Reisen in den Philippinen

Part 12

Chapter 123,536 wordsPublic domain

Ende November verliess ich den schönen Buhi-See und fuhr, von seinem östlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf [133], dessen Anschwemmungen einen beträchtlichen Vorsprung im Umriss des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des Malinao oder Buhi, der schlüpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter oben in vulkanischen Sand über. In dem sehr feuchten Wald wimmelte es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfäden, sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Körpers fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund werden und wie kleine Kirschen aussehn. Während sie saugen empfindet man keinen Schmerz, aber später jucken die angegriffenen Stellen oft noch tagelang. [134] An einer Stelle bestand der Wald überwiegend aus Feigenbäumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren Aesten hängenden Fruchttrauben. Die Früchte von Kirschengrösse sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den Bäumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast sechs Stunden erreichten wir um 12 1/2 Uhr die Passhöhe (841 Meter) und stiegen am östlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite des Berges noch prächtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefängniss einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstörten Tribunals vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und Takít genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen.

Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache Solfatara, Igabó genannt: in der Mitte einer rings von Bäumen umgebenen Rasenfläche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grösseren, durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lösen sich von der Oberfläche dünne konzentrische Schalen, der Kern ist grau und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber waren beschäftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An der untern Fläche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt, von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt.

Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen von Naglegbeng. [135] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten Aggregatzuständen, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache Kegel mit zylindrischen Aufsätzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bäumen entblösste Stelle zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist, wenige mit Rasen bewachsene Lücken ausgenommen, mit einer Kruste von Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhängende Flächen bildet, gewöhnlich aber durch vertikale Sprünge in fliesenartige Platten zerborsten ist. An unzähligen Stellen dringt siedend heisses, kieselsäurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich über die Fläche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung allmälig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt regelmässig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel, mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es läuft weniger Wasser über, das schon in unmittelbarer Nähe des Beckenrandes verdampft und in jedem Tropfen ein feines Körnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen äussere Seite, weil das Wasser nicht völlig gleichmässig überfliesst, stalaktitisch gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer ist als die Verdampfung, so läuft kein Wasser mehr über den Rand; der Sinter setzt sich dann bei der allmäligen Abkühlung des Wassers mit der grössten Gleichmässigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hört die Sinterbildung im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke zu, und wenn der Kanal gänzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist, so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes, umgekehrt glockenförmiges Becken zurück. In der Abbildung des weissen Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend dargestellt, ein noch schönerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten Widerstand findet, ohne den schönen von ihm aufgebauten Kegel zu zerstören. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grössten Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen Teiche entstanden, erlangen die Dämpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist, solche Spannkraft, dass sie die oberflächliche Kruste in konzentrisch strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Höhe; so entstehen ringförmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst allmälig durch neue Absätze aus dem überströmenden Wasser bildet. An den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem »weissen« und dem »rothen«, sieht man diese Stufenbildung vollendet, an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht, nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in der Vollendung. In der Nähe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen, weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bändern wie bunte Mergel einander überlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens gefärbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen, aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering, sie liegen nicht an ihrer ursprünglichen Lagerstätte und würden nur einen kleinen Theil der ursprünglichen Masse darstellen. Ganz ähnliche Verhältnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel mannichfaltiger, schöner, reiner als die Produkte der isländischen Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter überzogen, dass alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik könnte nicht zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dünne Schichten undurchsichtig weissen oder sehr schwach röthlichen Sinters mit Bändern durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zähe Masse dringenden Gasblasen Reihen dünnwandiger Zellen gebildet, so dicht und regelmäsig, als wären sie organischen Ursprungs, die Zellen sind leer oder mit Hyalith erfüllt, der zuweilen in ununterbrochenen Strahlen die Sintermassen durchdringt. [136] An andren Stellen hat sich der Sinter in dünnen konzentrischen Schalen um feste Körperchen abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schön wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels, der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben dürfte.

VIERZEHNTES KAPITEL

LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER.

Bei der zweiten Reise nach Camarínes, die ich im Februar unternahm, fuhr ich zu Wasser von Polángui über Bátu bis Nága. Der Quináli, der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss wieder aus, und läuft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Miguél. Er vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Albáy und Camarínes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene für die in Folge des Abacábau's sehr gestiegene Bevölkerung nicht ausreicht und Camarínes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in grossen Kähnen flussaufwärts bis Quináli geschafft und von dort in Büffelkarren weiter verführt; die Boote gehn leer zurück. Die Breite des sehr windungsreichen Bicol beträgt in der trocknen Jahreszeit am Seeausfluss wenig über 60 Fuss und nimmt nur sehr allmälig zu. Die Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen und Wasservögel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster) besonders häufig -- aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen sie auf den Bäumen am Ufer, nur ihr dünner Hals und Kopf ragt wie eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annähern des Bootes stürzen sie jäh in's Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man den dünnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle, wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen.

Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hügelzug, zwei Stunden Büffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen Korallenriff. Weiter stromabwärts wird die Gegend flacher, nur die grossen Vulkane ragen über die von Reisfeldern eingenommene Ebene.

In Nága, der Hauptstadt von Süd-Camarínes, stieg ich im Tribunal ab, wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit über die Grenzen seiner Provinz berühmten Administrador in sein Haus geholt und mit Liebenswürdigkeit und Gefälligkeiten überhäuft. Der allgemein beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu machen und meine Zwecke zu fördern.

Nága ist die Hauptstadt von Süd-Camarínes, Sitz eines Bischofs und der Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cáceres genannt zu Ehren des aus Cáceres gebürtigen General-Kapitäns D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nága eine spanische Stadt gründete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zählte sie gegen 100 spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwärtig kaum ein Dutzend. Schon Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika, von allen in den Philippinen gegründeten Städten, mit Ausnahme Manila's, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben, darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen Ansiedlern fehlt. Früher war Nága Hauptstadt des ganzen östlich von Tayábas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevölkerung in die drei Provinzen Nord- und Süd-Camarínes und Albáy zerlegt wurde. Die Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Albáy und Süd-Camarínes ziemlich willkürlich gezogen, während das Gesammtgebiet, wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr wird es auch wohl noch gegenwärtig im Zusammenhang Camarínes genannt; am passendsten könnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch seine Sprache, als durch manche Eigentümlichkeiten von seinen Nachbarn, den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Süden und Osten unterscheidet.

Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine unmittelbar davor liegende Inseln beschränkt. Ueber ihre Herkunft geben die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mönche keinen Aufschluss. Morga hält sie für Eingeborene der Insel, dagegen sei durch Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln und ferner Provinzen abstammen. [137] So wie ihre Sprache zwischen der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols selbst auch in ihren Fähigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen beiden zu bilden, den Tagalen körperlich wie geistig im Allgemeinen nachzustehn, den Bewohnern der östlichen Bisaya-Inseln überlegen zu sein. Bicol wird nur in beiden Camarínes und Albáy auf Luzon, und auf den Inseln Masbáte, Burías, Ticáo, Catanduánes und den kleinen benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner des Vulkanes Ysaróg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin bisaya auf, und geht allmälig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen über. Es dürfte zweckmässig sein, die hervorragendsten Züge in der Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen.

Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhältnisse und der durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten ist bereits S. 94 gegeben worden.

Die Aussaat des Reises in Beeten beginnt in Süd-Camarínes im Juni oder Juli, je nach dem Eintritt der Regenzeit; in künstlich berieselten Feldern früher, weil die Frucht dann zu einer Zeit reift, wo ihr Vorrath im Lande gering, ihr Preis hoch ist. Obgleich Rieselfelder sehr wohl zwei Ernten jährlich liefern könnten, so werden sie doch nur einmal bestellt. Im August wird umgepflanzt mit handbreiten Zwischenräumen zwischen den Linien und den einzelnen Pflanzen, vier Monate später ist der Reis reif. Die Felder werden nie gedüngt und nur selten gepflügt, gewöhnlich lässt man durch einige Dutzend Büffel das Unkraut und die Stoppeln in den schon durchweichten Boden eintreten, der dann nur noch mit einer stachlichten Walze gerollt, oder mit dem Sorod gelockert wird. Ausser den genannten Ackergeräthschaften, sind noch die spanische Hacke (Azadón) und ein Rechen von Bambus (Kag-kag) in Gebrauch. Bei der Ernte geht es eigenthümlich zu. Der Reis, welcher zuerst reift, wird für 10% geschnitten, d. h. der Arbeiter empfängt für seine Mühe das 10te Bündel vom Eigenthümer. Um diese Zeit ist der Reis sehr knapp, oft ist Noth vorhanden und Arbeitskraft billig; je mehr Felder aber in Reife kommen, um so theurer wird der Schnitterlohn, er steigt auf 20, 30, 40 selbst 50%, ja die Behörden halten es zuweilen für nöthig, die Leute durch Körper- und Gefängnissstrafe zum Ernten zu zwingen, damit nicht ein grosser Theil auf dem Halm verfaule. Dennoch geht in sehr fruchtbaren Jahren immer ein Theil der Ernte verloren. Man schneidet den Reis Halm für Halm (wie in Java), mit einem eigentümlich geformten Messer, oder in Ermangelung eines solchen, mit der scharfrandigen Klappe einer in den Gräben der Reisfelder lebenden Muschel [138]; man braucht sich nur zu bücken, um sie aufzunehmen.

Ein Quiñon bestes Reisland gilt 60-100 Dollars (8 bis 13 Thaler per Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhöhen, die nicht wie die Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind, und so bewirtschaftet werden können, dass ihre Frucht zur Zeit der höchsten Preise reift.

Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100 Manojos (Bündel), die je 1/2 Ganta Reis geben, also das fünfzigste Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1 1/2 Gantas setzen, dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quiñon, etwa 9 3/4 Scheffel per Morgen, ungefähr soviel wie in Preussen. [139] In Büchern werden gewöhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quiñon angegeben, als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwägt, dass die Aecker in den Philippinen nie gedüngt werden, sondern zur Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugeführten Schlamm angewiesen sind, so mögen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher entsprechen. In Java beträgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50 Cabanes per Quiñon, in manchen freilich das Dreifache [140]; in China bei sorgfältigster Kultur und reichlicher Düngung 180 Cabanes. [141] Ausser Reis wird Camote (süsse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut, die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt, um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacábau bestimmten Boden das Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich aus, und ist, da die Ausläufer Wurzel schlagen und Knollen bilden, eine fast unversiegbare Vorrathskammer für den Besitzer, der das ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi (Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstände des Feldbaus.

Nach der Reisernte werden Büffel, Pferde und Rinder auf die Felder gelassen. Während des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales, Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo für den Bau von Bergreis gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7 bis 8' hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht statt, weil während der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und das Vieh nichts zu fressen fände. Der Indier füttert sein Vieh nicht; er lässt es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Büffel, während er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstürzt. Ein Büffel kostet 7-10 Dollars, ein Pferd 10-20, eine Kuh 6-8. Sehr schöne Pferde bezahlt man mit 30-50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar, doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschätzt, weil sie nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die grössere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst würde es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China und Neu-Spanien einführten. [142] Erstere waren klein und bösartig; auch aus Japan wurden Pferde bezogen, »nicht schnell aber stark mit grossen Köpfen und dicker Mähne, wie Friesen aussehend«. [143] Die Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von gekreuzter Rasse, schlugen gut ein.

Das Rindvieh ist gewöhnlich in den Händen Einzelner. Es giebt in Camarínes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stück besitzen, in der Provinz ist es kaum verkäuflich, doch wird es seit einigen Jahren mit Vortheil nach Manila ausgeführt. Das Rindvieh der Provinz ist klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die Kühe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Büffelfleisch dem Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewöhnlich geniessen sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kräuter zum Reis.

Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingeführte Rasse von Schafen hält sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewöhnlich bald sterben. In Manila ist Hammelfleisch täglich zu haben, im Innern aber, wenigstens in den östlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben werden könnte. Man ist aber zu nachlässig, um die jungen Lämmer zu hüten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch wird von wohlhabenden Europäern nur dann gegessen, wenn das Schwein von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhüten, dass es sich herumtreibe, wird es gewöhnlich in einen Bambuskäfig, einen weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet, wenn es denselben ausfüllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in manchen kleinen Häusern nur aus den Zwischenräumen der aus Bambuslatten gebildeten Diele besteht und ernähren sich von seinen Abfällen, die sie gierig verschlingen; häufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen, Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt.

Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den Philippinen fremden Sprachen angehören. Hund, Schwein, Ziege, Büffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch; Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen eingeführt wurden, so waren die Ureinwohner übler daran, als die Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicuña hatten. -- Auch die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr, Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die für Silber, Kupfer, Zinn. Von den auf Gewerbe bezüglichen Wörtern sei ein Drittel malayisch, von Handelsausdrücken die grosse Mehrzahl; auch die Benennungen für Maasse, Gewichte, für den Kalender, soweit ein solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwörter, die Wörter für Schreiben, Lesen, Sprache, Erzählung. Dagegen ist nur eine Minderzahl der Ausdrücke, die sich auf den Krieg beziehn, dem malayischen entlehnt.

Aus den ächt einheimischen Wörtern schliesst Crawfurd auf den Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen- und Abacá-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und böse Geister und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren sie den Bewohnern der Südsee voraus durch den Besitz von Gold, Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund, Schwein noch Huhn besassen.

Lässt man die obige nur mit Hülfe mangelhafter sprachlicher Quellen entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und vergleicht damit den gegenwärtigen, so ergiebt sich ein grosser Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern er die gesellschaftlichen Verhältnisse betrifft, ist er bereits mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker, Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Früchte und wohl auch die Bataten eingeführt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico vorfanden. [144] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthümlich für einheimisch hält. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika, sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.)

In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte gemacht. Die Handwerke werden hauptsächlich von Chinesen betrieben.