Meine Erinnerungen aus Ostafrika
Part 31
Wir waren schon auf der Eisenbahnfahrt überrascht gewesen, fast auf jeder Station mehr englische Europäer anzutreffen, als wir in der ganzen Schutztruppe hatten; hier in Daressalam aber wimmelte es von weißen Truppen. Ich schätzte ihre Zahl auf nicht unter 5000, und zu Hunderten und Aberhunderten standen die reparaturbedürftigen Automobile in den Wagenparks.
Die enge Zusammenhäufung der Menschen zeigte ihre Gefährlichkeit beim Auftreten der spanischen Influenza. Eskortenoffiziere erzählten mir, daß manchmal an einem Tage 5, manchmal 7 englische Offiziere in Daressalam an dieser Krankheit starben, und bald spürten wir sie auch selbst. Die Ansteckung ist wahrscheinlich während des Schiffstransportes auf dem Tanganjikasee und dann auf der Eisenbahnfahrt erfolgt. In den Konzentrationslagern in Daressalam ist sie von Mann zu Mann weitergegangen. Hauptmann Spangenberg begleitete mich kurz nach seiner Ankunft in Daressalam noch in die Stadt, dann fühlte er, dessen eiserne Natur alle Strapazen im Felde so gut überstanden hatte, sich elend und starb im Lazarett am 18. Dezember an Influenza und Lungenentzündung.
Fast alle Europäer unseres Lagers wurden von ihr befallen, und es war schmerzlich, daß außer Hauptmann Spangenberg noch neun weitere Europäer, im ganzen also fast 10% unserer Kopfzahl ihr erlagen. Auch von den in Tabora internierten Eingeborenen sind 150 Askari und 200 Träger gestorben.
In verschiedenen Gefangenenlagern in Daressalam waren auch mehrere hundert deutsche Askari untergebracht, die zu früheren Zeiten in die Hände der Engländer gefallen waren. Verschiedene von ihnen waren bereits Jahr und Tag in englischer Gefangenschaft und hatten sich standhaft geweigert, bei den Engländern als Askari einzutreten. Dies war ihnen nach ihrer Angabe wiederholt angeboten worden. Unsere Askari hatten das deutsche Kriegsgefangenenlager der weißen Soldaten unmittelbar vor Augen. Es war erfreulich, daß wir Europäer hierdurch in den Augen der Askari nicht im geringsten verloren. Genau wie früher bezeigten sie uns die größte Anhänglichkeit und Disziplin und zweifellos kam hierdurch die große innere Achtung, die sie vor uns Deutschen hatten, zum Ausdruck. Sie waren klug genug, einzusehen, daß die größere militärische Leistung doch auf deutscher Seite war, und sie waren von jeher gewohnt, daß wir auch in schweren Zeiten alle Beschwerlichkeiten redlich mit ihnen teilten und stets ein warmes Herz für ihre vielen kleinen Anliegen hatten.
Auch sonst zeigten uns die Eingeborenen gern ihre Anhänglichkeit und ihr Vertrauen. Die schwarzen Diener hielten ihren rückständigen Lohn in den Händen ihrer deutschen Herren, die im Augenblick kaum über Barmittel verfügten, für vollständig gesichert. Mit den Engländern war manche trübe Erfahrung gemacht worden. Jeder wußte, daß in den Gefangenenlagern die Gelder unserer Leute wiederholt und zwar in erheblichem Umfange durch englische Offiziere unterschlagen worden waren. Frühere Boys und auch andere Eingeborene kamen manchmal von weither angereist, um uns zu begrüßen, und ich habe den Eindruck gewonnen, daß die Eingeborenen im großen und ganzen die deutsche Herrschaft recht gern wiederhaben wollten. Sicherlich waren unter den englischen Europäern eine ganze Menge übler Elemente. Manche ließen sich sogar von Eingeborenen Bestechungsgelder geben, andere waren bei hellichtem Tage in deutsche Europäerhäuser eingedrungen, um dort zu rauben.
Ich hielt es unter diesen Umständen für geboten, das in Daressalam und an der Zentralbahn liegende Privateigentum von Deutschen, die abwesend waren und sich selbst um das Ihrige nicht kümmern konnten, nach Deutschland mitzunehmen. Ein Verbleiben desselben ohne deutsche Aufsicht in Afrika schien mir zu bedenklich. Es machte ziemlich viel Mühe, dieses Eigentum aufzufinden und zu sammeln. Schließlich ist es aber doch im allgemeinen durchgeführt worden. Beim Durchstöbern der verschiedenen Schuppen hatte ich auch die angenehme Überraschung, mehrere Kisten mit meinen eigenen Sachen, die ich bei Ausbruch des Krieges der Firma Devers in Daressalam zur Aufbewahrung übergeben hatte, wieder vorzufinden. Auch von meinen in Morogoro gelassenen Sachen wurde einiges gerettet. Verschiedene in Morogoro gelassene Stücke habe ich allerdings nicht wieder bekommen, und die Engländer fanden immer wieder einen Vorwand, um mir die erbetene Fahrt nach Morogoro zu verweigern. Ob dieses eine bloße Unhöflichkeit war oder ob irgendein tiefsinniger, mir unbekannter Grund vorlag, darüber habe ich keine Klarheit bekommen können. Nur allgemein war mir die Beobachtung interessant, wie die Gewohnheit, in freundlicher Weise halbe Versprechungen zu geben und nichts zu halten und dadurch eine Sache immer weiter und weiter hinauszuzögern, den Engländern allgemein in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Mein Weg führte mich bei diesen Gelegenheiten auch manchmal zum ~Administration Staff~ (der etwa unserem Chef des Etappenwesens entspricht); nach manchem Hin- und Herfragen fand ich ihn in meiner alten Wohnung vor, die ich vor dem Kriege innegehabt hatte. Bei verständigen Engländern fand ich die Auffassung vertreten, daß Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen und auch für seinen Bevölkerungsüberschuß Kolonialbesitz haben müsse. England habe zu viele Kolonien, und es fehle ihm dafür im Augenblick sogar an ausreichendem geeignetem Personal.
Wenn die Engländer bei Bekanntgabe des Waffenstillstandes betont hatten, daß wir schnell nach Daressalam kommen müßten, um noch rechtzeitig, also bis zum 12. Dezember, abtransportiert werden zu können, so hatten sie es selbst mit der Erfüllung dieser Waffenstillstandsbedingung keinesfalls eilig. Unsere Einschiffung wurde weiter und immer weiter hinausgezögert, fand schließlich aber doch am 17. Januar 1919, also auf den Tag 5 Jahre nach meiner Landung in Daressalam statt.
Die Heimreise im einzelnen zu schildern, würde Stoff für ein ganzes Buch liefern, das in bezug auf tragikomische Ereignisse wohl kaum zu übertreffen wäre. Außer uns 114 deutschen Soldaten waren 18 Zivilisten, 107 Frauen und 87 Kinder an Bord, dazu eine Eskorte von 200 britischen Soldaten. Man wird zugeben, daß Stoff zu endlosen Reibungen bei einer derartig aus Deutschen und Engländern, aus Militär und Zivil, aus Armee und Marine, aus Erwachsenen und Kindern zusammengewürfelten Reisegesellschaft sich auf einem eng belegten Schiff, dem von den Engländern weggenommenen „Feldmarschall“ der Deutsch-Ostafrika-Linie, reichlich einfand. Jedes Stück des Schiffes, vom Klavier bis zur Badewanne, weiß von der Menschen Hassen und Lieben zu berichten. Es ist aber gelungen, alle irgend ernsthaften Zusammenstöße zu vermeiden, und hierzu haben sowohl der menschenfreundliche Kommandant des Schiffes, Captain King, wie auch der junge Colonel Gregg, der Führer der englischen Eskorte, mit musterhaftem Takt das Menschenmögliche beigetragen.
Auf dem Wege über Kapstadt sind wir Ende Februar in Rotterdam eingetroffen. Die zahlreichen bei der Landung dort erschienenen Deutschen zeigten mir zu meiner Überraschung, daß unser Ostafrikanischer Krieg in der Heimat eine so große Beachtung gefunden hatte. Auch viele Holländer bewiesen uns ihre wohlwollende Gesinnung.
Tatsächlich hatte ja unsere kleine Schar, deren Höchstzahl rund 3000 Europäer und rund 11000 Askari betrug, einen gewaltig überlegenen Feind während der ganzen Kriegsdauer gefesselt. Wie ich einleitend (S. 18) bereits bemerkt habe, standen mit Tausenden von Automobilen und vielen Zehntausenden von Reit- und Tragetieren etwa 300000 Mann gegen uns, ausgerüstet mit allem, was die gegen Deutschland vereinigte Welt mit ihren unerschöpflichen Hilfsmitteln gewähren konnte, und trotz dieser für unsere Verhältnisse überwältigenden Zahlen auf feindlicher Seite hat unsere kleine Truppe, die bei Abschluß des Waffenstillstandes nur etwa 1400 Waffentragende betrug, voll kampfbereit und mit größter Unternehmungslust im Felde gestanden. Ich glaube, daß die Klarheit unserer Ziele, die Vaterlandsliebe, das starke Pflichtgefühl und die Opferfreudigkeit, die jeden der wenigen Europäer beseelten und die sich bewußt und unbewußt auch auf unsere braven schwarzen Soldaten übertrug, der kriegerischen Gesamthandlung jenen Schwung verliehen haben, der bis zum Ende durchhielt. Dazu kam ein Soldatenstolz, ein Gefühl des festen gegenseitigen Zusammenhaltens und eine Unternehmungslust, ohne welche kriegerische Erfolge auf die Dauer nicht möglich sind. Wir Ostafrikaner sind uns sicherlich bewußt, daß unsere Leistungen nicht auf gleiche Stufe zu stellen sind mit dem, was die Heimat an Kriegstaten und an Opferfreudigkeit vollbracht hat. Kein Volk hat in der Geschichte jemals Höheres geleistet. Und wenn wir Ostafrikaner in der Heimat einen so erhebenden Empfang gefunden haben, so liegt dies daran, daß bei unserem Eintreffen bei jedermann verwandte Seiten angeschlagen wurden, daß wir ein Stück deutschen Soldatentums bewahrt und unbeschmutzt in die Heimat zurückgeführt haben, und daß die uns Deutschen eigentümliche germanische Mannentreue auch unter den Verhältnissen eines Tropenkrieges aufrecht erhalten worden ist. Sicherlich sind unter dem Drucke der augenblicklichen Not unseres Vaterlandes diese Empfindungen bei manchen unserer Volksgenossen verdunkelt, vorhanden aber sind sie im Grunde der Seele bei jedem, und gerade die begeisterte Aufnahme, die uns von Hunderttausenden bereitet worden ist, stärkt auch in uns Ostafrikanern die Überzeugung, daß trotz der augenblicklichen Verwirrung der Gemüter der gesunde Sinn unseres deutschen Volkes sich emporringen und wieder den Weg finden wird zur Höhe.
Tirpitz
Erinnerungen
Ein stattlicher Band von 526 Seiten mit Bild des Verfassers
Preis geh. M. 20.--, in vornehmem Einband, Titelzeichnung von Prof. Tiemann, M. 25.--
Die Lektüre dieses Buches wird für jeden folgerichtig denkenden Deutschen ein erschütterndes Ereignis bedeuten. Der gefürchtetste Gegner unserer Feinde spricht zu uns. Der Einzige, der mit genialem Blick den Weg zum Siege erkannte, enthüllt, wie man ihn kaltstellte. Tiefster Schmerz um alles Große, das uns verloren ging, spricht aus diesen Blättern, aber auch ein fester, stolzer Wille zum ehrenvollen Weiterleben.
„Vom Deutschtum zu retten, was noch zu retten ist, bleibt des Schweißes der Edlen wert. Unsere Hoffnung aber sei das kommende Geschlecht. Ein Sklavenvolk sind wir noch nie gewesen. Seit zweitausend Jahren hat unser Volk nach jähem Sturz immer wieder sich emporgehoben.“
Mögen diese Worte, in denen die „Erinnerungen“ ausklingen, im ganzen deutschen Volke Widerhall finden.
Stein
Generalquartiermeister und Kriegsminister a. D.
Erlebnisse und Betrachtungen aus der Zeit des Weltkrieges
Preis geh. M. 10.--, in vornehmem Einband, Titelzeichnung von Prof. Tiemann, M. 14.50
Aus einer Zuschrift an den Verlag: Es wird Ihnen als Verleger eine Freude sein, zu hören, daß ich seit Jahren kein Buch mit solchem Genuß und solcher Ergriffenheit gelesen habe, als dieses. Zunächst rein äußerlich, dieser großartige Stil, diese kurzen Sätze, wie gehacktes Eisen. Das ist die echte deutsche Soldatensprache. Dann aber inhaltlich dieser Spiegel, der dem deutschen Volke vorgehalten wird.
+Dieses Buch muß die Bibel des deutschen Volkes werden.+
Die Kapitel „Reichstag“, „Regierung“, „Heer“ sind das Beste, was ich über diese Dinge je gelesen habe.
+K. F. Koehler Verlag Leipzig+
Generaloberst Freiherr von Hausen
Erinnerungen an den Marnefeldzug
Mit Bildnis des Verfassers, verschiedenen Karten und Gefechtsskizzen und einer einleitenden vortrefflichen historischen Studie von
Friedrich M. Kircheisen
Preis geheftet etwa M. 10.--, gebunden etwa M. 14.50
_Generaloberst von Hausen war zu Beginn des Krieges Führer der 3. Armee, die dem Gegner an der Marne solche kraftvolle Schläge versetzte, daß Joffre und Foch jeden Augenblick glaubten, das französische Zentrum würde durchbrochen werden._
Hausen hat die Operationen seiner Armee musterhaft geleitet, trotzdem er an Typhus erkrankt war. Seine Erkrankung war tatsächlich der Grund, daß er vom Kaiser seines Kommandos enthoben wurde, während die Legende sich bildete, daß Hausen an der nichtgewonnenen Schlacht schuld sei. Hausens Erinnerungen bedeuten eine
+Ehrenrettung der 3. Armee und ihres Führers.+
Sie basieren auf den Unterlagen des Großen Generalstabes, die ihm zur Verfügung standen, und sind untermischt mit höchst lebenswarmen persönlichen Eindrücken, so daß nicht etwa ein militärtechnisches oder polemisches Buch entstanden ist, sondern +äußerst spannende, fließend geschriebene Feldaufzeichnungen+.
Die beiden weißen Völker!
(~The two white nations!~)
Deutsch-englische Erinnerungen eines deutschen Seeoffiziers
von
Georg von Hase
Korvettenkapitän a. D.
Preis geheftet etwa M. 10.--, gebunden etwa M. 14.50
Zwei historische Zusammentreffen mit Teilen der englischen Kriegsflotte bilden den Inhalt dieses Buches, das seine Titel einem Trinkspruch eines englischen Admirals verdankt. Die Begegnungen fanden zu ganz verschiedenen Zeiten und unter ganz veränderten Umständen statt: 1914 zur Kieler Woche und 1916, als die deutsche Flotte vor dem Skagerrak ihren gefährlichsten Gegner stellte und schlug. / Korvettenkapitän von Hase nahm an der Seeschlacht vor dem Skagerrak als Erster Artillerieoffizier unseres größten, stärksten und schönsten Großkampfschiffes, des Schlachtkreuzers „Derfflinger“ teil. Er ist in das heißeste Kampfgewühl hineingeraten, hat sämtliche Phasen der Schlacht miterlebt und dabei zu der Vernichtung der beiden englischen Schlachtkreuzer „Queen Mary“ und „Invincible“ entscheidend beigetragen. Es gibt zur Zeit noch keine Darstellung der Schlacht vor dem Skagerrak, in der ein Mitkämpfer in führender Stellung die Schlacht sowohl vom militärischen Standpunkt wie vom Standpunkt des persönlichen Miterlebens, frei von den Fesseln der Zensur, beschrieben und beurteilt hätte. Das vorliegende Buch berichtet als erstes vom tatsächlichen Geschehen und wird zu einem Heldensang deutschen Mutes und deutscher Kraft.
+K. F. Koehler Verlag Leipzig+