Ri-Ra-Rutsch

Part 2

Chapter 23,415 wordsPublic domain

Sonne steckt jetzt hinterm Haus, Und das Kinderspiel ist aus. Ja, die Kleinen sind schon heim, Gucken dort am Fensterlein. Kommt ein Mann dahergegangen, Kommt mit einer großen Stangen. Seht, dort drüben steht er still! Was er nur mit der Stange will? — Kling! — Da geht ein Türlein auf Puff!! — Sitzt schon ein Lichtlein drauf. Noch ein Klapp! — Der Mann hat Eile. Bald gibt’s Lichter, eine lange, lange Zeile.

R. Bär.

Gute Nacht.

Wenn die Kinder schlafen ein, Wachen auf die Sterne, Und es steigen Engelein Nieder aus der Ferne; Halten wohl die ganze Nacht Bei den frommen Kindern Wacht.

Friedrich Güll.

Notwendige Unterbrechung.

Klein Evchen kniet im Hemdelein Im Bett mit gefalteten Händen, Und will, wie täglich, ihr Nachtgebet Hinauf zum Himmel noch senden.

Da kommt der Bruder heran Ganz leise und verstohlen, Und reckt sich plötzlich zu ihr empor Und kitzelt sie an den Sohlen.

Klein Evchen erträgt das mit Geduld; Da zwickt er sie in die Zehe. Nun wird es doch der Kleinen zu viel Und bittend schaut sie in die Höhe;

„Mein lieber Gott, du entschuldigst doch — Sonst würd’ ich mir’s auch nicht getrauen, Ich bet’ gleich fertig, nur muß ich erst — Dem Hans eine ’runterhauen.“

Schlummerlied.

Die Vöglein gingen längst zur Ruh, Das Täubchen flog dem Schlage zu Und sitzt nun bei den Kleinen. Der Vater schließt das Gartentor, Da guckt auch schon der Mond hervor Und tausend Sterne scheinen.

Nun mache deine Aeuglein zu, Und schlafe süß, mein Liebling du! Ein Engel hält am Bette Wacht, Mein Herzenskind, gut’ Nacht, gut’ Nacht! Gute Nacht!

Schlaflied.

Schlaf, Kindchen, schlaf’! Da draußen geh’n zwei Schaf’, Ein schwarzes und ein weißes. Und wenn das Kind nicht schlafen will, So kommt das schwarze und beißt es.

Sonne hat sich müd gelaufen.

Sonne hat sich müd gelaufen, Spricht: „Nun laß ich’s sein!“ Geht zu Bett und schließt die Augen Und schläft ruhig ein. Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm!

Bäumchen, das noch eben rauschte, Spricht: „Was soll das sein? Will die Sonne nicht mehr scheinen, Schlaf ich ruhig ein.“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm!

Vogel, der im Baum gesungen, Spricht: „Was soll das sein? Will das Bäumchen nicht mehr rauschen, Schlaf ich ruhig ein!“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm!

Häschen spitzt die langen Ohren, Spricht: „Was soll das sein? Hör’ ich keinen Vogel singen, Schlaf ich ruhig ein!“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso, Mein Kindchen ist nicht dumm!

Jäger höret auf zu blasen, Spricht: „Was soll das sein? Seh’ ich keinen Hasen laufen, Schlaf ich ruhig ein!“ Sum, sum, sum, Mein Kindchen macht es ebenso Mein Kindchen ist nicht dumm!

Kommt der Mond und guckt herunter, Spricht: „Was soll das sein? Kein Jäger lauscht! Kein Häschen springt? Kein Vogel singt? Kein Bäumchen rauscht? Kein Sonnenschein! Und’s Kind allein Sollt’ wach noch sein?“ Nein! Nein! Nein! Lieb’ Kindchen macht die Augen zu, Lieb’ Kindchen schläft schon ein!

Robert Reinick.

Elfenlied.

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe! Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief — Wohl um die Elfe! — Und meint, es rief ihn aus dem Tal Bei seinem Namen die Nachtigall, Oder Silpelit hätt’ ihn gerufen. Reibt sich der Elf’ die Augen aus, Begibt sich vor sein Schneckenhaus, Und ist als wie ein trunken Mann, Sein Schläflein war nicht voll getan, Und humpelt also tippe tapp Durchs Haselholz ins Tal hinab, Schlupft an der Mauer hin so dicht, Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht. „Was sind das helle Fensterlein? Da drin wird eine Hochzeit sein: Die Kleinen sitzen beim Mahle, Und treiben’s in dem Saale. Da guck’ ich wohl ein wenig ’nein!“ — Pfui, stößt der Kopf an harten Stein! Elfe, gelt, du hast genug? Gukuk! Gukuk!

Eduard Mörike.

Was fang ich an?

Ach, wo ich gerne bin, Da soll ich nimmer hin, Und wo ich bleiben muß, Da hab’ ich nur Verdruß. Nach dem Walde soll ich nicht, In den Garten mag ich nicht, In der Stube bleib’ ich nicht, — Was fang’ ich an?

Ach, in dem Wald allein, Da kann man lustig sein; Da grünt es überall, Da singt die Nachtigall. Mutter, laß mich geh’n hinaus, In den grünen Wald hinaus! Einen schönen Blumenstrauß, Den bring’ ich dir.

Könnt’ ich ein Vogel sein, Flög’ ich in den Wald hinein, Zur reinen Maienluft, Nach dem Walde soll ich nicht, Zum frischen Laubesduft, In den Garten mag ich nicht, In der Stube bleib’ ich nicht, Was fang ich an?

Hoffmann von Fallersleben.

Peter und das Echo.

Möcht’ wissen, wo der Kerl nur steckt, Der mich im Wald hier foppt und neckt! Bald tönt’s von rechts, von links dann her, So wie ich rufe, ruft auch er. Wenn ich dich krieg’, — na warte! Echo: Warte!

Er folgt mir nach auf Schritt und Tritt, Und wie ich singe, singt er mit. Steckst du dort oben auf dem Ast, So sprich, wenn du Chourage hast, Und zeig’ dich mir, — potz Kuckuck! Echo: Kuckuck!

Was sprichst du nach mir immerzu? Du feiger Kerl, wie heißt denn du; So war ich Peter heiß’, — auf Wort! — Ich fasse dich und schlepp’ dich fort, Ob früher oder später! Echo: Peter!

Sei still und sprich kein Wörtchen mehr, Sonst hol’ ich mir ein Schießgewehr! Und hab’ ich dich aufs Korn gefaßt, So schieß’ ich dich vom höchsten Ast Herab mit meiner Waffe! Echo: Affe!

Du schimpfest gar? Du dummer Wicht! Wahrhaftig! Nein, das leid’ ich nicht! Ich geh’ nicht eher hier vom Fleck, Bis ich gefunden dein Versteck, Daß ich mich mit dir boxe! Echo: Ochse!

R. Löwenstein.

Aus dem grünen Wald.

Die Sonne schien so lustig drauß, Es ging ein Kind durch den Wald nach Haus: Trali trala! Wie sang es da! Trali trala! Wie klang es da So hell in dem grünen Walde!

Und wie es so ging durch Busch und Gras, Da riefen die Vögel ohn’ Unterlaß: Trala trali! Bleib hie! Bleib hie! Trali trala, Wie schön ist’s da Bei uns in dem grünen Walde!

Und als es kam an den blauen Bach, Da liefen und riefen die Wellen ihm nach: Trala trali! Bleib hie! Bleib hie! Trali trala, Wie schön ist’s da Bei uns in dem grünen Walde!

Und als es da sprach: „Das kann nicht sein, Ich muß zurück zu dem Mütterlein.“ Trala trali! Wie flogen sie! Trala trali Wie liefen sie Ihm nach aus dem grünen Walde!

Und andern Tag’s, als aus dem Haus Das Kind nun schaut zum Fenster hinaus: Trali trala! Die Vögel sind da! Trala trali, Und die Wellen sieh, Die bringen ihm Grüß’ aus dem Walde!

Robert Reinick.

Kind und Tiere.

Beim Osterhasen.

Bitt schön, Osterhäschen im Schnee, Tut dir das Eierlegen nicht weh? Na, wieviel werden’s denn heuer? Drei Dutzend? Hoffentlich nicht zu teuer. Ist auch eine Menge bunter, So recht knallroter und gelber darunter? Du! Ich weiß dir mal schöne Verstecke! Im Hühnerstall und hinter der Buchsbaumhecke. Wie wärs mit der Hundehütte vom Spitz? Oder unter Großväterchens Zipfelmütz? Halt — pst! In Lilis gelbseidenem Puppenwagen; Du darfst’s aber niemandem weitersagen!

Ad. Holst.

Lämmchen.

Mäh, Lämmchen, mäh! Das Lämmchen läuft in Wald, Da stieß sichs an ein Steinchen, Da tat ihm weh sein Beinchen, Da schrie das Lämmchen mäh!

Mäh, Lämmchen, mäh! Das Lämmchen läuft in Wald, Da stieß sichs an ein Stöckelchen, Da tat ihm weh sein Köppelchen, Da schrie das Lämmchen mäh!

Mäh, Lämmchen, mäh! Das Lämmchen läuft in Wald, Da stieß sichs an ein Sträuchelchen, Da tat ihm weh das Bäuchelchen, Da schrie das Lämmchen mäh!

Mäh, Lämmchen, mäh! Das Lämmchen läuft in Wald, Da stieß sichs an ein Hölzchen, Da tat ihm weh sein Hälschen, Da schrie das Lämmchen mäh!

Kinderreim.

Mauskätzchen.

Mauskätzchen, wo bleibst du? Mauskätzchen, was treibst du? In unserm Häuschen Sind schrecklich viel Mäuschen. Sie pfeifen und rappeln, Und trippeln und trappeln In Kisten und Schränken, Auf Tischen und Bänken. Sie stehlen und naschen, Und will man sie haschen: Wupp, sind sie fort!

Hoffmann von Fallersleben.

Bei Goldhähnchens.

Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast! Sie wohnen im grünen Fichtenpalast. In einem Nestchen klein, Sehr niedlich und sehr fein.

Was hat es gegeben? Schmetterlingsei, Mückensalat und Gnitzenbrei Und Käferbraten famos — Zwei Millimeter groß.

Dann sang uns Vater Goldhähnchen was, So zierlich klang’s wie gesponnenes Glas. Dann wurden die Kinder besehn: Sehr niedlich alle zehn!

Dann sagt’ ich: „Adieu!“ und: „Danke sehr!“ Sie sprachen: „Bitte, wir hatten die Ehr’, Und uns mächtig gefreut!“ Es sind doch reizende Leut’!

Frühstück.

Alle unsre Tauben Sind schon lange wach, Sitzen auf den Lauben, Sitzen auf dem hohen Dach: Sitzen auf dem Regenfaß: Wer gibt nun den Tauben was?

Alle unsre Hennen Sind schon aus dem Stall, Gackeln schon und rennen, Scharren überall. Und der Hahn kräht: „Futter her! Immer mehr, nur immer mehr!“

Alle unsre Kleinen Machen ein Geschrei, Strampeln mit den Beinen, wollen ihren Brei. Lirum, larum Löffelstiel, Wer krakeelt, der kriegt nicht viel!

Gustav Falke.

Böcklein.

Du Schäckerer, Du Mäckerer, Hast gar ein zottlig Kleid. Nicht neu, nicht alt, Nicht warm, nicht kalt, Nicht eng und auch nicht weit.

Da spricht der Bock: Mein Zottelrock, Der ist mir zehnmal lieber, Als ein Gewand Von allerhand Tuch, Sammet oder Biber.

Er reißt mir nicht und schleißt mir nicht, und kommt nicht aus der Mode. Ich trag’ ihn von Geburt an schon Und trag’ ihn bis zum Tode.

Ob ihr auch lacht, er ist gemacht Mir doch zu meinem Putze. Ich schäm’ mich nicht und gräm’ mich nicht Und trag’ ihn euch zum Trutze.

Friedrich Güll.

Das Taubenhaus.

Wir öffnen jetzt das Taubenhaus, Die Täubchen, sie fliegen so froh hinaus, Sie fliegen über das weite Feld, Wo’s ihnen gar so wohl gefällt. Und kehren sie heim zur süßen Ruh’, So schließen wir wieder das Taubenhaus zu. Krukru, krukru, krukru, krukru.

(Im Innern des festgeschlossenen Kreises stehen einige Kinder, die „Täubchen“. Bei Beginn des Spieles erheben alle die Hände und öffnen durch Rückwärtsgehen den Kreis, um die „Täubchen“ ausfliegen zu lassen. Sind sie heimgekehrt, so wird der Kreis geschlossen gehalten; erst wenn die Kinder die erste Strophe wieder singen, fliegen die „Täubchen“ wieder aus.)

Hahn Gockels Leichenbegängnis.

„Wer erschlug den Hahn Gockel?“ „Ich,“ spricht der Sperber; „Ich bin der Verderber, Ich erschlug den Hahn Gockel.“

„Wer hat’s geseh’n?“ „Ich,“ spricht das Mäuslein; „Aus meinem Häuslein Hab’ ich’s geseh’n.“

„Wer trank sein Blut?“ „Ich,“ spricht das Mücklein: „Mit kleinen Schlücklein Trank ich sein Blut.“

„Wer gräbt sein Grab?“ „Ich,“ spricht Rotkehllein; „Mit meinen Zehlein Grab ich sein Grab.“

„Wer trägt die Bahr?“ „Ich,“ spricht der Rabe; „Ich trage im Trabe Die Totenbahr.“

„Wer ist der Priester?“ „Ich,“ spricht die Dohle; „Bin schwarz wie Kohle, Ich bin der Priester.“

„Wer singt den Psalm?“ „Ich,“ spricht die Nachtigall; „Ich sing’ mit süßem Schall, Ich sing’ den Psalm.“

„Wer läut’t die Glock’ hell?“ „Ich,“ spricht das Böcklein; „Ich läut’ ihms Glöcklein. Fahr wohl, Hahn Gockel!“

Alle Vögel in der Luft Kam ein Seufzen an und Klagen, Als sie hörten ’s Glöcklein schlagen Zu Hahn Gockels Gruft.

Fr. Rückert.

Vom listigen Grasmücklein.

Klaus ist in den Wald gegangen, Weil er will die Vöglein fangen; Auf den Busch ist er gestiegen, Weil er will die Vöglein kriegen.

Doch im Nestchen sitzt das alte Vögelein just vor der Spalte,

Schaut und zwitschert: „Ei der Taus’ — Kinderlein, es kommt der Klaus! Hu, mit einem großen Prügel, Kinderlein, wohl auf die Flügel!“

Prr, da flattert’s: Husch, husch, husch! Leer das Nest und leer der Busch.

Und die Vöglein lachen Klaus Mit dem großen Prügel aus, Daß er wieder heimgegangen, Zornig, weil er nichts gefangen;

Daß er wieder heimgestiegen, Weil er konnt’ kein Vöglein kriegen.

Friedrich Güll.

Wolf und Gänse.

Ein Kind ist der Wolf, ein anderes die Mutter, die übrigen sind Gänschen. Mutter und Gänschen sind in einiger Entfernung aufgestellt, während der Wolf zur Seite kommt.

M. ruft: Alle meine Hulegänschen, kommt zu mir!

G.: Wir dürfen nicht.

M.: Warum denn nicht?

G.: Der Wolf steht hinter der Tür und macht sein Messer scharf.

M.: Was habt ihr ihm denn zuleide getan?

G.: Großen Topf voll Erbsen ausgegessen.

M.: Wie groß?

G.: So groß (Zeichen mit den Händen).

M.: Wie breit?

G.: So breit (Zeichen mit den Händen).

M.: Alle meine Hulegänschen kommt zu mir!

Nun laufen die Gänschen zur Mutter. Der Wolf sucht dabei eins oder mehrere zu erhaschen, die er dann in seine Höhle schleppt. So gehts fort, bis alle Gänschen gefangen sind.

Das Lied vom Dackelhund.

Morgens früh um sechse Steht der Dackel auf, Macht durch Haus und Garten einen flinken Lauf, Kratzt auf allen Beeten, Riecht an jedem Stein, Wühlt sich in die Asche, Bis an die Ohren ein. Dickel, Duckel, Dackel, Dackelhund, Frißt den Tag zwei Zentner, Und wiegt sechs Pfund.

Morgens früh um sieben, Bringt der Bäcker Brot, Der Dackel frißt zwei Semmeln, Als wäre Hungersnot. Milch dazu, ’nen Teller, Warm von der Kuh, Wir alle stehen drum herum Und gießen nochmal zu. Dickel, Duckel, Dackel, Dackelhund, Frißt den Tag zwei Zentner, Und wiegt sechs Pfund.

Dann geht er in die Küche Und hält bis Mittag Wacht Und gibt auf jeden Brocken Aufs allerbeste acht: Schabefleisch und Schinken, Kartoffeln und Gemüs’, Graupen, Reis und Leber dann, Alles schmeckt ihm süß. Dickel, Duckel, Dackel, Dackelhund, Frißt den Tag zwei Zentner, Und wiegt sechs Pfund.

Mittags, wenn wir essen, Sitzt er auch dabei Und kommt zu einem jeden, Richtig nach der Reih’: Der Vater gibt ’nen Klaps ihm, Die Mutter läßt ihn steh’n, Doch wir Kinder füttern ihn, Das solltet ihr mal seh’n. Dickel, Duckel, Dackel, Dackelhund, Frißt den Tag zwei Zentner, Und wiegt sechs Pfund.

Nachmittags gibts Knochen Und Suppe für den Durst Und abends zu dem Vesperbrot, Die Pellen von der Wurst. Oft kriegt er nachts noch Hunger, Dann frißt er, was er find’t, Die Troddeln von dem Sessel, Die Wichse aus dem Spind. Dickel, Duckel, Dackel, Dackelhund, Frißt den Tag zwei Zentner, Und wiegt sechs Pfund.

Carl Ferdinands.

Häslein.

Unterm Tannenbaum im Gras Gravitätisch sitzt der Has, Wichst den Bart und spitzt das Ohr, Duckt sich nieder, guckt hervor, Rupft und reckt sich, Endlich macht er einen Sprung: „Hei, was bin ich für ein Jung’! Schneller noch, als Hirsch und Reh’ Spring ich auf und ab die Höh’, Wer ist’s, der mich fangen kann? Tausend Hund’ und hundert Mann, Gleich will ich’s mit ihnen wagen, Soll mich keiner doch erjagen. Und der Graf auf seinem Schloß, Hat im ganzen Stall kein Roß Und auch keinen Reitersknecht, Der mir nachgaloppen möcht’.“ „Häslein, nimm dich doch in acht, Hund und Jäger schleichen sacht! Eh’ du’s denkst, da zuckt es rot, Und die Kugel schießt dich tot.“ Aber ’s Häslein hat sich jetzt, Wie ein Männlein hingesetzt, Schaut nicht auf und schaut nicht um. „Bst, was kommt so still und stumm, Dort durch Busch und Dorn und Korn, Flinte trägt’s und Pulverhorn? Hu! der Jäger ist es schon! Häslein, Häslein, spring’ davon! ’s ist zu spät; es blitzt und pufft, Und der Rauch steigt in die Luft, Und das Häslein liegt, o weh! Totgeschossen in dem Klee.“

Friedrich Güll.

Das eilige Schneckchen.

Schneckchen, Schneckchen, laß dir Zeit! Mußt so sehr nicht laufen! Hast gewiß nicht mehr so weit, Kannst einmal verschnaufen.

Schneckchen spricht: Da liegt ein Ort — Drüben bei den Bäumen; Nächste Woch’ ist Kirmeß dort, Möcht sie nicht versäumen.

Daß ich mit bei Tanze bin, wirst Du mir wohl gönnen; Wenn ich nun noch will dahin, Muß ich da nicht rennen?

Trojan.

Kinder untereinander.

Zuchtreim.

Was? Wenn’s regnet, ist’s naß, Wenn’s schneit, ist’s weiß, Wenn’s friert, ist’s Eis, Du bist ein kleiner Naseweis.

Kleine Predigten.

Eins, zwei, drei! Alt ist nicht neu, Neu ist nicht alt, Warm ist nicht kalt, Kalt ist nicht warm, Reich ist nicht arm. Ein Huhn und ein Hahn, Die Predigt geht an. Eine Kuh und ein Kalb, Die Predigt ist halb. Eine Katze und eine Maus, Geht alle nach Haus Und haltet alle ein’n Schmaus; Habt ihr ’was, so eßt es, Habt ihr nichts, vergeßt es, Habt ihr noch ein Brösamlein, So gebt’s dem kleinen Vögelein. Diener, meine Herr’n, Aeppel sind keine Bärn’, Bärn’ sind keine Aeppel, Die Wurst hat zwei Zäppel, Zwei Zäppel hat die Wurst, Der Bauer leidet Durst, Durst leidet der Bauer, Das Leben wird ihm sauer, Sauer wird ihm das Leben, Der Weinstock hat viele Reben, Viele Reben hat der Weinstock, Ein Kalb ist kein Ziegenbock, Ein Ziegenbock ist kein Kalb, Nun ist meine Predigt halb, Halb ist meine Predigt, Mein Bauch ist mir ledig, Ledig ist mir mein Bauch, Meine Mütze ist rauch, Rauch ist meine Mütze, Die Maus frißt Grütze, Grütze frißt die Maus, Nun ist meine Predigt aus. Eins, zwei, drei, Alt ist nicht neu, Neu ist nicht alt, Warm ist nicht kalt, Kalt ist nicht warm, Reich ist nicht arm. Arm ist nicht reich, Ungrad ist nicht gleich, Gleich ist nicht ungrad, Ein Wagen ist kein Pflugrad. Pflug ist kein Wagen, Singen ist nicht sagen, Sagen ist nicht singen, Tanzen ist nicht springen. Springen ist nicht tanzen, Flöh’ sind keine Wanzen, Wanzen sind keine Flöh’, Ein Hirsch ist kein Reh. Reh ist kein Hirsch, Faul ist nicht frisch, Frisch ist nicht faul, Ein Ochs ist kein Gaul. Ein Gaul ist kein Ochs, Ein Has’ ist kein Fuchs, Ein Fuchs ist kein Has’, Die Zunge ist keine Nas’. Nas’ ist keine Zunge, Leber ist keine Lunge, Lunge ist keine Leber, Der Schneider ist kein Weber. Ein Weber ist kein Schneider, Ein Bauer ist kein Schreiber, Ein Schreiber ist kein Bauer, Süß ist nicht sauer. Sauer ist nicht süß, Die Händ’ sind keine Füß’, Die Füß’ sind keine Händ’, Brust hat keine Ent’. Ent’ hat keine Brust, Hunger ist kein Durst, Durst ist kein Hunger, Ein Alter ist kein Junger. Ein Junger ist kein Alter, Die Bibel, die hat Psalter, Psalter ist kein Testament: Also hat das Lied ein End’.

*

Die Pflaumen sind reif, Die Mädchen sind steif, Die Jungen sind stolz, Die fahren ins Holz, Da kippelt der Karren, Da lachen die Narren, Da geigt die Maus, Da tanzt die Laus, Da huppt der Floh Zum Fenster ’naus.

*

Mein Vater kaufte sich ein Haus; An dem Hause war ein Garten, In jedem Garten war ein Baum, Auf dem Baume war ein Nest, In dem Neste war ein Ei, In dem Ei, da war ein Dotter, In dem Dotter war ein Hase, Der beißt dich in die Nase.

Verschiedene Verschen.

Petersilien, Suppenkraut, Wächst in unserm Garten; Mariechen ist ’ne junge Braut, Soll nicht lang’ mehr warten. Roter Wein und weißer Wein, Morgen soll die Hochzeit sein.

*

Meine Mu, meine Mu, meine Mutter Schickt mich her, Ob der Ku, ob der Ku, ob der Kuchen Fertig wär’; Wenn er no, wenn er no, wenn er Noch nicht fertig wär’, Käm’ ich mo, käm’ ich mo, käm’ ich Morgen wieder her.

*

Ihr Diener! Was machen denn Ihre Hühner? Legen sie brav Eier? Was kostet ’s Schock? „Einen Dreier.“ Das ist mir zu teuer. Einen Pfennig, „Das ist mir zu wenig.“ Einen Zweer, „Das geht schon eher.“

C. Weber.

Backe, backe Kuchen, Der Bäcker hat gerufen; Wer will guten Kuchen backen, Der muß haben sieben Sachen: Eier und Schmalz, Butter und Salz, Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl.

Sprachübungen und Sprachscherze.

Der Potsdamer (Kottbuser) Postkutscher putzt den Potsdamer (Kottbuser) Postkutschkasten.

Sechsundsechzig Schock sechseckige sächsische Schusterzwecken.

Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum.

Kein klein Kind kann keinen Kirschkern knacken.

Mein Müller, mahl’ mir meine Metze Mehl, meine Mutter muß mir morgen mein’ Milchmus machen.

Konstantinopolitanischer Dudelsackpfeifenmachergeselle.

Der Metzger wetzt das Metzgermesser.

Der dicke Dietrich (Diener) trug den dünnen Dietrich (Diener) durch den dicken, dicken, dudel-dicken Dreck; da dankte der dünne Dietrich (Diener) dem dicken Dietrich (Diener), daß der dicke Dietrich (Diener) den dünnen Dietrich (Diener) durch den dicken, dicken, dudel-dicken Dreck trug.

Ein Scheit, ein Scheit, ein Schleusenscheit, ein wohlgeschlissenes Schleusenscheit schickt die Frau Weißen aus Meißen und läßt grüßen und sagen fein, daß sie die allergeschickteste Frau Schleißerin, Schleußerin sei; ihr Mann sitzt hinter der Scheune und schleißt Scheite, und eh’ er einen Bissen genossen, hat er einen großen Haufen Schleusenscheite geschlissen, geschlossen, geschleißt.

Ein König hatte drei Söhne; der erste hieß Kap, der andere Kap-prack, der dritte Kap-prack-Kap-prack-Kap-premine.

Es waren drei Schwestern; die erste hieß Pinka, die andere pipla Pinka, die dritte zick nick nack knobla pipla Pinka. Da nahm die Pinka einen Stein und warf ihn der pipla Pinka an das Bein, da fing die zick nick nack knobla pipla Pinka an zu schrei’n.

Jockel.