Part 3
daer men den verloren maendag viert, daer een vaentjen hangt en zwiert, daer men heele potten drinkt, daer men in 't prieeltjen klinkt, daer men met den bierbas vrijt, daer men schrijft met dobbel krijd, daer de vinsters staen vol groen, daer den weerd heeft veel te doen, daer de maert loopt op en neer, daer de vrouw tapt even zeer, daer een dochter zit en vleit, daer men maer by nachten scheidt.
Von der Kirmess gibt uns der Anfang eines längern Liedes (Willems Nr. 247) ein recht lebendiges Bild:
De boerkens smelten van vreugd en plezier als den oogst is binnen getreden, zy gaen met hunne boerinnen te bier en zy maken zeer goeden cier. den bezem steekt ten venstren uit, men danst er, men speelt er al op de fluit, op potten, op pannen, op glazen, op kannen, op allerhande geluid; op messen, op schuppen, op 't zoute vat, op hangel, op tangel, op dit en op dat, op 't trommeltje rom dom domme dom dom, op keteltjes, lepeltjes, tikke tik tank, en dat duert er den heelen nacht lang.
Es gibt auch noch heutiges Tages viele öffentliche Volksbelustigungen, besonders in Brabant und Flandern, aber selbst die beliebten Kirmessen sind nur ein Schattenbild des alten fröhlichen sangreichen Lebens, wie es einst überall vorhanden war; wenn das Volk jetzt zum Singen kommt, so singt es meist nur gemeine Gassenhauer, oft ganz frisch gedruckte, die das Ohr jedes sittsamen Menschen beleidigen müssen, oder irgend eine beliebte deutsche oder französische Melodie mit schlechten Texten oder aus dem Stegreif gemachten Albernheiten.
Übrigens verdienten alle bei solchen Gelegenheiten üblichen Gebräuche und Spiele beschrieben und die Lieder gesammelt zu werden, möglicherweise findet sich manches alte Gute und hübsches Neues darunter. Es ist aber die höchste Zeit; vor der modernen Cultur und der Französelei ist Vieles bereits zu Grunde gegangen oder geht doch seinem sicheren Untergange entgegen.
Dass selbst das immermehr französisch werdende Brüssel noch in neuerer Zeit seine vlämischen Volksfeste hatte, erfahren wir aus einer Mittheilung J. M. Dautzenberg's (s. Wolf Zeitschrift 1, 176):
"An den Festtagen St. Johannis des Täufers, Petri und Pauli und bei der großen Kirchweihe werden in den untern Stadttheilen Brüssels noch Maien gepflanzt, Kränze, Kronen und Fahnen in den Straßen ausgehängt und Abends tanzen die Nachbarn unter der Krone, die inmitten der Straße schwebt. Vor einigen Jahren sammelten die Knaben noch zu dem Freudenfeuer, welches am letzten Kirchweihtag unter der Krone entzündet wird. Wenn sie einsammelten, hörte ich oft das kurze Liedchen:
Roebedoebedoep, haelt den mutsaerd uit den hoek, hier ewat en daer ewat, en 't naeste jaer noch ewat.
Loderte das Feuer, dann begann der Tanz in geschlossenem Kreis, innerhalb dessen einer oder zwei Büßer standen, und alle sangen:
'k heb eenen ezel aen myn hand, zyn ooren zyn lang. wat zal ik hem te eten geven? de winter is lang. dry keeren beschummelt brood, gelyk eenen ezel toebehoort. o gy ezel, o gy kwezel, zoekt uw brood!
Mit diesen Worten stößt man ein paar der Tänzer in die Mitte des Kreises und die bisher darin standen, sind abgelöst.
Mai pflanzen,
noch jetzt hie und da im Gebrauch. Wie es in Limburg und Brabant, berichtet Dautzenberg in J. W. Wolf, Zeitschrift für deutsche Mythologie 1, 175. »Der erste Mai wird durch die bekannten Maien gefeiert, die allen Mädchen von unbescholtenem Ruf von ihren Geliebten vor die Fenster gepflanzt werden. Diejenige, deren Ruf nicht ganz rein ist, erhält einen Strohmann. Auch tanzt man während der Dauer des Monats Abends um Maibäume, die mit buntem Papier und Flittergold verziert sind." Eine uralte Sitte--darauf beziehen sich auch die geistlichen Mailieder Hor. belg. 10, Nr. 104--106.-- Nr. 63, 3:
Ic wil den mei gaen houen voor mijns liefs vensterkijn ende segghen: lief, wilt comen voor uw clein vensterken staen, ontfaet den mei met bloemen, hi is so schone ghedaen.
Nr. 84, 1. (so auch 85, 1.):
ontwect u, soete lief, wilt door uw venster comen, staet op, lief, wilt ontfaen den mei met sinen bloemen.
Auch in der Kunstpoesie; Antw. LB. 120, 3:
ontfaet den mei die lustich spruit, ic wil hem u schenken tot uwer eren.
Antw. LB. Nr. 27, 6:
neemt desen mei in danke seer coragieus.
Antw. LB. Nr. 76, 1:
Hier sijn drie lichtgheladen, wi brenghen u den mei, den mei met sinen bladen, neemt dankelic ons int rei, ter eren van schone vrouwen brenghen wi des meis engien.
Het ierste musyck boexken mit vier partyen Tenor (Antw., Tileman Susato 1551) Nr. 13:
Int midden van den meie laet ons vreucht orboren. al aen gheen groene heide heb ic een lief uitvercoren, noit schoonder en was gheboren. die mei wil ic haer gaen planten mit dicht, mit spel, mit sanc soet, mit hulpe van Venus clanten, neemt alderschoonste lief toch in danc goet, uw liefde mi seer in bedwanc doet.
Sogar die Schäferpoesie nahm das volksthümliche Maipflanzen auf, Willems Nr. 176:
maer ziet daer ginder veer eens weer, de herders hebben een mei geplant, om met hun liefsten schoon ydoon te dansen minnelyk hand aen hand.
Der Mai ist auch in den niederländischen Volksliedern die Zeit der Freude und Liebe. Darum beginnen so viele Lieder mit dem Preise des Mais. Nr. 137, 1:
De mei, de mei, de mei, de ghenoechlike tijt!
Nr. 95, 1:
Die mei is so ghenoechliken tijt! het spruiten ghelu bloemkens aen der heiden.
Oudt Amst. und Haerl. LB.:
Te mei als alle de voghelkens singhen, de bloemkens uit der aerde springhen.
U. s. w.
Liebe.
Die eigentlichen Liebeslieder sind das Schwächste der niederländischen Volkspoesie: nur wenige Lieder sind aus Einem Gusse von Gefühlen und Stimmungen hervorgegangen. Es waren oft vielleicht nur einzelne Strophen, denen dann mancher andere nach seinem Bedürfnisse noch etwas hinzudichtete oder was ihm aus andern Liedern lieb geworden war, hinzuthat. Vgl. Nr. 99 und 100 und Antw. LB. Nr. 100.
Doch finden sich bei alledem noch alle jenen Bestandtheile wieder, welche der deutschen Volksdichtung gemein sind: jene Sehnsucht nach der Geliebten, jenes Trauern um sie in der Ferne und beim Abschiede, und das frohe Bewusstsein, dass die Liebe an keine Zeit gebunden ist, und wahre Liebe nie vergeht. Antw. LB. Nr. 147, 1, 2:
Truren moet ic nacht ende dach ende liden also groot verlanghen om een die liefste, die ic oit sach, si heeft mijn hertken bevanghen, doorschoten heeft sijt also menichfout, si heeft mijn herte in haer ghewout, nae haer staet mijn verlanghen.
In wat plaetsen dat ic bin, si staet in mijn ghedachte, daer en mach gheen liever comen in bi daghe noch ooc bi nachte; dat heeft haer daer aenschijn ghedaen: wonde si mi in haer hertken ontfaen, so waer alle mijn liden sachte.
Antw. LB. Nr. 99, 4:
Als een ander gaet dansen ende spelen, ende bedriven haer jolijt, dan sit ic thuis ende trure ende peinse waer dat ghi sijt.
Het Brabandsch Nagtegaeltjen (t'Antw.) bl. 24:
Meisken, als ik u moet derven, vind ik nergens geen rustplaets meer. om u moet ik dagelyks zwerven, ik en heb geen vreugde meer.
Waer ik gaen of waer ik wandel, zweeft uw beeld altyd voor myn: over dag zien ik uw schaduw, s'nagts droom ik by u te zyn.
Antw. LB. Nr. 69, 7 (ebenso das. Nr. 156, 5):
Rijc god, mocht ic den dach noch leven, dat si mi minde ende ic haer niet, so soude mijn herteken in vreuchden sweven, dat nu leit in swaer verdriet.
Nr. 116, 4:
Een bitter cruit is scheiden, dat proeve ic wel nu ter tijt. wie noit van sijn liefken en scheide, hi en weet van gheender pijn.
Antw. LB. Nr. 82, 6:
Die cnape sprac: hoe wee mi doet dat ic van di moet scheiden! scheiden dat is mi een bitter doot, mi en schiede noit dinc so leide.
Antw. LB. Nr. 28, 3:
Die liefde bloeit winter en somer, dat de coele mei niet en doet.
Antw. LB. Nr. 133, 4:
Al op der voghelen sanc en achtic niet seer vele, veel soeter is dat gheclanc van mijns liefs claerder kele.
Antw. LB. Nr. 112, 7:
Ic hebt gheleert, ic salt onthouwen, hebbe ic anders wel verstaen, dat hete liefde wel mach vercouwen, mer reine liefde en mach niet vergaen.
Haar.
Langes, lockichtes Haar, das äußere Kennzeichen der Freien (Grimm RA. 283 ff.) war auch der Ehrenschmuck der Jungfrauen.
Die Neuvermählten mussten das Haar binden: Parc. 6016. des morgens si ir houbet bant, Ulrichs Trist. 312:
ir houbet si vil schône bant durch den gewonlîchen site.
Grimm RA. 443.
Entehrte mussten das Haar nach Art der Frauen aufbinden. Ein Mädchen ertheilt spöttisch einem andern den Rath (Willems Nr. 61; auch in der Weimar. Hs.):
ghi sult gaen ter linden, dat ghele haer op binden dat maechdekens welle staet.
worauf sie aber erwiedert:
dat en doen ic niet, dat laet ic staen, dat en doen ic seker niet: ic salt ooc laten hanghen den ridder tsijnder schanden, dat hi mi maechdeken liet.
Ehe die Jungfrau des Geliebten Wunsch erfüllte, heißt es in einem Wächterliede (Antw. LB. Nr. 86, 5):
met enen siden snoer dat meisken haer haer op bant, haer mantelken liet si gliden, haer ere duerde niet lanc.
Ungeflochtenes Haar ist Zeichen der Trauer: so sagt Brennenberg's Geliebte, Nr. 6, 17:
mijn haer sel onghevlochten staen.
Linde.
Die Linde ist der Lieblingsbaum der Liebenden. Unter der Linde sucht das Mädchen ihren Bräutigam wieder, wo er ihr vor Jahren Treue gelobte, Nr. 26:
en zy zocht hem onder de linden;
unter der Linde erwartet die Jungfrau ihren Ritter, Nr. 56, 4; unter der Linde suchen die Liebenden die Stätte der Ruhe und Lust, Nr. 71, 3. Darum führt Lussewine den Degener, Nr. 5, 6:
al onder een linde die staet groene.
Ferner Antw. LB. Nr. 22, 6:
Hi nam die schone maghet al bi der witter hant, hi leidese onder die linde, die hi so schone vant.
Nr. 71, 3:
Ic voerdese in mijns vaders hof, daer staet een groene linde, daer op so singhet de nachtegael, si singhet so wel van minnen.
Antw. LB. Nr. 60, 4:
Hi nam dat maechdeken bi der hant, hi leidese door dat groene wout, dat groene wout ten einde, hi leidese onder een linde staet breit, daer vonden si twee een bedde bereit.
Nr. 12, 7. unserer Samml.:
Si namen malcander bi de hant en ghinghen onder de lind, daer speelden si twee het minnespel.
Solcher Stellen finden sich gewiss noch viele. Dahin gehören auch die beiden Liederanfänge in den Souterliedekens 1540:
Moeder, lieve moeder, mocht ic ter linden gaen, und: Aen gheender linden daer staet een dal.
Darum kommt denn auch in anderen Liedern vor, dass der Geliebte unter der Linde erschlagen liegt, Nr. 16, 4:
gaet henen ter linde groene, versleghen so leit hi daer,
und Nr. 118, 6:
Ic wil gaen ter linden groene, daer leit die alderliefste mijn.
In diesen beiden letzten Stellen kann eine Beziehung auf das deutsche Rechtswesen stattfinden. Unter Linden wurde häufig Gericht gehalten: Grimm RA. 796. Die peinliche Klage im Dinge begann mit dem Zeterruf und so kann denn hier gemeint sein, dass der Ermordete schon an die Gerichtsstätte gebracht war, damit über ihn nochmals von den Richtern das übliche Zeter geschrieen wurde. Diese Ansicht scheint sich mir sogar noch durch ein späteres Zeugniss aus Schlesien zu bestätigen. In einer Schweidnitzer Chronik (s. meine Monatschrift von und für Schlesien 1829. S. 251) heißt es: "Ao. 1591. den 19. Jan. hat einer mit Namen George Tzirbicz von Tannhaus zwischen 23 und 24 Uhr Jacob Riegeln von Niedergrunau zu Kletschkau ohne gegebene Ursach auf den Kopf gehauen dass er gestorben, und ist unter der Linde über den Thäter Zetter geschrieen."
Rose und Wein.
Die Rose ist das Sinnbild der Liebe und Freude. Wo die rothen Rosen stehen, da wandelt das sehnsüchtige Mädchen, Antw. LB. Nr. 22, 1:
Daer soude haer een maghet vermeiden, vermeiden so woude si gaen, rode rooskens woude si plucken, die aen der heiden staen.
Dahin will der Liebende auch sein Mädchen führen, Antw. LB. Nr. 61, 4:
Och maechdelijn, woudi met mi gaen, ic soude u leien daer rooskens staen.
Die rothen Rosen sind später zu gelben, und gelben Goldrosen geworden, Thirsis Minnewit 2, 8:
Trijntje, wilje mee geen? weer, Jan Dirkse? alweer de geelewe roosjes steen.
und in Nr. 113, 2 (112, 2) unserer Sammlung:
Ik zalder jou heenen leiden, daer de geele goudroosjes staen.
Auch in neueren Liedern, De oost-indische Thee-boom bl. 36:
Ik heb lestmaal mijn lief gesproken om met haar uit wandelen te gaan langs een boschje onverdroten daar de geele goude roosjes staan;
und ein anderes Lied beginnt:
Rein maegdeken met eeren, laet ons te samen gaen hier buiten wat spanceeren daer de roosjes staen.
Rosen pflücken, Rosen lesen heißt daher sich der Liebe freuen. Eine Jungfrau weist einen Jüngling ab (Nr. 120), der die Rosen pflücken will:
daer en is maer een allein die van minen boomken rein plucken sal een bladekijn.
und ein Abenteurer sagt von seiner Geliebten, Nr. 83, 1:
ja rooskens woude si plucken, dat heeft si mi gheseit.
Der Hauptmann sagt zu seiner schönen Tochter, die er nicht kennt, als sie im Lager vor ihm erscheint, Nr. 41, 10:
Ick wou, dat mijn huisvrouwe al voor mijn voeten lach doot, en dat ick met jou, moy meisje, sou gaen plucken de rosen root;
und ein Jüngling tröstet eine Frau, als es ihr in seinen Armen angst wird (Nr. 82), sagt eurem Mann:
dat ghi waert rosen lesen int soete dal.
Kühlen Wein trinken heißt ebenfalls sich der Liebe freuen. In einem Wächterliede (Nr. 59) sagt die Jungfrau zu ihrem Geliebten:
wi willen gaen drinken den coelen wijn.
So ist denn den kühlen Wein schenken so viel wie die Liebe gewähren lassen. So sagt die Frau zu ihrem Manne, der sie eben in der Untreue ertappt hat, Antw. LB. Nr. 30, 5:
daer twee soete liefkens tsamen vergadert sijn, den rijnschen coelen wijn woudi hem gaerne schinken.
oder es bedeutet Liebe selbst gewähren:
Der liederliche Mönch erwiedert dem Abte, als dieser ihn fragt, wo er die Nacht gewesen wäre, Nr. 47, 7:
men schencte mi daer den coelen wijn, ic lach in mijns liefs armen.
und der Liebende sagt der Geliebten, Nr. 65, 5:
schenct ghi mi de rode roosjes, schoon lief, ic schenkje de coele wijn.
Bezieht sich wol auf die uralte Sitte, nach der Brautnacht den Neuvermählten Wein darzureichen. Gotfrits Tristan 12644 ff.
wand esz was in den zîten site, dasz man des etlîche pflac, swer sô bî einer meide lac unde ir den blumen abe genam, dasz eteswer mit wîne kam und lie si trinken beide, samt âne underscheide. der selbe site ergienc ouch dâ: Tristan sîn nefe der brahte iesâ beide lieht unde wîn. der kunic tranc und diu künegîn.
Wie die zahme Rose das Bild der Liebe und Freude, so der wilde Rosenstrauch das Bild der Trauer. Er wird auf das Grab treuer Liebenden gepflanzt, Nr. 17:
nu sijn daer twee gheliefkens doot, och waer sal mense graven? al onder enen eglentier, dat graf sal rooskens draghen. Vgl. Nr. 85, 4.
Antw. LB. 60, 3:
och sterve ic nu, so ben ic doot, so graeft mi onder die rooskens root so verre aen gheen groen heide.
und sogar noch in einem neueren Liede, Nr. 39 (Willems Nr. 99):
Nou is er de vader van mijn kind dood; begraaft hem al onder roo rooskens rood. Begraaft hem al onder de egelentier, dat grafje zal dragen roo roosekens fier.
Rembertus Dodonaeus (Cruydt-boeck, t'Antwerpen 1644. bl. 284) beschreibt den Eglentier also:
'er wächst oft höher als die sonstigen wilden Rosen, er hat auch sehr holzige Ranken, auch mit Dörnern besetzt; seine Blätter sind glänzend und schön grün von Farbe und überdem sehr lieblich von Geruch, welches den übrigen Rosenarten fehlt. Die Blumen sind klein, einzeln, fünfblätterig, gemeiniglich weißlich von Farbe, selten purpurartig, und haben keinen, oder sehr wenig Geruch--' Am Schlusse bemerkt R. Dodonaeus noch, dass dieser wilde Rosenstrauch nirgend in Frankreich noch in den Niederlanden wild wächst.
Nachtigall.
Die Nachtigall ist die Botin der Liebenden, Antw. LB. Nr. 158, 6:
Nu segghet mi, nachtegale, wel clein wilt voghelkijn, woudt ghi mi die bootschap draghen, waer mijn schoon lief mach sijn?
oder Nr. 56, 5 unserer Samml.:
O nachtegael, clein voghel, woudt ghijder mijn bode sijn en vlieghen tot den ruiter, den alderliefsten mijn? Vgl. Nr. 89, 3.
In einem gar nicht volksthümlichen Liede, Antw. LB. Nr. 49. findet sich als Kehrvers:
Rast u, ghi nachtegale, vliecht uit dat wilde wout, gaet, secht haer dit altemale ende groetse mi menichfout.
Selbst noch in neueren Volksliedern, Markt-Schipper bl. 78:
Nachtegaaltje, klein vogeltje koen, wilje mijn liefje de boodschap doen?
Sie ist die Vertraute der Liebenden, weiß ihre Geheimnisse, Antw. LB. 194, 7:
Nu wil ic gaen trecken dat groene wout in, die fiere nachtegael vraghen, maer of si alle ghescheiden moeten sijn en dat eens twee liefkens waren.
(oder in späterer Lesart bei Willems Nr. 59, 7:
waerom dat ghescheiden moeten sijn dat twee ghelievekens weren)
und kann sie leicht ausschwatzen, darum Nr. 104, 7:
wij zullen den nachtegael binden dat hoofdje al aan zijn voên, dat hij niet meer zal klappen wat twee zoete liefjens doen.
Sie nimmt Theil an dem Geschicke der Liebenden: als der Friese sein Liebesabenteuer bestanden hat, so singt sie ihm zu Ehren, Nr. 36, 5:
al onder een lindeken groene, daer op so sanc die nachtegale ter eren van dat Vriesken schone.
Sie erinnert durch ihren Gesang an die Stunden genossener Liebe, Antw. LB. 194, 1:
Het was te nacht, also soeten nacht dat alle die voghelen songhen, die fiere nachtegael hief op een liet ende sanc met sijnder wilder tonghen.
Ja, noch am Grabe soll sie den Liebenden singen, Nr. 85, 5:
Schoon lief, en om die roozekens zal 't nachtegaelken springen, en voor ons beî in elken mei zyn zoete liedekens zingen.
Freibitten vom Tode durch Henkershand.
Wie die Burggräfin den Zimmermann (Nr. 35) und die Edelfrau den Schreiber (Nr. 34) durch Fürbitte vom Galgen retteten, so erwartete es Thijsken van den Schilde (Nr. 23) auch von seiner Geliebten; weil er ihr aber Vorwürfe machte, so überließ sie ihn seinem Schicksale, sie hätte ihn sonst mit Silber und rothem Golde aufwiegen wollen.
Wenn eine Jungfrau erklärte, den zum Tode Verurtheilten zu ehelichen, so war er, wenn er und das Gericht einwilligten, gerettet. Beispiele der Art kommen schon früh vor: 1518 zu Antwerpen, s. Edele Chronycke van Vlaenderen bl. 7; spätere 1578 zu Harderwijk, s. J. Schrassert, Beschrijv. van Harderw. 1, 131, und zu Utrecht 28. Juni 1598, s. Buchelius, Descriptio Urbis Traj. Vgl. De Navorscher II. jaarg. bl. 239. 240. Nicht immer jedoch ward es gewährt. In Gent wurde 1566 ein Mörder und Straßenräuber und 1580 ein Soldat hingerichtet, trotzdem dass für diesen wie jenen eine Jungfrau bat und erklärte ihn zu heirathen; s. Vlaemsche Kronyk door Ph. de Kempenare, uitg. door Blommaert bl. 10. 255. Auch bei Niclaes de Maulde zu Leiden 1587 vermochte ebenfalls solche Erklärung einer Jungfrau nichts, der Verurtheilte wurde hingerichtet, s. Pieter Bor, Nederlandsche oorlogen 3 stuk (Amst. 1681) bl. 97.
In Friesland stand dies Begnadigungsrecht nur elternlosen Jungfrauen zu, wenn sie den Verbrecher zur Ehe nahmen; s. Schotani Beschryv. der Heerl. Friesl. bl. 107. Noch im J. 1571 ward zu Emden von zwei Seeräubern einer begnadigt, weil ihn ein Mädchen zur Ehe haben wollte; s. Brenneisen's Uebersetz. des Emmiusschen Tract. von Ostfriesland (Aurich 1732) S. 510 ff.
Auch in Deutschland hat dies Recht bestanden und ist hie und da ausgeübt worden.
Den 27. Febr. 1587 ward von dem Obergerichte in Breslau den Richtern und Schöppen zu Freistadt in Betreff eines zum Tode verurtheilten Mörders erklärt: "Jedoch dafern bei Euch eine solche übliche Gewohnheit vorhanden, die den Thäter auf Intercession und Fürbitt einer Jungfrauen, so ihn ehelichen wollte, von der ordentlichen Todesstraf befreien könnte, so möchte derselben in diesem Fall auch nachgegangen werden." Da mag sich denn auch wol ereignet haben was Lazarus Sandrub in seinen Delitiae Historicae et poeticae (Frckf. 1618. 8o.) S. 124 erzählt:
Ein Dieb sollt man justificiern. Als man ihn für Gericht thät führn, Da kam ein Magd auch auf den Plan Und sprach den Henker fleißig an, Er sollt den Dieb zum Mann ihr geben, Denn sie wollt mit ihm ehlich leben. Mit Fleiß besah der Dieb die Magd, Aber ihr Lieb ihm nit behagt, Sprach, sie hätt eine Habichtsnasn, Die Lefzen wärn ihr aufgeblasn, Sprach: Meister, richt mich immerhin! Viel nutzer ists, wenn ich todt bin, Denn dass ich sollt mit dieser Mährn Mein Leben jämmerlich verzehrn; Ist besser, dass ich sterb einmal, Denn dass ich stetigs leb in Qual.
Kleider versetzen
im Wirthshause--etwas Gewöhnliches. Nr. 45, 3:
mijn kleidere staan te pande, verdronken in de rijnse koele wijn.
Drum sagt der Wirth zu den fremden Landsknechten, Nr, 72, 3:
Waer op soude ic u borghen? ghi coomt uit vreemde landen, uw clederkens die sijn dinne, ghi en hebbet ghelt noch panden.
Auch die Mädchen versetzten ihren Liebsten zu Gefallen Kleider und Ringe. [7] So Tryn Dircks, nachdem sie mit Jan Symonsz vier Nächte lang geschwärmt hatte und dieser das Gelag nicht bezahlen konnte, Oudt Amst. LB. bl. 5:
Mijn beste tabbert, mijn gouwe ringh en dat is een soo fraeyen dingh, dat sal ick u stellen tot een pande.
Alte Schuhe.
Gerhard van Velsen sagt zu Graf Floris, als dieser ihm zumuthet, seine Buhlin zu heirathen, Nr. 3, 3:
uw oude versleten schoenen en wil ic niet.
So auch Antw. LB. Nr. 1, 6:
Vrijt u een man tenen boele, een ruiter oft een baroen, wacht u dat hi niet en coele, want ghevoelde hi dat ic ghevoele, hi en sou niet gaen aendoen een anders mans oude schoen.
Als König Alewijn sich mit einer anderen als seiner bisherigen Geliebten vermählen will, fordert er diese auf, auch ein Brautgeschenk zu geben, sie aber erwiedert, Nr. 11, 11:
mijn oude kousjes en mijn versleten schoen, die mag ze wel dragen met eeren.
Muscaten und Nägelein.
Wie in deutschen Liedern (s. Uhland Nr. 29. 30. Wunderhorn 1, 213. 3, 59 und 135) [8], so auch in niederländischen Muscaten und Nägelein. Was damit gemeint sei, ist jetzt kaum zu ermitteln. Wollte man vielleicht auf die Hochzeit hindeuten? denn beim Hochzeitschmause sind Muscaten und Nägelein ein beliebtes Gewürz, auch mochte vielleicht die Braut damit beschenkt werden. Nägelein (Kil. naghel, kruidnaghel, naghelkruid. Caryophyllum), weil die Frucht große Ähnlichkeit mit eisernen Nägeln hat; im Niederd. Nägelken und deshalb hochd. Nelken.
Nr. 103, 8. 9: