Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel

Part 11

Chapter 113,596 wordsPublic domain

Nyctinomus sarasinorum schliesst sich zwar N. plicatus (Buch. Ham.) an, allein ist doch wesentlich davon verschieden. Abgesehen von den Dimensionen und der Färbung, in der Bezahnung, da plicatus 2 obere Praemolaren hat, und die unteren Incisiven anders gestellt und geformt sind, in dem Ansatze der Lendenflughaut in der Mitte der Tibia, statt am unteren Ende wie bei plicatus, in der Behaarung der Flügelhäute, die bei plicatus nackt oder so gut wie nackt sind (wenigstens bei den mir vorliegenden Exemplaren), in der partiellen Nacktheit der Kopfhaut, und in Anderem.

Es könnte auffallend erscheinen, dass auf Celébes eine andere Form des weit verbreiteten N. plicatus lebt, allein ich zweifle nicht, dass bei näherem Eingehen auf ein genügend grosses Material von vielen Fundorten verschiedene Rassen oder Subspecies unterschieden werden können. Dobson (Cat. 1878, 425) gab die Verbreitung von Vorderindien bis zu Bórneo und den Philippinen an, Peters & Doria (Ann. Mus. Gen. XVI, 35 1881) führten Exemplare von Jobi, im Norden von Neu Guinea auf — es war dies jedoch nicht der erste Molosside von Neu Guinea, wie diese Autoren meinten, da schon N. australis (Gray) von Neu Guinea bekannt war (Dobson Cat. 1878, 434) —, Leche (PZS. 1884, 51), solche von Süd Australien und Nord Tasmanien, Jentink endlich (Cat. MPB. XII, 202 1888) ein junges von Timor. Mir liegen nur 3 Exemplare von Jobi und je eines von Sumátra, Java und NW Australien vor, die von Jobi und Australien sind dunkelbraun oben (R. III, 1), etwas heller unten (R. III, 6), das von Sumátra ebenso, aber gesättigter, das von Java wie die Jobi-Exemplare, unten jedoch mit weisslichen Haarspitzen. Buchanan (TLS. V, 161 1800) sagte von Exemplaren von Bengalen: „The hair is mixed with ash colour, and is paler below than on the back“; Horsfield (Zool. Res. Java Nr. V 1824) von javanischen: „The body is deep brown, inclining to sooty black; intense above, and grayish underneath“; Temminck (Mon. Mam. I, 223 1827) von britischindischen: „Le pelage est ... d’un fauve cendré“; Cantor (JASB. XV, 179 1846) von hinterindischen: „Back of a velvety snuff colour, becoming a shade lighter on the underparts“; Blyth (l. c. XX, 517 1853) von britischindischen: „Nearly as dark-coloured as the Malayan race ..., which, we think, differs not otherwise than in being constantly of a much darker hue than the ordinary ... plicatus of India“; Dobson (Cat. 1878, 425) sagt ganz allgemein, was gewiss nicht zutrifft: „Above black or smoke black, beneath somewhat paler“; Blanford (Fauna Br. Ind. Mam. 1888–91) von britischindischen Exemplaren: „Fur brownish black to greyish brown above, sometimes the same but generally paler below, basal portion of the hair lighter in colour“. Es liessen sich diese Auszüge noch vermehren, ohne dass damit eine grössere Übereinstimmung oder Klarheit erzielt würde, was den Gedanken stützt, dass hier von verschiedenen Rassen die Rede ist, wie ja Blyth schon von einer constant dunkleren maleischen Rasse sprach. Das Maass des Vorderarms giebt Dobson allgemein mit 49.5 mm (1.95 inch.) an, die mir vorliegenden Jobi-Exemplare messen 45, das Exemplar von Java 46, das von Sumátra 42, das von Australien 49 mm (gegen 40.5 bei N. sarasinorum von Celébes).

Interessante Mittheilungen über die massenhaften Flüge von N. plicatus aus Höhlen in Barma machte kürzlich A. R. S. Anderson in dem „Administration Report of the Marine Survey of India“ 1897/8 (nach einem Referat in Nat. Sc. XIV, 259 1899).

In Bezug auf die Bezahnung mit nur éinem oberen Praemolaren gleicht N. sarasinorum den Arten der Untergattung Mormopterus Ptrs. (PZS. 1865, 468) von Madagaskar, Südost Afrika etc., allein sonst weicht er in den meisten in Frage kommenden Punkten von ihnen ab. Dobson (Cat. 1878, 442) hat schon hervorgehoben, dass man auf die Zahl der oberen Praemolaren hier keine Untergattung gründen und N. norfolcensis (Gray) von der Norfolk Insel und Australien [N. wilcoxi (Krefft)] mit 2 oberen Praemolaren nicht von Mormopterus trennen könne (Thomas beschrieb Ann. Mus. Gen. 1897, 609 N. loriae von S Neu-Guinea, der norfolcensis nahe steht). Später hat Peters selbst (Mb. Ak. Berl. 1881, 482) das Fehlen von p 2 sup. als entscheidenden Charakter zurückgezogen, aber zugleich Mormopterus zu einer Gattung erhoben unter Namhaftmachung anderer Unterschiede und Hinzuziehung einiger anderer Arten. Das Fehlen von p 2 sup. ist eine Folge der Resorption des für ihn bestimmten Materiales seitens der Nachbarzähne, c sup. und p 1 sup. (daher auch meist das Diastema), ein Process, der sich bei manchen Arten einer Gattung schon vollzogen hat, bei anderen noch nicht. Ein Vorstadium dazu ist es, wenn p 2 sup. deciduös ist; Dobson (Cat. 1878, 431) erwähnt dies bei N. mops (F. Cuv.) von Sumátra, und dasselbe kommt bei N. plicatus vor, denn bei dem erwähnten Exemplare dieser Art von Sumátra fehlt er.

ANMERKUNG

Ich benutze diese Gelegenheit um eine Nyctinomus-Art von Neu Guinea zu beschreiben:

NYCTINOMUS ASTROLABIENSIS N. SP.

Tafel X Fig. 19 und 30, und Tafel XI Fig. 6.

N. brevipilosus, brunneus (supra: Ridgway III, 11; subtus: III, 15; alis: III, 18, obscure); capite depresso, rostro lato, labris mediocriter rugosis; auriculis sejunctis, subtriangularibus, margine anteriore recto, trago parvo, subquadrato, basi dilatato; alis medio tibiarum affixis; caudae parte dimidia minore libera; praemolari superiore secundo brevissimo, incisivis quatuor inferioribus anguste insertis, bifidis. Long. tot. c. 100 mm, antebr. 36 mm. Habitatio: Sinus Astrolabiensis, Nova Guinea. a. mas, in Spiritus, Bongu, Astrolabebai, Deutsch Neu Guinea.

Oberseite proutbraun (R.), sammetartig, Unterseite broccolibraun (R.). Flughäute bräunlich, nackt, auf der dorsalen Oberfläche greifen die Haare nur an den Körperseiten über, auf der ventralen ist ein Dreieck von der Mitte des Humerus bis zum Knie behaart, in der Farbe ähnlich wie die Körperhaare der Unterseite, auch greifen die Haare etwas auf die ventrale Oberfläche der Schenkelflughaut über; 15 mm des Schwanzes frei, 19 in der Flughaut, aber in ihrer Unterseite. Die Lendenflughaut inserirt ziemlich in der Mitte der Tibia, die Schenkelflughaut an der Basis des Sporns, ihr hinterer Rand ist etwas convex. Ohren auf der Schnauze 3 mm auseinander, 8 mm von der Schnauzenspitze entfernt, innerer Rand ziemlich gerade, nur median etwas eingezogen, Spitze abgerundet, äusserer Rand convex, Antitragus nur durch eine schwache Einsenkung abgesetzt, 3 mm vom Mundwinkel endend, crus helicis leistenartig, Tragus klein, fast quadratisch, oben etwas abgerundet und ziemlich stark verdickt, die Basis verbreitert. Ohrmuschel innen fast nackt, aussen an der Basis etwa bis zur Hälfte ihrer Länge behaart. Kopf abgeplattet, von der breiten Schnauze nicht abgesetzt, diese ad maximum 12 mm breit, vorn abgerundet und schräg nach hinten und unten abgeschnitten, Oberlippe schwach gerunzelt, Nasenlöcher nach vorn und aussen geöffnet, mit mässig scharfem oberen Wulste, der median nach vorn spitz zusammenläuft, mit einer medianen Einkerbung nach hinten und einem erhabenen Fortsatze nach unten. Die Oberseite der Schnauze etwas warzig mit einzelnen, in Vertiefungen stehenden längeren Haaren, ein Kranz von an ihrer Spitze verbreiterten Haaren umsäumt die Schnauze unten, und auch an ihren Seiten stehen solche vereinzelt [79].

Bezahnung. Die beiden oberen Incisiven 1 mm auseinander, p 2 sup. sehr klein und durch ein relativ grosses Diastema von c getrennt, p 1 sup. fast halb so gross wie c sup., p 2 inf. dicht an c inf. und fast halb so gross, p 1 inf. etwas grösser als p 2 inf. Die zwei mittleren Incisiven sind zweilappig und stehen in der Richtung des Kiefers, die zwei äusseren nicht ganz so ausgesprochen zweilappig und etwas dahinter, sowie etwas quer stehend.

Keine Kehlgrube.

Maasse:

Kopf 25 mm Körper 41 ,, Ohr 15 × 16 ,, Tragus 2 × 1.6 ,, Humerus 26 ,, Vorderarm 36 ,, Dig. 1 mit Kralle 7 ,, ,, 2 33 ,, ,, 3 (35 + 14 + 12.5 + 6) 67.5 ,, ,, 4 (33 + 11 + 9 + 1.5) 54.5 ,, ,, 5 (22 + 8 + 4 + 1.5) 35.5 ,, Femur (?) 15 ,, Unterschenkel 13.5 ,, Fuss mit Krallen 9 ,, Sporn 11 ,, Schwanz (davon frei 15) 34 ,,

Heller (Abh. Ber. 1896/7 Nr. 8 p. 4) hatte das Exemplar für Mormopterus beccarii Ptrs. (von Bongu) angesehen, der s. Z. von Salawati beschrieben wurde (Mb. Ak. Berl. 1881, 484). N. astrolabiensis steht keiner bekannten Art so nahe, dass eine Differentialdiagnose zu geben wäre, gehört aber in Dobsons Gruppe b (Cat. 1878, 421 und 422), der sich die Arten der Petersschen Gattung Mormopterus (Mb. 1881, 482) anschliessen.

INSECTIVORA

SORICIDAE

22. CROCIDURA FULIGINOSA (BLYTH)

a–m. Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, 1894.

Bekanntlich ist die Gattung Crocidura (wie die verwandten) systematisch noch nicht durchgearbeitet, man kann daher ohne grösseres Vergleichsmaterial eine sichere Bestimmung nur nach den Beschreibungen nicht erzielen. So nennt Anderson (Cat. Mam. Ind. Mus. I, 197 1881) die Farbe der Haare von C. fuliginosa „dark slaty at the base, the root fuliginous brown with inconspicuous, dull, long tips; under part scarcely, if at all, paler, with silvery reflections“ (Tenasserim); Blanford (Fauna Br. Ind. Mam. 1888–91, 242) „deep rich reddish brown above, ashy brown to ashy grey below, basal half of fur throughout slaty“ (Eastern Himalayas, Assam, Tenasserim); Hose (Mam. Borneo 1893, 36) „bluey slate above and below“ (Kinabalu). Zudem sind in den letzten Jahren 10 neue Crocidura-Arten aus dem Ostindischen Archipele beschrieben worden (Dobson Ann. Mus. Gen. XXIV, 566, 1886, Jentink NLM. X, 161 1888 und Webers Zool. Erg. I, 123 1890, Dobson AMNH. 6. s. VI, 494 1890, Thomas ib. 7. s. II, 247 1898).

Jentink (Aardr. Weekbl. 2. Jg. Nr. 44 p. 291 1881 und NLM. X, 161 1888) führte Sorex myosurus Pall. — Pachyura murina (L.) — von Celébes auf; sonst ist, meines Wissens, keine Spitzmaus bis jetzt von dort registrirt, aber wohl in Museen vorhanden.

CARNIVORA

VIVERRIDAE

23. VIVERRA TANGALUNGA GRAY

a–e. 5 Felle mit Schädeln in Spiritus, dazu 4 Skelette. IX 1895. 2 mar. und 2 fem. aus Wäldern bei Gowa, im Süden von Makassar, Süd Celébes, wo sie in Schlingen gefangen, und von wo 3 lebend nach Makassar gebracht wurden; 1 fem. von Makassar.

24. PARADOXURUS HERMAPHRODITUS (SCHREB.)

a. juv., Rurukan, Minahassa, Nord Celébes, IV 95.

Das Dresdner Museum besitzt ein Exemplar vom Pik von Bonthain, Süd Celébes. Weber (Zool. Erg. I, 109 1890) fand die Art (P. musanga) auf Saleyer. Weder Blanford in seiner Monographie (PZS. 1885, 797), noch Lydekker (Allen’s Nat.’s Libr., Carnivora I, 235 [1895]), noch Trouessart (Cat. Mam. 329 1897) erwähnen Celébes als Fundort.

25. PARADOXURUS MUSSCHENBROEKI SCHL.

a–g. 7 Exemplare (3 mar., 4 fem.) von der Minahassa, Nord Celébes: Tomohon, IV 94, Rurukan und Masarangkette. Mir lagen davon 5 Skelette, sowie 2 Häute dazu und 2 ganze Thiere in Spiritus vor, 3 trockene, zu den Skeletten gehörige Bälge wurden jedoch auch conservirt.

Vgl. meine Bemerkungen Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 10. Ausserhalb der Minahassa ist die Art bis jetzt noch nicht gefunden worden.

RODENTIA

SCIURIDAE

26. SCIURUS LEUCOMUS MÜLL. SCHL.

a, b. Bälge mit Schädel, mares, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, III 94. c. mas, in Spiritus, Tomohon, III 94. d. fem., in Spiritus, Kattabuna an der Grenze der Minahassa, I 94. e. fem. juv., Balg mit Schädel, aus der Minahassa, 1893.

Vgl. Abh. Ber. 1896/7 Nr. 6 p. 25, Taf. X Fig. 2 und 1898/9 Nr. 4 p. 2.

27. SCIURUS LEUCOMUS OCCIDENTALIS A. B. M.

Abh. Ber. Mus. Dresden 1898/9 Nr. 4 p. 2 (1898)

a. mas, in Spiritus, zwischen Bolang Mongondo und Kottabangon, Nord Celébes, c 250 m hoch, 3. XII 93. b. mas, in Spiritus, von der Nordseite der Matinangkette, Nord Celébes, c 1000 m hoch, VIII 94.

28. SCIURUS SARASINORUM A. B. M.

Tafel V

Abh. Ber. Mus. Dresden 1898/9 Nr. 4 p. 1 1898

a. mas, Balg mit Schädel, Ussu an der Nordostecke des Bonigolfes, Central Celébes, 18. II 96. b. mas, Balg mit Schädel (aus Spiritus), Mapane am Südufer des Tominigolfes, Central Celébes, II 95.

Figur 1 stellt das Exemplar von Ussu in natürlicher Grösse dar, Figur 2 das von Mapane in ½ natürlicher Grösse. Siehe l. c. über die Differenzen der beiden.

29. SCIURUS MURINUS MÜLL. SCHL.

1839–44 Müller & Schlegel Verh. Nat. Gesch. Zool. 87 1853 Temminck Esq. Zool. 252 1878 Anderson Zool. Res. Yunnan 256 1883 Jentink NLM. V, 126 und 175 1887 id. Cat. MPB. IX, 190 1888 id. ibid. XII, 22 1889 Hickson Nat. N. Cel. 84 1894 Weber Zool. Erg. III, 474 1897 Trouessart Cat. Mam. (II) 418. a. Balg mit Schädel, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, III 94. b. Balg mit Schädel, mas, Tomohon, 20. V 94. c. mas, in Spiritus, dgl. 8. IV 94. d. fem., in Spiritus, Bonethal c 200 m, Nord Celébes, 8. I 94. e. fem., in Spiritus, Pinogo im Bonethal, 240 m, 10. I 94. f. mas, in Spiritus, Matinangkette, Südseite, c 1000 m, Nord Celébes, IX 94.

Die Art ist nur von Nord Celébes bekannt, von der Nordspitze der Minahassa (Main) an bis zur Matinangkette, westlich vom Gorontaloschen, aber westlich und südlich von da wurde sie noch nicht erbeutet, wenigstens ist Nichts darüber verlautbart. Hickson fand sie auf der Insel Talisse im Norden und das Dresdner Museum erhielt sie von der Insel Lembeh, im Osten von der Minahassa (5 Exemplare), wo sie nicht abzuweichen scheint. E. & Ch. Hose erbeuteten sie im October 1895 3500 Fuss hoch auf dem Masarang (Mus. Dresd.), und sonst ist sie aus der Minahassa registrirt von Manado, Langowan, Amurang (Mus. Leiden), Rurukan und Main (Mus. Dresd.); dazu noch der obige Fundort Tomohon. Jenseit der Minahassa: im Bonethal, östlich von Gorontalo, bei Gorontalo und auf der Matinangkette, westlich vom Gorontaloschen. Bei der Kleinheit des Thieres ist es wohl möglich, dass es sich auch noch ausserhalb seines bis jetzt bekannten Verbreitungsgebietes anfindet.

Der inländisch-maleische Name in der Minahassa ist bunto kitjil.

Die Art ist noch nicht abgebildet worden.

30. SCIURUS RUBRIVENTER MÜLL. SCHL.

1839–44 Müller & Schlegel Verh. Nat. Gesch. Zool. 86 1867 J. E. Gray AMNH. (3) XX, 283 1878 Anderson Zool. Res. Yunnan 216 (unter Sc. bicolor) 1883 Jentink NLM. V, 128 und 175 1887 ib. Cat. MPB. IX, 190 1888 id. ibid. XII, 23 1894 Weber Zool. Erg. III, 474 1897 Trouessart Cat. Mam. (III) 417. a–f. 6 Exemplare, 2 in Spiritus, 2 Bälge mit Schädeln, 2 Skelette, alle von Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, IV–VII und IX 94.

Schon Jentink (NLM. 1883, 128) zeigte, dass es ein Irrthum von Anderson war, diese Art zu Sc. bicolor zu ziehen. Auch sie ist, wie Sc. murinus, bis jetzt nur von Nord Celébes nachgewiesen, und zwar von der Minahassa und aus dem Gorontaloschen. Die bekannten Fundorte in der Minahassa sind: Manado (Mus. Leid.), Lotta, Kakaskassan (Mus. Dresd.) und Tomohon (Sarasins); im Gorontaloschen: Tulabello und Modelido (Mus. Leid.). Es ist dies immerhin auffallend, da ein relativ so grosses und prachtvoll gefärbtes Thier dem Jäger weniger leicht entgehen kann, als der unscheinbare und kleine Sc. murinus, und man meinen sollte, ihm stünden keine Hindernisse im Weg, um sich über die ganze Insel zu verbreiten.

Der inländische Name in der Minahassa ist talu.

Abgebildet ist die Art noch nicht.

MURIDAE

31. MUS RATTUS L.

a. mas, in Spiritus, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, 2. III 94.

Ein typisches Exemplar, wie das Dresdner Museum noch mehrere von Nord Celébes besitzt. Jentink (Webers Zool. Erg. I, 119 1890) registrirt die Art auch von Makassar, Süd Celébes. M. rattus von Celébes hat vielleicht einen etwas weniger behaarten Schwanz als deutsche Exemplare.

Mus rattus var. celebensis Hoffmann (Abh. Ber. 1886/7 Nr. 3 p. 18) stelle ich zu M. neglectus (s. den folgenden Artikel).

32. MUS NEGLECTUS JENT. (?)

Mus rattus var. celebensis B. Hoffm. Abh. Ber. Mus. Dresd. 1886/7 Nr. 3 p. 18, Taf., Fig. 4 (Schädel) 1880 Jentink NLM. II, 14 1887 id. Cat. MPB. IX, 211 1888 id. ibid. XII, 65 1894 Thomas AMNH. (6) XIV, 453 1895 id. ibid. XVI, 163 1896 id. ibid. XVIII, 246 „(?)“; Hartert NZ. III, 150 1897 Trouessart Cat. Mam. (III) 478 1898 Thomas TZS. XIV, 402 und 403. a. Balg mit Schädel, fem., Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, 1. IV 95. b, c. mares, in Spiritus, Tomohon, III und 5. VII 94.

Die Art ist ursprünglich von Bórneo und Batjan von Jentink beschrieben worden, was schon auf eine weitere Verbreitung deutete; darauf hat Thomas sie ebenfalls von Bórneo von verschiedenen Fundorten, ferner von Mantanani, Balabac und Nord Luzon aufgeführt, neuerlich auch von Celébes mit (?). Solche Celébes-Exemplare, von Thomas bestimmt, liegen mir ebenfalls vor, und darum ziehe ich dazu auch die Sarasinschen — mit demselben Vorbehalte wie Thomas —, denn Jentinks Beschreibung ist nicht ausreichend, und es fehlen mir Bórneo- und Batjan-Exemplare zum Vergleiche. Letzthin (TZS. XIV, 403) hat Thomas sich dahin ausgesprochen, dass er auch die Bórneo-Exemplare nur provisorisch zu neglectus stelle, nachdem er früher (AMNH. XIV, 453) schon gesagt hatte, dass er die Exemplare aus den Niederungen dazu rechne, ohne aber über die Verwandtschaft mit solchen ausserhalb Bórneos eine Meinung äussern zu wollen. Es handelt sich jedenfalls um eine weiter verbreitete Form, deren genaue Kenntniss nach Localitäten noch aussteht. Das Dresdner Museum besitzt auch Exemplare von der Insel Banka im Norden von Celébes, ferner von Talaut und Timorlaut, die ich ebenfalls dazu stelle.

Die Fundorte auf Celébes sind in der Minahassa: Main, Lotta, Rurukan 3500 Fuss hoch, Berg Masarang 3000 Fuss hoch (Mus. Dresd.), Tomohon (Sarasins); Gorontalo (Mus. Dresd.); im Süden: Pik von Bonthain unter 5000 Fuss (Everett apud Hartert), Indrulaman 2300 Fuss hoch (Mus. Dresd.).

Als Hoffmann M. rattus var. celebensis aufstellte, lag ihm M. neglectus nicht vor und Jentinks Beschreibung allein genügte zur Identificirung nicht.

Die Art ist noch nicht abgebildet.

33. MUS EPHIPPIUM JENT.

1880 Jentink NLM. II, 15 1887 Hoffmann Abh. Ber. Dresd. 1886/7 Nr. 3 p. 17; Jentink Cat. MPB. IX, 211 1888 id. ibid. XII, 64 1889 Thomas PZS. 235 1893 Hose Mam. Borneo 59 1894 Thomas AMNH. (6) XIV, 453 1895 id. ibid. XVI, 163 1896 id. ibid. XVIII, 246 1897 Trouessart Cat. Mam. 479. a–c. fem. mit 2 juv., in Spiritus, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, 2. V 94. Aus einem Neste, das aus Blättern und Reisig gebaut war. Es waren 3 Junge darin. d. fem., in Spiritus, Tomohon, 94. e. fem., in Spiritus, Kottabangan, Bolang Mongondo, Nord Celébes, XII 94. f, g. 2 juv., in Spiritus, Posso See, Central Celébes, 13. II 95. h–k. mas, 2 juv., Loka, Pik von Bonthain, Süd Celébes, Ende 1895. l. juv., in Spiritus, Pik von Bonthain, Ostseite 1350 m hoch, X 95.

Eine von Sumátra, Bórneo, Palawan, Luzon und Celébes registrirte Art. Eine Hochlandform, die vielleicht in M. concolor Blyth übergehe, hat Thomas (TZS. XIV, 403) von Negros (6600 Fuss hoch) und Nord Luzon (Monte Data, 8000 Fuss hoch) als M. ephippium negrinus abgetrennt.

Als Fundorte in Celébes kennt man bis jetzt: Im Norden Lotta, Rurukan (Mus. Dresd.), Tomohon und Kottabangan; im Centrum Posso See; im Süden Pik von Bonthain (Sarasins).

Die Art ist noch nicht abgebildet.

34. MUS MUSSCHENBROEKI JENT.

Tafel VI Fig. 1. Nat. Grösse [80]

1879 Jentink T. Ned. D. Ver. p. LV („2o“) und LVI („1o“); id. NLM. I, 10 1887 Hoffmann Abh. Ber. Dresd. 1886/7 Nr. 3 p. 8, 14, 23, Taf. Fig. 3 a–f (Zähne); Jentink Cat. MPB. IX, 212 1888 Jentink Cat. MPB. XII, 66 1889 Thomas PZS. 1889, 235 1893 C. Hose Mam. Borneo 59 1894 Weber Zool. Erg. III, 474 1896 Thomas AMNH. (6) XVIII, 246 1897 Trouessart Cat. Mam. 497 (Acomys) a. Balg mit Schädel, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, IV 94. b–g. 6 Exemplare in Spiritus, 1 mas, 5 fem. Tomohon II, III, VI 94.

Ausser von Nord Celébes von Bórneo aufgeführt (Kinabalu bis 3000 Fuss, Berg Dulit 2000 Fuss hoch, Penrisen Hügel). Mir sind bis jetzt keine Exemplare von Bórneo zu Gesichte gekommen.

Als Fundorte in der Minahassa sind bis jetzt registrirt: Manado-Langowan (Mus. Leid.), Amurang (Mus. Dresd.).

Einige Autoren schrieben den Artnamen musschenbroeki irrthümlich mit ck.

35. MUS CALLITRICHUS JENT.

Tafel VII Fig. 1. Nat. Grösse [81]

Mus callitrichus Jentink 1879 T. Ned. D. Ver. IV p. LV („6o“) und LVI („5o“ err., = meyeri); id. 1879 NLM. I, 12; Thomas 1896 AMNH. (6) XVIII, 246; Trouessart 1897 Cat. Mam. 479. Mus callithrichus (th laps. aut em. err.) Jentink 1887 Cat. MPB. IX 212; id. 1888 ib. XII, 65; id. 1890 Webers Zool. Erg. I, 120 Tab. X, 4–6 (Schädel); id. 1893 III, 78; Weber 1894 ib. 474. Mus chrysocomus („n. sp. 3o“ Jentink 1879 T. Ned. D. Ver. IV p. LVI); B. Hoffmann 1887 Abh. Ber. Dresd. 1886/7 Nr. 3 p. 20, Tafel Fig. 1 a–f (Schädel); Thomas 1895 AMNH. (6) XVI, 163 und 1896 XVIII, 247; Trouessart 1897 Cat. Mam. 485; Thomas 1898 TZS. XIV, 403. Mus fratrorum Thomas 1896 AMNH. (6) XVIII, 246; Trouessart 1897 Cat. Mam. 485. a, b. fem., in Spiritus, Tomohon, Minahassa, Nord Celébes, III und IV 94. c. mas juv., in Spiritus, Tomohon, III 94. d, e. fem. juv., in Spiritus, Tomohon, III 94.

Als Hoffmann 1887 M. chrysocomus beschrieb, besass das Dresdner Museum kein Exemplar von callitrichus, er war auf Jentinks Beschreibung angewiesen. 1894 trafen aber 4 Exemplare ein, die Dr. Jentink die Güte hatte, mit seinen Typen zu vergleichen und als solche zu bestimmen, man kann daher an ihrer Identität nicht zweifeln, trotzdem die Beschreibung der Art (NLM. 1879 I, 12) nicht so zutreffend und genügend ist, dass sie danach allein sicher erkannt werden könnte. Zwischen dem einzig vorhandenen Typus von chrysocomus und den mir nun vorliegenden Exemplaren von callitrichus kann ich aber keine irgendwie wesentlichen Unterschiede constatiren, sowenig wie zwischen M. fratrorum Thos. (wovon das Dresdner Museum 2 von Thomas bestimmte Exemplare besitzt) und callitrichus. Dieser sagt (AMNH. XVIII, 247), dass fratrorum M. chrysocomus sehr nahe stehe, aber durch Grösse, geperlte Supraorbitalränder und mächtigere Molaren unterschieden sei, allein die Schädel der zwei mir vorliegenden Exemplare zeigen diese Perlung nicht, sondern haben scharfe Ränder wie gewöhnlich; Grösse und mächtigere Molaren können als Artunterschiede, in Ansehung der bedeutenden Differenzen der Exemplare nach Alter und Geschlecht, nicht angesehen werden.