Leben mit einer Göttin

Part 10

Chapter 102,618 wordsPublic domain

– Ich starrte, starrte auf den Fremden. Sein Gesicht hatte einen traurigen, verfallenen Ausdruck. War das wirklich der Mann, der so große Abenteuer in Amerika bestanden hatte? – Jetzt erst merkte ich, wie diese Briefworte, über allem folgenden schwebend, seine Gestalt in mir bestimmt hatten. – Nein, der mächtige Holzfäller aus dem bayrischen Wald, wie ich mir ihn vorgestellt hatte, der braune Riese mit geschulterter Axt war er keineswegs. Vielleicht litt er nicht minder als ich. Von Jorinde gequält wie ich. Und so mußte er mich, mußte ich sie nun quälen ... „Unglückliche, die einander unglücklich machen“ – hatte ich nicht einmal mit Erkenntnisblick der ganzen Menschheit diesen Namen gegeben – und nun wir drei, in ein und demselben dahinsausenden Zugabteil, einer dem anderen zur Pein, – einer die Qual, die er vom nächsten erleidet, auf den dritten übertragend und so im Kreis rundum – oh, wir Menschen! wir unglückseligen!

Und Jorinde schwieg noch immer.

Auch der Bursche war jetzt verstummt, – es fiel ihm wohl nichts mehr ein.

Plötzlich erkannte ich oder argwöhnte, daß Jorinde vielleicht nicht aus Schreck und Reue schwieg, – sondern nur aus Klugheit. Um eben zu verhindern, daß ich dem Gespräch anmerkte, wie es zwischen ihnen stand. – Was hatten sie denn bisher geredet? Nichts Persönliches. Sogar eine Anrede war bisher nicht vorgekommen. Sagten Sie einander „Sie“ oder „Du“? Nicht einmal das hatte ich erfahren. – So redet, redet doch! Es ist doch undenkbar, daß auch diese Probe kein Ergebnis bringt, – daß wir drei, die wir einander so wichtig sind, hier auf engem Raum beieinandersitzen, äußerlich teilnahmslos und doch aufeinander lauernd, – eine Filmsituation geradezu – und daß wir wieder auseinandergehen, ohne daß sich der Knoten gelöst hätte, der uns würgt ...

Bei jedem Laut schrak ich nun zusammen. War es nur ein Stiefelknarren – oder war es ein Wort, das alles verraten konnte? – Ein Wort wie „Liebste“ oder eine Bitte um die nächste Nacht. –

Aber der Handwerksbursche (wie ein Handwerksbursche erschien er mir) schwieg beharrlich. Plötzlich fiel mir ein: Jorinde brauchte doch nur aufzustehen und mir um den Hals zu fallen, in einer großmütigen Aufwallung, die alles verziehe, auch meine Spionage und Rachsucht, – sie brauchte nur aufzustehen und wahrhaftig, der Bann wäre gebrochen! Nur schämen dürfte sie sich nicht. Müßte vor dem Mechaniker alles eingestehen, offen sagen, wer ich bin, nicht aber mich mit erfundenem Namen als „Herr Bühler“ anreden. Nein, keine Klugheit jetzt! Eine große Bewegung der Liebe, der flammenden Leidenschaft, vor der alle Vorurteile zusammenfielen, – das war es, das allein konnte noch retten! Mein Gott und Herr, warum tat sie das nicht, das einzig Richtige in diesem Augenblick! In ihrer Hand lag es, – sie konnte, sie durfte endlich einmal alle Rücksichten beiseite lassen, klar und wahr sich zu mir bekennen, – warum, warum tat sie das nicht?

Sie sah mich nicht an. Ich aber, so schien es mir, drang mit den Blicken in ihr Haar, in ihren Kopf, ich wollte ihr mit all meiner Kraft den Gedanken einflößen, den einzigen Ausweg. Jetzt, jetzt zeige, daß du mich wirklich liebst! Kein Stolz jetzt, – bestehe die Probe ... Doch ich fühlte fast, wie sie mir entwich. Die schwarzen Bäume, die draußen in der Nacht vorbeiflogen, einsame Weiler, dunkle Ebenen, das war ihr Reich. Es war mir einen Augenblick, als könne sie sich auf diese Dörfer und rauschenden Wälder, an denen wir vorbeifuhren, rechtmäßig berufen wie auf etwas, was sie beherrsche, ja was sie geschaffen habe. Ich dagegen, was hatte ich in meiner Zimmerluft hervorgebracht seit je: Geschäftsbriefe, Papier. Und da wagte ich, auf ihre Unterwerfung, Demütigung zu hoffen. Welche Vermessenheit. Und schon glaubte ich um ihre Lippen ein feindliches, ironisches Lächeln zu sehen. – War es möglich? – Auf diesen Lippen, die mich so zart und dann wieder so heißglühend zu küssen gewußt! ... Fremdheit in unserer Beziehung hatte ich ja immer zu ertragen gehabt. Aber diese auf die Spitze getriebene Fremdheit, ihr eiskaltes Lächeln zerriß die letzten Fäden meiner Widerstandskraft.

Mochte der Mechaniker auch unschuldig sein, – nicht wissen, was er angerichtet hatte, – er hatte sich eingedrängt, er hatte gestört! Alles war so schön, so herzenswarm und frei gewesen, ehe er kam. Er, er hatte alles besudelt. Er wußte nichts davon, – aber auch der Raupenfraß, der die Wälder befällt, weiß nicht, was er vernichtet, und dennoch ist er widerlich und muß ausgerottet werden.

„Da ist Göggingen“, sagte der Mechaniker. Es war das erste Wort nach langer Pause, und es durchfuhr mich wie ein Blitz.

Schon verlangsamte der Zug seine Fahrt.

„Wann sehe ich Sie wieder?“ setzte der Mechaniker fort und reichte Jorinde die Hand.

Sie! – Sie!

Aber das bewies ja nichts! – In Gesellschaft – und sei es auch in Gesellschaft Unbeteiligter – sagt ein Liebespaar einander nicht ungern und wie zum Spiele Sie. Und vielleicht hatte Jorinde ihm einen leisen Wink gegeben, ein Zeichen mit den Augenwimpern nur, während ich, von ihnen abgewendet, den Funken nachgesehen hatte. – Ja, es gab eigentlich nichts, was im _günstigen_ Sinn beweisen konnte. Alle guten Umstände waren wegdeutbar. Ein einziges „Du“ aber, ein Kuß, eine Umarmung, – das allerdings wäre nicht mehr wegdeutbar gewesen. Ein einziger ungünstiger Umstand war vollgültiger Beweis ...

Und nun – der Zug fuhr schon ganz langsam in die Station ein – nun mußte es ja zum Abschied kommen, – nun stieg offenbar der Mechaniker aus und Jorinde fuhr nach Augsburg weiter, nun drohte die Enthüllung, nun faßte mich innerliche Bangigkeit vor ihr, nun hätte ich sie gern verhindert, – nun konnte eine einzige unbeherrschte Bewegung der beiden – oder des Burschen allein – mein Unglück besiegeln.

Und das war jener äußerste Grad von Spannung, den ich nicht mehr ertrug, – der deutlich über das Maß hinausging, dem ich gewachsen war.

Als der Mechaniker die Tür öffnete und durch Lächeln und eine Geste Jorinde, die wie erstarrt in der Fensterecke sitzengeblieben war, einzuladen schien, – ihm zu folgen oder ihm sonst irgendwie nahe zu sein –, da war mir, als stelle sich der Eisenbahnwagen auf die Spitze, rolle seine Räder oben in der leeren Luft, – meine Augen verdunkelten sich, und nur, um ein Ende zu machen, um nichts mehr zu hören und zu sehen, fiel ich den Nichtsahnenden an. – Ich tat mit ihm, wie es die Anklageschrift des näheren beschreibt.

Von allem, was folgte, sehe ich nur eines noch vor mir: die Menge stürzt sich auf mich – im kleinen Bahnhof tobt’s – alles steigt aus, drängt gegen mich los – Jorinde aber deckt mich mit ihrem Leib. Noch einmal fühle ich ihre Umarmung. Sie reißt mich mit sich, bis sie mich endlich den schützenden Beamten übergibt ...

Daß sie nun doch also ganz auf meiner Seite stand, – ach, auch dafür gibt es natürlich eine Menge einander widersprechender Erklärungen.

Ich will nicht mehr darüber nachdenken, ich will Jorinde nicht mehr sehen.

Sie könnte mir nichts sagen. – Es würde mich nicht überraschen, wenn sie mir bewiese, daß sie völlig schuldlos und daß der Mechaniker ihr wirklich gänzlich gleichgültig war, – wie es ja auch Ihre Ansicht, Herr Verteidiger, und die Ansicht der ganzen Welt ist. Beweisen läßt sich alles. Und ebenso läßt sich auch jede Ansicht der ganzen Welt als deren Ansicht in den Mund legen. – Nein, nichts mehr mit Jorinde reden. Vielleicht liebt sie mich wirklich. Nur, daß es sich nicht beweisen läßt ...

Es ist alles Sache des Vertrauens; – und mein Vertrauen ist erkrankt. Es reicht nicht hin für die schweren Aufgaben, die man ihm stellt ...

Es würde mich auch nicht überraschen, zu erfahren, daß Jorinde zu ihrem Vater geflüchtet ist, der Bühne entsagt hat, – entsetzt von ihren Erfahrungen in der Welt, in der man sich nicht zu zügeln weiß, – daß sie in die strenge Zucht ihrer braunen altbayrischen holzgetäfelten Zimmer zurückgekehrt ist, aus denen sich ja ihre Seele oder die eine Hälfte ihrer Seele nie ganz entfernt hat. Und es würde mich nicht überraschen, daß sie mich trotzdem weiterhin und vielleicht nun erst recht liebt. – All das ist möglich. Nur ich, mit meinem erkrankten Vertrauen, – ich bin das Unmögliche dabei.

Da fällt mir eben ein, daß Jorinde mehr als einmal gesagt hat: „Ohne dich bin ich nichts. Wenn du stirbst, mußt du mich mitnehmen.“ – Ja, das wäre vielleicht ein Beweis? – Nein, auch das nicht. –

Ich bin zu Ende.

Bitte, keine Fragen mehr. Ich war ausführlich genug. Lassen Sie den „störrischen Kerl“ (so haben Sie mich ja tituliert), lassen Sie ihn doch um Gottes willen am Ende aller Ende in Ruhe.

Daß ich mit niemand mehr sprechen will, – auch mit Ihnen nicht, Herr Verteidiger, – davon bin ich bei diesen Aufzeichnungen ausgegangen. Lassen Sie meine Mühe nicht verschwendet sein!

Beim nochmaligen Lesen bemerke ich übrigens mit Genugtuung, daß meine Schrift nichts Entlastendes im Sinne der üblichen Gerichtsmoral enthält. Das Gegenteil hätte auch meiner Absicht durchaus widersprochen. Ich bestätige vielmehr nochmals und mit allem Nachdruck: ich bin schuldig – die Tat ist bei vollkommen klarem Bewußtsein geschehen – ich fühle mich schuldig. Und wenn auch nicht im Sinne der Justiz schuldig: noch viel weniger bin ich unschuldig vor mir selbst als schuldig in irgendeinem beliebigen, noch so albernen Sinn.

Ich werde Ihnen vor Gericht in die Rede fallen, wenn Sie die Tatsachen, die ich Ihnen nun wahrheitsgetreu vorgelegt habe, plädoyermäßig zu verdrehen suchen sollten. Aber ich bitte Sie, Herr Verteidiger, tun Sie das nicht. Geben Sie mir ein gutes Wort, wenn es möglich ist, – ein rechtfertigendes vermeiden Sie. Und gönnen Sie mir, der den einzigen Frieden verloren hat, den es gibt (ich habe gesagt, welches dieser Frieden ist), – mir, der den Selbstmord auf eigene Faust rechtzeitig auszuführen verabsäumt hat, – gönnen Sie mir, ich bitte darum, den Selbstmord unter staatlicher Assistenz.

Denn eigentlich bin ich ja schon längst tot – und das Papier, auf dem ich schreibe, knistert wie die Weidenbäume am Bach, wenn die Gespenster nachts aus dem Wasser steigen.

Mit allen Krankheiten im Leibe kann man leben. Nur mit erkranktem Vertrauen nicht. – Das ist die einzige Krankheit, die absolut tödlich wirkt, und zwar sofort, im ersten Augenblick, in dem sie den Menschen befällt. Manche Menschen leben nachher allerdings noch ein gespenstisches Nachspiel – wie zum Beispiel ich. Aber das ist nichts Wesentliches mehr. Geheilt wird diese Krankheit niemals. Wenn die Uhrfeder überdreht und gesprungen ist, dann kann noch so gelindes Aufziehen die Uhr nicht wieder in Gang bringen.

Und warum ist mein Vertrauen erkrankt? – Abgesehen davon, daß es Antworten auf Fragen dieser Art nicht gibt, glaube ich manchmal zu fühlen, daß ich an einer lasterhaften Ausschweifung gestorben bin: an einer besonders stark angespannten und strenge Anforderungen stellenden Liebe. An der Liebe zur Fremdheit und daher Göttlichkeit einer Frau. An der Liebe, bei der Vernunft und alle anderen Hilfen und Sicherheitsmittel versagen müssen, weil Vertrauen, – Vertrauen zur Natur das einzige ist, was verlangt wird. In dieser furchtbaren Anspannung hält das Vertrauen eben aus – oder es erkrankt. Meines ist erkrankt. Wie es Menschen gibt, die der Weinrausch zugrunde richtet, so war mein Genuß – der Genuß der Fremdheit – ein tödlicher Genuß. Dennoch ist er das einzige in der Welt, auch heute noch, was mir eines Wunsches, eines Gefühls wert erscheint. Wie dem Trinker die Flasche, die ihn vergiftet. – Nur haben die Trinker doch alle, wie ich glaube, ein schlechtes Gewissen. Es ist etwas so Schmutziges im Schnaps. Die Trinker spüren denn auch, daß sie auf dem falschen Wege sind. Ich aber – ich habe mich eigentlich, ehrlich gesprochen, auf dem guten Wege gefühlt. Haben auch meine Kräfte nicht ausgereicht, – der Weg war gut, der Weg ins Ferne, ins Fremde hin, – und auch das Fremde lieben, nichts so heiß wie das Fernste und Fremdeste und das Geheimnis des Nebenan. Ob das nicht der wahrhaftige Weg der Menschenliebe ist, – nicht derjenigen, die in den Schulbüchern steht, – nein, der brennenden, die mit sehnsüchtiger Kraft sich selbst nicht aufgibt und doch auch den anderen erfassen, umfangen will, weil alles Leben, das eigene wie das fremde, ihr wunderbar groß und leuchtend erscheint. O Jorinde, Jorinde! Wie hat mir gebangt um dich, weil ich dich immer nur außerhalb meiner gefühlt habe, – und selbst im heißesten Augenblick: „Bist du jetzt mein?“ „Ja.“ „Ganz mein“, in diesem heiligen Augenblick deines Ja-Hauches warst du mir noch durch Länder und Meere und Jahrtausende entrückt. Und dennoch flog meine Seele immer wieder gegen dieses dicke Glas zwischen uns und wollte nicht ablassen, dich zu gewinnen, nicht ablassen, sich selbst hinzugeben für dich, – und wenn es jetzt auch nur auf eine ziemlich entehrende Art geschieht: genug, es geschieht, es geschieht! Totenhochzeit wird es geben. Wenn der Henker mich packt, so will ich dein sein, – du wirst es nicht wissen, nicht ahnen, und doch will ich dann, dann erst dein sein wie noch nie. Und die großen Augenblicke meiner tödlich berauschenden Liebe ziehen noch einmal auf: ich warte an der Ecke der Frohsinnstraße – oder ich nähere mich im Eilzug dem Bahnhof Augsburg, in dem du mich erwartest, und ich sehe die Bahnhofskuppel und kann es nicht fassen, daß dieses Bauwerk dich enthalten soll, dich, Jorinde, mein Leben dich – dieses glanzlos gemeine Eisenrippenwerk, dem man von außen gar nichts ansieht, so wenig wie allen anderen Bahnhofskuppeln der Welt ... Und noch eines, Jorinde: jener Abend am Wannsee, jenes einzige Dankgebet an Gott, das ich in meinem ganzen Leben gebetet habe. Es war kurz, aber aufrichtig, dieses Dankgebet. Nachts auf der Landungsbrücke stand ich allein, – du tanztest im Restaurant drinnen, mit fremden Menschen – ich konnte dich sehen, durch die hell beleuchteten Scheiben sah ich das Schattenbild deiner Gestalt kommen und vorbeischweben. Der Himmel war schwarz, ein Gewitter zog auf. Es regnete nicht; doch wie ich nun niederkniete zum Gebet, war das Holz der Brücke naß, von einem früheren Regen vielleicht. Ich kniete nieder und dankte Gott für dich. In der Fülle meines Glücks war ich ins Freie gestürzt. Du warst so lieb zu mir gewesen, Jorinde, und wenn du nun auch mit einem anderen tanztest – nein, falsch, gerade daß du mit einem anderen tanztest, das war das süße Fremde an dir, und dennoch warst du ja mein, das fühlte ich ganz genau. Gott dankte ich, daß er mir nach all den Fehlschlägen meines Lebens endlich das gegeben, was ich brauchte. Ich dankte ihm für das fremdartige Leben dort drinnen in der leuchtenden Tanzhalle, – für dein Leben, Jorinde, das mich so beglückte gerade dadurch, daß es _unabhängig_ von mir war, unverständlich im tiefsten Grunde, mir fern und dennoch mein. Dieser Kuß aus dunkelster Fremdheit hervor ist das Beste, was das Leben, was Gott zu geben hat, – denn dieser Kuß ist glaubhaft wahr; er kann, weil er so tief aus Fremdartigem hervorkommt, nicht anders sein als echt, kann nicht Einbildung, nicht Illusion sein! Da fühlte ich, wie Liebe mich überschwemmt, – fühlte, daß es Liebe in der Welt gibt, in Wirklichkeit, nicht bloß in meiner Phantasie, – ich fühlte diese Liebe mich heiß überrieseln, von außen her kam sie, nicht in mir war die Quelle. Die Liebe ist da, ist da, – auch wenn ich nicht da wäre, wäre die Liebe da! O jubelnde Erkenntnis! Und daß ich nun doch auch noch das unverdiente Glück hatte, da zu sein, neben dir, Jorinde, dafür dankte ich Gott in jener Minute. Ich mußte es tun, mußte niederknien, von niemand gesehen, – ganz kurz nur kniete ich, denn sowie ich den nassen Boden merkte, erhob ich mich wieder. – Sah dann noch lange das dunkle Wasser, den Himmel, die erleuchteten Fenster, den einzigen Menschenfleck im riesigen schwarzen Nichts der Nacht – und fühlte die Wärme hinter diesen Fenstern, fühlte dich, mein fernes und dennoch mein Glück! Und so danke ich dir denn, Jorinde, – denn deinetwegen ist es mir ja möglich gewesen, wenigstens einmal, minutenlang, mit voller Redlichkeit, Gott zu danken für mein qualvoll-süßes Leben in dieser fremden Welt. Ich danke dir, Jorinde, und nichts mehr tut mir weh. Ich habe das gehabt, was ein Mensch sich nur wünschen kann: meinen Rausch, meine Trunkenheit. Nun laßt mich versinken, laßt mich vorbei. Die Göttin, mit der ich gelebt habe, geleitet mich in den Tod. Keine Ablenkung mehr! Laßt mich allein.

Ende

Anmerkungen zur Transkription

Die ursprüngliche Schreibweise des Originals wurde weitgehend beibehalten. Nur einige wenige offensichtliche Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert.