Part 6
Ich besuchte mehrere Familien und fand überall freundliche Aufnahme. Die Häuser waren von Brettern (casas de tabla), ruheten auf Pfählen, fünf Fuss über dem Boden, und bestanden aus einem geräumigen Wohnzimmer, an welches auf einer Seite die Küche, auf der andern ein offner Raum, die Azotéa (s. S. 20) stösst; ein hohes luftiges Dach von Palmenblättern erhob sich darüber, der Eingang war von der Azotéa, die fast zur Hälfte vom Dach überragt wird. Der Fussboden bestand aus zollbreiten Holzlatten mit halb so breiten Zwischenräumen. Stühle, Tische und Bänke, ein Schrank und verschiedene kleine Luxusgegenstände, Spiegel, eingerahmte getuschte Lithographien waren vorhanden. Die Sauberkeit der Häuser sowohl als der Zustand der Möbel zeugten von Ordnung und Wohlstand.
Fast in jedem Hause fand ich Frauen mit Weben von Tápis beschäftigt, die auf dem Markt von Manila den besten Ruf haben. Es sind schmale, sehr dicht gewebte 6 Varas lange Seidenzeuge in dunkelbraunen Farben mit schrägen weissen Streifen. Sie werden über dem Sarong getragen. (Vergl. S. 24).
Besonders berühmt ist Balívag aber wegen seiner Zigarrentaschen Petáca, [67] die alle andern an Feinheit übertreffen. Sie bestehen nicht aus Stroh, sondern aus feinen Streifen spanischen Rohres, und zwar aus dem untern Ende der Blattstiele einer Calamusart, die angeblich nur in der Provinz Neu-Écija wächst. Ein Bündel von hundert ausgesuchten 2 Fuss langen fingerdicken Stöcken kostet bis 6 r. Nachdem diese Stöcke vier bis fünf mal der Länge nach gespalten, entfernt man das innere Holz, so dass nur die äussere Haut übrig bleibt; die so erhaltenen dünnen Streifen werden dann aus freier Hand zwischen einem convexen Porzellanscherben und einem schräg dagegen gestellten Messer durchgezogen, und schliesslich noch durch zwei schräg gegen einander stehende Stahlklingen. Die Arbeit verlangt viel Geduld und Uebung; bei der ersten Handhabung zerbricht durchschnittlich die Hälfte der Fäden, bei der zweiten gewöhnlich mehr als die Hälfte, so dass kaum 20% übrig bleiben. Für sehr feine Geflechte ist das Verhältniss noch weit ungünstiger. Das Flechten geschieht über hölzerne Walzen. Eine Tasche von mittlerer Feinheit, die an Ort und Stelle 2 Doll. kostet, kann bei ununterbrochener Arbeit in sechs Tagen vollendet werden. Ausnahmsweise feine, auf besondere Bestellung für Kenner angefertigt, werden mit 50 Doll. und mehr bezahlt.
Von Balívag den Quíngoa aufwärts verfolgend, kommt man an vielen Steinbrüchen vorbei, wo in Bänke gesonderter vulkanischer Tuff zu Bausteinen ausgebeutet wird. Die mit hohen stacheligen Bambusen besetzten Ufer waren 10 bis 12 Fuss hoch. In der Regenzeit tritt der Fluss aus und überschwemmt weithin die Ebene, daher die vielen Klappen grosser Süsswassermuscheln (Corbicula sp.) in der den Tuff überlagernden Dammerde. Bei Tobóg, einer Visíta, halbwegs zwischen Balívag und Angat, zeigen sich die ersten Hügel. Ihre flachen Abhänge sind wie in Java terrassenförmig als Rieselfelder zum Reisbau eingerichtet. Ausser bei Lúcban habe ich dergleichen Sawas in den Philippinen nicht wahrgenommen. Viele kleine Zuckerfelder, deren Produkt aber von den Eigenthümern noch recht ungeschickt verwerthet wird, zeigen, dass die Vorbedingungen zum schwunghaften Betriebe des Ackerbaus vorhanden sind. Streckenweis sind Schattendächer über die Strasse gebaut mit Bänken zum Rasten; ich habe sie nur in dieser Provinz gefunden. Man könnte sich in einem der dichtbevölkerten, ertragreichsten Bezirke Java's glauben.
Die Nacht brachte ich in einem Convento zu (so heissen in den Philippinen die Wohnhäuser der Pfarrer). Es war äussert schmutzig, der Geistliche, ein Augustiner, voll Bekehrungsgelüste. Ich hatte ein langes geographisches Verhör zu bestehn über den Unterschied zwischen Prusia und Rusia, ob das grosse Norimbergo die Hauptstadt des Granducado oder des Imperio de Rusia sei? erfuhr dass die Engländer auf dem Punkte stünden in den Schooss der christlichen Kirche zurückzukehren, die »Andern« dann auch wohl bald nachfolgen würden, und wurde trotz angelegentlicher Empfehlung des Pfarrers Llanos recht schlecht aufgenommen. Später bin ich noch einmal zwei jungen Kapuzinern in die Hände gefallen, die Bekehrungsübungen an mir vornahmen, mich aber, abgesehn von dieser kleinen Zudringlichkeit, auf's beste behandelten und verpflegten. Es gab sogar in Wasser gesottene Gänseleberpastete, die ich an den fettumflossenen Trüffeln schnell erkannte. Zur Strafe für ihre Zudringlichkeit enthüllte ich meinen Wirthen nicht die richtige Gebrauchsanweisung, kaufte ihnen die noch übrigen Blechbüchsen ab, und hatte später das Vergnügen im Urwald Gänseleberpastete zu essen. Dies sind die beiden einzigen Fälle, wo ich in solcher Weise belästigt worden, bei einem Aufenthalt von mehr als anderthalb Jahren.
Der mit einem Pass versehene Reisende ist übrigens durchaus nicht auf die Gastfreundschaft der Pfarrer angewiesen, wie in manchen abgelegeneren Gegenden Europa's. Jede Ortschaft, jedes Oertchen, hat sein Gemeindehaus, Casa real oder Tribunal genannt, in welchem er wohnen kann und Lebensmittel zum Marktpreis geliefert bekommt, ein Umstand, der mir bei meinem ersten Ausflüge nicht bekannt war. Der Reisende ist also in dieser Beziehung völlig unabhängig, wenigstens in der Theorie; in der Praxis wird er freilich oftmals nicht umhin können, in den abgelegneren Provinzen, im Convento zu wohnen, denn der Pater, vielleicht der einzige Weisse auf viele Meilen in der Runde, lässt sich schwerlich die Gelegenheit entgehn, einen seltenen Gast einzufangen, ihm das beste Zimmer im Hause zu geben, und alles aufzubieten, was Küche und Keller zu leisten vermögen. Alles wird mit so aufrichtiger unverhohlener Freude über den Besuch dargeboten, dass der Gast durchaus nicht das Gefühl hat, als würde er verpflichtet, sondern umgekehrt die Ueberzeugung gewinnt, dass er seinem Gastfreunde Vergnügen macht, wenn er seinen Besuch verlängert. Einmal, als ich trotz der erhaltenen Einladung des Padre Cura darauf bestand, in's Tribunal zu gehn, und mich darin eben niedergelassen hatte, erschien alsbald der Pater mit den Ortsbehörden und dem Musikchor, die wegen der Vorbereitung zu einem Kirchenfeste im Convento zufällig anwesend waren, liess mich auf meinem Stuhle sitzend aufheben und mit Musik und allgemeinem Jubel in sein Haus tragen.
Am folgenden Tage besuchte ich eine NNO. von Angat gelegene Eisenhütte Kúpang, von zwei mir aufgenöthigten Bewaffneten begleitet, da die Gegend wegen Räubereien übel berüchtigt war. Nach einer Stunde in nördlicher Richtung durchfurtheten wir den Banávon, damals ein schmaler Bach, zwischen vorwiegend plutonischem Gerölle fliessend, in der Regenzeit ein mehrere hundert Fuss breiter Strom, und erreichten nach zwei Stunden die Eisenhütte, einen mitten im Walde gelegenen grossen Schuppen, mit einem Hängeboden an einem Ende, der dem Unternehmer, einem vor Jahren in Sámar gestrandeten Engländer, und seiner Frau, einer hübschen Mestizin, zur Wohnung diente. Legte ich mein Taschentuch, ein Bleistift oder sonst einen Gegenstand aus der Hand, so wurde er sofort von der Frau eingeschlossen, um ihn vor der Diebeswuth ihrer Diener zu schützen. Die armen Leute, deren Unternehmung keinen Erfolg versprach, mussten ein trauriges Leben führen. Zwei Jahre zuvor drangen 27 Räuber ein, plünderten alles und warfen die Frau, die mit einer Magd allein im Hause war, zum Fenster hinaus; sie kam ohne erhebliche Beschädigung davon, die Magd aber, die vor Angst aus dem Fenster sprang, starb an den erlittenen Verletzungen. Ohne Mühe gelang es die Räuber, Bergleute und Bewohner von Angat, einzufangen, sie sassen damals bereits 2 Jahre in Untersuchungshaft.
Ich traf hier eine Negritofamilie, die mit den Leuten der Eisenhütte in freundlichem Verkehr stand, und Nahrungsmittel gegen Waldprodukte eintauschte. Der Mann begleitete mich auf die Jagd mit einem Bogen und zwei Pfeilen bewaffnet, die Pfeile hatten zwei Zoll lange, lanzenartig geformte eiserne Spitzen, deren eine mit Pfeilgift, einem schwarzen Harz dick bestrichen war. Die Frauen nahmen Guitarren (tabaua) mit, genau, wie die der Mintras auf der malayischen Halbinsel: fusslange Bambusrohre, an welchen Saiten aus gespaltenem Stuhlrohr aufgespannt waren. Auf nebenstehender Abbildung sind nicht diese Negritos, von denen ich nur unvollkommene Zeichnungen besitze, sondern weiter nördlich lebende, nach guten Photographien dargestellt.
Um auf der Rückreise nicht wieder in dem leidigen Convento zu übernachten, wo mein Diener mit meinen Sachen zurückgeblieben war, folgte ich dem Rath der freundlichen Leute, spät abzureiten und erst nach 10 Uhr dort einzutreffen. So konnte ich, da das Pfarrhaus um 10 Uhr verschlossen wird, ohne Anstoss bei einem ihnen befreundeten reichen Mestizen einkehren. Um halb eilf erreichte ich das gastliche Haus, und setzte mich zu den muntern Frauen, die gerade am Abendessen waren. Da erscheint plötzlich auf der Schwelle des Hinterzimmers mein Pfarrer nebst zwei andren Augustinern, die mit dem Hausherrn Karten gespielt hatten, und indem sie mich mitschleppten, mein Glück priesen: »denn wären Sie nur eine Minute später gekommen, so hätten Sie nicht mehr in das Convento gekonnt.«
SIEBENTES KAPITEL
PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. -- VULKAN MAJAIJAI. -- BÜFFELFAHRT.
Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68] Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je 5 r. zusammen 4 1/2 Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige), die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche Dörfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala.
Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35 Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna, Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote auf den Grund. [70] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen, einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken, die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert, deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt, da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.
Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug seiner hübschen Lage in der Nähe Manila's und den phantasiereichen Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt, auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden (1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf die gehoffte Prämie verzichten mussten.
Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.
NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee, Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines, aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit gestört wurde.
Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo, nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde (bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72]
Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga (Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften.
Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière, den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten »Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft gelebt hatten.
Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen, alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.
Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein.
Südwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrösse, erhebt sich ein kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft (in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstürzen die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wände ragen hundert Fuss über den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte läuft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hälften, die nördliche ist mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die südliche nimmt ein See ein, dessen Spiegel zum grössten Theil von Pistien bedeckt ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli.
Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurück die auf einer 2 Fuss mächtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrücke liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten nicht aus; sie sind aber alle ächt tropisch [73] und können nach Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehören, die noch heut an dieser Stelle wachsen.
SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg führt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett grosse vulkanische Blöcke.
Der erste See Maycap, völlig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine künstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand, der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Südspitze des S. Cristoval N. 73° O. Die gegen 80' hohen Wände erheben sich gen W. zu dem Hügel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen.
Daneben liegt ein andres Maar: Palákpakan, von ziemlich gleichem Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wände, 30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70° O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl Fischapparate ragen daraus hervor.
Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caláuan nach Píla, dann NO. nach Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lässt sie dann keine Früchte tragen, sondern fängt den aus der angeschnittenen Blüthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein Gährungsprodukt. [74] Da der Saft täglich zweimal gesammelt wird, und die Blüthen unter der Blätterkrone 40 bis 50' über der Erde sitzen, so sind in dieser Höhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf- und Abkletterns Bambusen paarweis übereinander von einer Palme zur andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich an der obern festhält.
Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafür zahlte, dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb.
Später traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5 r. gekauft, (gewöhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen für 2 r. zu haben). 35 Bäume geben im geringsten Falle täglich 36 Quart Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Gährung und Destillation 6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Stärke erzielt werden. Zur Bearbeitung genügt ein Mann, der für seine Leistungen die Hälfte des Ertrages erhält: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6 Cuartos. Der Kontrahent erhält also jährlich von 35 Bäumen, die im Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360 × 6/2 × 6 cuartos = 40 1/2 Doll., nützt also sein Anlagekapital fast zu 200%.
Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget für 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr schwierig und so unverhältnissmässig kostspielig, dass sie fast den ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte Beamte beeinträchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lähmte die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes, nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila die Pferde damit tränkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862), die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine nach der Grösse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten) eingeführt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen haben, ist übrigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist die Maassregel vom günstigsten Erfolge begleitet gewesen.
In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385 E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort (über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet, in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600') andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái, ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt.
Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war, begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih ziehende Gruppen. [76]