Quer Durch Borneo; Erster Teil

Chapter 17

Chapter 173,415 wordsPublic domain

Die einfachen Schilde werden nie mit Haar verziert; dies geschieht nur mit den bemalten Schilden, die daher _klebit bok_ (Haarschild) genannt werden. Gegenwärtig wird am Kapuas nicht mehr das Haar erschlagener Feinde als Zierat gebraucht, auch ist es verboten, als Waffenverzierung Menschenhaar aus dem eigenen Stamm zu verwenden. Das Haar für die Schilde wird jetzt hauptsächlich von den Taman Dajak gekauft, die mit ihrem eigenen Haar Handel treiben. Für die Schwerter benützt man vielfach eingeführte, gefärbte Tierhaare.

Nur die Punan und Bukat gebrauchten ursprünglich und zum Teil auch noch jetzt keine Schilde.

KAPITEL VIII.

Rolle des Ackerbaus bei den Bahau und Kenja--Religiöse Vorstellungen beim Ackerbau Legende von der Entstehung der Ackerbauprodukte--Art der Feldbewirtschaftung--Vorzeichensuchen bei der Wahl der Felder--Bestimmung der Saatzeit-Perioden des Reisbaus--Bedeutung der Ackerbaufeste--Saatfest: religiöse Zeremonien; Masken- und Kreiselspiel--Neujahrsfest Festgebräuche--Zweite Namengebung der Kinder--Darbietung der Opfer--Tänze der Priesterinnen--Ringkampf--_aron uting_ = Festtag des Schweinefleischessens--_aron kertap_ = Festtag des Klebreisessens--_nangeian_ = Rundtanz der Priesterinnen und Laien--Schlusszeremonien beim Neujahrsfest.

Die Bahau und Kenja sind Ackerbauer; sie widmen sich hauptsächlich dem Bau ihres wichtigsten Nahrungsmittels, des Reises; alle übrigen Bodenerzeugnisse spielen daneben eine untergeordnete Rolle. Der Ackerbau beherrscht im Grunde das ganze Leben dieser Stämme: ihr Jahr ist das Jahr des Reisbaues, das sie in die verschiedenen Perioden einteilen, welche die Bearbeitung des Reisfeldes und die Behandlung des Reises selbst bedingen.

Die Herstellung von Wohnung, Kleidung und sonstigen Artikeln nehmen die Kajan in der Zeit vor, die der Reisbau ihnen gerade übrig lässt, vor allem nach dem Jäten der neuangelegten Felder und in der letzten Ernteperiode. Dinge, die sie jetzt nicht mehr selbst verfertigen oder gewinnen, wie Salz und einige Arten Zeug, werden den malaiischen Händlern mit Bodenprodukten bezahlt.

Bei Stämmen, deren Denken so stark vom Ackerbau in Anspruch genommen wird, nimmt es nicht Wunder, dass sie ihre Vorstellungen von den ihr Wohl und Wehe beherrschenden Mächten mit diesem in engen Zusammenhang bringen. Die Geisterwelt steht mit dem Ackerbau der Bahau in inniger Verbindung, ohne ihre Zustimmung kann eine Feldarbeit überhaupt nicht vorgenommen werden. Auch fallen alle grossen Volksfeste mit den verschiedenen Perioden des Reisbaus zusammen. Da nach der Ernte ein besonderer Wohlstand herrscht, werden, schon aus praktischen Gründen, auch alle Familienfeste, die einen grossen Aufwand erfordern, auf das Neujahrsfest am Schluss der Ernte verlegt.

Die beiden mächtigen Geister, _Amei Awi_, und dessen Gattin, _Buring Une_, die nach der Überzeugung der Kajan in einer Welt leben, die unter dem Erdboden liegt, beherrschen den ganzen Ackerbau und lassen den. Ausfall der Ernte grösstenteils vom Benehmen des Feldeigentümers abhängen, und zwar nicht nur von dessen sittlichem Betragen, sondern vor allem davon, ob er alle ihnen zukommenden Opfer und ihre Warnzeichen genügend beachtet hat.

Dem Häuptling fällt eine wichtige Rolle beim Ackerbau zu: er muss bei den Festen im Namen des ganzen Stammes die vorgeschriebenen Beschwörungen durch die Priesterinnen ausführen lassen.

Alle religiösen Zeremonien, die der Ackerbau erfordert, finden auf einem kleinen, besonders zu diesem Zweck angelegten Reisfeld (_luma lali_) statt; hier leitet auch die Häuptlingsfamilie jedes neue Verfahren des Reisbaus, wie das Säen, Jäten, Ernten ein; die feierlichen Handlungen, die dabei vorgenommen werden, haben symbolische Bedeutung.

Die Geister walten nicht nur über dem Gelingen oder Misslingen der ganzen Ernte, sondern sie haben auch die angebauten Produkte: Reis, Mais, süsse Erdäpfel, Tabak u.s.w. besonders für die Bahau auf Erden entstehen lassen.

Nach der Überlieferung der Mendalam Kajan lebte nämlich in alten Zeiten, als sie noch das Stammland Apu Kajan bewohnten, ein Ehepaar: _Batang Timong Nangei_ und seine Frau _Uniang Bulan Batang Ngaui Ingan_ (ihre Namen stehen mit dem Ackerbau in Verbindung, denn _nangei_ bedeutet das Feiern des neuen Jahres am Ende der Reisernte, _ingan_ ist ein Reiskorb u.s.f.). Das Ehepaar hatte zu seinem Kummer keine Kinder und, um sie zu erlangen, ging der Mann, auf Anraten der Geister, darauf aus, eine bestimmte Art Rotang zu suchen. Nach mehr als einem Jahr kehrte der Mann ohne Erfolg und völlig erschöpft heim. Seine Gattin _Uniang_ war aber inzwischen gestorben, weil sie während einer Verbotszeit des Säens genäht und hierdurch den Zorn der Geister erregt hatte. Ihr Tod hatte sich folgendermassen zugetragen: Als _Uniang_ einmal wieder zu verbotener Zeit bei der Arbeit sass, fiel durch das Dach eine Nadel vom Himmel gerade auf ihren kleinen Finger, der zu bluten begann. Die Blutung war nicht zu stillen und so musste die Frau allmählich verbluten; aus ihrem hervorquellenden Blute entstand aber Reis (_parei_) und nach ihrem Tode aus dem Rumpf Bananen (_pute_), aus ihren Haaren Zuckerrohr (_tewo_), aus ihren Oberarmen _kladi_, aus ihren übrigen Körperteilen andere mit dem Reis zugleich gebaute Gewächse wie: Gurken, süsse Erdäpfel (_obe_) u.s.w., aus den Schamteilen ging Tabak (_bako_) hervor, daher geben die Frauen ihren Liebhabern Zigarren zu rauchen.

Sowoht Bahau als Kenja legen trockene Reisfelder (_luma_ im Busang _ladang_ im Malaiischen) an. Ein Stück Wald, jung (_talon_) oder alt (_tuwan)_, wird einige Meter oberhalb des Erdbodens gefällt, das Holz liegen gelassen, bis die Sonne es etwas getrocknet hat und das Ganze dann in Brand gesteckt. Ohne den Boden weiter zu bearbeiten, werden mit einem hierfür bestimmten Stocke (_tol_) Löcher in die Erde bzw. die Asche gebohrt, in welche man dann den Reis (_parei_) sät.

Jede Familie besitzt ein eigenes Reisfeld; sobald erwachsene Kinder da sind, erhalten sowohl Söhne als Töchter ein eigenes Feld. Hier bauen sie neben Reis auch Mais, Bataten, Tabak, Zuckerrohr und _kladi_ (Colocasia antiquorum); ein besonderes Feld wird nur für die das Fischgift (_tuba_) liefernden Schlingpflanzen angelegt. Da man das Reisfeld jedes Jahr oder spätestens nach zwei Jahren wieder verlässt, werden nur selten Fruchtbäume ausser Bananen und Papaya (Carica Papaya) darauf gepflanzt; diese werden vielmehr von jeder Familie dicht vor oder hinter dem langen Hause mit Betel und Ähnlichem in kleinen Gärten gezogen, die, zum Schutz gegen die frei umherlaufenden Schweine, mit festen Hecken umgeben werden.

Unter den Fruchtbäumen sind die wichtigsten: _duku_ (Lansium domesticum), _durian_ (Durio zibethinus), verschiedene Citrusarten, Papaya (Carica Papaya), _djambu_ (Jambosa) und _blimbing_ (Capura Zollingeriana T. et B.).

Die Kokospalme kommt selten vor, trägt wenig Früchte und ist nur, insofern sie Leckerbissen liefert, von Bedeutung.

Obgleich die Frauen sowohl bei der Feldarbeit als bei den zugehörigen religiösen Handlungen eine wichtige Rolle spielen, wird der Boden für ein neu anzulegendes Feld doch ausschliesslich von Männern ausgesucht. Das männliche Haupt des Dorfes trachtet zuerst von den Vögeln und anderen wahrsagenden Tieren zu vernehmen, ob das von ihm gewählte Grundstück auch einen guten Ertrag verspricht. Handelt es sich darum, Urwald (_tuwan_) oder jungen Wald (_talon_) zu fällen, so benützen die Bahau am Mendalam den _telandjang_ (Platylophus coronatus) als wahrsagenden Vogel; wegen des Urwaldes wird auch noch das Reh (Cervulus muntjac) befragt. Der Häuptling begiebt sich zu diesem Zwecke in das gewählte Waldstück und klopft an den Bäumen, bis er den _telandjang_ hört oder sieht. Zeigt sich der Vogel rechts von ihm, so ist das Grundstück gut gewählt, zeigt er sich jedoch links, so muss ein anderes Stück Wald gesucht werden. Hat der Häuptling das gewünschte Vorzeichen gefunden, was oft 2-3 Tage dauert, so beginnen die übrigen Männer ebenfalls die Tiere zu befragen. Ist dies geglückt, so muss das ganze Dorf 4 Nächte "_melo njaho_" d.h. "stillsitzen wegen der Vorzeichen". Es darf dann kein Dorfbewohner mit der Aussenwelt in Berührung kommen oder mit einem Vorübergehenden sprechen; es darf auch kein Fremder das Dorf betreten. Dann verwendet man 3 Tage darauf, das Unterholz mit dem Schwerte wegzuräumen, _meda_, worauf wiederum ein _melo njaho_ von 4 Nächten folgt. Die Bahau rechnen nämlich nach Nächten statt nach Tagen.

Auch der Schrei des _kidjang_ (Reh), rechts oder links vom Beobachter, zeigt an, ob ein Stück Urwald gefällt werden darf oder nicht. Hat das Reh die Wahl gebilligt, so muss das ganze Dorf 8 Nächte _melo njaho_. Man darf dann das Haus wohl verlassen, aber keinen Reis als Proviant mitnehmen und keine Nacht ausserhalb des Hauses verbringen (_san)_.

Obgleich im Innern von Borneo nur eine geringe Anzahl Menschen wohnt, ist doch alles Land so unter den verschiedenen Stämmen verteilt, dass jeder nur in einem bestimmten Gebiete seine Reisfelder anlegen darf. Wenn ein Stamm aus einer Gegend fortzieht, hat ein anderer das Recht, sie zu bebauen; auf die herangewachsenen Fruchtbäume jedoch machen die früheren Besitzer noch viele Jahre Anspruch.

Auf noch nie bebaut gewesene Grundstücke haben alle Glieder eines Stammes gleiche Rechte und dürfen sich daher ihren Teil nach Belieben wählen. Ein einst bebaut gewesener Boden bleibt aber, auch wenn er seit Jahren verlassen ist, stets das Eigentum desjenigen, der ihn zuerst bearbeitete. Am Mahakam werden derartige Grundstücke nicht verkauft, wohl aber verpachtet oder gegen andere eingetauscht. Als Grenzzeichen benützt man Bäume, grosse Steine oder Bäche.

In Anbetracht, dass für das Trocknen und Verbrennen des gefällten Waldes die trockenste Jahreszeit erforderlich ist, sucht man, unter normalen Verhältnissen, diese Arbeiten während des Juli und August, wo die grösste Aussicht auf Trockenheit vorhanden ist, zu Ende zu führen. Dass die Ernte dann auf die Regenzeit zwischen Dezember und März fällt, ist für die Stämme von Mittel-Borneo von geringerer Bedeutung.

Den Beginn der verschiedenen Perioden des Reisbaus lässt man von den Umständen abhängen, nur für das Säen sucht man bestimmte Tage einzuhalten. Wenn irgend möglich, beginnt man mit der Saat an dem Tage, wo die Sonne an einem bestimmten Punkte des Horizontes untergeht.

Bei den Kajan am Mahakam richtete der Oberpriester neben dem neuen Hause am _Blu-u_ zwei längliche Steine von verschiedener Höhe auf und stellte sie so, dass das Zeichen für die Saat gegeben war, wenn die Sonne in der Verlängerung ihrer Verbindungslinie unterging.

Man erzählte mir, dass die Höhlungen in einem Felsblock bei Batu Sala, im Flussbett des oberen Mahakam, dadurch entstanden seien, dass die Priesterinnen der umliegenden Stämme von alters her jedes Jahr auf dem Stein gesessen hätten, um zu beobachten, wann die Sonne hinter einem bestimmten Gipfel des gegenüberliegenden Gebirges untergehen würde; dieser Zeitpunkt war dann für den Beginn der Saat massgebend.

Ausser bei zu grosser Nässe wird mit dem Reisbau auch dann noch mit einer Verspätung angefangen, wenn die letzte Ernte besonders günstig ausgefallen war. In solchen reichen Zeiten begeben sich die Männer auf Handelsreisen, bauen Böte, bessern das Haus aus, oder verrichten sonstige Arbeiten, die sie während der Zeit drückender Feldarbeit nicht vornehmen können. Herrscht dagegen Reismangel im Stamme, so beginnt man baldmöglichst mit der Saat.

Jede umfangreichere Arbeit, so auch die Bearbeitung der Reisfelder, wird bei den Bahau stets durch die gemeinsame Arbeit verschiedener Gesellschaften von 4-6 Personen besorgt. Es sind nicht immer Familienglieder, sondern, vor allem bei jungen Männern, häufig Freunde, die einander Hilfe leisten und diese später mit einer gleichen Anzahl von Arbeitstagen heimzahlen. Nur Söhne und Töchter sind ausdrücklich verpflichtet, ihre Eltern bei der Arbeit zu unterstützen. Dieses gemeinschaftliche Verrichten einer Arbeit nennen die Bahau: _pala dow_, wörtlich: tagweise.

Derjenige, bei dem gearbeitet wird, muss seinen Gehilfen am betreffenden Tage das Essen liefern; am Mendalam wird aber, besonders in Zeiten von Reismangel, nicht immer während der Arbeit eine Mahlzeit gehalten.

In der drückendsten Arbeitszeit geht jeder, der arbeiten kann, aufs Feld; im Hause bleiben nur Kinder unter 8-10 Jahren, Frauen, die Kinder unter zwei Jahren zu versorgen haben, Greise und Kranke zurück.

Der Auszug aufs Feld findet am Mendalam bei Sonnenaufgang, um 6 Uhr, statt. Ausgerüstet mit den augenblicklich gerade erforderlichen Ackergerätschaften, z.B. Schwertern und Beilen zur Zeit des Waldfällens, Schaufeln zur Zeit des Jätens, dazu stets mit einem Speer bewaffnet, begeben sich die Trüppchen zum _paladow_ in einem Boot oder längs einem Waldpfad auf das Arbeitsfeld. Hat man zu Hause noch nicht gefrühstückt, so macht sich einer von der Gesellschaft, meist eine Frau, an die Zubereitung des Morgenimbisses.

Nicht immer erreicht die Gesellschaft ihr Arbeitsfeld; begegnet sie unterwegs einem links auffliegenden Vogel, der gerade zu den wahrsagenden gehört, oder bemerkt sie eine rotköpfige Schlange (Doliophis bivirgatus Boie), die den Kopf in die Richtung des Hauses dreht, oder hört sie den Schrei eines Rehs, so kehren sämmtliche Teilnehmer unverrichteter Sache wieder nach Hause zurück. Auch wenn die Gesellschaft in dem Häuschen, das oft auf dem Felde errichtet wird, eine beliebige Schlange erblickt, macht sie sich schleunigst auf den Heimweg.

Bei den verschiedenen Stämmen sind auch die Warnzeichen, welche einen Aufschub der Feldarbeit verlangen, einigermassen verschieden.

Die Bahau beschäftigen sich an den Tagen, an denen die Tiere ihnen die Arbeit auf dem Reisfelde verbieten, zu Hause mit Flechtarbeit, Nähen und dergl.

Das Wahrnehmen schlechter Vorzeichen ist am ersten Tage der beginnenden Feldarbeit besonders verhängnisvoll; begegnet man nämlich morgens beim ersten Auszug einem ungünstigen Zeichen, so darf man ein ganzes Jahr lang überhaupt keinen Reis bauen, nur Bataten, Mais u.a. dürfen dann gepflanzt werden. Um derartigen Zuständen vorzubeugen, geht man das erste Mal, kluger Weise, nachts aufs Feld.

Sieht man in der Zeit der Vorarbeiten ein Reh übers Feld laufen, so darf dieses ebenfalls nicht im gleichen Jahre bearbeitet werden, sondern man beschränkt sich auch in diesem Falle auf den Anbau anderer Bodenprodukte.

Die Jahreseinteilung richtet sich bei den Bahau, wie bereits erwähnt, nach den verschiedenen Arbeiten, die auf dem Reisfelde vorgenommen werden. Das Jahr zerfällt demnach in 8 Perioden:

_nebas = meda_ = Fällen des Unterholzes.

_newang_ = Fällen der Bäume.

_nutung_ =Verbrennen des gefällten Holzes.

_nugal_ = Säen;_ tugal_ = Saatfest; _nugal_ = Feiern von _tugal_.

_nawo_ = Jäten.

_ngeluno_ = Ernten.

_newuko_ = Beenden der Ernte.

_nangei_ = Feiern des neuen Reisjahres; _dangei_ = Neujahr.

Will ein Kajan an einer Stelle, wo im Laufe von 15 Jahren ein ungefähr 100 Fuss hoher Wald gewachsen ist, sein Feld anlegen, so beginnt er damit, die kleineren Pflanzen und Gebüsche mit einem eigens für diesen Zweck hergestellten Schwerte umzuhauen. Wenn alles Unterholz am Boden liegt, kommt das Fällen der Bäume an die Reihe, die einzige ausschliesslich von Männern verrichtete Arbeit; sie wird mit kleinen, selbst hergestellten oder auch eingeführten Beilen aus hartem Stahl bewerkstelligt.

Die Bäume werden 1-4 m über dem Boden gefällt, worauf auch die Zweige abgehackt werden, so dass die Stämme flach auf dem Boden zu liegen kommen. Auch nach einmonatlicher Dürre lassen sich die Stämme und dicksten Äste nur teilweise verbrennen; man räumt sie jedoch nicht fort, sondern sät den Reis einfach zwischen und neben dem Holz hin. Mit einem Teil dieses Holzes wird übrigens, um Hirschen und wilden Rindern den Eintritt zu wehren, das Reisfeld eingezäunt. In wildärmeren Gegenden unterlässt man die Herstellung dieser Hecke, weil sie viel Arbeit erfordert und opfert lieber einen Teil der Ernte. Auch den Vögeln, von denen bei beginnender Reife drei Arten Reisdiebe (Padda oryzivora; Munia fuscans; Munia bruneiceps) in grossen Schwärmen das Feld heimsuchen, und den Affen muss ein Teil des, Bodenertrages abgetreten werden. Bisweilen verursachen auch Insekten und deren Larven einen so grossen Schaden, dass von der ganzen Ernte beinahe nichts übrig bleibt. Allen diesen Schädlingen gegenüber sind die Bahau viel wehrloser als die Malaien; nur durch Schreien und Schlagen auf Bambusgefässe gelingt es ihnen mit viel Anstrengung, einige der Räuber zu vertreiben.

Befindet sich ein Reisfeld in der Nähe des Hauses, so wird es von diesem aus bewirtschaftet, hat man es aber in grösserer Entfernung anlegen müssen, so wird das tägliche Hin- und Herziehen zu mühsam; man baut daher auf dem Felde selbst ein Häuschen (_lepo luma_) auf Pfählen, in welches die ganze Familie einzieht. In sicheren Gegenden wohnen die Familien oft weit auf den Feldern zerstreut, wodurch der Stammverband oft gelockert wird.

Die den Reisbau begleitenden religiösen Feste sind bei allen Stämmen etwas verschieden, nur die ihnen zu Grunde liegenden Vorstellungen sind überall die gleichen. Im wesentlichen handelt es sich stets darum, die Geister und die Seelen des Reises durch Opfer aller Art zu versöhnen und günstig zu stimmen.

Die Mendalam Kajan erfreuen sich eines ziemlich regelmässigen Ernteertrages; ihre Ackerbaufeste finden daher auch jedes Jahr statt; die Mahakam Kajan dagegen können wegen häufiger Missernten nur alle 2-3 Jahre ein Neujahrsfest (_dangei_) feiern.

Trotzdem diese Festlichkeiten am Mendalam regelmässiger gefeiert werden, folgt man ihnen am Mahakam doch mit lebhafterem Interesse und die Bedeutung aller Zeremonien und Spiele lässt sich hier auch viel besser verfolgen. Am Mendalam kam ich zu der falschen Vorstellung, dass die Volksspiele, die bei den Festen stattfinden, rein willkürlich zur Saat- oder Erntezeit vorgenommen werden; am Mahakam dagegen merkte ich, dass selbst dem Maskenspiel beim Saatfest eine gleich tiefe Bedeutung wie irgend einer durch die Priesterinnen verrichteten Handlung zukommt.

Für die Denkweise der Kajan ist die Tatsache charakteristisch, dass bei den Erntefesten nicht nur die Menschen im Überfluss schwelgen dürfen, sondern dass auch ihre Haustiere: Schweine, Hunde und Hühner, die für gewöhnlich vom Abfall leben, in der Festzeit sich gut gekochten Reises erfreuen dürfen. Als ich einst _Akam Igau_ fragte, warum sich die Kajan aller geistigen Getränke enthielten, gab er mir als einen der Gründe an, dass sie sonst nicht genügend Reis hätten, um auch die Tiere an den Festmahlzeiten teilnehmen zu lassen. Ausserdem wies er auf die traurigen Folgen hin, die der Genuss von Reisbranntwein (_tuwak_) für seine Nachbarn, die Taman Dajak, hatte.

Bei allen religiösen Handlungen fürchten die Kajan die Anwesenheit Fremder, weil diese die angerufenen Geister erschrecken und verstimmen könnten; daher dürfen die malaiischen Händler in Tandjong Karang auch nie Festlichkeiten beiwohnen.

Obgleich ich mich nun stets davor hütete, meinen Gastherren meine Gegenwart, falls sie nicht gewünscht wurde, aufzudrängen, erschien mir das Saatfest doch so interessant, dass ich es mitzumachen beschloss, auch auf die Gefahr hin, den Unwillen der Dorfbewohner zu erregen.

Ich hatte daher auf die schüchternen Fragen, ob ich bei den Festlichkeiten zugegen sein wolle, bejahend geantwortet. Am Morgen des Festtages war aber ein guter Teil der Häuptlingsfamilie mit der Priesterschaft bereits aufs geweihte Feld (_luma lali_) gezogen, als _Akam Igau_ mich noch mit dem Versprechen hinhielt, mir später das Boot seines ältesten Sohnes zur Verfügung stellen zu wollen, das mich an das jenseitige Ufer zum Schauplatz der Festlichkeit bringen sollte. Nachdem ich vergeblich auf dieses Boot gewartet hatte, bestieg ich dasjenige, in dem _Akam Igaus_ älteste Tochter, _Tipong Igau_, zum Festplatz fahren sollte. _Tipong_ besass im grossen Hause von Tandjong Karang die einflussreichste Stellung; auch gehörte sie zu den obersten Priesterinnen und legte als solche meinen Nachforschungen nach den Lebensverhältnissen und religiösen Überzeugungen der Kajan die grössten Hindernisse in den Weg. Aber obwohl fanatisch, war _Tipong Igau_ doch nicht boshaft und wies daher auch meine Begleitung nicht ab, trotzdem sie diese durchaus nicht zu schätzen schien. Sie hatte übrigens gleich einen Grund gefunden, um ihr religiöses Gewissen zu beschwichtigen; denn als ihr mitten auf dem Flusse ein vorüberfahrender Malaie zurief, dass ich, als Fremder, nicht zur Feier gehöre, gab sie ihm sofort zur Antwort, dass ich Kajanisch spreche und folglich auch zu den Kajan gehöre.

Dass meine Anwesenheit als etwas Aussergewöhnliches betrachtet wurde, merkte ich auch später, bei der Rückkehr von dem Feste. Ein zum Islam übergetretener Kajan fragte mich nämlich, ob ich bei der Feier zugegen gewesen sei. Auf meine bestätigende Antwort ergriff er schweigend meine Hand, lächelte mich von der Seite an und ging weiter--ein Ausdruck seiner Bewunderung, dass ich es in der Volksgunst bereits so weit gebracht hatte.

Durch _Tipong Igaus_ Auffassung beruhigt, bestieg ich mit ihr das hohe Ufer und befand mich sogleich auf dem _luma lali_, das unmittelbar hinter den Trümmern eines früheren Kajanhauses angelegt worden war. Neben dem _luma lali_ der Häuptlingsfamilie lagen die geweihten Felder der übrigen Familien, die das Fest am folgenden Tage begehen sollten. Diese kleinen Felder werden niemals des Ertrages wegen bebaut, sie dienen nur als Schauplatz religiöser Handlungen, auch werden auf ihnen symbolisch alle Arbeiten eingeleitet, die später auf den wirklichen Reisfeldern vorgenommen werden müssen.

Bei meiner Ankunft bemerkte ich zuerst, unter einem auf vier Pfählen ruhenden Baldachin aus Palmblättern, zwei weibliche und zwei männliche Priester, die sich mit der Zubereitung der Opfer beschäftigten; die Frauen stellten _kawit_ her, während die Männer aus Fruchtbaumholz die erforderlichen Stücke für das Opfergerüst (_pelale_) schnitzten.

Inzwischen befasste sich der profanere Teil der Familie und Sklaven mit deren irdischen Interessen, indem er in einigen grünen Bambusgefässen Klebreis und in anderen Hühner- und Schweinefleisch kochte. Die Kinder umringten alle diese Herrlichkeiten, während Jünglinge und Jungfrauen, im Schatten abgelegenerer Gebüsche sitzend, bei süssem Minnespiel die Welt um sie her zu vergessen schienen.

Um die Stelle, wo das Opfergerüst aufgestellt werden sollte, bauten zwei Männer aus dickem Holze eine feste, ungefähr 1 m hohe pyramidenförmige Hülle mit seitlicher Öffnung, worauf die älteste _dajung_ um die Hülle etwas Reis säte und dann die jungen Leute herbeirief, um das ganze Feld weiter zu besäen. Während die jungen Männer mit ihrem Pflanzstock (_tol_) Löcher in den Boden bohrten, streuten die jungen Mädchen, hinter ihnen hergehend, den Reis in die Gruben; die gegenseitigen Sympathieen der Pärchen blieben dabei nicht verborgen.

Unterdessen waren die Bambusgefässe teilweise schon verkohlt, ein Zeichen, dass ihr Inhalt bereits gar geworden war und dass das Festmahl beginnen konnte. Höflicher Weise bot man mir zuerst meinen Anteil an der Mahlzeit an, den ich, mit Rücksicht auf die in Ungeduld harrende Jugend, so schnell als möglich zu bewältigen trachtete. Der Anblick der Gesellschaft, die jetzt in festem Klebreis und dem so seltenen Schweine- und Hühnerfleisch förmlich schwelgte, erheiterte mich nicht wenig.

Nach beendetem Mahl fragte mich _Tipong_, ob ich nun, da alles vorüber sei, nicht nach Hause fahren wollte; da aber niemand sonst sich zum Aufbruch rüstete, glaubte ich ihre Langmut noch weiter auf die Probe stellen zu müssen und erklärte, noch etwas warten zu wollen.