Naturstudien im Hause

Part 16

Chapter 163,469 wordsPublic domain

+Kurt+: Da wir gerade von dem Wetterhäuschen gesprochen haben, so möchte ich mal nach den merkwürdigen Wetter+bildern+ fragen, die ich neulich im Schaufenster gesehen habe. Es war eine Landschaft, die ursprünglich blau aussieht, bei feuchter Witterung aber immer mehr rot wird, so daß man einfach aus der Farbe des Bildes auf gutes oder schlechtes Wetter schließen kann.

[Sidenote: Kobaltsalze. Zündhölzchen]

~Dr.~ E.: Auch hier handelt es sich ganz allein um den größern oder geringern Feuchtigkeitsgehalt der Luft, der durch die Bilder angezeigt wird. Die ganze Erscheinung beruht darauf, daß gewisse Stoffe, vor allem die Salze mancher Schwermetalle, an der Luft Feuchtigkeit anziehen und dann eine andere Farbe annehmen, als sie im wasserfreien Zustande haben. Ihr wißt z.❰B., daß ein Stück Kupfervitriol blau aussieht. Erhitze ich es in einer Schale, so daß das Wasser entweicht, so verwandelt es sich in ein weißes Pulver, das aber sofort wieder blau wird, sowie ich etwas Wasser darauf gieße. Ähnlich verhält es sich mit den Salzen des Eisens, welche den feuchten Lehm gelb färben; wird er gebrannt, so erhalten wir die roten Ziegelsteine. Viel schöner und leichter zeigen solche Farbenveränderungen die +Kobalt+salze, welche im trockenen Zustande blau, im feuchten schön rosa aussehen. Sie sind es auch, welche den von dir beobachteten Farbenwechsel der Wetterbilder hervorrufen und auch sonst zu allerlei niedlichen Spielereien benutzt werden.

+Kurt+: Was läßt sich denn noch weiter damit machen?

~Dr.~ E.: Eine Anwendung kann ich euch gleich einmal vorführen, da ich wohl noch etwas aufgelöstes Kobaltsalz in meinem Schranke habe. -- Seht hier die Lösung, die ich einfach dadurch herstellte, daß ich ein Stückchen Kobaltsalz in Wasser tat. Sie sieht schwach rosa aus. Wenn ich nun auf dieses weiße Papier damit etwa den Namen „Kurt“ schreibe, und lasse es ein wenig trocknen, so sind die blassen, fast wie mit reinem Wasser geschriebenen Schriftzüge gar nicht wahrzunehmen. Halte ich nun aber das Papier einen Augenblick über die warme Lampe, so entweicht alle Feuchtigkeit aus dem Kobaltsalz, es wird dadurch tiefblau und die Schrift tritt jetzt, wie ihr seht, deutlich hervor.

+Kurt+: Ei, das kann man ja als Geheimschrift gebrauchen!

~Dr.~ E.: Freilich, Kurt! Und die schönsten Bilder kann man damit malen, die nach unserm Belieben verschwinden und auch wieder erscheinen. -- Nun aber zur zweiten Frage.

+Kurt+: Kannst du mir denn sagen, Vater, warum man die +schwedischen Streichhölzer+ bloß an der Schachtel anzünden kann und nicht überall, wie die gewöhnlichen?

~Dr.~ E.: Das ist für jeden, der ein wenig von Chemie versteht, leicht zu erklären. Man muß nur wissen, daß es zwei ganz verschiedene Formen des Phosphors gibt, den gewöhnlichen, der an der Luft raucht, sehr giftig ist und sich leicht von selbst entzündet, und den sogenannten roten oder amorphen, der ein unschädliches rotbraunes Pulver darstellt, das erst bei einer Temperatur von über 300 Grad verbrennt, mit chlorsaurem Kali jedoch, dem bekannten Gurgel-Salz, ein leicht entzündliches Gemenge gibt. Die gewöhnlichen Schwefelhölzer enthalten nun vorn in ihrem Köpfchen neben andern Stoffen auch eine Quantität +gewöhnlichen+ Phosphors, dessen Eigenschaften durch Beimengungen, wie Gummi, Bleiverbindungen usw. zwar abgeschwächt, aber nicht aufgehoben sind. Bei jeder durch Reibung hervorgerufenen Temperaturerhöhung fängt daher ein solches Streichhölzchen an zu brennen. Die schwedischen Sicherheitszündhölzer hingegen enthalten in ihrem Köpfchen nicht Phosphor, sondern als wichtigsten Bestandteil chlorsaures Kali, das sich für gewöhnlich nicht durch Reiben entzünden läßt. Werden sie aber an der Reibfläche der Schachtel angestrichen, die zum Teil aus +rotem Phosphor+ besteht, so entflammen sie, weil eben beide Stoffe hierbei zu jenem leicht entzündlichen Gemenge vereinigt werden. -- Übrigens gelingt es bei einigen Versuchen auch, die Sicherheitszündhölzchen etwa an einer Glasscheibe oder an andern glatten Flächen zu entzünden, da viele Gemische, die chlorsaures Kali enthalten, schon allein durch ihre starke Reibung entflammt werden. So enthielten beispielsweise die ältesten Reibhölzer, die in den Handel gebracht wurden, gar keinen Phosphor, sondern nur chlorsaures Kali und Schwefelantimon. Sie wurden durch kräftiges Hindurchziehen durch Sandpapier zur Entzündung gebracht.

+Fritz+: Na, das muß schön umständlich gewesen sein. Das war wohl zu der Zeit, wo man das Pulver auf der Gewehrpfanne noch mit der Lunte oder mit dem Feuerstein anbrennen mußte?

~Dr.~ E.: Ei behüte, Fritz! Wo denkst du hin! Du scheinst ja gar nicht zu wissen, daß die Zündhölzer erst in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts erfunden wurden. Vorher mußte man sich der Hauptsache nach mit Stahl, Stein und Feuerschwamm behelfen, und das Feueranmachen war damals gar keine so leichte Sache wie heutzutage.

+Kurt+: Dann werden sich aber die Menschen gefreut haben, wie das mit einem Male durch die Phosphorzündhölzchen so schön leicht ging.

~Dr.~ E.: Vielleicht wäre es so gewesen, wenn die ersten Fabrikate gleich eine ähnliche Vollkommenheit besessen hätten, wie die jetzigen. Zunächst aber erschienen sie wegen ihrer leichten Entzündbarkeit als ziemlich feuergefährlich, und die Folge war, daß sie jahrelang in vielen Staaten polizeilich verboten wurden. -- Doch das führt uns zu weit. Es wird Zeit, Kurt, daß du deine dritte Frage zum besten gibst.

[Sidenote: Sonnenstäubchen. Brausepulver]

+Kurt+: O, ich weiß noch eine ganze Menge! Wenn ich aber nur noch eine tun darf, so möchte ich wohl fragen, warum die +Sonnenstäubchen+ immer gerade da sind, wo die Sonne hinscheint?

~Dr.~ E.: Wie meinst du das?

+Kurt+: Wenn die Sonnenstrahlen durch das Fenster ins Zimmer fallen, dann sieht man doch in diesen Strahlen Millionen feiner Stäubchen und flimmernder Pünktchen, die hin und her wogen. Außerhalb dieser Strahlen aber ist die Luft des Zimmers ganz klar und durchsichtig und keine Spur von ihnen zu sehen.

~Dr.~ E.: Und nun glaubst du, jene Stäubchen sind von den Strahlen gewissermaßen angezogen worden und tanzen darin herum, wie die Elfen im Mondschein? Das ist wahrhaftig ein toller Gedanke. Kannst du wirklich keine einfachere Lösung dieser Erscheinung finden? Denke doch daran, daß die Sonne sich fortbewegt und daß ihre Strahlen nach kurzer Zeit in ganz anderer Richtung durchs Zimmer ziehen, ohne daß das Spiel der Sonnenstäubchen in ihnen eine Änderung erfährt.

+Fritz+: Kurt und ich haben uns schon neulich über diese Frage gestritten. Ich habe darauf einen Versuch gemacht, durch den sich beweisen läßt, daß die ganze Stube mit solchen Stäubchen angefüllt ist, die man aber selbst mit den schärfsten Augen für gewöhnlich nicht sehen kann. Erst wenn der grelle Sonnenstrahl sie beleuchtet, erkennt man die zahllosen Flimmerchen, die in nichts zu verschwinden scheinen, wenn sie aus der Richtung des Strahls herausschweben.

~Dr.~ E.: Sehr gut, Fritz. Was ist denn das für ein schönes Experiment, das dich auf diese Erklärung geführt hat?

+Fritz+: Zuerst habe ich ein Buch in den Sonnenstrahl gehalten, wo das Licht nicht durchkonnte. Da waren die Stäubchen hinter dem Buch gleich unsichtbar geworden. Dann habe ich einen Spiegel genommen, damit den Sonnenstrahl aufgefangen und in eine andere Richtung gelenkt. Dann wurden auch in diesem, ganz anders gerichteten Strahl Sonnenstäubchen sichtbar, und daraus mußte ich doch schließen, daß eben diese Staubteilchen gleichmäßig im ganzen Zimmer verteilt sind.

+Kurt+: Aber das ist doch schrecklich, zu denken, daß wir das einatmen müssen!

~Dr.~ E.: Dagegen wird sich wohl schwerlich etwas machen lassen, obschon wir ganz genau wissen, daß Tausende von Keimen aus diesen Stäubchen mit jedem Atemzuge in unsere Lunge geraten. Jedenfalls aber lernen wir einsehen, daß es kein müßiges Gerede ist, wenn die Ärzte immer und immer wieder darauf hinweisen, wie wichtig für jeden Menschen der Aufenthalt in der freien Natur ist, wo im allgemeinen die Luft weit reiner und freier von Keimen ist. -- Jetzt aber mag Fritz hören lassen, was er für Wünsche hat.

+Fritz+: Ich möchte zunächst wohl wissen, was +Brausepulver+ ist, und warum es im Wasser so aufbraust. Ich denke mir, es handelt sich dabei um Kohlensäure. Nun aber haben wir kürzlich in der Schule gelernt, daß Kohlensäure nur durch eine andere +Säure+, etwa durch Schwefelsäure, aus kohlensauren Salzen ausgetrieben wird. Ich verstehe demnach nicht, wie dies durch bloßes Wasser, in das man das Brausepulver schüttet, geschehen kann.

~Dr.~ E.: Wie du richtig bemerkt hast, wird die Kohlensäure aus ihren Verbindungen nur durch eine andere +Säure+ ausgetrieben. Es braust also z.❰B., wenn ich ein Stück Kreide oder, was dasselbe, ein Stück kohlensauren Kalk in verdünnte Schwefelsäure werfe. Letztere verbindet sich mit dem Kalk zu schwefelsaurem Kalk, und die Kohlensäure wird frei, wobei sie in Gasform entweicht. Das Brausepulver besteht nun aus zwei Substanzen, deren eine ebenfalls ein kohlensaures Salz, das sogenannte doppeltkohlensaure Natron ist. Der andere Bestandteil aber ist eine der verschiedenen +festen+ Säuren, meist Weinsteinsäure oder Zitronensäure, wie ihr sie wohl bei Mutter in der Küche gesehen habt. Diese festen Säuren haben ebenfalls die Macht, die Kohlensäure aus ihren Verbindungen auszutreiben, aber sie können dies nur, wenn sie in +flüssiger+ Form sind, wie denn schon die alten Alchimisten wußten, daß die Körper meist nur dann chemisch aufeinander wirken, wenn sie in Lösung sind. Kohlensaures Natron und +feste+ Weinsteinsäure vertragen sich also gewissermaßen ganz gut, solange sie beide in Pulverform miteinander gemischt sind. Sowie ich sie aber ins Wasser schütte und sie dadurch in +Lösung+ bringe, übt die Weinsteinsäure ihre natürliche Macht aus, verbindet sich mit dem Natron und zwingt die Kohlensäure, als Gas zu entweichen.

+Kurt+: Ich habe aber doch auch schon gesehen, daß Brausepulver gar nicht mehr brausen wollte.

~Dr.~ E.: Das will ich wohl glauben. Dann ist es eben schlecht verwahrt gewesen, so daß das Pulver Feuchtigkeit aus der Luft anziehen konnte. In diesem Falle ist dann, ohne daß wir es merkten, schon vor dem Gebrauch alle Kohlensäure durch die feucht gewordene Weinsteinsäure ausgetrieben. --

+Fritz+: Fast jeden Abend, wenn wir zu Bett gehen, ärgere ich mich über eine Erscheinung, die ich gern erklärt haben möchte. Wenn ich unser +Licht+ anzünde, so brennt es erst ganz hell; dann tut es plötzlich so, als wenn es ausgehen wollte, bis es sich nach und nach wieder erholt und nun dauernd hell brennt.

[Sidenote: Lichtflamme. Seife]

~Dr.~ E.: Wie du weißt, stellt jedes Licht gewissermaßen eine kleine Gasfabrik dar. Das feste Stearin wird zuerst flüssig, steigt dann in dem Docht empor und zersetzt sich hier in ein Gemisch verschiedener Gase, welche nun durch Verbrennen die Flamme liefern. Hast du nun den Docht oben durch Berührung mit dem brennenden Zündhölzchen erhitzt, so schmilzt zunächst und sehr schnell das wenige Stearin, welches in dem freistehenden Dochtende steckt, und liefert sogleich das nötige Gas für das erste Aufflammen. Diese geringe Menge ist aber natürlich schnell verbraucht, die Flamme würde verlöschen, wenn nicht von dem oberen Ende des Lichtes selbst neue Nahrung zugeführt würde. Da das Stearin des Lichtes aber bei der niedrigen Temperatur in eurem ungeheizten Schlafzimmer nur langsam schmilzt, so dauert es eine Weile, bis sich durch die andauernde Wärme eine genügende Menge davon unterhalb des brennenden Dochtes verflüssigt hat. Erst wenn dies geschehen und aus dem so gebildeten kleinen Reservoir die Flüssigkeit in reichem Maße mittels der Dochtfäden emporsteigt, kann die Flamme ihre ganze Leuchtkraft entfalten.

+Kurt+: Dann wird man diese Erscheinung also namentlich im Winter beobachten?

~Dr.~ E.: Bei guten Lichtern jedenfalls, da der Fabrikant bei Herstellung seiner Ware gewiß das richtige Verhältnis von Docht und Schmelzbarkeit der Lichtmasse beachten wird. -- Nun aber zur letzten Frage, die Fritz noch zu stellen hat.

+Fritz+: Man hat doch gesagt, der Verbrauch an +Seife+ sei ein Maßstab für die Kultur des Menschen. Nun sehe ich eigentlich nicht ein, warum denn gerade die Seife so gut für die Reinigung ist. Man sollte doch meinen, Wasser allein müßte schließlich dieselben Dienste tun. Ich weiß ja wohl, daß Seife den Schmutz leichter fortnimmt; aber warum das so ist, darüber möchte ich gern etwas wissen.

~Dr.~ E.: Wenn du schon etwas organische Chemie in der Schule gehabt hättest, würdest du dir die Frage leicht selber beantworten können. So aber, fürchte ich, wird dir meine Antwort nicht ganz verständlich sein. Jedenfalls weißt du aber, daß die menschliche Haut überall mit kleinen Drüsen besetzt ist, den Schweiß- und den Talgdrüsen. Letztere liefern ein flüssiges Fett, welches die Haut geschmeidig erhält und in feiner Schicht den ganzen Körper überzieht. Staub und sonstige Unreinigkeiten haften vornehmlich wegen dieser Fettschicht so fest auf dem Körper. Reines Wasser, das sich mit Fett bekanntlich nicht mischt, und es noch viel weniger auflöst, ist daher ein höchst mangelhaftes Reinigungsmittel für unsere Haut. Anders die Seife, die in konzentrierter Form Fett +aufzulösen+ vermag und daher auch die mit Schmutz gemischte zarte Fettschicht unseres Körpers auflöst, so daß dieselbe nun leicht vom Wasser fortgespült werden kann.

+Fritz+: Das ist ja gar nicht so schwer zu verstehen. -- Was ist denn aber nun eigentlich Seife?

~Dr.~ E.: Ei, du denkst wohl, noch eine vierte Frage einschmuggeln zu können? Das darf ich doch nicht zugeben. Ich will euch aber sagen, wie man Seife machen kann; das wird ebensogut sein, weil du die chemischen Bezeichnungen doch schwerlich verstehen würdest.

+Fritz+: Ach, Vater, das dürfte uns nur wenig nützen; wir haben ja doch keine Chemikalien.

~Dr.~ E.: Die braucht ihr ja gar nicht. Alles, was dazu nötig, findet sich sicher schon im Hause. War es doch früher allgemein Sitte, daß die Hausfrauen sich ihren Bedarf an Seife zum Zeugwaschen selber herstellten.

+Kurt+: Bitte, dann erzähle, wie’s gemacht wird.

[Sidenote: Bereitung der Seife]

~Dr.~ E.: In den früheren Haushaltungen gab es immer einen alten Topf, den +Unschlitt+-Topf, in dem alle fetthaltigen Abfälle, wie Talglichtstümpfe, ranziger Speck usw. gesammelt wurden. Ebenso sammelte man die +Asche+, welche durch Verbrennen des Holzes, namentlich des Buchenholzes, bei Benutzung des Herdes zurückblieb. Die Asche wurde mit kochendem Wasser übergossen und durch ein Tuch gesiebt. Das durchlaufende Wasser oder die Lauge enthält dann die aus der Asche gelösten Stoffe, von denen uns namentlich einer, die sogenannte +Pottasche+, interessiert. In dieser Lauge mußte nun der Inhalt des Unschlitt-Topfes längere Zeit kochen, wobei eine Zersetzung des Fettes eintritt und sich aus ihm und dem Kali der Pottasche ein neuer Körper bildet, der euch wohl als grüne oder +Schmierseife+ bekannt ist. Da aber die Hausfrauen eine harte Seife haben wollten, so fügten sie dem in der Lauge kochenden Fett noch einige Hände voll +Kochsalz+ hinzu, wodurch dann die Kaliverbindung der Fettsäuren in die Natronverbindung übergeführt wurde. War dann später der Kessel vom Feuer genommen und erkaltet, so hatte sich oben über der Flüssigkeit eine dicke Schicht schöner, harter Seife gebildet. Sie wurde in Stücken herausgeschnitten, getrocknet und dann nach Bedarf zum Waschen verbraucht.

+Fritz+: Aber warum machen denn das die Frauen heute nicht mehr, wenn das so leicht geht und eigentlich so gut wie gar nichts kostet?

~Dr.~ E.: Nun, Zeit kostet es immerhin. Sodann ist es heutzutage ein kostspieliges Vergnügen, Buchenholz statt Kohle oder Torf in der Küche zu brennen, während anderseits das Aufsammeln der Fettreste mancherlei Unzuträglichkeiten mit sich führt. Endlich ist durch Fabrikation im großen, bei welcher vorwiegend ganz billige Fette, wie Baumwollsamenöl, Palmöl usw. Verwendung finden, der Preis der Seife ein so geringer geworden, daß es den Hausfrauen wirklich nicht zu verdenken ist, wenn sie ihren Bedarf heute lieber kaufen. -- Es geht mit dem Seifenkochen im Hause daher ganz ähnlich, wie mit dem Spinnen, Brotbacken, Stärkemachen, Bierbrauen und vielen andern Tätigkeiten, die früher in jedem Hausstande ausgeführt wurden, jetzt aber mehr und mehr an besondere Berufsklassen und Gewerbebetriebe übergegangen sind.

+Kurt+: Das kommt wohl, weil es heutzutage für alles Fabriken und Maschinen gibt?

~Dr.~ E.: Zum Teil ja. Man kann diese Erscheinung aber noch von einem allgemeineren Gesichtspunkte betrachten. Je höher unsere Kultur, desto einseitiger und spezieller wird die Berufstätigkeit des einzelnen, weil nur auf diese Weise immer vollkommenere Leistungen erreicht werden können. Der einsam schweifende Wilde ist sein eigner Jäger, Koch, Baumeister und Waffenschmied; der zivilisierte Europäer muß zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse Hunderte verschiedener Gewerbetreibender in Anspruch nehmen. „Teilung der Arbeit“, das ist das große Losungswort, das die Menschheit zu immer höherer Kulturstufe emporgebracht hat. Aber indem sie es tat, hat sie den einzelnen von der stolzen Höhe seiner Selbständigkeit herabgedrängt und zum abhängigen, dienenden Gliede jenes höheren Ganzen gemacht, welches wir menschliche Gesellschaft oder Staat nennen. Mit ihm sind wir durch tausend Fäden verbunden: ihm, dem wir alles verdanken, muß die Arbeit, die Kraft unseres Lebens gewidmet sein.

Schlagwörter-Verzeichnis.

Alaun 40.

Ameisen 165.

Asseln 167.

Atmen 84.

Bakterien 121.

Bambus 145.

Bandwurm des Hundes 129.

-- Übertragung 130.

-- Wirtswechsel 133.

Begonien 152.

Bernstein 42.

Bimsstein 42.

Blattläuse 164.

Blattpflanzen 141.

Braunkohlen 99.

Brausepulver 177.

Desinfektion 123.

Destillieren 10.

Dorfschwalbe 157.

Drachenbäume 147.

Drehkrankheit der Schafe 135.

Eisberge 5.

Essigpilz 120.

Farne 152.

Fäulnisbakterien 122.

Feigenbaum 150.

Filtrieren 9.

Findlingsblöcke 50.

Fische, Atmen 83.

-- Flossen 77.

-- Schlaf 76.

-- Schwanzflosse 80.

-- Schwimmblase 80.

-- Seitenlinie 81.

-- Sinnesorgane 86.

-- Töne 86.

-- Wasserdruck 78.

Fliegen 161.

Flöhe 163.

Gärung 125.

Gasfabrik 93.

Gecko 158.

Geradflügler 161.

Geranien 68.

Gletscherbildung 4.

Gradierwerke 37.

Gummi 148.

Harz 147.

Hefepilze 125.

Holz, Verbrennung 92. 172.

-- Zellulose 94.

-- Zusammensetzung 90.

Holzkohlen 97.

Hund, Bandwurm 129.

Infusorien 167.

Instinkt 137.

Kahmpilz 120.

Kakerlaken 159.

Kalla 151.

Kanarienvogel, Muskulatur 53.

Kautschuk 149.

Keimpflanzen 70.

Kobaltsalze 174.

Kochsalz, Löslichkeit 29.

-- Vorkommen 30.

Konserven 123.

Kreide 41.

Kreuzspinne, Netz 18.

Kristalle 45.

Läuse 163.

Lava 43.

Licht für die Pflanzen 66.

Lichtflamme 178.

Luftdruck 79.

Meerschaum 42.

Meerwasser, Salzgehalt 31.

Milben 167.

Milchsäurepilz 120.

Mineralien, Wachsen 44.

Mineralwässer 9.

Motten 166.

Mücken 162.

Palmen 141.

Pelargonien 68.

Pfefferminzplätzchen 170.

Pflanzen, Bewegungen 74.

-- Samen 72.

-- Wandern 70.

Pilz der Stubenfliege 116.

-- Arten 118.

-- Sporen 117.

Ratten 156.

Regen 12.

Salinen 36.

Salpeter 41.

Sand, Entstehung 48.

Salz, Löslichkeit 29.

-- Verwendung 38.

-- Vorkommen 30.

Salzgärten 35.

Sauerbrunnen 9.

Schildläuse 164.

Schimmelpilze 118.

Schmetterlinge, Überwinterung 155.

Seife, Bereitung 179.

Sonnenstäubchen 176.

Spinnen, Arten 18. 167.

-- Brutpflege 24.

-- Eigenschaften 15.

-- Netz 19.

-- Verbreitung 25.

Spinnmilben 26.

Steinkohlen 90.

-- Entstehung 98.

Steinsalzlager 34.

Stubenfliege, Bau 103.

-- Beine 104.

-- Facettenaugen 113.

-- Flügel 107.

-- Gewicht 105.

-- Kletterkunst 106.

-- Pilz 116.

-- Rüssel 112.

-- Sinnesorgane 110.

Sumpfgas 96.

Tannenbaum, Knistern 171.

Tapezierspinnen 22.

Terpentin 149.

Tiefenfische 79.

Torf 97.

Totenkäfer 160.

Verstand der Tiere 137.

Versteinerungen 50.

Vögel, Hals 61.

-- Magen 62.

-- Schlaf 57.

Vogelbein, Teile 55.

Vulkanische Asche 43.

Wanzen 163.

Wärme für die Pflanzen 66.

Wasser, Auftrieb 6.

-- Hartes 12.

-- Kreislauf 12.

-- Mineral 2.

-- Zusammensetzung 7.

Wasserdruck 78.

Wasserspinnen 23.

Wetterbilder 173.

Wetterhäuschen 173.

Winterschlaf 155.

Wolken 11.

Würmer 167.

Zahnpilz 124.

Zündhölzchen 175.

Druck von B. G. Teubner in Dresden.

Naturstudien

=Von Prof. Dr. K. Kraepelin.= (Mit Zeichnungen v. +O. Schwindrazheim+)

„Zu den Meistern der volkstümlichen Darstellung gehört Dr. Karl Kraepelin, der mit seinen Naturstudien ein Volksbuch im wahren Sinne des Wortes geschaffen hat; denn sie sind so recht geeignet, die lern- und wißbegierige Jugend wie auch den erwachsenen Mann des Volkes zum naturwissenschaftlichen Denken anzuregen und ihnen die Natur mit ihrem Leben und Werden näher zu bringen. Immer beginnt er seine in Form der Unterredung gegebenen Erörterungen mit dem einzelnen Fall und leitet allmählich zu allgemeinen Gesichtspunkten über das gesetzmäßige Walten in der Natur hin; dabei vermeidet er jede Schablone, so daß die dialogische Form niemals ermüdend auf dem Leser wirkt, sondern im Gegenteil anregend.“

(=Neue Bahnen.=)

=Im Hause.= Plaudereien in der Dämmerstunde. 5. Aufl. durchges. von ~Dr.~ +C. W. Schmidt+.

In den „Naturstudien im Hause“ wird das Wasser in allen seinen verschiedenen Formen und Wirkungen in der Natur besprochen, in ähnlicher Weise das Salz und die Steinkohlen, Mineralien und Sand. Zoologische Betrachtungen knüpfen sich an den Kanarienvogel und Goldfisch, an die Stubenfliege und Spinne wie an den treuen Karo an. Zu botanischen Bemerkungen geben die Blattpflanzen wie das Pelargonium Anlaß, auch die kleinsten und „modernsten“ Lebewesen, die Pilze und Bakterien, werden nicht vergessen.

=Im Garten.= Plaudereien am Sonntagnachmittag. 4. Auflage. Gebunden M. 7.--

In diesem Bändchen wird alles, was im Garten an pflanzlichen und tierischen Objekten die Aufmerksamkeit fesselt, in zwangloser Plauderei besprochen: Frühlingspflanzen. -- Herbarium. -- Regenwürmer. -- Einrichtung der Beete. -- Küchenkräuter. -- Giftpflanzen. -- Maikäfer. -- Einfluß des Lichtes auf die Tiere. -- Leuchtende Tiere. -- Saftstrom. -- Pfropfen. -- Okulieren. -- Grasmücke. -- Wanderflug. -- Pilze des Gartens. -- Blattwespen. -- Schutzmittel der Tiere. -- Unkräuter. -- Schutzmittel der Pflanzen gegen Tiere. -- Kröten. -- Farbenwechsel. -- Brutpflege. -- Schutzmittel der Pflanzen gegen Wärme, Licht, Regen, Wind. -- Blattläuse. -- Zier- und Nutzpflanzen. -- Züchtung. -- Nester und Wespen usw.

=In Wald und Feld.= Spaziergangs-Plaudereien. 4. Auflage durchgesehen von ~Dr.~ +C. W. Schmidt+. Gebunden M. 6.--

Dieses Bändchen möchte Interesse für die mannigfachen Erscheinungen und Geschehnisse da draußen „in Wald und Feld“ erwecken. Besprochen werden: Laubfall. -- Immergrüne Pflanzen. -- Wirbeltierleben im Winter. -- Rauhfrost. -- Flechten. -- Lebensgemeinschaften. -- Insektenleben im Winter. -- Moose. -- Anpassung der Pflanzen und Tiere an den Wald. -- Gesteine. -- Versteinerungen. -- Vogelleben im Frühling. -- Forstschädlinge. -- Forstkultur. -- Moor und Sumpf. -- Das Tierleben im Süßwasser. -- Wasserpflanzen. -- Insektenleben im Sommer. -- Brutpflege. -- Kornfeld. -- Fruchtfolge. -- Bedeutung des Waldes für das Klima und für die Menschen.

=In der Sommerfrische.= Reise-Plaudereien. 2. Auflage. Gebunden M. 7.--

In diesem Werkchen zieht der Verfasser die Naturobjekte und Naturerscheinungen in den Bereich seiner Besprechung, die bei der weitverbreiteten Sitte der Ferienreisen und Sommerfrischen vielen Tausenden von Familien nahetreten, ohne daß dabei der Wunsch nach tieferem Verständnis des Gesehenen befriedigt würde. Es soll somit ein weitgehendes Interesse für die Probleme des Seins und Geschehens in der Zeit erwecken, die gerade der ungebundenen Muße inmitten einer an neuen, ungewohnten Erscheinungen so reichen Umgebung dient, wie sie das Gebirge, das Meer für jeden bietet, der zum erstenmal deren Zauber auf sich wirken läßt.