Sämtliche Werke 9-10

Part 94

Chapter 942,621 wordsPublic domain

„Er quälte sich maßlos,“ rief sie aus, „er wollte dessen Schuld vermindern, indem er mir eingestand, er selbst hätte seinen Vater nicht geliebt und vielleicht sogar seinen Tod gewünscht. Oh, er hat ein tiefes, abgrundtiefes Gewissen! Und wie hat er sich mit diesem Gewissen gequält! Er hat mir alles aufgedeckt, alles! Täglich kam er zu mir und sprach mit mir darüber, wie mit seinem einzigen Freunde. Ich habe die Ehre, sein einziger Freund zu sein!“ rief sie plötzlich aus, und ihre Augen blitzten, als hätte sie jemanden herausgefordert. „Er ist zweimal bei Ssmerdjäkoff gewesen. Eines Tages aber kam er zu mir und sagte: wenn nicht der Bruder, sondern Ssmerdjäkoff den Vater erschlagen hat (denn man hatte doch die Fabel verbreitet, Ssmerdjäkoff sei der Mörder), so bin auch ich vielleicht schuld daran, denn Ssmerdjäkoff wußte, daß ich den Vater nicht liebte, und kann sich daher eingebildet haben, auch ich wünschte den Tod des Vaters. Da nahm ich diesen Brief und zeigte ihn ihm, und er überzeugte sich, daß sein Bruder den Vater erschlagen hatte, und das schien ihn ganz niederzuschmettern. Er konnte es nicht ertragen, daß sein leiblicher Bruder – ein Vatermörder sein sollte! Noch vor einer Woche bemerkte ich, daß er von allen diesen Qualen krank geworden war. In den letzten Tagen, wenn er bei mir war, redete er irre. Ich sah es, wie der Wahnsinn sich bei ihm vorbereitete. Er ging umher und phantasierte, das hat man ihm sogar auf der Straße angesehen. Der angereiste Doktor hat ihn vor drei Tagen auf meine Bitte hin untersucht und mir darauf gesagt, daß er einem gefährlichen Nervenfieber entgegengehe, und das alles durch ihn, durch dieses Ungeheuer! Gestern aber hat er erfahren, daß Ssmerdjäkoff gestorben ist – und das hat ihn so erschüttert, daß er wahnsinnig geworden ist ... und alles wegen dieses Ungeheuers, alles, nur um dieses Ungeheuer zu retten!“

Oh, versteht sich, so sprechen und alles so bekennen, das kann man nur einmal im Leben – vor dem Tode vielleicht, oder wenn man das Schafott schon bestiegen hat. Doch auch Katjä befand sich in diesen Minuten in einer ähnlichen Stimmung. Das war allerdings dieselbe Katjä, die damals zu dem jungen Wüstling gegangen war, um ihren Vater zu retten, dieselbe Katjä, die soeben noch vor dem ganzen Publikum stolz und keusch ihre Mädchenehre zum Opfer gebracht und von der edelmütigen Handlung Mitjäs erzählt hatte, einzig und allein, um das Schicksal, das ihn erwartete, auch nur um ein geringes zu erleichtern. Und ebenso brachte sie sich auch jetzt selbst zum Opfer, diesmal aber für einen anderen, und vielleicht wurde sie sich erst in diesem Augenblick zum erstenmal dessen bewußt, wie teuer ihr dieser andere war! Sie opferte sich aus Angst um ihn, weil sie sich plötzlich einbildete, er hätte sich zugrunde gerichtet, mit der Aussage, daß er der Mörder sei und nicht der Bruder, – sie opferte sich, um ihn zu retten, seinen Namen, seinen Ruf! Indessen war ein verhängnisvoller Zweifel aufgetaucht: hatte sie nun das über Mitjä Ausgesagte erlogen – alles das über ihre früheren Beziehungen zu ihm? Nein, nein, sie hatte ihn nicht etwa absichtlich verleumdet, als sie ausrief, Mitjä verachte sie – wegen ihrer Verbeugung bis zur Erde! Sie glaubte selbst daran, sie war fest davon überzeugt, vielleicht schon von dem Augenblick ihrer Verbeugung an, daß der treuherzige Mitjä, der sie anbetete, im Inneren über sie lache und sie verachte. Und nur aus Stolz hatte sie sich damals mit ihm verlobt, in hysterischer und plötzlich auflodernder Liebe, die jedoch mehr einem Hasse glich, als einer Liebe. Oh, vielleicht hätte sich diese krampfhafte Liebe in eine wirkliche, große Liebe verwandelt: Katjä hatte ja nichts so sehr als das gewünscht! Doch jetzt hatte Mitjä sie bis in ihre tiefste Seele durch seinen Treubruch beleidigt, ihre Seele aber verstand nicht, zu verzeihen. Der Augenblick der Rache kam für sie so unerwartet, und alles, was sich solange schon und so schmerzhaft in dem beleidigten Mädchen angesammelt hatte, brach jetzt mit einemmal und ganz unerwartet aus ihr hervor. Sie gab Mitjä preis, aber zugleich gab sie auch sich selbst preis! Und versteht sich, kaum war ihr gelungen, endlich sich auszusprechen, als die Spannung auch schon nachließ, und die Scham sie überwältigte. Wieder bekam sie einen Anfall: sie fiel schluchzend und aufschreiend hin. Man trug sie hinaus. In demselben Augenblick aber, als man sie hinaustrug, stürzte Gruschenka mit einem Aufschrei zu Mitjä, so unerwartet und so schnell, daß sie niemand mehr zurückhalten konnte.

„Mitjä!“ schrie sie, „Mitjä, sieh, jetzt hat dich deine Schlange zugrunde gerichtet! Jetzt hat sie euch allen ihr wahres Gesicht gezeigt!“ schrie sie zitternd vor Wut dem Gerichtshof zu.

Auf einen Wink des Vorsitzenden ergriff man sie, um sie aus dem Saal hinauszuführen. Doch sie wollte sich nicht ergeben, sie schlug um sich und wollte zu Mitjä stürzen. Und Mitjä sprang mit einem Schrei auf und wollte gleichfalls zu ihr hin. Sie wurden beide überwältigt.

Ich denke, unsere Zuschauer, besonders die Damen, müssen befriedigt gewesen sein: das Schauspiel war reichhaltig und aufregend genug. Darauf, erinnere ich mich, trat der Moskauer Doktor ein. Ich glaube, der Vorsitzende hatte schon früher den Gerichtsvollstrecker zu ihm hinausgeschickt, damit Iwan Fedorowitsch Hilfe geleistet werde. Der Doktor meldete dem Gericht, daß Iwan Karamasoff an einem Nervenfieber gefährlich erkrankt sei und man ihn unverzüglich fortschaffen müsse. Auf die Fragen des Staatsanwalts und des Verteidigers sagte er aus, daß der Patient vor drei Tagen selbst zu ihm gekommen sei, und daß er ihm damals den nahe bevorstehenden Ausbruch eines Nervenfiebers vorausgesagt habe, doch habe der Patient nichts für sich tun wollen. „Er war schon damals nicht mehr ganz bei gesunder Vernunft und gestand mir selbst, daß er Halluzinationen habe, verschiedenen Personen, die schon gestorben seien, auf der Straße begegne, und daß zu ihm jeden Abend der Satan zu Gaste komme,“ schloß der Doktor. Nach diesem Bericht entfernte sich der berühmte Arzt. Der Brief, den Katerina Iwanowna vorgezeigt hatte, kam zu den übrigen Sachbeweisen. Nach einer kurzen Beratung beschloß der Gerichtshof, die gerichtliche Verhandlung fortzuführen, die beiden unerwarteten Aussagen Katerina Iwanownas und Iwan Fedorowitschs aber zu Protokoll zu nehmen.

Ich werde den weiteren Verlauf der Gerichtsverhandlungen nicht ausführlich beschreiben, denn die Aussagen der übrigen Zeugen waren nur Wiederholungen oder Bestätigungen der vorangegangenen, abgesehen von einzelnen Merkwürdigkeiten. Doch, ich wiederhole es, alles Wichtige ist in der Rede des Staatsanwalts, die ich jetzt sofort wiedergeben werde, übersichtlich zusammengefaßt. Alle waren durch die letzte Katastrophe erregt und wie elektrisiert und warteten mit brennender Ungeduld auf die Lösung, auf die Auseinandersetzung der Parteien und auf das Urteil. Fetjukowitsch war durch die Aussagen Katerina Iwanownas ersichtlich sehr erschüttert. Um so mehr triumphierte der Staatsanwalt. Als die Gerichtsverhandlung beendet war, wurde eine Unterbrechung der Sitzung angesagt, dieselbe dauerte fast eine Stunde. Schließlich eröffnete der Vorsitzende die Plaidoyers. Es war, glaube ich, gerade acht Uhr abends, als unser Staatsanwalt, Hippolyt Kirillowitsch, seine Anklagerede begann.

VI. Die Rede des Staatsanwalts. Die Charakteristik

Als Hippolyt Kirillowitsch seine Rede begann, zitterte er am ganzen Körper. Kalter, krankhafter Schweiß trat auf seiner Stirn und an den Schläfen hervor, und er fühlte, wie ihn Frostschauer und Hitze abwechselnd überkamen. So erzählte er später selbst. Er hielt diese Rede für sein _Chef-dœuvre_, für das _Chef-d’œuvre_ seines ganzen Lebens. Neun Monate darauf starb er an der galoppierenden Schwindsucht. So hatte er denn so unrecht nicht, wenn er diese Rede mit dem letzten Schwanengesang verglich, denn er fühlte schon damals sein Ende voraus. In diese Rede legte er sein ganzes Herz hinein und alles, was er an Verstand und Geist besaß. Zugleich bewies er damit ganz unerwarteterweise, daß er nicht nur alle Gefühle eines guten Staatsbürgers in sich getragen, sondern sich auch mit unseren „verdammten“ Fragen – wenigstens insoweit sie an unseren armen Hippolyt Kirillowitsch im Leben und in der Praxis herangetreten waren – beschäftigt hatte. Doch den größten Eindruck machten seine Worte dadurch, daß sie aufrichtig waren: er selbst war von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Nicht auf Befehl, nicht weil ihn seine Stellung dazu zwang, klagte er ihn an. Nein, als er zur „Sühne“ aufrief, sah man ihm an, daß ihn der Wunsch, „die Gesellschaft zu retten“, erbeben machte. Selbst unser Damenpublikum, das doch schließlich Hippolyt Kirillowitsch feindlich gesinnt war, gab zu, einen außerordentlichen Eindruck davongetragen zu haben. Er begann mit einer schrillen, fortwährend gleichsam abreißenden Stimme, doch bald erstarkte sie und klang dann über den ganzen Saal hin, und so blieb sie bis zum Schluß der Rede. Als er aber seine Rede beendet hatte, war er einer Ohnmacht nahe.

„Meine Herren Geschworenen,“ begann der Ankläger, „die Kunde von der Tat, über die hier Gericht gehalten werden soll, ist wie Donnerschall durch ganz Rußland gezogen. Aber worüber, fragt es sich, ist man denn so erstaunt, weswegen braucht man sich denn so besonders zu entsetzen? Und noch dazu wir, gerade wir? Wir sind doch so gewöhnt an alles! Aber gerade darin liegt ja unser Entsetzen, daß solche dunkle Taten für uns fast aufgehört haben, furchtbar zu sein! Das ist der Grund, warum man sich entsetzen muß: daß wir uns an solche Taten schon gewöhnt haben – und nicht wegen eines einzelnen Verbrechens des einen oder anderen Individuums! Wo liegen nun die Gründe, die Ursachen unserer Gleichgültigkeit, unseres lauwarmen Verhaltens zu solchen Taten, zu solchen Kennzeichen der Zeit, die uns eine wahrlich nicht beneidenswerte Zukunft ankünden? Liegen sie etwa in unserem Zynismus oder in der frühzeitigen Erschöpfung des Geistes und der Vorstellungskraft unserer noch so jungen, doch dafür so frühzeitig gebrechlich gewordenen Gesellschaft? Oder liegen sie in unseren schwer erschütterten sittlichen Grundlagen, oder schließlich darin, daß es diese sittlichen Grundlagen vielleicht überhaupt nicht gibt? Ich will darüber nicht entscheiden, doch nichtsdestoweniger sind diese Fragen qualvoll, und jeder Bürger muß nicht nur, sondern ist sogar verpflichtet, unter ihnen zu leiden. Unsere Presse ist ja allerdings noch etwas zaghaft, aber sie hat doch schon der Gesellschaft gewisse Dienste geleistet, denn niemals hätten wir ohne sie eine einigermaßen zutreffende Kenntnis erlangt von jenen Schrecken des zügellosen Willens und der sittlichen Gesunkenheit, die sie ununterbrochen in ihren Spalten Allen kundtut, – nicht nur den Wenigen, die die Säle des neuen öffentlichen, uns von der gegenwärtigen Regierung geschenkten Gerichts besuchen. Und was lesen wir jetzt fast täglich? Oh, von Dingen, vor denen selbst diese uns jetzt vorliegende Tat erbleicht und fast zu etwas ganz Gewöhnlichem wird. Doch das Wichtigste dabei ist, daß die Mehrzahl unserer russischen, unserer nationalen Kriminalsachen gerade von etwas ganz Allgemeinem Zeugnis ablegt, von einem gewissen allgemeinen Übel, das mit uns verwachsen ist, und von dem uns zu heilen sehr schwer ist, da es eben als allgemeines Übel auftritt. Da haben wir einen jungen glänzenden Offizier aus der höheren Gesellschaft, der kaum erst sein Leben und seine Laufbahn begonnen hat. Und dieser Aristokrat geht hin und ermordet heimlich, gemein, ohne die geringsten Gewissensskrupel, einen kleinen Beamten, der teilweise sein Wohltäter gewesen war, ermordet auch dessen Dienstmagd, um sein Schulddokument und mit diesem zusammen noch das übrige bißchen Geld des kleinen Beamten zu rauben! ‚Das Sümmchen ist doch immerhin nicht zu verachten, es wird mir schon bei meinen Lebemannvergnügungen zustatten kommen oder bei meiner ferneren Laufbahn.‘ Und nachdem er sie beide erdrosselt hat, schiebt er jeder Leiche noch ein Kissen unter den Kopf und macht sich dann davon. Da haben wir einen jungen Helden, der mit Ehrenzeichen für Tapferkeit behangen ist und räuberisch auf der Landstraße die Mutter seines Anführers und Wohltäters ermordet. Indem er seine Helfershelfer zur Mitwirkung überredet, gesteht er noch selbst, daß diese Frau ihn wie einen leiblichen Sohn liebe und daher, wenn sie mit ihm reist, allen seinen Ratschlägen folgen und keine Vorsichtsmaßregeln ergreifen werde. Mag das ein Ungeheuer sein – ich wage jetzt, in unserer Zeit, nicht mehr zu sagen, daß jener ein vereinzelt dastehendes Ungeheuer sei. Ein anderer wird vielleicht nicht ermorden, denkt und fühlt aber ganz so wie jener, ist in seiner Seele ebenso verbrecherisch wie jener. In der Stille, wenn er mit seinem Gewissen allein ist, fragt vielleicht auch er sich: ‚Ja, was ist denn nun die Ehre, und ist Blut nicht nur ein Vorurteil?‘ Vielleicht wird man von mir sagen, ich sei ein kranker, ein hysterischer Mensch, ich verleumde und übertreibe maßlos, ich phantasiere. Mag sein, schön ... Gott, ich wäre der erste, der sich darüber freute, wie gern würde ich das alles sein wollen! Oh, glauben Sie mir meinetwegen nicht, halten Sie mich für einen Kranken, aber behalten Sie nur meine Worte: selbst wenn nur ein Zehntel, nur ein Zwanzigstel meiner Worte wahr ist, – so ist es schon furchtbar! Sehen Sie doch nur, meine Damen und Herren, sehen Sie doch nur, wie die heranwachsende Jugend sich bei uns erschießt – und das geschieht ohne die geringste Hamletfrage nach dem, was _dort_ sein wird, ohne das geringste Anzeichen eines Vorhandenseins solcher Fragen, als wäre dieses Kapitel über unseren Geist und über alles, was uns nach dem Grabe erwartet, schon längst aus ihrer Natur getilgt, als wäre es schon längst begraben und mit Sand zugeschüttet. Und nehmen Sie jetzt unsere Sittenverderbnis, unsere Wollüstlinge. Fedor Pawlowitsch, das unglückliche Opfer des vorliegenden Prozesses, ist ja im Vergleich mit manchen von ihnen fast ein unschuldiges Kindlein, wir aber kannten ihn doch alle, er – ‚lebte doch unter uns‘! ... Ja, mit der Psychologie des russischen Verbrechens werden sich einmal vielleicht die hervorragendsten Geister beschäftigen, sowohl unsere als die europäischen, denn wahrlich, das Thema ist es wert. Doch diese Studien werden erst später einmal gemacht werden, dereinst, wenn die Muße dazu vorhanden und diese ganze tragische Abgeschmacktheit des gegenwärtigen Augenblicks in einen entfernteren Hintergrund zurückgetreten ist, so daß man sie klarer und leidenschaftsloser wird betrachten können, als z. B. Leute, wie ich, dies zu tun vermögen. Jetzt jedoch sind wir entweder entsetzt oder wir tun, als wenn wir entsetzt wären, im Grunde aber kosten wir mit Hochgenuß das Schauspiel, wie eben Liebhaber starker, exzentrischer Empfindungen, die in unseren zynisch-faulen Müßiggang etwas Bewegung bringen, oder schließlich, wir scheuchen die Gespenster wie kleine Kinder mit den Händen von uns fort und pressen den Kopf ins Kissen, bis die furchtbare Erscheinung vergeht, um sie darauf sofort in Heiterkeit und Spielen zu vergessen. Aber irgend einmal müssen doch auch wir unser Leben nüchtern und denkend beginnen, auch wir müssen einmal einen Blick auf uns, als auf eine Gesellschaft, werfen, auch wir müssen doch wenigstens etwas über unser gesellschaftliches Leben nachdenken, wir müssen uns doch etwas unter ihm denken oder auch nur mit dem Nachdenken beginnen. Unser großer Schriftsteller[30] der vergangenen Epoche ruft zum Schluß seines größten Werkes aus, wo er ganz Rußland mit einer Troika, die zu einem unbekannten Ziele jagt, vergleicht: ‚Ach Troika, wilde Troika, wer hat dich erdacht!‘ – und in stolzer Begeisterung fügt er noch hinzu, daß vor der jagenden Troika alle Völker ehrerbietig ausweichen werden. Schön, mag das so sein, mögen sie ausweichen, ehrerbietig oder nicht, doch meinem sündigen Blick will scheinen, daß der geniale Künstler diesen Schluß entweder in einem Anfall kindlich unschuldiger Schönträumerei geschrieben hat oder einfach aus Furcht vor der Zensur. Denn wenn man in seine Troika nur seine Helden einspannen wollte, seine Ssobakewitschs, Nosdreffs und Tschitschikoffs, so würde man mit diesen Trabern nicht weit kommen, wen immer man auch als Lenker in den Schlitten setzen wollte! Und das sind noch Traber von damals, die noch lange nicht an unsere jetzigen heranreichen. Jetzt ist man gewandter ...“

Hier wurde die Rede Hippolyt Kirillowitschs durch Applaus unterbrochen. Der Liberalismus in der Auslegung der Troika hatte gefallen. Zwar wurde nur hier und da vereinzelt ein paarmal in die Hände geklatscht, so daß selbst der Vorsitzende es nicht für nötig fand, sich mit der Drohung, den Saal räumen zu lassen, an das Publikum zu wenden, und sich nur mit einem strengen Blick auf die Ruhestörer begnügte. Doch für Hippolyt Kirillowitsch war es eine Ermunterung: bis jetzt hatte man ihm noch niemals applaudiert! So viele Jahre hatte man ihn nicht hören wollen, und da war plötzlich die Möglichkeit gegeben, zu ganz Rußland zu sprechen!