Part 15
Wir waren in Ssuam stets gern gesehene Gäste, schon weil wir die Bewohner von einer Plage befreien halfen, der der Kakadus. Diese Vögel (Cacatua Triton) thaten den Pflanzungen der Eingeborenen viel Schaden und verschonten selbst Kokosnüsse nicht. Kokospalmen (Niep) sind übrigens keineswegs in großer Anzahl vorhanden, wenn auch zwischen Mitrafels und Astrolabe-Bai das Gebiet von Finschhafen immerhin noch am reichsten daran ist. Schon bei meinem ersten Besuche war mir die große Menge verfaulend am Erdboden liegender Kokosnüsse aufgefallen, durch deren Schalen ein wie mit einem Meißel geschlagenes Loch ging. Im Dorfe selbst sah ich an den Fruchttrauben der Palmen Stricke angebracht, deren Zweck ich mir nicht zu erklären vermochte. Bald sollte ich denselben kennen lernen, denn laut kreischend flogen Kakadus herbei, die sich an die Nüsse hingen und sich durch das Schütteln mit dem Bindfaden wenig beirren ließen. Unsere Schüsse öffneten ihnen die Augen, oder vielmehr verschlossen ihnen dieselben auf immer, sehr zum Jubel der Eingeborenen, die mit Steinwürfen und Flitzbogen wenig ausrichten können. Aber Kakadus sind bei den Papuas sehr beliebt und zwar ihrer gelben Haubenfedern wegen, welche den beliebtesten Haarschmuck des Mannes bilden. Ich dachte aber, daß diese reizenden Federn einem eleganten Damenhütchen, mit einem niedlichen Gesicht darunter, auch nicht übel kleiden müßten, und rettete so verschiedene aus den Krallen der Papuajungen. Übrigens ist ein Kakadu zum Essen auch nicht zu verachten, für solche die seit Wochen nur Büchsenfleisch gegessen haben. Ich rate dann aber die Vögel nur als Suppe verkochen zu lassen. Delikat! d. h. die Suppe; das Fleisch kann man ruhig einem Kanaker geben, dessen Zähne besser damit fertig werden.
Das Jagen in diesen Urwäldern ist übrigens nicht so leicht, schon wegen der bedeutenden Höhe der Bäume, für welche unsere gewöhnlichen Flinten häufig nicht ausreichen und die deshalb weittragende »chok-bore« Läufe erfordern. Und selbst für solche sind die Waldriesen oftmals zu hoch und dicht belaubt. So schoß Kapitän Dallmann bei einer Gelegenheit dreimal nach demselben Kakadu, traf ihn jedesmal, und doch flog der Vogel noch weg, um unauffindbar zu verenden. Und das passiert gar häufig, denn gerade das Auffinden der Beute macht die größte Mühe und bleibt oft resultatlos. Gut dressierte Hunde nützen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, wenig und werden in den Tropen bald unbrauchbar. Unendlich viel besser sind eingeborene Jungen als Jagdhunde zu gebrauchen und stets bereit den Jäger zu begleiten, wenn sie die erste Furcht vor dem Knall überwunden haben. Zum Aufspüren sind sie fast unentbehrlich, denn nur das scharfe, geübte Auge des Eingeborenen vermag in dem Dickicht die Beute zu erspähen, eine Gabe, die der Europäer nicht so leicht erlernt. Wie oft hört man nicht das Gurren einer Taube und bemüht sich vergeblich, ihrer ansichtig zu werden. Da weiß ein schwarzer Junge stets auszuhelfen. Übrigens gab es nicht viel zu jagen, auch wenn man dazu Zeit gehabt hätte, denn Finschhafen ist ein sehr tierarmes Gebiet. Die Vogelwelt machte sich auch hier besonders in den Arten bemerkbar, welche wir schon in Friedrich-Wilhelms-Hafen (S. 95) kennen lernten und wie dort war mir, im Vergleich mit der Südostküste Neu-Guineas, die Spärlichkeit von Kleinvögeln auffallend. Doch hörte ich den wohlbekannten Ruf des »Rifle-bird«, einer zu den Paradiesvögeln gehörenden, farbenprächtigen Ptilorisart, des raketschwänzigen Eisvogels (Tanysiptera), und das sonderbare Getriller eines anderen Eisvogels (Syma torotoro). Auch ein alter, lieber Bekannter aus der Heimat ließ sich zuweilen blicken: der trillernde Wasserläufer (Actitis hypoleucos), der nach Beendigung seines Brutgeschäftes im hohen Norden hier gemütliche Winterruhe hält und von mir nicht gestört wurde. Doch was flattert dort schwankenden Fluges durch das Gelaube? schon greift man an das Gewehr, läßt es aber gleich wieder sinken, denn es ist nur ein Schmetterling, aber ein wahrer »mocking bird«, der selbst das geübte Auge momentan zu täuschen vermag. Freilich übertrifft er in der Flügelbreite, welche an sechs Zoll beträgt, gar manches Vögelchen, aber er ist auch der größte Tagfalter, die weit über die Papuaregion verbreitete Ornithoptera aruensis. Das Männchen gehört dabei mit zu den schönsten Faltern, während das ansehnlich größere Weibchen unscheinbar schwarz und weiß gefärbt ist. -- Nach der häufigen Verwendung von Kasuarfedern bei den Eingeborenen zu urteilen, muß dieser gewaltige Vogel nicht selten sein, allein er liebt das Dickicht der Wälder, ist sehr scheu und deshalb nur sehr ausnahmsweise zu sehen. Doch beobachtete ich nicht einmal die leicht kenntliche Fährte von Kasuaren, häufiger dagegen die von Wildschweinen. Das war aber auch alles was ich von Säugetieren zu sehen bekam, denn niemals erblickte ich ein Känguru, die an der Südostküste doch zu den gewöhnlichen Erscheinungen gehören. Alle übrigen Säugetiere Neu-Guineas sind ja, mit Ausnahme einiger Flugtiere und Nager, durchgehends Beuteltiere mit nächtlicher Lebensweise und schon deshalb nur durch Zufall sichtbar.
»Aber Schlangen, die giebt es wohl in Menge und die sind wohl recht gefährlich«? Nun! auch diese inkommodieren und erschrecken so wenig als bei uns, denn man begegnet ihnen nur sehr selten. Abenteuer mit Riesenschlangen, und reißenden Tieren überhaupt, sind also nicht zu bestehen, und die Herren Offiziere waren froh, wenn sie mit ein paar Kakadus, grünen Papageien oder Tauben von der so erwartungsvollen Tropenjagd zurückkehrten.
Aber einmal erlegten die Herren vom Kriegsschiff sogar ein Krokodil, das natürlich verloren ging, da diese Saurier regelmäßig im Wasser untersinken und nur zu erhalten sind, wenn sie am Lande gleich auf der Stelle tödlich getroffen werden.
Also es gab Krokodile! Das freute mich sehr, als ich mit Steuermann Sechstroh eine Bootfahrt nach dem Bumi unternahm. So heißt ein hübscher Gebirgsfluß, der etwas oberhalb Ssuam in eine flache Bucht mündet. Die Eingeborenen hatten hier sorglicher Weise ein Fischwehr angebracht, öffneten dasselbe aber in ihrer bekannten freundlichen Manier, und ein paar der hervorragendsten Abumtaus gaben uns das Geleit. Der Fluß war anfangs sehr versprechend, mit üppiger Vegetation, darunter Sagopalmen (Labi), am linken Ufer senkrechte Wände eines bläulichen Mergels mit zahlreichen recenten Muschelresten. Bald kamen aber Untiefen, Stromschnellen, über welche wir das Boot in tieferes Wasser schleppten, bis die fröhliche Gondelei, bei der wir fast mehr das Boot zu tragen hatten, als das letztere uns, überhaupt das Ende erreichte. Der Fluß wurde hier, von beiden Seiten durch steile Felswände mit üppigem Baumwuchs eingeengt, zum völligen Gebirgswasser, in welchem wir noch ein gutes Stück watend vorwärts kamen. Kreischende Weiberstimmen unterbrachen das angenehme Murmeln bei der sonst so wohlthuenden Stille. Wir hatten um eine Ecke biegend eine Schar arglos fischender Mädchen aufgescheucht, die nun wie die Gemsen an den Felswänden emporkletterten und ihre Fischhamen eiligst im Stiche ließen. Leider enthielten sie keine Tafelfische, sondern nur wissenschaftliche Ausbeute, ein paar kaum fingerlange Gobius-artige Fischchen mit Kehlsaugapparat, ähnlich wie ich sie in den Gebirgswässern Mauis erhalten hatte. Ja, der paar Fischelchen wegen brauchte sich kein Krokodil hier herauf zu bemühen, und so verzichtete ich abermals auf die Beute, wie der Fuchs auf die Trauben. Da war es in Konstantinhafen noch besser gewesen! Da lag ich einmal mit dem Boot gerade über einem solchen Ungetüm, wohl zehn Fuß lang, dessen Umrisse ich deutlich unterscheiden konnte. Ins Wasser kann man wohl schießen, aber mit dem Treffen ist es dann so eine eigene Sache. So hieß es denn abwarten; das brave Tier schien den Fall in demselben Lichte zu betrachten und zu denken: »ich hab' Zeit! Dor! Dor ligt de Donnerslag!« sagte der Matrose, welcher mein Boot ruderte! »Ja! Man stille, stille! ich sehe ihm ja!« Und wir warten wieder -- das Krokodil unten behaglich im Wasser, wir in der glühenden Sonnenhitze! Da, plötzlich: »Dor geit he hen«, eine mächtige Wolke Schlamm trübte das Wasser, und Roß und Reiter sah man niemals wieder! Das ist eine Krokodiljagd in Wirklichkeit, nicht wie sie gewöhnlich beschrieben wird. In Neu-Guinea und Neu-Britannien giebt es, wenigstens nach meinen Erfahrungen, herzlich wenig Krokodile, das darf ich jeden versichern, und das ist ja im ganzen kein Fehler. Freilich Herr Powell beschreibt Flüsse in Neu-Britannien, in welchen es von Krokodilen förmlich wimmelt[52], große, mittlere, kleine; man brauchte sie sich nur auszusuchen. Wahrscheinlich hielten die Tiere gerade Volkszählung und alle Krokodile von Blanche-Bai bis Kap Glocester waren hier zur Kontrollversammlung. Aber Herr Powell sah auch »fischende« Kasuare, und »fliegenschnappende« Krokodile!?
Die Zeit unseres Abschiedes nahte, sehr zum Bedauern der Eingeborenen, deren Häupter natürlich Andenken erhielten, darunter mein alter braver Freund Makiri ein äußerst ungewöhnliches, wie ich es noch nie einem Freunde gab, noch geben konnte. In einer Ecke der Kajüte besaßen wir ein Seltzogen, d. h. einen jener bekannten Apparate, in welchen man künstliche kohlensaure Wasser bereitet. -- »Und den bekam der Wilde?« wird vielleicht mancher Leser denken. Natürlich nicht, sondern nur einen Teil desselben. Die Sache war nämlich so gekommen. Wir hatten an Bord einen schwarzen Burschen, einen schneidigen Jungen, der den weißen Mann und seine Finessen aus dem Grunde kannte. Er verstand einen Riemen zu ziehen, Gewehre und Tischgerät zu putzen, aß bereits Schiffsbrot, noch lieber eingemachte Früchte oder Sardinen in Öl, woran sich alle Kanaker so schnell gewöhnen, mit einem Wort, er war ein sehr gebildeter junger Mann. Sogar einen Selterswasser-Apparat wußte er kunstgerecht zu füllen. »Oh! me sabi! that fellow white paura likelike, that other fellow mangero!« (O, ich weiß, von diesem weißen Pulver wenig, von dem andern viel). Richtig, er hatte die Sache los, nicht wahr, was nicht so ein Kanaker alles lernt! Das Kohlensaure, in den Tropen eine wahre Erquickung, war also bald fertig und sollte eben probiert werden. Da, auf einmal ein Krach, als ginge eine kleine Kanone los! Ich dachte natürlich zunächst an den Kessel, aber glücklicherweise so schlimm war es nicht, sondern nur das Seltzogen explodierte. Da lag die Bescherung! das daumendicke Glas zersprengt und Hunderte feiner Splitterchen überall ins Holzwerk geflogen. Das mußte ein wahres Sprühfeuer von Glassplittern gewesen sein, denn die Kajüte war ja nicht groß (8 Fuß bei 5) und wirklich ein Glück, daß sich gerade niemand in derselben aufhielt. »Boy! you look« Knabe, betrachte dies!? -- »Aipua! me make that fellow mangero mangero good! that fellow bottle not all same strong paura« (O weh! ich habe es zu gut gemacht; die Flasche war nicht so stark als das Pulver). Da hatte er ebenfalls recht, und wir waren beide um eine Erfahrung reicher; er, daß es auch weißes »Paura« (= Powder, Schießpulver) giebt, welches im Wasser »bum« macht; ich, daß man niemals einem Schwarzen einen Selterswasser-Apparat ansetzen lassen soll.
Mit dem Kohlensauren war es nun aus, und nur das hohe birnförmige Drahtgeflecht übrig, das mit rotem Zeug umwunden in der That eine aparte Kopfbedeckung bildete, welche meinen Freund Makiri mit Stolz und Freude erfüllte. Gut, daß wir übrigens bald darauf weggingen, denn jeder Abumtau wollte jetzt eine solche Mitra haben. Dieser Vorfall erinnert mich übrigens an eine andere ähnliche Geschichte aus meinem Südseeleben, die noch komischer ist und deshalb hier mitgeteilt werden mag. Aber ich schweife da wieder ab --! »Schadet nichts, nur zu!« »Nun Sie wollen es! also gut!« Als ich im Jahre 1880 auf Jaluit in der Marshallgruppe weilte, war für Lebon Kabua, den damaligen »Oberhäuptling und Herrn von Radak und Ralik« ein Herrscherornat von Hamburg eingetroffen, Theatergarderobe, unter welcher sogar die Krone nicht fehlte. Der vergoldete, reich mit Glassteinen besetzte, zackige Reif imponierte dem guten Kabua freilich nicht wenig. Aber er sollte ihn, wie die ganze königliche Gewandung bezahlen, und da hieß es natürlich gleich: »i bane! edschilok dala ao!« (ich kann nicht! kein Geld mein). Krone, Scepter und Purpur lagen nun daher, bis sich ein passender »King« finden würde, an welchen ja in diesen Regionen kein Mangel ist. Und er kam. Eines schönen Tages brachte ein deutscher Dampfer gar wunderliche fremde Gesellen, dunkel, mit Krausköpfen, ja, die mußten ja weit her sein aus dem Morgenlande. Nein, aus dem Abendlande, denn sie kamen mehr aus West, da wo von Jaluit aus die Sonne untergeht, aus Neu-Irland. Darunter war nun auch ein König, ein wirklicher Mohrenkönig, den ersten, welchen ich sah. Freilich brachte er weder Gold, Weihrauch noch Myrrhen, sondern nur seine eigene Haut, die wie bei dem Mohrenkönige jenes Märchens, mit dem unsichtbaren, aus nichts gewebten Stoffe umhüllt war, wodurch sich dem blöden Auge des gewöhnlichen Sterblichen also jedes vom Ringwurm abgenagte Fleckchen deutlich zeigte. In der That gerade keine sonderlich königliche Auszeichnung, welcher seine beiden Begleiter sich auch erfreuten, denn Ringwurm und Schuppenkrankheit sind ja Nationaleigentum der ganzen braunen und schwarzen Südseegesellschaft. Um nun Majestät von den Ministern einigermaßen auszuzeichnen, damit sie nicht immer verwechselt wurden, bekam nun der König die Krone, natürlich als Geschenk, vielleicht nur leihweis, denn womit hätte er bezahlen wollen? König und Krone waren unzertrennlich wie beim Kartenkönig, und es sah urkomisch aus, die lange hagere Gestalt in vollständiger Nacktheit mit dem funkelnden Kopfschmuck umherwandeln zu sehen. Selten ist wohl eine Krone soviel gebraucht, fast möchte ich sagen strapaziert worden als diese, denn die schwarze Majestät behielt sie auch auf, wenn sie sich schlafen legte. Freilich wäre ihm der Purpurmantel weit praktischer, jedenfalls viel lieber gewesen, aber er mochte denken: Na! eine geschenkte Krone ist auch nicht ohne!
Wir verließen Finschhafen an demselben Morgen wie die »Hyäne«, welche südlich ging, um die Bucht hinter Finschhafen zu untersuchen, die ich schon vom Berge aus gesehen hatte. Sie erwies sich später als praktikabel und erhielt den Namen »Langemack-Bucht«. Wir gingen bis Kap Cretin, sechs durch Riff verbundene Inseln, die immer der Untersuchung wert erschienen, aber nur vorgemerkt werden konnten. Dann dampften wir nordwärts bis Long-Insel, an deren Ostseite wir entlang gingen. Sie zeigt einen ähnlichen Charakter, wie Dampier, ist durchaus vulkanisch mit mehreren erloschenen Vulkanen, von deren drei hervorragendsten Kegeln zunächst Coriz-Pik vor uns lag. Er mag an 4000 Fuß hoch sein und ist wie die übrigen Berge dichtbewaldet. Gegenüber Coriz-Pik an der Nordostseite liegt der etwas niedrigere Berg Réaumur, aber Findlay (Pacific Directory S. 931) irrt, wenn er sagt, beide Berge seien durch ein tiefes Thal getrennt. Die ganze Insel ist vorzugsweise bergig, mit sehr wenig flachem Land und nur mäßigen Schluchten oder Thälern durchzogen. Die Küste erschien sowenig versprechend als das Land selbst, das sich übrigens leichter zur Kultivation eignen dürfte wie Dampier-Insel, da es nicht so dichten Urwald, sondern mehr mit Gestrüpp bedeckte Striche zeigt. Das Ufer war meist ein nicht sehr hohes felsiges Steilufer, zuweilen etwas abfallend und sanfte Buchtungen bildend, die wohl aber kaum als Hafen brauchbar sein dürften, wenigstens nicht an der Ostküste, die wir befuhren. Nirgends waren Plantagen bemerkbar, aber in der zweiten Buchtung bemerkte ich einen gelben Baum und etliche Kokospalmen, die einzigen, welche wir auf der ganzen Insel sahen. Und -- »da sind sie ja die schwarzen Kunden!« sagte der Steuermann. Wirklich ein Segelkanu mit acht Insassen kam langsam aus der Bucht heraus, aber noch längst nicht nahe heran. Da hatten die Lungen unserer Mioko-Schwarzen wieder Arbeit. »Good ship that fellow! plenty kaikai! (Essen), plenty tobacco! plenty papine! (Mädchen) plenty lavalava (Lendentücher)! Kjap (Kapitän) very good! uti! alut! alut! aijap! (kommt! schnell, schnell)!«, wie sie es an Bord von Arbeiterwerbeschiffen, welche sie begleitet hatten, gewohnt waren. Nur daß diesmal das »me kulia men« (wir kaufen Leute) wegfiel, denn damit hatte sich die Samoa glücklicherweise nicht zu befassen. Das machte freilich auf die Long-Insulaner keinen Eindruck, denn sie verstanden von dieser Sprache soviel wie wir von der ihren: nichts. Und damit kamen wir, als sich das Kanu endlich längsseit gewagt hatte, auch ganz trefflich aus. Die Leute, übrigens echte Papuas und ganz wie die Bewohner des Festlandes von Neu-Guinea, waren bescheiden, und es ließ sich gut mit ihnen schachern. Aber sie hatten nicht viel, übrigens alles Gegenstände, wie sie in Astrolabe-Bai vorkommen, so geflochtene Armbänder (XVIII 4), Brustschmuck, (XXII 1, 2) auch die gleiche Art Bogen und Speere. Als so ziemlich ausverkauft war, gaben sie den Ausputz ihres Kanus her und schnitten selbst die bemalten Seitenborde ab. Darunter waren gar merkwürdige Sächelchen: so auf der Mastspitze ein Triangel mit roh geschnitzten Vögeln, ein sonderbares Gestell auf dem Ausleger (vergl. Atlas VI 6 und VIII 1, 2) u. s. w., alles Gegenstände, die jetzt im Museum für Völkerkunde in Berlin zu sehen sind, das wohl vorher kein Stück von Long-Island besaß. An Lebensmitteln wurden nur einige alte Kokosnüsse und etwas Blättertabak gebracht. Stangentabak schienen die Leute nicht zu kennen, dagegen Glasperlen und Eisen, das hier mit dem Ausruf »Gari« begrüßt wurde. Im Eifer des Handelns fiel einem der Männer das eben erstandene Messer ins Meer. Da konnte man ein betrübtes schwarzes Gesicht sehen, denn für ein solches Naturkind ist das gar nicht zum Lachen. Nun, ich sehe gern zufriedene Menschen, da schenkte ich dem Manne ein anderes Messer, und nun konnte man sich wieder an einem fröhlichen schwarzen Gesichte freuen. Vermutlich stehe ich noch heute bei den Long-Insulanern in gutem Andenken; denn wie des Bösen erinnert sich der Schwarze auch etwas des Guten, und wahrscheinlich erzählt man noch von dem fremden Schiffe ohne Segel und dem weißen Manne mit dem roten Barte. Muß der reich gewesen sein! Ja, an Messern hat es mir von meinen Knabenjahren an nie gemangelt, am allerwenigsten auf der Samoa, die unzählige Gros an Bord führte.
Von Long-Island standen wir in Sicht der Inseln Lottin, Rook, Tupinier und Vulcano, nach der Nordküste Neu-Britanniens hinüber, deren an 6000-7000 Fuß hoher Pik bei Kap Glocester nur eine Fortsetzung dieser vulkanischen Inseln zu sein schien. Denn hier sind eben alle Berge Vulkane, die wir freilich sämtlich erloschen[53] fanden. In der Nähe von Lottin hatten wir die seltene Gelegenheit eine Wasserhose zu beobachten. Sie zeigte sich nicht in der gewöhnlichen Gestalt eines Geiser, wie sie gewöhnlich abgebildet wird, sondern anfangs wie eine nicht hoch über dem Wasser schwebende Rauchwolke, aus der plötzlich ein hoher, schiefer, dunkler Strahl hervorschoß. Dieser Strahl verdünnte sich nach und nach an der Basis und nahm die Form einer etwas gebogenen Feder an, bis sich nach und nach das Ganze auflöste. Die Erscheinung mochte 10 bis 12 Minuten dauern und zeigte sich in einem dicht mit Regenwolken bedeckten Horizont, hinter dem die Insel eben auftauchte.
Zwischen Kap Gauffre und Kap Raoul liefen wir längs der Küste Neu-Britanniens nach Osten bis Weberhafen. Sie stimmt in der Konfiguration wenig mit der Karte überein, die allerdings einen großen Teil der Küstenlinie nur punktiert zeigt. Ost von Kap Raoul fanden wir auf eine Strecke von ca. sechs Meilen schönes, offenes Land, das sich trefflich zu Kulturen eignen dürfte, und das beste scheint, welches wir in Neu-Britannien überhaupt sahen. Da wir, schon in Rücksicht auf unsere Kohlen, die Küste nur rekognoszieren konnten, so mußten wir dies schöne Land diesmal ununtersucht lassen und bis zu einer anderen Gelegenheit aufsparen. An diesem Teile der Küste sind mehrere kleine Inseln vorgelagert, die durch Riff verbunden scheinen, doch kamen die Eingeborenen in ihren Kanus durch die Brandung heraus, das einzigemal, daß wir mit solchen an dieser Küste in Verkehr traten. Weiter ostwärts fanden wir das Land weniger versprechend, meist bergig, dichtbewaldet, wenig oder gar keine Anzeichen von Bevölkerung und dazu zahlreiche Riffe. Von Willaumez-Insel bis Kap Lambert kamen wir in das zuerst durch Wilfred Powell zum Teil eingehender beschriebene Gebiet, welches er im Jahre 1879 oder 1880 mit der Ketch »Star of the East« (15 Tons) explorierte und (mit nur zwei Eingeborenen) kartographierte. Schon die Beschreibung seines Kap Campbell, der Ostspitze von Willaumez, stimmte wenig mit der Wirklichkeit, und vor allem mußte es befremden, auf seiner Karte »High-Island« verzeichnet zu finden, da dies doch nur der hohe Pik im Südwesten der Insel Willaumez[54] ist. Andere Punkte ließen sich überhaupt nicht ausmachen oder waren nicht aufzufinden[55].
Von Weberhafen sprachen wir noch an der Nordwestspitze Neu-Irlands vor, wo sich Friedrich Schulle seit Mitte des Jahres auf der Insel Nusa wieder gefestigt hatte und Koprahandel betrieb. Und wer war dazu besser geeignet als er; hatte er doch früher als Geschäftsführer von Hernsheim & Co. fast all die Stationen in jenem damals durchaus neuen und ergiebigen Gebiet errichtet. Als Schulle im Jahre 1881 wegging bestanden noch ein Dutzend solcher Kopra-Stationen, jetzt gab es nur noch zwei. Und was war die Ursache dieses Rückganges? Die Labourtrade, welche hier vorzugsweis von Queensländer Schiffen in rücksichtsloser Weise betrieben, soviel Unheil angerichtet hatte. Kein Wunder, wenn die Eingeborenen, wirklich wild geworden, nach Rache dürsteten. Ganz besonders galt dieselbe einem weißen Händler, einem Deutschen, der noch mit dem Chandernagor des Marquis des Rays herausgekommen war, und es sehr profitabel fand Arbeiter an die Werbeschiffe zu besorgen, wobei es nicht immer sauber hergegangen sein mag. Als der Erwähnte vollends einen Häuptling erschoß, da war es den Eingeborenen endlich doch zu viel: sie griffen an, brannten die Station nieder, und er rettete nur das Leben. Dafür wurden die Eingeborenen später von einem Kriegsschiffe gestraft, aber der Anstifter -- nun der ging leer aus. So geht es in der Südsee, und da ließe sich noch gar manches erzählen. Aber diese gefürchteten Wilden müssen doch wohl nicht so schlimm als ihr Ruf sein! Friedrich Schulle lieferte den besten Beweis dafür, denn er lebte ganz allein, nur mit drei Farbigen, unter ihnen und zwar so gemütlich, als man damals in Neu-Irland überhaupt leben konnte. Und dabei faßte er die Eingeborenen nicht mit Glacéhandschuhen an, sondern es kam ihm, wenn notwendig, nicht darauf an Krieg zu erklären und denselben ganz allein durchzuführen. Freilich mögen sich die Verhältnisse inzwischen wieder geändert haben, da seitdem durch unsere Kriegsschiffe noch weitere Strafexpeditionen in jenen Gebieten unternommen wurden.
Wir dampften längs der Westküste von Neu-Irland, die ausnahmslos aus zum Teil sehr steilen, dichtbewaldeten Hügeln und Bergen besteht, die wenig versprechend aussehen, da es hier nur äußerst wenig Kokospalmen giebt, und trafen am 9. Dezember wieder in Mioko ein.
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