Part 1
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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1924 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
Die Umlaute Ä und Ü in Großbuchstaben werden im Text durch ihre Umschreibungen (Ae und Ue) dargestellt. Fußnoten wurden an das Ende des jeweiligen Abschnittes verschoben.
Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
fett: =Gleichheitszeichen= gesperrt: +Pluszeichen+ Antiqua: ~Tilden~ (Titelseite und Buchwerbung ausgenommen)
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Stern-Bücher
+Bücher+ für +Lebensart+ und +Geselligkeit+
~Ri-Ra-Rutsch~
~Alte und neue Kinderreime~
Etwas zum Singen und Sagen für’s kleine Volk
Gesammelt und herausgegeben
von
~Paul Koch~
Stern Bücher Verlag (Koch & Co.) Leipzig-Stö.
* Alle Rechte, insbesondere das der Uebersetzung, vorbehalten. ~Copyright by Stern Bücher Verlag (Koch & Co.) Leipzig-Stö.~ *
Druck von Gustav Pritz & Co., Leipzig-Stö.
Vorwort an die Großen.
Die vorliegende Sammlung bringt eine Auswahl aus dem großen Schatz alter und neuer Volkspoesie für Kinder. Worte, die die Mutter den Kleinsten vorspricht, Verschen, die die Kleinen nachplappern, Gedichte, die dem Kinde Herz und Sinn erwärmen und schließlich einige kleine dramatische Szenen, einige Wünsche für Geburtstag, Weihnachten und Neujahr sind angefügt. — Manchem mögen die Verschen kindisch erscheinen; allein „Gar tiefer Sinn liegt oft im kind’schen Spiel.“ So unscheinbar und anspruchslos die Reime sind, so spiegeln sie doch die Seele des Volkes wieder. Haben die Kinder erst Verständnis für die volkstümlichen Liedchen gewonnen, so werden sie damit zugleich geschickt gemacht, sich im späteren Leben in die Wunder unserer großen Dichter einzufühlen und daraus Lebenslust und Lebenskraft zu schöpfen.
Die Erinnerung an die Poesie der eigenen Kindheit ist ein Lebensgut, das uns niemand rauben kann und an dem wir eine reine Freude haben können.
Besonderen Dank schulden wir Alfred Hahns Verlag in Leipzig für die Erlaubnis, die Gedichte von Lina Sommer, C. Ferdinands und Ad. Holst in unsere Sammlung aufnehmen zu dürfen.
Möge das Büchlein Großen und Kleinen viel Freude bereiten.
=Der Herausgeber.=
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Kind und Mutter 9
Kind und Tiere 45
Kinder untereinander 58
Kind und Weihnachten 112
Geburtstags- und Neujahrswünsche 121
Kind und Mutter.
Mein Kindlein ist nicht feil.
Seht mir mal mein Kindchen an Mit den blonden Zottellöckchen, Blaue Aeuglein, rote Bäckchen. Leutchen, habt ihr auch so eins? Leutchen, nein so habt ihr keins!
Kam einmal ein reicher Mann, „Hunderttausend blanke Taler, Alles Gut der Erde zahl er —“ „Nein, er kriegt gewiß nicht meins, Kauf er sich wo anders eins!“
Claudius.
Das Brüderchen.
Das Hänschen klein, das Hänschen klein, Ist ein gar herzig Brüderlein! Vier Zähnchen hat’s, wie Mandelkern, Und Aeuglein, heller als ein Stern; Schön kirschrot ist der kleine Mund, Das ganze Kerlchen kugelrund. Es spricht in sieben Sprachen Und weiß doch nichts zu sagen.
Es strampelt schon nach Noten, Kutschiert flott auf dem Boden. Kommt jemand mal gelaufen, Will unser Hänschen kaufen, Verspricht uns einen Sack voll Geld Und schenkt uns auch die halbe Welt, Dann lachen wir ihm ins Gesicht: „Das Bubi? Nein — das kriegst du nicht.“
L. Sommer.
Hemdenmatz.
Da sitzt ein kleiner Hampelmann, Der hat zerrissne Hosen an, ei, ei! Und schlüpft der Hansel um das Haus, Schlupf! Schwenkt ein winzig, weißes Hemdenzipfelchen heraus — etsch! Und alle Piepvögelein schrein: „Hansel, steck’s nein, steck’s nein!“ Aber der Lump, der Spatz schreit: „Hemdenmatz, Hemdenmatz!“
Ad. Holst.
Die ersten Hosen.
Hans hat Hosen an, Und die sind bunt, und ein Mützchen auf, und das ist rund. Kunterbunte Höschen, Frack mit roten Schößchen! Hans hat Hosen an, Und die sind bunt.
*
Storch, Storch, bester, Bring mir ’ne kleine Schwester, Storch, Storch, guter, Bring mir ’nen kleinen Bruder.
Anna Kathrein.
Unsre Anna Kathrein, ist noch so klein, Die humpelt und pumpelt auf allen vier Bein. Aber wird sie erst groß, heida! dann gehts los, Dann singt sie und springt sie, das wird mal famos. Du, Anna Kathrein, stecks Lutscherchen rein! Sonst kommt der Wauwau und beißt dich ins Bein.
Ad. Holst.
Unsre lieben Hühnerchen.
Unsre lieben Hühnerchen Verloren ihren Hahn, Hatten ihm zu leide Doch wirklich nichts getan. Wie trauerten die Hühnerchen, Daß sie ihn nirgends sahn, Den lieben guten Hahn!
Unsre lieben Hühnerchen, Die fanden ihren Hahn, Wie er ging spazieren Auf einem grünen Plan. Wie freuten sich die Hühnerchen Daß sie ihn wieder sahn, Den lieben, guten Hahn!
Unsre lieben Hühnerchen, Die führten ihren Hahn Voller Freud’ und Jubel Hoch auf den Hausaltan. Wie war’n entzückt die Hühnerchen, Als da zu krähn begann, Der liebe Hahnemann.
Hoffmann von Fallersleben.
Ri-Ra-Rutsch.
Ri Ra Rutsch, Wir fahren mit der Kutsch’, Wir fahren mit der Extrapost, Wo es nur drei Kreuzer kost’t. Ri Ra Rutsch, Wir fahren mit der Kutsch’.
Volks- und Kinderreime.
Ball der Tiere.
Mich dünkt, wir geben einen Ball, Sprach die Nachtigall. So? Sprach der Floh. Was werden wir essen? Sprachen die Wespen. Nudeln! Sprachen die Pudeln. Was werden wir trinken? Sprachen die Finken. Bier! Sprach der Stier. Nein, Wein! Sprach das Schwein. Wo werden wir denn tanzen? Sprachen die Wanzen. Im Haus! Sprach die Maus.
Das Wunderschloß.
Ich wünsch’ mir was. „Was ist denn das?“ Das ist ein Schloß aus Marzipan, Mit Türmen aus Rosinen dran Und Mandeln an den Ecken, Ganz zuckersüß und braun gebrannt, Und jede Wand, Die ist aus Zimt und Zuckerkand, Da kann man schön dran lecken! Und Diener laufen her und hin Mit Mus und Marmelade, Und oben in dem Schlosse drin, Sitzt meine Frau, die Königin, Die ist aus Schokolade!
Ad. Holst.
*
Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum di dum, Er rüttelt sich, er schüttelt sich, Er wirft sein Säckchen hinter sich. Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum.
Des Knaben Wunderhorn.
Fritzchens ganze Familie.
Ich heiße Fritz, Unser Hund heißt Spitz, Miezevater unser Kater. Papa heißt Papa, Mama heißt Mama; Meine Schwester heißt Ottilie: Das ist unsre ganze Familie. Wir hätten gern noch eine Kuh Und ein Pferd dazu.
Emil Weber.
Heile, heile Segen!
Heile, heile Segen! Morgen gibt es Regen, Uebermorgen Schnee: Dann tut’s nicht mehr weh.
G. Hahn.
Wenn das Kind hungrig ist.
Eia, popeia, Koch’ dem Kindchen Breia, Tu’ ein wenig Zucker dran, Daß ihn das Kindchen essen kann.
Fünf Engel haben gesungen, Fünf Engel kommen gesprungen: Der erste bläst das Feuer an, Der andre stellt das Pfännchen dran; Der dritte schütt’t das Süppchen ein, Der vierte tut brav Zucker drein; Der fünfte sagt: ’s ist angericht’t, Iß, mein Kind, und brenn’ dich nicht!
Volks- und Kinderreime.
Wenn die Suppe heiß ist.
Stich dich nicht und brenn’ dich nicht, Suppe ist zu heiß. Schneider, wenn du reiten willst, Setz’ dich auf die Geiß! Kindlein, willst du Suppe essen, Mußt das Blasen nicht vergessen.
*
Bim, bam, beier, Die Katz’ mag keine Eier. Was mag sie dann? Speck aus der Pfann’? Ei, wie lecker ist unsre Madam!
Auto.
Rabumsel, Rabamsel, Der Omnibus fährt, Rabumsel, Rabamsel, Ohne Schiene und Pferd; Rabumsel, Rabamsel, Ueber Pflaster und Grund, Wer drin sitzt, dem schüttelt Die Zunge im Mund.
Rabumsel, Rabamsel, Nun steigen wir ein, Rabumsel, Rabamsel, Nach Frankreich hinein. Rabumsel, Rabamsel, Nach Frankreich ist’s weit. Und der Franzmann macht die Tür zu, Hat für Kinder keine Zeit.
Carl Ferdinands.
Das hölzerne Männchen.
Das ist das hölzerne Männchen:
Das ist das Haus vom hölzernen Männchen:
Das ist die Tür vom Haus vom hölzernen Männchen: Das ist das Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen:
Das ist der Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen:
Das ist das Bändchen vom Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen:
Das ist die Maus, die genagt hat am Bändchen vom Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen:
Das ist die Katz’, die gefressen hat die Maus, die genagt hat am Bändchen vom Schlüssel vom Schloß von der Tür vom Haus vom hölzernen Männchen!
Das ist das Kind, dem die Katze gehört, die die Maus gefressen ......
Volks- und Kinderreime.
Nasenbluten.
Karlinchen, Karlinchen, deine Nase ist rot. Geh’, wein’ nicht, geh’, grein nicht, das hat keine Not. Und ist auch dein Näschen und Schürzchen voll Blut: Bis du mal zu Tanz gehst, ist’s längst wieder gut.
M. Schmerler.
Tanzliedchen.
Zwei Takte geschritten, Zwei Takte im Sprung, Die blonden Stubbezöpfchen, Sind alle, alle, all’ im Schwung.
Zwei Takte gesprungen, Zwei Takte im Schritt, Die Schuhe, die Röckchen, Tanzen alle, alle, alle mit.
Zwei Takte im Schatten, Zwei Takte im Licht, Bloß der kleine dicke Plumpsack Kanns lange, lange, lang’ noch nicht!
Carl Ferdinands.
Tanzliedchen.
Hinter dem Müllersteg Steht ’n kleins Häusle: Drinnen rund um und um Hupfen die Mäusle.
Hinter dem Müllersteg Steht ’n kleins Häusle: Draußen rund um und um Hupfen die Geißle.
Hinter dem Müllersteg Steht ’n kleins Häusle: Droben rund um und um Hupfen die Zeisle, Mäusle und Geißle und Zeisle — Rundum.
Friedrich Güll.
Tanzlied.
Schnickschnack, Dudelsack, Unser Kind will tanzen; Spielt mir einen schönen Tanz: Aennchen, Gretchen, Fritz und Franz Wollen lustig tanzen. Spielt der Brummbaß brumm, brumm, brumm, Dreh’n wir uns im Kreis herum, Daß die Röckchen fliegen; Spielt die Fiedel dideldumdei, Geht es lustig eins, zwei drei, Bis im Gras wir liegen.
Tanz mit mir.
Tanz mit mir, Tanz mit mir, Auf der grünen Wiese. Eins, zwei, drei, Eins, zwei, drei, Rühre flink die Füße!
Hopp, hopp, hopp Im Galopp, Immer froh und heiter. Rechts herum, Links herum, G’radaus und so weiter.
Immer zu, Ohne Ruh’, Daß die Zöpfchen fliegen. Juchheidi, ha, ha, ha, Ist das ein Vergnügen!
Lina Sommer.
Tanzliedchen.
Mein Mädchen, das will tanzen; Wer macht die Tanzmusik? Spielhansel mit dem Ranzen Ist da im Augenblick.
Dideldum, schon streicht und zupft er Die Saiten alle vier, Dideldum; schon geigt und hupft er Und schreit: „Herr Wirt, mein Bier!“
Und mit der Zunge schnalzen Tut er vor Lust dazu. — Nun woll’n wir aber walzen, Bis durch die Strümpf’ und Schuh’.
Friedrich Güll.
Kinderreigen.
So geht’s auf unsere Weise, So ist es Kinderbrauch: Wir drehn uns um im Kreise Und tanzen auch — Immer herum, Bum bidibum! Bum!
Wir brauchen keine Geigen Und brauchen keinen Baß, Wir spielen uns zum Reigen Schon selber was. Immer herum, Bum bidibum! Bum!
Und ist ein Tanz zu Ende, Gleich fängt ein anderer an, Wir reichen uns die Hände Und tanzen dann Immer herum, Bum bidibum! Bum!
Hoffmann v. Fallersleben.
Kletterbüblein.
Steigt das Büblein auf den Baum, Ei, wie hoch, man sieht es kaum! Hüpft von Ast zu Aestchen, Hüpft zum Vogelnestchen. Ui! da kracht es — Plumps, da liegt es drunten.
Friedrich Güll.
Köchin.
Was soll ich denn kochen? ’s ist alles zerbrochen. Das Maß und die Pfanne, Das Glas und die Kanne — Und will ich was kaufen, Es kost’t einen Haufen: Der Weck und der Fladen, Der Speck und der Braten, Das Salz und das Mehl, Und das Schmalz und das Oel, Und die Eier und Feuer Sind heuer so teuer! Und krieg keinen Lohn — Ich lauf’ noch davon!
Friedrich Güll.
Puppenlappen.
Guten Tag, guten Tag, Frau Schneiderin, Nach Puppenlappen steht heute mein Sinn; Wir stückeln unserm Jungen ein Wams zurecht; Nur Lappen, immer Lappen, gut oder schlecht:
Zwei wollige, zwei warme Für die beiden Arme, Einen langen, dicken Für den Rücken, Einen blauen, breiten, Für die Seiten, Einen goldenen, der wird aufgenäht, Wo unserem Jungen das Herzlein steht.
Carl Ferdinands.
Topfgucker.
Im Prutzeltopfe kocht das Mus; Hänschen steht auf einem Fuß, Hänschen steht auf einem Zeh’, Reckt sich, streckt sich in die Höh’. Bläst der Qualm ihm ins Gesicht, Hänschen steht und fürcht’t sich nicht. Leckt das Feuer ihm über die Wangen, Hänschen steht und fühlt kein Bangen; Hänschen, lieber ohne Kopf, Als nicht wissen, was kocht im Topf!
Carl Ferdinands.
Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen.
Denk’ an! Das Büblein ist einmal Spazieren gangen im Wiesental. Da wurd’s müd gar sehr Und sagt: „Ich kann nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist das Bächlein geflossen kommen Und hat’s Büblein mitgenommen, Das Büblein hat sich aufs Bächlein gesetzt Und hat gesagt: „So gefällt mir’s jetzt.“ Aber was meinst du! Das Bächlein war kalt, Das hat das Büblein gespürt gar bald; Es hat gefroren gar sehr, Und sagt: „Ich kann nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist ein Schifflein geschwommen kommen, Und hats Büblein mitgenommen. Da hats Büblein sich aufs Schifflein gesetzt Und hat gesagt: „Da gefällt mir’s jetzt.“ Aber siehst du? Das Schifflein war schmal. Das Büblein denkt: „Da fall ich einmal!“ Da fürcht’t es sich gar sehr Und sagt: „Ich mag nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist der Reiter geritten gekommen Und hats Büblein mitgenommen. Das Büblein hat sich hinten aufs Pferd gesetzt. Und hat gesagt: „So gefällt mir’s jetzt.“ Aber gib acht! Das ging wie der Wind, Es ging dem Büblein gar zu geschwind; Es hopst drauf hin und her Und schreit: „Ich kann nicht mehr; Wenn nur was käme Und mich mitnähme!“ Da ist ein Baum ins Haar gekommen Und hat das Büblein mitgenommen Er hat’s gehängt an einen Ast gar hoch; Dort hängt das Büblein und zappelt noch. Ist denn das Büblein gestorben? Nein, es zappelt ja noch! Morgen geh’n wir naus und tun’s ’runter.
Fr. Rückert.
Das Büblein auf dem Eis.
Gefroren hat es heuer, Noch gar kein festes Eis. Das Büblein steht am Weiher, Und spricht zu sich ganz leis: „Ich will es einmal wagen, Das Eis, es muß doch tragen.“ Wer weiß?
Das Büblein stampft und hacket Mit seinem Stiefelein. Das Eis auf einmal knacket Und krach! Schon bricht’s hinein. Das Büblein platscht und krabbelt Als wie ein Krebs und zappelt Mit Schrei’n:
„O helft, ich muß versinken In lauter Eis und Schnee! O helft, ich muß ertrinken Im tiefen, tiefen See!“ Wär’ nicht ein Mann gekommen, Der sich ein Herz genommen, O weh!
Der packt es bei dem Schopfe Und zieht es denn heraus, Vom Fuße bis zum Kopfe Wie eine Wassermaus. Das Büblein hat getropfet, Der Vater hat’s geklopfet Zu Haus.
Friedrich Güll.
Die traurige Geschichte vom dummen Hänschen.
Hänschen will ein Tischler werden, Ist zu schwer der Hobel; Schornsteinfeger will er werden, Doch das ist nicht nobel; Hänschen will ein Bergmann werden, Mag sich doch nicht bücken; Hänschen will ein Müller werden, Doch die Säcke drücken. Hänschen will ein Weber werden, Doch das Garn zerreißt er; Immer, wenn er kaum begonnen, Jagt ihn fort der Meister. Hänschen, Hänschen, denke dran, Was aus dir noch werden kann.
Hänschen will ein Schlosser werden, Sind zu heiß die Kohlen; Hänschen will ein Schuster werden, Sind zu hart die Sohlen; Hänschen will ein Schneider werden, Doch die Nadeln stechen; Hänschen will ein Glaser werden, Doch die Scheiben brechen; Hänschen will Buchbinder werden, Riecht zu sehr der Kleister; Immer, wenn er kaum begonnen, Jagt ihn fort der Meister. Hänschen, Hänschen, denke dran, Was aus dir noch werden kann.
Hänschen hat noch viel begonnen, Brachte nichts zu Ende; Drüber ist die Zeit verronnen, Schwach sind seine Hände. Hänschen ist nun Hans geworden, Und er sitzt voll Sorgen, Hungert, bettelt, weint und klaget Abends und am Morgen: Warum war ich nicht, ich Dummer, In der Jugend fleißig? Was ich immer auch beginne, Dummer Hans nur heiß’ ich. Ach, nun glaub ich selbst daran, Daß aus mir nichts werden kann.
Rudolf Löwenstein.
Mutiges Lied.
Mutter hat mir ’nen Säbel gekauft, Ein Steckenpferd zum Reiten; Nun wird geritten, nun wird gerauft, Es kommen herrliche Zeiten! Ich werde General oder auch Korporal, Und das ist ganz egal, hurra!
Ich nehme den Säbel wohl in die Hand Und tu’ aufs Roß mich schwingen. So geht’s gradaus ins feindliche Land, Und alle Leute singen: Er ist ein General oder auch Korporal, Und das ist ganz egal, hurra!
Und reit’ ich heim dann meinen Weg, Heim von der Siegesparade, Sperrt Nachbars Gretelchen mir den Weg Und schenkt mir ein Stück Schokolade! Denn ich bin General oder auch Korporal, Und das ist ganz egal, hurra!
Oskar Wiener.
Kinderszene.
„Wie finden Sie das liebe Kind?“ — „Sie hat eben immer noch stark Fieber; Das ist der böse Nordostwind, Doch scheint die größte Gefahr vorüber.“ „Wie war der Appetit indessen?“ — „Seit gestern hat sie nichts gegessen. Mein Bruder bracht’ ihr heute früh Dies Törtchen mit, das möchte sie; Ich wollt’ es aber doch nicht wagen, Ohne Herrn Hofrat erst zu fragen.“ — „Es ist nur immer bei dem Zeug Zu viel Gewürz und Butterteig. Mit Erlaubnis — ich will es versuchen. — Hm, eine Art Mandelkuchen!“ „Herr Hofrat, Sie vergessen sich, Sie essen ja ganz fürchterlich. Alle Achtung vor Ihrem großen Hut! Aber Sie haben besondere Manieren!“ — „Pardon! Das Törtchen war zu gut.
(Nachdem er sich geräuspert und der Patientin nochmals den Puls gefühlt):
Lassen Sie nun eben das Mixtürchen repetieren! Wir sehen ein paar Tage zu, Ihr Diener!“ — „Gute Nacht!“ — „Recht angenehme Ruh’!“
Mörike.
Große Sorge.
Puppenmutter: „Ich bitte dich, Beeile dich, Koch’ eine Wassersuppe, Ganz ohne Salz Und ohne Schmalz Für meine kranke Puppe! Wie sieht sie aus, Die arme Maus, Nein, da ist nicht zu spaßen. Ich will doch schnell Und auf der Stell’ Den Doktor holen lassen.“
Bruder Doktor: „Zu allererst, Es ist das best’, Behorch’ ich Herz und Lunge: Nun, Gott sei Dank, Die sind nicht krank. Jetzt zeig mir mal die Zunge! Ei, ei, sieh’ da, Ich dacht’ mir’s ja, Den Magen überladen, Mit Marzipan Und solchem Kram, Da haben wir den Schaden! Nur kein Geschrei! Hier die Arznei, ’nen Löffel all’ zwei Stunden. Und’s Kindlein hier, Ich garantier’, Das wird wohl bald gesunden! Ja, gnäd’ge Frau, Ich seh’s genau, Sie machen sich doch Sorgen — Nur ruhig Blut, ’s wird alles gut, Ich komme nochmal morgen!“
C. Ferdinands.
Kindersehnen.
Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann weiß ich, was ich werd’ — Ich werde ein Reiter, Ein Reiter zu Pferd!
Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann reit’ ich hinaus, Und bleibe nicht immer Hinterm Ofen zu Haus!
Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann streit’ ich im Feld Wohl mit den Franzosen Als wackerer Held!
Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Dann jag’ ich im Nu Euch, daß ihr verlieret, Die Strümpf und die Schuh’.
Wenn ich groß bin, wenn ich groß bin, Wie gern möcht’ ich’s sein. Und bin doch so jung noch, Und bin noch so klein!
Dieffenbach.
Schad’t nix.
Hänschen hat schon Hosen an, Die sind ihm viel zu lang! Da macht sich Hänschen gar nichts draus! Der wächst noch, Gott sei Dank!
Ad. Holst.
Aber Hans.
Aber, Hans, wer wird denn weinen! Pfui, welch’ häßliches Gesicht! Merk’ dir, kleine Mädchen weinen, Jungen, Hänschen, tun das nicht! Fränzchen habe dich geschlagen? Hast du dich denn nicht gewehrt? Hast ja Flinte, Helm und Säbel! — Doch nun endlich aufgehört! Schäm’ dich, ein so großer Junge, Und ein so verweint’ Gesicht! Kleine Mädchen dürfen weinen, Jungen, Hänschen, tun das nicht!
C. Flaischlen.
Meine Mutter.
Kein Vogel sitzt in Flaum und Moos In seinem Nest so warm, Als ich auf meiner Mutter Schoß, Auf meiner Mutter Arm; Und tut mir weh mein Kopf und Fuß, Gibt mir die Mutter einen Kuß Und drückt mich an ihr Herz.
Friedrich Güll.
Kniereiterliedchen.
Hoppe, hoppe, Reiter, Wenn er fällt, da schreit er. Fällt er in den Graben, Fressen ihn die Raben, Fällt er in den Sumpf, Macht der Reiter plumps!
Schacker, schacker, rillichen, Wir reiten auf dem Füllichen. Wenn wir größer werden, Reiten wir auf Pferden.
Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf’ Galopp, Ueber Stock und über Steine, Tu’ dir ja nicht weh die Beine; Immer im Galopp, Hopp, hopp, hopp, hopp, hopp!
Wie reiten denn die Herren? Trapp, trapp, trapp! Wie reiten denn die Bauern? Stupp, stupp, stupp! Wie reitet denn der Edelmann Mit seinem Pferdchen hintendran? Galoppe, galoppe! Wie reiten denn die Jüngferlein Mit den bunten Schühelein? Hitte, pitte, hitte, pitte! Bums in ’n Graben ’nein!
Hopp, mein Pferdchen, nach der Stadt, Bring’ meinem lieben Kindchen wat. Was soll ich ihm denn bringen? ’n großen Sack voll Kringeln: Zuckerbrot und Mandelkern Mag mein liebes Kindchen gern.
Wenn der kleine Schelm verdrießlich aufwacht.
Grüß Gott, mei’ lieb’s Franzerl! Bist da von der Fremd’? Wo hast denn dei’ Ranzerl, Dei’ Huterl, dei’ Hemd?
Wo hast denn dei’ Rockerl, Dei’ Höserl, dei’ Sockerl? Du trauriger Bu’!
Jetzt holt mir den Schneider Und Schuster im Nu, Und schneidert ihm Kleider, Und schustert ihm Schuh’!
Friedrich Güll.
Der Laternenmann.