Quer Durch Borneo; Erster Teil
Chapter 13
Der Einbruch der Dunkelheit giebt das Zeichen für den Beginn der eigentlichen _mela_. Türe und Fenster werden geschlossen, ein altes Schwert und eine Speerspitze werden mit der Geisterspeise und den mit Ferkelblut besprengten Blättern versehen und der Patient niedergesetzt. Er stützt den einen Fuss auf das Schwert, während ihm die Priesterin den Arm von oben nach unten mit der Speerspitze streicht. Die Handlung hat den Zweck, die verirrte Seele, welche die Priesterin vorher aus dem Korbe genommen und in das Haupt des Kranken geblasen, in dessen Körper fest zu halten. Nachdem der Patient wieder in den Besitz seiner _bruwa_ gelangt ist, werden auch seine Angehörigen auf die gleiche Weise behandelt, um für ihr Gesundbleiben zu sorgen. Hiermit ist die _mela_ zu Ende und die Priesterin kehrt beim, belohnt mit einem Schwert und vier bis fünf Perlen, deren Wert, wenn die behandelte Familie reich ist, 7 1/2 fl das Stück betragen kann.
Wie im folgenden Kapitel gezeigt werden wird, führen die _dajung_ die _mela_, je nach dem Zweck, den sie erfüllen soll, auf verschiedene Weise aus; das Prinzip ist aber stets das gleiche: eine Beruhigung der Seele mittelst ihr angenehmer Dinge.
An dem Tage nach der _mela_ ist den Hausbewohnern jede Arbeit verboten, auch dürfen sie mit den Dorfgenossen nicht verkehren, ihre Wohnung ist _lali_. Als Zeichen hiervon legen sie sich ein besonderes Perlenarmband (_leku mela_) um, in dessen Mitte sich acht rote Perlen, an den Seiten je vier gelbe, vier blaue und vier schwarze, kleinere Perlen befinden; abgeschlossen wird die Kette durch zwei braune Früchte einer Coïx-Art, welche die bösen Geister zu vertreiben im stande ist. Dieses Armband wird erst am Ende des zweiten Tages abgelegt.
Ungefähr auf die gleiche Weise wird die _mela_ vorgenommen, wenn es sich um jemand handelt, der sich beunruhigt fühlt, der schlecht geträumt oder Missgeschick erlebt hat.
Gilt es das Wohlsein eines Häuptlings oder das des ganzen langen Hauses, so genügt eine Priesterin für die _mela_ nicht, sondern es vereinigen sich drei bis vier der ältesten, um ihren Einfluss auf die Geisterwelt geltend zu machen.
Sowohl bei der _mela_ als bei anderen Gelegenheiten spielt das Ei als Opfer eine besondere Rolle. Augenscheinlich liegt der Grund darin, dass ein Ei einen leicht zu beschaffenden und billigen Opfergegenstand bildet; die Kajan jedoch leiten den Ursprung dieses Gebrauches von folgendem Begebnis ab:
_Umwo_, das Kind eines Elternpaares_ Tedjulong Apong_ und _Buro Ling_, fiel einst in den Fluss und kam nicht wieder zum Vorschein. Darüber entstand so viel Jammer und Verzweiflung im Hause, dass selbst die Geister oben aufmerksam wurden und untersuchten, was eigentlich geschehen war. Zwei grosse Geister, _Belarè Kingan Tuman Tana_ und _Belarè Tuman Langit_, sandten mitleidsvoll aus ihrem Himmel ein Ei herab, um mit dessen Hilfe die entflohene Seele des Kindes zurückzurufen. Die Eltern wussten jedoch nicht, was mit dem Ei zu beginnen sei, wickelten es in ein Tuch und legten es unter ihre Schlafstätte. Nachts träumte ihnen, dass es gut sei, das Ei an den Fluss zu bringen und ins Wasser zu werfen. Das taten sie denn auch in aller Feierlichkeit und, als sie nach Hause zurückkehrten, fanden sie zu ihrer Freude das Kind auf der Galerie sitzen.
Als die Eltern ihr Kind badeten, trat das Ei an die Oberfläche des Wassers und trieb den Fluss hinab, sie erkannten es jedoch nicht und stiessen es weg. Das Ei schwamm aber langsam den Fluss wieder hinauf; da nahmen die Eltern es als Spielzeug für das Kind mit nach Hause und bewahrten es in Tüchern. Nach Verlauf einiger Zeit, während welcher das Kind immer gesunder wurde, krochen aus dem Ei ein Hahn und eine Henne hervor. Da merkten die Eltern, dass das Ei ihnen von den Geistern gesandt worden war und eine besondere Bedeutung hatte, und seit der Zeit bringen die Kajan den _to_ Eier und Hühner als Opfer dar.
KAPITEL VI.
Opfergaben der Bahau: _kawit_--Die _pemáli:_ bei der _mela_, beim Erntefest, in den Reisscheunen, auf dem Reisfelde, beim Säen, beim Neujahrsfest, bei der _mela_ der Namengebung, bei der _mela_ gegen Krankheit, bei der Rückkehr von grossen Reisen--Das _legén_--Schwierigkeiten bei den Nachforschungen auf religiösem Gebiet--_Usun_, die Oberpriesterin--Schöpfungsgeschichte der Mendalam Kajan.
Ihre zweite wichtige Tätigkeit, die Vermittlung zwischen dem Volke und der Geisterwelt, von welcher der Ausfall der Ernte abhängig ist, entwickeln die Priesterinnen bei den Ackerbaufesten; diese liefern daher die beste Gelegenheit, um in den Gottesdienst der Bahau einen Einblick zu gewinnen. Betrachten wir im folgenden die Art und Weise, in welcher die Priesterinnen ihre vermittelnde Rolle auszuführen suchen.
Als das wirksamste Mittel zur Anlockung der Geister betrachtet man das Anbieten verschiedener Esswaren. Schweine, Hühner, Eier, Fische und Reis werden als die wahren Götter- und Geisterspeisen angesehen. Bei einer gewöhnlichen _mela_ werden nur Ferkel und Hühner geschlachtet, während die grossen Schweine, und zwar nur die männlichen, für die grossen Festlichkeiten aufbewahrt werden. Ungeteilt werden den Geistern nur Ferkel, Küchlein und Eier angeboten, von den Schweinen und anderen Speisen erhalten sie nur kleine Teile. Die Geister begnügen sich nämlich mit dem geistigen Teil, der in dein Opfer steckt, das nach Auffassung der Bahau auch beseelt ist, und überlassen den körperlichen dem Genuss des Menschen.
Die Opfergaben werden in Form von _kawit_ gereicht, die bei keiner religiösen Handlung fehlen dürfen. Es sind dies kleine Rollen aus Bananenblättern, in welche Esswaren eingewickelt werden. Jede Rolle enthält, der bei den Bahau heiligen Zahl acht entsprechend, acht Lagen. Jede dieser Lagen wiederum besteht aus einem viereckigen, handgrossen Blattstück, auf welches ein zweites, kleineres, ausgefranstes Blatt und dann etwas Hühner- oder Schweinefleisch, Fisch, Reis oder Mais gelegt wird; das Ganze wird mit einem fingerbreiten Blattstreifen bedeckt. Liegen acht derartiger Schichten aufeinander, so werden sie in Form einer Zigarre zusammengerollt und mit ungedrehten Bastfasern, deren Enden nicht geknüpft, sondern nur verschlungen werden dürfen, gebunden und die _kawit_ ist fertig.
Flüssige Opferspeisen werden den Geistern gewöhnlich in Bambusgefässen gereicht.
Eine gleich wichtige Rolle wie die _kawit_ spielen bei religiösen Handlungen die anderen _pemali_, mittelst derer die Priesterinnen den Göttern und Geistern die Wünsche des Volkes auszudrücken suchen.
Die Herstellung dieser _pemali_ kostet den Priesterinnen viel Zeit; denn sie sind, je nach der Gelegenheit, für welche sie verwendet werden sollen, verschieden, ausserdem oft sehr kompliziert und zahlreich. Befassen wir uns zunächst ausführlich mit den _pemali_ und deren Anwendung.
Bevor der Reis geerntet (_ngeluno_) wird, lässt jeder Bahau in seinem Hause eine _mela_ stattfinden und sich und die Seinen für die bevorstehende gewichtige Arbeit vorbereiten; tut er dies nicht, so darf er an der gemeinsamen Festmahlzeit nicht teilnemen. Die Sorge für die Vorbereitungen zum Erntefest überlässt er dem Häuptling.
Die Priesterin hat für diese _mela_, die abends stattfindet, tagsüber drei _pemali_ zu verfertigen: das _kahe parei_, das _tuhe lali_ und das _ao lali_.
Das _kahe parei_ ist ein Stück einer Fruchtschale, an der zwei _kawit_ und einige _usut_, jede aus zwei an eine Schnur gereihten Perlen bestehend, befestigt sind. Die _usut_, fünf an Zahl, heissen: _usut parei_ (Reis), _usut baha_ (entspelzter Reis), _usut kanen_ (gekochter Reis), _usut ata_ (Wasser) und _usut apui_ (Feuer); für alle diese _usut_ verwendet man am liebsten alte Perlen. Unter _usut_ wird im allgemeinen ein Geschenk oder eine Busse zur Besänftigung einer erzürnten Seele verstanden; man bringt z.B. ein _usut_ mit, wenn man als Fremder zu einem kleinen Kinde kommt (Siehe pag. 74.).
_Tuhe lali_ heisst ein aus einem Kürbis verfertigter Löffel von altmodischer Form, an den vier _kawit_ mit Mehl, Ei, Fisch und gekochtem Reis gehängt werden.
_Ao lali_ ist ein hölzerner Spatel, wie man ihn beim Reiskochen stets gebraucht; auch er wird mit einer _kawit_ versehen.
Mit dem _kahe parei_ werden bei der stattfindenden _mela_ alle Familienglieder von der Priesterin berührt, erst ihr Gesicht, dann ihre Brust. Der Vorgang wird mit _pelesat_ bezeichnet. Darauf ist jeder mit dem _ao lali_ ein paar Reiskörner und trinkt mit dem _tuhe lali_ etwas Wasser. Dann beginnt die Festmahlzeit.
Wie alle Gegenstände, welche bei religiösen Handlungen gedient haben, werden auch diese _pemali_ sorgfältig aufbewahrt.
Der eben erwähnte Reis ist der erste der neuen Ernte. Er muss, nach alter Sitte, in einer auf Backsteinen ruhenden Pfanne gekocht werden. Die Backsteine, drei an Zahl, zwei grosse (_angan banga_) und ein kleiner (_angan tepa)_, werden für diese Gelegenheit besonders hergestellt. Die zwei grossen Steine stehen, auf eine Kante gestützt, auf dem Herde und tragen die Pfanne; der kleinere Stein wird an einen der grösseren gelehnt und trägt eine _kawit_. Zur Abwehr böser Geister dient ein mit Haken versehener Bambusstab (_udak awak)_, der beim Gebrauch an den kleinen Stein gelehnt wird. Diese Backsteine sind so ziemlich das einzige Überbleibsel der früheren Töpferkunst, die bei den verwandten, aber von den malaiischen Händlern seltener besuchten Stämmen jetzt noch im Schwange ist.
Bei der Festmahlzeit wird der neue Reis für alte tapfere Männer auf besondere Weise zubereitet; man kocht ihn, in Bananenblätter eingewickelt, in Form von länglichen Päckchen, welche aufgerollt werden. Jeder der Tapferen erhält acht solcher an einer Schnur befestigten Rollen.
Auch das erste Einbringen des Reises in die Scheune findet mit Hilfe der _dajung_ statt, welche mit den Reisseelen unterhandeln muss, um sie für ihren künftigen Aufenthalt in der Scheune günstig zu stimmen. Die hierfür verwendeten _pemali_ sind bei den verschiedenen Stämmen verschieden.
Die _dajung_ von Tandjong Karang gebrauchen das _barang bulit_, die von Tandjong Kuda den _telu_ mit _hiköp bulit_ und die der Ma-Suling den _san lali_. Alle diese _pemali_ dienen dem gleichen Zweck, dem Anlocken; Auffangen und Aufbewahren der Reisseelen.
Zum _barang bulit_ gehört eine winzige Leiter, ein Spatel, beide mit _kawit_ versehen, und ein geschlossenes Körbchen. In diesem befinden sich, ausser einer _kawit_, Haken und Dornen von Pflanzen und Schnüre aus Pflanzenfasern, um die Reisseele nötigenfalls gewaltsam festzuhalten. Bei der Handlung streift die Priesterin die Reisseele mit dem Spatel längs der Treppe in den Korb, soll heissen: sie bringt die Seelein die auf Pfählen ruhende Reisscheune.
Das _telu_ mit dem _hiköp bulit_ ist eine mit einem weissen Kattunstreifen gebundene Bambusdose, in der sich einige _kawit_, eine Schnur und eine winzige Leiter befinden. Auf dieser Leiter wird die Reisseele mit dem _hiköp bulit_ (Schöpfnetz) in das Bambusgefäss befördert, hier von der _dajung_ mit der Schnur festgebunden und das Ganze in der Scheune aufgehängt. Netz und Leiter sind ebenfalls mit _kawit_ versehen. Neben dieser Form existiert in Tandjong Kuda noch eine andere: zwei Bambusgefässe mit _kawit_, die neben einander an einer Schnur in der Scheune hängen; man unterscheidet an diesen die: _tawe_ (Schnur) _lepo_ (Scheune), _parei_ (Reis), welche als Seelenweg dient, und das _teha hato toko hawo_, Gefäss für die Aufbewahrung der eingefangenen Seele.
Die _san_ (Leiter) _lali_ der Ma-Suling besteht aus einer Leiter, einem Bambusgefäss und einer Hühnerfeder, die zur Überführung der Seele in das Gefäss dient. Das Bambusgefäss enthält die _kawit_ und wird, mit weissen Kattunstreifen umwickelt, man nennt es: _njina bruwa parei_ wörtlich: Beruhigung der Reisseele.
Unter _njina_ wird das tägliche Anlocken, Liebkosen und Beruhigen der Kinderseelen durch die Mütter verstanden. Eine genaue Wiedergabe des Wortes ist unmöglich (Über den Vorgang siehe pag. 72).
Um sich auch für das folgende Jahr eine gute Ernte zu sichern, halten es die Bahau für notwendig, nicht nur in den Besitz der Seelen des augenblicklich vorhandenen Reises zu gelangen, sondern auch der Seelen des auf den Boden gefallenen, von Hirschen, Affen und Schweinen gefressenen Reises habhaft zu werden. Auch hierfür haben die Priester ein Mittel erfunden: sie stellen ein _telu hina_ (Hauptwort zu _njina =_ beruhigen) her, das ist ein Bambusgefäss (_telu_) mit _kawit_, an welches vier Haken aus Fruchtbaumholz befestigt werden, mit deren Hilfe die verlorenen Reisseelen, falls solche vorhanden, aus der Ferne herbeigelockt werden können. Nachdem die Seelen im Behälter geborgen worden, hängt man ihn in der Wohnung auf.
Die _Ma-Suling_ haben für den gleichen Zweck ein anderes _pemali_, die _usu bruwa_ = Seelenhände. Es sind zwei aus Fruchtbaumholz geschnitzte Hände, zwischen welche acht _kawit_ gesteckt werden; man umwickelt sie mit Kattun und bindet sie mit einer Perlenschnur fest. Die Hände haben die gleiche Bedeutung wie die Gefässe, sie sollen die herbeigelockten Reisseelen festhalten. Auch dieses _pemali_ wird im Wohngemach aufgehängt.
Ein anderes _pemali_, das _barang usut_, wird erst dann in die Reis scheune gebracht, wenn diese bereits gefüllt worden ist; es ist ein Korb, dessen Inhalt die Reisseelen, falls diese erzürnt sind, beruhigen soll. In dem Korbe befinden sich noch drei andere, kleinere Körbe, in denen kleine und grosse rote Perlen als eigentliches _usut_ (Geschenk) liegen; ausserdem enthält das Körbchen noch die Endtriebe eines Krautes und als Symbol für das Festhalten der Seele einige gekrümmte Dornen.
Wenn eine Kajanhausfrau für den täglichen Gebrauch Reis aus der Scheune holt, sorgt sie dafür, dass die Reisseelen hierüber nicht in Zorn geraten. Zu diesem Zweck hat sie das _barang lali_ stets in der Scheune hängen; seine wesentlichen Bestandteile sind ein Bündel Spähne aus Fruchtbaumholz und ein viereckiges Körbchen aus _tika_. Mitten zwischen die Spähne wird ein Ei gesteckt und unten am Bündel ein kleines Bambusgefäss mit Zuckerrohrsaft (_telang tewo_) als Opfergabe angehängt. Das Körbchen enthält eine geweihte Matte für das Holen des Reises: _brat_ (Matte) _lali_ (geweiht) _ala_ (holen) _parei_ (Reis) und vier _kawit_, die besondere Namen tragen: barang _bal ok; pakan lepo halam; pakan lepo parei; bal ok a desak;_ ausserdem einen Reishalm. Die Frau beginnt damit, als Opfer für die _bruwa parei_, etwas Zuckerrohrsaft auf das Ei zwischen den Spähnen zu giessen. Während sie den Deckel des Korbes abhebt, die kleine Matte herausnimmt, auf den Boden breitet und einen Reishalm darauf legt, erklärt sie den Reisseelen den Zweck ihres Kommens. Darauf kniet sie, einige Sprüche murmelnd, vor der Matte nieder und isst ein einziges Korn von dem Reishalm. Nachdem sie das _barang lali_ sorgfältig geborgen, geht die Frau mit der erforderlichen Menge Reis ruhig nach Hause.
Matten spielen beim Trocknen und Stampfen des Reises eine wichtige Rolle, es ist daher wahrscheinlich, dass das _barang lali_ und das Verzehren des Reiskorns den Reisseelen die bevorstehende Behandlung andeuten sollen.
Beim Beginn einer neuen Ernte werden die gebrauchten _pemali_ durch andere ersetzt, nur das _bararg lali_ und _kahe parei_ werden sorgfältig mit einer mit Reis gefüllten Eierschale bewahrt und bei jeder neuen Jahreszeit wieder zum Vorschein geholt. Wenn diese _pemali_ verloren gehen, ist eine _mela_ der _dajung_ erforderlich, um die Reisseelen wieder anzulocken.
Beim Beginn des Reisschnitts stimmt man die Geister dadurch günstig, dass man ihnen Esswaren und Wasser, vielleicht einen Aufguss auf Gemüseblätter, darbietet. Das Opfer, _tawe lali luno_ genannt, wird von Kindern auf das Reisfeld getragen. Die Esswaren: gekochter Reis, Fisch und Huhn, befinden sich in drei von den _dajung_ mit einfacher Schnitzerei verzierten Bambusbehältern, das Wasser in einem vierten, niedrigeren Behälter; an alle Gefässe werden _kawit_ gehängt. Abends werden die Reishalme des ersten Schnittes in einem geweihten Korbe (_ingan lali_) unter Beckenschlag feierlich ins Haus getragen. Aus der Wohnung sind Hunde und Katzen vorher entfernt worden, auch hat man die _amin_ gereinigt und den Eingang mittelst einer Tür aus Rotanggeflecht verschlossen. Die Tür (_bilet_) besteht aus zwei durch eine Rotangschlinge verbundenen Hälften und einem hölzernen Handgriff. Soll der Korb in die Wohnung getragen werden, so streift man die Schlinge mit dem Handgriff ab, die beiden Flügel des Pförtchens springen auf und der Reis kann seinen Einzug halten.
Die mit dem Saat- und Neujahrsfest verbundenen Festlichkeiten haben auf die Verehrung der Götter _Tamei Tingei_ und _Djaja Hipui_ Bezug, daher besitzen die bei dieser Gelegenheit gebrauchten _pemali_ teilweise eine allgemeinere und wichtigere Bedeutung als die vorhin angeführten; denn nun gilt es nicht allein, die betreffenden Geister zufrieden zu stellen, sondern man verlangt von ihnen auch eine gute Ernte, Gesundheit und Wohlfahrt. Die _dajung_ verfertigen für das Neujahrsfest ein besonderes _pemali_, das sie auf dem geweihten Reisfeld (_luma lali_), das als Ort der heiligen Handlung dient, aufrichten. Mit geringen gelegentlichen Abweichungen besteht dieses _pemali_ aus Stücken von Fruchtbaumholz, die durch ihre Form den Geistern die Bitten des Kajanvolkes übermitteln sollen. Die Konstruktion ist die folgende:
Mitten im Reisfeld werden, mit ihren zugespitzten Enden in die Erde gebohrt, vier etwa 20 cm lange runde Pfähle dicht neben einander in einer Reihe aufgestellt. Die beiden mittelsten tragen oben je einen Kranz von acht kleinen, in das Holz eingesenkten Häkchen, während zu den seitlichen Pfählen je eine Treppe führt. Die Pfähle sind oben mit zwei schmalen Brettern gedeckt; vor und hinter ihnen stecken etwas längere Hölzer mit ihren hakenförmigen Enden schräg im Boden. Die Bedeutung des Ganzen ist diese: die vier aufrechten Pfähle bitten die Götter um langes Leben, die beiden Hakenkränze um ein Ansammeln von Reichtümern, die beiden Treppen um ein Übersteigen aller Schwierigkeiten, die schief im Boden steckenden Hölzchen um einen Boden, aus dem sich Reichtümer heben lassen. Dieses _pemali_, als _pelale_ bezeichnet, wird beim Saatfest und später beim Neujahrsfest am Fuss des _dangei_ aufgerichtet, nachdem man die Erde vorher mit dem Blut eines Küchleins als Opferspeise befeuchtet hat (Siehe Kap. VIII).
Das _pemali bliang_ unterscheidet sich vom _pelale_ hauptsächlich dadurch, dass die Hakenkränze durch acht längere Haken, die man rings um die vier Pfähle steckt, ersetzt werden. Zwischen die Haken werden als Opfergaben kleine Fische gelegt. Die Pfähle und Haken des _pemali_ bliang stecken nicht, wie beim _pelale_, in der Erde, sondern in einem Körbchen mit Klebreis, das mit einem Deckel verschlossen wird. Nachdem das Körbchen mit einem Streifen weissen Kattuns umwickelt worden, befestigt man an ihm ein winziges _tekok_, zwei Bambusstäbe und eine Matte, mit denen beim Neujahrsfest die Geister angerufen werden; augenscheinlich ein Mittel, um die Aufmerksamkeit der Geister des _Apu Lagan_ zu erregen. Jede _dajung_ verfertigt am dritten Tage des Neujahrsfestes ihr eigenes _pemali bliang_ und stellt es am folgenden Tage mit denen der anderen Priesterinnen gemeinschaftlich an den Fuss des Opfergerüstes (_lasa_); nach dem Feste bewahrt jede ihr _pemali_.
Für das grosse Neujahrsfest werden ausserdem auch noch andere _pemali_ verfertigt.
Das eben erwähnte _tekok_ wird dann täglich an Stelle eines Gongs zum Anrufen der Geister gebraucht. Es besteht aus einer geweihten Matte (_brat lali_) aus _tika_ und zwei Bambusstäben von 3 dm Länge, welche am unteren Ende durch einen Halmknoten geschlossen sind. Beim _dangei_-Feste ruft die Priesterin morgens und abends die Geister an, indem sie in bestimmtem Rhythmus mit den Bambusstäben abwechselnd auf die Matte schlägt und den Geistern halb singend, halb rezitierend die Leiden und Wünsche des Stammes zu kennen giebt.
An das Gestell (_lasa_), an welches die Opfergaben gehängt werden, wird stets eine Rotangschnur und an diese wiederum eine _tawe nangan_ (Leitbahn) befestigt, welche als _alan to_ (Weg der Geister) dienen soll. Der _alan to_ hängt an einem kupfernen Haken und besteht aus einem weissen Kattunstreifen, der in einige rote und blaue Streifen ausläuft, an welche jede der anwesenden _dajung_ ein Bambusgefäss mit Zuckerrohrsaft, eine Art Halskette aus Perlen und verschiedene _usut_ (Geschenke) und Schleifen, von mir unbekannter Bedeutung, bindet. Neben dem weissen Kattunstreifen hängt eine Perlenschnur mit kawit, die mit einer Schlinge endet. Bei der Beseelung kommt der gute Geist längs dieser Schnur auf die darunter stehende _dajung_ herab.
Die Art und Weise, in welcher die Bahau ihren Dorfgenossen ihre Neujahrswünsche ausdrücken, ist sehr eigentümlich. Die _dajung_ verfertigen nämlich vor Beginn des Festes für die ganze Bevölkerung das _hato kawit bruwa_, ein Bündel von acht Haken aus Fruchtbaumholz und drei _kawit_, die zusammengebunden in einem Säckchen aus weissem Kattun stecken. In eine Schlinge aus ungedrehten Pflanzenfasern, welche aus dem Säckchen hervorragt, muss der Nachbar bei der Begrüssung seinen Finger stecken, der dann hin- und herbewegt wird; bisweilen wird auch der gute Einfluss, der von der Schlinge ausgeht, auf das Haupt des Betreffenden geblasen. Indem man die Seele des Freundes mittelst der Schlinge mit dem wohlschmeckenden Inhalte des Sackes in Berührung bringt, erweist man ihr etwas Angenehmes, ausserdem wünschen die hölzernen Haken ein Sammeln von Reichtümern für das folgende Jahr.
Beim _marong uting_ (Schweinefleischessen, siehe Kap. VIII) verfertigen die _dajung_ in der Wohnung des Häuptlings das _bowo nangan_, ein Gestell, auf welchem den Geistern das Schweinefleisch in kawit angeboten wird. Das _bowo nangan_ ist ein mit Schnitzwerk etwas verziertes Bambusrohr, das horizontal an einer Perlenschnur hängt, innen und aussen mit _kawit_ versehen ist und in der Mitte acht _usut_ trägt, deren Bedeutung mir nicht klar ist. Zu beiden Seiten des Bambusrohres hängen gekreuzte Stöckchen mit kleinen Schnüren, an welche die _kawit_ mit Schweine- und Hühnerfleisch gebunden werden. Tagsüber hängt das _bowo nangan_ in der _dangei_-Hütte, abends wird es aber stets in die _amin_ des Häuptlings zurückgebracht. Statt der Speerspitze und des Schwertes, welche die _dajung_ bei einer gewöhnlichen _mela_ gebraucht, verwendet sie bei der gelegentlich des marong uting stattfindenden _mela_ die _telingan uting_, eine geschliffene Muschelschale (_hulo)_, an der eine alte Perlenschnur und eine _kawit_ hängen. Diese von Nautilus-Arten stammenden Schalen und die alten Perlen werden bei den Bahau sehr geschätzt und sind daher, gleich wie alte Waffen, sehr geeignet, die Seele in gute Stimmung zu versetzen, besonders in Verbindung mit dem geliebten Schweinefleisch.
Nach der Sitte aller Stämme von Mittel-Borneo wechseln auch die Kajan am Mendalam ihren Wohnsitz, sobald für den Reisbau kein geeigneter Boden in der Nähe mehr vorhanden ist. Bein Einzug in das neue Haus erbittet die Oberpriesterin den Segen _Tamei Tingeis_ und zwar drückt sie ihre Bitte durch das _betungul_, ein für den Häuptling bestimmtes _pemali_ aus. Dieses befindet sich, wie das _pemali bliang_, in einem Körbchen aus _tika_ und besteht aus einem selbst gebrannten irdenen Töpfchen (_taring ladang_) mit unregelmässigen Vertiefungen am Böden, in welche 2 × 8 Haken aus Fruchtbaumholz gesteckt werden; auch diese bitten um eine Anhäufung von Schätzen. Zwischen den Haken werden in geknickte Bambushölzer kleine Fische als Opfer geklemmt. Das Töpfchen bittet _Tamei Tingei_ wahrscheinlich um Nahrungsmittel. Mit den Backsteinen, die beim Kochen des ersten Reises verwendet werden (pag. 118), bildet es das einzige Überbleibsel der alten Töpferkunst. Beim Umzug bleibt das _betungul_, wie auch das _legen_ der Verstorbenen, im verlassenen Hause zurück.