Religion und Kosmos

Part 6

Chapter 63,185 wordsPublic domain

Diese Abtragung und Resorbtion ist eine dem organischen Leben ganz besonders eigene Funktion und Erscheinung.

In der anorganischen Welt besteht sie nicht. Denn hier wurden alle Hauptstadien der Entwicklung ein für allemal statisch festgehalten. Es blieben alle ausgewirkten Elemente bestehen. Sie verbinden sich zwar in der mannigfachsten Weise, resorbieren sich aber nicht. Auch alle sonstigen anorganischen Bildungen blieben statisch bewahrt, wie sie sich gegenseitig auch immer beeinflussen, verschieben oder umwandeln mögen.

Das wird aber sofort anders, sobald das organische Leben erreicht ist! Hier werden die früheren Arten von den späteren resorbiert; sie verschwinden und sterben hinter den letzteren aus, je mehr von ihnen aus die Entwicklung weiter geht.

Nun verhält es sich allerdings aber so, daß diese Abtragung oder Resorbtion im Bereich des sehr ausgedehnten unterbewußten organischen Lebens vorerst noch eine ganz geringfügige ist. Je edler und vorgeschrittener indessen das unterbewußte, organische Leben, um so auffallender setzt auch bereits die Abtragung und Resorbtion der Arten ein. So z. B. in der Pflanzenwelt. Die Urformen derselben gibt es heute nicht mehr; wesentlich andere sind an ihre Stelle getreten.

Sobald aber erst das bewußtheitlich organische Leben erreicht ist, wird die Abtragung und Resorbtion immer auffallender! So sind die Urwürmer, Urfische, Uramphibien, ist die Echsenwelt heute so gut wie gänzlich ausgestorben, abgetragen, resorbiert. Noch auffallender wird dann die Erscheinung in der Welt des höheren Bewußtseins. Am allerauffallendsten aber im Bereich der höheren Säugetiere und menschlicher Gattung! Wieviel Arten und Rassen sind nicht seit der Urzeit vergangen und entstanden und welche ungeheueren, rastlosen Verschiebungen, Resorbtionen und Neuentwicklungen haben sich nicht im Zeitraum der Historie vollzogen! -- Ziehen wir nun noch einmal den sehr eingeschränkten Spielraum in Betracht, der dem höher- und höchstbewußtlichen Leben ein für allemal und immanent absolut eignet, ziehen wir ferner in Betracht, daß ja nichts anderes als die jeweilig dominierende vorgeschrittenste organische Formation oder Gattung selbst es ist, die sich in die nächsthöhere und neueste durch Weiterzeugung transformiert, und daß ein und der gleiche organisch-bewußtheitliche Bestand selbst es ist, der sich in immer höhere Stufen weiterzeugt; erwägen wir schließlich, daß jede Transformation nicht anders sich vollzieht als durch ein motorisches Individuum und seine Elite, so ist mit all diesen Momenten endgültig die persönliche Identität eines jeden motorischen Individuums mit allen und dem ersten, dem Urahn-Paar, gegeben! Damit ist aber die persönliche Unsterblichkeit eines jeden einzelnen Menschen ein für allemal exakt ermittelt und sichergestellt! Und zugleich die Unsterblichkeitslehren der Religionen! Dies alles aber schließt wieder ein, daß nicht nur die organisch-bewußtheitlichen Formen des motorischen Individuums und seiner Elite in der Identität eines und des gleichen Paar-Individuums stehen, sondern auch jene Formen, welche die Hauptstadien der anorganischen Entwicklung vom zentralen Uratom und seiner Atomenelite ab bewerkstelligten und eine aus der anderen hervor entfalteten! So daß also das menschliche Urahnen-Paar zugleich vollständig persönlich identisch ist mit dem zentralen Uratom, einem ersten substanziellen Verdichtungsansatz beim Entstehen des Urelementes usf. Was aber das noch heute bestehende rotierende zentrale Uratom anbetrifft, so ist zu sagen, daß es nicht nur das motorische Individuum selbst, sondern zugleich auch, indem es vormals ganz und gar dieses Individuum persönlich war, eine _Form_ desselben war. Als solche _Form_ wurde es statisch festgehalten, auch als das motorische Individuum weitergerückt und Urelement geworden war, und als solche _Form_ und _Funktion_ desselben funktioniert es auch heute noch und weiter. Das motorische Individuum _selbst_ aber befindet sich stets in der vorgerücktesten und höchsten Form der Entwicklung; alles was es hinter sich gelassen hat, besteht als sein Sediment und Fundament weiter und hat eine Repräsentanz des motorischen Individuums; im übrigen aber ist zu sagen, daß aller Bestand der Entwicklung sich stets nur im motorischen Individuum selbst polar verknüpft, und daß nichts anderes als dieses der Schwerpunkt der ganzen Entwicklung des absoluten Individuums ist!

Da sich nun aber das absolute Individuum und das motorische Individuum absolut nicht anders bestimmen kann, als nach der Form seiner höchsten Bewußtheitlichkeit, so hat sich durch die ganze Entwicklung hindurch vom einpolaren Zustand ∞ ab schlechterdings nichts anderes entwickelt als diese Form. -- Ich habe in meinem früher erwähnten Buche »Das absolute Individuum und die Vollendung der Religion« nachgewiesen, daß diese höchste bewußtheitliche Form keine andere ist, als der Mensch. So daß also absolutes und motorisches Individuum sich endgültig und exakt bestimmt als Individuum Mensch!

So entwickelt sich denn ewig nur ein und das gleiche Individuum, nämlich das _absolute_ in Gestalt eines _motorischen Individuums_ und einer Elite desselben weiter; und somit entfaltet sich auch nur _eine_ Gattung, als und durch _eine_ Art, _eine_ Rasse und _eine_ Familie! Nur daß sie ihre überwundenen Stufen und Ausgliederungen statisch als solche festhält oder, im höher und höchstentwickelten bewußtheitlichen Leben, resorbiert, was gleichbedeutend ist mit organischer Neu-, Weiter- und Wiedergeburt!

Im übrigen wird sich das motorische Paar-Individuum _persönlich_ und selbst, als solches, immer da finden und wiedergebären, wo eine _Hauptphase_ der Entfaltung erzeugt wird und sich konstituierte (im übrigen natürlich _wiedererreicht_ wird, denn sie ist ja mit dem absoluten Individuum und all seinem Bestand und Umfang ewig und absolut an ihrer Stelle. Auch wenn sie mit allem anderen im Nu des einpolar neutralen Zustandes ∞ latent ist!). Es wird sich aber auch wiedergebären da, wo es darauf ankommt, die Hauptphasen einer bestimmten neuen Form und Gattung zu entfalten. Also wird das motorische Individuum mit seiner Elite sicherlich jeweilig z. B. jene Rasse erzeugt haben, welche der Grundstock einer der großen menschlichen Hauptkulturen war! So daß also den Göttern gewisser großer menschlicher Hauptreligionen ohne jeden Zweifel jedesmal eine menschlich persönliche Form des motorischen Individuums und seiner Elite entsprochen hat! -- Z. B. steht es über jedem Zweifel, daß ein menschliches Paar einst gelebt hat, dem die mythischen Vorstellungen von Osiris und Isis oder Odhin und Frigga entsprechen!

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Wir sehen also, daß, wenn sich die gegenwärtige Krisis der exakten Wissenschaft dahin löst, daß die Wissenschaft die notwendigen und sich von selbst ergebenden Konsequenzen aus den beiden endgültig exakt von ihr ausgemachten Tatsachen der Entwicklung und der Einheit und Ewigkeit von Kraft und Polarität zieht, wie das nur ganz unerläßlich und unausweichlich ist, nicht nur die Wissenschaft selbst erst _wirklich_ exakt wird und ihre Disziplinen endgültig ausbauen kann, sondern daß sich, was noch ungleich wichtiger ist, auch die gegenwärtige, so überaus brennende und bedenkliche _religiöse_ Krisis lösen kann! Dies kann aber nur dadurch und in dem Sinne geschehen, daß Hauptprämisse und Grundtatsache der Religion, wie sie von allem Uranfang an durch im wesentlichsten Betracht unerschütterliche Tradition bis hierher sich erhalten hat, in ihrer absoluten Gültigkeit endgültig von der Wissenschaft in dem Sinne bestätigt wird, wie es in diesem unseren Zusammenhange geschehen ist, der die _endgültige exakteste_ Bestätigung der religiösen Haupttatsache geleistet hat!

Im näheren Betracht aber kann die Lösung der religiösen Krisis nur erreicht werden in Gestalt einer Lösung des christlichen Problemes!

Diese Lösung kann uns indessen nicht mehr schwer fallen.

Denn offenbar hat der Christus eine Hauptfunktion der Entwicklung geübt, nämlich er hat im Prinzip menschliche Gattung als solche zu ihrem umfassendsten Abschluß gebracht. Wir wissen aber, daß dies eine Funktion ist, die nur das motorische Individuum selbst und persönlich leistet. Also ist Christus, ist Jesus von Nazareth das motorische Individuum selbst gewesen! Und also hat das Dogma der christlichen Religion, welches ausspricht, daß Jesus »Gottes eingeborener Sohn« und Gott selbst in organisch-menschlicher Erscheinung ist, vollständig recht! Denn diese Fassung des Dogmas kann nichts anderes bedeuten, als daß Jesus von Nazareth, der »Christus«, die organische Erscheinung des absoluten Individuums (der »Vater«), das motorische Individuum (der »Sohn«) ist!

Wir werden, da ja das motorische Individuum Paar-Individuum ist, nach der weiblichen Ergänzung Jesu fragen? Aber es kann gar kein Zweifel bestehen, daß diese vorhanden gewesen ist! Wenn sie aber nicht als sein _Weib_, d. h. als seine _gattlich_ zeugerische und gebärende Ergänzung vorhanden war, so kann das seinen Grund einzig darin haben, daß das motorische Individuum, wenn es eine organische Form, die ihre äußerste Entwicklungsmöglichkeit erreicht hat, zunächst als solche _abschließt_, nicht seine Funktion als patriarchalischer Erzeuger einer neuen Gattung übt! -- Aber es ist gesagt worden, daß der Christus wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Da das aber nur heißen kann, daß das motorische Individuum, Gott selbst als organisches Individuum, wiederkommen wird, und da es ferner nur heißen kann, daß, da menschliche Gattung alsdann durch das fortwirkende Prinzip des Christus wirklich vollkommen fertig geworden ist, eine _neue_ organische Form erzeugt wird, so wird der »Christus«, d. h. das motorische Individuum, wenn es einst persönlich wieder da sein wird, durchaus seine patriarchalische zeugerische Funktion üben. Mag sein, daß alsdann »die Toten« aller überwundene menschliche Bestand bedeutet und »die Lebendigen« die neuwerdende Gattung; denn »lebendig« im polar-zentralen Sinne ist ja stets nur die organische Form, in welcher das motorische Paar persönlich vorhanden ist und zeugend wirkt oder weiter wirkt. (Die »Himmel«- und »Hölle«-Vorstellungen der christlichen _Mythe_ werden also in ihrer _Wirklichkeit_ nicht gar so entsetzlich sein, denn ein _ewiger_ »Himmel« und eine _ewige_ Seligkeit, wie sie die christliche _Mythe_ sich vorgestellt, ist gewiß auf die Dauer kaum weniger fürchterlich als eine ewige »Hölle« und »Höllenstrafe«. Aber die große religiöse Grundtatsache hat neben allem anderen wohl auch stets so ihren »Witz«, der ganz gewiß auch seinen praktischen Wert haben wird.)

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Man könnte nun aber fragen, ob es sich wirklich auch diesmal um die Erzeugung einer wesentlich neuen und höheren organischen _Gattung_ handeln wird? Ob also wirklich der heute so viel herumspukende »Übermensch« eines Tages vorhanden sein wird?

Die Frage wäre nicht ohne Sinn und Berechtigung. Denn es ist zu bedenken, daß ja die Entwicklung und auch die des Bewußtseins einmal ein Ende nimmt, daß eine wirklich _höchst_bewußtheitliche organische Gattung eines Tages die _letzte_ und daß der Abschluß derselben der _letzte_ Abschluß sein wird, den das motorische Individuum vollzieht.

Es ist nun sehr bezeichnend, daß die deutsche Metaphysik in ihren äußersten Ausläufern so viel vom »letzten Ende«, vom »Unbewußten« gehandelt hat. Sehr schön ist z. B. auch gelegentlich einmal von Friedrich Schlegel Novalis gegenüber die christliche Religion die »des Todes« genannt und Novalis als Jemand bezeichnet worden, der »Sinn für den Tod« hat.

Da nun aber, wie ich in meinem erwähnten Buche nachgewiesen habe, menschliche Gattung wirklich die höchste Bewußtseinsstufe des absoluten Individuums bedeutet, so ist sie auch wirklich die _letzte_ Stufe und Gattung der Entfaltung des absoluten und motorischen Individuums und wird sich eine wesentlich neue und höhere über sie hinaus _nicht_ mehr auswirken. Hat also das motorische Individuum in Gestalt und Person Jesu des Christus menschliche Gattung zu ihrem Abschluß gebracht, so hat es, hat Jesus von Nazareth die absolute Entwicklung selbst zu ihrem Abschluß gebracht!

Man wird nun freilich einwenden wollen, daß der Mensch, dessen Weisheit und Bewußtheitlichkeit doch nachgewiesenermaßen so gar sehr »Bruchstück« gewesen ist, unmöglich die höchste Stufe absoluter Bewußtheitlichkeit bedeuten könne. Dennoch verhält sich das so! Es ist nämlich zu bedenken, daß die Menschheit je und je das absolute Wissen von der religiösen Grundtatsache gehabt hat. Nur seine höchste _Form_ hatte dieses Wissen bis daher noch nicht erreicht. Immer wieder traten Decadenceperioden ein, in denen eine Form dieses Wissens nicht mehr genügte und Wissen selber an seinem unveräußerlichen absoluten Gegenstand irre wurde. Dennoch restituierte sich die religiöse Grundtatsache und absolutes Wissen in einer höheren Form immer wieder und wieder und von neuem. So daß schlechterdings ausgesagt werden muß, daß die Entwicklung dieses Wissens in einem absoluten kontinuierlich aufsteigenden Zusammenhang vor sich ging. Da dieses absolute bewußtheitliche Wissen von der religiösen Grundtatsache ehemals aber überhaupt von dem _Menschen_, dem Urmenschen, zum ersten Mal erreicht wurde, und da der Mensch es bis daher beharrlich weiter entwickelt hat, so muß es denn auch unfehlbar zu seiner höchsten, exaktesten, endgültigsten Form gelangen!

Nun, wir haben uns aber selbst unseren ganzen Zusammenhang hindurch überzeugt, daß die exakte Wissenschaft, die die letzten und unvermeidlichsten Konsequenzen ihrer beiden Hauptausmachungen, der Tatsache der Entwicklung und der ewigen einheitlichen Kraft und Polarität vollzog, wirklich diese höchste und endgültigste Form religiösen Wissens -- und Wissen ist _nur_ religiöses Wissen! -- erreicht hat! -- Also ist absolutes und motorisches Individuum im Menschen zu seiner höchsten gattlich-organischen Form und Selbsterfassung gelangt! Und also ist menschliche Gattung der Abschluß der Entfaltung, die von ihr an nur mehr noch die Wendung zum Unterbewußtsein und zum einpolar neutralen Urzustand ∞ hin nehmen kann!

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Bedenken wir, daß der Christus bis heute und dieser Form höchsten und endgültigsten Wissens her an der Vollendung der Menschheit gewirkt hat! Tritt nun dieses heute erreichte Wissen, wie es gar nicht anders sein kann, endgültig in Kraft, so kann das schlechterdings nichts anderes bedeuten, als daß die Menschheit und menschliche Gattung endlich in ihre _Höhenperiode_ eingetreten ist, wo ihr die höchsten und letzten Lebenserfüllungen reifen müssen! Und dies ist der Blick in die jetzt bevorstehende Zukunft! -- Sie wird die letzte und umfassendste _Einheit_ der Menschheit erleben und die höchsten Triumphe menschlichen Geistes, menschlichen Gattungsgefühles und menschlicher Kultur! -- Sie kann nur die Periode eines allgemeinen großen Welt- und Menschheitsfriedens, eine Periode der _Freude_ und eines großen _Weltfeierabends_ sein! -- In ihr werden sich die gegenwärtigen Rassenbestände der Menschheit ausleben, bis zu einer Grenze hin, wo höchste Bewußtheitlichkeit anfängt sich in eine _unbewußtere_ physiologische Sensibilität umzuwandeln. Das wird der Zeitpunkt einer endgültigen, letzten menschheitlichen Decadence bedeuten, und in dieser Zeit wird das motorische Individuum (»Wiederkunft des Christus«) wiedererscheinen, um aus menschlicher Gattung hervor eine Abart organisch auszulösen und zu konstituieren, bei welcher sich die Umwandlung höchster Bewußtheitlichkeit in eine überaus verfeinerte, neue physiologische Sensibilität endgültig vollzogen haben wird, welche Sensibilität alsdann im weiteren Verlauf zum völligen Erlöschen des Bewußtseins führen wird. -- Die Erde alsdann aber alt geworden, wird ihr altes organisches Leben immer mehr eingezogen haben. (Man bedenke hier nur das zunehmende Aussterben der wilden Tiere, das befremdliche Aussterben in der Vogelwelt, das heutzutage festzustellen ist!) Nur ganz unterbewußte Überbleibsel der alten organischen Wesensreihen werden noch vorhanden sein, und soweit sie noch den letzten Untergang des Kosmos -- der sich durch umfassendste Einziehung einheitlicher Polarität vollziehen wird -- erleben, werden sie nichts von ihm wissen und fühlen!

Es wird also dem motorischen Individuum und seiner Elite diesmal nichts weiteres mehr übrig sein, als den Übergang des bewußtheitlichen Lebens in das Unterbewußtsein zeugerisch zu vollziehen. Und es wird nichts weiter mehr zu tun haben, als das Grausen einer allgemeinen Katastrophe auf solche Weise zu verhüten, das für jedes bewußtheitliche Wesen unausdenkbar fürchterlich sein müßte!

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Aber kehren wir wieder zu unserem eigentlicheren Zusammenhange, zur Lösung der gegenwärtigen religiösen Krisis, zurück. Man ist neuerdings geneigt zu meinen, es werde eine wesentlich neue Religionsform aus ihr hervorgehen und die christliche ersetzen. Man wird aber jetzt erkennen, daß das gänzlich ausgeschlossen ist.

Religionsform bedingt sich durch Bewußtheitlichkeit und durch bewußtheitlich-intellektuale Formulierung; da wir nun aber sahen, daß der Christus im Prinzip die höchste religiöse Stufe ausgelöst hat, so kann eine noch vollkommnere Religionsform, als die von ihm geschaffene nicht mehr möglich sein!

Es ist denn auch nur zu kennzeichnend, daß alle neusten, monistischen Versuche, zu einer neuen Religionsform zu gelangen, nichts sind als, leider aber nur zu vage, Versuche zu einem weiteren Ausbau des christlichen Prinzips!

Ist aber eine wesentlich neue Religionsform über die christliche hinaus nicht mehr möglich und denkbar, so wird allerdings nur noch eins übrig bleiben: nämlich der letzte Ausbau der christlichen Religionsform!

Wie aber wird er sich einzig vollziehen können?

Durch Anwendung der Ausmachungen über die religiöse Grundtatsache, die wir hier geboten haben!

Nach deren endgültigem und exaktem Maßgabe aber bleibt vor allem die Tatsache bestehen, daß Christus »Gottes Sohn« und Gott selbst »ins Fleisch geboren«, d. h. als menschlich organisches Individuum ist. (Was der »Monismus« von heute nicht mehr Wort haben wollte!). Ferner bleibt die Heiligkeit und Göttlichkeit seiner nächsten Elite bestehen. (Apostel und eine gewisse Anzahl von männlichen und weiblichen Märtyrern und sonstigen seitherigen großen Auswirkern christlicher Religiosität.) Auch die Vorstellung des Erlösungs- und Heilandswerkes bleibt bestehen. Denn Christus erlöste die Menschheit insofern, als er sie vollendete und einte, und damit im Prinzip den unsäglichen menschlichen Bruderzwisten der Historie ein Ende setzte.

Freilich aber wird verschiedenes aus dem Apostolikum ausgeschieden werden müssen, was veraltete _ethnische_ Vorstellungsform ist. Doch nicht die Form einer _Kirche_ selbst! Diese noch nicht! Da sie sich durchaus bedingt durch die sonstige staatliche Form der Sozietät, die zwar in Zukunft mehr und mehr ihre schroffen nationalen Gegensätze verlieren, als solche aber noch lange nicht aufhören wird.

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Das alles schließt ein, daß zunächst die katholische Form, in ihren Hauptdogmen endgültig gekräftigt, ihre Bestätigung empfängt. Es ist eigentlich ihr Vorteil, daß sie die Göttlichkeit des Christus und der Heiligen am konsequentesten festgehalten hat. -- Man mißverstehe mich aber nicht: ich habe durchaus keine Restituierung eines eigentlichen Heiligen_kultus_ nun auch für den Protestantismus im Sinn! Überhaupt wird sicherlich ein _Kult_ im antiken, ethnischen Sinne immer mehr in Wegfall kommen. Er wird durch eine gemeinsame religiöse Andacht und Versenkung ersetzt werden, die ja eigentlich nichts anderes sein kann als eine Selbstversenkung des weiteren organisch sozietären Bestandes des motorischen Individuums in dieses selbst (Verhältnis der Gemeinde zu Christus, ihrem Haupt) und damit in das absolute Individuum, in Gott, aus welcher Versenkung je und je und nach wie vor alle sozietäre Bestätigung und Kraft sich ergeben muß.

Obgleich nun aber die katholische Kirche die religiöse Grundtatsache am treusten festgehalten hat, und der Protestantismus ihr gegenüber nachgerade fast bis zum Unmöglichen _lau_ geworden ist -- so bleibt der Katholizismus dennoch eine _überwundene_ Form der christlichen Religion. Und zwar wegen ihrer allzuvielen ethnischen Bestandteile.

Ich weiß nicht, wieviel der Modernismus davon in Zukunft wird beseitigen können: ganz frei von ihnen wird der Katholizismus nicht zu bekommen sein. Umsoweniger, als sich sein ethnischer Charakter ja lediglich durch die Bekräftigung der Hauptdogmen auch seinerseits bekräftigen muß! Denn diese Bekräftigung erstreckt sich ja überhaupt auf _jede_ menschliche Religions- und Kultform _deren ganzem Umfang_ nach. Da im übrigen jede Religionsform naturgemäß auf das engste dem sozialen, oder dem Rassebestand entspricht, der sie hervorbrachte oder der sich ihr anpaßte, so wird es alles in allem so stehen, daß die katholische Konfession sich mit den Rassenbeständen, denen sie entspricht, ruhig ausleben wird. --

Was die protestantische Konfession anbetrifft, so wird sie vor allem zu beachten haben, daß das Dogma von der Einheit Christi mit Gott endgültig fest bleibt, und daß dies gleichbedeutend damit ist, daß Jesus von Nazareth wirklich gelebt hat und der Christus gewesen ist! (Unsere heutigen Drews, die das in Abrede stellen wollen und eine gewisse radikale Richtung der liberalen Theologie stehen vollständig und ein für allemal im Unrecht!) Im übrigen aber wird sich der Protestantismus durch eine neue und endgültige Reformation von seinen letzten ethnischen Bestandteilen befreien. Und außerdem wird sein Gottesdienst immer mehr und endgültig den Charakter eines _Kultus_ verlieren, statt dessen wird er jenen Charakter der Selbstversenkung der Gemeinde in das Wesen des Urhebers christlicher Religion und christlichen Prinzipes und damit in Gott, d. h. das absolute Individuum, annehmen, das vorhin angedeutet wurde. -- Mit dieser Reformation des vorgeschrittensten christlichen Bekenntnisses wird christliche Religionsform zu ihrer letzten und endgültigen Vollendung gelangen. Sie wird die Religion der menschlichen Rassen sein, welche die Träger der künftigen Menschheitskultur sein werden.

Alle weitere Entwicklung von Religion kann nur jener dereinstigen über die heutigen menschlichen Rassen hinausgehenden Rasse entgegenführen, in deren Bezirk einstmals in einer noch fernen Zukunft das motorische Individuum entstehen wird, um die Entwicklung der Menschheit zeugerisch dem Unterbewußtsein entgegenzuführen. Diese Endgattung aller Entwicklung aber wird nicht mehr in solchen sozialen Formen leben, wie wir, sie wird die Begriffe eines Staates, einer Kirche und einer intellektuell fixierten Religionsform und Konfession nicht mehr kennen und bedürfen!

Aber das geht die Lösung der gegenwärtigen religiösen Krisis nichts an. Genug, daß wir unter allen Umständen um die einstmalige Existenz von Jesus und seiner Eigenschaft als Gottes wahrer und eingeborener Sohn endgültig nicht herumkönnen. --