Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel

Part 1

Chapter 13,204 wordsPublic domain

Abhandlungen und Berichte des Königlichen Zoologischen und Anthropologisch-Ethnographischen Museums zu Dresden 1896/97

Nr. 6

Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel

I

von A. B. Meyer

Mit 9 colorirten und 6 Lichtdruck-Tafeln

Verlag von R. Friedländer & Sohn in Berlin 1896

Dem Andenken Alexander Schadenberg’s gewidmet

INHALTSVERZEICHNISS

Seite Widmung III Tafelerklärung VII 1. Macacus maurus F. Cuv. mit Taf. I, II Fig. 1–2 und III Fig. 1–2 1 2. und 3. Macacus cynomolgus L. und philippinensis Js. Geoffr. 4 4. und 5. Cynopithecus niger (Desm.) und nigrescens (Temm.) mit Taf. II Fig. 3–4 und III Fig. 3–4 5 6. Tarsius fuscus Fisch.-Waldh. 8 7. Tarsius sangirensis n. sp. 9 8. Tarsius philippensis A. B. Meyer mit Taf. IV 9 9. Tarsius spectrum (Pall.) 9 10. Paradoxurus musschenbroeki Schl. mit Taf. V und VI 10 11. Bubalus mindorensis Heude mit Taf. VII und VIII 12 12. Babirusa alfurus Less. mit Taf. IX 15 Vorkommen und damit in Verbindung stehende Fragen 15 Zahnformel 22 Bewehrung der Sau 23 13. Sciurus tonkeanus n. sp. mit Taf. X Fig. 1 25 14. Sciurus leucomus M. Schl. mit Taf. X Fig. 2 25 15. Sciurus rosenbergi Jent. mit Taf. X Fig. 3 26 16. Sciurus tingahi n. sp. mit Taf. X Fig. 4 27 17. Sciurus steeri Gthr. 27 18. Sciurus mindanensis Steere mit Taf. XI Fig. 1 28 19. Sciurus samarensis Steere mit Taf. XI Fig. 2 29 20. Phlœomys cumingi Wtrh. mit Taf. XII und XIII Fig. 1–2 29 21. Crateromys schadenbergi (A. B. Meyer) mit Taf. XIII Fig. 3–6 und XIV 32 22. Phalanger celebensis Gr. mit Taf. XV Fig. 1 33 23. Phalanger sangirensis n. sp. mit Taf. XV Fig. 2–3 34 24. Phalanger ursinus (Temm.) 34 Index 35

TAFELERKLÄRUNG

Tafel I Macacus maurus F. Cuv. von Celebes. 1 fem. juv., 2 mas juv., 3 und 4 fem. juv., 5 mas ad. Circa ⅙ nat. Grösse. Seite 2 und 3 Tafel II 1–2 Schädel von Macacus maurus F. Cuv. von Celebes, mas ad., norma facialis und lateralis. ¾ nat. Grösse. Seite 3 3–4 Schädel von Cynopithecus niger (Desm.) von Nord Celebes, mas ad., norma facialis und lateralis. ¾ nat. Grösse. Seite 5 Tafel III 1–2 Schädel von Macacus maurus F. Cuv. von Celebes, mas ad., norma verticalis und basalis. ¾ nat. Grösse. Seite 3 3–4 Schädel von Cynopithecus niger (Desm.) von Nord Celebes, mas ad., norma verticalis und basalis. ¾ nat. Grösse. Seite 5 Tafel IV Tarsius philippensis A. B. Meyer von den Philippinen. Nat. Grösse. Seite 9 Tafel V Paradoxurus musschenbroeki Schl. von Nord Celebes, mas ad., fem. juv. ⅕–⅙ nat. Grösse. Seite 10 Tafel VI 1 Skelet von Paradoxurus musschenbroeki Schl. von Nord Celebes, mas ad. ⅓ nat. Grösse. Seite 11 2 Linke Vola desselben Exemplares. Nat. Grösse. a–e Nagel- oder Endballen α–δ Metacarpophalangealballen r Radialballen u Ulnarballen P Pisiformballen I–V 1.–5. Finger Seite 11 3 Linke Planta desselben Exemplares. Nat. Grösse. a–e Nagel- oder Endballen α–δ Metatarsophalangealballen t Tibialballen f Fibularballen I–V 1.–5. Zehe Seite 11 Tafel VII Bubalus mindorensis Heude von Mindoro, mas ad. (stehend), fem. ad. (liegend) und fem. juv. Circa 1⁄12 nat. Grösse. Seite 14 Tafel VIII 1 Skelet von Bubalus mindorensis Heude von Mindoro, fem. ad. Circa ⅛ nat. Grösse. Seite 14 2 Schädel derselben Art, fem. juv. ⅓ nat. Grösse. Seite 14 Tafel IX 1 Zwei aneinander gebundene, abnorm kreisförmig gewachsene untere Schweinehauer von Nordost Neu Guinea, Brustschmuck der Eingebornen. Der obere Zahn ist ein linker, der untere ein rechter. Nat. Grösse. Seite 18 2 Abnorm. kreisförmig gewachsener Hauer im Unterkiefer von Babirusa alfurus Less., mas ad. Nat. Grösse. Seite 20 3 Vorderer Schädeltheil von Babirusa alfurus Less. von Nord Celebes, fem. ad. Nat. Grösse. Seite 24 Tafel X 1 Sciurus tonkeanus n. sp. von Nordost Celebes. Circa ¾ nat. Grösse. Seite 25 2 Sciurus leucomus M. Schl. von Nord Celebes. Unter ⅓ nat. Grösse. Seite 25 3 Sciurus rosenbergi Jent. von den Sangi Inseln. Circa ⅓ nat. Grösse. Seite 26 4 Sciurus tingahi n. sp. von Tagulandang. Circa ⅗ nat. Grösse. Seite 27 Tafel XI 1 Sciurus mindanensis Steere von Mindanao. Circa ⅔ nat. Grösse. Seite 28 2 Sciurus samarensis Steere von Samar. Circa ⅔ nat. Grösse. Seite 29 Tafel XII Phlœomys cumingi Wtrh. Circa ¼ nat. Grösse. 1 mas ad. von Nord Luzon 2 fem. ad. ,, ,, ,, 3 mas ad. ,, ,, ,, 4 mas ad. von Marinduque 5 fem. ad. ,, ,, 6 mas ad. ,, ,, 7 mas juv. ,, ,, Seite 29 Tafel XIII 1 Skelet von Phlœomys cumingi Wtrh. fem. ad. von Nord Luzon. ⅔ nat. Grösse. Seite 32 2 Penisknochen derselben Art. Nat. Grösse. Seite 32 3 Schädel von Crateromys schadenbergi (A. B. Meyer) von Nord Luzon, mas ad., norma lateralis. Nat. Grösse. Seite 33 4 Derselbe, norma verticalis. Nat. Grösse. Seite 33 5 Derselbe, norma basalis. Nat. Grösse. Seite 33 6 Unterkiefer von demselben, von oben. Nat. Grösse. Seite 33 Tafel XIV Crateromys schadenbergi (A. B. Meyer) von Nord Luzon. ⅓–¼ nat. Grösse. Fig. 2 und 3 mar. ad. Seite 32 Tafel XV 1 Phalanger celebensis Gr. von Nord Celebes. Circa ⅓ nat. Grösse. Seite 33 2–3 Phalanger sangirensis n. sp. von den Sangi Inseln. Circa ⅓ nat. Grösse. Seite 34

1. MACACUS MAURUS F. CUV.

Tafel I, II Fig. 1–2 und III Fig. 1–2

Max Weber hat vor Kurzem (Zool. Ergebn. I, 103 1890) den interessanten Nachweis geführt, dass Macacus maurus F. Cuv. und Macacus ocreatus Ogilb. ausschliesslich auf Celebes [1] zu Haus und wahrscheinlich identisch sind. Er hat damit das Dunkel, in dem diese beiden Formen bisher standen, erhellt, und wenn er das Resultat seiner scharfsinnigen Darlegung auch nur eine „supposition“ nennt (p. 108), so glaube ich doch, dass es sich so verhält, wie er vermuthet. Wenn Weber M. maurus aber lediglich auf Süd Celebes und die Insel Buton beschränkt sein lässt [2], so ergeben zwei Exemplare, die das Museum kürzlich von Tonkean, auf der nördlichen Halbinsel, gegenüber dem Banggai Archipel [3], erhielt, dass die Art eine viel weitere Verbreitung hat. Bis dahin war sie allerdings nur aus dem Süden und von Buton bekannt geworden, und zwar nach Weber (p. 103) von Maros, Tanralili, Bantimurung, Parepare, Bonthain [4] und Katjang auf der Südwest Halbinsel, von Kandari auf der Südost Halbinsel, sowie von Buton, ferner nach Schlegel (Cat. VII, 118 1876) und Jentink (XI, 32 1892) von Makassar, womit jedenfalls die weitere Umgebung der Stadt gemeint ist, und von wo mir auch die Herren Sarasin schrieben, dass sie M. maurus reichlich bekämen. Ich selbst beobachtete diesen Affen am 16. Sept. 1871 in Mandalli, ungefähr in der Mitte zwischen Makassar und Parepare; die holländischen Beamten, mit denen ich zusammen war, wollten jedoch durchaus nicht zugeben, dass ich einen schösse. Im October erhielt ich welche in Makassar und reflectirte über die Unterschiede von Cynopithecus niger (Desm.) bezüglich Färbung und Physiognomie; am 29. Oct. erlegte ich am Wasserfalle von Bantimurung, östlich von Maros, ein grosses Weibchen, das Milch hatte, und dessen Unbehaartheit mir auffiel. Das auch geschossene Junge war im Dickichte nicht auffindbar. Der Affe kam hier in Schaaren vor. Ich notirte auch, dass die Gesässchwielen dunkel seien, gegenüber den rothen von C. niger in der Minahassa, was mit Webers Angabe (p. 104) nicht übereinstimmt, der sie als „rosy“ angiebt.

Wenn nun durch die Tonkean Exemplare das Vorkommen von M. maurus im Nordosten, so weit vom Süden der Insel entfernt, sicher gestellt ist, so wird damit ohne Weiteres wahrscheinlich, dass er auch das ganze dazwischen liegende Gebiet bevölkert. Durch zwei im Ethnographischen Museum befindliche Kopfbedeckungen mit Affenfell, die eine von „Ost Celebes“, die andere vom Poso See [5], kann ich jedoch erweisen, dass dem so ist; denn ein Vergleich der Haare mit denen von C. niger und M. maurus ergiebt, dass sie von M. maurus, und nicht von C. niger stammen. P. und F. Sarasin sagen von den Wäldern von Central Celebes (Z. Erdk. Berlin XXX, 328 1895), dass Affen sich nicht blicken liessen, doch fanden sie bei den Toradjas Mützen mit schwarzem langhaarigen Affenfell überzogen (p. 339), jedenfalls solche, wie die eine der eben aus dem Ethnographischen Museum vom Poso See erwähnten. In Luhu hörte Weber (p. 103) Nichts von einem Affen, allein obige Thatsachen lassen es mir nicht zweifelhaft erscheinen, dass M. maurus ganz Celebes bis auf die langgestreckte nördliche Halbinsel bevölkert. Hier kennt man (Schlegel Cat. VII, 120 1870) von der Nordspitze der Minahassa bis Tomini (in der Nordwestecke des Golfes gleichen Namens) C. niger (resp. nigrescens), und wenn die beiden Affen, wie es scheint, nicht in derselben Gegend zugleich vorkommen, so bliebe nur die Strecke Tomini-Kajeli-Mandar unsicher hinsichtlich der Art, die sie beherbergt, oder, da es nicht unwahrscheinlich ist, dass sich Kajeli-Mandar in dieser Beziehung Süd und Central Celebes anschliessen, nur die schmale Landzunge, die den Körper von Celebes mit dem nördlichen Arme verbindet. Dieses scheint aber für die Frage der geographischen Verbreitung der zwei Arten im Grossen und Ganzen nicht wesentlich, so erwünscht es auch ist, genaue Kenntniss davon zu haben. Von der Tonkean nahen Insel Peling erhielt das Museum M. maurus nicht, und da deren Fauna schon keinen echt celebischen Charakter mehr hat (s. Abh. Mus. Dresden 1896/7 Nr. 2), so ist das Nichtvorkommen daselbst auch nicht auffallend.

Auf Tafel I findet sich M. maurus in verschiedenen Haarkleidern (c. ⅙ n. Gr.) dargestellt, und zwar nach Exemplaren des Dresdner Museums und nach Weberschen aus der Sammlung des Amsterdamer Zoologischen Gartens, von denen mir zwei von Dr. Kerbert gütigst geliehen wurden. Man dürfte, da bis jetzt nur jüngere Menagerie-Exemplare abgebildet worden sind, die Wiedergabe charakteristischer Individuen von sicheren Fundorten nicht für überflüssig erachten, besonders auch in Anbetracht der Verwirrung, die bis zur Weberschen Darstellung über M. maurus und ocreatus herrschte; ein adultes, wie das Dresdner von Tonkean, ist überhaupt noch nicht abgebildet worden.

Figur 1. Junges Weibchen von Bantimurung (2076). 3. Molar noch unentwickelt. So gut wie einfarbig, mit nur schwachen Spuren einer helleren Zeichnung hinten. Es entspricht ungefähr der Cuvierschen Abbildung (Hist. nat. III 1823 Avril) eines M. maurus „d’un pelage uniformément brun foncé“, nach der man diesen Affen aber schwer identificiren kann [6], sowie der Grayschen (P. Z. S. 1866 pl. XIX) von M. inornatus (= maurus) eines jüngeren Individuums, „blackish brown, nearly uniform ... the hinder part of the thigh greyish white“ (p. 202), das wohl etwas mehr Zeichnung hinten hatte. — Vom Vertex zum Anus 380 mm, Hinterhand 125, Schädellänge 106.5, Jochbogenbreite 69.2.

Figur 2. Junges Männchen von der Insel Buton, aus dem genannten Amsterdamer Museum, von Weber (p. 103) lebend heimgebracht. 3. Molar unentwickelt, Milchgebiss zum Theile noch vorhanden. Etwas grösser als das Exemplar Figur 1. Gesammtfärbung noch bräunlich, wenn auch grauer als bei Figur 1, die helle Zeichnung hinten gut ausgeprägt, Unterarm und Unterschenkel deutlich heller grau abgesetzt. — Vom Vertex zum Anus 410 mm, Hinterhand 140, Schädellänge 115, Jochbogenbreite 68,1.

Figur 3. Junges Weibchen von Kandari, aus dem genannten Amsterdamer Museum, auch von Weber (p. 103) lebend heimgebracht. 3. Molar noch unentwickelt. Ziemlich von derselben Grösse, wie das junge Männchen Figur 2, aber bereits schön glänzend schwarz mit weisslicher Zeichnung hinten (hier in der Behaarung defect) und mit lebhafter grauem Unterarm und Unterschenkel als das Männchen Figur 2. Es entspricht am Besten der Sclaterschen Abbildung eines nicht adulten Exemplares von M. ocreatus (P. Z. S. 1860 pl. LXXXII und Scl. & Wolf: Zool. Sketches II 1867 pl. I), das die helle Zeichnung hinten noch nicht ausgeprägt aufweist [7]. — Vom Vertex zum Anus 420 mm, Hinterhand 140, Schädellänge 115, Jochbogenbreite 71.

Figur 4. Junges Weibchen (nach einem Fell ohne Schädel gezeichnet) von Tonkean (B 3167) in der ungefähren Grösse der Exemplare Figur 2 und 3, mit ausgeprägter heller Zeichnung hinten und von bräunlich schwarzer Färbung, nicht so tief glänzend schwarz wie Figur 3, aber die Extremitäten ebenfalls bräunlichschwarz, nicht heller.

Figur 5. Adultes Männchen von Tonkean (2469), dessen Schädel Tafel II Fig. 1–2 und III Fig. 1–2 in ¾ n. Gr. in der norma facialis, lateralis, verticalis und basalis wiedergegeben ist. Stumpf schwarz, leicht graubläulich angeflogen, mit sehr ausgeprägter heller Zeichnung hinten, aber ebenfalls mit dunklen Extremitäten, und zwar: Unterarm und Unterschenkel aussen stumpf schwarz, bräunlich angeflogen, innen heller bräunlich [8]. — Vom Vertex zum Anus 490 mm, von der Lippe zum Anus (alle Krümmungen mitgemessen) 650, Hinterhand 170. Von Schädel- und Skeletmaassen dieses Exemplares seien nur die folgenden angegeben und zum Vergleiche die eines alten männlichen Skelettes von Parepare, das Weber (p. 103 und 104) „very large“ nennt, das aber erheblich kleiner und schwächlicher ist als das von Tonkean, trotzdem die Schädelnähte weit mehr verstrichen sind; ebenso weisen sich die Zähne bei dem Tonkean Männchen in allen Dimensionen um ⅓ grösser aus. Dieses Parepare Skelet gehört jetzt dem Dresdner Museum (B 3274).

Tonkean Parepare (B 3166) (B 3274)

Schädellänge 144 mm 137 mm Jochbogenbreite 100 ,, 88.5 ,, Breite am proc. zygom. os. front 77.3 ,, 70.6 ,, Geringste Breite zwischen den Augenhöhlen 7.2 ,, 6 ,, Breite an den Alveolen der Caninen 37.5 ,, 35.2 ,, Geringste Breite am Pterion 49.4 ,, 47.8 ,, Grösste Breite am Pterion 61.5 ,, 55 ,, Länge des Femur 210 ,, 189 ,, Länge der Tibia 193 ,, 166 ,, Länge des Humerus 185 ,, 165 ,, Länge des Radius 185 ,, 169 ,,

Einen jüngeren weiblichen Schädel hat Murie (P. Z. S. 1872, 725) beschrieben und abgebildet, aber der adulte Schädel differirt bedeutend, so dass auch die Charakteristik, die Anderson (Anat. Zool. Res. 1878, 81) von dem jüngeren Schädel entwirft (und die Forbes: Primates II, 12 1894 verkürzt reproducirt), durchaus nicht für den alten zutrifft. Die Abbildungen dürften eine nähere Beschreibung des adulten Tonkean-Schädels überflüssig machen. Das Exemplar hat 9 Caudalwirbel; Schlegel (Cat. VII, 117, 118 1876) giebt 8 für maurus und ocreatus an, der 9., die Spitze, ist allerdings sehr klein; das Parepare Exemplar hat 7, ist aber möglicherweise defect.

Das Museum besitzt noch den Schädel eines Jungen von Süd Celebes (259), von mir mitgebracht, im Zahnwechsel, der 1. bleibende Molar bereits vorhanden. Schädellänge 100 mm, Jochbogenbreite 63.

Ferner das Skelet eines mas juv. von Süd Celebes (B 1984), von mir mitgebracht, noch nicht im Zahnwechsel, aber der 1. bleibende Molar im Durchbruche. Schädellänge 90 mm, Jochbogenbreite 56.

Endlich einen Foetus in Spiritus vom Pik von Bonthain, 1500´ hoch, an dem die Haarstellung vortrefflich zu sehen ist (Ribbe und Kühn 1883 coll.).

Beide Tonkean Exemplare, das junge Weibchen sowohl, als auch das adulte Männchen, haben schwarze Extremitäten, gegenüber den grauen des jungen Paares von Buton und Kandari, und, so viel mir scheint, kannte man adulte schwarzgliedrige bis jetzt überhaupt nicht. So hat, wie Dr. Jentink mir gütigst mittheilt [9], das grösste sehr alte Männchen des Leidener Museums (Schlegel Cat. VI, 118 1876 Ex. 1, Jentink XI, 32 1892 Ex. g) Grau an den Unterarmen und Unterschenkeln; es dürfte dem Tonkean-Männchen an Grösse kaum nachstehen, denn es misst vom Vertex zum Anus 480 mm und von der Lippe zum Anus (mit allen Krümmungen) 640, bei einer Hinterhandlänge von 155 (gegen 490, 650, 170 bei dem Tonkean Exemplare). Wie sich das alte Männchen von Parepare (Weber p. 103 und 104 Nr. 333, Skelet B 3274 M. Dr.) in dieser Beziehung verhielt, ist nicht mehr zu eruiren gewesen. Anderson (Cat. Mamm. Ind. Mus. I, 77 1881) registrirt nur graugliedrige, aber es sind keine adulten darunter. Da das Grau gegenüber dem einfarbigen dunkleren Jugendkleide schon der Charakter einer Altersentwicklung ist, so scheint das junge schwarzgliedrige Weibchen von Tonkean zu beweisen, dass die graue Phase an Unterarm und Unterschenkel auch übersprungen werden kann, allein es ist weiteres Material nöthig, um hierin klar zu sehen.

Ich zögere um so weniger M. maurus nur für den jungen ocreatus anzusehen, entgegen der Annahme Webers (p. 108), „that both are variations of one species“, als bereits Bartlett (bei Murie P. Z. S. 1872, 723) am Lebenden beobachtet hat, dass die helle Zeichnung sich aus einem einfarbigen Kleide mit dem Alter entwickelt. Auch Dr. Jentink glaubt, wie er die Güte hatte mir mitzutheilen, dass die 11 Exemplare des Leidener Museums dasselbe lehren. Es ist wohl möglich, wie Weber (p. 107) meint, dass Manche diese Entwicklung überhaupt nicht durchmachen und einfarbig bleiben, was ja auch das junge Tonkean Weibchen zu lehren schien. Das Zusammenvorkommen der verschiedenen Färbungen in einem Truppe, das Weber (p. 104 und 108) beobachtete, spricht vielleicht ebenfalls dafür. Prof. Weber hatte die Freundlichkeit mir dieses Zusammenvorkommen noch folgendermaassen auszuführen: „In der Umgegend von Maros waren in einem Walde die Exemplare zahlreich und nicht scheu; sie liessen sich daher gut beobachten. Doch sah ich in demselben Truppe sehr verschiedene Färbungen, namentlich bezüglich der Ausbreitung von Grau oder Weiss auf der Hinterextremität und bei manchen auch auf der Vorderextremität.“ Es sind jedoch weitere Beobachtungen und mehr Materialien nöthig, um hier Klarheit zu gewinnen, denn diese liegt noch keineswegs sicher vor.

2. UND 3. MACACUS CYNOMOLGUS L. UND PHILIPPINENSIS JS. GEOFFR.

Das Vorkommen von Macacus cynomolgus auf Celebes ist noch nicht ganz sichergestellt. Temminck (Coup d’oeil III, 112 1849) sagt, dass er dort eine leichte Färbungsdifferenz aufzuweisen scheine. Worauf er sich dabei stützt, ist nicht angegeben, im Leidener Museum sind keine Exemplare von Celebes (Schlegel Cat. VII, 102 1876, Jentink XI, 27 1892). Im Norden kennt man die Art nicht, Dr. Riedel, der so lange da lebte, hat nie davon gehört. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 266) giebt an, dass sie im Süden gemein sei. Das kann man jedoch keinenfalls behaupten. Die Herren Sarasin theilten mir mit, dass dieser Affe ihnen in Freiheit auf Celebes nicht begegnet sei. Weber (Zool. Erg. I, 102 1890) sah in Parepare an der Südwestküste ein Exemplar in Gefangenschaft, was nicht beweisend ist, und seine Jäger beobachteten eines bei Loka auf dem Pik von Bonthain, was Bestätigung verlangt. Sonst finde ich keine Angaben; es bedarf daher der sicheren Constatirung des Wildlebens der Art auf Celebes, und, wenn dies der Fall sein sollte, der Untersuchung, wie sie sich zu dem typischen cynomolgus verhält.

Der Makak der Philippinen ist ebensowenig genügend bekannt, wenn auch weit bekannter als der von Celebes. Js. Geoffroy basirte 1843 (Arch. Mus. Paris II, 568 pl. 5 = XXXIII, s. auch Cat. syst. 1851, 29) seinen M. philippinensis auf einen von Manila lebend erhaltenen Albino. Slark fand in Paris ein Exemplar „von den Philippinen“, das er als M. fur beschrieb (P. Ac. Philad. 1867, 36 pl. I uncol.), J. Verreaux hatte ihm mitgetheilt, dass dieser Affe nur auf Luzon vorkäme, was nicht richtig ist. In Luzon erhielt ich ihn 1872 auch (Mus. Berlin). Günther (P. Z. S. 1876, 735) führt M. philippinensis aus der Steereschen Sammlung vom Berge Mahayhay in Luzon und (1879, 74) aus der Everettschen von Nord Mindanao auf. Ich erhielt ihn 1872 auf dem diesem nahen Süd Negros (Mus. Dr. und Berlin) und auf Panay (Mus. Berlin [10]). Das Dresdner Museum besitzt ihn ausserdem von Cebu. Dr. Platen sammelte ihn 1887 auf Palawan (Mus. Leiden und Braunschweig [11]); Steere (List 1890, 28) erwähnt ihn von Basilan, Samar und Leyte. (Auf die kritiklose Compilation Eleras: Cat. sist. I, 2 1895 kann man in diesem Fall unmöglich Rücksicht nehmen.) Thatsächlich also ist ein Makak über die ganzen Philippinen verbreitet, jedoch noch nicht so genügend bekannt, dass man, ohne Serien von Exemplaren von vielen dieser Inseln in der Hand, über ihn urtheilen könnte. Erst solche werden ergeben, ob, oder wie sich die Localformen dieses weit verbreiteten Affen auf den Philippinen gegen einander abgrenzen.

4. UND 5. CYNOPITHECUS NIGER (DESM.) UND NIGRESCENS (TEMM.)

Tafel II Fig. 3–4 und III Fig. 3–4