Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel

Part 3

Chapter 33,423 wordsPublic domain

Blanford, der vorzügliche Kenner der Paradoxuri, sagt (P. Z. S. 1885, 790): „P. musschenbroeki differs greatly from all other species in its annulated tail. The skull is intermediate in form between the last mentioned little group (Paguma) and typical Paradoxuri, but rather nearer to the former. The shape of the palate is peculiar“. Und (p. 806): „The most remarkable peculiarity of the skull and dentition is that the rows of upper premolars and molars, instead of diverging greatly behind, as in all other Paradoxuri, are nearly parallel [27], the hinder part of the palate being proportionately much narrower than in other species of the genus. The distance between the anterior premolars is 0.68 inch [17,3 mm], between the last molars 0.77 [19,6]. In other species the latter measurement exceeds the former by at least one half“. Die von Blanford erwähnten Maasse sind bei dem Tafel VI Figur 1 in ⅓ n. Gr. abgebildeten männlichen adulten Skelette (2324) 20,6 und 23,6 mm, der Schädel ist auch länger mit 157 mm, gegen 146 (5.75 inches) bei Blanford. Jentink (p. 179) giebt die Länge eines adulten Schädels auf 148 mm an, die Breite auf 45, die Jochbogenbreite auf 85, bei dem 157 mm langen Schädel von 2324 ist die Breite nur 43 und die Jochbogenbreite 79, er ist also länger und schmäler als der von Jentink abgebildete. Die ersten Praemolaren sind noch vorhanden, Jentink sagt, sie fehlen bei adulten Exemplaren, was aber wohl nur bei alten der Fall sein mag, denn 2324 ist adult, wenn auch etwas jünger als das Exemplar a (Cat. p. 94), dessen Schädel Jentink abbildete. Länge des Körpers und Kopfes des ausgestopften Ex. (2310, zu Skelet 2324) 820 mm, Länge vom Vertex zum Anus 680, Länge des Schwanzes 690.

Da mir das Exemplar 2310 in Spiritus zukam, so liess ich die (linke) Vola und Planta, ihres bemerkenswerthen Oberflächenreliefs wegen, photographiren und bilde sie Tafel VI Figur 2 und 3 in n. Gr. ab. Ein auffallender Unterschied mit anderen von mir daraufhin untersuchten Paradoxuri besteht darin, dass die Tastballen bei P. musschenbroeki glatt, bei jenen gefeldert sind.

Vola (Figur 2). Die 5 Nagel- oder Endballen (a–e) [28] sind relativ mässig, die sie verbindende Schwimmhaut dagegen ist sehr stark entwickelt, die 4 Metacarpophalangealballen (α–δ), besonders der 3. (γ), zeigen mächtige Ausbildung, wie auch der Radial- und der Ulnarballen (r und u), besonders letzterer, der überhaupt der grösste Tastballen der Vola ist; der 4. Metacarpophalangealballen (δ) zeigt proximal eine kleine Abschnürung; ein Pisiformballen (P) ist kaum angedeutet. Diese Metacarpophalangeal-, Radial- und Ulnarballen bilden mehr oder weniger ein zusammenhängendes, nur durch schmale Furchen von einander getrenntes Gebilde, mit der Ausnahme jedoch, dass sie in der Mitte eine mit groben Warzen besetzte vertiefte intermediäre Tastfläche [29] umschliessen, auch proximal und peripher reihen sich den Ballen einige Warzen an; die Tastballen aber sind ganz glatt und nicht mit Warzen besetzt.

Planta (Figur 3). Die Endballen und Metatarsophalangealballen verhalten sich sehr ähnlich denen der Vola, so dass die Abbildung zum Verständnisse genügen dürfte. Der Tibialballen (t) ist langgestreckt, und verschmälert sich proximalwärts, der Fibularballen (f) ist etwas kürzer; zwischen beiden liegt eine längliche intermediäre Tastfläche, die mit unregelmässig angeordneten polygonalen oder abgerundeten, groben, an einander stossenden Warzen besetzt ist. Die peripher stehenden Warzen sind hier regelmässiger (einreihig) angeordnet als auf der Vola.

Untersucht man dagegen dieselben Gebilde z. B. bei P. musanga Gr. (B 3261 von Sumatra, in Spiritus), so findet man eine grosse Reihe von Unterschieden, vor Allem aber sieht man schon mit unbewaffnetem Auge, dass alle Tastballen gleichmässig mit polygonalen flachen Hautwarzen vollkommen besetzt sind, und ebenso die intermediären Tastflächen, soweit vorhanden, so dass ein dichtes Netzwerk, eine Felderung, entsteht; nur die Schwimmhaut zwischen den Endballen und den Metacarpo- und Metatarsophalangealballen ist glatt. Die 5 Endballen der Vola und Planta sind sehr stark entwickelt. Der 1. Metacarpophalangealballen steht etwas abgegrenzt, die anderen 3 sind aber fast mit einander verschmolzen; der Ulnarballen ist sehr gross, der Radialballen etwas kleiner, beide liegen aber direct an den Metacarpophalangealballen; dem Ulnarballen reiht sich ein kleiner Pisiformballen an. 1. und 2. Metatarsophalangealballen etwas gegeneinander abgegrenzt, 3. und 4. mit einander verschmolzen; Tibial- und Fibularballen langgestreckt, letzterer etwas breiter und distal mit dem 1. Metatarsophalangealballen verschmolzen; zwischen dem Tibial- und Fibularballen eine lange breite intermediäre Tastfläche mit groben polygonalen, an einander stossenden Warzen besetzt.

An trockenen Exemplaren lässt sich die Disposition der Tastballen nicht genau studiren, ihre Felderung aber konnte ich bei P. musanga von Borneo, fasciatus Desm. von Java, philippensis Jourd. von Panay und leucomystax Gr. von Borneo (?) als die gleiche erkennen wie bei P. musanga in Spiritus. Klaatsch (Morphol. Jahrb. 14, 417 1888) beschreibt die Ballen von P. typus [niger (Desm.)] auch als mit grösseren polygonalen, ziemlich flachen Hautwarzen besetzt, es scheint also, dass die meisten, wenn nicht alle Paradoxurus-Arten, bis auf P. musschenbroeki, gefelderte Tastballen haben, während dieser die glatten mit Viverren gemein hat. [30] Das Oberflächenrelief einer jeden Paradoxus Art wird wohl anders gestaltet sein, allein wenn alle bis auf P. musschenbroeki gefelderte Tastballen besitzen, so hat dieses abweichende Verhalten des letzteren doch wohl mehr Gewicht. Allerdings kommen derartige morphologische Differenzirungen innerhalb einer Gattung auch sonst vor, wie wir denn oben (S. 8) eine solche, nach Weber, in dem beschuppten und glatten Tarsier-Schwanze zu erkennen hatten; falls jedoch dies Verhalten von P. musschenbroeki unter den Paradoxuri wirklich ein isolirtes ist, und Hand in Hand geht mit den anderen abweichenden Charakteren (Schädel, Schwanzringelung etc.), so wäre eine generische Abtrennung vielleicht geboten. Der ganze Habitus von P. musschenbroeki weicht von dem der anderen Paradoxuri durch Plumpheit ab, der dicke Kopf ferner mit seinen langen steifen, hellen und dunklen Schnurren, und die breiten Füsse mit ihren stark ausgebildeten Schwimmhäuten geben dem Thier etwas otterartiges, was Jedem sofort in die Augen springt, so dass man zuerst gar keinen Paradoxurus vor sich zu haben vermeint.

11. BUBALUS MINDORENSIS HEUDE

Tafel VII und VIII

1860 Blyth J. Asiat. Soc. Bengal. XXIX, 303 (Misc. pap. rel. to Indo China II, 295 1886) Tamarao 1878 Everett P. Z. S. 792 Anoa depressicornis A. B. Meyer P. Z. S. 881 Tamarao Bartlett P. Z. S. 882 Indian Buffalo of small size 1885 Jordana Bosquejo geogr. Fil. 171 Antilope depressicornis 1887 Hoffmann Abh. Mus. Dresden 1886/7 Nr. 3 p. 26 Taf. Fig. 6 a–f Bubalus indicus? 1888 (vor Aug.) Heude Mém. Hist. Nat. Chin. II, 1 p. 4 und 50 Bubalus mindorensis (16. Aug.) Steere (bei Sclater) Nature 38, 363 Anoa mindorensis (1. Nov.) A. B. Meyer Nature 39, 9 Bubalus sp. (20. Nov.) Steere P. Z. S. 413 Anoa oder Probubalus mindorensis (6. Dez.) Heude Nature 39, 128 Bubalus mindorensis (13. Dez.) Everett Nature 39, 150 Bubalus sp. Gogorza An. Soc. Espan. XVII, II (des S. A.) Anoa depressicornis 1889 A. B. Meyer Zool. Garten 251 Bubalus sp. 1890 Heller Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 p. 3 u. 31 Bubalus mindorensis Steere List Phil. 29 Probubalus mindorensis Nehring Zool. Anz. 448, SB. Ges. naturf. Berlin 101, Naturw. Wochenschr. V, 227 Bubalus mindorensis 1894 Jentink Notes Leyden Mus. XVI, 199 pl. 8–11 Bubalus mindorensis Bourns & Worcester Notes Exp. Phil. Is. 63 Bubalus mindorensis Lydekker Nat. Hist. II, 206 Bos mindorensis Heude Mém. Hist. Nat. Chin. II, 4 p. 204 pl. XIX E Fig. 19 Bubalus mindorensis 1895 Oustalet Bull. Mus. Paris 202 Anoa mindorensis Elera Cat. sist. Fil. I, 33 Bubalus mindorensis 1896 Lydekker Geogr. Hist. Mamm. 47, 279, 305 Bos mindorensis

Es könnte ein Zweifel darüber entstehen, ob Heude oder Steere als Autor dieser Art zu nennen sei, da Steeres erste Beschreibung am 16. August 1888 veröffentlicht war, und das 1. Heft des 2. Bandes der Mémoires concernant l’histoire naturelle de l’empire chinois par des pères de la compagnie de Jésus in Chang-Hai im Jahr 1888 ohne Datum erschien. Es lässt sich aber aus buchhändlerischen Catalogen (z. B. Friedländer Nat. nov. Sept. 1888, 289) nachweisen, dass Heudes Publication vor August statt gefunden hat, und dieser daher, und nicht Steere, als Autor figuriren muss.

Der einheimische Name des Zwergbüffels von Mindoro ist, nach vielfachen Angaben, Tamarao [31], nicht Tamaron oder Tamarou, wie Steere (P. Z. S. 1888, 414 und List 1890, 29) schreibt. Er ist bis jetzt nur von Mindoro bekannt, denn dass Elera (l. c.) ihn auch von Celebes aufführt, beruht auf einer Verwechslung mit der Anoa oder auf einer anderen Unzulänglichkeit, wie man sie auf Schritt und Tritt in seiner Compilation antrifft. Nehring (SB. Ges. naturf. Berlin 1894, 185) beschrieb von der Mindoro nahen Calamianen Insel Busuanga noch einen wilden Büffel als B. moellendorffi, der etwas grösser als der Tamarao sei, allein ich halte ihn nicht für einen wilden, da Dr. Schadenberg mir mittheilte, dass es nach der Aussage von Don Bernardo Ascanio, der 20 Jahr auf den Calamianen, speziell in Malbató auf Busuanga gelebt hat, dort keine wilden Büffel gebe. Dass auf der kleinen Insel Jemandem, der so lange dort als Pflanzer ansässig ist, das Vorhandensein wilder Büffel unbekannt geblieben sein sollte, kann man ausschliessen; es handelt sich daher nur um einen verwilderten, oder vielleicht nicht einmal um einen solchen, [32] falls man darunter nur schon seit Generationen verwilderte versteht. [33] Dr. Schadenberg theilte mir mit, dass auf Mindoro verwilderte Büffel neben dem Tamarao vorkommen sollen, er habe aber keine gesehen; man spräche auch davon, dass sie sich mit Tamaraos kreuzten, worüber er sich jedoch vorläufig kein Urtheil erlauben wolle. Den Schädel eines solchen angeblich wilden Carabao von Mindoro sandte er auch ein (B 3199). Die bis jetzt bekannten Tamaraos geben keinen Anlass zur Annahme von Kreuzungen, und wenn sie ausnahmsweise statt hätten, so würde dies bei dem zweifellosen Überwiegen des auf ganz Mindoro und, wie es scheint, zahlreich vorkommenden Tamarao wahrscheinlich keinen dauernden Einfluss auf die Umgestaltung der Art gewinnen können. Jordana (Bosquejo 1885, 172) sagt: „El Tamarao es animal muy agreste y vigoroso, que á veces lucha victoriosamente con el bufelo silvestre en el seno de los bosques“, allein auf solche Angaben nach Hörensagen ist vorerst gar Nichts zu geben.

Jentink (l. c. 204) hält es für möglich, dass der Tamarao ein Bastard zwischen Bubalus bubalus und Anoa depressicornis von Celebes sei. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie eine solche Hybridisation hätte zu Stande kommen sollen. Dazu hätte die Anoa zahlreich nach Mindoro gebracht worden sein müssen, was gewiss nicht geschehen ist. Auch ist der Tamarao eine ganz stabile, typische und gewiss alte Form. Der Schädel 1569 des Museums, den Semper vor dem Jahr 1865 erhielt, stimmt vollkommen überein mit denen von in den Jahren 1894 und 1895 durch Schadenberg erlegten Exemplaren. Dies beweist schon die Constanz, nicht minder wie die in den Museen vorhandenen, ganz untereinander übereinstimmenden Häute es darthun. Nimmt Jentink an, dass die Anoa früher auf Mindoro gelebt habe, und sich dann mit den importirten Büffeln kreuzte? Welche Gründe könnte man wohl zu Gunsten einer solchen Annahme ins Feld führen? Lydekker, der (l. c. 306) die Möglichkeit einer Bastardirung nach Jentink nicht abweist, sagt, der Tamarao müsse noch als gute Art erwiesen werden. Wenn aber, wie jetzt, schon viele gleiche Exemplare bekannt sind (Berlin 1, Dresden 6, Leiden 3, Manila 2, Paris 2, durch Steere 3, Stuttgart 1 etc.), so ist es mir ganz unerfindlich, wesshalb man noch an der Artberechtigung zweifeln, oder einen Bastard im Tamarao erblicken wollte. Auch vermag ich Jentink darin nicht beizustimmen, dass er meint, wenn der Tamarao kein Bastard sei, so müsse er eine neue generische Bezeichnung erhalten, da er weder als echter Büffel, noch als Anoa angesehen werden könne, denn der Tamarao hat, m. A. n., genügend Büffelcharaktere, um ihn zu den übrigen Büffeln zu stellen. Doch die Bildung einer neuen Gattung ist in diesem Fall unwesentlich und mehr oder weniger Geschmacksache. Die Hypothese, dass der Tamarao ein Bastard sei, halte ich für um so entbehrlicher, als sie an und für sich wenig plausibel ist. Tamarao und Anoa können vielmehr als Nachkommen des Sivalikrindes angesehen werden, daher die vielfache Übereinstimmung. Die insulare Sonderung führte zu einer Divergenz in ihrer Entwicklung, auf Celebes zur Anoa, auf Mindoro zum Tamarao. Diese Hypothese, wenn schon eine aufgestellt werden soll, scheint mir weit annehmbarer. (Vgl. Heller: Anoa in Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 p. 34.)

Ich habe den Beschreibungen Jentinks (l. c. 201) wenig hinzuzufügen. Der Stand und die Zahl der Haarwirbel variiren ausserordentlich, nicht ein Exemplar von den 6 des Museums stimmt darin mit den Leidener überein, und keines gleicht dem andern; es sind welche mit nur einem Wirbel vorhanden. Der helle Fleck unter dem Auge fehlt den Dresdner Weibchen nicht — es sind auch manchmal 2 Flecke vorhanden —, ebensowenig wie die hellen Binden an der Kehle und der Wamme. Der abgebildete Stier (grosse stehende Figur Taf. VII) ist heller gefärbt als die Kühe. Dr. Schadenberg schrieb mir, dass die Tamaraos dieselbe Farbe hätten wie die Carabaos. Das Exemplar des Berliner Museums ist nach Dr. Hellers Beobachtung länger (bis 4 cm lang) behaart. Das abgebildete weibliche Kalb mit Hörneransatz (Taf. VII und Taf. VIII Schädel) besitzt bereits die helle Zeichnung bis auf die Flecken unter dem Auge.

Maasse der 2 nach den Skeletten ausgestopften Exemplare:

2422 fem. 2457 fem.

Entfernung vom Vertex zum Anus 1.670 m 1.710 m Kopflänge 0.395 0.420 Schulterhöhe 1.000 1.110 Hornlänge, in der Curve gemessen 0.320–350 0.320–345 Hornlänge, gerade gemessen 0.300–315 0.290–300 Abstand der Spitzen 0.175 0.110 Ohrlänge 0.160 0.170

Auf Tafel VII ist in c. 1⁄12 n. Gr. ein adulter, aber noch nicht alter Stier (B 3198 stehend), eine alte Kuh (2422, liegend) und ein weibliches Kalb (B 3089) dargestellt. Man vergleiche mit der Abbildung des Stieres die der Anoa bei Schlegel (Handleiding Dierk. 1857 Atlas Pl. V Fig. 5 in 1⁄20 n. Gr.), um die Ähnlichkeit dieser beiden Zwergbüffel zu erkennen; auch die weisse Zeichnung stimmt überein, nur dass dem Tamarao der helle Längsstreif an den Beinen fehlt. Auf Tafel VIII Figur 1 findet man das Skelet einer alten Kuh (2457), als grösstes und ältestes von den vorhandenen 4 adulten, in c. ⅛ n. Gr., genau so gross wie das Skelet des Anoa-Stieres, das Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 Taf. III) in 5⁄32 n. Gr. abbildete, also direct damit vergleichbar. Es ist ferner auf Tafel VIII Figur 2 der Schädel des weiblichen Kalbes (B 3089) in ⅓ n. Gr. dargestellt. Das Museum besitzt, ausser diesem und den 4 der Skelette, noch 4 Schädel, davon 2 defect; im Ganzen 6 Häute, 4 Skelette und 5 Schädel (davon einen durch Semper), aber Dr. Schadenberg beschaffte auch direct oder indirect das Material für einige andere Museen (z. B. Leiden und Stuttgart).

Es verdient erwähnt zu werden, dass unter den vier mir vorliegenden Tamarao Skeletten zwei weibliche (B 2852 und B 3088), wie das Leidener weibliche (Jentink l. c. 203 pl. 11 obere Figur), am ersten Lendenwirbel eine bewegliche Rippe haben, und zwar B 2852 rechts eine 34 cm, und B 3088 links eine 29 cm lange; beide Wirbel haben an der anderen Seite ein unbewegliches Rippenrudiment, und zwar B 2852 links ein 12 cm langes und B 3088 rechts ein abgebrochenes, dessen ursprüngliche Länge nicht mehr zu bestimmen ist. Ähnlich weist ein Skelet von Bubalus brachyceros Gr. vom Ogowe, West-Afrika (1510) zwei bewegliche, 13 und 15 cm lange Rippen am ersten Lendenwirbel auf. Dagegen sind zwei der Tamarao Skelette, ein Stier und eine Kuh, in dieser Hinsicht normal. Alle vier Tamarao Skelette haben 6 Lendenwirbel. Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/91 Nr. 2 S. 18) giebt für Anoa auch 6 Lendenwirbel als Norm an, aber ein dem Museum inzwischen zugekommenes Skelet (B 2705 mas) hat 7, neben drei schon länger vorhandenen Skeletten mit 6. Alle vier Tamaraos haben 13 Brustwirbel. Anoa hat nach Heller (p. 19) 13, selten 14, die vier Dresdner Anoas haben 13, u. a. eine Holländer Kuh und ein Bubalus brachyceros 13, ein Wisent und zwei Bisons 14. Jentink giebt 18–19 Schwanzwirbel beim Tamarao an, zwei der Dresdner haben 17, eins 16 und eins ist defect. Die Excrescenzen an den proc. spin. der Brustwirbel, die Jentink erwähnt, finden sich auch an den Dresdner Exemplaren mehr oder weniger ausgebildet, aber nicht bei Anoa und anderen Büffeln (s. auch Heller p. 19).

Wie Heller (p. 32) schon anführte, kommen Tamaraos bei Sablayer an der Westküste Mindoros und bei Margarin an der Südküste vor. Dr. Schadenberg jagte sie bei Mambarao an der Nordküste (B 2890) und 2 Tagemärsche östlich von da (2422), sowie an der Laguna Nauján an der Nordostküste (2457 und B 3089, Kuh mit Kalb zusammen). Sie scheinen also über ganz Mindoro verbreitet zu sein. Unter dem 27. Mai 1895 schrieb er mir: „Ich habe an der Laguna Nauján eine Tamaraokuh mit Kalb geschossen. Ich wurde dann von einem Tamarao Stier angegriffen, auf den ich mit Explosionskugeln schoss. Es war Nachts, wir fanden ihn nicht gleich, sondern erst nach 2 Tagen, allein in kläglicher Weise durch vagabundirende oder wilde Hunde zerstört“. Das ist leider das einzige, was dieser unermüdliche Forscher und Sammler mir über seine Jagden auf Tamaraos in den Jahren 1894 und 1895 mitgetheilt hat. Schon früher war er einmal zu gleichem Zweck auf Mindoro gewesen. Jedenfalls hatte er spätere eingehende Schilderungen beabsichtigt, allein er holte sich auf einem dieser kühnen Züge im Jahr 1895 in den ungesunden Niederungen ein perniciöses Sumpffieber, das seinem Leben ein frühzeitiges Ende bereitete, ein ausserordentlicher Verlust für die weitere Erforschung der Philippinen (wie ich an anderer Stelle darthun werde), ein unersetzlicher für seine Familie und seine Freunde.

12. BABIRUSA ALFURUS LESS.

Tafel IX

Ich beschränke mich auf Bemerkungen über das Vorkommen und damit in Verbindung stehende Fragen, sowie über die Bezahnung, um vielleicht später über dieses bis jetzt mit Sicherheit nur von Celebes und Buru bekannt gewordene, isolirt stehende Thier [34] Weiteres beizubringen.

VORKOMMEN UND DAMIT IN VERBINDUNG STEHENDE FRAGEN.

So viel ich weiss, ist der Babirusa, was Celebes anlangt, nur aus der Minahassa und dem Gorontaloschen nachgewiesen. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 269) sagt zwar: „Auf Selébes kommt der Babi-russa allein auf der Nordhälfte der Insel vor, lebt aber ausserdem noch auf den Sulla-Inseln und auf Buru“, was z. B. Brehm (Thierl. III, 529 1891) übernahm, allein da man unter „Nordhälfte“ von Celebes zum Mindesten das ganze Gebiet des Tominigolfes verstehen muss, so ist das zu viel gesagt. Wenn auch nicht in Abrede gestellt werden soll, dass die Verbreitung des Babirusa so weit gehen kann, so fehlt doch bis jetzt der Anhalt dafür. Es ist auch nicht ganz wahrscheinlich, dass er hier überall haust, da man sonst wohl schon Schädel oder Zähne daher erhalten hätte, denn die Eingeborenen bewahren diese, wie sich auch denken lässt, mit Vorliebe, oder verwenden sie als Schmuck. Derartiges ist aber von den Ufern des Tominigolfes jenseit des Gorontaloschen nicht bekannt geworden. Immerhin lässt sich noch kein Urtheil fällen, da diese Länder zu wenig durchforscht sind. Auf dem Südwestarme soll er nach Erkundigungen der Herren Sarasin, wie sie die Güte hatten mir mitzutheilen, nicht vorkommen.

Das Ethnographische Museum erhielt kürzlich von Tonkean, gegenüber der Insel Peling, also von der Nordosthalbinsel, eine Kopfbinde mit Babirusa Hauern, was das Vorkommen des Thieres daselbst wahrscheinlich macht, wenn auch nicht sicherstellt, denn die Zähne könnten anderswoher stammen [35], allein P. und F. Sarasin hörten auch, dass es auf dem Banggaiarme von Celebes zu finden sei.

Von der der Minahassa nahen Insel Lembeh kamen dem Museum 3 Exemplare unter der inländischen Bezeichnung pisokan [36] zu; die Strasse zwischen Celebes und Lembeh ist schmal, und der Babirusa wird daher unschwer vom Festland übersetzen können. Hickson (Nat. N. Cel. 1889, 82) erwähnt das Vorkommen an den Bergen Klabat, Dua sudara, Kelekonde und Soputan.

Ob er auch schwimmend von Nord Celebes nach Buru gelangte, oder ob er vom Menschen hingebracht worden ist, oder welches die Ursache seines dortigen Vorkommens sonst sei, lässt sich vorerst nicht mit Sicherheit erschliessen. Es sind auch noch zu wenig Exemplare von Celebes und Buru gut bekannt, um eine Meinung bezüglich ihrer Identität gewinnen zu können. Man würde damit unter Umständen einen Anhalt über die Dauer der Existenz des Babirusa auf Buru erhalten. Dass er den Weg von Nord Celebes nach Buru, von Strömungen getragen, schwimmend zurückgelegt haben sollte, ist bei der bekannten und oft besprochenen grossen Schwimmfähigkeit der Schweine [37] denkbar; Jentink (T. Aardr. Gen. 2. s. VI, 250 1889) lässt ihn „ursprünglich“ auf Buru zu Hause gehören, doch bleibt es auffallend, dass er auf den dazwischen liegenden Sula Inseln noch nicht nachgewiesen wurde. Wenn man der Möglichkeit, dass er sich durch Schwimmen verbreiten kann, zu viel Spielraum gewährt, so müsste man sich eher darüber wundern, dass seine Verbreitung nicht weiter reicht.