Macchiavellis Buch vom Fürsten

Part 16

Chapter 16967 wordsPublic domain

5 Varchi, Geschichte von Florenz. Sie war also bekannt. Schon dieser Umstand spricht gegen die Vermuthung, daß das Buch nur ein geheimer Rathgeber des Fürsten habe sein sollen, dem es zugeeignet ist. Außerdem aber ist der Ton des Buchs vom Fürsten mit dieser Ansicht nicht zu vereinigen. Zu einem solchen Zwecke hätte der Verfasser doch bestimmte Anwendungen auf die Verhältnisse des Augenblicks machen, und Maßregeln gegen die Mitwerber um die Herrschaft von Italien und gegen einzelne Staaten angeben müssen: und dazu wäre Macchiavelli sehr geschickt gewesen, wie seine Berichte an die florentinische Regierung während seiner häufigen Gesandtschaften beweisen Aber das Buch vom Fürsten hat ganz den Charakter eines literarischen Kunstwerks. Als ein solches übertrifft es nicht allein Alles, was damit verglichen werden könnte, sondern auch die übrigen Schriften des Verfassers selbst. Und ein solches Meisterstück sollte er nicht für die Welt bestimmt haben?! – – – –

6 Fünfzig solcher Männer machte er zu Staatsräthen mit hohem Range und hoher Besoldung, wofür sie sich um Nichts bekümmern durften – angenehme Sinecuren, wie sie ähnlich noch heute im gelobten Preußen einige evangelische Domherren haben, die für einen Jahresgehalt von ca. 36,000 Mark einmal jährlich eine Quittung unterschreiben und ein opulentes Frühstück verzehren müssen! –

_ 7 Gaultier de Brienne_, der als Erbe eines Kreuzfahrers den Titel Herzog von Athen führte.

8 Die erste Veranlassung zu der berühmten Verschwörung der Pazzi gegen die Medici lag in der Heirath eines Pazzi mit einer reichen Erbin, welcher man ihr Erbrecht unter dem Vorwande zweifelhafter Gesetze, in der That aber dem Lorenzo von Medici zu Gefallen entzog, um die Familie seines Gegners zu entkräften.

9 Man behauptet zwar, das Buch sei 1515 gedruckt, also nicht allein bei Lebzeiten des Verfassers, sondern sogar auch des Lorenzo, dem es dedicirt ist. Allein der Herausgeber einer vollständigen Sammlung aller Werke des Macchiavelli (Florenz, 1782, in 6 Quartbänden), behauptet, Niemand habe den angeblichen Druck gesehen; der erste sei vom Jahre 1532, wo Giunti es mit Privileg des Papstes edirte.

10 Ueber die Widmung vgl. Möllenhoff, Macaulay’s kritische Aufsätze, Bd. 2, Macchiavelli, (Univ.-Bibl. No. 1183) S. 49.

11 Man denkt jetzt (1879) an Lothringen oder Bosnien!

12 Erinnerung an Ovids (_Remed. Am._ 91) Vers: _Principiis obsta, sero medicina paratur_.

13 Della Rovere, der den Namen Julius der Zweite geführt hat.

14 Wer in einer ausführlichen Erzählung der Thaten dieses Menschen ein Beispiel aus der alten Geschichte lesen will, wie weit kriegerische Eigenschaften in Verbindung mit gänzlicher Immoralität es darin bringen können, große Dinge auszuführen, die nichts bleibendes Gutes erzeugen der lese Diodor, Buch 19 und 20.

15 Ein großer Liebling des florentinischen Pöbels, den im Jahre 1381 die Obrigkeit wegen einer Gewaltthätigkeit, die er beging, um ihr einen verhafteten unruhigen Kopf zu entreißen (eine Unternehmung, an der der Pöbel Wohlgefallen zu finden pflegt), hinrichten ließ, ohne daß der Aufstand, auf den er hoffte, erfolgt wäre. Ja, es fand im Gegentheil auch diese Hinrichtung Beifall.

16 Ein Krieger von englischer Abkunft, der am Ende des vierzehnten Jahrhunderts das Handwerk trieb, wodurch so viele in der Folge als Condottieri berühmt wurden.

17 Die italienischen Worte _misero_ und _avaro_ sind von den deutschen, durch welche sie übersetzt werden können, in der feinern Bestimmung des Sinnes etwas verschieden. Uebrigens ist _filzig_ von _geizig_ zu unterscheiden: geizig ist, wer noch daneben zu erwerben trachtet; _filzig_, wer sich enthält zu benutzen, was er besitzt.

18 Das ist nun freilich eine überaus kühne Interpretation der griechischen Sage!

19 Ferdinand von Arragonien scheint gemeint zu sein.

20 Er besann sich, ob er den Antrag annehmen solle. Da ihm zugeredet ward, wenn er ein ächter Bentivoglio sei, so würde er den Antrag nicht ablehnen, und das Volk von Bologna ihn auch nicht verlassen, wagte er den Schritt: und nun kam es auch so. Er bewies sich des Blutes würdig, das man in ihm voraussetzte, und machte sein Recht dadurch geltend. So viel vermag die Geburt, wenn sie nicht allein Alles thun soll.

21 Catharina, Tochter des Francesco Sforza und Schwester des Ludwig. Ihr Gemahl war Hieronymus Riario, Neffe Papst Sixtus des Vierten.

22 Eine weitere Ausführung der in diesem Kapitel enthaltenen Gedanken findet man in den Discorsi über den Livius im 2. Buche, 24. Kapitel.

23 Vorzüglich wahre Sentenz!

24 Nardi erzählt im 6. Buche seiner Geschichte von Florenz, daß die Astrologen dem Papste Leo X. in den ersten Monaten seiner Regierung vorhergesagt haben, sein Bruder Giuliano (der als Herzog von Nemours starb) werde König von Neapel, und sein Neffe Lorenzo Herzog von Mailand werden.

25 Das erzählt _Davila_, der durch seinen Bruder, einen Kammerherrn der Catharina, mit Heinrich dem Dritten und seinem Hofe genau bekannt war. Davila, selbst ein Italiener, spricht von der Catharina und ihren Söhnen mit der sympathetischen Empfindung des Landmanns. Daher ist seine Geschichte dieses mehr italienischen als französischen Hofes so natürlich, so lebendig, so anziehend. Er fühlte ganz anders, wie die florentinischen Gemüther gesinnt waren, als französische Schriftsteller. In den Erzählungen solcher Geschichtschreiber sieht man die Menschen selbst vor sich; in den Bemerkungen andrer über die ihnen fremden Gestalten entgeht das Eigenthümlichste und Feinste. Ueber ächt französische Charaktere muß man hingegen französische Schriftsteller lesen: über Heinrich den Vierten den Voltaire. Den Helden der Galanterie und des Point d’honneur stellt dieser mit eben so vielem Talente dar, als Davila die Catharina, die er wegen ihres verschmitzten Herrschertalents vergöttert.

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