Quer Durch Borneo; Erster Teil

Chapter 15

Chapter 153,359 wordsPublic domain

Die Bahau bekleiden ihre Kinder, sobald sie gehen können. Die Kleinen zeigen aber für die Notwendigkeit und Schönheit von Kleidungsstücken meist gar kein Verständnis und einzelne leisten daher beim ersten Anlegen des Lendentuchs oder Röckchens heftigen, oft Jahre dauernden Widerstand. Die Eltern schreiben diesen Widerstand, wie alles Aussergewöhnliche, dem Einfluss böser Geister zu; daher baten mich die Mütter öfters, ihr eigensinniges Kind zu "belesen," d.h. durch Lesen in einem Buche den bösen Geist aus ihm zu vertreiben.

Durch den ständigen Verkehr mit den Malaien, die auswärtige Stoffe, hauptsächlich billigen europäischen Kattun, bei ihnen einführen, ist die ursprüngliche Kleidung der Bahau am Mendalam viel stärker beeinflusst worden als die der Stämme am oberen Mahakam und Bulungan.

In früheren Zeiten verfertigten, wie es die Kenja und Bahau am Mahakam jetzt noch tun, auch die Mendalam Kajan die Stoffe für ihre Kleidungsstücke selbst; sie webten sie aus Baumwolle oder Lianenfasern oder stellten sie aus geklopftem Baumbast her. Die gewebten Stoffe wurden bei Festlichkeiten oder von den Reicheren getragen, während der Baumbast für die gewöhnliche Arbeitskleidung diente.

Auf die Herstellung dieser Kleidungsstücke verwandten besonders die Frauen viel Sorgfalt und Kunstfertigkeit. Sie webten sowohl prächtige Stoffe als auch einfachere, die dann, wie auch der Baumbast, durch schöne farbige Stickereien verziert wurden. Die Stickereien wurden in hübschen, farbigen Mustern, hauptsächlich im Kettenstich, ausgeführt und legen noch heute von dem Geschmack und Fleiss der damaligen Frauen ein gutes Zeugnis ab. Den Männern fiel die Bearbeitung der verschiedenen Arten von Baumbast zu, auch schnitten sie aus Zeug Figuren aus, welche von den Frauen als Verzierung auf die Kleider genäht wurden.

Während die eben erwähnten Verzierungen und die schön bestickten Baumbastkleider am oberen Mahakam jetzt noch gebräuchlich sind, findet man am Mendalam Figurenverzierungen nur noch an der Totenkleidung und Baumbast, einfach bearbeitet, wird nur noch bei der Feldarbeit oder als Zeichen von Trauer getragen. An Stelle des Baumbasts wird bei der Trauerkleidung jetzt auch weisser Kattun angewandt, den man vor dem Gebrauch in den Morast legt und dann auswäscht, um ihm den braunen Ton zu geben, der dem Baumbast gewöhnlich eigen ist.

Seitdem der weniger dauerhafte aber billige Kattun am Mendalam eingeführt worden ist, webt man dort überhaupt nicht mehr. Merkwürdiger Weise ist mit der Qualität der Stoffe auch die ihrer Bearbeitung gesunken; denn statt des früheren sorgfältigen Nähens ist jetzt nur noch das Heften gebräuchlich und das Sticken hat ganz aufgehört.

Bei sämmtlichen Stämmen von Mittel-Borneo bekleiden sich die Männer mit einem Lendentuch, die Frauen mit einem Röckchen. Während dieses bei den verwandten Bahau- und Kenjastämmen hinsichtlich der Form völlig übereinstimmt, trägt es bei den übrigen Dajak, z.B. den Batang-Lupar, Taman und Ot-Danum, einen ganz anderen Charakter.

Beschäftigen wir uns im folgendem speziell mit der Kleidung der Mendalam Kajan.

Das wichtigste und einfachste Kleidungsstück der Männer bildet das Lendentuch (_ba_). Bei schwerer Arbeit und auf Expeditionen durch Urwald und über Wasserfälle gebraucht man ein kurzes (huch, das nur einmal um die Hüften geschlungen wird; im Hause und bei Festlichkeiten dagegen tragen besonders die Reicheren bis zu 12 m lange Lendentücher. Ein derartiges Tuch wird stets nur einmal zwischen den Beinen durchgezogen und der Rest dann um die Hüften geschlungen. Gegenwärtig ist weisser, roter und blauer Kattun hierfür am beliebtesten, falls aber die Feldarbeit einen dauerhafteren Stoff erfordert, wählt man Baumbast. Die grosse Haltbarkeit des Baumbasts ist wohl die Ursache, dass er noch nicht gänzlich durch den beim Tragen viel angenehmeren Kattun verdrängt worden ist.

In der Regel wird das Lendentuch nicht verziert; seine Schönheit hängt von seiner Länge und vom angewandten Stoff ab. Zur Alltags kleidung der Männer gehört ferner eine Sitzmatte (_tabin_) in Form eines 3 × 4 1/2 dm grossen Rechtecks, das oben, an einer der schmalen Seiten, in ein 1 1/2 dm hohes Dreieck verläuft. An der Dreieckspitze sind zwei Schnüre angebracht, mittelst deren die Sitzmatte über den Hüften an den Körper gebunden wird und zwar so, dass die Matte hinten an der Verlängerung des Rückens zu hängen kommt. Die Matte hat den Zweck, die blosse Haut beim Sitzen auf schmutzigem oder nassem Boden vor Verunreinigung zu schützen; sie wird daher beinahe ständig getragen und häufig auch auf Reisen nicht abgelegt. In der Regel werden die Matten aus Rotang geflochten und oft mit roten oder schwarzen Figuren oder mit Knöpfen und Zeugstreifen verziert.

In neuerer Zeit tragen die Männer an Festtagen gern eine lange, bunte, malaiische Hose, falls sie einer solchen habhaft werden können.

Auf Jacken (_basong_) aus Kattun sind die Kajanmänner sehr erpicht; ihre Frauen stellen aber für die Feldarbeit auch sehr gute Jacken aus Baumbast her. Um eine Trennung der Fasern zu verhindern, wird der Bast mit festem Zwirn oder dünner Schnur durchzogen. Bisweilen fassen die Frauen die Bastkleider mit rotem Kattun ein; die Arbeit lässt aber an Schönheit viel zu wünschen übrig. Weiter unterscheidet sich die Festkleidung der Männer von der Alltagskleidung hauptsächlich durch die bessere Qualität des angewandten Materials. Hinzu kommt nur noch ein _sarong_ aus _batik_ [5] oder ein anderes schönes Stück Zeug, das quer über der linken Schulter getragen wird. Am Mahakam gebrauchen die jungen Leute diesen Schal, falls sie nicht arbeiten, täglich.

Zum Kriegskostüm der Männer gehört hauptsächlich eine dicke ärmellose Jacke (_basong kapai_), die aus zwei mit Kapok gefüllten Lagen Kattun besteht, welche in rechtwinklig sich schneidenden Linien durchsteppt ist; sie schützt den Oberkörper vor Speerstichen und Schwerthieben.

Als eine Ergänzung dieses ärmellosen Waffenrockes müssen wahrscheinlich zwei Ärmel betrachtet werden, die nur durch den obersten, nicht mehr als 2 dm betragenden Teil eines Jäckchens mit einander verbunden sind. Dieses eigenartige Kleidungsstück ist aus gewöhnlichem Stoff verfertigt und dient als Armbedeckung.

Die Kajan und alle übrigen Stämme auf Borneo tragen über den eben erwähnten Kleidungsstücken einen Kriegsmantel (_sunung_) aus Tierfellen. Ein Pantherfell (_sunung kule_) gilt als das schönste; aber wegen seiner Kostbarkeit und Seltenheit begnügt man sich auch mit einem langhaarigen Ziegenfell (_sunung kading)_. In früheren Zeiten scheinen mit Tierfiguren bestickte Baumbastmäntel in Form einer Tierhaut gebräuchlich gewesen zu sein, wenigstens wurde mir ein solcher, mit einer Reihe von 8 Schwanzfedern des Nashornvogels verziert, zum Kauf angeboten. Man nannte ihn _sunung kapuwa_.

Ein Kopftuch (_lawong_) wird von den gewöhnlichen Männern nur gelegentlich, von den Häuptlingen jedoch, um ihre Würde anzuzeigen, täglich getragen. Der Kajan schlingt das Tuch in Form eines Wulstes um den Kopf und zieht seine für gewöhnlich offen hängenden Haare derart hindurch, dass sie unter dem Wulst eine auf die Schultern herabhängende Schlinge bilden und über demselben mit ihren Enden aufliegen. Ausser Baumbast wird besonders bunter Kattun und europäischer _batik_ für Kopftücher gebraucht.

Hüte (_haung_) benützen die Männer nur gegen Sonnenbrand und heftigen Regen; sie werden aus Pandanusblättern verfertigt und haben die gleiche Form wie die der Frauen, ihr Durchmesser beträgt aber selten mehr als 50 cm (Fig. 5 u. 6 auf Tafel: Hüte der Bahau). Die Frauen, welche die Hüte herstellen, legen bisweilen viel Formen- und Farbensinn an den Tag, indem sie bei besonders schönen Exemplaren in der Mitte einen Beleg, bestehend aus einer Stickerei oder Perlenarbeit, anbringen und das Feld mit hübschen Figuren aus schwarzem Kattun verzieren. Derartige Hüte dürfen indessen nur von hochgestellten Personen getragen und Toten ins Jenseits mitgegeben werden (Fig. 6). Auch ist nur alten Männern gestattet, die Schwanzfedern des Nashornvogels (_Buceros rhinoceros_) auf ihre Hüte zu heften; häufig werden diese Federn an Perlenschnüren befestigt (Fig. 5).

Eine weitere Kopfbedeckung der Männer bildet die Kriegsmütze. Sie wird in Form eines runden Körbchens aus festem Rotang geflochten und von den Frauen mit besonderer Sorgfalt verziert. Mitten auf dem Boden werden Perlenstickereien und am Rande eigenartige Verzierungen--vorn meist glänzende Metallplatten oder Tiermasken--angebracht. Oben auf die Mütze werden lange Federn gesteckt; die beliebtesten sind die des Nashornvogels, des Argusfasans (_Argusianus Grayi_) und des Hahns. Für die Mützen gilt, wie für die Hüte, dass die mit breiten schwarzen Streifen gezeichneten weissen Schwanzfedern des Nashornvogels nur von angesehenen Personen oder bewährten Kriegern getragen werden dürfen und dass nur wenigen Auserwählten gestattet ist, deren acht in der Mitte der Mütze von vorn nach hinten anzubringen.

Zu den wichtigsten Schmucksachen der Männer gehören: Bein- (am Mah. _sekhad_) und Armringe (_leku_), Halsketten (_tewesing, tewe-ang_) und Ohrringe (_isang)_.

Die Armringe werden oberhalb der Ellenbogen, die Beinringe unterhalb der Knie getragen und von den Punan oder auch den Kajan selbst aus Rotang oder _kebalan_, dem dunkelbraunen oder schwarzen, sehr biegsamen Kernholz einer farnartigen Gebirgsliane, sehr fein geflochten. Bisweilen wird die Farbenwirkung dieser Ringe, die, je nach dem Material, aus dem sie bestehen, _leku kebalan_ oder _leku uwe_ (Rotang) genannt werden, durch Einflechten goldgelber Pflanzenfasern erhöht. Häufig trägt eine Person bis zu 200 solcher Ringe gleichzeitig.

Diejenigen jungen Leute, welche mit den Batang-Lupar im Serawakschen Gebiet zusammengekommen sind, bringen von diesen Holz- oder Elfenbeinringe mit, die sie dann selbst mit schönen Schnitzereien verzieren.

Auch die jungen Mädchen stellen für die Jünglinge Armverzierungen her und zwar aus Glasperlen, welche sie mit viel Geschmack zu zierlichen, farbenprächtigen Mustern in Form schmaler Bänder aneinanderreihen (Fig. 1 auf Tafel: Schmucksachen der Bahau).

Die Halsketten der Männer bestehen alle aus neuen oder alten und dann bisweilen sehr wertvollen Glasperlen.

Die schmalen, fest am Halse anliegenden Ketten (_tewesing_, Fig. 6) sind in der Regel aus bunten kleinen Perlen zusammengesetzt und enden vorn in einer Rosette.

Die frei auf die Brust herabhängenden Ketten (_teweang_, Fig. 11 u. 8) dagegen bestehen aus mehreren Reihen grösserer--bis erbsengrosser Perlen. Bei der Zusammenstellung dieser Perlen wird auf eine gewisse Regelmässigkeit geachtet; sind es jedoch alte Perlen, welche selten in genügender Anzahl und gleicher Form vorhanden sind, so kann eine bestimmte Regel nicht eingehalten werden. Aus gleichartigen alten Perlen bestehende Ketten haben daher einen hohen Wert. Die Kapuasstämme unternehmen monatelange Reisen zum Mahakam, um diese Perlen, die dort noch in grösserer Anzahl vorhanden sind, zu kaufen.

Ausser der Tätowierung fällt bei den Männern am meisten die Umformung, welche die Ohren erlitten haben, auf; im Ausrecken der Ohrläppchen wetteifern sie nämlich mit den Frauen.

Mit der Durchbohrung der Ohrläppchen wird daher, wie im Kapitel IV berichtet worden ist, schon gleich nach der Geburt des Kindes begonnen. Die Zinnringe (_isang temha)_, welche das Kind anfangs ausschliesslich trägt, werden später häufig durch dicke Kupferringe (_hisang tembaga_) ersetzt, deren Zahl so weit vermehrt wird, als, ohne Schmerzen und Entzündung zu verursachen, möglich ist. Um die Dehnbarkeit der Ohren zu erhöhen, wird bei Kindern ausserdem öfters innen an der Oberseite der Öffnung ein Einschnitt gemacht.

Die Eltern achten sorfältig darauf, dass bei diesen Operationen keine Entzündungen entstehen, da die dünnen Ohrläppchen sonst Gefahr laufen, durchgescheuert zu werden, was bei sehr kleinen Kindern bisweilen auch vorkommt. Die Ringe erreichen oft ein so hohes Gewicht, dass die Kleinen sie bei jeder lebhaften Bewegung mit der Hand stützen müssen. Durchgerissene Ohrläppchen werden als ernsthafter Schönheitsfehler aufgefasst. Obwohl die Kajan es in der Chirurgie nicht weit gebracht haben, verstehen es einige ihrer Männer doch, die beiden zerrissenen Enden wieder aneinanderwachsen zu lassen; sie erzeugen mit ihrem gewöhnlichen Messer an jedem der Enden eine wunde Oberfläche, legen sie übereinander, wickeln einen weichen Blattstreifen herum und befestigen das Ganze mit einem Faden. Ich sah verschiedene auf diese Weise geheilte Ohren, die vom aesthetischen Standpunkt zwar viel zu wünschen übrig liessen, deren 6-8 mm übereinander gelegte Enden jedoch wieder kleine Ringe zu tragen vermochten.

Wenn die Ohrläppchen durch Verwundung oder Hautkrankheit öfters entzündet werden, entstehen Verdickungen des Bindegewebes (Keloide), welche die Schönheit sehr beeinträchtigen. Ein übrigens hübsches Mädchen sah ich einst ihre derart verunzierten Ohren ängstlich verbergen.

Während die Frauen sich mit diesen Umformungen begnügen, lassen sich die Männer in späterem Alter ausserdem noch oben in der Ohrmuschel eine Öffnung von der Grösse eines Pfennigstückes und häufig auch noch eine zweite über dem Hinterende des ausgereckten Ohrläppchens, anbringen. In diesen Öffnungen dürfen alte, tapfere Männer die Eckzähne (_ipen_) des seltenen borneoschen Panthers (_kule_) tragen; häufig begnügt man sich auch mit geschliffenen oder ungeschliffenen Bärenzähnen. Diese Zähne werden oft, wahrscheinlich um ein Verlieren zu verhindern, mit einer um Hinterhaupt und Hals geschlungenen Perlenschnur verbunden.

In den grossen Ohrlöchern tragen die Mendalam Kajan gewöhnlich Ringe (_isang_) aus eingeführtem Zinn oder Kupfer (Fig. 2); in letzter Zeit schinücken sie sich auch, nach der Sitte der Mahakamstämme, mit einer grossen Anzahl dünner silberner Ringe.

Statt dieser Ringe werden bei festlichen Gelegenheiten auch noch hölzerne oder metallene Ohranhängsel angebracht; sie sind birnförmig und greifen mit einem grossen Haken um das Ohrläppchen herum (Fig. 3). Während die Ringe beinahe ausnahmslos unverziert sind, werden diese eigentlichen Ohrgehänge, sowohl was ihre Form als was ihre Bearbeitung betrifft, mit viel Sorgfalt und Kunstsinn hergestellt.

Weniger auffallend als die Umformung der Ohren ist die der Zähne. Die Schneidezähne werden am Ober- und Unterkiefer von vorn hohl ausgeschliffen; einige lassen sich auch nach Sitte der Punan goldene Stifte durch einen oder mehrere Zähne treiben.

Über den menschlichen Haarwuchs haben sowohl Bahau als Kenja sehr eigenartige Anschauungen, die sich zum Teil aus der Tatsache erklären lassen, dass sie selbst gewöhnlich sehr schwach behaart sind. Es flösst ihnen nämlich, da sie selbst an den Anblick stark behaarter Wesen nicht gewöhnt sind, eine Person mit starkem Voll- oder Knebelbart fast Abscheu und Schreck ein. Aus Rücksicht für unsere Gastherren rasierten wir Europäer und einer der Javaner uns daher, so lange der Besitz von Seife es gestattete, regelmässig.

Da die Kajan nur das Haupthaar schön finden, herrscht bei ihnen die Sitte, dass sich sowohl Männer als Frauen alle Haare im Gesicht, in den Achselhöhlen und an der pubis ausziehen. Die jungen Frauen der Mahakam- und Kenjastämme halten sich besonders streng an diese Vorschrift; die am Mendalam lassen einen schmalen Streifen an den Augenbrauen stehen.

Alte Männer lassen sich bisweilen, um auf ihre Umgebung Eindruck zu machen, ihren Bart nach Belieben wachsen; junge Leute dagegen sorgen dafür, dass von ihren Barthaaren möglichst wenig sichtbar wird.

Die Männer rasieren sich ohne Seife mit dem gewöhnlichen Messer (_nju_); die Achsel- und Pubishaare entfernen sie weniger sorgfältig als die Frauen.

Zum Ausziehen der Wimpern dienen kleine, kupferne oder silberne Zangen (_tsöp_), die stets zu einer vollständigen Toilettenausstattung von Mann oder Frau gehören.

In vorgerücktem Alter oder während der strengen Arbeitszeit verfährt man häufig weniger sorgfältig mit der Entfernung der Haare. Das Haupthaar, das Männer und Frauen sich lang wachsen lassen, wird schlicht zurückgestrichen; zum Kämmen dient ein geschnitzter Bambuskamm.

Bei Frauen gilt langes Haar für sehr schön und, wenn sie sich etwas Kokosnussöl--am Mendalam eine grosse Seltenheit--verschaffen können, versäumen sie nie, ihre Frisur damit einzureiben. Ebenso nehmen sie, sobald sie eines Stückchens Seife habhaft werden, sogleich eine Extrareinigung des Haares vor; gewöhnlich gebrauchen sie dafür Citronensaft. Die Männer lassen das Haar am Hinterhaupt lang wachsen; vorn schneiden sie es gerade und kurz ab und kämmen es glatt auf die Stirn, während sie an den Schläfenstellen über den Ohren einen 5 cm hohen Streifen rasieren.

Betrachten wir jetzt die Kleidung der Frauen.

Das wichtigste Kleidungsstück der Frauen besteht aus einem rechteckigen Stück Zeug, an dessen oberen Ecken Bänder befestigt sind. Dieses Tuch (_ta-a_) wird in der Beckengegend um den Körper geschlungen und derart festgebunden, dass es unterhalb der Darmbeinkämme zu liegen kommt. Bei den Frauen am Mendalam schlagen die seitlichen Kanten der _ta-a_ rechts am Körper, bei denen am Mahakam dagegen hinten über einander. Dieses Röckchen reicht bei den Kajanfrauen bis zu den Füssen herab, bei den Frauen der anderen Kapuasstämme bedeckt das Röckchen, das sie geschlossen tragen, kaum noch die Kniee. Beim Laufen oder wenn sie am Boden hocken, kommen die Beine der Frauen und zugleich die schönen Tätowierungen ihrer Schenkel zum Vorschein.

Die _ta-a_ ist, je nach dem Vermögen ihrer Besitzerin und nach der Gelegenheit, bei welcher sie gebraucht wird, mehr oder minder hübsch-. sie besteht jedoch immer aus einem Mittelfeld mit 4 ungefähr 1 dm breiten Rändern.

Für Feströckchen wählt man als Mittelstück einfarbigen Kattun oder Seide und für die Ränder meist roter. Flanell oder, falls diese zu kostbar ist, roten oder geblümten Kattun.

Der obere Rand des Röckchens (_kohong ta-a_) ist meist etwas breiter als die übrigen und wird in Fällen besonderer Eleganz durch eine Silberborte von dem Mittelstück abgegrenzt.

Einfache Jacken (_basong_) aus Baumbast oder Kattun werden von den Frauen als Schutz gegen Sonnenbrand bei der Feldarbeit oder auch sonst getragen. Es giebt Jacken mit und auch ohne Ärmel; diese enden hinten in einem ungefähr 1 dm langen Zipfel. Besonders hübsche Jacken werden in den Neujahrstagen getragen; bei häuslichen Festen dagegen werden sie selten angezogen.

Statt der Jacken werden an Festtagen auch Schale gebraucht. Die, Frauen, die keine Priesterinnen sind, bedecken sich dann den Oberkörper derart mit einem langen Stück Zeug von ungefähr 1/2 m Breite, dass die beiden Enden vorn und hinten bis zur Mitte der Schenkel gerade herunterhängen und der mittlere Teil rechts unter der Achsel liegt, während zwei Falten der linken Tuchhälfte oberhalb der linken Schulter aneinander genäht werden. In Tandjong Karang waren hauptsächlich Schale aus rotbrauner, golddurchwirkter Seide beliebt.

Ähnliche Schale tragen auch die Priesterinnen, wenn sie an Festtagen ihres Amtes walten; sie schlingen sie jedoch nur einmal um den Körper und zwar so, dass die Mitte des Tuches über der Brust zu liegen kommt und die unter den Armen hindurchgezogenen Enden auf dem Rücken festgebunden werden. Nur die Oberpriesterin _Usun_ bedeckte sich den Oberkörper nicht.

Frauen, welche die Würde einer Priesterin noch nicht völlig erreicht haben, unterscheiden sich von diesen durch die weissen Felder ihrer _ta-a_.

Alle Frauen der Bahau tragen, sobald ihre Schwangerschaft äusserlich sichtbar wird, ein Tuch (_djad butit_), das sie auf gleiche Weise wie die Priesterinnen um Brust und Leib schlingen. Durch straffes Anziehen dieses Tuches erhält der Leib, besonders in den letzten Monaten, eine gute Stütze. Nach der Entbindung wird das _djad butit_ bald abgelegt und durch ein schmäleres Tuch (_djad usok_) ersetzt, welches nur die Brüste bedeckt und noch während mehrerer Monate getragen wird.

Die Frauen schmücken sich mit den gleichen Ohrgehängen wie die Männer, nur lassen sie sich in der eigentlichen Ohrmuschel keine Löcher bohren.

In noch höherem Masse als die Männer, lieben sich die Frauen mit Perlenschnüren, Armbändern und Fingerringen zu zieren. Sie sind es auch, die für den Wert alter Perlen am meisten Verständnis haben, die jede Art beim Namen kennen; für den Besitz mancher dieser Perlen sind sie im stande, sehr viel aufzuopfern. Die neuen Glasperlen, Nachahmungen der alten Formen, werden in Europa verfertigt und über Singapore eingeführt.

Sogar über dem Alltagsröckchen trägt die Kajanfrau einen Gürtel, (_taksa_), bestehend aus einer doppelten Reihe oft sehr kostbarer alter Perlen (Fig. 12 u. 13) und dazu zahlreiche Halsketten aus kleineren Perlen (Fig. 11 u. 8).

Zu den Kostbarkeiten der Frau gehört auch ein Satz elfenbeinerner Armbänder (_leku tulang_). Es sind 16-60 glatte Elfenbeinringe, die, in der Grösse aufeinanderfolgend, zusammen einen stumpfen Kegel bilden, der den Unterarm vom Puls bis 1 dm unterhalb des Ellen bogens bedeckt.

Sowohl diese Armbänder als auch die beliebtesten Seidenstoffe werden in China verfertigt und von dort bezogen, vielleicht im Zusammenhang mit den früheren chinesischen Niederlassungen an Borneos Nordküste.

Fingerringe. werden von den Kajan nie selbst hergestellt; besonders beliebt sind die europäischen Ringe aus unechtem Golde mit glänzenden bunten Steinen; sie haben die von den Taman Dajak stammenden kupfernen Ringe fast gänzlich verdrängt.

Sobald in einer Kajanfamilie ein Trauerfall stattfindet, müssen alle Schmuckgegenstände abgelegt werden; auch bunte Kleidungsstücke dürfen dann nicht mehr getragen werden. Die veraltete Baumbastkleidung (_kapua_) wird wieder hervorgeholt und, falls man diese nicht mehr besitzt, muss alles aus- weissem Kattun hergestellt werden.

Nach Ablauf der Trauerzeit (_bet lali_) steht es jedem frei, seine frühere Kleidung wieder anzulegen; es kommt jedoch häufig vor, dass die nächsten Angehörigen durch das Tragen dieser Trauerkleidung ihrem Schmerz über den erlittenen Verlust noch Monate und Jahre lang Ausdruck geben. Wittwen zeigen dadurch an; dass sie sich nicht wieder verheiraten wollen.

Zu der eigentlichen Trauerkleidung der Frauen gehört eine besondere Baumbastmütze, bestehend aus einem langen breiten Streifen, der wie ein Tuch von hinten nach vorn um das Haupt geschlungen wird, wo die Enden über einander geschlagen und dann frei von vorn über den Kopf nach hinten bis zum halben Rücken herab hängen gelassen werden; Männer tragen nichts dergleichen.

Als Zeichen der Trauer das Haupthaar abzuschneiden, scheint bei den Mendalam Kajan nicht üblich zu sein; ich weiss auch nicht, ob die Sklaven nach dem Tode des Häuptlings hierzu verpflichtet sind, wie dies am Mahakam der Fall ist.

Die Liebe zu ihren Verstorbenen äussern die Kajan dadurch, dass sie diese für die Reise in den Himmel und. den dortigen Aufenthalt so gut als möglich auszurüsten suchen. In erster Linie handelt es sich hierbei um eine Aussteuer von schönen Kleidungsstücken. Interessanter Weise giebt man sich alle Mühe, diese Kleider nach der Mode der Vorfahren zu verzieren, eine Mode, die sich bis heute noch bei den Stämmen am oberen Mahakam erhalten hat (Tafel: Totenausrüstung).