Reisen in den Philippinen

Part 5

Chapter 53,049 wordsPublic domain

Nach längerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, würdevollen, für ihre Ehre ängstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwürfigen Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um so greller. Er scheint eine natürliche Folge der oben skizzirten spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man ähnlichen Verhältnissen. Unter ihren einheimischen Häuptlingen mögen sich die Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben.

FÜNFTES KAPITEL

GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. -- VOLKSMENGE. -- SPRACHEN.

Die Umgebung Manila's, der Pásig und der See von Bay, die jeder Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf einige kurze Aufzeichnungen über diese Gegenden beschränken und nur über meine Reisen in den südöstlichen Provinzen Luzóns, Camarines und Albay und den östlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte ausführlicher berichten werde. Vorher dürfte es angemessen sein, durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen Verhältnisse zu verschaffen.

Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und trennt den nördlichen stillen Ozean von der China-See. Von den Sulu-Inseln im Süden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2° N., und wenn man die Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21° N. Aber weder im Süden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit bis an diese äussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht überall bis in das Innere der grössern Inseln erstreckt. Von Ost nach West nehmen die Philippinen 9 Längengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit 2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flächenraum sind zusammen grösser als alle übrigen. Dann folgen der Grösse nach sieben Inseln: Paláwan, Sámar, Panáy, Mindoro, Leyte, Negros, Cebú, deren erstere 250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojól, Masbáte, je halb so gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande, Felsen und Riffe. [64]

Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage und reiche Gliederung begünstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21° N., durch 16 Breitengrade gewährt ihm eine Mannichfaltigkeit des Klima's, welcher sich die niederländisch-indischen Besitzungen, deren Hauptstreichen west-östlich ist, während sie nur wenige Breitengrade zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrössert, so dass die Produkte der heissen und gemässigten Zone, die Palme und die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen.

Die grösseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden Buchten ausgedehnte Binnenseen und beträchtliche, auf weite Strecken schiffbare Flüsse; der Archipel ist reich an sicheren Häfen und unzähligen Zufluchtsorten für Schiffe; ein Umstand aber, der aus dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der glücklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose Zahl kleiner Flüsse, die von den Bergen herabströmen und sich, bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in denen Küstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge gelangen können um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist unübertrefflich, Salz- und Süsswasser wimmelt von Fischen und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch als an Grösse überragt Luzon alle übrigen Inseln an Bedeutung, und wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre natürliche Vorzüge die schönste der gesammten Tropenwelt sein.

Der Hauptkörper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter Masse als längliches, 25 Meilen breites Viereck von 18° 40' N. bis zur Bay von Manila (14° 30' N.) und sendet dann einen durch grosse Seen und tiefe Buchten zerrissenen Ausläufer nach Osten, der westlich und östlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale Bänder mit der Hauptmasse zusammenhängt. Manche Spuren rezenter Hebungen deuten an, dass beide Theile früher getrennt waren, zwei selbstständige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stück, fast so lang als das nördliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben, in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann, als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an der eben erwähnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge zusammenhängen. Zwei kleine Flüsschen, die in geringer Entfernung von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten münden, machen die Trennung fast vollständig und bilden zugleich die Grenze zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz Tayabas eingenommen. Die grössere östliche zerfällt in die Provinzen Nord-Camarines, Süd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwähnte Grenze von Tayábas, durch eine vom Südrande der Bucht von S. Miguél östl. zur Küste gezogene Linie von Süd-Camarines getrennt. Den Ostrand der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Süd-Camarines durch eine Linie geschieden, die von Donzól an der Südküste, nordwärts über den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordküste läuft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhältnisse klar machen.

In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden: eine trockene, eine nasse. Den, den Süd- und -Westwinden offen liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten die Regenzeit. An den Nord- und -Ostküsten fallen die reichlichsten Niederschläge in unseren Wintermonaten, während des NO.-Monsuns. Durch die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese allgemeinen Verhältnisse örtlich vielfach verändert. In Manila dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun), die Regenzeit während der übrigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten regnet es im September; März und April sind häufig regenlos, Oktober bis einschliesslich Februar kühl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde), März, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende September feucht und mässig warm.

Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein Auszug aus dem Jahresbericht für 1867 den ich Professor Dove's Güte verdanke. [65]

Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersäule betrug 1867: 755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.)

1867: Der Unterschied zwischen den äussersten Barometerständen überstieg nicht 13,96 Millimeter, und wäre viel geringer, hätten nicht Stürme im Juli und September die Quecksilbersäule so sehr herabgedrückt; die stündlichen Schwankungen betragen nur wenige Millimeter. --

Täglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frühe bis gegen 9 Uhr, fällt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr Abends, von wo an es bis zum Morgen fällt. Die beiden Hauptströmungen der Atmosphäre üben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers, die nördliche macht ihn steigen (Normalhöhe 756mm) die südliche fallen (Normalhöhe 753mm).

Temperatur. Die Wärme wächst von Januar bis Ende Mai, und nimmt dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27°.9 C. (0°.4 mehr als in den Vorjahren). -- Die beobachtete höchste Temperatur betrug 37°.7 C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19°.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6 Uhr Vm.) -- Unterschied: 18°.3 C.

Grösse der Thermometerschwankungen: Januar 13°.9. -- Februar 14°.2. -- März 15°. -- April 14°.6. -- Mai 11°.1. -- Juni 9°.9. -- Juli 9°. -- August 9°. -- September 10°. -- Oktober 11°.9. -- November 11°.8. -- Dezember 11°.7. Kühlste Monate: November, Dezember, Januar mit nördlichen Winden. -- Wärmste Monate: April und Mai. Ihre hohe Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nächsten, die Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen Niederschläge und trüben Luft. Täglicher Gang: am kühlsten ist es von 6 bis 7 Uhr Vm., die Wärme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen 2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Während einiger Stunden der Nacht bleibt die Temperatur fast unverändert, gegen Morgen fällt sie schnell.

Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmässig, wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verändern; im Zeitraum eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar herrschen Nordwinde, im März und April südöstliche Winde, im Mai, Juni, Juli, August, September südwestliche. Anfang Oktober schwanken sie zwischen Südost und Südwest, und befestigen sich gegen Ende des Monats in NO., wo sie während der beiden folgenden Monate ziemlich beständig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge geschützt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt; aus demselben Grunde bläst der SW. dort auch stärker.

Der Himmel ist gewöhnlich theilweise bedeckt, völlig heitere Tage sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor.

Regentage: 168. Am häufigsten und stärksten regnet es von Juni bis Ende Oktober; der Regen fällt dann in Strömen, im Sept. allein betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist mehr als das Mittel).

Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewöhnlichen Jahren ist die Verdampfung den Niederschlägen ziemlich gleich (im Laufe des Jahres nämlich, aber nicht in den einzelnen Monaten).

Die mittlere tägliche Verdunstung war etwa 6,3mm.

Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Stürmen begleitet, während eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37 bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls erwähnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.)

Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt, denen je ein Alcalde mayór 1., 2., 3. Klasse, oder de término, de ascénso, de entráda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft geändert.

Die Gesammtbevölkerung wird auf ungefähr 5 Millionen geschätzt.

Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit von Sprachen und Mundarten, von denen bisáya, tagálo, ilocáno, bícol, pagasinán, pampángo die verbreitetsten sind.

Insel Luzon.

============+=================+=========================================+=========+======= Rang des | | | | Verwaltungs-| | | | | Namen. | Herrschende Dialekte. | Seelen- |Pueblo. be- | be- | | | zahl. | amten|zirks.| | | | =====+======+=================+=========================================+=========+======= G. | P. | Ábra | ilocano | 34,337 | 5 A1. | P. | Albáy | bicol | 230,121 | 34 A2. | P. | Bataán | tagalo, pampango | 44,794 | 10 A1. | P. | Batángas | tagalo | 280,100 | | D. | Benguét | igorrote, ilocano pangasinan | 8465 | | D. | Bóntoc | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt | 7052 | A1. | P. | Bulacán | tagalo | 240,341 | 23 A1. | P. | Cagayán | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,| | | | | dadaya, apayao, malaneg | 64,437 | 16 A2. | P. | Camarínes Norte | tagalo, bicol | 26,372 | 7 A2(?)| P. | Camarínes Sur | bicol | 81,047 | 31 A3. | P. | Cavíte | spanisch, tagalo | 109,501 | 17 A1. | P. | Ilócos Norte | ilocano, tinguian | 134,767 | 12 A1. | P. | Ilócos Sur | ilocano | 105,251 | 18 C. | D. | Infánta | tagalo | 7813 | 2 G. | P. | Isabéla | ibanag, gaddan, tagalo | 29,200 | 9 A1. | P. | Lagúna | tagalo, spanisch | 121,251 | 26 | D. | Lepánto | igorrote, ilocano | 8851 | 48 3A1. | P. | Manila | tagalo, spanisch, chinesisch | 323,683 | 28 C. | D. | Moróng | tagalo | 44,239 | 12 A2. | P. | Nueva Écija | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano | 84,520 | 12 A3. | P. | Nueva Vizcáya | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote | 32,961 | 8 A1. | P. | Pampánga | pampango, ilocano | 193,423 | 24 A1. | P. | Pangasinán | pangasinan, ilocano | 263,472 | 26 | D. | Pórac | pampango | 6950 | 1 C. | D. | Príncipe | tagalo, ilocano, ilongote | 3609 | 3 | D. | Sáltan | gaddan | 6640 | A2. | P. | Tayábas | tagalo, bicol | 93,918 | 17 | D. | Tíagan | verschiedene igorroten Dialekte | 5723 | G. | P. | Unión | ilocano | 88,024 | 11 A2. | P. | Zambáles | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, | | | | | pangasinan | 72,936 | 16

Inseln zwischen Luzon und Mindanao.

G a3.| P. | Antíque (Panay) | bisaya | 88,874 | 13 G a3.| P. | Bojól | bisaya | 187,327 | 2 C. | | Burías | bicol | 1786 | 1 G a3.| P. | Cápiz (Panay) | bisaya | 206,288 | 26 G a2.| P. | Cebú | bisaya | 318,715 | 44 G a3 | P. | Iloílo (Panay) | bisaya | 565,500 | 35 G a3.| P. | Leíte | bisaya | 170,591 | 28 | D. | Masbáte, Ticao. | bisaya | 12,457 | 9 A2. | P. | Mindóro | tagalo | 23,054 | 10 G a3.| P. | Négros | cebuano, panayano, bisaya | 144,923 | 31 | D. | Romblón | bisaya | 21,579 | 4 G a3.| P. | Sámar | bisaya | 146,539 | 28

Mindanao.

| D. | Cotabatú | spanisch, manobo | 1103 | 1 G a3.| D. | Misámis j | bisaya | 63,639 | 14 G a3.| D. | Surigáo j | | 24,104 | 12 | D. | Zamboánga j | mandaya, spanisch | 9608 | 2 G a3.| | | | | | D. | Daváo | bisaya | 1537 |

Fernere Inseln.

G a3.| P. | Batánes | ibanag | 8381 | 6 G a3.| P. | Calamiánes | coyuvo, agutaino calamiano | 17,703 | 5 G. | P. | (Mariánas) | chamorro, carolino | 5940 | 6 =====+======+=================+=========================================+=========+=======

Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem kürzlich erschienenen kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretärs der Philippinen entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfügung stand, darf obigen Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in Europa keine Vorstellung hat.

Beispielsweise führt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054; Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen.

SECHSTES KAPITEL

REISE IN BULACAN. -- HÄUFIGE FEUERSBRÜNSTE. -- FRUCHTBARKEIT. -- FISCHFANG. -- ZIGARRENTASCHEN. -- SPANISCHE PRIESTER. -- GASTFREIHEIT. -- RÄUBEREIEN.

Mein erster Ausflug ging nach der Provinz Bulacán, am Nordrande der Bay von Manila. Zwei Stunden braucht der Dampfer bis zur Barre Binuánga, (nicht Bincanga, -- Coello's Karte) und eine Stunde, um in einem Arme des Pampánga-Delta's, zwischen flachen Rhizophoren-Ufern, Bulacán, den Hauptort der Provinz, zu erreichen. Ausser mir war kein Europäer an Bord, nur Tagalen, Mestizen und wenige Chinesen, erstere namentlich durch Frauen vertreten, denen vorzugsweise die Handelsgeschäfte obliegen, weil sie dazu viel geschickter sind als die Männer. Man sieht daher in der Regel mehr Frauen als Männer auf der Strasse, und es scheint allgemein angenommen, dass bei den Geburten die weiblichen überwiegen. Nach den von mir durchgesehenen Kirchenbüchern ergiebt sich aber, wenigstens für die östlichen Provinzen, eher das Gegentheil. Am Landungsplatz erwartete uns eine Anzahl Caramáta's, bunt bemalte, flache, zweirädrige Kasten mit Sonnendach versehn, und mit zwei Pferden bespannt, von denen die wohlhabenderen Ankömmlinge schnell nach allen Richtungen entführt werden.

Die Stadt Bulacán hat 11 bis 12,000 Einwohner, war aber einen Monat zuvor, mit Ausnahme der Kirche und weniger Steinhäuser, abgebrannt. Alle Leute waren daher beschäftigt sich neue Häuser zu bauen, die seltsamer-, aber zweckmässigerweise, wie beim Zeichnen, mit dem Dach begonnen wurden. Lange Reihen Dächer aus Palmenblättern und Bambus standen bereits fertig am Boden und dienten einstweilen als Zelte. Dergleichen verheerende Feuersbrünste sind ungemein häufig. Die mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Bambus bestehenden Häuser werden in der trocknen Jahreszeit völlig ausgedörrt, von der Sonne angeheizt; mit dem Feuer wird sehr unvorsichtig umgegangen, an Löschanstalten fehlt es gänzlich. Entsteht ein Brand an einem windigen Tage, so ist in der Regel das ganze Dorf unrettbar verloren. Während meines Aufenthalts in Bulacán brannte die Vorstadt S. Miguél bei Manila bis auf das Haus eines befreundeten Schweizers ab, das seine Rettung nur dem kräftigen Gebrauch einer Privatspritze und der Mithülfe eines Bananengärtchens verdankte, deren saftstrotzende Stämme auf einer Seite den Fortschritt der Flammen hemmten.

Den Weg nach Calumpít, 3 L., legte ich im schönen Wagen eines Gastfreundes zurück, auf sehr guter Strasse, unter Obstbäumen, Kokos- und Arecapalmen. Der Anblick dieser fruchtbaren Provinz erinnert an die reichsten Gebiete Java's, aber die hiesigen Pueblos verrathen mehr Wohlstand als die dortigen Desas. Die Häuser sind substanzieller; geräumige Bretterhäuser häufig, selbst Steinhäuser nicht selten, die in jener Insel fast immer einen Beamten oder inländischen Fürsten anzeigen. Während aber selbst der arme Javane sein Wohnkörbchen zierlich flicht, die Strassen des Dorfes mit blühenden Hecken einfasst, Alles Nettigkeit und Sauberkeit verräth, scheint hier weniger Sinn dafür vorhanden. Auch fehlt den Dörfern der Alun-alun, jener schöne sorgfältig gepflegte, von Waringibäumen beschattete Platz. [66] Die Zahl und Manchfaltigkeit der Fruchtbäume, unter deren Laub die javanischen Desas ganz verborgen liegen, ist selbst in dieser Provinz, dem Garten der Philippinen, viel geringer als dort. Abends erreichte ich Calumpít, als gerade eine hübsche Prozession mit vielen Fahnen und Fackeln, unter wohlklingendem Gesang sich um die stattliche Kirche bewegte, bei deren trefflichem Pfarrer Llanos ein Brief aus Madrid mir die gastlichste Aufnahme verschaffte. Calumpít, ein wohlhabender Ort von 12,250 E., liegt am Zusammenfluss des von O. kommenden Quíngoa mit dem Pampánga, in einer sehr fruchtbaren, häufigen Ueberschwemmungen ausgesetzten Ebene. Im Norden, etwa 6 Leguas NW. erhebt sich der Arayat, ein hoher isolirter Kegelberg. Von Calumpít gesehn, zeigt sein westlicher Abhang (a b) 20°, sein östlicher (e f) 25°, die Gipfelplatte (b c) 4 bis 5° Neigung gegen den Horizont.

Bei Calumpít sah ich einen Chinesen auf eigenthümliche Art Fische fangen: queer durch das Bett eines Baches, der, fast versiegt, nur noch einzelne Lachen bildete, war unterhalb einer solchen ein Gitter enggesteckter Bambusen gezogen, dahinter ein niedriger Damm errichtet. Mittelst einer langgestielten Wurfschaufel wurde das stehngebliebene Wasser über den Damm geworfen. Die Schaufel war da, wo der Stiel ansetzt, durch ein Seil an ein zehn Fuss hohes Bambusgestell befestigt, dessen Federkraft die Arbeit erleichterte. Sobald die Pfütze trocken gelegt, grub der Arbeiter ohne Mühe eine grosse Menge Dalags (Ophiocephalus vagus. Peters.) aus dem Schlamm. Diese durch besondere Apparate, vielleicht zum Luftathmen, jedenfalls zu längerem Verweilen im Trocknen befähigten Fische sind in der nassen Jahreszeit in allen Gräben und Pfützen und auf den Reisfeldern so häufig, dass sie mit Knitteln todtgeschlagen werden. Bei dem Zurückweichen des Wassers ziehn auch sie sich zurück, oder bohren sich nach Prof. Semper tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie bis zum Anfang der nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die Nachstellungen des Menschen geschützt, im Winterschlaf zubringen. Der Fangapparat des Chinesen schien den Gewohnheiten des Fisches wohl angepasst. Der Umstand, dass nur auf der untern Seite der Wasserlache ein Gitter gezogen war, und dass die Fische unmittelbar vor demselben am dichtesten angetroffen wurden, scheint anzudeuten, dass sie auch noch im Schlamm weiter wandern und sich in dem Maasse als die Bäche und Gräben austrocknen in die grösseren Wasseransammlungen zurückziehn.

Dem Quíngoa aufwärts, in östlicher Richtung, auf bequemer Strasse folgend, durch wohlbebautes, üppig fruchtbares Gebiet, an zahlreichen steinernen Kirchen und Kapellen vorüber, die sich mit den Palmen und Bambusbüschen zu hübschen Bildern gruppiren, erreichte ich in Pater Llano's Vierspänner den bedeutenden Ort Balívag, dessen Gewerbfleiss weit über die Grenzen der Provinz hinaus berühmt ist.