 2. Cynopithecus niger (Desm.) 4 3. Cynopithecus niger nigrescens (Temm.) 4 4. Tarsius fuscus Fisch.-Waldh. Taf. III Fig. 1–2 4 Chiroptera 5. Pteropus wallacei Gr. Taf. IV Fig. 1 5 6. Pteropus alecto Temm. 5 7. Pteropus hypomelanus Temm. 6 8. Pteropus mackloti Temm. 6 9. Xantharpyia minor (Dobs.) 6 10. Cynopterus latidens Dobs. 7 Cynopterus brachyotis (S. Müll.) 7 11. Uronycteris cephalotes (Pall.) 8 12. Cephalotes peroni Geoffr. 9 13. Carponycteris australis (Ptrs.) 10 14. Rhinolophus minor Horsf. 11 15. Hipposiderus diadema (Geoffr.) 11 16. Megaderma spasma (L.) 12 17. Vesperus pachypus (Temm.) 12 18. Vesperugo petersi n. sp. Taf. IV Fig. 2 13 Vesperugo papuanus orientalis n. subsp. 14 19. Vesperugo minahassae n. sp. Taf. IV Fig. 3 14 20. Vespertilio muricola Hdgs. 16 21. Nyctinomus sarasinorum n. sp. Taf. IV Fig. 4–6 und Taf. X Fig. 3, 4 und 28, und Taf. XI Fig. 2 und 2a 16 Nyctinomus astrolabiensis n. sp. Taf. X Fig. 19 und 30, und Taf. XI Fig. 6 19 Insectivora 22. Crocidura fuliginosa (Blyth) 20 Carnivora 23. Viverra tangalunga Gray 20 24. Paradoxurus hermaphroditus (Schreb.) 20 25. Paradoxurus musschenbroeki Schl. 20 Rodentia 26. Sciurus leucomus Müll. Schl. 21 27. Sciurus leucomus occidentalis A. B. M. 21 28. Sciurus sarasinorum A. B. M. Taf. V 21 29. Sciurus murinus Müll. Schl. 21 30. Sciurus rubriventer Müll. Schl. 22 31. Mus rattus L. 22 32. Mus neglectus Jent.(?) 22 33. Mus ephippium Jent. 23 34. Mus musschenbroeki Jent. Taf. VI Fig. 1 23 35. Mus callitrichus Jent. Taf. VII Fig. 1 24 36. Mus hellwaldi Jent. Taf. VII Fig. 2–10 25 37. Mus xanthurus Gr. Taf. VI Fig. 2–10 25 38. Lenomys meyeri (Jent.) Taf. VIII 26 39. Craurothrix leucura (Gr.) Taf. IX 27 Ungulata 40. Sus verrucosus celebensis (Müll. Schl.) 27 41. Babirusa alfurus Less. 28 42. Cervus moluccensis Q. G. 29 Marsupialia 43. Phalanger ursinus (Temm.) 31 44. Phalanger celebensis (Gr.) 31
Anhang: Die löffelförmigen Haare der Molossi von Dr. J. Jablonowski, Assistenten am Museum. Hierzu Taf. X und XI 32
TAFELERKLÄRUNG
Tafel I Macacus maurus F. Cuv. vom Pik von Bonthain, Süd Celébes, mas sen. Circa ⅓ nat. Grösse Seite 2 Tafel II Schädel von Macacus maurus F. Cuv. vom Pik von Bonthain, mas sen. 1 norma facialis, 2 norma lateralis, 3 norma verticalis, 4 norma basalis. ¾ nat. Grösse. Seite 2 Tafel III 1–2 Tarsius fuscus Fisch.-Waldh. von Nord Celébes. 1 mas ad., nat. Grösse; 2 juv., circa ⅔ nat. Grösse. Seite 4 3 Tarsius sangirensis A. B. M. von Siao, Sangi Inseln. Circa ½ nat. Grösse. Seite 5 Tafel IV 1 Pteropus wallacei Gr. von Nord Celébes. Nat. Grösse. Seite 5 2 Kopf von Vesperugo petersi n. sp. von Nord Celébes. Doppelte nat. Grösse. Seite 13 3 Kopf von Vesperugo minahassae n. sp. von Nord Celébes. Doppelte nat. Grösse. Seite 14 4–6 Nyctinomus sarasinorum n. sp. von Central Celébes. 4 nat. Grösse. 5 Kopf in doppelter nat. Grösse, 6 Tragus in vierfacher nat. Grösse. Seite 16 Tafel V Sciurus sarasinorum A. B. M. von Central Celébes. 1 nat. Grösse, 2 ½ nat. Grösse. Seite 21 Tafel VI 1 Mus musschenbroeki Jent. von Nord Celébes. Nat. Grösse. Seite 23 2–10 Mus xanthurus Gr. von Nord Celébes. 2–8 nat. Grösse, 9 und 10 circa fünffache nat. Grösse. 3 rechter Vorderfuss von unten 4 rechter Hinterfuss von unten 5–6 Schädel in der norma lateralis 7 Schädel in der norma verticalis 8 Schädel in der norma basalis 9 linke obere Zahnreihe in derselben Orientirung wie der Schädel 10 linke untere Zahnreihe, desgleichen Seite 25 Tafel VII 1 Mus callitrichus Jent. von Nord Celébes. Nat. Grösse. Seite 24 2–10 Mus hellwaldi Jent. von Nord Celébes. 2–8 nat. Grösse, 9 und 10 circa siebenfache nat. Grösse. 3 rechter Vorderfuss von unten 4 rechter Hinterfuss von unten 5–6 Schädel in der norma lateralis 7 Schädel in der norma verticalis 8 Schädel in der norma basalis 9 linke obere Zahnreihe in derselben Orientirung wie der Schädel 10 linke untere Zahnreihe, desgleichen Seite 25 Tafel VIII Lenomys meyeri (Jent.) von Nord Celébes. Nat. Grösse. 2 linker Vorderfuss von unten 3 linker Hinterfuss von unten Seite 26 Tafel IX Craurothrix leucura (Gr.) von Nord Celébes. Nat. Grösse. 2 linker Vorderfuss von unten 3 linker Hinterfuss von unten Seite 27 Tafel X Haare der Molossi. Seite 32 fg. Siehe nähere Erklärung und XI Seite 53 des Anhanges von J. Jablonowski.
ADDENDA
Seite 5, 1. Zeile, füge hinzu: Sowie vom Pik von Bonthain, circa 1350 m hoch, Wald bei Erelompu, Süd Celébes.
Seite 20, 4. Zeile: Die Exemplare von Crocidura fuliginosa (Blyth) sind in Spiritus conservirt.
Seite 20, Zeile 12 von unten: Das Exemplar ist in Spiritus conservirt.
Seite 20, Zeile 6 von unten: Es ist noch ein junges Exemplar (h), Fell und Schädel, in Spiritus, von Rurukan, Minahassa, Nord Celébes, vorhanden.
EINLEITUNG
Von früheren Zusammenstellungen abgesehen, kannte Wallace 1880 (Island Life 426) nur 16 Landsäugethiere von Celébes [64], Jentink dagegen 1888, auf den für diese Erdgegend reichsten Materialien des Leidener Museums fussend, 45, darunter 19 Fledermäuse (T. Aardr. Gen. 2. s. VI, 250 1889). Aber auch diese Zahl ist noch sehr weit von der thatsächlichen entfernt. Ich kenne bereits 83 Landsäugethiere, darunter 39 Fledermäuse, vom Festland, und rechnet man die Inseln hinzu, im Umkreise, wie sie zum Celébes-Areal als Übergangzone zwischen der Orientalischen und Australischen Region gehören (s. Meyer & Wiglesworth: Birds of Celebes, map I u. Intr. p. 130 1898), also einschliesslich Talaut, Sula und Kalao und was dazwischen liegt, so zähle ich 96 Landsäugethiere, darunter 44 Fledermäuse [65]. Bedenkt man aber, dass die Hochgebirge, die auf dem Festlande bis 10000 Fuss ansteigen, noch so gut wie unbekannt und die Inseln kaum erforscht sind, und dass auf den Hochgebirgen des benachbarten Luzon in den letzten Jahren viele neue Arten aufgefunden wurden (cf. Thomas TZS. [66] 1898 XIV, 377 sq.), so kann man auf Celébes auch noch viel des Unbekannten vermuthen, um so mehr als die Vogelfauna sich der der Philippinen näher verwandt erwiesen hat, als der der anderen benachbarten Länder (siehe Meyer & Wiglesworth: Birds of Cel., Introd. p. 130 1898). Es ist daher vielleicht nicht zu optimistisch, wenn man annimmt, dass ein Drittel oder gar die Hälfte der Säugethiere noch zu entdecken bleibt. Niemand aber brachte so viele Arten von Celébes heim wie die Herren Sarasin; sie erbeuteten 44 Landsäugethiere, darunter 17 Fledermäuse, und wenn alle von dort gekommenen zusammen auch, wie wir sahen, fast die doppelte Zahl ergeben, so ist das erzielte Resultat doch um so beachtenswerther, als diese Forscher sich bekanntlich auf den verschiedensten Gebieten der Naturwissenschaften bethätigt haben, und sie, eben ihrer breiten Interessensphäre wegen, in keiner Weise etwa ihr Hauptaugenmerk auf die Säugethiere des Landes lenken konnten.
Bezüglich der Localitäten, an denen von ihnen in den Jahren 1893–1896 gesammelt wurde, vergleiche man die ausführlichen, bei Gelegenheit der Bearbeitung ihrer Vogelsammlungen gemachten Angaben in diesen „Abhandlungen und Berichten“ 1894/95 Nr. 8 und 1896/97 Nr. 1, sowie die Karte II der „Birds of Celebes“ 1898. Ich recapitulire hier nur, dass sie 1893–1894 im Norden der Insel waren, 1895 in centralen Gegenden und 1895–1896 im Süden (siehe Z. Ges. Erdk. Berlin 1894 XXIX, 351; 1895 XXX, 226, 311; 1896 XXXI, 21 und Verh. Ges. Erdk. Berlin 1896, 337. Mit 7 Karten).
Meine 1. Abhandlung über „Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel“ (mit 15 Tafeln) findet sich im VI. Bande, 1896/97, und hoffe ich noch weitere Fortsetzungen folgen lassen zu können.
PRIMATES
CERCOPITHECIDAE
1. MACACUS MAURUS F. CUV.
Tafel I und II
a. mas sen., Balg mit Schädel, Loka, c 1300 m am Pik von Bonthain, Süd Celébes, 21. X 95 (Tafel I und II). b. mas juv., Balg mit Schädel, Barabatuwa bei Pankadjene, Süd Celébes, 30. VI 95. c. mas ad., Haut mit Schädel, in Spiritus, Süd Celébes. d. mas ad., Skelet, Gowa bei Makassar, Süd Celébes. e. juv., Skelet, Makassar, Süd Celébes.
Exemplar a ist, der Grösse und Färbung (Tafel I c. ⅓ n. Gr.), sowie dem Schädel (Tafel II ¾ n. Gr.) nach, ein Greis. Bräunlich, Kopf heller, Rücken dunkler (Ridgway III 1, vorn mehr III 3; Radde 29b, am Rücken und an den Extremitäten dunkler [67]. Haare des Nackens und Oberrückens sehr lang, bis 10 cm und darüber, stark mit Weiss gemischt, Unterrücken mit nur wenig weissen Haaren, am Gesässe weisslich, viel heller als das von mir Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 Tafel I, 5 abgebildete Exemplar von Tonkean, Hinter- und Innenseite der Oberschenkel grau, Vorderhals und Oberbrust hellgrau. Die oberen Extremitäten aussen bräunlich, ebenfalls stark mit Grau melirt, Hand grau und weiss, Vorderarm innen weiss; am Unterschenkel wenig Weiss, Hinterhand stark grau und weiss behaart, Augenbrauen mit viel Weiss, Wangen, Bart, Kinn, Kehle stark melirt. Im Ganzen liegt ein bräunliches Exemplar mit weisser und grauer Zeichnung vor gegenüber dem erwähnten schwarzen, mit Grau gezeichneten von Tonkean. — Die Maasse sind am Balge nicht mit Sicherheit zu nehmen, da das Skelet fehlt: Vom Vertex zum Anus c 520 mm, von der Lippe zum Anus (alle Krümmungen mitgemessen) 720, Hinterhand 165. Schädelmaasse: Grösste Länge 143 mm, Jochbogenbreite 92, Breite am proc. zygom. os. front. 71.5, geringste Breite zwischen den Augenhöhlen 6.5, Breite an den Alveolen der Caninen 35.6, geringste Breite am Pterion 44.4, grösste Breite am Pterion 55.
Exemplar b ist durchweg bräunlich, an den Extremitäten zum Theil heller, am Gesäss, an der Innenseite des Oberschenkels und an der Kehle graubräunlich. Maasse am Balge nicht gut zu nehmen. Hinterhand c 150 mm.
Exemplar c. Färbung wie b.
Exemplar d. Maasse: Grösste Länge des Schädels 131 mm, Jochbogenbreite 87, Femur 196, Tibia 171, Humerus 169, Radius 175. 12 Caudalwirbel (Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 3 habe ich irrthümlich 9 Caudalwirbel statt 12 für das Tonkean-Exemplar, 7 statt 10 für das Parepare-Exemplar angegeben).
Es ist nicht ohne Interesse durch den genauen Fundort von a zu erfahren, dass dieser Affe auch in einer Höhe von 1300 m lebt. Everett beobachtete ihn, wenn ich ihn recht verstehe, ebenda zwischen 6000 und 7000 Fuss (NZ. III, 150 1896), und die Herren Sarasin bemerken, dass er bis auf die höchsten Grate des Berges, c 9800 Fuss, gehe, wo es schon empfindlich kalt sein kann. Die starke und dicke Behaarung mag ihn genügend schützen, und es bleibt zu konstatiren, ob so alte Exemplare aus der Ebene, wo die Art auch lebt — denn Sarasins erhielten sie in Makassar recht häufig aus dem Gowaschen — einen ebenso dicken Pelz haben. Bis jetzt sind mir nur jüngere Individuen aus der Ebene untergekommen, vielleicht dass Ex. g des Leidener Museums (Cat. MPB. VI, 118 1876 und XI, 32 1892) alt genug wäre, um den Vergleich zu gestatten, allein es ist ohne Fundort.
Das grosse alte Männchen vom Pik von Bonthain, das die Herren Sarasin als seltenes Jagdstück erbeuteten, erweitert unsere Kenntniss dieser immer noch ungenügend bekannten Art von Celébes in, wenigstens für mich, unerwarteter Weise. Ich hatte das grosse adulte Männchen von Tonkean, Nordost Celébes, das ich Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 3 beschrieb und Tafel I 5, II 1–2, III 1–2 abbildete, trotz seiner schwarzen Extremitäten (die auch das junge Weibchen von da — Tafel I 4 — aufwies) für einen alten M. maurus angesehen, wenn ich auch (S. 4) hervorhob, dass weiteres Material nöthig sei, um klar zu erkennen, ob die graue Phase an Unterarm und Unterschenkel auch übersprungen werden könne, und wenn ich auch ferner hervorhob, dass adulte schwarzgliedrige Exemplare bis jetzt überhaupt noch nicht bekannt geworden seien (S. 3). Ich nahm in Folge dessen an, dass M. maurus über ganz Celébes mit Ausschluss der nördlichen Halbinsel, wo Cynopithecus niger (Desm.) und nigrescens (Temm.) hausen, vorkomme. Das grosse alte Exemplar vom Pik von Bonthain aber zeigt nun, dass das, wenigstens bezüglich der nordöstlichen Halbinsel, nicht zutrifft. Hier lebt eine andere Art. Sie ist schlank und schwarz, die vom Süden dagegen gedrungen und bräunlich, mit Grau an den Extremitäten. Selbst ein sehr altes Individuum von Nordost Celébes mit weissen Altershaaren würde nie so braun sein können wie das Bonthain-Exemplar, während die Differenz in der Farbe des Gesässes und der Parthien darunter vielleicht als Altersdifferenz angesehen werden kann. Ebenso differiren die Schädel und die Bezahnung. Bei fast gleicher Schädellänge: 143 gegen 144 (Tonkean), sind alle Maasse kleiner bei dem älteren Bonthain-Exemplare (vgl. obige Maasse gegen die l. c. Seite 3 gegebenen), die knöcherne Nasenöffnung ist breiter, die fossa canina viel flacher, das os zygomaticum lange nicht so weit ausladend, der ganze Schädel graziler, was neben weiteren anderen Differenzen auch aus der Abbildung erhellt. Dem hohen Alter entsprechend sind alle Schädelnähte geschlossen, die crista sagittalis und occipitalis sehr stark entwickelt, die Zähne hochgradig abgenutzt, aber viel graziler, die Länge der Zahnreihen kürzer: p 2 bis m 3 sup. [68] 33.4 mm gegen 37.2 bei dem Tonkean-Exemplar. In der Abbildung erscheint die norma facialis (Tafel II Fig. 1) kürzer als bei dem Tonkean-Exemplare (l. c. Tafel II Fig. 1), was aus der überhaupt anderen Schädelconfiguration resultirt, besonders aber steigt das Schädeldach weniger an (siehe norma lateralis, Fig. 2 in beiden Fällen), wodurch sich die norma facialis verkürzt [69]. Die grössere Schlankheit des Tonkean-Affen kommt deutlich in den Maassen der Extremitätenknochen zum Ausdrucke gegenüber den Maassen des vielleicht älteren Exemplares von Parepare, die ich l. c. Seite 3 gab, und gegenüber denen des ziemlich gleichaltrigen Ex. d (s. oben). Von dem alten Bonthain-Männchen liegen die Knochen nicht vor.
Nach alledem ist eine Identificirung beider Formen ausgeschlossen, und ich trenne daher die von Tonkean in Nordost Celébes ab als
MACACUS TONKEANUS N. SP.
Früher hatte ich mich dazu nicht berechtigt gefühlt, da M. maurus sich als sehr variabel in der Färbung erwies, und mir ein notorisch altes Exemplar gegenüber dem von Tonkean nicht vorlag, überhaupt wohl nicht bekannt war. Durch weitere Ausbeute wird sich erst feststellen lassen, wo sich diese beiden Arten gegeneinander abgrenzen, eventuell ob sie ineinander übergehen. Aus Central Celébes kennt man, wie ich (l. c. p. 2) bereits hervorhob, bis jetzt nur Affenfellstücke an Mützen der Eingebornen, die aber die Extremitäten gerade dazu nicht verwenden; man kann daran nur constatiren, dass es Macacus-, und nicht Cynopithecus-Felle sind. Es ist daher auch nicht richtig, wenn Adriani (TTLV. XL, 343 1898) den Affen von Central Celébes Papio niger nennt [70].
Gewiss wird es noch lange dauern bis eine erschöpfende Kenntniss der Macacus-Formen von Celébes vorhanden ist, wenn auch seit Webers Untersuchungen (Zool. Erg. I, 103 1890) Licht auf die bis dahin herrschende Dunkelheit fiel.
2. CYNOPITHECUS NIGER (DESM.)
a. mas ad., Balg und Schädel, Lilang bei Kema, Minahassa, Nord Celébes, 8. II 96. b. mas juv., Skelet, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, 17. X 94.
In Bezug auf die Verbreitung von C. niger über Batjan (l. c. p. 7) möchte ich noch bemerken, dass der Umstand seines Nichtvorkommens auf dem ganz nahen Halmahéra, ein genügender Beweis dafür sein dürfte, dass er nach Batjan vom Menschen gebracht worden ist. Wenn P. L. Sclater (Geogr. Mam. 1899, 228) es noch ganz neuerdings für „möglich“ hält, dass die Art ebenso nach den Philippinen gekommen sei, so kann ich dem gegenüber nur wiederholt betonen (s. auch Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 8), dass sie sicher dort nicht zu Hause ist.
3. CYNOPITHECUS NIGER NIGRESCENS (TEMM.)
a. mas ad., Balg mit Schädel, Buol, Nord Celébes, VIII 94. b. mas ad., Skelet, zwischen Malibagu und Duluduo, Nord Celébes. c. mas ad., Schädel, Negeri lama, östlich von Gorontalo, Nord Celébes. d. fem. juv., Schädel, Bone Thal bei Gorontalo, Nord Celébes, c 500 m.
Ex. a ist ausgesprochen nigrescens (im Gegensatze zu niger) durch die braune Färbung, besonders an den hinteren Extremitäten, sowie durch die ungetheilten Gesässchwielen.
Ex. b–d. Hier erschliesse ich die Bestimmung nigrescens nur aus dem Fundorte. Temminck (Coup-d’oeil III, 111 1849, s. auch Schlegel Cat. MPB. VII, 121 1876) hatte nigrescens von Gorontalo, Tulabello und Tomini von niger aus der Minahassa abgetrennt; die Fundorte dieser 3 Exemplare sind alle westlich von Bolang Mongondo. Als ich kürzlich glaubte (Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 7) auf die braunschwarze Färbung (nach Temminck) besonders auf den Schultern und dem Rücken, kein Gewicht legen zu müssen, weil Exemplare der Minahassa dies auch mehr oder weniger zeigen, hatte ich noch kein Fell vor Augen; Ex. a aber überzeugt mich, dass die braune Färbung, besonders an den hinteren Extremitäten, so ausgesprochen ist, dass sie gar nicht übersehen werden kann, und ich muss es ausschliessen, dass damit ein individueller Charakter vorliegt, ebensowenig wie in den ungetheilten Gesässchwielen; hier handelt es sich gewiss um Charaktere, die an die Localität gebunden sind, was weitere Exemplare zu bestätigen hätten. Ob die anderen von Temminck angegebenen Unterschiede von niger: „face plus comprimée et queue fort peu apparente“ stichhalten, kann ich vorläufig nicht entscheiden. Ich muss meine Beobachtung an lebenden Boliohuto Exemplaren im Walde, dass sie von unten gräulich waren (l. c. p. 6), nun auch so deuten, dass diese Farbenwirkung von ihrem bräunlichen Fell herrührte, um so mehr als gerade die Unterseite der hinteren Extremitäten von Exemplar a heller braun ist.
Vom Gorontaloschen bis Tomini ist also nur niger nigrescens bekannt, von der Minahassa niger. Welche Form in Bolang Mongondo lebt, muss noch constatirt werden, ebenso ob C. nigrescens oder Macacus, resp. welche Art Macacus, zwischen Tomini und Parigi vorkommt (bezüglich der Localitäten verweise ich auf Karte II der „Birds of Celebes“ 1898).
TARSIIDAE
4. TARSIUS FUSCUS FISCH.-WALDH.
Tafel III, Fig. 1–2
a, b. mares, Bälge mit Schädel, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, 26. V und 12. VI 94. c. mas, Skelet, Tomohon, V 94. d–l. 8 Exemplare in Spiritus aus der Minahassa, IV 94, und Tomohon, II und IV 94.
Je nach dem Alter verschieden gefärbt, jüngere gelber, ältere grauer. Das kleine Exemplar oben links auf Tafel II Fig. 2 stellt das jüngere Stadium in c ⅔ nat. Grösse dar. Das andere kleine, Fig. 3, ist T. sangirensis von Siao in c ½ nat. Grösse. Ich erwähnte schon früher (Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 8), dass es keine genügende Abbildung von T. fuscus gäbe, besonders da er früher meist mit T. spectrum zusammengeworfen worden ist, welche letztere Art vielleicht in mehrere Rassen zerfällt; dies zu beurtheilen genügt das vorhandene Material von den verschiedenen Fundorten noch nicht.
O. Thomas (TZS. XIV, 381 1898) monirt, dass ich die genaueren Unterschiede zwischen T. sangirensis und T. philippensis nicht angegeben habe, während ich die zwischen fuscus und philippensis wohl aufführe; allein da sangirensis sich fuscus, und nicht philippensis anschliesst, so wäre es überflüssig gewesen, diese Unterschiede nochmals ausführlich zu wiederholen. Auch meint er, dass ich die Tarsen von philippensis als „vollkommen nackt“ bezeichne, übersieht aber, dass ich sie (Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 9 Zeile 7) „so gut wie nackt“ und (Zeile 27) „fast nackt“ nenne, also genau so wie er sie bezeichnet: „tarsis fere nudis“.
Das Thier spielt eine Hauptrolle in den Erzählungen der Eingebornen von Central Celébes, die die Baree-Sprache reden (Adriani: Étude sur la litt. des To Radja, TTLV. XL, 342–53 1898). Es heisst da nggasi oder tangkasi (Minahassa: tangkasi, Sangi: tenggahĕ, Dajak ngadju, Bórneo: ingkir).
CHIROPTERA
MEGACHIROPTERA
PTEROPIDAE
5. PTEROPUS WALLACEI GR.
Tafel IV, Fig. 1
a–c. Bälge, 2 mares, 1 fem., Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, XI 94 (94, 89, 89 mm) [71]. d. mas, in Spiritus, Tomohon, 6. IV 94 (87 mm).
Nord und Süd Celébes: Amurang (Mus. Leid.), Lotta, Masarang 3500 Fuss hoch (Mus. Dresd.), Tomohon (Sarasins), Makassar (Brit. Mus.).
Hickson (Nat. N. Cel. 1889, 85) glaubt die Art auch auf der kleinen Insel Talisse im Norden von Celébes gesehen zu haben.
6. PTEROPUS ALECTO TEMM.
a. mas, Balg, Buol, Nord Celébes, VIII 94 (155 mm). b. mas, Balg, Bonthain, Süd Celébes, 4. X 95 (160 mm). c. fem., Balg, Sokoija, Matanna See, Südost Central Celébes, 6. III 96 (115 mm). d. fem., in Spiritus, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, IV 94 (143 mm). e. mas, in Spiritus, Umgegend von Makassar, Süd Celébes (170 mm).