Kulturgeschichte der Nutztiere
Part 28
Erst Mithridates VI., der Große, König von Pontos, der 120 seinem Vater folgte und im Jahre 88 ganz Kleinasien eroberte, wo er alle Römer, 80000 an der Zahl, ermorden ließ, dann in drei langen Kriegen mit zäher Ausdauer gegen das immer mächtiger werdende Rom ankämpfte, um schließlich doch zu unterliegen, hat wieder Elefanten, die er sich aus Indien kommen ließ, gegen die Römer geführt. In der Folge kamen nicht selten diese Tiere, teilweise als Kriegsbeute, nach der Stadt Rom, wo sie zur Belustigung des Volkes im Zirkus auftreten und gegen allerlei Gegner kämpfen mußten. Im Bürgerkriege zwischen Julius Cäsar und seinen Mitbewerbern spielten sie dann ebenfalls eine Rolle. So schreibt Cäsar selbst in seiner Schilderung des Krieges in der Provinz Afrika, dem heutigen Tunis, daß, als er nach Besiegung des Pompejus bei Pharsalos im Jahre 48 den Krieg in Afrika gegen die Pompejaner unter Scipio fortsetzte, dieser bei seinem Heere außer seinen eignen (etwa 60) 30 zweifellos afrikanische Elefanten hatte, die ihm König Juba nebst einer größeren Truppenmacht zur Verfügung gestellt hatte. Jeder dieser Elefanten habe, wenn es zum Kampfe ging, einen Turm getragen. Diese Elefanten seien aber noch nicht eingeübt gewesen; deshalb suchte Scipio sie noch besser einzuüben, indem er sie in Schlachtreihe aufstellen und von seinen eigenen Leuten mit Steinen bombardieren ließ. Nahmen sie daraufhin Reißaus, so standen hinter ihnen ebenfalls Leute, die sie mit noch größeren Steinen traktierten. Er bemerkt, daß dieser Versuch zur Abrichtung keinen großen Wert gehabt habe, indem sie sich in der Schlacht dann doch nicht bewährten. Überhaupt bedürfe der Elefant für den Krieg einer Dressur von vielen Jahren und bleibe auch dann noch seiner Armee gefährlich. Als dann Cäsar merkte, daß sich seine Leute vor den Elefanten fürchteten, ließ er sogleich Elefanten aus Italien kommen, „damit sich die Leute und Pferde an solche große Bestien gewöhnen könnten. Er ließ diesen auch ihre volle Rüstung anlegen, zeigte die Stellen, wo ihnen mit Waffen beizukommen war, und ließ mit Speeren, an deren Spitze ein Ball steckte, nach ihnen werfen. -- In der Entscheidungsschlacht bei Thapsus (46 v. Chr.) wurden Scipios Elefanten durch Pfeile und geschleuderte Steine schnell zum Weichen gebracht, stürzten sich auf ihre eigenen Leute, traten sie nieder und flüchteten ins Lager. Bei dieser Gelegenheit zeigte ein Veteran der fünften Legion großartigen Mut. Ein verwundeter Elefant hatte in seiner Wut einen waffenlosen Markedenter angefallen, niedergeworfen, zertreten und machte dabei mit drohend gehobenem Rüssel ein gellendes Geschrei. Der Veteran wollte dem unglückseligen Markedenter zu Hilfe eilen; aber der Elefant ließ von der Leiche ab, packte den neuen Feind mit dem Rüssel und hob ihn hoch in die Luft. Dieser hieb und schnitt aber mit seinem Schwerte so kräftig auf den Rüssel los, daß ihn der Elefant, der den Schmerz nicht ertragen konnte, fallen ließ und die Flucht ergriff. -- Die Zahl der Elefanten, die Cäsar bei Thapsus erbeutete, betrug 86.“
In seiner Naturgeschichte berichtet Plinius: „Schon in den Gefechten gegen Pyrrhos brachte man in Erfahrung, daß man den Rüssel der Elefanten leicht abhauen kann. Fenestella erzählt, daß die ersten Elefanten in der Rennbahn zu Rom im Jahre 655 der Stadt (98 v. Chr.), als Claudius Pulcher Ädil war, gekämpft haben; 20 Jahre später, als Lucius und Marcus Lucullus Ädilen waren, kämpften sie gegen Stiere. Während des zweiten Konsulats des Pompejus (55 v. Chr.) kämpften 20 Elefanten zur Einweihung des Venustempels gegen Gätuler (Nomadenvolk in Nordafrika), die mit Wurfspeeren bewaffnet waren. Einer der Elefanten zeichnete sich dabei vorzüglich durch Tapferkeit aus: seine Beine waren durchbohrt, da kroch er auf den Knien gegen die feindlichen Massen, riß ihnen die Schilde weg und warf sie hoch in die Luft. Ein anderer dagegen wurde durch einen einzigen Wurf getötet, indem der Speer durchs Auge ins Gehirn drang. Obgleich der Platz mit eisernen Gittern umgeben war, so versetzten sie doch das Volk in große Angst, indem sie mit Macht durchzubrechen versuchten. Deshalb umgab auch späterhin der Diktator Cäsar, als er ein ähnliches Schauspiel geben wollte, den Platz mit Wassergräben. Die erwähnten Elefanten des Pompejus verloren endlich die Hoffnung, entrinnen zu können, und suchten nun in einer Stellung, die sich nicht begreifen läßt, jammernd und weinend das Mitleid des Volkes zu erregen. Das Volk wurde durch den Ausdruck ihrer Verzweiflung so gerührt, daß alle einmütig sich jammernd erhoben und, ohne darauf zu achten, daß Pompejus ihnen zu Ehren das prachtvolle Schauspiel gegeben hatte, ihn mit Verwünschungen überhäuften, deren Folgen auch bald genug eintraten. (Es ist dies eine Anspielung auf seine Niederlage in Pharsalos am 9. August 48 und seine Ermordung am 29. September desselben Jahres in Ägypten.)
Späterhin ließ der Diktator Cäsar 20 Elefanten gegen 500 Fußgänger kämpfen, und ein anderes Mal ebensoviel, auf denen Türme standen, aus denen zusammen 60 Kämpfer gegen 500 Fußgänger und ebensoviel Reiter fochten. Unter den Kaisern Claudius und Nero mußten die Fechter ihr Meisterstück zeigen, indem sie einzeln gegen Elefanten kämpften. Dieses mutige Tier ist andererseits aber auch sehr gutmütig gegen schwächere und schiebt, z. B. in einer Viehherde, was ihm begegnet, mit dem Rüssel zur Seite, um es nicht unversehens zu zertreten. Schaden tut der Elefant nur, wenn er gereizt wird. In der Wildnis gehen sie herdenweise, nie gern allein. Werden sie von Reitern umringt, so nehmen sie die Schwachen, Matten oder Verwundeten in die Mitte und fechten, als ob es nach bestimmten Kriegsregeln geschähe. Sind sie gefangen, so werden sie durch Gerstensaft leicht gezähmt.
In Indien werden die Elefanten gefangen, indem man auf einem gezähmten ausreitet und von diesem einen einzelnen oder von der Herde weggetriebenen wilden schlagen läßt; ist dieser davon ermattet, so steigt man auf ihn und lenkt ihn ebenso wie den zahmen. In Afrika fängt man sie in Gruben; doch wenn einer hineinfällt, so kommen gleich die andern zu Hilfe, werfen Äste und Erdmassen hinein und suchen ihn, wenn möglich, herauszuziehen. Früherhin fing man sie, um sie als Haustiere zu benutzen, indem man die Herden in eigens dazu bereitete Schluchten ohne Ausgang trieb und sie dort durch Hunger bändigte. Nahmen sie einen hingehaltenen Zweig an, so war das ein Zeichen ihrer Unterwürfigkeit. Jetzt erlegt man sie der Zähne wegen und zielt nach ihren Füßen, weil diese leicht verwundbar sind. Die Troglodyten (Höhlenbewohner), welche neben den Negern wohnen, leben nur von dieser Jagd. Sie besteigen am Wege der Elefanten stehende Bäume, passen dem letzten von der Herde auf, fassen mit der Linken den Schwanz, schlingen die Beine um den linken Schenkel und, indem sie so hängen, zerhauen sie dem Tiere die eine Kniekehle mit einem scharfen Beile, springen herab und zerhauen ihm mit der größten Geschwindigkeit auch noch die andere. Manche bedienen sich eines weniger gefährlichen, aber nicht so gewissen Mittels: In einiger Entfernung halten kraftvolle Jünglinge einen ungeheuren Bogen, andere spannen ihn mit großer Anstrengung an, schießen dann damit ihre Speere auf die vorübergehenden ab und folgen dann der blutigen Spur. Die weiblichen Elefanten sind viel feiger als die männlichen. Manchmal werden sie rasend, und man bändigt sie dann durch Hunger und Prügel, wobei man sie durch andere Elefanten fesseln läßt. In Indien hält man ganze Herden davon, wie bei uns die Kuhherden. Gezähmte Elefanten werden zum Kriege verwendet, tragen mit Soldaten besetzte Türme und entscheiden im Morgenlande meistens die Schlachten. Sie werfen Schlachtreihen nieder und zerstampfen die Bewaffneten. Sind sie verwundet oder in Furcht versetzt, so weichen sie immer zurück und fügen ihrer eigenen Partei oft ebensoviel Schaden zu als dem Feinde. Das geringste Grunzen oder Quieksen eines Schweins kann sie erschrecken. Die afrikanischen Elefanten fürchten sich vor den indischen, letztere sind auch größer.“ Dies mag für die nordafrikanischen richtig sein, nicht aber für die südlich der Sahara lebenden. Tatsächlich war die Elefantenrasse der Mittelmeerländer kleiner als selbst die indischen Elefanten sind, und gab es einst auf den Inseln des Mittelmeers, z. B. auf Malta, eine eigentliche Zwergrasse, von der mehrfach Skelettknochen ausgegraben wurden.
Unzählige falsche und wahre Angaben durcheinander erzählt Plinius in seiner Naturgeschichte über den Elefanten. So sagt er, daß er 200-300 Jahre leben könne, im 60. Jahre aber am kräftigsten sei; daß die Elefanten gern an Flüssen leben, obschon sie nicht schwimmen können; daß sie am liebsten Baumfrüchte, besonders solche von Palmen, aber auch Erde und selbst Steine fräßen. „Sie kauen mit dem Munde, atmen, trinken und riechen aber mit dem Rüssel. Kein Tier scheuen sie so sehr als die Maus, lassen auch das Futter liegen, das von einer solchen berührt wurde. Große Not haben sie, wenn ihnen beim Saufen ein Blutegel in den Rüssel kommt; dieser saugt sich hier fest und bewirkt unerträgliche Schmerzen. Am Rücken ist ihre Haut am härtesten, am Bauche dagegen weich. Sie haben keine Haarbedeckung und können nicht einmal mit dem Schwanze die Fliegen abwehren, von denen sie trotz ihrer gewaltigen Größe geplagt werden. Ihr Geruch zieht die Fliegen an. Ihre Haut hat tiefe Runzeln; die Fliegen setzen sich in die Vertiefungen. Aber plötzlich zieht sich die Haut zusammen und erdrückt die lästigen Gäste. Das Elfenbein hat einen großen Wert und wird besonders für Bildsäulen der Götter gesucht. Auch der Rüssel gewährt Leckermäulern eine angenehme Speise, vielleicht nur deswegen, weil sie sich einbilden, Elfenbein zu schmausen. Polybius berichtet, auf die Aussage des Königs Gulussa gestützt, daß man im äußersten Afrika die Elefantenzähne in Wohnungen als Pfosten benutzt und sie bei Umzäumungen statt der Pfähle einsetzt.“
In Indien seien die größten Elefanten, die mit ungeheuer großen Drachen in Feindschaft leben. Ihr kaltes Blut locke bei der Hitze die Drachen an, die sich im Wasser des Flusses, an welchem der Elefant zur Tränke komme, verbergen und ihm auflauern. Sobald er zu trinken beginne, stürzen sie sich auf ihn, umschlingen seinen Rüssel und beißen ihn ins Ohr, weil dieser Teil allein mit dem Rüssel nicht verteidigt werden kann. Die Drachen sind so groß, daß sie den ganzen Elefanten aussaugen können; dieser stürzt dann, alles Blutes beraubt, zu Boden und erdrückt im Fallen den betrunkenen Feind. „Der Elefant ist das größte und an Klugheit dem Menschen zunächststehende Tier. Er versteht die Landessprache, gehorcht den Befehlen, ist seiner Pflichten eingedenk, sucht sich Liebe und Ruhm zu erwerben, ja, was selbst bei Menschen selten vorkommt, er ist brav, vorsichtig, gerecht und verehrt die Sterne, die Sonne und den Mond. Man erzählt, daß in Mauretanien (Marokko) ganze Herden von Elefanten beim Erscheinen des Neumonds in den Fluß hinabsteigen, sich dort feierlich reinigen, den Mond begrüßen und dann wieder in die Wälder zurückkehren, indem sie die ermatteten Jungen vor sich hertragen. Auch die religiösen Gebräuche der Menschen scheinen sie zu kennen; denn sie besteigen kein Schiff, bis ihnen der Kapitän durch einen Eid die Rückkehr zugesichert hat. Man hat kranke Elefanten gesehen, die sich auf den Rücken legten und Gras gen Himmel warfen, als ob sie ihr Gebet durch die Fürsprache der Erde unterstützen wollten. Sie lernen übrigens ihre Knie vor Königen beugen und Kränze darreichen. In Indien braucht man die Kleinen zum Ackern. In Rom wurden sie zum erstenmal vor den Wagen gespannt, als Pompejus der Große über Afrika triumphierte. Bei den Fechterspielen des Germanicus machten sie einige tölpelhafte Bewegungen, als ob sie tanzten. Sie lernten nun häufig Waffen in die Luft werfen, gleich Fechtern miteinander kämpfen, Tänze ausführen und endlich sogar auf Seilen gehen, wobei oft vier einen fünften in der Sänfte trugen. Auch sah man sie sich in Speisesälen, die voller Gäste waren, zu Tische legen, ohne einen Menschen zu berühren.
Es ist eine ausgemachte Sache, daß ein Elefant, der die Sache nicht recht begreifen konnte und öfters Prügel bekam, des Nachts seine Künste eingeübt hat. Es ist schon bewundernswert, daß die Elefanten aufwärts auf Seilen gehen lernen, aber daß sie auch abwärts gehen, ist noch merkwürdiger. Mutianus, der dreimal Konsul war, erzählt, daß ein solcher sogar griechische Buchstaben gelernt und folgende Worte geschrieben habe: ‚Ich selbst habe dies geschrieben und erbeutete keltische Waffen geweiht‘; auch habe er selbst gesehen, daß diejenigen, welche zu Puteoli ausgeschifft wurden, rückwärts ans Land gingen, um sich über die Länge der Brücke zu täuschen, die vom Lande zum Schiffe führte und der sie nicht recht trauten.
Sie wissen recht gut, daß man ihnen der Stoßzähne wegen nachstellt, daher vergraben sie die, welche durch Zufall oder im Alter ausfallen. (Die Tatsache, daß bisweilen fossile Elefantenstoßzähne im Boden gefunden werden, wird Plinius zu dieser Annahme geführt haben.) Jene Zähne allein geben das Elfenbein; aber soweit sie im Fleische verborgen stecken, sind sie nicht besser als Knochen (d. h. innen hohl und nicht massiv wie vorn). Um ihre Stoßzähne sind sie sehr besorgt; die Spitze des einen schonen sie, um ihn als Waffe benutzen zu können, den andern brauchen sie, um Wurzeln aus dem Boden zu wühlen, Mauern einzustoßen und dergleichen mehr. Werden sie von Jägern umringt, so stellen sie diejenigen in die erste Schlachtreihe, welche die kleinsten Zähne haben, damit man glauben soll, die Beute sei nicht der Mühe wert; ermatten sie im Kampfe, so zerstoßen sie die Zähne an Bäumen und lassen sie gleichsam als Lösegeld zurück.
Es ist wunderbar, daß die meisten Tiere wissen, weshalb man ihnen nachstellt und wovor sie sich zu hüten haben. Begegnet ein Elefant in der Einsamkeit einem harmlos herumwandelnden Menschen, so soll er ihm freundlich und gefällig den Weg zeigen; bemerkt er aber den Fußtritt eines Menschen eher als den Menschen selbst, so bleibt er stehen, wittert, blickt umher, schnaubt vor Wut, zertritt aber die Fußspur nicht, sondern hebt sie aus, gibt sie dem nächsten, dieser wieder dem nächsten usw., worauf die Herde eine Schwenkung vollführt und in Schlachtordnung aufmarschiert.
Stets gehen die Elefanten herdenweise, und zwar geht der älteste voran, während der dem Alter nach folgende den Nachtrab bildet. Wollen sie durch einen Fluß setzen, so schicken sie die kleinsten voran, weil die Großen durch ihre Schwere das Flußbett vertiefen würden. Als König Antiochus einen Fluß durchschreiten wollte, weigerte sich der Elefant, der bis dahin den Zug geführt hatte und Ajax hieß, voranzugehen. Da wurde bekanntgemacht, derjenige solle künftig der Anführer sein, der zuerst hinüberginge; und siehe da, der Elefant Patroklus schritt hindurch, und ward deshalb mit silbernem Kopfschmuck, den sie sehr lieben, geziert und zum Anführer gewählt. Der frühere Anführer aber wollte seine Schande nicht überleben und hungerte sich zu Tode. Überhaupt wissen sie sehr gut, was rühmlich und was schimpflich ist. Kämpfen sie gegeneinander, so reicht der Besiegte dem Sieger Erde und Gras dar (wie dies bei den Menschen des Altertums Sitte war, wodurch sich der Betreffende für überwunden erklärte) und flieht dann schon vor dessen Stimme.
Die Elefanten leben in treuer Ehe und man findet also bei ihnen die verderblichen Wettkämpfe nicht, welche andere Tiere um die Weibchen vollführen. Sie haben bisweilen eine große Zuneigung zu bestimmten Menschen, wie denn z. B. einer in Ägypten eine Blumenhändlerin geliebt haben soll. Ein anderer liebte den Jüngling Menander im Heere des Ptolemäus und fastete aus Sehnsucht, so oft der Jüngling abwesend war. Juba erzählt auch von einer Salbenhändlerin, die von einem Elefanten geliebt wurde. Alle zeigten ihre Liebe durch unbeholfene Liebkosungen, freuten sich beim Wiedersehen und bewahrten Geschenke, welche sie bekamen, auf, um sie ihrem Lieblinge darzubringen.
Daß sie Gedächtnis haben, zeigte sich deutlich in einem Falle, wo ein Elefant seinen Führer, den er seit langen Jahren nicht gesehen, sogleich wieder erkannte. Daß sie wissen, was Unrecht ist, zeigte sich dagegen in folgendem Falle: Als König Bokchus 30 Menschen hatte an Pfähle binden lassen und ihnen 30 Elefanten gegenübergestellt hatte, welche sie zerfleischen sollten, so konnten die Elefanten doch nicht dazu gebracht werden, dem Tyrannen den Willen zu tun, obschon sie von zwischen den Pfählen aufgestellten Leuten gereizt wurden.“
Schon zu Ende der Republik sah man nicht selten Elefanten bei Prunkzügen einhermarschieren, um dem Volk zu imponieren und ihm eine interessante Augenweide zu bereiten. So berichtet der römische Geschichtschreiber Suetonius: „Als Julius Cäsar über Gallien triumphierte (im Jahre 51), stieg er beim Schein der Fackeln aufs Kapitol, indem 40 Elefanten, zu seiner Linken und Rechten verteilt, die Leuchter trugen.“ Das war damals ein ganz ungewohntes Schauspiel, mit dem Cäsar jedenfalls großes Aufsehen erregte, worauf es ihm ja ankam. Auch später wurde der Elefant gelegentlich von römischen Kaisern und Triumphatoren bei ihrem feierlichen Einzuge in Rom und als Auszeichnung auch sonst zum Ziehen von Prunkwagen verwendet. So eröffneten nach Flavius Vopiscus beim Triumph des Kaisers Aurelianus über Zenobia, die Herrscherin von Palmyra, im Jahre 274 n. Chr. 20 Elefanten den Zug. Als Mesitheus, der Feldherr Kaiser Gordians III. (238-244), im Jahre 242 einen glänzenden Sieg über die mächtigen Perser erfochten hatte, erkannte der Senat in Rom dem Gordian Elefantenviergespanne zu, womit er triumphieren könne, und dem Mesitheus ein Pferdeviergespann. Das war damals eine besondere Ehrung. Der Geschichtschreiber Julius Capitolinus, der uns dies berichtet, fügt dem bei, es habe damals in Rom 32 Elefanten gegeben, die ständig bei feierlichen Aufzügen zu sehen waren. Hatte doch schon Kaiser Heliogabalus (218-222) nach seinem Biographen Älius Lampridius vier Wagen, an deren jeden er vier Elefanten spannte. So sei er auf dem Vatikan herumgefahren und habe zuvor zu diesem Zwecke den Platz erst ebnen lassen.
Im Zirkus wurden öfter Elefanten gezeigt, die mit anderen Tieren kämpfen oder allerlei Kunststücke, die sie gelernt hatten, vorführen mußten. So mußte der Elefant sich besonders mit dem Nashorn messen und sich, wenn möglich, von ihm den Bauch aufschlitzen lassen. Seneca, der Lehrer Neros, schreibt in einer seiner philosophischen Schriften: „Lucius Sulla ließ zuerst im Zirkus Löwen kämpfen, die nicht angebunden waren, Pompejus 18 Elephanten; Metellus führte, als er die Karthager in Sizilien besiegt hatte, im Triumphe 120 gefangene Elefanten auf.“ Gelegentlich ließ sich selbst ein Kaiser herab, um einen dieser Riesen vor allem Volke zu fällen. So schreibt Älius Lampridius in seiner Biographie des Commodus, des Sohnes Marc Aurels und der Faustina, der jenem 180 n. Chr. auf dem Throne folgte, alle nur erdenkbaren Laster besaß, wollüstig, grausam und feig war, Ämter und Ehrenstellen an die Meistbietenden verkaufte, den Staatsschatz durch unsinnige Verschwendung erschöpfte, die Regierung des Reichs Günstlingen überließ und schließlich am 31. Dezember 192 auf Anstiften seiner Geliebten Marcia, erst 31jährig, erdrosselt wurde: „Kaiser Commodus war ungeheuer stark und fand ein besonderes Vergnügen daran, bei den öffentlichen Spielen gegen Gladiatoren und gegen wilde Tiere zu kämpfen, ja er tötete bei solcher Gelegenheit selbst mehrere Elefanten.“ Indische und afrikanische Elefanten traten nicht selten als Künstler auf, schrieben in Sand, gingen auf einem schräg gestellten Seile auf und ab. Acht derselben trugen zu viert auf einer Sänfte einen anderen, tanzten nach dem Takte, speisten von prächtig besetzter Tafel aus kostbarem Geschirr mit Beobachtung der feinen Sitte und des Anstandes und vollführten zahlreiche andere Künste. Der griechische Schriftsteller Oppianos schrieb ums Jahr 200 n. Chr.: „Der Elefant ist das größte Landtier und sieht aus wie ein Berg oder eine gewitterschwere Wolke. Seine Nase ist ungeheuer lang und schlank und dient ihm als Hand. Im wilden Zustande ist er grimmig, gezähmt dagegen sanft und menschenfreundlich. Wenn er dazu abgerichtet ist, schreitet er nach dem Takte des Flötenspiels bald langsam, bald schnell, wie tanzend, einher. Als Germanicus Cäsar (der Adoptivsohn des Kaisers Tiberius) den Römern Schauspiele gab, waren von Elefanten, die man in Rom hielt, Junge gezogen worden und diese nahm ein tüchtiger Lehrmeister in Unterricht. Sie wurden an Flötenspiel, Trommelschlag und Gesang gewöhnt und lernten die Glieder bewegen, wie wenn sie tanzten. Als nun der Tag der Schauspiele erschien, traten sie, zwölf an Zahl, mit bunten Tanzkleidern geschmückt, auf, gingen mit zierlichen Schritten einher, wiegten dabei den Leib recht fein hinüber und herüber, formierten auf Befehl des Meisters eine Linie, einen Kreis, schwenkten rechts und links. Sie streuten Blumen umher, ließen sich auf schöne Kissen, die für sie hingelegt waren, nieder, fraßen mit großer Bescheidenheit von Tischen, die aus kostbarem Holz der Sandarakzypresse (_citrum_, aus dem Atlasgebirge bezogen) und aus Elfenbein angefertigt waren, und tranken bescheiden aus goldenen und silbernen Bechern. Ich habe auch selbst einen Elefanten gesehen, der mit dem Rüssel römische Buchstaben ganz regelmäßig auf eine Tafel schrieb; dabei führte ihm jedoch der Meister den Rüssel.“
Auch der griechische Schriftsteller Plutarch (50-120 n. Chr.) schreibt: „Auf dem Theater führen die Elefanten sehr künstliche Stücke auf. Es ist auch neulich vorgekommen, daß einer, der das zu Lernende nicht recht begreifen konnte, es von selbst bei Nacht einübte. (Weshalb sollte nicht dieses Tier gelegentlich für sich selbst die ihm beigebrachten Kunststücke ausführen?) In Rom wurde einmal einer von Knaben geneckt und in den Rüssel gestochen. Er ergriff einen derselben, hob ihn hoch empor, tat, als wolle er ihn zerschmettern, setzte ihn dann aber ruhig wieder hin, weil er dachte, jener hätte schon an der ausgestandenen Angst genug. Nach Jubas Angabe decken die Jäger die Gruben, worin sie Elefanten fangen wollen, mit Reisig und Erde zu. Ist aber einer hineingefallen, so füllen die anderen die Grube so weit, daß er wieder herauskann. Er schreibt auch, daß die Elefanten Gelübde tun und mit aufgehobenem Rüssel die Sonne anbeten.“ Sueton schreibt: „Bei den Spielen, die Nero gab, ritt ein allgemein bekannter römischer Ritter auf einem Elefanten, der auf einem ausgespannten Seile ging,“ und ferner: „Kaiser Galba (der im Juni 68 von den gallischen Legionen gegen Nero zum Kaiser erhoben, aber schon am 15. Januar 69 von den wegen seiner Knauserigkeit erzürnten Prätorianern getötet wurde) zeigte bei den Spielen Elefanten, welche auf Seilen gingen.“ Selbst als Opfer wurden sie bei besonders wichtigen Anlässen den Göttern dargebracht. Gelegentlich wurden solche nur gelobt und in Wirklichkeit durch Nachahmungen ersetzt, da die Originale den Opfernden denn doch zu kostbar sein mochten. So schreibt Älian: „Als Ptolemäos Philopator den Antiochos besiegt hatte, veranstaltete er eine prachtvolle Opferfeier und wollte auch dem Gotte Helios vier herrliche Elefanten als Zeichen seiner großen Verehrung darbringen. Daraufhin träumte aber Ptolemäos, dem Gotte schiene das Opfer befremdlich und unangenehm. Er weihte ihm also, statt der vier wirklichen Elefanten, vier aus Erz gegossene.“