Reisen durch die Inselwelt der Südsee
Part 2
Der große Hafen von Apia, durch die vorspringende Matautuspitze und die weitgestreckte schmale Landzunge Mulinun gebildet, durch die weit in See sich erstreckenden Riffe eingeengt und eigentlich erst geschaffen, bietet genügenden Raum und Wassertiefe für eine ganze Anzahl großer Schiffe; der kleinere Hafen hingegen ist etwas beengt, bietet aber für jedes Schiff, wenn solches wegen seines Tiefganges nicht im großen verbleiben muß, eine noch gesichertere Lage. Uebrigens ist der kleine Hafen eigentlich nur der Ankerplatz für die der Plantagen-Gesellschaft zugehörenden Schiffe.
Auffällig und sofort ins Auge fallend sind die großen Bauten der Deutschen Handels-Gesellschaft, vor allem das gefällige Hauptgebäude, das in seiner Ausdehnung nicht bloß die Kontore, sondern auch die Wohnung des derzeitigen Chefs, des Herrn Konsuls Weber, sowie aller im Innern-Dienst Angestellten enthält.
Das Innere des großen Quadrats nimmt ein gefälliger Ziergarten ein, dessen Bäume und Pflanzen viel dazu beitragen, die heiße Schwüle der Abende zu mildern und erfrischende Kühle verbreiten. Alle Häuser der Europäer, aus Holz erbaut, das nach Bedarf von amerikanischen Schiffen eingeführt wird, stehen um einige Fuß über dem Erdboden erhöht meistens auf gemauerten Korallenpfeilern. Es ist dies insofern eine zwingende Nothwendigkeit, als, abgesehen davon, daß während der Regenzeit vom November bis April, die Feuchtigkeit fern gehalten wird, dem zahlreichen Ungeziefer nach Möglichkeit gewehrt werden muß.
Ratten in Unmenge, Ameisen zu Milliarden bürgern sich in den Häusern gar zu gerne ein und namentlich gegen letztere, die durchaus nichts, was eßbar ist, verschonen, kämpft hier der Mensch vergeblich an. Um diese kleinen geschäftigen Thierchen, die unter Dielen, in den Holzfüllungen ihre Heimstätte aufschlagen, nur einigermaßen vom Genießbaren fernzuhalten, müssen Tischbeine, überhaupt alle Gefäße, die Eßbares enthalten, in Wasserbehälter gestellt werden, das ist die einzige Methode, mit einigem Erfolge Speisen, Früchte u. s. w. vor Verderben durch Ameisen zu schützen.
Ein wahres Heer voll Ungeziefer aber beherbergen die Kopraschuppen, jene Gebäude, welche aufgespeicherte Vorräthe an getrockneter Kokosnuß enthalten. Kopra ist der in Stücke geschnittene und an der Sonne getrocknete Kern der Nuß, jenes werthvolle Erzeugniß, das in Europa die feinsten Oele, Seifen, Säuren u. s. w. giebt und jederzeit hoch im Preise steht. In solchen Gebäuden wimmelt es von Ratten, Käfern, Kakerlaken und Ameisen, die hier überreiche Nahrung finden, Tausendfuß und anderes gefährlicheres Gewürm, selbst den Skorpion habe ich zuweilen an anderen Orten bemerkt.
Eine langandauernde Lagerung des Kopras, dessen reicher Oelgehalt bedeutende Wärme erzeugt, bringt durch Eintrocknen schon einen Gewichtsverlust mit sich, mehr aber verliert die Güte desselben durch die erwähnten Thierarten. Bei der Verschiffung des Kopras wird natürlich solch lästiges Gewürm mit in das Schiff übergeführt und monatelanges Lagern großer Mengen Kopra in einem Schiffsraume hat zur Folge, daß namentlich Ameisen und Kakerlaken sich einbürgern, gegen deren Vertilgung nordische Kälte nur das einzige durchgreifende Mittel abgiebt.
Die ausgedehnten Bauten der deutschen Factorei und das dazu gehörige Gelände trägt den Namen „Savala“, die langgestreckte Landzunge, auf welcher sich mehrere kleinere Dörfer als „Songi“ und ganz am Ende die Wohnung des derzeitigen Königs „Maliatoa“ befindet, heißt „Mulinuu“. Gebüsch, Palmen und Brotfruchtbäume bedecken diese Landfläche, die im Hintergrunde ein dichter Mangrovensumpf umsäumt, die Brutstätte der lästigen Mosquitos und des zu Zeiten austretenden Malariafiebers.
Das Klima der meerumrauschten Insel ist im Allgemeinen als ein gesundes zu bezeichnen; wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hat der Europäer, den tödtliches Fieber befällt, es meist immer selbst verschuldet und zwar dadurch, daß er die in den Zimmern herrschende drückend heiße Luft durch Oeffnen von Thür und Fenstern während des Schlafes in der thaukalten Nacht zu mildern sucht, deren feuchte Luft zwar angenehm den Körper kühlt, aber auch eine verderbliche Einwirkung auf die Gesundheit ausübt. Wenige Monate nach meiner Ankunft (ein längerer Aufenthalt am Lande war mir vorgeschrieben) hatte ich durch solche Unachtsamkeit mir ein schlimmes Fieber zugezogen; zwischen Tod und Leben rang ich lange, bis doch die Natur, unterstützt durch die Kunst der Aerzte, Sieger blieb.
Man wandelt nicht ungestraft unter Palmen, das bestätigt sich auch hier selbst bei den Eingebornen; unter anderen Krankheiten sei nur die den Körper verunstaltende Elephantiasis angeführt. Häufig tritt diese Krankheit auf, und wenn sie auch im ersten Stadium noch schmerzlos ist, so schleppt doch der Betroffene ein meistens sehr dick angeschwollenes Bein, das ihm äußerst lästig und am Gehen hinderlich ist, herum, selbst langansässige Europäer befällt zuweilen dieses unangenehme Leiden.
Von der äußersten Spitze der Landzunge Mulinuu führt ein bequemer Weg rings um die Bai nach Matautu, der als eine eigentliche Straße aber erst von der deutschen Factorei an zu betrachten ist. Zur Rechten liegen dort einige gefällige Cottages, im Styl englischer Landhäuser erbaut, mit vorliegenden Gärten und dem freien Ausblick auf den Hafen; die Straße selbst wird von hohen Apfelsinenbäumen beschattet, deren kugelrunde noch unreife Früchte den jungen Samoanerknaben als Spielbälle dienen, indem diese sich die fast nackende, lebhafte Schaar mit Geschick zuwirft.
Weiterhin erst im eigentlichen Matafele, wie die Hauptansiedelung der Europäer benannt wird, reihen sich Häuser zu beiden Seiten der Straße, Hotels, Gastwirthschaften und Privatwohnungen, hinter diesen das Samoanerdorf Matafele. Dem Durstigen winkt hier in den geräumigen Wirthschaften ein kühler Trunk, durch künstliches Eis gekühlt; denn Durst, durch die Sonnengluth erzeugt, hat Jedermann, auch stehen neben Versandbier, das ausnahmslos deutsches Erzeugniß ist, Spirituosen, ja die theuersten Sorten edlerer Getränke jedem zur Verfügung, sofern der dafür geforderte hohe Preis nicht den Geldbeutel zu bedenklich leert, da unter einem Sixhenie, d. h. 50 Pfennigen, nichts erhältlich ist, eine Flasche Bier aber schon zwei Mark kostet und Weine noch bedeutend höher im Preise stehen.
An Vergnügungen fehlt es auch nicht, die meisten Wirthe, dazumal vornehmlich Deutsche, haben neben einem Tanzsaal, wo gelegentlich zum Klavier oder Harmonika jeder mit den hübschen Samoanerinnen, die leidenschaftlich dem Tanze und Spiel sich hingeben, tüchtig das Tanzbein schwingen kann, auch für Liebhaber des Kegelsports gute Bahnen eingerichtet, und diese werden von dem zahlreichen Personal der Factorei und sonstigen Deutschen auch tüchtig benutzt.
Damit freilich sind die hauptsächlichsten Vergnügungen lokaler Art erschöpft, Jagdliebhabern bietet sich solches in anderer Weise, da zahlreiche wilde Tauben und Hühner, selbst verwilderte Schweine in den Bergen zu finden sind; auch sonntägliche Reitausflüge nach den Plantagen Vailele, Vaivase, Vaitele, selbst bis nach Molefenua ausgedehnt, finden viele Theilnehmer, besonders aber sind Picknicks mit Damen, den Kindern einiger langansässiger Europäer, und Samoanerinnen, die ihre lichtbraunen Schwestern oftmals noch an Schönheit übertreffen, für die Jüngeren ein beliebtes Vergnügen, zu deren Veranstaltung Ausflüge in die schönsten Orte der Umgebung von Apia gemacht werden.
Hierbei fehlt, was ich gleich erwähnen will, gewöhnlich nicht der bei den Samoanern so beliebte Schweinebraten, und wenn auch sonst der stolze Eingeborne sich nicht herbei läßt, eine Handreichung zu thun, so übernehmen bei solcher Gelegenheit die Aufgeforderten doch gerne das Amt eines Mundschenks und bereiten eigenhändig nach ihrer Weise den köstlich duftenden Braten.
Nach der Anzahl der Theilnehmer wird ein mittelgroßes Schwein vorher geschlachtet, sehr sauber gereinigt und zerschnitten bereit gelegt. In einer Grube, die rings mit Steinen ausgefüllt ist, werden diese durch ein in derselben entzündetes Feuer glühend heiß gemacht, das Schwein in große Bananenblätter fest eingewickelt, wird nach Verlöschen des Feuers dasselbe dann in die Grube gebettet und auch mit ebenso heißen Steinen zugedeckt, worüber dann Erde geschüttet werden muß, um zu verhindern, daß die Hitze entweicht.
Von Kraft und Fettgehalt gar nichts verloren, wird nach Verlauf mehrerer Stunden der äußerst zarte Braten behutsam herausgenommen und auf frische Bananenblätter gelegt, dann reißt der Vertheiler mit den Händen das Schwein auf. Allen im Kreise umhersitzenden Theilnehmern am Mahle sind vorher Bananenblätter als Teller vorgelegt worden. Auf diese wirft mit vielem Geschick der eine oder andere Gehülfe des Mundschenks die von diesem mit den Händen in Stücke zerrissenen Fleischtheile, dabei jedesmal den bezeichnend, dem sein Antheil zugeworfen werden soll.
Nach unsern verfeinerten Begriffen ist solche Behandlung des Fleisches sowohl, wie auch der ganze Vorgang etwas unappetitlich, indes stößt man sich weniger daran, da vor den eigenen Augen alles mit peinlichster Sauberkeit vorgenommen wird, auch liegt ein gewisser Reiz darin, Unbekanntes und Eigenartiges kennen zu lernen. So viel ist gewiß, ein jeder läßt sich das zarte Fleisch eines so bereiteten Schweines, das nachträglich mit Salz gewürzt wird, vortrefflich schmecken, dazu die zarten Yamswurzeln und Bananen, duftende Ananas und Orangen als Nachtisch. So wird solches Essen ein lukullisches Mahl, das mit Bier, Whisky und Sodawasser heruntergespült wird.
Gewöhnlich aber haben die theilnehmenden Samoanerinnen noch etwas zur Ueberraschung vorbereitet: nämlich das beliebte, pikante Palisami. In junge Bananenblätter mehrfach eingehüllt, liegt eine weiche, weiße Masse, unsern Windbeuteln vergleichbar, die, von den zartesten Blüthenblättern des Kokosbaumes umgeben, einen scharfen, aber angenehmen Geschmack hat, erzeugt durch die feinen Blättchen, die mit gegessen werden. Das Ganze besteht aus ganz fein geriebenen Kokosnußkernen, durchsetzt mit der weißen Kokosmilch. Der eintretende Säureprozeß trägt viel zum Wohlgeschmack bei.
Die Fröhlichkeit wird dann durch die ungemein wohlklingenden Gesänge der blumengeschmückten Samoanerinnen eingeleitet. Einer Vorsängerin, die Melodien und Text angiebt, folgt der ganze Chor mit einer auffallenden Richtigkeit, die anmuthigen Bewegungen, das taktmäßige Wiegen des Oberkörpers nach dem Rhythmus, das Klatschen der Hände auf den Beinen, Armen, Schultern und Kopf geschieht mit solcher Präzision, daß nur ein angeborenes Talent solche Fertigkeit hervorbringen kann. Nicht minder interessant sind die Tänze; wie auf Kommando bewegen sich die Füße und Gliedmaßen, das Aufreihen und Schließen einer Kette oder Ringes geschieht mit unfehlbarer Sicherheit, dazu kommt der melodische Gesang, kurz, es ist ein Genuß, den Bewegungen der graziösen Gestalten zuzusehen.
Oft habe ich in den Hütten der Eingebornen, wo gerne Gastfreundschaft geübt wird, bei kredenztem Kavatrunk Tanz und Spiel zusehen können und über die Sorglosigkeit der Eingebornen Betrachtungen anzustellen Gelegenheit gehabt, mit welcher die gütige Natur dieses glückliche Volk ausgestattet hat, das durch schöne Gestalt und heiteren Sinn ganz besonders bevorzugt ward.
Bei solchen Vergnügungen sowohl, wie bei einem Besuch in der schmucklosen Hütte des Eingebornen, wird der Nationaltrunk herumgereicht und ist dieser in folgender Weise zubereitet: die grüne Kavawurzel, sonst giftig, wird vollständig an der Sonne getrocknet, bis sie gelb und die Fasern spröde geworden sind, wodurch sie ihre schädlichen Eigenschaften vollständig verliert. Die eigentliche und bei den Samoanern beliebte Zubereitung nun ist: es kauen die jungen Mädchen nach vorgenommener Reinigung des Mundes Theile dieser Wurzel mit ihrem vorzüglichen Gebiß klein, rollen solche in Kügelchen und legen diese in die Kavaschale, eine aus dem Holze des Brotfruchtbaumes künstlich geschnitzte und auf kurzen Füßen ruhende Mulde. Dann werden die Wasserbehälter, vollständige, möglichst große Kokosnüße, die so lange in Seewasser gelegen haben oder mit solchem angefüllt gewesen sind, bis der schmackhafte Kern in derselben sich aufgelöst hat und durch die kleinen Keimlöcher entfernt ist, herbeigebracht, die nach Bedarf vorräthig in oder außerhalb der Hütte hängen und nach vorgenommener Reinigung der Hände wird von ihnen so viel Wasser in die Schale gegossen, als erforderlich erscheint.
Die den Kavatrank bereitende Frau rührt nun mit einem bereitgehaltenen Büschel feiner Fasern von der Banane das Ganze durcheinander, bis das Gebräu eine schmutzig-bräunlich-gelbe Färbung angenommen hat, dabei ist sie mit dem Büschel bemüht, auch das kleinste Fäserchen der aufgelösten Kavawurzel zu entfernen. Ist der Trank bereitet, was durch Händeklatschen den Anwesenden kundgethan wird, so bezeichnet der Hausherr den vornehmsten Gast durch Aufruf und eines der jungen Mädchen hält, sich erhebend, eine durch vielen Gebrauch schön polirte Kokosnußschale über den Kavabehälter und läßt sich den ausgeschwenkten und wieder eingetauchten Faserbüschel darin ausdrücken, oder richtiger, das oft über einen halben Liter fassende Gefäß mit dem Getränke volllaufen. In graziöser Bewegung schreitet das Mädchen dann auf den Bezeichneten zu und kredenzt, vor dem Sitzenden sich neigend, das Getränk.
Hierbei ist es Regel (soll in einer Nichtannahme keine Beleidigung des Wirthes gefunden werden), daß die Schale geleert oder doch daraus getrunken wird, den Rest kann man seitwärts oder über den Kopf hinweg ausschütten und dann das leere Gefäß dem wartenden Mädchen zurückgeben. So geht es in der Runde fort, oft wird auch die große Schale nach Bedarf mehrmals aufs Neue gefüllt. Gesang, an welchem auch die Männer sich betheiligen, hilft ein solches Trinkgelage verschönern.
Die Kavawurzel besitzt auch die Eigenschaft, einem kranken und ermatteten Körper Ruhe zu geben, sowie eine schmerzstillende Wirkung auszuüben, sie hat deshalb weite Verbreitung als Genußmittel auch bei den übrigen Südseeinsulanern gefunden.
In größeren Mengen genossen, wirkt der Kavatrank aber doch berauschend, und bei vollständig klarem Kopfe hat man das Gefühl, als weiche der Erdboden unter den Füßen, eine Art Gefühllosigkeit macht sich in den Beinen bemerkbar und kaum spürt man die Berührung mit dem Boden. Bei einem Ausfluge zu einem landeinwärts lebenden Europäer, wo in Ermangelung von Bier und anderen Getränken von den gefälligen Samoanern reichlich Kava kredenzt wurde und ich als Neuling schließlich auch Gefallen an dem eigenartigen Getränke fand, dessen Wirkung ich nicht kannte, machte ich auf dem langen Heimwege in dunkler Nacht dann die Erfahrung, daß ein neckischer Kobold sein Spiel mit mir zu treiben versuche.
Das Kauen der Kavawurzel ist, wie erwähnt, im Allgemeinen gebräuchlich, doch bürgert sich, wenigstens wo ein häufigerer Verkehr mit Europäern stattfindet, mehr und mehr die Methode ein, diese Wurzel zwischen Steine zu zerklopfen und das unappetitliche Zerkauen mit den Zähnen unterbleibt. Die Zubereitung des Trankes bleibt sonst dieselbe.
Wie bei den meisten Naturvölkern, so herrscht auch bei den Samoanern keine strenge Sittlichkeit, doch darf als Beweis die Veranstaltung des Festes angesehen werden, welches zu Ehren der unbescholtenen Jungfrauen gefeiert wird. Bei diesem folgt Alt und Jung dem Zuge, an dessen Spitze die jungen Mädchen im reichsten Blumenschmuck einherschreiten. So allgemein ist diese Sitte, daß das Fest in jedem großen Dorfe begangen wird. Die Anwesenheit der Europäer ist bei solcher großen Festlichkeit sehr erwünscht, sind sie vorhanden, so wird ihnen der Ehrensitz an der Seite der Jungfrauen zutheil.
In gleicher Weise wie bei den geschilderten Picknicks wird auch hierbei, nur im großartigeren Maßstab, ein opulentes Mahl im grünen Grase unter den Wipfeln rauschender Palmen abgehalten, dem Gesang und Tanz folgt ein Schauspiel in dieser herrlichen, pittoresken Gegend und Umgebung, wie solches eindrucksvoller und natürlicher von den frohsinnigen Kindern eines gesegneten Fleckchen Erde nicht vorgeführt werden kann.
Reinlichkeit des Körpers ist eine Tugend des samoanischen Volkes, hervorgerufen durch die Anschauung, daß dadurch allerlei Krankheiten fern gehalten werden, zu jeder Tageszeit in den kühleren Stunden findet man an den Ufern der aus den Bergen kommenden Flüße und Bäche badende Mädchen und Frauen; ja dies ist so zu einem Bedürfnisse geworden, daß selbst Kranke sich zu den erfrischenden Wassern schleppen.
Um Haut und Körper geschmeidig zu erhalten, reiben namentlich Frauen und Mädchen sich mit Kokosnußöl ein, welches dem Braun der Hautfarbe etwas Glänzendes giebt; gleichwohl geht auch ein scharfer Geruch von ihnen aus, der ein empfindliches Riechorgan beleidigen kann; auch eine aneinandergereihte haselnußgroße Frucht, mit Vorliebe neben Muscheln und Blumenranken als Schmuck getragen, vermehrt den scharfen Geruch des Oels, die Gegenwart eines weiblichen Wesens macht sich sofort dadurch bemerkbar.
Bei beiden Geschlechtern ist das Kopfhaar auffallend stark, andere Haare am Körper, selbst oft der sprießende spärliche Bart des Mannes, werden durch Ausreißen entfernt und wo sie sich dennoch zeigen, solche mit scharfen Glasscherben oder Muscheln abrasirt. Während die Männer sich nach und nach den ganzen Unterkörper tätowiren, haben die Frauen nur einzelne Punkte auf der Brust, und ich muß sagen, erstere müssen bei dem schmerzhaften Verfahren recht starke, wenig empfindliche Nerven besitzen, denn eine Anzahl dicht aneinandergereihter Nadeln, die bis auf eine gewisse Länge in die Haut eindringen, werden, befestigt an einem Holzstück, mit leichten Schlägen eines kleinen Holzhammers eingetrieben und auf diese Weise die einfache Zeichnung ausgeführt.
Das Kopfhaar der Samoaner ist stark und schwarz; findet man bei den Männern rothes, so ist dies künstlich erzeugt und beweist einen gewissen Grad von Eitelkeit. Schlanke Jünglinge, selbst Männer, erscheinen häufig am frühen Morgen mit einer eigenartig weißen Perrücke geschmückt, bis über die Schläfe hinaus ist der ganze Kopf in eine starre, weiße Kalkmasse eingehüllt, was den Trägern solcher Kopfbedeckung ein eigenthümliches Aussehen giebt. Dabei sind sie auch noch darauf bedacht, ihre Frisur vor Verletzungen und Unordnung zu schützen.
Die Folge ist, daß unter beständiger Einwirkung von Kalk, der hier leicht aus gebrannten Korallensteinen zu gewinnen ist, das Haar allmählich bleicht und schließlich roth wird, neuer Nachwuchs muß natürlich immer auf gleiche Weise behandelt werden und die Eitelkeit legt dadurch dem sonst trägen und zur Arbeit wenig geneigten Samoaner doch gewisse Beschränkungen auf. Uebrigens ist ein Unterschied in der Sprache wie in der Bekleidung vorhanden. Während nämlich die Taimua, d. h. die Vornehmen, sich einer besonderen Sprache bedienen, im Gegensatz zu der der Faipule, d. h. des gemeinen Volkes, so ist es nur den Häuptlingen und den Mitgliedern einer Königsfamilie gestattet, weiße Lava-Lava, d. h. Lendenschurze zu tragen.
Als um das Jahr 1830 die ersten Europäer sich hier festgesetzt und allmählich der Handel an Ausdehnung gewann, war die Ausfuhr nach Europa vornehmlich Kokosnußöl, welches die Eingebornen in größerer Menge bereiteten, davon ist man aber längst abgekommen und führt die viel billigere Kopra unter Ausnutzung ihrer reichhaltigen Stoffe, die bei der ursprünglichen Oelgewinnung vergeudet wurden, lieber in Mengen aus.
Die Oelbereitung geschah, wie früher so auch heute noch, auf folgende Weise: die reife Kokosnuß wird aufgespalten und von der äußeren fasrigen Hülle befreit, so daß der ölhaltige Kern nur noch von der harten festen Schale umgeben bleibt, der Kern wird dann durch Hin- und Herscheuern auf einem wie eine Säge ausgezackten Stück Bandeisen oder hartem, schmalen Holz klein gerieben und die gewonnene Maße dann in eine Mulde oder alten Kanoe geschüttet. Dann wird sie mit Seewasser übergossen und dem Gährungsprozesse überlassen. Das Oel sammelt sich überm Wasser und kann leicht abgeschöpft werden. Es ist sehr säurehaltig, wird deshalb leicht ranzig und eignet sich schlecht zum Gebrauch, der widrige Geruch hat auch etwas unangenehm Belästigendes an sich.
Um zu dem schon erwähnten Palisami oder zu einer Reisspeise, selbst Hühnersuppe, die benöthigte weiße Milch zu erhalten, braucht die kleingeriebene Kernmasse nur in einem Stückchen Zeug oder in Ermangelung dessen in einer weichen, feingewobenen Matte ausgedrückt zu werden, der weiße, wohlschmeckende Saft fließt durch das Gewebe ab, der Rest dient den Hühnern und Schweinen als Nahrung, die sehr gierig nach solchem Futter sind; namentlich muß vor letzteren die auf Matten ausgelegte Kopra geschützt werden, denn mit besonderer Vorliebe eignen sich diese Thiere den wohlschmeckenden, ihnen so mundgerecht gelegten Vorrath an.
Die Kokospalme ist überhaupt der von der gütigen Natur für viele Volksstämme gespendete Universal-Baum; diese erhabene, majestätische Bauart, die vielfältig dem Menschen Nahrung, Kleidung und Obdach giebt, hat auch den zivilisirten Europäer nach Gegenden gezogen, die ein einsam freudloses Dasein bieten, wo er oft mit wilden, selbst kannibalischen Stämmen, schwere Kämpfe bestehen mußte, ehe ein Tauschhandel um die werthvolle Kokosnuß eingeleitet werden konnte.
Die Kokospalme wächst überall in den Tropen, auf Korallen, wo sonst kein Gras noch Strauch zu sehen ist, senkt sie ihre Wurzeln tief ins Gestein und saugt das für sie nöthige Wasser auf, auch auf Hügeln und Bergen, wo der Boden gut ist und genügend Feuchtigkeit halten kann, findet man sie bis zu 500 Fuß überm Meeresspiegel. Auf verwittertem Lavagrunde gedeiht der Baum am besten; ist genügend Raum zur Ausdehnung vorhanden, so erreicht der astlose, schlanke Stamm oft eine Höhe von 90 Fuß, über dem sich die mächtige frucht- und blätterreiche Krone stolz in den Lüften wiegt.
Auf den Plantagen geht man in einem Tempel, der scheinbar endlos sein grünes Dach über viel Tausend Säulen wölbt; man ist wie in einem hehren, mächtigen Dome, unter dessen Wölbung ein reiner, stiller Friede waltet, ein Etwas, das jedem die Majestät der schaffenden Natur vor Augen führt.
Die Blätter der Palme, bis zu 30 Fuß Länge reichend, dienen, ineinander geflochten und schichtweise aufeinander gelegt, dem Eingebornen zur Bedachung seiner Hütten, die meistens rund oder oval nur aus einer Anzahl in den Boden gesetzter Palmenstämme bestehen, in der Mitte ist ein höherer Stamm, der das schräge Dach zu unterstützen hat. Die Wandbekleidung sind aufrollbare Matten, die Nachts, wenn der mattenbelegte Raum als Schlafstätte benutzt wird, niedergelassen werden, höchstens giebt es ein abgetrenntes Heiligthum in jeder Hütte, das Schätze birgt und profanen Blicken nicht zugänglich ist, sonst ist bei Tage das Innere einer Hütte meist immer sichtbar.
Große Geschicklichkeit zeigen die Samoaner im Flechten der Matten, ihrer praktischen Fächer u. s. w. Auch hierfür giebt ihnen die Palme wieder das Material. Die feinen Blätter werden aufgerollt, eine zeitlang gut gewässert, und dann mit einem flachen Stein oder Holz geklopft. Dann verliert sich die Sprödigkeit und jedes Blatt, selbst zu feinen Streifchen leicht auftrennbar, giebt einen weichen, handlichen Stoff. Körbe zum Heimschleppen etwaiger Feldfrüchte oder Nüsse verfertigt sich der Samoaner erst an Ort und Stelle, ein Theil des gewaltigen Palmenblattes genügt dazu, und zwar reißt er die starke Mittelrippe des Blattes so auf, daß er zwei Theile erhält, flicht die schmalen Blättchen in einander, so daß beide Theile nun ein Ganzes bilden, biegt die geschmeidigen Rippen, befestigt sie und in wenig Minuten ist ein starker, fester Korb hergestellt.
Die zähen, biegsamen Rippen der schmalen, langen Blattstreifen werden auch nicht verworfen, sondern dienen, in Bündel gebunden, als Besen. In Ermangelung besserer habe ich mir häufig solche zum Schiffsgebrauch anfertigen lassen, die sich auch gut bewährten.