Quer Durch Borneo; Erster Teil
Chapter 28
Die Fahrt ging bei dem hohen Wasserstande sehr schnell von statten, bereits nach zwei Stunden befanden wir uns an der Mündung des Blu-u. Die Ufer boten jetzt einen ganz anderen Anblick, als bei meiner Abreise im Frühling des vergangenen Jahres. Man hatte damals längs des rechten, 30 m hohen Ufers bereits zum dritten Mal alles Gestrüpp und Gras ausgerodet, um dort für den ganzen Stamm ein neues Haus zu bauen. Seitdem die Batang-Lupar ihre Niederlassung verbrannt hatten, lebten die Kajan nämlich zerstreut im ganzen Gebiet des Blu-u auf ihren Reisfeldern, auch hatte jede Familie im Laufe der Zeit bereits Pfähle und Planken zum Bau ihrer eigenen _amin_ hergestellt und sie im Walde oder im Blu-u unter Wasser aufbewahrt. Schlechte Ernten, ungünstige Vorzeichen und die Angst vor den immer noch im Quellgebiet des Mahakam nach Guttapercha suchenden Batang-Lupar hatten den Hausbau ständig verzögert.
Während meines achtmonatlichen Aufenthaltes in ihrer Mitte (1896-97) hatten sich die Kajan, im Gefühl der Sicherheit wegen meiner Anwesenheit, mit neuem Mut an den Bau des Hauses gemacht und waren auch während meiner Abwesenheit in der Arbeit fortgefahren; denn jetzt standen eine lange Reihe _amin_ auf dem hohen Ufer. Nur eine einzige Familie, zu der besonders viele arbeitsfähigen Männer gehörten, hatte ihre Wohnung völlig beendet, die übrigen wohnten noch in kleinen, aus alten Brettern gebauten Hütten rings umher und sollten erst später die letzte Hand an ihre _amin_ legen. _Kwing Irang_ hatte mit dem Bau seiner Wohnung überhaupt noch nicht anfangen können und wohnte augenblicklich mit seiner Familie und einigen Sklaven in einem sehr kleinen Hause, das wie die übrigen 3 In über dem Erdboden lag. Die meisten seiner Sklaven lebten mit ihren Familien auf den Reisfeldern des Häuptlings, die sie zu bebauen hatten und um welche herum sie ihre eigenen kleinen Felder angelegt hatten.
Da _Kwing Irangs_ provisorische Wohnung nur eine sehr kleine Galerie besass, hatte man zur Aufnahme von Gästen und zur Abhaltung von Versammlungen seinem Hause gegenüber an der anderen Seite eines freien Platzes ein längliches Gebäude aufgeführt. Diesen Versammlungssaal hatte man zur vorläufigen Unterkunft meines Personals und Gepäckes bestimmt, während man für uns Europäer an dieses Gebäude angelehnt a m über dem Boden ein festes Haus von 48 quad. m Grundfläche errichtet hatte. Man hatte sich, gleich nachdem _Akam Igau_ meine Ankunft gemeldet hatte, ans Werk gemacht und mir ein so gutes, starkes Haus gebaut, wie ich es bis dahin auf meinen Reisen noch nicht besessen hatte. Uns Europäern stand nun ein ausgezeichneter Wohnraum zur Verfügung, der nur als Zeichenatelier für _Bier_, als photographisches Atelier für _Demmeni_ und als Arbeits- und Handelslokal für _Barth_ und mich zu eng war. Doch konnte allen diesen Anforderungen später entsprochen werden; vorläufig musste ich für meine Malaien eine Unterkunft zu beschaffen suchen. _Kwing Irang_ meinte, dass hierfür ein leer stehendes, am Fusse des Uferwalles gelegenes, malaiisches Haus am geeignetsten sein würde. Es hatte hier lange Zeit ein malaiischer Anführer einer Gesellschaft Buschproduktensucher, ein gewisser _Hadji Umar_, gewohnt, der sich augenblicklich unterhalb der Wasserfälle aufhielt. Das etwas baufällige Haus konnte schnell wieder hergestellt werden, indem der Wald Pfähle, der Häuptling Planken und meine Malaien die Arbeit lieferten. Die Lage des Hauses, weit ab von der eigentlichen Niederlassung der Kajan, war insofern günstig, als die Malaien, die für die Dajak nie Sympathie empfanden, hier ungestört wohnen konnten. Zwar war unser Geleite während der Nacht hier weit von uns entfernt, aber einige Männer konnten als Wache stets oben im Versammlungssaal schlafen.
Nachdem ich _Belarè_ und die Seinen belohnt und verabschiedet hatte, wandte ich mich an meine alten Kajan Bekanntschaften, die sich während der Anwesenheit der Pnihing in einiger Entfernung gehalten hatten. Ihrer Sitte gemäss, äusserte keiner der Kajan, bevor ich das Wort an ihn gerichtet hatte, seine Freude über meine Ankunft, dann aber war die Zunge plötzlich gelöst und ich wurde mit Fragen, wo ich die Zeit über gewesen sei, ob ich mich nicht verheiratet hätte u.s.w. über schüttet; leider begannen sie auch sogleich wieder um allerhand Dinge zu betteln. Das Willkommgeschenk, das die meisten erwarteten, schob ich noch einen Tag hinaus.
An den beiden folgenden Tagen trafen in gesonderten Gruppen die Mendalam Träger bei uns ein: zuerst die Ma-Suling mit denen aus Pagong. Diese wollten sich den Mahakam abwärts zu ihren Verwandten am Merasè begeben, sich 10 Tage bei ihnen ausruhen und dann wieder an den Kapuas zurückkehren. Obgleich sie bereits in Putus Sibau einen Vorschuss von ihrem Lohn erhalten hatten und es abgemacht war, dass sie den Rest bei ihrer Heimkehr dort vom Kontrolleur in Empfang nehmen sollten, baten sie mich doch wieder um Geld. Mit Rücksicht auf meinen beschränkten Geldvorrat und darauf, dass alle anderen wahrscheinlich mit den gleichen Forderungen herantreten würden, musste ich ihre Bitte abschlagen und gab jedem nur eine kleine Summe als Vorschuss; für den Rest gab ich ihnen einen Brief an den Kontrolleur von Putus Sibau mit. Der gleiche Auftritt spielte sich mit den Kajan aus Tandjong Karang und Tandjong Kuda ab, die sich, um Blutsverwandte zu besuchen und Handel zu treiben, nach anderen, weiter unten am Mahakam gelegenen Niederlassungen begaben. Nur den armen Punan, die wenig oder gar keine Tauschartikel besassen, händigte ich einen grösseren Betrag aus, damit sie unter _Tetuhès_ Anführung bei ihren Verwandten am Serata, wo sich bei den Pnihing eine grosse Bukat Niederlassung befand, keine allzu klägliche Rolle spielten.
Ferner besprach ich mit _Kwing Irang_, was ich seinen Untergebenen, die mir entgegengereist waren, geben sollte. Zu meiner angenehmen Überraschung schlug er mir vor, jeden auf die gleiche Weise mit einem Stück schwarzen und roten Kattuns zu belohnen; so hatte ich denn nicht mit dem persönlichen Geschmack der einzelnen zu streiten. Ein chinesischer Bankerottierer, _Mi-Au-Tong_, der aus Pontianak dein Kapuas entlang an den Mahakam geflüchtet war und jetzt bei den Kajan durch Handel mit Buschprodukten und Arzneien sein Leben fristete, half mir beim Messen des Zeuges. Die Abmachung mit dem Häuptling wurde von seinen Untergebenen natürlich wieder nicht für gut befunden; jeder verlangte noch eine Portion Salz dazu, die ich ihm gern gab.
Dem Häuptling selbst übergab ich im Namen der Regierung eine silberne Beteldose mit Zubehör, die ihn sehr zu beglücken schien. Seinen beiden Frauen hatte ich schöne seidene Tücher mitgebracht, ausserdem liess ich sie von meinen geblümten Seidenstoffen selbst noch etwas auswählen. _Kwing Irangs_ Pflegetochter _Kehad_ erfreute ich mit einem Ohrschmuck, bestehend aus 20 Silberringen von 4 cm Durchmesser. Ich hatte in Batavia 1500 dieser Ringe anfertigen lassen; sie bildeten einen kostbaren und wenig umfangreichen Tauschartikel.
Der Satz Armbänder aus Elfenbein, den ich _Hinan Lirung_ und _Belarè_ gegeben hatte, spukte auch _Kwing Irang_ im Kopfe herum, und er ruhte nicht eher, bis ich auch den Arm seines 10 jährigen Söhnchens _Hang_ mit Elfenbeinringen geschmückt hatte. Alle Bahau besitzen die Eigenart, dass sie ihre Wünsche starrsinnig auf einen bestimmten Gegenstand richten und dass man sie dann mit Geschenken von viel grösserem Werte nicht entsprechend erfreuen kann. Es ist daher am einfachsten, sie ihre Wünsche stets vorher äussern zu lassen.
Zu meiner grossen Beruhigung war es diesmal mit dem Reisvorrat der Kajan viel besser bestellt, als auf meiner vorigen Reise. Bereits in den ersten Tagen kamen Scharen von Mädchen und Knaben, um gegen kleine Mengen Reis Nadeln, Perlen u.a. einzutauschen, so dass ich einen ganzen Vorrat beisammen hatte, bevor _Barth, Demmeni_ und _Bier_ am 11. Oktober bei uns eintrafen. _Kaharon_ begleitete die Gesellschaft, um mit mir noch einmal über die Expedition zum Quellgebiet des Mahakam zu reden, die nach Ablauf der mit der Reissaat verbundenen Verbotszeit, die jetzt bei den verschiedenen Stämmen eintrat, stattfinden sollte.
KAPITEL XIII.
Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf--Bewohner des Mahakamgebietes--Vorgeschichte der Stämme--Stellung und Einfluss der Fremden--Ursprüngliche Bewohner am oberen Mahakam--Vorherrschaft der Long-Glat--Kwing Irang und dessen Stellung unter den übrigen Häuptlingen--Verkehr und Handel unter den Stämmen--Selbständigkeit der Stämme--Verteilung der Ländergebiete--Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte, Buschprodukte, Jagd und Fischfang--Industrie--Verkehr mit den Nachbarländern--Handel und Handelswege.
Der Mahakam (im Malaiischen; Mekám im Busang) ist von den Strömen Borneos, die sich an der Ostküste ins Meer ergiessen, der grösste. Er entspringt unter dem Namen Selirong an der südwestlichen Seite des Batu Tibang, eines wahrscheinlich vulkanischen Berges, der sich in der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges, das aus alten Schiefern besteht, erhebt. Der Mahakam folgt anfangs einem Längstal dieses Gebirges, aber bald nachdem sich der Selirong mit dem Seliku, einem zweiten Quellflüsschen, das auf dem Lasan Tujan entspringt, auf 550 m Höhe vereinigt hat, bricht der Fluss in südwestlicher Richtung der Reihe nach durch alle Ketten des Gebirges hindurch. Bis zur Mündung des Howong, auf etwa 300 m Höhe, behält der Mahakam diese Richtung bei, wendet sich hier, in gleicher Entfernung von dem Batu Lesong, ungefähr gerade nach Osten und biegt dort, wo dieses Sandsteingebirge sich unter dem Namen Batu Ajo nach Süden fortsetzt, ebenfalls nach Süden. An der Biegung bei Long Tepai hat sich der Fluss durch die weissen Hornsteinschichten, auf denen das Sandsteingebirge liegt, nur ein schmales 15-40 m breites Bett erodieren können, während das Flussbett oberhalb Long Tepai an einigen Stellen eine Breite von 200 m erreicht.
An der Verengung bildet der Mahakam eine lange Reihe von Wasserfällen, die von oben nach unten folgende Namen tragen: Kiham (Wasserfall im Busang) Ulu, Kiham Hida, Kiham Nub, Kiham Lobang Kubang, Kiham Binju, Kiham Kenhè. Unterhalb dieser verengten Stelle verbreitert sich das Flussbett über eine ausgedehnte Strecke, bis beim Kiham Udang der Fluss wiederum nur 30 m breit wird, während noch weiter unten, beim Kiham Halo auf 100 m Höhe, die Wassermassen sich über eine Entfernung von über 2000 m durch eine Verengung, die zwischen 20-50 m breit und zwischen Sandsteinbergen gelegen ist, hindurchzwängen. Obwohl noch eine Strecke weit von Hügeln beengt, erreicht der Fluss doch bald wieder die normale Breite und wird von Long Bagung an auch nicht mehr stark durch Berge verengt. Während daher der oberhalb Long Bagung gelegene Teil des Mahakam nur unter günstigen Verhältnissen für die eigenartigen Böte der Eingeborenen schiffbar ist, können bis zu dieser Stelle, ausser bei sehr niedrigem Wasserstande, kleine Dampfböte den Fluss hinauffahren. Bereits bei der Mündung des Merah beträgt die Breite des Flusses 300 m und nimmt nach unten hin immer mehr zu. Nur bei Uma Mehak Teba, wo der Strom sich um eine Hügelreihe windet, wird er noch einmal 100 m breit, später jedoch nicht wieder. Erst dort, wo die südöstliche Richtung in eine östliche übergeht, jenseits des Gunung Sindáwar, wird das Land zu beiden Flussseiten zu einer alluvialen Tiefebene, auch erhebt es sich nicht hoch über dem Meeresspiegel. Das Land behält aber nicht den gleichen Charakter bis zur Mündung bei, denn die ganze Ostküste von Borneo wird nach Süden, bis zum Pasirfluss, durch eine Gebirgskette begrenzt. Durch diese Gebirgskette muss der Fluss sich hindurcharbeiten, bevor er sich in zahlreichen Mündungen ins Meer ergiessen kann.
Betrachten wir uns den Oberlauf des Mahakam näher, so zeigt es sich, dass er so lange die südwestliche Richtung beibehält, als er sich in der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges befindet, beim Howong jedoch wird er gezwungen, sich nach Osten zu wenden, da er dort auf das vulkanische Gebiet stösst, dessen wichtigste Erhebungen der Lekudjan, Penaneh und Menetokai sind, und auf die Sandsteinformation, in welcher nach Osten hin der Batu Lesong die Hauptkette bildet.
Von der Vereinigung des Selirong und Seliku an bis zur Mündung des Howong fällt der Fluss in seinem sehr geraden Lauf von 550 auf 300 m über dem Meeresspiegel. Da das Quertal überall eng ist, behält der Mahakam in diesem Gebiet ganz den Charakter eines Bergstromes, der nur bei niedrigem Wasserstande befahrbar ist und in welchem grosse Wasserfälle, wie der Kiham Matandow (Sonnenfall), die Reise sehr gefahrvoll machen.
Die Ufer bestehen, ausser auf kurzen, ebeneren Strecken, aus steilen Schieferwänden; im Flussbett selbst kommen nicht wie weiter unterhalb grosse Geschiebeablagerungen vor, die an den Ufern oder in der Mitte Geröllbänke bilden.
Da, wo der Fluss in der Richtung des Sandsteingebirges Batu Lesong im Süden und des Batu Apap Kaju Hun und Ong Dia im Norden nach Osten strömt, ändert sich sein Charakter. Bis Long Tepai kommen eigentliche Wasserfälle nicht vor, obgleich der Höhenunterschied zwischen Long Howong und Long Blu-u noch 100 m beträgt. Die grössten Hindernisse für eine Bootfahrt bilden auf dieser Strecke die Stromschnellen und die unterhalb der konvexen Uferseite gelegenen Geröllbänke. Der gewundene Lauf des Flusses zwischen Long Blu-u und Pahngè lässt bereits andere Verhältnisse vermuten. Von dem Gipfel des Batu Mili aus sieht man denn auch, dass sich das Flusstal nach Osten verbreitert; nur einige Hügel nähern sich den Ufern und am Horizont erscheinen die Berge Batu Niaan, Batu Boh und Batu Ajo. Auch eine Fahrt auf dem Flusse zeigt ein verändertes Bild; der Fluss hat hier sein Bett in seine alten Ablagerungen, viele Meter dicke Geröll- und Sandschichten, gegraben und zahlreiche kleine, bewachsene Geröllinseln erschweren die Fahrt auf dem Flusse.
Diese Flussablagerungen enthalten zahlreiche Schichten mit Pflanzenresten und haben ihr Entstehen dem Umstande zu danken, dass der Fall zwischen Blu-u und Tepai nur 20 m beträgt, während die grosse Enge des Bettes unterhalb Tepai durch Stauung bei Hochwasser auf die Stosskraft des Flusses sicher einen schwächenden Einfluss übt. Bei Lulu Njiwung ist die Anzahl kleiner Geröllinseln besonders gross. Unterhalb Long Tepai stösst der Mahakam auf das Bergmassiv, das nach Westen in den Pajang ausläuft; er windet sich hier durch zwei enge Täler nach Süden und bildet dabei zwei Reihen grosser Wasserfälle. Auf dieser Strecke ist der Fall des Flusses ein sehr bedeutender, er beträgt zwischen Long Tepai und Kiham Halo 80 m.
Nach der ersten, westlichen Reihe Wasserfälle folgt ein breiterer Teil des Flusses, an dem er den Bo aufnimmt, der, aus einem grossen Stromgebiet kommend, dem Mahakam 1/3 seiner Wassermenge zuführt.
Den verhältnismässig ruhigen Charakter dieser Strecke behält der Fluss bis Long Deho, wo bei Kiham Udang wiederum sehr enge Stellen folgen, da der Fluss die mächtigen Konglomeratblöcke, die in seinem Bette liegen, nicht hat entfernen können. Der Kiham Udang wird gänzlich aus diesen Blöcken gebildet, welche von den Konglomeratschichten aus rundem Griess abgebröckelt sind, die zu beiden Uferseiten mit Sandsteinschichten abwechselnd eine Mächtigkeit von 10-30 m erreichen. Der weiche Sandstein wurde vom Flusse weggeführt, während die Konglomeratmassen liegen blieben. Dass derartige Verengungen auf den Strom einen grossen Einfluss ausüben können, ersieht man daraus, dass der Fluss bei Long Deho im Jahre 1897 in zwei Tagen 15 in stieg, in 3 Tagen aber wieder seinen normalen Stand erreichte.
Unterhalb Long Bagun hat der Fluss für seinen gewundenen Lauf eine breitere Ebene, die er sich selbst aus seinen Ablagerungen von Griess und Sand geschaffen hat, zu seiner Verfügung. Zwischen der Mündung des Mera und Ma Mehak Teba liegen besonders viele Inseln, die alle durch abgesetztes Geschiebe entstanden sind. Da Ana nur noch 50 m über dem Meeresspiegel liegt, ist der Fall des Flusses weiter unten nicht mehr bedeutend.
Griessbänke kommen noch bis Ana vor, aber der Mahakam betritt erst bei Gunung Sindáwar die ausgedehnte Tiefebene von Kutei und erhält erst von hier an den Charakter eines Unterlaufs.
Das weite, gänzlich flache Gebiet nördlich und südlich vom Mahakam, das den grössten Teil des Binnenlandes von Kutei ausmacht, scheint in früherer Zeit ein grosses Wasserbecken gewesen zu sein, das durch den Mahakam und seine Nebenflüsse allmählich angefüllt und dann durch die Vegetation überwuchert worden ist. Als Überbleibsel dieses Beckens sind zu beiden Seiten des Flusses eigenartige Seeen zurückgeblieben. Diese tragen mit ihrer runden Form und grossen Oberfläche einen ganz anderen Charakter als die länglichen, gewundenen, kleinen Seeen, die in der "Wester-Afdeeling" zu beiden Seiten des Kapuas vorkommen und einen Teil des früheren Flussbettes darstellen. Obwohl ein Teil des Mahakam, vom Blu-u bis Long Pahngè, nach Auffassung von Professor _Molengraaff_, der Art seiner Geschiebeablagerung wegen nicht als Oberlauf betrachtet werden sollte, muss es doch aus praktischen Gründen zweckmässig genannt werden, den Teil des Mahakam oberhalb Long Bagun als Oberlauf zu bezeichnen. Die ausgedehnten Geröll- und Griessablagerungen unterhalb dieses Ortes stempeln den folgenden Teil zum Mittellauf; während der Lauf des Flusses durch die Alluvialebene unterhalb Gunung Sindawar alle Eigentümlichkeiten eines Unterlaufs aufweist. Nur wird der Fluss an der Küste durch eine Hügelkette gezwungen, erst durch sie hindurch zu brechen, bevor er sein Delta bildet.
Dass die Bevölkerung am oberen Mahakam aus Bahaustämmen besteht, die alle in den letzten zwei Jahrhunderten aus dem hoch gelegenen Gebirgsland Apu Kajan ausgewandert sind, ist bereits an anderer Stelle berichtet worden.
In dem Quellgebiet des Mahakam trifft man bis zum Kiham Matandow nur unberührten Urwald, in dem einige kleine Gruppen von Bukat umherschweifen. Sie gehören dem Bukatstamme an, der in den Gebieten des oberen Kapuas, oberen Mahakam und Njangejan zu Hause ist. Da sie in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit ihren Aufenthaltsort wechseln, wissen selbst die ansässigen Bahau oft nicht genau, wo sie sich gerade befinden. Sie stehen mit den übrigen Nomadenstämmen, die sich unter dem gleichen Namen von Bukat oder Punan am Serata, Boh und am Kapuas im Flussgebiet des Gung, Kréhau und Mendalam aufhalten, in Verbindung.
Vor dem Kriegszug der Dajak aus Serawak im Jahre 1885 wurde das Flussgebiet des Mahakam, vom Kiham Matandow bis zum Sumwé, von verschiedenen Niederlassungen des Pnihingstammes bewohnt. Diese Niederlassungen wurden damals jedoch alle verwüstet mit dem Resultat, dass sämmtliche Bewohner den Hauptstrom abwärts zogen und sich in den ersten Jahren am Danum Parei östlich vom Kajangebiete niederliessen und später, ungefähr 1893 und 1894, zwei Wohnplätze im Gebiete der Kajan selbst gründeten, den einen an der Mündung des Sumwé unter dem Häuptling _Belarè_, den anderen dicht daneben zu Long 'Kub, unter den Häuptlingen _Erang Paren_ und _Tingang Kohi_. Nach dem Tode des ersteren liess sich letzterer im Jahre 1901 wieder oberhalb der Mündung des Kaso nieder.
Die Dörfer an den Nebenflüssen wurden von den Serawakischen Dajak verschont, so z.B. dasjenige am Howong unter _Amun Lirung_ und das am Penaneh unter Kaja, dem Bruder _Amun Lirungs_.
Die Bewohner des Hauses an der Mündung des Tjehan konnten noch, bevor ihr Haus verbrannt wurde, flussaufwärts flüchten und setzten sich weiter oben an der Mündung des Paketè fest, wo sie noch 1898 unter dem Häuptling _Paren_ lebten. Seit der Zeit wohnen sie aber näher an der Mündung des Tjehan, um Vorbereitungen für den Bau eines Hauses an der Mündung selbst zu treffen. Am Serata, oberhalb der Wasserfälle, die hinter dessen Mündung liegen, war die Pnihingniederlassung unter _Njangun Diu_, in der auch viele Punan wohnten, von den Batang-Lupar verschont geblieben.
Der Stamm der Seputan, der nicht zu den Pnihing zu gehören scheint, sondern in seiner Lebensweise mehr Übereinstimmung mit den Bungan Dajak zeigt, lebt im Gebiet des Kaso, teils hoch oben an diesem Flusse, teils am Penaneh.
Fährt man den Mahakam weiter abwärts, so gelangt man in das Gebiet der Kajan, die nach dem im Jahre 1901 erfolgten Tode ihres Häuptlings _Kwing Irang_ unter dessen Neffen _Bang Lawing_ stehen.
Der Stamm der Kajan beherrscht den zwischen dem Sumwé und dem Dini gelegenen Teil des Mahakamgebietes. Auch sein Haus, das sich früher unterhalb des Blu-u befand, wurde durch die Serawakischen Dajak niedergebrannt, worauf sich die Bewohner zerstreut auf ihren Feldern im Gebiet des Blu-u niederliessen. Bei meiner Ankunft im Jahre 1898 bauten sie sich bereits eine neue Niederlassung auf dem hohen Mahakamufer an der Mündung des Blu-u. Im Lande der Kajan halten sich keine Punan auf.
Östlich vom Dini beginnt das Gebiet der Long-Glat, eines Stammes, der sich gegenwärtig am Mahakam selbst festgesetzt hat und zwar in Lulu Njiwung unter _Ding Ngow_, in Batu Sala unter _Paren Dalong_ und in Long Tepai unter _Bo Lea_, dessen Besitz an der Grenze des Njian endet. Mit Ausnahme des Merasè, an dem die Ma-Suling leben, gehört das ganze Flussgebiet den Long-Glat. Auch hier kommen keine Punan oder Bukat vor.
Die Niederlassungen der Long-Glat unterscheiden sich insofern von denen der Pnihing, Kajan und Ma-Suling, dass in jeder derselben mehrere Stämme beieinander wohnen, die alle eigene Häuptlinge besitzen, welche dem Long-Glat-Häuptling gehorchen müssen. Diese Verhältnisse bestehen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo die Long-Glat am oberen Mahakam eine grosse Macht entwickelten und unter den zwei Häuptlingsbrüdern _Bo Ibau_ und _Bo Ledju Aja_ alle dort ansässigen Stämme unterwarfen. Die kleineren Stämme, wie die Ma-Tuwan, Ma-Tepai, Ma-Manok-Kwe und Batu-Pala wurden von ihnen gezwungen, mit ihnen zusammen zu wohnen, um ihre Anzahl zu vergrössern. Seit der Zeit teilten sich diese Stämme, sobald sich die Long-Glat teilten. Obwohl sie viel von den Long-Glat übernommen und sich auch durch Heirat mit diesen vermischt haben, hat sich doch noch vieles aus der Zeit ihrer Selbständigkeit bei ihnen erhalten. Sie haben sich ihre Sprache, ihren Häuserbau und ihren Gottesdienst ein Jahrhundert lang bewahrt, auch besitzen einige Stämme eine eigene Art der Tätowierung. Jeder dieser Stämme wohnt in seinem eigenen, langen Hause neben dem der Long-Glat, so dass man in einem Dorfe, das vielleicht 1-2 Hektare umfasst, 3-4 bisweilen sehr verschiedene Sprachen reden hört, beim Ackerbau sehr verschiedene Zeremonien, Verbotszeiten und Vorzeichen beobachten sieht und, besonders bei den Frauen, verschiedene Arten der Tätowierung feststellen kann.
Allen Sprachen, die in einer Niederlassung gesprochen werden, die allgemeine Umgangssprache, das Busang, mit einbegriffen, liegt der gleiche Stamm zu Grunde. Dem Laute nach weichen diese Sprachen aber sehr von einander ab; das Long-Glat z.B. ist den anderen Stämmen so fremd, dass die Bahau etwas Unverständliches als "_dahaun_ Long-Glat" = "Sprache der Long-Glat" bezeichnen. Im gegenseitigen Verkehr benützt man das Busang.
In Lulu Njiwung wohnen die Long-Glat jetzt mit den Ma-Tuwan und drei anderen, kleineren Stämmen zusammen; in Batu Sala leben die Long-Glat mit den Ma-Tuwan und Uma-Tepai; in Long Tepai leben ausser den 3 letzten auch noch Manok-Kwe und Batu-Pala.