Quer Durch Borneo; Erster Teil

Chapter 1

Chapter 12,842 wordsPublic domain

Produced by Jeroen Hellingman

Quer durch Borneo

Ergebnisse seiner Reisen In den Jahren 1894, 1896-97 und 1898-1900

Von

Dr. A.W. Nieuwenhuis

Unter Mitarbeit

Von

Dr. M. Nieuwenhuis-von Üxküll-Güldenbandt

Erster Teil

Mit 97 Tafeln in Lichtdruck und zwei Karten

Buchhandlung und Druckerei Vormals E.J. Brill Leiden--1904

VORWORT.

Bevor noch die Ergebnisse meiner ersten Durchquerung der Insel Borneo unter dem Titel "In Centraal Borneo" veröffentlicht waren, trat ich eine neue Reise an, die zwei Jahre und acht Monate dauerte und mir Gelegenheit bot, die bereits erlangte Kenntnis von den Bewohnern dieser bisher völlig unbekannten Gegenden wesentlich zu bereichern. Da die Forschungen, die ich über den Charakter der Dajak und die Verhältnisse, unter denen sie leben, anstellte, eine weitere Ausbreitung des niederländischen Einflusses im Herzen Borneos zur Folge hatte, erschien mir eine Vereinigung der früher erworbenen Resultate mit den neuen und deren Veröffentlichung in umgearbeiteter Form nicht nur aus wissenschaftlichem, sondern auch aus praktischem Interesse wünschenswert.

Das Werk besteht aus zwei Teilen. Der erste behandelt die Reise von Pontianak nach Samarinda, quer durch Borneo, und enthält eine Schilderung von den Zuständen unter den Bahau am Kapuas und Mahakam, der zweite beschreibt die Expedition zu den Kenja im Stammland der Bahau, ferner die Industrie, den Handel, den Häuserbau und die Kunst bei diesen Stämmen.

Wie in meinem vorigen Werke habe ich mich auch in diesem darauf beschränkt, fast ausschliesslich eigene Beobachtungen zu geben, und die anderer Autoren nicht zur Vergleichung herbeigezogen. Abgesehen davon, dass das Werk sonst zu umfangreich geworden wäre, ist es auch sehr schwierig, in allem, was die Reisenden bis jetzt über Borneo geschrieben haben, sorgfältige Beobachtungen von flüchtigen Eindrücken zu unterscheiden. Überdies bin ich der Ansicht, dass eine einfache Wiedergabe eigener Beobachtungen, von deren Richtigkeit man sich im Laufe vieler Jahre hat überzeugen können, für die Ethnographen besonders wertvoll ist.

In dieses neue Werk habe ich, soweit sie nicht in Fachzeitschriften gehören, alle Resultate meiner Reisen in Mittel-Borneo aufgenommen; desgleichen haben diejenigen Photographien der vorigen Reisen, die ich für wissenschaftlich interessant hielt, auch ins neue Buch Aufnahme gefunden. In die Reiseerzählung, die das Werk auch für Laien geniessbar machen soll, sind noch Beobachtungen allerlei Art, die anderswo keinen Platz fanden, und einige charakteristische Erlebnisse meiner vorigen Reisen verflochten worden.

Zur Verzierung des Einbands wurden ausschliesslich dajakische Muster verwendet. Die vordere Seite des Einbands ist mit den Randfiguren eines Frauenrockes geschmückt, die hintere Seite und der Rücken tragen Tätowiermuster.

Die Herausgabe des vorliegenden Werkes konnte in dieser Form nur dank einer bedeutenden Subvention seitens des Kolonialministeriums stattfinden. Diese Subvention ermöglichte auch eine Reproduktion der Tafeln in Licht- und Farbendruck, durch welche erst die vom ethnographischen Standpunkt wichtigen Einzelheiten der photographischen Aufnahmen zur vollen Geltung gelangten.

Während meiner Arbeit habe ich von verschiedener Seite Unterstützung genossen. In erster Linie fühle ich mich der "Maatschappij tot bevordering van het natuurkundig onderzoek der Nederlandsche Koloniën", die meine ersten Reisen veranlasste und mir gestattete, die von ihr herausgegebene Karte von Borneo für dieses Werk zu reproduzieren, zu Dank verpflichtet. Ferner spreche ich den Herren Professoren Dr. _A.E.J. Holwerda_ und Dr. _K. Martin_ und Herrn Dr. _J.D.E. Schmeltz_, die sich stets hilfsbereit gezeigt haben, besonders aber Herrn Professor Dr. _F. Schwend_ in Stuttgart, der mir durch seine Hilfe bei der Korrektur einen grossen Dienst geleistet hat, meinen herzlichsten Dank aus.

Leiden,

Dezember 1903.

Dr. A.W. Nieuwenhuis.

INHALT.

Kapitel I. 1-22

Erste wissenschaftliche Expedition nach Mittel-Borneo (1893-1894)--Pläne zu einem zweiten Versuch einer Durchquerung Borneos von West nach Ost--Zweite Reise (Februar 1896-Juni 1897) und deren Ergebnisse--Anlass zur Unternehmung der dritten Reise (Mai 1898-Dezember 1900)--Ausrüstung--Dampfschiffahrt nach Pontianak--Fahrt auf dem Kapuas bis Putus Sibau--Zustände in Putus Sibau.

Kapitel II. 23-42

Aufenthalt in Putus Sibau--Aussichten für die Mahakamreise--Besuch der Batang-Lupar--Aufbruch nach Tandjong Karang Einrichtung des Kajan Hauses--Ärztliche Praxis unter der Bevölkerung--Vorbereitungen für den Zug nach dem Mahakam Rückkehr nach Putus Sibau--Einkauf von Ethnographica und Krankenbehandlung--Verwundung eines Sibau Dajak Zurücksendung eines Jägers--Besuche der Kajan--_Usun_ in Putus Sibau--Befragen der Vögel--Aufbruch nach dem Mahakam.

Kapitel III. 43-68

Allgemeines über die Insel Borneo--Die Gebirge von Mittel-Borneo--Die Wasserscheiden zwischen dem Mahakam und dem Batang-Rèdjang, Kajan und Barito--Geologie des oberen Mahakamgebietes--Salzquellen--Geologischer Charakter des Apu Kajan Äussere Gestaltung Mittel-Borneos--Buschvegetation--Meteorologische Verhältnisse--Bewohner der Insel--Malaien und Dajak Sesshafte Stämme: Bahau und Kenja--Nomadenstämme: Punan, Bukat und Beketan--Herkunft der Bahau und Kenja Legende vom Wasser und Feuer--Auswanderungen und Vermischungen der Stämme--Organisation eines Bahau- bezw. eines Kajan-Stammes--Geschichte der Mendalam Kajan--Glieder eines Stammes: Häuptlinge, Freie und Sklaven--Gegenseitige Verpflichtungen der Stammesglieder--Abstammung des Häuptlings _Akam Igau_.

Kapitel IV. 69-95

Lebenslauf eines Bahau bzw. eines Kajan--Geburt--Behandlung des Neugeborenen--Kindertragbrett (_hawaat_)--Verpflegung des Kindes--Erste Namengebung--Zweite Namengebung--Namenänderungen--Das Kind bis zur Pubertät--Junge Männer und Mädchen--Tätowierung--_utang_--Künstliche Verunstaltungen--Beschäftigungen und Verkehr der jungen Leute--Mahlzeiten Heirat--Stellung von Mann und Frau--Erbschaft--Tod--Trauer--Kopfjagden.

Kapitel V. 96-115

Religiöse Vorstellungen der Bahau--Wichtigste Götter--Einteilung des Weltalls--Gute und böse Geister--Seelen der Bahau--Charakter und Schicksal der _bruwa_ und _ton luwa_--Seelen der Tiere, Pflanzen und Gesteine--Vorzeichen--Erklärung der _pemali_--Priester und Priesterinnen--Beseelung der _dajung_--Pflichten der _dajung_--Erklärung der _mela_--Das Ei als Opfergabe.

Kapitel VI. 116-132

Opfergaben der Ballon: _kawit_--Die _pemali:_ bei der _mela_, beim Erntefest, in den Reisscheunen, auf dem Reisfelde, beim Säen, beim Neujahrsfest, bei der _mela_ der Namengebung, bei der _mela_ gegen Krankheit, bei der Rückkehr von grossen Reisen--Das _legén_--Schwierigkeiten bei den Nachforschungen auf religiösem Gebiet--_Usun_, die Oberpriesterin--Schöpfungsgeschichte der Mendalam Kajan.

Kapitel VII. 133-155

Auffassung der Kleidung seitens der Eingeborenen--Zweck der Kleidung--Einfluss der Malaien auf die Kleidung--Alltags-, Fest- und Kriegskostüm der Männer am Mendalam--Kopfbedeckungen--Schmuck--Tätowierung--Ausrecken der Ohrläppchen--Umformung der Zähne--Haartracht--Alltags- und Festkleidung der Frauen--Schmuck--Trauerkleidung--Ausrüstung der Toten--Waffen der Kajan: Schwerter, Speere, Blasrohre--Herstellung der Blasrohre--Pfeile und Pfeilgifte--Schilde.

Kapitel VIII. 156-185

Rolle des Ackerbaus bei der Bahau und Kenja--Religiöse Vorstellungen beim Ackerbau--Legende von der Entstehung der Ackerbauprodukte--Art der Feldbewirtschaftung--Vorzeichensuchen bei der Wahl der Felder--Bestimmung der Saatzeit--Perioden des Reisbaus--Bedeutung der Ackerbaufeste--Saatfest: religiöse Zeremonien; Masken- und Kreiselspiel--Neujahrsfest--Festgebräuche--Zweite Namengebung der Kinder--Darbietung der Opfer--Tänze der Priesterinnen--Ringkampf--_aron uting_ = Festtag des Schweinefleischessens--_aron kertap = Festtag_ des Klebreisessens--_nangeian_ = Rundtanz der Priesterinnen und Laien--Schlusszeremonien beim Neujahrsfest.

Kapitel IX. 186-199

Fischreichtum des Kapuasgebietes--Fischereigerätschaften--Fang des _tapa_--Fang mit _tuba_-Gift--Jagd--Hunde der Bahau--Erträgnisse der Jagd--Vogelfang--Haustiere.

Kapitel X. 200-219

Von Putus Sibau nach Siut--Besuch bei den Taman Dajak-Verlust eines Hundes durch ein Krokodil--Nachtlager auf der Geröllbank Liu Tangkilu--Kampf gegen die Strömung--Aufenthalt wegen des _telaradjang_--Umschlagen eines malaiischen Handelsbootes--Ausflug auf einen Berg--Eigentümliche Lianen--Fortsetzung der Fahrt bis zur Gung-Mündung--Aufenthalt wegen schlechter Vorzeichen--Passieren der "Gurung Delapan"--Nachtlager an der Bungan-Mündung--_Bier_ und _Obet Lata_ fallen in den Fluss--Begegnung mit unserer ersten Gesandtschaft--Ankunft an der Bulit-Mündung--Aufschlagen der Lagers--Nächtlicher Überfall durch Hochwasser--_Akam Igaus_ Reiseplan--Begegnung mit Bungan Dajak--Aufbruch zum _pangkalan_ Howong--Kalkberge am Bulit.

Kapitel XI. 220-243

Ankunft am _pangkalan_ Howong--Unterhaltung im Lager--_Akam Igau_ zieht zum Mahakam voraus--Aufbruch eines Teils der Kuli zur Wasscherscheide--Erscheinen von Bungan Dajak--Besuch im Lagerplatz, der Bungan--Rückkehr der Träger--Verschwinden des Reises--Landzug in Eilmärschen--Passieren des Bungan--Nahrungsnot--Lager unterhalb der Wasserscheide.

Kapitel XII. 244-268

Auf der Wasserscheide zwischen Kapuas und Mahakam--Opfer der Kajan--Längs des Howong zu den Pnihing--_Amun Lirung_--Nahrungsmangel und Schwierigkeiten mit dem Transport des Gepäckes--_Kwing Irang_--Löhnung der Träger--Besuch bei den Bukat--Reise zu _Belarè_--Einkauf von Böten am Tjehan--Fahrt zu _Kwing Rang_ am Blu-u.

Kapitel XIII. 269-294

Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf--Bewohner des Mahakamgebietes--Vorgeschichte der Stämme--Stellung und Einfluss der Fremden--Ursprüngliche Bewohner am oberen Mahakam--Vorherrschaft der Long-Glat--_Kwing Irang_ und dessen Stellung unter den übrigen Häuptlingen--Verkehr und Handel unter den Stämmen--Selbständigkeit der Stämme--Verteilung der Ländergebiete--Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte, Buschprodukte, Jagd- und Fischfang--Industrie--Verkehr mit den Nachbarländern--Handel und Handelswege.

Kapitel XIV. 295-315

Verkehr mit den Eingeborenen--Einkauf von Ethnographica--Sammeln und Konservieren von Tieren und Pflanzen--Sammlungen und Untersuchungen auf geologischem Gebiet--Topographische Aufnahmen--Photographie.

Kapitel XV. 316-350

Verhältnisse bei den Mahakam Kajan--Zeitrechnung-Beschäftigungen während der Verbotszeit--Besteigung des Batu Mili--Saatfest--Maskenspiel--Kreiselspiel--Abschied von _Akam Igau_ und _Jung_--Fahrt zum Merasè--Tod des Häuptlings _Bo Li_--Begegnung mit malaiischen Rebellen--Beginn mit der Mahakamaufnahme--Zweite Besteigung des Batu Mili--Sage vom Batu Mili--Hahnenkämpfe.

Kapitel XVI. 351-385

Besuch bei den Ma-Suling am Merasè--In Batu Sala, Napo Liu und Lulu Sirang--Behandlung von Kranken, Einkauf von Böten und Ethnographica--Besteigung des Batu Situn--Beobachtungsposten auf einem Baumgipfel--Rückkehr nach Lulu Sirang--Symbolische Heiratserklärung--Hochzeitsgebräuche--Ehegesetze--Heimkehr nach dem Blu-u--Besuch bei den Pnihing am Tjehan--In Long 'Kup--Besteigung des Liang Karing--Bei den Pnihing am Pakatè--Begräbnisstätte der Pnihing--_Hadji Umar_--Zurücksendung einer Batang-Lupar Gesellschaft--Beratung wegen des Hausbaus--Besuch von _Hinan Lirung_.

Kapitel XVII. 386-417

Bau des Häuptlingshauses--Besteigung des Batu Lesong--Ermordung einer Sklavin--Schutzleistung gegen Batang-Lupar Banden--Anwerbung neuer Leute--Krankenbesuch am Merasè--Reisevorbereitungen--_Bang Joks_ politische Stellung--_Kwing Irangs_ Einzug ins neue Haus--Allerhand Schwierigkeiten--Wiederholtes Vorzeichensuchen--Tod eines kleinen Mädchens--Ankunft _Akam Igaus_--Neue Reisehindernisse.

Kapitel XVIII. 418-449

Äusseres der Bahau--Körperbau--Sinnesorgane--Charakter--Eigentümlichkeiten ihrer Konstitution--Krankheiten der Bahau: Malaria, venerische Krankheiten, Intestinalkrankheiten, Rheumatismus; Kropf; Infektionskrankheiten verschiedener Art, Augenkrankheiten, parasitäre Hautkrankheiten--Wert einer ärztlichen Praxis unter den Eingeborenen--Vorstellungen der Bahau von ihrem Körper, ihrem Geist; dem Schlaf und den Krankheiten--Heilmethoden der Priester--Diätetische Mittel-Befolgung ärztlicher Vorschriften--Arzneien der Eingeborenen--Massage, Dampfbäder.

Kapitel XIX. 450-468

Allgemeines über Tätowierung--Unterscheidung dreier Gruppen--Vorschriften für Tätowierkünstlerinnen und Patienten--Tätowiergerätschaften--Ausführung und Folgen der Operation--Methoden der Tätowierung bei den verschiedenen Stämmen und Ständen--Seeentätowierung--Tätowierung der Kajan am Mendalam--Tätowiermuster--Tätowierung bei den Mahakamstämmen und den Kenja.

Kapitel XX. 469-493

Reise zur Küste: von Long Blu-u nach Long Tepai--Passieren der westlichen Wasserfälle--Flössen des Rotang--In Long Deho bei _Bo Adjang_--Aufenthalt wegen Hochwassers--Ertrinken zweier Long-Glat--Ankunft _Kwing Irangs_--Weiterreise mit den Kajan--Passieren des Kiham Udang--Wiedersehen mit dem Kontrolleur in Long Bagung--Begegnung mit Kenja--Über Uma Mehak, Udju Halang, Ana und Tengaron nach Samarinda.

BEMERKUNGEN ÜBER DIE AUSSPRACHE.

Alle einheimischen Wörter, die keine geographischen Namen oder Personennamen bedeuten, liess ich kursiv drucken. Während die Zeichen auf den gerade gedruckten Wörtern keiner weiteren Erklärung bedürfen, gelten in Bezug auf die Aussprache der Vokale in den kursiv gedruckten Wörtern die folgenden Regeln des allgemeinen linguistischen Alphabets [1].

_a_ in dem Deutschen Tat, hat. _e_ in dem Deutschen Bär, fett; _e_ in dem Deutschen Weh; _i_ in dem Deutschen wir, mit; _o_ in dem Deutschen Mond; _o_ in dem Deutschen Sonne; _ö_ in dem Deutschen Hörner; _ö_ in dem Deutschen König; _u_ in dem Deutschen Mut; _u_ in dem Deutschen Tür; _ai_ in dem Deutschen Kaiser. _au_ in dem Deutschen Haut. _au_ in dem Deutschen Häute. _e_ bezeichnet den dumpfen Vokal der deutschen Vor- und besonders Endsilben, z.B. begraben.

In den Inhaltsangaben und in den Überschriften der Seiten sind obige Zeichen bei den kursiv gedruckten Wörtern fortgelassen worden.

Um die Länge und die Kürze der Vokale und die Betonung anzugeben, sind die üblichen Zeichen [-]; [u]; und ['] verwendet worden.

LISTE DER KARTEN UND TAFELN.

Karte der Insel Borneo Anhang. Karte des Bungan-Gebietes gegenüber Seite 226

Tafel. Gegenüber Seite

1. Die Expedition in Long Bagung (Mai 1899) Titelbild. 2. Tandjong Karang 26 3. Geschnitzte Haustür des Häuptlings _Akam Igau_ 28 4. Inneres von _Akam Igaus_ Wohnung A 28 5. Inneres von _Akam Igaus_ Wohnung B 28 6. _Usun_, Oberpriesterin in Tandjong Karang 40 7. Die Salzquelle Sepan Dingei mit Brunnenvorrichtung 46 8. Landschaft von Mittel-Borneo (oberer Mahakam) 48 9. Greis der Kajan vom Mahakam. Kajan vom Mahakam 52 10. Junge Frauen der Mahakam Kajan. Junge Mädchen der Mahakam 56 11. Ältere Frau der Mahakam Kajan 60 12. Pnihing 64 13. Bewaffnete Ma-Suling vom Merasè mit ihrem Häuptling Ibau Li 68 14. Kindertragbrett (_hawat_) der Kajan am Mendalam 72 15. Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan 116 16. Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan 118 17. Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan 120 18. Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan 122 19. Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan 124 20. Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan 124 21. _Legen_ 126 22. Gut gekleideter junger Kajan 136 23. Bahau in Kriegskostüm 136 24. Hüte der Bahau 138 25. Schmucksachen der Mendalam Kajan 140 26. Frau der Bahau in Trauerkleidung 144 27. Totenausrüstung 144 28. Schwerter der Mendalam Kajan 146 29. Schwerter der Bahau 148 30. Schwertscheiden der Bahau 148 31. Schwerter mit Scheiden der Stämme von Nord- und West-Borneo 148 32. Pfeilköcher, Giftbrett u.s.w. 150 33. Auszug aufs Feld mit Tragkorb, Schwert, Ruder und Speer 162 34. Neu angelegtes Reisfeld der Bahau 162 35. _Dangei_-Hütte 172 36. _Lasa_, Opfergerüst mit Opfergaben 176 37. Landschaft am oberen Kapuas 188 38. Aufwärtsziehen der Böte mittelst Rotangtaue im Gurung Delapan 212 39. Gurung Bakang 214 40. Mündung des Bulit 216 41. Befördern der Böte über einen Wasserfall im Bulit 216 42. Stalaktiten am Liang Bubuk 218 43. Inneres einer Kuli-Hütte 222 44. Wasserscheide zwischen Kapuas und Mahakam 246 45. Zwei aus verflochtenen und verwachsenen Lianen entstandene Bäume 254 46. Haus des Pnihinghäuptlings _Belarè_ 260 47. Massenkalk mit undeutlicher Schichtung 264 48. Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u 268 49. Unsere Wohnung in Long Blu-u 272 50. Zwei Kajanfrauen vom oberen Mahakam 274 51. Junger Mann und Frau der Kajan am oberen Mahakam 284 52. Kajanknaben vom oberen Mahakam 296 53. Junger Sklave der Kajan am oberen Mahakam 308 54. Steine zur Bestimmung des Sonnestandes während der Saatzeit 316 55. Der Batu Mili bei Long Blu-u 320 56. _Hudo Kajo_, als Geister verkleidete Männer 324 57. Holzmasken 324 58. Landung der Geistermasken 326 59. Tanz der Geistermasken 326 60. Maskerade der Frauen 328 61. Frauen in Festkleidung. Als Männer verkleidete Frauen 328 62. Als Punan verkleidete Kajan 328 63. Kreiselspiel 330 64. Napo Liu 332 65. Gruppe der Murung Malaien in Napo Liu 334 66. Grabmal des Ma-Suling-Häuptlings _Bo Long_ 354 67. Rotang mit symbolischen Zeichen zur Absperrung eines Flusses 360 68. Holzstapel als symbolische Heiratserklärung bei den Long-Glat 364 69. Der Liang Karing an der Mündung des Tjehan 370 70. Aufwärtsziehen der Böte im Kiham Tukar Anang 372 71. Niederlassung der Pnihing am Long Pakatè 374 72. Mit Figuren verzierter Stein im Tjehan 374 73. Begräbnisstätte der Pnihing am Fuss des Liang Nanja 376 74. Särge der Pnihing 376 75. Achtjähriger Kajan mit Tinea imbricata bedeckt 440 76. Symmetrisch verbreitete Tinea imbricata bei einer jungen Kajanfrau am oberen Mahakam 442 77. Tätowieren einer Hand bei den Kajan am oberen Mahakam 450 78. Frau der Long-Glat mit vollständiger Tätowierung 452 79. _Dahei Kwing_, achtzehnjährige Kajanfrau vom oberen Mahakam mit tätowierten Händen 452 80. Junger Bukathäuptling mit Brust- und Armtätowierung 452 81. Tätowierter Dajak vom Kahájan 452 82. Tätowiermuster der Mendalam Kajan 456 83. Schenkeltätowierung einer _panjin_ 460 84. Schenkeltätowierung von _Tipong Igau_ 460 85. Hand- und Fusstätowierung der Mendalam Kajan 460 86. Schenkeltätowierung einer Long-Glat-Frau 461 87. Muster für Schenkeltätowierungen 462 88. Muster für Schenkeltätowierungen 464 89. Muster für Schenkeltätowierungen 464 90. Seitenstücke für Schenkeltätowierungen 464 91. Schlussstücke für Schenkeltätowierungen 466 92. Handtätowierungen der Long-Glat 466 93. Handtätowierungen der Uma Luhat; Kajan am Blu-u 466 94. Handtätowierungen der Uma Luhat 466 95. Tätowierung der Kenja Uma Tow 468 96. Schenkeltätowierung der Kenja 468 97. Schenkeltätowierung der Kenja 468

KAPITEL I.

Erste wissenschaftliche Expedition nach Mittel-Borneo (1893-1894)--Pläne zu einem zweiten Versuch einer Durchquerung Borneos von West nach Ost--Zweite Reise (Februar 1896-Juni 1897) und deren Ergebnisse--Anlass zur Unternehmung der dritten Reise (Mai 1898-December 1900)--Ausrüstung--Dampfschiffahrt nach Pontianak--Fahrt auf dein Kapuas bis Putus Sibau--Zustände in Putus Sibau.

In den Jahren 1893 und 1894 rüstete die "Maatschappij tot bevordering van het natuurkundig onderzoek der Nederlandsche Koloniën" (Gesellschaft zur Beförderung der naturwissenschaftlichen Forschung in den niederländischen Kolonieen) ihre erste grosse wissenschaftliche Expedition nach Mittel-Borneo aus; wesentlich unterstützt wurde sie dabei durch den damaligen Residenten _S.W. Tromp_ [2] der "Wester-Afdeeling" von Borneo, der sehr wohl begriff, dass eine Erweiterung der Kenntnis von Land und Volk auch in politischer Hinsicht von grosser Bedeutung sein musste.

Den Teilnehmern an der Expedition war zur Aufgabe gestellt worden, von der Westküste durch die bisher ganz unbekannten Gebiete des oberen Kapuas und oberen Mahakam bis zur Ostküste vorzudringen und während der Reise, so weit als möglich, naturwissenschaftliches Material zu sammeln und die Bevölkerung zu studieren.

In Kutei erhoben sich aber bald warnende Stimmen, welche auf die grossen Gefahren einer derartigen Unternehmung aufmerksam machten; daher nahm man von dem anfänglichen Plan Abstand und beschränkte sich auf die Erforschung des Flussgebietes des oberen Kapuas, in welchem vom November 1893 bis zum Oktober 1894 reiche Sammlungen auf botanischem, zoologischem, geologischem und ethnologischem Gebiete angelegt wurden. Dank der Unterstützung der Regierung durch Schutz- und Transportmittel konnten die Forscher, jeder in seinem Fache, gesondert tätig sein; während der Zoologe Dr. _J. Büttikofer_ und der Botaniker Dr. _H. Hallier_ sich im Urwalde niederliessen, durchzog der Geologe Prof. _G.A.F. Molengraaff_ ausgedehnte Landstrecken, um deren Formation kennen zu lernen und beendete seine Reise durch einen gelungenen Zug von Bunut südlich nach Bandjarmasin. Indessen jeder auf diese Weise die nötige Forschungsfreiheit genoss, lag mir, als dem Expeditionsarzte, die Verwaltung des Ganzen ob. Da meine ärztliche Hilfe von den Teilnehmern der Expedition selten beansprucht wurde, konnte ich in den Dörfern der Eingeborenen wohnen bleiben und von dort aus für die Zufuhr neuer Vorräte und die Anwerbung von Kuli Sorge tragen.

Teils aus Neugier, teils um ärztlichen Beistand zu erbitten, kamen bald ununterbrochen Eingeborene in meine Nähe, so dass ich Gelegenheit hatte, die Bevölkerung eingehend zu studieren und Ethnographica zu sammeln.

Nach zweimonatlichem Aufenthalt am Mandai, südlich vom oberen Kapuas, machten der Geologe, Prof. _Molengraaff_, und ich den Versuch, in das Gebiet des oberen Mahakam vorzudringen; wir mussten jedoch, obgleich wir bereits die Wasserscheide zwischen Kapuas und Mahakam überschritten hatten, auf Grund von Gerüchten, die der uns begleitende Kontrolleur über ernstliche feindliche Rüstungen seitens der Eingeborenen vernommen hatte, den Rückzug antreten. Auf dieser letzten sechswöchentlichen Expedition hatten die am Mendalam wohnenden Kajan, ein bis dahin so gut wie unbekannter Stamm, die Träger und Ruderer geliefert. Die Kajan am Mendalam sind nämlich mit denen am Mahakam verwandt und in ständigem Verkehr, daher sind sie auch die besten Kenner dieser dunklen Gebiete von Mittel-Borneo.

Ich war somit, um zuverlässige Auskunft über die Verhältnisse am oberen Mahakam zu gewinnen, hauptsächlich auf diesen Stamm der Kajan angewiesen. Zwar hatte schon im Jahre 1825 ein Europäer, _Georg Müller_, von der Ostküste aus den oberen Mahakam erreicht, aber sein Geleite von Pnihing und Kajan ermordete ihn nach dem Überschreiten der Wasserscheide im Flussbett des Bungan; mit dem kühnen Forscher gingen auch seine Aufzeichnungen zu Grunde, und die innersten Gebiete Borneos blieben unbekannt wie zuvor.