Mexico in den ereignißvollen Jahren 1832 und 1833
Part 19
Die sonstige +Waaren+-Ausfuhr ist, besonders an der Ostküste, bis jetzt noch sehr geringe. Von den Häfen an der Westküste wird nicht unbedeutend Zucker nach Chili ausgeführt, und Californien liefert ein beträchtliches Quantum von gesalzenen Ochsenhäuten und schönes Pelzwerk, wie Bären-, See-Otter- und andere Felle, aber die Häfen an der Ostküste haben bis jetzt, Cochenille ausgenommen, keine andere Waaren-Ausfuhr als etwas Xalapa, Sassaparilla, Vanille und Tabasco-Pfeffer, deren Gesammt-Werth einige hundert tausend Dollars im Jahr wohl nicht übersteigen dürfte. Dennoch theile ich die Ansicht nicht, daß Mexico zur Ausfuhr tropischer Erzeugnisse (Colonial-Producte) sich deshalb nicht eigne, weil z. B. die Weg-Verbindungs-Mittel im Lande zu schwierig und der Transport nach der Küste mithin zu theuer wäre, sondern bin der Meinung, daß dies nur auf einige, von den Häfen sehr entlegene Theile der Republik anwendbar sei, und daß die nach dem Meere hin gelegenen Staaten, insbesondere jener von Vera-Cruz, bei zunehmender Bevölkerung und dadurch vermehrten Anbau des so überaus fruchtbaren Bodens, dereinst eine große Rolle in der Ausfuhr von Colonial-Waaren spielen werden; namentlich in +Taback+ und +Kaffee+.
+Taback+, welcher hauptsächlich in der Gegend von Orizaba und Cordova gezogen wird, war bisher ein Monopol der Regierung, welche den ausschließlichen Aufkauf und Debit des Artikels in der ganzen Republik an eine Actien-Gesellschaft verpachtete und bedeutende Revenüen davon zog, die freie Entwickelung der Cultur dieser Pflanze aber auch, wie natürlich, dadurch hemmte. Die Gesellschaft lös’t sich aber nun auf und der Anbau des Tabacks soll freigegeben werden. -- Geschieht dies, so wird eine bedeutende Concurrenz eintreten und der Preis des Artikels wird hinlänglich fallen, um eine Nutzen gebende Ausfuhr möglich zu machen. Die Qualität dieses +Blätter-Tabacks+ ist mitunter sehr schön und dem besten Havanna völlig gleichkommend. Die Fracht von Orizaba nach dem Hafen von Vera-Cruz ist nur ein Dollar pr. Centner, und Ausgangs-Zoll haftet auf keinem der Ackerbau-Producte des Staats.
+Kaffee+ wächst meistens in der Nähe von Cordova; die Qualität ist gut; die Bohne ist klein, grünlich von Farbe und rein von Geschmack; -- auch die kleine runde Mocca-Bohne hat man hierher verpflanzt, doch kommt davon wenig an den Markt. -- Obwohl nun an Kaffee nicht mehr producirt als im Lande consumirt wird, so sind doch von Zeit zu Zeit kleine Partheien davon von Vera-Cruz ausgeführt worden, meistens nach New-York, wo man die Qualität liebt. Der Preis war im Jahr 1832 10 ~à~ 11 $ der Centner ab Vera-Cruz, wobei der Pflanzer, wenn er eine ergiebige Plantage im Gange hat, wie die nachstehende Aufstellung zeigt, sehr schön verdient.
Ich verdanke diese Berechnung einem unserer Landsleute, der vor 6 Jahren zwischen Jalapa und Cordova, mit anfänglich sehr beschränkten Mitteln eine Kaffee-und Zucker-Plantage angelegt hat, und sich jetzt außerordentlich gut dabei steht. -- An der Richtigkeit der Preise und Werth-Angaben dieser Calculation dürfte also wohl nicht zu zweifeln seyn.
Berechnung des einstehenden Preises von Kaffee bei freier Arbeit.
Ausgesuchtes Land für 100,000 Kaffee-Bäume, 500 Tareas ~à~ 900 ☐ Varas jede, würde ungefähr kosten $ 1000.-- Kosten der Bearbeitung: 500 Tareas Unterholz zu fällen ~à~ 3 Rl. $ 187. 4 „ „ Hochwald „ ~à~ 1 $ „ 500.-- „ „ aufzuräumen ~à~ 6 Rl. „ 375.-- --------- „ 1062. 4
Das +erste+ Jahr braucht dieses Land sechs Reinigungen, jede Tarea ~à~ 3 Rl. sind 500 Tareas ~à~ 18 Rl. $ 1125 Pflanzen und nachpflanzen „ 100 Aufseher ~à~ 4 Rl. pr. Tag „ 200 Mais-Saamen „ 50 -------- Im ersten Jahr wird producirt $ 1475 als Mittelschlag, 300 Cargas +Mais+ ~à~ $ 3 $ 900 Ab Erndte, Einbringen etc. „ 150 ------- „ 750 ------- „ 725.-- Im +zweiten+ Jahr sind abermals sechs Reinigungen erforderlich, wie oben $ 1125 Pflanzen und nachpflanzen „ 100 Aufseher ~à~ 4 Rl. täglich „ 200 +Frijolen+-Saamen „ 50 -------- Producirt dieses Jahr: 125 Cargas $ 1475 +Frijolen+ ~à~ 8 $ $ 1000 Ab Erndte, Einbringen etc. „ 150 ------ „ 850 -------- „ 625.--
Das +dritte+ Jahr hat dieselben Ausgaben und Einnahmen wie das zweite, also Ueberschuß der Kosten „ 625.--
Das +vierte+ Jahr producirt nun schon +Kaffee+ und zwar wenigstens 100,000 ℔, und erfordert folgende Ausgaben:
Fürs Abpflücken 2 Rl. pr. Arroba (25 ℔) „ Reinigen 1 „ „ „ Umwenden 1 „ „ ------ 4 Rl. pr. Arroba sind für 1000 Ctr. „ 2000.-- Die sechs Reinigungen bleiben dieselben wie in den frühern Jahren „ 1125.-- Aufseher ~à~ 4 Rl. pr. Tag „ 200.-- Eine Kaffee-Reinigungs-Maschine wird nun nothwendig und kostet, von Nordamerika bezogen „ 400.-- ----------- Total $ 7762. 4
Hierfür besitzt nun der Pflanzer im vierten Jahr 100,000 ℔ Kaffee, und will er mit diesen seine Anlage +ganz frei+ machen, so muß er dafür in Vera-Cruz, bis wohin ihn der Ctr. 1 $ Fracht und 1 $ Emballage und sonstige Spesen kostet, -- 10 $ pr. Ctr. erhalten.
Das +fünfte+ Jahr producirt ihm aber seine Plantage wenigstens das Doppelte, sage 2000 Ctr. +Kaffee+.
Diese kosten ihn fürs Einsammeln u. s. w. nach obigem Ansatz von 4 Rl. pr. Arroba $ 4000.-- Die mehrerwähnten jährlichen Reinigungen „ 1125.-- Fracht, Emballage und Spesen bis Vera-Cruz wie oben, ~à~ $ 2 pr. Ctr. für 200 Ctr. „ 4000.-- ----------- $ 9125.--
macht den Ctr. 4½ $ ab Vera-Cruz!
Die darauf folgenden Jahre versprechen alsdann noch vortheilhafter zu werden. -- Die Kosten sind hier aufs höchste und die Production aufs niedrigste veranschlagt!
Münz-Sorten.
Die in Mexico gangbaren Münz-Sorten sind:
~a.~ +Gold in Unzen+, (~onzas~) vom Gewicht von 17 ~dwt.~ und 8 ~gr.~ 1000 Stück wiegen mithin 866 Unzen.
Der Silber-Werth einer Unze ist ~al pari~ 16 Pesos. Da nun ein +Peso+ einer +Unze+ im Gewicht ganz gleich ist, so constatirt dies das relative Verhältniß von Gold zu Silber in Mexico wie 1 zu 16.
Wenn Gold gesucht wird, was in Mexico wie anderwärts häufig der Fall ist, so steigen die +Unzen+, und ich habe sie auf 17 $ 2 ~à~ 4 Rl. Silber gekannt.
Es werden sodann auch ½, ¼, ⅛ und ¹⁄₁₆ Unzen geprägt; von letzteren sind aber nur wenige im Umlauf.
~b.~ +Silber.+ Pesos (Dollars) gleichfalls 17 ~dwt.~ und 8 ~gr.~ wiegend, oder 1000 Stück auf 866 Unzen Gewicht.
Die Unterabtheilung eines Peso ist 8 Reales. Halbe Pesos giebt es nicht, dagegen viele viertel Pesosstücke, Pesados genannt, sodann Reales und Medios, oder halbe Reales, so wie Cuardillos oder viertel Reales, von letztern aber nur wenige.
~c.~ +Kupfer+ sollte nur als Scheide-Münze im Lande coursiren, ist aber in der letzten Zeit während den Geld-Verlegenheiten des Gouvernements in so großer Menge geprägt worden, daß es in den Großhandel eingedrungen und darin so lästig geworden ist, daß man es oft mit 2 bis 3 pCt. Verlust los zu werden versucht hat. Kupfer-Geld wird im Großhandel nie gezählt, sondern in Säcken von 100 $ Werth, nur dann und wann gewogen. Auch die Silber-Zahlungen werden in Säcken von der runden Summe von 1000 $ gemacht; diese heißen dann Talegas, doch werden sie in der Regel nachgezählt, und nur allenfalls bei ganz großen Verhandlungen und bei genauer Bekanntschaft der Partheien, bloß nachgewogen.
+Papier-Geld+ existirt bis jetzt noch keins in Mexico; es ist jedoch schon mehrmal die Rede von einer National-Bank gewesen, und es dürfte wohl ein solches Institut in nicht gar langer Zeit ins Leben treten und durch Ausgabe eines gut fundirten Papier-Geldes dazu beitragen, den hier so sehr hohen Zinsfuß zu ermäßigen. Jetzt wird oft von den ersten und solidesten Häusern Geld zu 2 bis 3 pCt. pr. Monat aufgenommen, und das Gouvernement hat, unter Sanction des National-Congresses, Anleihen zu dem enormen Zinsfuß von 5 pCt. pr. Monat abgeschlossen.
Maass und Gewicht.
Das Gewicht in Mexico ist das Castilianische, den +Quintal+ oder Centner zu 100 ℔ oder 4 Arrobas, jede zu 25 ℔, gerechnet.
An der Douane werden 104 ℔ englisch und 45½ Kilogr. französisch Gewicht für 100 ℔ mexicanisch angenommen, was jedoch nicht ganz richtig ist, indem es heißen müßte, 100 ℔ englisch sind = 96 ℔ mexicanisch u. s. w.
+Carga+ ist die von einem Esel (~burro~), Maulthier (~Mula~), oder Pferd (~Caballo~) getragene Last, und bezeichnet ein Gewicht, nach dem mehreres ge- und verkauft wird, und nach welchem auch insbesondere die Frachten bestimmt werden, aber es existirt keine feste Norm dafür und wechselt nach Maaßgabe der Thierart, Stärke der Thiere und Beschaffenheit der Wege. Man kann das Minimum des Gewichts einer Carga auf 300 ℔ und das Maximum auf 400 ℔ anschlagen.
* * * * *
Das allgemein eingeführte Längen-Maas ist die castilianische Vara, welche am Zoll im folgenden Verhältniß zu den fremden Messungen angenommen und verrechnet wird:
100 englische Yards = 108 Varas 100 französische Aunes = 140 „ 100 brabanter Ellen = 81 „ 100 jetzige ~aunes des pays bas~ oder französische Metres = 116 „ 100 Bremer Legge oder doppelte Ellen = 140 „ 100 Wiener Ellen = 92 „ 100 Berliner Ellen = 78½ „ 100 Breslauer Ellen = 69½ „ 100 Hamburger Ellen = 67½ „ 100 Leipziger Ellen = 66⅔ „
* * * * *
Das Maas der Flüssigkeiten wird am mexicanischen Zoll nach dem Gewicht berechnet und ist nach diesem besteuert. Der Inhalt von 12 gewöhnlichen Flaschen Wein wird dabei auf ¾ Arrobas veranschlagt; das sogenannte Baril Branntewein auf 5 Arrobas, das Baril Wein oder Essig auf 5½ Arrobas, mit einem Nachlaß von 10 pCt. für Leckage.
Der mexicanische Tarif.
Der Grundsatz nach welchem die Besteuerung der zur Einfuhr in Mexico erlaubten Waaren stattfindet, ist 40 pCt. vom dortigen Werth und es heißt deshalb auch in den Bestimmungen des Tarifs, daß alle darin nicht benannten Waaren im Hafen geschätzt und hierauf 40 pCt. erlegt werden sollen. Der Tarif ist indessen sehr ausführlich, und bezeichnet fast alle Einfuhr-Artikel bei Namen, mit genauer Bestimmung des darauf fallenden Zolls.
Hieraus entsteht nun eine große Ungleichheit in der Besteurung, viele Artikel bezahlen weit weniger als 40 pCt. von ihrem Werthe, andere bedeutend mehr.
Der Tarif ist für alle Theile der Republik derselbe, mit Ausnahme des Staates von Yucatan und der beiden Californien, welche der Eigenthümlichkeit ihrer Lage wegen nur ⅗ der eingehenden Rechte entrichten; wenn jedoch von da aus Waaren nach den andern Theilen der Republik versandt werden, so müssen die fehlenden ⅖ der vollen Rechte schon bei der Verschiffung im Hafen nachbezahlt werden.
Niederlagen für die Wiederausfuhr, oder Rückzölle bei derselben, gestattet das mexikanische Zollsystem keine. -- Alle eingeführten Waaren müssen den vollen Zoll erlegen, und man bekommt davon bei der Wiederausfuhr nichts zurück. Die mexicanischen Häfen erhalten mithin auch keine andere Zufuhren, als die für den Consum des Landes berechneten.
+Verboten+ für die Einfuhr sind:
Zucker, Kaffee, Chocolade (Cacao ist erlaubt), Reis, Getreide, Mehl (letzteres ist zur Einfuhr nach Yucatan erlaubt), geräuchertes und gesalzenes Fleisch, Salz, Taback und Cigarren; Brantewein der nicht ans Trauben gewonnen wird, mit Ausnahme von Genever, dessen Einfuhr erlaubt ist; verarbeitetes Wachs, Seife und Talg, Blei und Kupfer, Stiefel und Schuhe und Sattelwerk, so wie alles was aus Leder gearbeitet ist; -- fertige Kleidungsstücke, Nähgarn unter No. 20, wollene Decken; ordinaires Tuch, gemeines Theegeschirr, Schnüre und Tressen u. dgl. m.
Diese Verbote rechtfertigt man dadurch, daß die enumerirten Artikel im Lande selbst erzeugt und angefertigt würden.
+Frei von allen Abgaben+ bei der Einfuhr sind:
Gedruckte Bücher, geographische Charten, Maschinen und Instrumente für Künste und Wissenschaften, Ackerbau und Bergbau; gedruckte oder geschriebene Musik und Schieferschreibtafeln mit hölzernen Rahmen für Schulen, Quecksilber, Häuser von Holz, Schiffe und Fahrzeuge zur Nationalisirung und Verkauf, ausländische Pflanzen und deren Sämereien, ausländische Thiere und endlich englisches Wundpflaster.
+Ausfuhr-Verbote+ enthält der mexicanische Tarif, mit Ausnahme des Samens oder der Brut der Cochenille, keine, denn das Verbot der Ausfuhr der edlen Metalle im ungemünzten Zustande, ist schwankend, und wird häufig suspendirt und aufgehoben. Alle Landesproducte gehen ganz frei aus und nur die edlen Metalle bezahlen an ausgehenden Rechten das Folgende:
+Gold+, in gemünztem oder verarbeitetem Zustande 2 pCt. +Silber+, in demselben Zustande 3½ „ „ in ungemünztem Zustande, d.h. in Barren 7 „
Außerdem werden aber auch noch 2 pCt. Circulations-Rechte bei der Versendung von Comptanten aus dem Innern nach der Küste erhoben, dergestalt, daß der mexicanische Dollar oder Peso gar viele Abzüge erleidet ehe er in Europa zur Realisation kommt, nemlich:
1) 1 pCt. mehr oder weniger, Spesen der Conducta bis in den Hafen 2) 2 „ Circulations-Rechte 3) ¾ „ Provision und Spesen im Hafen 4) 3½ „ Ausgangs-Rechte 5) 1¼ „ Seefracht und Spesen bis in die Bank von England 6) 1⅜ „ Assecuranz und Stempel 7) ¾ „ Provision, Courtage und Spesen beim Verkauf ----------- 10⅝ pCt.
Der Brutto-Werth des Dollars in England ist beim Preis von 57 ~d.~ pr. Unze 49¼ ~à~ ⅜ ~d.~ Hiervon ab 10⅝ pCt. Kosten 5¼ ~d.~ Bringt die Parität des +Wechsel+-Courses mit der +Baarsendung+ von Mexico auf London, auf 44-- ~à~ ⅛ ~d.~ und von Vera-Cruz, wo 1, 2, 3 der Spesen wegfallen, auf 45¾ ~à~ ⅞ ~d.~
Berg-Bau und Silber-Gewinnung
in Mexico.
Es ist notorisch, daß der Boden Mexico’s unerschöpfliche Massen der edlen Metalle, namentlich des +Silbers+, enthält. Minder bekannt dürfte seyn, daß eine große Verschiedenheit in dem Gehalt der Erze, welche man aus der Erde gräbt, obwaltet, und daß, während man z. B. in der Provinz Sonora Gruben hat, in welchen man fast gediegenes Silber findet, es in anderen Gegenden Bergwerke giebt, die zwar an Erzen sehr ergiebig sind, welche in Europa, wo man durch vollendete Schmelzproceduren auch den kleinsten Silber-Gehalt aus dem Erze zu ziehen versteht, für reich gelten würden, die aber in Mexico, der unvollkommenen Zugutemachungs-Anstalten wegen, völlig werthlos sind und mithin unbenutzt bleiben; denn wenn die im Erz enthaltene Mark Silber mehr zu extrahiren kostet, als sie in der Münze werth ist, so setzt man natürlich eine solche Operation auf die Dauer nicht fort, man vernachlässigt mithin alle Werke, deren Erze nicht genug reichhaltig sind, die kostspielige Extrahirung durch die Amalgamation mit Quecksilber zu ertragen, und selbst dann noch einen Ueberschuß zu liefern, wenn durch diese Procedur, wie stets der Fall, 40 bis 50 pCt. Silber verloren gegangen sind.
Bittere Erfahrungen sind in dieser und anderer Beziehung von den europäischen und nordamerikanischen Minen-Spekulanten gemacht worden, man hat theils die Verhältnisse des mexicanischen Bergbaues nicht gehörig erkannt, theils Mißgriffe in der Wahl der Bergwerke und ihrer Dirigenten gemacht, und ist in keinem einzigen Fall mit der nöthigen Oeconomie zu Werke gegangen. Ganz besonders aber hat man es darin versehen, daß man sich durch glänzende Namen, früher freilich ergiebiger, aber nun ins Stocken gerathener und zum Theil ersoffener Gruben, täuschen ließ, und enorme Summen Geldes für die Erlaubniß, sie zu bearbeiten, an die Eigner, welche sie bereits als verloren betrachteten, bezahlte, statt in andern Revieren jungfräuliche Gruben aufzusuchen, die man umsonst hätte haben können. Viele Unternehmungen sind daher auch nach vergeblich verausgabten +Millionen+ gänzlich aufgegeben, andere von ihrem ursprünglich über die Maaßen ausgedehnten Umfange auf einen engen Kreis zurückgeführt worden.
Zu diesen letzteren gehört der uns am nächsten stehende
Deutsch-Amerikanische Bergwerks-Verein,
welcher jetzt nur noch die Gruben im Mineral von Anganguco betreibt, und alle die kostspieligen, gemeinschaftlichen Unternehmungen mit Revilla -- worauf Hunderttausende verwandt worden -- als Verlust bringend, aufgegeben hat. Aber auch Anganguco würde, da die hauptsächlichsten Gruben, Purissima und Valenciana, nur arme Erze liefern, nicht fortgebaut werden können, wenn nicht, durch einen äußerst geschickten und wissenschaftlich gebildeten, deutschen Schmelzer, einen Herrn Franz Schmitz aus Stift Keppel bei Siegen, eine so vervollkommte Schmelzmethode auf den Werken des D. A. Bergwerks-Vereins zu Anganguco eingeführt worden wäre, daß jetzt aus diesen armen Erzen die Mark Silber zu 3¼ Pesos extrahirt wird, während sich früher die Kosten des Schmelzens auf 10 bis 12 Pesos pr. Mark, also auf mehr als den Werth des Silbers, beliefen, die Erze somit gar nicht benutzt werden konnten. Die Amalgamation kam aber durch den enormen Silber-Verlust von 60 pCt. (bei so armen Erzen) noch höher zu stehen.
Man kann also gewissermaßen dieser vervollkommten Schmelzmethode des besagten Herrn Schmitz die Rettung des Unternehmens zuschreiben, wenn, wie zu hoffen steht, diese durch die zweckmäßigen Einrichtungen des Herrn Bevollmächtigten Schleiden nunmehr überhaupt bewirkt ist. Ohne eine solche, verbesserte und verwohlfeilte Schmelzmethode, würde die große Erz-Ergiebigkeit der Grube Purissima dem Verein von keinem Werth seyn, und auch dieses letzte Werk desselben hätte aufgegeben werden müssen, während nunmehr Aussicht vorhanden ist, daß, bei der stattfindenden Vermehrung der Schmelz-Oefen nach der Schmitzschen Methode, ein hinlängliches Quantum von Silber +mit Nutzen+ gewonnen werden wird, um dem Verein endlich eine nachhaltige Ausbeute zu verschaffen.
Die mehrerwähnte vortreffliche Schmelzmethode, welche Herr Schmitz im April-Heft 1832 im ~Registro Trimestre~ in Mexico bekannt gemacht und genau beschrieben hat, zog denn auch bereits die Aufmerksamkeit anderer Bergwerks-Besitzer in Mexico auf sich, und dürfte leicht eine bedeutende Revolution in der Silber-Production von Mexico zur Folge haben, indem eines Theils der große, Niemanden zu Gute kommende Silber-Verlust bei der Amalgamation dadurch vermindert und mithin für die Production im Allgemeinen gewonnen werden würde, und andern Theils die jetzt gänzlich werthlos erachteten und mithin, weder durch Amalgamation, noch auf dem Wege der Schmelzung benutzten Erze mit in die Silber-Production hinein gezogen und diese also sehr vermehrt werden könnte.
Ein vortheilhafteres, gewinngebenderes Unternehmen als ein Schmelz-Etablissement nach der Schmitz’schen Manier, in einem Mineral, wo viele arme Erze zu Tage gefördert werden, welche die Mexicaner nicht zu Gute zu machen verstehen, dürfte es denn auch nicht leicht geben, und es würde den unberechenbaren Vortheil über jede Bergwerks-Unternehmung haben, daß dabei von keiner Ungewißheit +unter+ der Erde, von keinen illusorischen Hoffnungen, von keinem +Glückauf+! die Rede wäre. Ein solches Schmelz-Geschäft würde ein rein mercantilisches Unternehmen seyn; die Erze würden dabei nicht aus dem Schooß der Erde geholt, sondern erst wenn sie bereits über derselben liegen, gekauft, geschmolzen und mit dem darauf gemachten Gewinn in der Münze realisirt werden, und zwar, wo nicht wöchentlich, doch monatlich.
Angenommen, daß die Schmelz-Vorrichtung in einem der zahlreichen, mit Kohlen und Wasser hinreichend versehenen, Reviere angelegt würde, in welchen von den vielen eingebornen kleinern Bergleuten stets arme Erze, von 7 ~à~ 9 Unzen Silber in der Carga von 300 ℔, genug gewonnen werden, welche sie jetzt gerne zu 1 Peso die Carga verkaufen, so wäre folgendes die Berechnung:
Die Schmelz-Oefen und Vorrichtung für einen Betrieb von +nur+ 150 Cargas die Woche veranschlagt, erfordert ein Capital von 10 ~à~ 12000 Pesos.
Ankauf von 150 Cargas Erze ~à~ $ 1, oder möglicherweise bei vermehrter Nachfrage 1¼ ~à~ 1½ $, sind pr. Woche ~à~ 1½ $ $ 225 Das Schmelzen, nach den vorliegenden Erfahrungen, 3¼ $ pr. Carga „ 487½ ---------- $ 712½ Jene 150 Cargas Erze liefern 150 Mark Silber, ~à~ 8¼ $, als Preis in der Münze „ 1237½ ------------- wöchentlicher Ueberschuß $ 525 monatlich zu realisiren mit $ 2100, oder jährlich mit $ 25,200.
Da in den Schmelzkosten von 3¼ $ pr. Carga alle Kosten und Löhne mit einbegriffen sind, so wäre von diesem +großen Gewinn+ nur das Gehalt des dirigirenden Schmelzers abzuziehen, der jedoch zugleich Bevollmächtigter und Betheiligter bei der Sache seyn müßte. Einem solchen Unternehmen könnte natürlich eine noch weit größere Ausdehnung gegeben werden, und eine hierauf sich bildende Actien-Gesellschaft dürfte gewiß seyn, bessere Geschäfte zu machen, als die bisherigen Bergwerks-Vereine.
+Aehnliches+ besteht übrigens bereits schon in Mexico, unter der dort sehr bekannten Benennung von Rescate-Geschäft; die Rescadores kaufen in den verschiedenen Revieren den Bergleuten die Erze so wohlfeil ab, wie sie können, und machen sie, theils durch Amalgamation, theils durch Schmelzung zu Gute, und finden dabei zwar ihre Rechnung, jedoch nur spärlich, da sie bei ihrer unvollkommenen Verfahrungsweise nur die +reicheren+ und mithin theureren Erze gebrauchen können, und auch diesen nicht so viel Silber abgewinnen, als die deutsche Methode aus den +armen+ Erzen zieht.
* * * * *