Quer Durch Borneo; Erster Teil

Chapter 31

Chapter 313,417 wordsPublic domain

Sobald die jungen Leute begriffen hatten, dass wir junge, seltene Pflanzen, die auf eine bestimmte Weise aus dem Boden genommen waren, gern kauften, benützten sie ihre freie Zeit, um für uns sammeln zu gehen, und ihnen verdanken wir auch manchen seltenen Fund.

Ferner lieferte der Verkauf von Ethnographica vielen ein Mittel, um sich aus unseren Vorräten einen gewünschten Gegenstand zu erwerben.

Gleichwie die Stämme am Mendalam, waren auch die am Mahakam anfangs durchaus nicht geneigt gewesen, mir irgend etwas von ihrem Besitz zu verkaufen. Unter einander sind sie nämlich kaum daran gewöhnt, mit etwas anderem als mit Reis und anderen Nahrungsmitteln Tauschhandel zu treiben; denn jede Familie verfertigt ihre Kleider und Gerätschaften selbst und ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Nur in besonderen Fällen, wenn es sich um ein Kunstwerk handelt, wendet man sich an einen Fachmann, wie einen Schmied oder Schnitzer. Daher konnten sie sich anfangs nicht entschliessen, mir ein Messer, einen Korb oder eine Matte abzutreten; hierzu trat auch noch Misstrauen, da die Leute nicht begriffen, zu welchem Zwecke ich alle diese Gegenstände kaufen wollte.

Nun befand ich mich jedoch zum zweiten Mal in ihrer Mitte. Zweifellos hatten es nach meiner vorigen Abreise viele Leute bereut, die gute Gelegenheit, für sie wertlose Gegenstände zu hohem Betrag zu verkaufen, nicht benützt zu haben; denn jetzt kamen sie während unseres ganzen Aufenthaltes, von Kindern, die noch kaum laufen konnten, an bis zu weisshaarigen Alten, mit allerhand Dingen, von denen sie glaubten, dass sie uns interessieren könnten. Öffnete ich einen Packen Perlen von einer neuen Art oder ein besonders schönes Stück geblümten Kattuns, so entschloss sich so mancher, uns einen geliebten Gegenstand abzutreten, falls wir Reis, Eier oder Früchte als Kaufpreis nicht genügend fanden.

Beim Einkauf der Ethnographica ging ich, soweit Umstände und Mittel es erlaubten, darauf aus, nicht nur alles, für das tägliche Leben den Eingeborenen Notwendige, sondern auch alles, was ihnen zur Verschönerung ihres Daseins dient, zu erwerben. Schon früher war es mir aufgefallen, dass die Bahau in der Herstellung von Gegenständen, die sich durch Form und Farbe auszeichnen, eine hohe künstlerische Entwicklung erlangt haben. Dies ist besonders bei den Gegenständen der Fall, für die sie bei den Malaien einen Absatz und daher auch einen Ansporn zu weiterer Vervollkommnung finden, wie z.B. im Schnitzen von Schwertgriffen und im Schmieden von Schwertern. Diese schönen Industrieprodukte der Bahau geben uns daher eine Vorstellung von dem, was sie leisten könnten, wenn die Umstände ihnen die nötige Anregung verschafften.

Indem ich sehr hohe Belohnungen für besonders schöne Gegenstände aussetzte, suchte ich denn auch den Arbeitseifer der Künstler im Stamme anzuspornen, und diesem Verfahren habe ich in der Tat einige aussergewöhnlich schöne Stücke zu danken. Hierbei beschränkte ich mich natürlich darauf, den gewünschten Gegenstand anzugeben; die Art der Verzierung und Ausführung überliess ich ihnen vollständig.

Leider stiess ich gerade bei der Erwerbung der interessantesten Kunstprodukte auf besondere Schwierigkeiten, die auch durch hohe Preise nicht zu überwinden waren. Die oft wundervoll geschnitzten Kindertragbretter (_hawat_) werden z.B. nicht verkauft, weil die Seele des Kindes lange Zeit in ihnen haust; das gleiche gilt für andere dem Kinde gehörige Gegenstände. Daher musste ich, hauptsächlich bei den Kajan am Mendalam, derartige Dinge neu herstellen lassen. Bei den Kajan am Mahakam wagt man es nicht, die Kleider unerwachsener Kinder zu verkaufen; mit den Tragbrettern ist man hier dagegen weniger ängstlich.

Glücklicher Weise waren die Schwertgriffe aus Hirschhorn käuflich, allerdings nur zu hohen Preisen, da die Malaien, die, sobald sie Geld besitzen, sehr freigebig sind, für diese Kunstgegenstände stets viel übrig haben. Am Mendalam kosteten schön gearbeitete Griffe bis zu 10 Dollar das Stück; am oberen Mahakam musste ich für ein altes, schönes Exemplar 25 fl. bezahlen.

Am Mahakam erregten hauptsächlich die Frauenarbeiten meine Aufmerksamkeit, die geschmackvollen Perlenverzierungen für Kindertragbretter, Mützen und Hüte und die Stickereien auf Röcken und Lendentüchern. Als die Bevölkerung sich bei meinem zweiten Besuch an den Handel mit mir gewöhnt und den eigenen Vorteil eingesehen hatte, suchte sie für schöne Dinge einen möglichst hohen Preis herauszuschlagen. Dass man oft viel Zeit nötig hat, um eines bestimmten Gegenstandes habhaft zu werden, möge man daraus ersehen, dass ich wegen einer hübschen Perlenmütze zwei Jahre lang unterhandelte, wegen einer anderen zehn Monate; eine dritte konnte ich überhaupt nicht erlangen.

Wie eingangs bereits erwähnt worden ist, mussten wir uns bei der Ausrüstung auf das Notwendigste beschränken, da, besonders beim Landtransport, jedes Gepäckstück in Betracht kam. Am meisten wurde hierdurch die zoologische Sammlung getroffen, für die man sowohl Konservierungsmittel als Flaschen und Büchsen mitführen musste. Ich nahm mir daher vor, an Säugetieren, die ohnehin schon bekannt waren, nur sehr wenige und dann mir sehr kleine mitzunehmen; für meine Jäger sollte das Sammeln von Vögeln, deren Bälge wenig wogen, leicht zu verpacken waren und als Konservierungsmittel nur Arsenikseife erforderten, die Hauptaufgabe bilden. Sobald wir denn auch an einem Orte länger verweilten, begab sich _Doris_ mit einigen bewaffneten Schutzsoldaten und einem Führer auf die Vogeljagd. Um die Anzahl der Bälge zu beschränken und die Munition zu sparen, durften von den gewöhnlichen Vogelarten nur je 6 oder 8 Exemplare gesammelt werden; trotzdem wuchs unsere Sammlung doch noch auf 1400 bis 1500 Exemplare an.

Mühsam war die Konservierung von Insekten, die trocken aufbewahrt werden mussten, da die Leute sie uns, besonders anfangs, bei der Rückkehr von der Feldarbeit in grosser Anzahl brachten und die Witterung nicht immer ein Trocknen in der Sonne zuliess. Dazu kam noch, dass wir uns auf dem ersten Teil unserer Reise ohne Naphtalin behelfen mussten, weil man den Vorrat aus Versehen nach Samarinda geschickt hatte.

An flüssigen Konservierungsmitteln hatte ich hauptsächlich Formol und nur sehr wenig Spiritus mitgenommen, weil Formol mit Wasser verdünnt seinen Zweck meist gut erfüllt, wenn man nur dafür sorgt, dass es in hermetisch schliessenden Flaschen mitgenommen wird und dass die Flaschen mit den Präparaten sogleich völlig gefüllt werden, so dass nicht durch Sauerstoff eine Umsetzung in Ameisensäure bewirkt werden kann. Für die Aufbewahrung von Reptilien, Amphibien und hauptsächlich von Fischen erwies sich eine Lösung von 1 Teil Formol auf 5 Teile Wasser als am geeignetsten. Bringt man die Tiere lebend oder unmittelbar nach dem Tode in das Konservierungsmittel und trifft man die erwähnten Vorsichtsmassregeln, so erhalten sich die Farben mindestens zwei Jahre lang; nur die ausgesprochenen Metallfarben verschwinden auch in Formol. Auch die Farben gereinigter und abgeschnittener Schnäbel und Füsse zerschossener und daher wertloser Vögel, die beim Trocknen meist schwarz werden, erhalten sich gut in Formol.

Während sehr kleine Tiere unverletzt bewahrt werden können, muss man an Fischen, Reptilien und Amphibien einen mindestens 2 cm langen Bauchschnitt ausführen und ein Schliessen der Öffnung mittelst eines Querhölzchens verhindern.

So weit möglich liess ich unsere Konservenbüchsen und -Flaschen gebrauchen; für grössere Tiere liess ich aus Blech Behälter herstellen.

Zum Schliessen der Flaschen benützten wir stets Harz, das zerstossen und mit Petroleum angefeuchtet eine teigige Masse liefert, mit der Glas- und Metallgefässe luftdicht verschlossen werden können. Da Harz stets zu finden und Petroleum meist auch vorhanden ist, kann dieses Verschlussmittel sehr empfohlen werden; wir benützten es auch, mit Kapok oder Werg gemischt, um unsere Stahlkoffer wasserdicht zu schliessen.

Für Fische und kleine Tiere hatte ich 3 Kisten mit cylinderförmigen Gläsern von 200-500 ccm Inhalt mitgenommen; schraubbare Metalldeckel verschlossen mittelst eines von innen angebrachten Kautschukstreifens die Gläser luftdicht; sicherheitshalber wurden sie aber auch noch mit einem Harzring umgeben. In diesen Gläsern haben sich besonders Fische, Reptilien und Amphibien jahrelang gut gehalten, auch, als ich später nicht mehr im stande war, das Formol zu erneuern.

Während meines ersten Aufenthaltes am oberen Mahakam wurde ich beim Sammeln ständig von der Bevölkerung unterstützt, nur sah sie es nicht gern, dass wir ihre wahrsagenden Tiere töteten. So bedauerten es die Kajan lebhaft, dass _Doris_ zwei _hisit_ (Anthreptes malaccensis) und zwei _telandjang_ (Platylophus coronatus) geschossen hatte. Als später bei den Kenja das gleiche geschah, wurde der _telandjang_, während er zum Trocknen hing, gestohlen, was sonst nie vorkam. Ich hielt es für geratener, kein Wort darüber zu verlieren und das Töten dieser Tiere zu verbieten. Obgleich auch die Rehe zu den wichtigen wahrsagenden Tieren gehören, schienen die Bahau doch nichts dagegen zu haben, dass ich sie schoss. Ihre _djelewan_, die Schlange mit dem roten Kopf, Bauch und Schwanz, wagten sie weder lebend noch tot anzurühren. Zum Entsetzen der Bahau töteten wir auf dem Wege von Kapuas zum Mahakam eine _djelewan_ in unserer Hütte und legten sie in eine Flasche mit Formol. Da keiner die Flasche tragen wollte, versteckte ich sie in einer der Kisten, ohne dass sie es sahen. Später schrieb die Bevölkerung den Erfolg meiner Expedition zum grossen Teil dem Besitz dieser Schlange zu und ich musste sie so häufig vorzeigen, dass ich mich zuletzt weigerte.

Eine besondere Furcht flösst den Bahau ein Halbaffe (Tarsius spectrum) ein, der tagsüber bewegungslos auf einem Baumstamm sitzend den Vorübergehenden mit seinen grossen Nachtaugen anstarrt und den Kopf weit nach rückwärts zu drehen vermag; keiner wagte es, dieses ungefährliche Tierchen zu töten. Zu den Tieren, welche der Aberglaube schützt, gehört auch der grosse Erdwurm, der im stande ist, Töne auszustossen; er soll die Fruchtbarkeit der Felder befördern, wir konnten daher kein Exemplar erhalten.

Bis zum Jahre 1899 verursachte uns das Sammeln wenig Mühe; während unseres Zuges an die Ostküste jedoch wurden die Kajan von verschiedenen Unglücksfällen betroffen, und ein Priester der Pnihing, der den Ruf genoss, durch Träume prophezeien zu können, erklärte die Unglücksfälle für eine Strafe der Geister, weil die Kajan für uns so viele Insekten getötet hatten. Im Grunde war der Priester nur neidisch auf den Verdienst der Kajan, den diese sich durch das Sammeln von Tieren verschafften. Nach unserer Rückkehr zu den Mahakam Kajan wagten sie uns kein einziges Insekt mehr zu bringen, obgleich ich eine Verstimmung hierüber nicht bemerkte.

Einfacher gestaltete sich das Sammeln auf botanischem Gebiet. Die Anlage eines Herbariums und einer Sammlung lebender Pflanzen betrachtete ich als die Hauptsache und nahm daher aus dem botanischen Garten von Buitenzorg zwei Malaien, einen Mantri, _Sekarang_, und einen Pflanzensucher, _Amja_, mit, die beide im stande waren, selbständig ihre Arbeit auszuführen. Meine Aufgabe bestand daher nur darin, ihnen für ihre botanischen Exkursionen Führer und Träger zu verschaffen und etwas Aufsicht zu üben.

Belehrt durch unsere Erfahrungen von der Reise 1896-97 gelang es uns diesmal am oberen Mahakam, eine Sammlung der verschiedensten Pflanzen, und zwar 500 Exemplare, lebend aus dem Innern Borneos nach Buitenzorg zu transportieren. Dabei hatten die am Anfang unseres Zuges am Blu-u gesammelten Pflanzen sechs Monate lang dort gepflegt werden müssen.

Beim Aufbewahren lebender Pflanzen verfuhren wir folgendermassen: wenn möglich, wurden junge Exemplare aus dem Boden genommen und zwar so, dass, um die feinen Wurzelenden nicht zu verletzen, gleichzeitig auch eine grössere Menge Erde herausgehoben wurde. Zu Hause angekommen setzten wir die Pflanzen sogleich in Bambuskörbe in eine Erde, die aus Humus, Flusssand und etwas feiner Holzkohle bestand. Die gleiche Erde wird in Buitenzorg in den Treibhäusern benützt. Unter dem dichten Laubwerk der Fruchtbäume bei der Wohnung der Malaien wurde ein Grundstück vor Besuchen von Kindern, Hunden, Schweinen und Hühnern durch Bambuslatten geschützt und die Pflanzen unverdeckt auf Holzgestellen niedergesetzt und täglich versorgt. Auf diese Weise kamen während unseres Aufenthaltes am Mahakam nur wenige Pflanzen um. Bei unserer Abreise zur Küste wurden die Körbe mit den Pflanzen in Holzkisten von ungefähr 4 × 6 dm Bodenfläche und 5 dm Höhe dicht neben einander gesetzt. Die Kisten hatte ich grösstenteils an Ort und Stelle anfertigen lassen.

Die ganze Sammlung umfasste 37 derartiger Kisten; sie wurde in ein grosses Boot gesetzt und mittelst eines Palmblattdaches vor Sonne und Regen geschützt. An jedem Ort, wo wir länger als eine Nacht blieben, wurden alle Kisten aus dem Boot genommen und ans Ufer getragen, wo man die Pflanzen im Schatten der frischen Luft aussetzte. Für die Seereise wurden die Kisten mit Rotangschirmen, über die weisser Kattun gespannt worden war, überdeckt. Durch ständiges Benetzen des Kattuns blieb die Atmosphäre unter diesem Dach auch während der Hitze auf der Seereise und später während der Eisenbahnfahrt stets genügend kühl. Obwohl zwischen der Abreise vom Blu-u und der Ankunft in Buitenzorg zwei Monate lagen, hatten sämmtliche Pflanzen in dieser Zeit doch nur wenig gelitten.

Die Ausrüstung für das Herbarium bestand hauptsächlich in grobem chinesischem Packpapier, das sich zum Pflanzentrocknen sehr gut eignet.

Während eines Aufenthaltes auf einem freien Platz, wie eine Bahauniederlassung ihn bietet, konnte man die Pflanzen der Sonne aussetzen; in der feuchten Waldatmosphäre jedoch mussten sie zwischen vielen Bogen Papier vorsichtig über dem Feuer getrocknet werden.

Grosse fleischige Früchte, die sich zum Trocknen nicht eigneten, und Blüten, die eine besondere Aufbewahrung verlangten, wurden ebenfalls in eine Formollösung gelegt. Die Farben der Orchideenblüten erhielten sich auffallend gut in einer Formollösung im Verhältniss von 1 : 5.

Unerwartete Schwierigkeiten bot das trockene Aufbewahren von Früchten und Samen zwecks späteren Aussäens. Trotz der sorgfältigen Behandlung, die sie seitens der hierin erfahrenen Javaner erfuhren, hatten bei Ankunft in Buitenzorg doch beinahe alle die Keimkraft verloren. Der Grund hierfür lag nicht in der Behandlung, sondern in der Eigentümlichkeit der Samen vieler tropischer Pflanzen, in beträchtlich kurzer Zeit die Keimfähigkeit einzubüssen; wir hätten daher die Samen sogleich aussäen und später die jungen Pflänzchen transportieren sollen.

Die vielen kleineren Ausflüge, die wir während unseres Aufenthalts am Blu-u zu benachbarten Stämmen unternahmen, kamen mehr den botanischen als den zoologischen Sammlungen zu gute. Wir beobachteten immer wieder, dass eine bestimmte Gegend zahlreiche ihr eigene Pflanzenarten besass, denen wir an einem anderen Orte nie wieder begegneten. In dem so gleichförmig aussehenden Urwald trafen wir hauptsächlich auf bestimmten Bergen eine eigene Vegetation, die auf gleichartigen benachbarten Bergen nicht mehr zu finden war.

Da wir mit Rücksicht auf die Reise nach der Küste und der in diesen tiefgelegenen Gebieten und auf Java herrschenden Wärme die lebenden Pflanzen in unserem Kulturgarten in keinen zu tiefen Schatten setzen durften, zeigten viele Arten die eigentümliche Erscheinung, dass bereits bei ihren ersten neugebildeten Blättern die prachtvolle metallblaue Färbung zu schwinden begann. Diese Färbung, die vielen Arten von Farren, Aroïdeen, Dracaeen, Begonien u.a. eigen, ist somit von der im Urwald herrschenden Feuchtigkeit und Dunkelheit abhängig und verschwindet unter veränderten Umständen sehr bald, um einem reinen Grün Platz zu machen.

Während ich mich in bezug auf Zoologie und Botanik darauf beschränkte, die Anlage und Pflege der Sammlungen und die Aufzeichnungen zu beaufsichtigen und Notizen und Etiquetten oft selbst zu schreiben, ging ich, um eine Vorstellung von der geologischen Formation des oberen Mahakamgebietes zu erhalten, selbst darauf aus, Gesteine zu sammeln und ihre Fundorte zu untersuchen.

Diese wie auch die anderen Sammlungen wurden so angelegt, dass sie später von Fachleuten bearbeitet werden konnten.

Die geologischen Untersuchungen nahm ich während der Exkursionen vor, die wegen der topographischen Aufnahme des Mahakamgebietes stattfanden. Während _Bier_ die eigentliche Aufnahme ausführte, beschäftigte ich mich mit eigenen Beobachtungen.

Als Ausrüstung hatte ich folgende Gegenstände mitgenommen: zwei Sätze geologischer Hämmer, einen Schmiedehammer, einen geologischen Kompass und Höhenbarometer und für die Verpackung der Handstücke sehr starke Leinwand und Metallnummern. Die Erfahrung hatte mich auf den beiden früheren Expeditionen gelehrt, dass das zum Aufbewahren von Gesteinen so häufig gebrauchte Packpapier für die Tropen ungeeignet ist, weil es bei einer Bewegung der aufeinander liegenden Stücke leicht durchreibt, besonders wenn es feucht wird, was auf langdauernden Reisen, wie den unsrigen, kaum zu vermeiden war; ausserdem wird Papier leicht von Ameisen, Termiten und anderen Tieren aufgefressen. Aus den gleichen Gründen fand ich es unpraktisch, Etiquetten aus Papier zu gebrauchen, die überdies nur an sehr trockenen Steinen haften bleiben und schnell unleserlich werden. Ich verpackte die Stücke daher in starke Leinwand, band sie mit einer Schnur fest und versah sie mit einer Metallnummer, die mit derjenigen meiner Aufzeichnungen übereinstimmte.

Den geologischen Beobachtungen kam es sehr zu statten, dass wir, wenn irgend möglich, grosse und kleine Flüsse als Reisewege zu benützen suchten. Hierdurch befanden wir uns stets an den einzigen Stellen, die uns über die geologische Formation des Gebietes, das wir durchreisten, Aufschluss geben konnten. Da mit Ausnahme der beinahe senkrechten, das Tal begrenzenden Felswände das ganze Gebiet des oberen Mahakam mit Urwald bedeckt ist, wird das unterliegende Gestein nahezu gänzlich vor Erosion geschützt. Nur die feinsten Teilchen werden von dem ablaufenden Regenwasser mitgeführt, alle grösseren Stücke bleiben liegen. Daher stösst man im Walde zuerst auf eine Humusschicht von wechselnder Dicke, die der Tiefe zu immer mehr mit verwitterten Teilen des unterliegenden Gesteins vermischt ist. In unverwittertem Zustand trifft man das Gestein erst in einer Tiefe von vielen Metern an, daher ist es, um eine Übersicht über die geologische Beschaffenheit eines grösseren Gebietes zu erlangen, praktisch nicht erreichbar. Selbst an den steilen, aber bewachsenen Bergabhängen und oben auf den oft nur 1/2-2 m breiten Bergrücken findet man kein unverwittertes Gestein; man trifft es hier als eine Anhäufung loser, verwitterter Stückchen in einem Sack von Pflanzenwurzeln. Das ursprüngliche Gestein tritt hauptsächlich in den Flussbetten zu Tage. Hier ist das Wasser ständig damit beschäftigt, das unterliegende, feste Gestein von den stark verwitterten Lagen zu befreien; alles kleinere vom Ufer abgebröckelte oder von Bergstürzen herrührende Gestein wird abwärts geführt. Dies geschieht hauptsächlich, wenn die grossen Wassermassen eines tropischen Regens in den Gebirgsbächen unter heftigem Gefälle abwärts stürzen; derartiges Gestein wird dann mit Macht übereinandergeworfen und fortgeführt, wodurch es gleichzeitig von allen lockeren, verwitterten Teilen entblösst und glatt geschliffen wird. Vom Ursprung der Quellflüsse an bis zur letzten Geröllbank an der Flussmündung bedeckt dieses Geschiebe, stets kleiner und kleiner werdend, das ganze Flussbett.

Man findet daher in den Flussbetten sowohl festes Gestein, das in grösserer oder kleinerer Ausdehnung an den Ufern blossgelegt wird, als auch in den Geröllbänken eine Übersicht über das im Flussgebiet aufwärts anstehende Gestein. Beginnt man somit in den verschiedenen Nebenflüssen ein Stück weit oberhalb ihrer Mündungen die verschiedenen Gesteinsproben zu sammeln und ausserdem das blossliegende, feste Gestein bis zur Quelle hinauf zu untersuchen, so kann man zu einer für die Tropen möglichst exakten Vorstellung der geologischen Beschaffenheit eines Gebietes gelangen. Dieses Verfahren ist von besonderem Wert, wenn man es, wie es am oberen Mahakam der Fall ist, mit einem grösstenteils nicht vulkanischen Gebirge von einfachem Bau zu tun hat. Denn die zahlreichen Bergbesteigungen, die ich der topographischen Aufnahme wegen ausführen musste, boten mir nur sehr selten einen neuen Einblick in die geologische Formation des Gebirges; das Gestein, das wegen der alles überdeckenden Buschvegetation nur hier und da frei zum Vorschein kam, lieferte mir nur eine willkommene Bestätigung meiner im Flussbett gemachten Beobachtungen. Wichtiger war es, von den Berggipfeln, auf denen man die Bäume gefällt hatte, eine Übersicht über das ganze Gebiet zu erlangen. Von hier aus liessen sich die Wirkungen der Erosion verfolgen, auch zogen eigenartig gebildete Berge oder Bergketten die Aufmerksamkeit auf sich und veranlassten besondere Untersuchungen. Diese waren hauptsächlich bei Formationen aus weichem Kalkstein wichtig, da letzterer bereits in geringem Abstand von seinem Standort durch die Gebirgsströme vernichtet wird.

Die Erklärungen, die sich die Eingeborenen über unser Sammeln von Gesteinen bildeten, waren sehr mannigfaltig. Dass es uns um Goldsuchen zu tun war, hielten sie für das Wahrscheinlichste; sie suchten zwar selbst am oberen Mahakam kein Gold, hatten aber von den Malaien gehört, dass wir darauf ausgingen. Als es sich herausstellte, dass ich Gestein der verschiedensten Art mitnahm, glaubte die Bevölkerung in mir einen Alchimisten zu sehen, der bei der Heimkehr alles Gestein zusammenschmelzen und daraus Gold herstellen würde. Auch diese Auslegung kam mir malaiischen Ursprungs vor. Von dieser Anschauung beherrscht gingen die Bahau auf unseren Exkursionen daher häufig darauf aus, Gestein zu suchen, das Pyrit oder Glimmer enthielt, weil sie diese für Gold ansahen. Obwohl sie selbst Flusssteinen von besonderer Form, mit einem Loch in der Mitte oder mit eigenartiger Krümmung, eine beschirmende Kraft zuschreiben und sie als Sitz eines bestimmten Geistes ansehen und obwohl sie auch hübsches Gestein, wie den _batu boh_ aus dem Boh, als Schnallen für Schwertgürtel und als Perlen schleifen, konnten die Bahau doch mein Interesse für das Gestein an sich nicht begreifen. Nur selten widersetzten sich die Leute dem Sammeln der Gesteine,' trotzdem sie oft unter der Last, die sie zu tragen bekamen, stöhnte.

An einigen Stellen des Flussufers, wo Geister hausen sollten, bat man mich allerdings, mit meinem Schmiedehammer keine Stücke abschlagen zu lassen, was ich denn auch nicht tat. An einigen anderen: Orten, wie in dem Flüsschen Tasan beim Berge Situn, wo die Ufer aus dunklen, senkrechten Felswänden bestehen, ergriffen alle Bahau die Flucht, als ich die Malaien einige Kalkstücke abschlagen liess.

Die topographische Aufnahme des oberen Mahakamgebietes stiess, der eigenartigen Umstände wegen, unter denen sie vorgenommen werden musste, auch auf besondere Schwierigkeiten. Bevor wir unser eigentliches Arbeitsfeld erreichten, hatten wir Bootfahrten auf kleinen, wilden Gebirgsbächen und Landzüge durch den Urwald im Quellgebiete des Kapuas auszuführen, daher war es unmöglich gewesen, für die Bestimmung des Meridians eines Ortes Chronometer mitzunehmen, weil diese durch die Erschütterungen, denen sie während der Reise ausgesetzt gewesen wären, ihre Zuverlässigkeit eingebüsst hätten.