Lehrbuch der Gerichtlichen Medicin

Part 131

Chapter 1313,346 wordsPublic domain

[314] „Die Verletzungen des Auges in gerichtlicher Beziehung.“ Wiener med. Wochenschr. 1874, Nr. 5 u. ff., und als Broschüre Wien bei Braumüller. Ebenso +O. Bergmeister+, „Die Verletzungen des Auges mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse des Gerichtsarztes.“ Wiener Klinik. 1880, Heft 1 und 2 und +Hasner+, „Die Verletzungen des Auges in gerichtsärztlicher Hinsicht“ in Maschka’s Handb. d. gerichtl. Med. I, 307. +Ohlemann+, „Zur Frage der Aggravation von Augenverletzungen“. Zeitschr. f. Medicinalb. 1893, pag. 493 und 591 und +Wilhelmi+, ebenda pag. 591.

[315] Ein instructiver Aufsatz über Erkennung der Simulation einseitiger Amaurose von +Schenkl+ findet sich auch im Prager ärztl. Correspondenzbl. 1875, Nr. 28. Von +Haupt+ (Friedreich’s Blätter. 1887, pag. 433) u. A. wird die Anwendung farbiger Gläser empfohlen. Man gibt dem Betreffenden eine Brille, welche für das gesunde Auge ein rothes, für das angeblich blinde ein weisses Glas enthält und lässt ihn grüne Schrift auf schwarzem Grunde lesen. Der wirklich einseitig Blinde wird, da rothes Glas grüne Strahlen resorbirt, nichts sehen können, der Simulant aber wird die Schrift lesen und auch ihre Farbe angeben, weil er mit dem gesunden Auge zu lesen glaubt, während er thatsächlich mit dem anderen liest.

[316] +Hassenstein+, „Gerichtsärztliche Würdigung der Läsionen des Gehörorganes durch Schlag.“ Berliner klin. Wochenschr. 1871, Nr. 9; +Urbantschitsch+, „Das Hörorgan in forensischer Beziehung“. Wiener Klinik, 1880, Heft 1 und 2; +Trautmann+, „Verletzungen des Ohres in gerichtsärztlicher Beziehung“. Maschka’s Handbuch. I, pag. 379 und +Sexton+, Virchow’s Jahrb. 1887, I, 486. +Hüttig+, „Verletzungen des Ohres vom gerichtsärztlichen Standpunkt“. Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1891, VI, pag. 201.

[317] „+Der Feldarzt.+“ Beilage zur Allg. Wiener med. Ztg. 1875, Nr. 1-8. Hier sei bemerkt, dass Durchbohrung des Trommelfells auch als Selbstverstümmlung vorkommt. +Karlinski+ (Deutsche militärärztl. Zeitschr. 1888, pag. 66) berichtet über drei solche Beobachtungen.

[318] „Krankheiten des Halses.“ Pitha-Billroth’s Handbuch. III, I, pag. 58. Ebenso konnte +Bert+ (Arch. de physiol. norm. et path. 1869) durch Zerdrücken der Trachea bei Thieren sofortigen Tod bewirken.

[319] „Zur Kenntniss der Entstehungsarten von Kehlkopffracturen.“ Wiener med. Wochenschr. 1887, Nr. 44 und 45.

[320] In den Berichten des Wiener Stadtphysikates aus den Siebziger-Jahren wird ein von +Rokitansky+ secirter Fall mitgetheilt, wo bei einem älteren an Herzverfettung leidenden Mann, der sich erhängt hatte, eine Ruptur der linken Herzkammer gefunden wurde. Eine solche fand auch +Haumeder+ einer mündlichen Mittheilung zufolge bei einem an Haemorrhagia cerebri gestorbenen Individuum. In der Pariser Société de médecine légale wurde im Jahre 1886 über einen von +Monier+ (Annal. d’hygiène publ. XV, pag. 77) mitgetheilten Fall verhandelt, der ein angeblich erdrosseltes Kind betraf, bei dessen Section man eine unvollständige Querruptur der Vorderwand der linken Kammer gefunden hatte. +Brouardel+ untersuchte das aufbewahrte Herz und fand, dass die Ruptur von einer ulcerösen Endokarditis und Myokarditis ausgegangen war und die Erhebungen machten es wahrscheinlicher, dass das Kind nicht erdrosselt, sondern aus seinem Bettchen herausgefallen war, neben welchem man es sterbend am Boden liegend gefunden hatte.

[321] Eine von uns obducirte, von einem Gerüst gestürzte Taglöhnerin starb erst nach 6 Stunden, obgleich die Obduction ausser intermeningealer Hämorrhagie und Rupturen der Leber und Milz, auch eine Ruptur des Herzbeutels und des linken Herzohres ergab. Nach +Schuster+ (l. c.) erfolgte der Tod bei 82 Fällen von Herzrupturen 24mal augenblicklich, 29mal nach wenigen Minuten, so zwar, dass einzelne der Verletzten noch eine Strecke zu gehen oder zu laufen vermochten, in den übrigen Fällen erst nach längerer, selbst Stunden und Tage betragender Zeit. V. auch unseren Fall pag. 282. Isolirte Einrisse der Innenwand des Herzens oder des Septums sind selten, doch haben wir sie wiederholt, allerdings stets combinirt mit Verletzungen anderer Organe, beobachtet. Einmal fanden wir auch eine Zerreissung der mittleren Aortenklappe. Solche isolirte Einrisse können möglicherweise ausheilen. In einem von +N. Rosenthal+ (Berliner klin. Wochenschrift. 1883, Nr. 15) mitgetheilten Falle hatte ein zwischen Puffer gerathener Arbeiter einen fingerweiten Riss des Septum ventriculorum durch 8 Tage überlebt.

[322] Ausführliche Angaben über die reiche Literatur des noch vielfach controversen Gegenstandes und +Oppenheim+’s eigene Untersuchungen finden sich in dessen Artikel „Railway-spine“ in der zweiten Auflage von Eulenburg’s Real-Encyclopädie. XVI, pag. 384, in jedem Jahrgang des Virchow-Hirsch’schen Jahresberichtes und in der von +S. Placzek+ übersetzten Monographie von +Page+: „Eisenbahnverletzungen in forensischer und klinischer Beziehung.“ Berlin 1892. +Vibert+, „Traumatische Neurosen bei Kindern“. +Virchow+’s Jahresb. 1892, I, 459 und +Derselbe+, +Knapp+, +Higier+, ebenda 1893, 478. Besonders instructiv über den gegenwärtigen Standpunkt der Lehre von den „traumatischen Neurosen“ sind die am XII. Congress für innere Medicin vorgetragenen Referate +A. Strümpell+’s und +K. Wernicke+’s über diesen Gegenstand (Wiener med. Wochenschr. 1893, Nr. 23 und 25).

[323] Bei einem Manne, dem ein Zuckerhut auf die rechte Bauchseite gefallen und der unter Erscheinungen von Perforations-Peritonitis gestorben war, fanden wir Ruptur einer der +linken+ Leistengegend anlagernden Schlinge des oberen Ileums. Die Ruptur war bohnengross und sass an der dem Gekrösansatze gegenüberliegenden Darmwand und ihr gegenüber fanden sich zwei dem Gekrösansatze parallel verlaufende, je 3 Cm. lange, zackige, mässig suffundirte Schleimhautrisse. Der Fall ist von Interesse, weil die Ruptur wahrscheinlich durch Contrecoup zu Stande gekommen ist und weil er beweist, dass ebenso wie im Magen, auch im Darm durch heftige Erschütterungen isolirte Schleimhautrisse entstehen können. Auch isolirte Einrisse des Peritonealüberzuges kommen vor.

[324] +Roser+ hat seine Anschauungen in dieser Richtung in dem Satze zusammengefasst: „Wer nicht von Geburt aus eine Hernie hat, bekommt auch nie eine solche.“ Nach +Wernher+: „Geschichte und Theorie des Mechanismus der Bruchbildung“ (Langenbeck’s Archiv. XIV, 2. und 3. Heft) zeigt die äussere Leistenhernie, wenigstens beim männlichen Geschlecht, in den ersten fünf Lebensjahren die grösste absolute Verhältnisszahl der Frequenz, fällt aber von da an sehr rasch bis zum 10. Jahre und in einem grösseren Verhältnisse, als die Abnahme der Bevölkerungszahl erklären kann. Am Ende des zweiten Quinquenniums ist die Zahl der neuentstandenen Leistenhernien am kleinsten geworden, steigt aber von da wieder und erreicht bei beiden Geschlechtern in dem Alter von 25-30 Jahren die grösste absolute und relative Höhe.

[325] Friedreich’s Blätter f. ger. Med. 1873, pag. 26. Vide auch ein Gutachten von +Nussbaum+, ibid. 1869, pag. 156 und von +Socin+, Schweizer Correspondenzblatt. 1887, Nr. 18.

[326] Ein forensisches Interesse hat auch die Thatsache, dass fremde Körper verschiedener Art auch in unzüchtiger Absicht in den eigenen und fremden After eingeführt werden (Fälle vide u. A. bei +Tardieu+, Attent. aux moeurs. 1878, pag. 231, und den unerhörten von +C. Majer+ in Friedreich’s Blättern f. gerichtl. Med. 1882, pag. 457, in welchem ein 16jähriges Mädchen aus Geilheit 4 Kindern durch Bohren mit den Fingern den Mastdarm zerrissen und das Gleiche auch an einer Kalbin und an einem jungen Schwein ausgeführt hatte). Von Verbrechern wird das Rectum nicht gar selten als Depôt für gestohlene Gegenstände, Feilen etc. benützt. (+Albert+, Lehrb. der Chir. III, 565.) Endlich gehört hierher auch die Simulation, respective künstliche Erzeugung von Mastdarmvorfall, wie sie von +Tillenbaum+ bei galizischen Recruten beobachtet wurde. („Der Militärarzt.“ Nr. 7 und 8; Beilage zu Nr. 16 der Wiener med. Wochenschr. 1878.) Eine ausführliche Zusammenstellung von Mastdarmverletzungen bringt +Mantzel+, Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1893, V, 249. Einen 10 Cm. langen Mastdarmvorfall nach Quetschung der Kreuzbeingegend durch einen Scheunthorflügel hat +Hirschberg+ (Berliner klin. Wochenschr. 1894, Nr. 14) beobachtet.

[327] Als Ursachen der Gangrän des Penis gibt +Fournier+ (Le Semaine méd. 1883, Nr. 50) an: Diabetes (insbesondere Verletzungen bei Diabetikern), Typhus, Malaria, acute Exantheme, Trauma, Paraphimosis, Constrictionen durch Ringe, Ligaturen, Bajonnethülsen etc., Ligaturen des Präputiums (um Bettpissen zu verhindern, in einem Fall, um Befruchtungen zu vermeiden!), Phlegmone, fremde Körper in der Urethra. Ob nach übermässigem Coitus oder Onanie Gangrän entstehen könnte, lässt +Fournier+ unentschieden. Eine seiner Beobachtungen spricht dafür: Ein junger Mann war nach mannigfachen Excessen im Bordell eingeschlafen und wurde während des Schlafes von einem Mädchen intensiv masturbirt. Am anderen Tage Gangrän, die Penis und Scrotum ergriff und am neunten Tage tödtlich endete. +Fournier+ berichtet auch über einen Fall von foudroyanter Gangrän des Penis, für welche gar keine Ursache nachgewiesen werden konnte.

[328] Bezüglich dieser Apparate bemerkt +Martin+ („Ueber Scheiden- und Gebärmuttervorfälle.“ Berliner klin. Wochenschr. 1872, IX, 30), dass schon +Hohl+ die Ansicht zurückwies, dass die Gebärmutter von der Scheide getragen werde. Die eigentlichen Träger der Gebärmutter seien die an Muskelfasern sehr reichen Lig. sacro-uterina und pubo-vesico-uterina. Die Lig. uteri lata und rotunda sind ihrer Lage und Schlaffheit wegen zur Stütze des Uterus in Betreff des Höhestandes nicht geeignet.

[329] Uebrigens zeigen gerade solche Fälle die Dehnbarkeit des Begriffes der „eigenthümlichen Leibesbeschaffenheit“. Da wir nämlich zugeben müssen, dass bei +allen+ Frauen, die bereits geboren haben, eine grössere Disposition zur Acquirirung von Vorfällen besteht, als bei solchen, die noch nicht entbunden haben, eine solche Disposition aber dann eine natürliche Folge physiologischer Vorgänge ist und daher ebenso wie Schwangerschaft und Geburt als ein im Bereiche des Normalen liegender Zustand aufgefasst werden muss, so könnte darüber gestritten werden, ob ein solcher Zustand noch als „eigenthümliche Leibesbeschaffenheit“ im Sinne der Strafprocessordnung genommen werden kann, da das Gesetz höchst wahrscheinlich nur pathologische, nicht aber auch physiologische Zustände dabei im Auge gehabt haben mag, wenn auch viele dieser, wie z. B. das Pubertätsstadium, Wochenbett etc., zweifellos eine grössere Empfindlichkeit gegen gewisse Schädlichkeiten bedingen, als dies ausserhalb derselben der Fall ist.

[330] Auch bei forensischer Beurtheilung von Verletzungen der Genitalien ist die chirurgische Erfahrung im Auge zu behalten, dass nach Operationen an den Geschlechtsorganen, selbst nach geringfügigen, sich häufiger fieberhafte Zustände einstellen, als nach anderen. Es scheint, dass das Auftreten solcher Processe vorzugsweise mit einer acuten Erkrankung der Nieren zusammenhängt (acute Nephritis, Pyelitis), welche wieder der Aufnahme septischer Stoffe von der Wunde aus ihre Entstehung verdankt.

[331] Vide auch +Högyes+, „Ueber den Verlauf der Athembewegungen während der Erstickung“. Arch. f. experim. Path. 1876, und +Stricker+, Vorlesungen über allgemeine und experimentelle Pathologie. 1877, I, 177.

[332] Eine Reihe anderer derartiger Beobachtungen haben wir in der Wiener med. Presse, 1878, Nr. 11-12, zusammengestellt.

[333] Vide E. +Hofmann+, Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XXV, pag. 231; +Eberty+, Ebenda. 1892, III, pag. 175: Samenerguss mit Erection noch 4-6 Stunden nach dem Tode, und +Heel+, Ueber postmortale Ejaculationen. Dissert. Würzb. 1893.

[334] +Kotelevski+, +Hoppe+-+Seyler+ u. A. Vide auch unsere Leichenerscheinungen. Eine Ausnahme macht der Tod durch Luftembolie, wie er namentlich nach Verletzungen der Halsvenen und post partum von den Uterusvenen aus erfolgen kann. Das Blut erscheint dann in den Luftblasen enthaltenden Gefässgebieten, besonders, wie wir erst unlängst bei einer Puerpera sahen, im rechten Herzen hellroth.

[335] Ueber das „Verhalten von Blutergüssen in serösen Höhlen“ hat +Penzoldt+ (Arch. f. klin. Med. XVIII, pag. 642) interessante Versuche angestellt, welche ergaben, dass das in die Pleurahöhle und in den Bauchfellsack ergossene Blut nicht sofort gerinnt, sondern einige Zeit, selbst bis 24 Stunden, flüssig bleibt.

[336] Neuere Untersuchungen über die Ursache des Flüssigbleibens des Blutes bei der Erstickung und anderen Todesarten bringt +Corin+ in der oben (pag. 369) citirten Arbeit.

[337] Experimentalpathologisches über das Lungenödem von +Welch+ und S. +Mayer+ s. Med. Centralbl. 1878, pag. 726. Wie schon +Haller+ angab, hört das rechte Herz später zu schlagen auf als das linke und davon wurde auch die Häufigkeit des Lungenödems am Leichentische hergeleitet. F. +Falk+, Zur Pathogenese des Lungenödems (Virchow’s Archiv. 1883, XCI) scheint sich dieser Anschauung anzuschliessen, indem er zwei Fälle von Herzverletzung (Schuss des linken, Ruptur des rechten Ventrikels) bei jungen, gesunden Männern nebeneinanderstellt, die beide innerhalb ¼ Stunde zum Tode führten und hervorhebt, dass im ersten Falle Lungenödem, im zweiten aber keines gefunden wurde.

[338] Ueber diese Erscheinung vide insbesondere die Arbeit von +Betzold+ und +Gscheidlen+: „Die Locomotion des Blutes durch die glatten Muskelfasern der Gefässe.“ Unters. aus dem Würzburger physiol. Laborat. 1867, II, Heft 347.

[339] Aehnliche Angaben in +Virchow+’s „Sectionstechnik“, 1876, pag. 38. Nach +Strassmann+’s Untersuchungen („Die Todtenstarre am Herzen.“ Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1889, XLI, pag. 300) findet sich auch bei Erstickung, Blausäurevergiftung und mancher anderen gewaltsamen Todesart, selbst bei der Strychninvergiftung unmittelbar nach dem Tode das Herz beiderseits in Diastole, weich und blutgefüllt, ebenso wie bei dem Tode durch primäre Herzlähmung. Durch die Todtenstarre ändert sich aber dieses Verhältniss auch bei primärer Herzlähmung (wenn diese nicht durch parenchymatöse Degeneration veranlasst wurde) wesentlich, indem man dann den linken Ventrikel fest contrahirt und grösstentheils oder ganz seines Inhaltes entleert findet.

[340] Doch können solche wie Suffusionen aussehende Blutungen auch erst bei der Herausnahme der Brustaorta aus den dabei durchtrennten Gefässen, insbesondere den Intercostalarterien, entstehen.

[341] Observat. de suffocatis satura. 1753, und De infantibus in partu suffocatis. 1760; v. +Schwarz+, „Die vorzeitigen Athembewegungen“. 1858, pag. 20.

[342] „Sur le mécanisme de la production des ecchymoses sous-pleurales dans l’asphyxie aigue.“ Arch. de physiol. norm. et path. Januar 1894.

[343] Ueber den Entstehungsmechanismus der Verletzungen des Kehlkopfes und des Zungenbeins beim Erhängen. Wiener med. Blätter. 1882, Nr. 24 und 25.

[344] Beim typischen Erhängen ist der Kopf nach vorn, beim atypischen nach der dem Knoten entgegengesetzten Seite geneigt. In Folge dieses Umstandes ist das Kinn, respective die betreffende Seite des Unterkiefers dem Halse stark genähert, wodurch es geschehen kann, dass diese Theile auf den Rand des Hemdbesatzes oder des Hemdkragens etc. zu liegen kommen und gewissermassen gegen diesen angedrückt werden. Sind letztere steif, so können dadurch furchenartige Eindrücke entstehen, deren Deutung als Drosselmarken nicht unmöglich wäre!

[345] Der Bericht über diese Versuche findet sich in den „Mittheilungen des Vereines der Aerzte von Niederösterreich“ vom März 1876.

[346] Hierher gehören auch die Beobachtungen von +Quincke+ und +Wasylewski+ über mechanische Vagusreizung (Virchow’s Jahrb. pro 1875, II, 88 und pro 1876, I, 234).

[347] Doch müssen wir ausdrücklich bemerken, dass auch in Fällen, wo der sogenannte Knoten der Schlinge unmittelbar hinter dem Ohr lag, an der abgenommenen Leiche der entsprechende Eindruck, respective der Winkel der Strangfurchenenden vor dem Ohre liegen kann, weil, wenn die Leiche abgenommen wird, die zugeschnürt gewesenen Theile wieder in ihre frühere Lage zurückkehren. Man muss sich daher, um die Lage und den Verlauf des Stranges richtig zu verstehen, den Hals zugeschnürt, respective die Theile des Halses in jene Lage zurückgebracht denken, welche sie während der Suspension hatten.

[348] +Casper+ und +Liman+ haben niemals eine sugillirte Strangfurche gesehen, dagegen hat sie +Neyding+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1871, XII, 349) fünfmal beobachtet, und zwar bei unzweifelhaften Selbstmördern.

[349] „Ueber die localen Befunde beim Selbstmord durch Erhängen.“ Vierteljahrschrift f. gerichtl. Med. 1881, XXXV, pag. 201 (mit 2 Tafeln). Auch +Nobiling+ (Aerztl. Intelligenzbl. 1884, Nr. 20) fand bei einem corpulenten Mann, der sich an einer mit Draht umflochtenen Rebschnur erhängt hatte und dabei etwa 15 Cm. hoch gefallen war, die Kopfnicker, die am Zungenbein sich inserirenden und die obersten hinteren Halsmuskeln zur Hälfte durchrissen und suffundirt.

[350] +E. Hofmann+, Ueber postmortale Rupturen des Sternocleidomastoideus. Wiener med. Wochenschr. 1888, Nr. 39.

[351] Literatur vide bei +Simon+: „Ueber die Zerreissung der Intima carotis bei Erhängten.“ Virchow’s Archiv. XI; ferner: +Faber+, Deutsche Zeitschr. f. Staatsarzneikunde.“ 1870, Heft 1. Neuere Beobachtungen dieser Art hat +H. Friedberg+ publicirt und daran werthvolle Bemerkungen geknüpft („Gutachten“, pag. 222; P. Börner’s Deutsche med. Wochenschr. 1876, Nr. 16, 18 und 22, und Virchow’s Archiv. 1878, LXXIV).

[352] „Zur Kenntniss der Befunde am Halse von Erhängten.“ Wiener med. Presse. 1882, Nr. 48 u. ff.

[353] Näheres über die verschiedenen Hängemethoden v. +G. Hammond+: „On the proper method of executing the sentence of death by hanging.“ The New York med. Record. 1882, pag. 426. +A. Calcins+ in den Berichten der gerichtsärztlichen Gesellschaft von New-York. 1882, pag. 254, und +Friedreich+, Handbuch der gerichtsärztlichen Praxis. 1844, II, 1218. Auch den Artikel „Hinrichtung“ in Eulenburg’s Real-Encyclopädie.

[354] Aehnlicher Befunde bei durch den Strang Hingerichteten erwähnt +Taylor+, l. c. II, 40.

[355] Ganz unmöglich ist die Sache nicht. Beweis dessen die sensationelle Affaire +Gouffet+ (Virchow’s Jahresber. 1890, I, pag. 496), der in der Wohnung einer Prostituirten von dieser und ihren hinter einem Vorhang versteckten Geliebten in raffinirter Weise mittelst eines vorbereiteten Apparates aufgehängt wurde. Die Sache ging so schnell, dass, nach Geständniss der Thäter, G. keinen Laut von sich gab und keine Spur von Gegenwehr merken liess. Auch erwähnt +v. Krafft+-+Ebing+ (Friedreich’s Blätter. 1893, pag. 393) einer schwachsinnigen Frau, die sich widerstandslos von ihrem Manne durch Erhängen auf einem Baumast tödten liess.

[356] Literatur über solche Fälle nebst Mittheilung eines Falles von Selbstmord, bei welchem Hände und Füsse gebunden waren und der Strick zwischen den Schenkeln durchgezogen war, findet sich in +Bernt+’s Beiträgen zur gerichtlichen Arzneikunde. IV, pag. 120. +Taylor+ erwähnt eines Mannes, der sich vor dem Erhängen die Füsse mit einem Sacktuch zusammengebunden und ausserdem mit zwei Eisenstücken beschwert hatte.

[357] +F. Strassmann+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. XLVI, 97) gelang es, postmortal einen hyperämischen Hautstreifen zu erzeugen, obgleich die betreffende Hautpartie hypostatisch nicht geröthet war. Trotzdem muss Hypostase bestanden haben, da trotz gewöhnlicher Stranganlegung die Erscheinung nur auf der einen Halbseite zu Stande kam. Bei 12 suspendirten Leichen erzielte +Strassmann+ achtmal Fracturen der Kehlkopfhörner und eine Fractur des Zungenbeines; einmal war die Fractur etwas suffundirt! Aehnliche Resultate erhielt +Patenko+ (l. c.).

[358] Seitdem haben wir aber wiederholt auch bei einem notorischen Selbstmörder einen ähnlichen Verlauf der doppelten Strangfurche beobachtet. Doch betrug die Distanz nur wenige Centimeter. Ferner fanden wir eine doppelte Strangfurche, trotzdem der Betreffende an einem einfachen Strick hing, bei einem Manne, der, wie die Localbesichtigung ergab, zuerst an einem Nagel und weil dieser ausgerissen war, an einem Comptoirgitter sich erhängt hatte. Erwähnung verdient auch hier der von +Orfila+ (l. c. II, 357) notirte Fall, in welchem sich bei einem Erhängten deshalb eine horizontal um den Hals und eine zweite gewöhnlich verlaufende Strangrinne ergab, weil derselbe den Strang von hinten nach vorn um den Hals gelegt, die Enden am Vorderhalse gekreuzt, dann hinter den Ohren nach aufwärts geführt und daran sich suspendirt hatte. Solche Fälle haben wir wiederholt obducirt und ausserdem einen, wo sich zwei circulär und ziemlich parallel um den Hals verlaufende, zwischen Kehlkopf und Zungenbein sich kreuzende, im Nacken einen Querfinger von einander entfernte rinnenförmige Strangfurchen und noch eine dritte, wie beim typischen Erhängen verlaufende, ergaben, weil der Betreffende den Strick sich von vorn um den Hals gelegt, die Enden über den Nacken zurückgeführt, am Vorderhals gekreuzt und dann erst am Nagel befestigt hatte. Derartige Fälle wurden auch von +Freund+, Wiener klin. Wochenschr. 1893, Nr. 7, und +Erhardt+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, 102) beschrieben und abgebildet.

[359] Da bekanntlich in verschiedenen Gewerben verschiedene Methoden der Knoten- und Schlingenbildung üblich sind (Seilerknoten, Matrosenknoten etc.), so wäre es denkbar, dass die Art der Knotenbildung den Thäter verrathen kann. Einen solchen Fall (Artillerieknoten) bringt +Tardieu+ (Schmidt’s Jahrb. 1875, Nr. 2, 179). In unserer Sammlung besitzen wir eine Schlinge, woran sich eine „Seidenknüpferin“ erhängt hatte. Der Knoten daran ist ebenso kunstgerecht geknüpft, wie er sich an den Fransen von Shawltüchern zu finden pflegt.

[360] „Du suicide par strangulation sans suspension.“ Troyes 1851; Schmidt’s Jahrb. 1852, LXXV, 264.

[361] Zur experimentellen Pathologie des zehnten Gehirnnerven. Arch. f. experim. Path. 1883, VII. Siehe auch: +Alpiger+-+Störck+, „Shock nach Kehlkopfexstirpation.“ Langenbeck’s Archiv. 1890, XL, Heft 4, und +Tamassia+, „Sulla irritazione cardiaco-respiratoria di Brown-Séquard.“ 1891.

[362] Bei Neugeborenen können Hämatome unter der Scheide der Kopfnicker durch Torsion des Kopfes bei Selbsthilfe oder durch den Geburtsact als solchen entstehen. Aber auch bei Erwachsenen, die eines plötzlichen natürlichen Todes starben, haben wir sie wiederholt gesehen. Sie können zwar entstehen beim Zusammenstürzen durch zufällige Zerrung, sich aber auch postmortal mit Ruptur von Muskelfasern durch die auf pag. 533 erwähnten Manipulationen bilden.

[363] +Ch. T. Hiecke+, De suspensorum in vitam restitutorum morte subitanea ejusque causa, Jena 1799, hat bereits diese häufige Thatsache besprochen. Angaben über zwei in Wien Justificirte und auf der Anatomie wieder zu sich gekommene Gehenkte finden sich in der von +Lamboy+ aus dem Lateinischen in’s Deutsche übersetzten Abhandlung +Anton de Haen+’s „Ueber die Art des Todes der Ertrunkenen, Erhängten und Erstickten“. Wien 1772, pag. 79.

[364] +Moebius+ (Münchener med. Wochenschr. 1892, Nr. 36 und 1893, Nr. 127) hält die Krämpfe und die Amnesie für hysterische Symptome, die auch bei anderen Selbstmordsformen vorkommen und durch die heftige Gemüthserschütterung veranlasst werden, welcher Anschauung +Wagner+ (ibid. 1893, Nr. 5 und pag. 129) widerspricht. Auch von +Seydel+ (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, pag. 89) wird über Wiederbelebung einer Erhängten berichtet, bei welcher heftige eklamptische Anfälle, kleine und nach erlangtem Bewusstsein vollständige retroactive Amnesie beobachtet wurde.

[365] „Zur Lehre vom Ertrinkungstode.“ Virchow’s Archiv. XLVII.

[366] Leçons sur la Physiol. comparée de la respiration. Paris 1870; ausserdem +Cerardini+, „Della morte da sommersione“. Firenze 1873 und +Bergeron+ und +Montano+, Annal. d’hygiène publ. 1877, pag. 332.