Quer Durch Borneo; Erster Teil

Chapter 11

Chapter 113,336 wordsPublic domain

In früheren Zeiten unternahmen die Bahau auch Züge zu dem alleinigen Zwecke, Köpfe zu erbeuten; sie jagten hauptsächlich bei ihren Feinden am oberen Kahájan und Miri oder Mengiri, die sie früher aus dein Gebiet des oberen Mahakam vertrieben hatten.

Bei den Mendalam Kajan können Kopfjagden seit langer Zeit nicht mehr stattgefunden haben; am oberen Mahakam haben die Kajan am Blu-u ihre letzte Kopfjagd vor 13 Jahren am Kahájan unternommen. Obgleich sich nur 15 Mann an dem Unternehmen beteiligten und keine Köpfe, sondern nur ein Gefangener erbeutet wurden, betrachtete man diesen Zug doch als einen richtigen Kriegszug. Der gefangene Kahájan Dajak lebte noch bei meiner Ankunft am Blu-u, war mit einer der hübschesten Sklavinnen verheiratet und besass vier Kinder. Ein anderer Sklave, _Sorong_, trug auf seinen Waden eine Ot-Danom Tätowierung und war augenscheinlich in beinahe erwachsenem Alter erbeutet worden; er was Vater von elf Knaben, besass als Ratgeber des Häuptlings _Kwing Irang_ eine bevorrechtete Stellung und war durch seinen Handel zu Wohlstand gelangt.

Da Kopfjagden unter grossen Anstrengungen und Entbehrungen mit viel Vorsicht unternommen werden und viele Monate, bisweilen ein ganzes Jahr, dauern, Arbeitskräfte in einem Dorfe in der Regel aber nicht entbehrt werden können, ist es begreiflich, dass sie nur selten stattfinden.

Bemerkenswerter Weise trifft man weder bei den Bahaustämmen am Kapuas noch am Mahakam auf der Galerie ihrer Häuser die Schädeltrophäen, die den Eintretenden an anderen Orten so unangenehm berühren. Auch in den vier Niederlassungen der Bahau am Mendalam und in denen der Kajan, Long-Glat, Ma-Suling und anderer Stämme unterhalb der Mahakamfälle bemerkte ich keine Schädel. Nur in der Niederlassung des Pnihinghäuptlings _Belarè_, der selbst halber Punan ist und dessen Stamm wahrscheinlich nicht zu den Bahau gehört, fand ich Schädel hängen. Indessen besitzen auch alle anderen Häuptlinge Schädel, sie bewahren sie aber an einem Ort, wo sie nicht sogleich ins Auge fallen. So bemerkte ich einen Teil eines Schädels in Batu Sala, einer Long-Glat Niederlassung, an der Aussenwand des Hauses, er war aber hinter einem Büschel Palmblätter kaum sichtbar.

Bahau und Kenja trocknen die Köpfe über dem Feuer, ohne die Fleischteile von den Schädeln zu entfernen; auch werden diese nie mit Figuren verziert.

Ich glaube die Tatsache, dass die Bahau keine Schädel auf die Galerie hängen, dem Umstande zuschreiben zu können, dass ihnen die Schädel selbst Abscheu und Angst einflössen. Sogar sehr alte Männer, denen die _adat_ die geweihtesten Dinge zu berühren gestattet, fassen einen Schädel nur sehr ungern an. Als Beweis für diese Auffassung mag auch das folgende Begebnis dienen, das ich selbst am oberen Mahakam erlebte. Dort war nämlich das alte Haus der Ma-Suling am Merasè so baufällig geworden, dass der Stamm sich einen neuen Wohnplatz suchen musste. Aller Besitz und die noch brauchbaren Materialien wurden mitgenommen, nur die Schädel wagte man nicht aus dem alten Hause zu entfernen. Man rief daher den Pnihinghäuptling _Belarè_ zu Hilfe, der die Schädel vorläufig in einer Hütte vor dem alten Hause unterbrachte und selbst als Belohnung für seine Mühe die Hälfte der Schädel mitnahm, um seine Galerie mit ihnen zu verzieren, was ihm sehr zu statten kam, da ihm bei der Brandschatzung seines Hauses im Jahre 1885 seine eigenen Trophäen verloren gegangen waren. Dieses geschah im Jahre 1897 und noch im Jahre 1900 standen die Schädel auf dem inzwischen verwilderten Platze vor dem verfallenen Hause, wo wilde Rinder, Hirsche und Schweine den ganzen Boden aufgewühlt hatten. _Belarè_ sollte damals noch einmal kommen, um die Schädel in dem inzwischen vollendeten Hause der Ma-Suling aufzuhängen.

Die Schädel, die man bei den Stämmen in Mittel-Borneo antrifft, sind so verschiedenen und unsicheren Ursprungs, dass es keinen Wert hat, sie aus anthropologischem Interesse anzukaufen. Wie aus Obenstehendem hervorgeht, werden Schädel auf Kopfjagden erbeutet oder gekauft oder als Belohnung oder aus weit entfernten Gebieten als Geschenk erhalten. Der Sultan von Kutei schenkte z.B. dem Häuptling _Kwing Irang_ zwei Köpfe, die im Gebiete des unteren Bulungan erbeutet worden waren. Bedenkt man, dass die Kopfjäger in ihrer Eile und Erregung oft nicht wissen, wessen Kopf sie eigentlich erbeutet haben, so nimmt es nicht Wunder, dass die Besitzer der Schädel selbst nicht immer angeben können, von wo oder von welchem Stamme diese herrühren; ausserdem teilen die Bahau den Fremden, aus Furcht vor Rache, nicht gern mit, auf welche Weise sie zu ihren Schädeln gelangt sind.

KAPITEL V.

Religiöse Vorstellungen der Bahau--Wichtigste Götter--Einteilung des Weltalls--Gute und böse Geister--Seelen der Bahau--Charakter und Schicksal der _bruwa_ und _ton luwa_--Seelen der Tiere, Pflanzen und Gesteine--Vorzeichen--Erklärung der _pemali_--Priester und Priesterinnen--Beseelung der _dajung_--Pflichten der _dajung_--Erklärung der _mela_--Das Ei als Opfergabe.

Um die Höhe der geistigen Entwicklung und die Eigenart eines Volkes beurteilen zu können, muss man vor allen Dingen die Vorstellungen kennen lernen, die dieses sich von seiner Stellung gegenüber der umgebenden Natur bildet. In höherem oder geringerem Masse sind diese Vorstellungen, die wir als Religion bezeichnen, jedem denkenden Wesen eigen. Je widerstandsfähiger ein Volk sich seiner Umgebung gegenüber fühlt, desto verschiedener und erhabener wird es sich ihr gegenüber vorkommen. Ein Volk gewinnt aber nur dann eine gewisse Furchtlosigkeit und Unabhängigkeit gegenüber den auf sein Dasein einwirkenden Naturkräften, wenn es bewusst oder unbewusst so viel Kenntnis von der Natur erlangt, dass es sein Leben mit deren Forderungen in Übereinstimmung zu bringen im stande ist.

Berücksichtigen wir, dass die Bahau und Kenja von Borneo ackerbautreibende Stämme sind, deren Lebensunterhalt von der Witterung und anderen sichtbaren Naturänderungen unmittelbar abhängig ist, dass ausserdem die schädlichen Einflüsse des Klimas ihr körperliches Befinden durch Krankheit so stark beeinträchtigen, dass sie an Zahl wenig zunehmen, so kann es uns nicht wundern, in den religiösen Überzeugungen dieser Stämme das Gefühl der Abhängigkeit von der sie umgebenden Natur stark ausgeprägt zu finden. In der Tat ist die Stellung, die sich die Bewohner von Mittel-Borneo im Reiche der Natur anweisen, eine sehr bescheidene; denn sie kommen sich selbst von den Pflanzen, Tieren und Gesteinen ihrer Umgebung nicht wesentlich, sondern nur graduell, verschieden vor.

Charakteristischer Weise schreiben die Bahau nicht mir sich selbst, sondern auch allen belebten und unbelebten Wesen den Besitz von Seelen (_bruwa_) zu. Nach ihrer Auffassung reagieren die Seelen eines Baumes, eines Hundes oder eines Felsens auf dieselbe Art wie die eines Menschen, sie werden von denselben Empfindungen der Lust und Unlust bewegt. Daher suchen die Bahau die erzürnten Seelen der Tiere, Pflanzen und Steine, welche sie zu verletzen oder zu vernichten gezwungen sind, durch Opfer zu besänftigen; im übrigen aber empfinden sie vor ihnen keine besondere Angst. Die Wirkungen der Naturkräfte erscheinen ihnen dagegen für das Wohl und Wehe des Menschen viel bedeutungsvoller und auch gefährlicher.

Die wahren Ursachen von Donner, Blitz, Regen und Wind nicht kennend stellen sich die Bahau diese als. Äusserungen von Wesen oder Geistern (_to_) vor, die zwar mächtiger sind als sie selbst, sonst aber Angenehmes und Unangenehmes auf die gleiche Weise wie die Menschen empfinden. Die Geister können daher einerseits durch Geschenke und Opfer von lebenden oder toten Wertgegenständen günstig gestimmt werden, andererseits durch diejenigen Dinge, die auch den Menschen Abscheu und Angst einflössen, in die Flucht geschlagen werden. Ich beobachtete einige Male, dass der Sohn _Kwing Irangs_, des Häuptlings der Mahakam Kajan, bei heftigem Sturme aus dem Hause stürzte und, um den Geistern zu imponieren und sie gleichzeitig zu besänftigen, das erste beste Tier, das ihm in den Weg kam, einmal ein Schwein, einmal ein Huhn, mit Schwertschlägen tötete. Ein anderes Mal stürzte ein Mann, in der einen Hand ein gezogenes Schwert in der andern einen Schädel haltend, während eines Sturmes aus dem Hause, um den Sturmgeist in die Flucht zu schlagen.

Auch durch Schreien suchen die Bahau die Wind- und Regengeister zu vertreiben; hilft dieses Mittel nicht, so stellen sie zur Abschreckung einen Schädel vor das Haus. Als wir auf einer Reise mit den Mendalam Kajan von einem heftigen Gewitter überfallen wurden und sehr nahe Donnerschläge uns erschreckten, zogen die Kajan sogleich ihre Schwerter halb aus der Scheide, um die gewaltigen Geister zu verjagen.

Diese Naturgeister üben auch direkten Einfluss auf das Leben der Menschen aus; so werden bestimmte Vergehen durch die _to belare_, Donnergeister, bestraft. Das Lachen über Tiere z.B., das bei den Bahau als Verbrechen gilt, wird durch die _to belare_ sogleich gestraft, indem sie dem Schuldigen den Hals umdrehen. Es ist daher sehr unvorsichtig, mit einem Huhn, Hund oder Schwein etwas vorzunehmen, was die Leute zum Lachen bringen könnte. Als am Mahakam plötzlich ein kleines Mädchen, wahrscheinlich an Vergiftung, starb, schrieben die Dorfbewohner ihren Tod dein Umstand zu, dass sie über irgend ein Tier gelacht haben sollte.

Ausser diesen Naturgeistern, die sich als Blitz, Donner, Wind und Regen äussern, kennen die Bahau noch eine Schar anderer _to_, die, je nachdem wie sie sich den Menschen gegenüber verhalten, als gute und böse bezeichnet werden. An jene wendet man sich bei Krankheit, Unglücksfällen und bösen Träumen um Hilfe, diese, als die Unglücksträger, sucht man durch Gewaltmittel zu vertreiben oder durch Opfer zu beschwichtigen.

Die _to_ werden, je nach der geistigen Entwicklungsstufe, welche die einzelnen Bahau einnehmen, verschieden aufgefasst. Während man die gewöhnlichen Leute nur von den _to_, als den Urhebern ihrer Freuden und Leiden, sprechen hört, betrachten die höher Stehenden, wie die Häuptlinge und Priester, die _to_ nur als die direkten oder indirekten Werkzeuge eines obersten Gottes _Tamei Tingei_ (= unser hoher Vater).

Wenden wir uns, bevor wir näher auf die _to_ eingehen, im folgenden den höheren geistigen Mächten der Bahau zu.

Ihr ganzes Weltall wird von dem eben genannten _Tamei Tingei_, dem Allvater, beherrscht, der mit seiner Gemahlin _Uniang Tenangan_ über allen anderen von Geistern und Menschen bewohnten Regionen lebt.

Ausser dem Allvater erkennen die Bahau noch andere hohe Götter an, die unter _Tamei Tingeis_ Oberherrschaft im Weltall bestimmte Rollen zu erfüllen haben. Es sind dies:

_Djaja Hipui_ (= alter Häuptling), die Mutter der Kajanwelt und Beherrscherin der guten Geister, jetzt mit _Howong Hwan_ vermählt und _Amei Awi_ (= Vater Awi) und dessen Gemahlin _Buring Une_, welche die Erde und ihre Erzeugnisse beherrschen.

Götter, Geister, Menschen und Seelen der Verstorbenen wohnen im Weltall nicht durcheinander, sondern in bestimmten Schichten oder Regionen, die zum Teil besondere Namen tragen; es existieren deren fünf, nämlich:

1. oberste Region, bewohnt von _Tamei Tingei_ und dessen Gemahlin _Uniang Tenangan;_

2._ Abu Lagan_, bewohnt von _Djaja Hiwi_ und dessen Gemahl _Howong Hwan;_

3. _Apu Kesio_, bewohnt von den Seelen der Verstorbenen;

4. die Erde, bewohnt von den Menschen;

5. unterirdische Region, bewohnt von _Amei Awi_ und dessen Gemahlin _Buring Une_.

Für die gebildeteren Bahau ist _Tamei Tingei_ derjenige Gott, welcher das Lebenslos der Menschen beherrscht, der bereits hier auf Erden denjenigen straft, der sich Übertretungen der _adat_ und andere Übeltaten zu Schulden kommen lässt, und denjenigen belohnt, der sich durch gute Werke auszeichnet. Er ist allwissend und hat zur Vollstreckung seines Willens eine Schar böser, die Erde bewohnender Geister zur Verfügung. Man sollte vom Allvater, der nicht nur straft, sondern auch belohnt, erwarten, dass ihm ausser den bösen Geistern auch gute direkt zu Diensten stehen. Ich habe aber letztere nie erwähnen hören; es ist daher wahrscheinlich, dass _Tamei Tingei_ sich für seine Zwecke der im _Apu Lagan_ unter _Diaja Hiwis_ spezieller Aufsicht stehenden guten _to_ bedient.

_Amei Awi_ und _Buring Une_ beherrschen die Erde und den Ackerbau. Da das Gelingen der Ernte von ihnen abhängt, wird ihnen besonders bei den Saatfesten und beim Beginn der Erntefeste geopfert. Sie leben in aller Herrlichkeit auf einer Erde, die unter derjenigen der Menschen liegt und so fruchtbar ist, dass sie nahrhaften Reis und Früchte aller Art in Hülle und Fülle hervorbringt.

Während _Tamei Tingei, Amei Awi_ und ihre Gemahlinnen von Anbeginn an Gottheiten gewesen sind, lebte _Djaja Hiwi_, die Beherrscherin der guten Geisterwelt _Apu Lagan_, einst als menschliches Weib auf Erden und zwar im Stammland aller Bahau, im Apu Kajan, als Ehefrau von _Tamei Angoi_, einem Häuptling am Kajanufer. _Djaja Hipuis_ Vorgeschichte ist folgende:

Im Apu Kajan, wo für gewöhnlich ein Überfluss an Reis und herrlichen Früchten herrschte, trat einst Hungersnot ein. Daher begab sich _Tamei Angoi, Djaja Hipuis_ Gatte, mit seinem Sohne _Tekwan_, auch wohl _Sunung Kule_ genannt, in das Land _Lagan Pau_, um dort für Gonge, Schwerter und Perlen Reis einzukaufen. Aber auch dort herrschte Reisnot, so dass sie sich unverrichteter Sache auf den Rückweg machen mussten. Zum Übermass des Unglücks ertrank _Tekwan_ unterwegs in den Wasserfällen des Flüsschens Lirong. Tief gebeugt kehrte der Vater in sein langes Haus am Kajan zurück; sein Kummer wurde von _Djaja Hiwi_ und dem ganzen Volke geteilt.

Als _Tamei Angoi_ nach Ablauf der Trauerzeit zufällig auf eine Leiter stiess, die nach oben in die Geisterwelt _Apu Lagan_ führte, beschloss er in seiner Not, von dort mit Hilfe seiner Tauschartikel Reis für seine hungernden Untertanen zu holen. So stieg er denn voller Hoffnung die Leiter hinauf und gelangte vor _Buring Bango_, die Frau, die damals den _Abu Lagan_ beherrschte. _Tamei Angoi_ wurde für seinen Mut belohnt; denn er fand hier nicht nur einen Überfluss an Reis, sondern feierte auch Wiedersehen mit seinem Sohne _Tekwan_. Leider durfte ihm dieser aus der Geisterwelt nicht wieder auf die Erde folgen, was die Freude des Vaters, der im übrigen sehr befriedigt von dem Erfolg seiner Unternehmung in sein Land zurückkehrte, etwas beeinträchtigte.

Kaum hatte _Djaja Hipui_ erfahren, dass ihr ältester Sohn im _Apu Lagan_ wohnte, als sie sich auf Erden nicht mehr halten liess; trotzdem weder _Tamei Angoi_ noch ihr jüngerer Sohn _Imu Djoatut_ das Land, in dem sie bis jetzt so glücklich gelebt hatten, verlassen wollten, beschloss die Mutter dennoch, zu ihrem _Tekwan_ überzusiedeln. Ein grosser Teil der Dorfbewohner schloss sich _Djaja Hipui_ an und so stiegen sie gemeinsam auf der Leiter nach oben, worauf sie diese zerbrachen. _Buring Bango_ jedoch wollte die Neuangekommenen in ihrem Reiche nicht aufnehmen, daher entbrannte ein heftiger Kampf. _Buring Bango_ wurde besiegt und gezwungen, nach _Pu-u Siu_ zu flüchten und ihr Reich _Djaja Hipui_ zu überlassen.

Von_ Tamei Angoi_ und _Imu Djoatut_, den auf Erden Zurückgebliebenen, stammen sämmtliche Bahau ab.

_Djaja Hipui_ lebt mit den Ihren im _Apu Lagan_ nach der Weise der Bahau auf Erden, in langen Häusern, an einem Flussufer. Ober- und unterhalb von _Djaja Hipuis_ Hause stehen je zwölf dieser langen Häuser und zwar heissen die zwölf ersten, von oben gerechnet: _Ingan I; Bua Kudja; Ulo Lawing; Paren Tingin; Paren Balui; Batang; Uniang Awang; Utan; Ingan II; Bua Kaping; Tijung_ und _Apu Lagan_. Die Namen der flussabwärts gelegenen Häuser sind mir nicht bekannt.

_Djaja Hipui_ greift auch in das Lebenslos der Menschen ein; wird sie z.B. zu häufig oder zu ungelegener Zeit, besonders durch Fluchen, angerufen, so straft sie.

Die guten Geister des _Apu Lagan_ sind den Bahau günstig gesinnt: sie beseelen die Priester und helfen ihnen dadurch, die in Krankheitsfällen entflohenen Seelen der Menschen zurückzurufen; sie beseelen auch die Tätowierkünstler, Hirschhornschnitzer; Schmiede und ähnliche Leute; auch sind sie es, die mit Hilfe von Tieren, Träumen und Begebnissen aller Art die Bahau auf das, was sie tun und lassen müssen, aufmerksam machen.

Über die Vorstellung, die sich die Bahau von dem Aussehen der guten _to_ machen, habe ich nie etwas vernommen.

Dagegen schreiben sie den strafenden Geistern, die sie daher als die "bösen (_dja-ak_)" bezeichnen, alle Körpereigenschaften zu, die sie selbst an ihren Nebenmenschen unangenehm und hässlich finden. Die bösen_ to_ sind menschenähnliche Wesen mit grossen, dicken Leibern, riesigen Augen in grossen Köpfen, schweren Hauern, dichter langer Behaarung und aussergewöhnlicher Stärke. Die den Donner und Blitz verursachenden _to belare_ sind z.B. so stark, dass man glaubt, vom Blitz getroffene Bäume seien von ihnen auseinander gerissen. Das Blitzen erzeugen sie durch das Funkeln ihrer Augen, das Donnern durch das Tönen ihrer Stimmen. Sie bewohnen gewöhnlich Höhlen an Bergabhängen und bilden ähnliche Gemeinwesen wie die Bahau. Auch die übrigen bösen Geister suchen sich als Wohnplätze die Orte aus, die auf das Gemüt der Menschen einen beängstigenden Eindruck hervorbringen, wie stark bewachsene Berge, dunkle Waldgebiete, Felshöhlen und eigentümlich geformte Felsen und Steinklumpen.

Viele Berge werden von den Eingeborenen wegen der dort hausenden Geister gemieden und auch mir gestatteten sie öfters nicht, in die Nähe einer Berghöhle zu gehen. Bei der Besteigung des Batu Kasian hörte ich den Häuptling _Kwing Irang_ unseren Pflanzensucher fragen, ob er nicht die Höhle des dort lebenden _belare_ entdeckt habe. Während der Reise warfen meine Träger mit Steinen und Holzstücken nach allen Höhlen und Felsen, die für Wohnsitze von Geistern galten. Einst sah ich einen Mann den Mond anspeien, ich weiss nicht aus welchem Grunde.

Als weitere Abschreckungsmittel für böse Geister dienen auch menschliche Phantasiegestalten, deren Genitalien übertrieben gross dargestellt werden. Derartige Figuren, mit Schild, Schwert und Speer bewaffnet, werden, besonders wenn Krankheiten im Lande herrschen, an den Pfaden längs des Flussufers aufgestellt. Auch Genitalien an und für sich sind im stande, andringende Geister zu verscheuchen; sie werden daher in roher Form aus Holz geschnitzt häufig auf Treppen und Bretterstegen angebracht. Wie im Kapitel über Kunst gezeigt werden wird, hat dieser Glaube den Bahau die eigenartigsten Motive für die Verzierung ihrer Häuser, Waffen und Gerätschaften geliefert. Aus der Schöpfungsgeschichte der Kajan geht hervor, dass ihre Götter und Geister vor geschlechtlichen Beziehungen ein Grauen empfinden; hieraus erklärt sich die abschreckende Wirkung, die der Anblick von Genitalien auf die bösen Geister übt.

Dass auch das Pflanzenreich zur Abwehr böser Geister vielerlei Mittel liefert, ist bereits im vorhergehenden Kapitel gezeigt worden, ebenso dass die Zähne von Hunden, Wildkatzen, Bären und Panthern, besonders geformte Steine u.s.w. als Schreckmittel benutzt werden.

Die bösen sowie die guten Geister besitzen einen viel weiteren Blick als die Menschen und sind, wie wir gesehen haben, auch viel mächtiger als diese; sie bilden für die meisten Bahau das religiöse Element, mit dem sie sich bei ihrem Gottesdienst hauptsächlich befassen.

Da die guten Geister nicht nur an sich ungefährlich sind, sondern den Menschen auch alles erdenkliche Gute anzutun bestrebt sind, die bösen Geister dagegen den Menschen, als Strafe für ihre Missetaten, alles Unglück übermitteln, haben diese für die Bahau begreiflicher Weise mehr Interesse als jene. Man hört sie daher viel häufiger von den gefürchteten bösen als von den harmlosen guten _to_ sprechen.

Obgleich die Bahau an eine wenn auch beschränkte Unsterblichkeit der Seele glauben, sind sie doch der Überzeugung, dass _Tamei Tingei_ ihnen durch seine Diener schon hier auf Erden das Los zuerteilt, das sie sich durch ihre Lebensweise selbst verdient haben. Diejenigen, welche die menschliche oder göttliche _adat_ übertreten, erleiden Missgeschick oder werden krank; sind die Geister sehr erzürnt, so lassen sie die Schuldigen im Kampfe fallen, verunglücken, sich selbst töten oder, wenn es Frauen betrifft, bei der Geburt sterben. Alle auf diese Weise Umgekommenen sind _matei dja-ak_, d.h. eines schlechten Todes gestorben. Es wird ihnen kein ehrenvolles Begräbnis zu Teil; auch gelangen ihre Seelen nicht in den Himmel _Apu Kesio_, sondern an einen anderen Ort; aber von einer weiteren Vergeltung ihrer auf Erden begangenen Missetaten im künftigen Leben ist keine Rede.

Den guten Menschen sendet Allvater Glück und Wohlergehen; auch lässt er sie durch Krankheit eines schönen Todes (_matei saju_) sterben. Ihre Seelen gelangen nach _Apu Kesio_, wo sie in einem Überfluss an Nahrungsmitteln schwelgen und nicht zu arbeiten brauchen.

Im Anfang dieses Kapitels ist bereits gesagt worden, dass die Bahau nicht nur sich selbst, sondern auch allen belebten und unbelebten Wesen auf Erden den Besitz von Seelen zuschreiben; sie glauben, dass die Menschen und deren Haustiere: Schweine, Hunde und Hühner, ferner die Hirsche, grauen Affen und Wildschweine von zwei Seelen, die übrigen Tiere, Pflanzen und toten Gegenstände dagegen nur von einer Seele bewohnt werden.

Betrachten wir zuerst die Seelen der Menschen, ihren Charakter und ihr Schicksal.

Alle Leiden, von Angstgefühlen und quälenden Träumen an bis zu Missgeschicken und Krankheiten, schreibt der Bahau dem Umstande zu, dass ein Teil seiner Persönlichkeit zeitweise seinen Körper verlässt; er nennt diesen nur locker mit seinem Körper verbundenen Teil: _bruwa_ (malaiisch: _mata kanan_ = rechtes Auge). Einen zweiten Teil seiner Persönlichkeit, der zeitlebens mit seinem Körper verbunden bleibt, nennt der Bahau: _ton luwa_ (malaiisch: _mata kiba_ = linkes Auge). Diese beiden geistigen Teile des Bahau, seine beiden Seelen, spielen sowohl in seinem Leben als nach seinem Tode eine wichtige Rolle.

Die stets unruhige _bruwa_ entflieht dem menschlichen Körper, nach Aussagen der Priesterinnen, in Gestalt eines Tieres: eines Fisches, Vogels oder einer Schlange. Die Fischform verspricht ein langes, die Schlangenform ein kurzes Erdenleben. Der wichtigste Wohnsitz der _bruwa_ liegt im Haupte des Menschen, sie verlässt den Leib durch den Scheitel. Schlägt man ein Kind daher aufs Haupt, so entflieht seine _bruwa_ leicht.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Priesterinnen besteht darin, die _bruwa_, die den Menschen schon bei geringen Anlässen, wie Schreck und Verstimmung, besonders aber bei Krankheit, verlässt, wieder in den Körper zurückzulocken. Sie tun dies mit Hilfe der Geister aus dem _Apu Lagan_ und zwar auf sehr verschiedene Weise. Bisweilen lässt sich die _bruwa_ schon dadurch besänftigen, dass ein schönes Stück Zeug auf das Haupt des Patienten gelegt wird; sonst spaltet die Priesterin in der Dunkelheit das Haupt zum Schein und lässt die entflohene Seele wieder in ihren alten Wohnsitz zurückkehren.

Bei dem Tode des Menschen verlässt die _bruwa_ den Körper für immer und zieht nach Aras Kesio. So viel ich habe erfahren können, verweilt die Seele auch hier nicht ewig, sondern begiebt sich später an einen anderen Ort, _Langit Mengun_, und wird erst dort zu einem wirklichen, ewig fortlebenden Geiste.