Kulturgeschichte der Nutztiere

Part 21

Chapter 213,451 wordsPublic domain

Als vornehmstes Werkzeug des Krieges wurde es im Zweistromland bei den kriegerischen Assyriern, nach der Fülle der auf uns gekommenen Pferdedarstellungen zu schließen, in großer Menge gezogen. Meist begegnet uns auf den altassyrischen Monumenten ein langschweifiges Pferd, daneben eine andere Rasse mit kurzem Schweif und nackter Rübe. Außer zum Reiten diente es vornehmlich zum Ziehen des zweiräderigen Kriegswagens, auf welchem fechtend die Schwerbewaffneten in den Kampf zogen. Außer dem mächtigen König von Assur benutzten auch seine Generale und Unterführer den von einem Wagenlenker geleiteten Kriegswagen bei ihren Feldzügen. Offenbar war der zweiräderige Wagen bei den Assyriern viel populärer als das Reiten auf dem Pferde, ohne Bügel, nur auf einer Decke sitzend.

Im alten Reiche Ägyptens war das Pferd völlig unbekannt; als Last- und Arbeitstier wurde damals ausschließlich der Esel gehalten. Nicht anders war es noch im Mittleren Reich (2160-1788 v. Chr.). Erst im 17. Jahrhundert, um 1680 v. Chr., scheinen die Hyksos -- oder Schasu(beduinen), wie sie von den Ägyptern genannt werden -- das Pferd aus Westasien, wo es überall Eingang gefunden hatte, nach dem bis dahin ziemlich abgeschlossenen Niltal gebracht zu haben. Hier bürgerte es sich rasch ein und erscheint dann von der 18. Dynastie an (1580-1350 v. Chr.) unter den Tutmosis und Amenophis, dann namentlich in der 19. Dynastie (1350-1205 v. Chr.) unter den Ramses und Sethos als hochgeschätztes Haustier, dem von den Großen sorgfältige Pflege angediehen lassen wurde. Mit dem asiatischen Kriegswagen wurde das Tier, nach asiatischer Weise daran angespannt, zum Ziehen desselben verwendet. Die ägyptische Bezeichnung _sus_ für Pferd ist ein semitisches Wort und die ägyptische Benennung des Streitwagens ist ebensosehr semitisch und dem Hebräischen fast vollständig gleich. Nach den spärlichen Stellen im Alten Testament, da vom Pferde und von dem von ihm gezogenen Kriegswagen die Rede ist, sind dies Attribute der kriegerischen Nachbarn und Feinde des Volkes Israel, an denen es keinen Teil hat. Als Haus- und Herdentier der altjüdischen Patriarchen erscheint es durchaus nicht und nimmt auch an den Wanderungen und Kämpfen der Juden keinen Anteil. Bei ihnen wie bei den Ismaeliten oder Arabern ist es zuerst der Esel und später das Kamel, auf dem sie reiten. In Übereinstimmung damit berichtet Herodot von den im Heere des Xerxes weilenden Arabern: „Die Araber waren alle auf Kamelen beritten, die den Pferden an Schnelligkeit nicht nachgaben.“ Auch nach Strabor gab es im Glücklichen Arabien keine Pferde, noch Maultiere; denn er schreibt: „An Haus- und Herdetieren ist dort Überfluß, wenn man Pferde, Maultiere und Schweine ausnimmt.“ Ähnlich sagt er vom Lande der Nabatäer: „Pferde sind in dem Lande keine; deren Stelle in der Dienstleistung vertreten die Kamele.“ Dabei war dieser Autor, der Freund und Genosse des Älius Gallus, des Feldherrn, der die große mißlungene Expedition nach Arabien gemacht hatte, über diese Halbinsel so genau wie nur sonst jemand in damaliger Zeit unterrichtet. Noch in der Schlacht bei Magnesia, in der er 190 v. Chr. zum zweitenmal den Römern erlag, führte Antiochus der Große, wie einst Xerxes, auf Dromedaren berittene Araber ins Gefecht.

Anders war es in Ägypten zur Zeit des Neuen Reiches (1580 bis 1205 v. Chr.). Hier diente das Pferd nur ganz ausnahmsweise zum Reiten, ganz gewöhnlich aber, schön aufgezäumt und mit einem wallenden Busche von Straußenfedern geziert, zum Ziehen des leichten Kriegswagens, auf dem der Pharao mit seinen Offizieren in die Schlacht zog. Da kämpfte man in den in Westasien geführten Schlachten Wagen gegen Wagen, Mann gegen Mann. Offenbar wurde auf die Pflege der Pferde große Sorgfalt verwendet und viel Gewicht auf gute Rasse gelegt. Der Kutscher war eine wichtige Person im vornehmen Hause, und selbst Prinzen leiteten am Hofe das Gespann, das zwei Pferde zählte. Die Leibpferde erhielten schöne Namen. So wird uns auf den Darstellungen der Feldzüge der verschiedenen Pharaonen an den Tempelwänden jeweilen genau angegeben, wie die Pferde hießen, die in dieser oder jener Schlacht das reich ausgestattete Gespann des Königs zogen. Auf diese Weise wissen wir vom Tempel in Theben, daß das Lieblingsgespann Ramses II. (1292-1225 v. Chr.) „Sieg zu Theben“ und „Zufriedene Nura“ hieß. Es waren dies die beiden Pferde, die eben jenen König im Jahre 1280 aus der großen Gefahr retteten, als er mit geringer Begleitung dem Gros seines Heeres vorauseilend bei der Stadt Kadesch am Orontes in einen Hinterhalt der Chetiter unter ihrem König Mutallu gefallen war und jede Hoffnung, heil aus der mißlichen Lage zu entrinnen, vergebens schien. Zum Dank ließ dann der König, wie uns im Schlachtenbericht des Pentaur erzählt wird, diesem seinem Gespann künftighin ganz ausnahmsweise sorgsame Behandlung zuteil werden. Das Kriegsgespann Ramses III. (1198 bis 1167 v. Chr.) trug die Namen: „Ammon siegt mit Macht“ und „Geliebt von Ammon“. Nach den bildlichen Darstellungen sind es außerordentlich edle, feurige Tiere von feinem Gliederbau und ziemlicher Größe mit langer, flatternder Mähne und prächtigem Schweif, der vielfach in der Mitte geknotet wurde, damit er nicht am Boden schleife. Als bevorzugte Nahrung erhielten sie statt Hafer, wie bei uns, Gerste, die bis auf den heutigen Tag in den Mittelmeerländern ihre alte Bedeutung als Pferdekraftmittel behielt.

Während die Ägypter neben den auf Kriegswagen kämpfenden Elitetruppen keine auf Pferden berittene Mannschaft besaßen, ist es interessant zu sehen, daß auf den zahlreichen Schlachtenbildern des 16. und 15. Jahrhunderts v. Chr., als Ägypten seine Macht weit nach Westasien ausdehnte, die Chetiter zwar auch vorzugsweise auf Kriegswagen kämpften, daneben aber auch, im Gegensatz zu den Ägyptern, teilweise auf Pferden ritten. So scheint in der Schlacht von Kadesch, in der Ramses II. das ägyptische Heer befehligte, ein berittener Chetiter mit einem Bogen bewaffnet und ein anderer, ebenfalls zu Pferd, eine Infanterieabteilung anzuführen. An einer Wand des großen Reichstempels von Karnak in Theben sehen wir mitten unter den Kanaanitern, die gegen die Stadt Askalon (im Text Askalunu genannt) flüchten, noch einen auf einem Pferde sitzend dargestellt. Auch die Assyrier (Rotennu) machen auf diesen Darstellungen neben dem Kriegswagen vielfach vom Pferde auch zum Reiten Gebrauch. In zwei Darstellungen aus der Zeit der 18. Dynastie, unter Tutmes III. (1480-1447 v. Chr.) und Tutankhamen, sehen wir Assyrier dem Pharao als Tribut wertvolle Rassepferde überbringen. Auch die Einwohner des Libanon (Lemenu genannt) kennen neben den Kriegswagen Reiter.

Damals besaß aber kein anderes Volk Afrikas außer den Ägyptern das Pferd. Auf allen kriegerischen Darstellungen kämpfen sowohl die Neger Äthiopiens, als auch die blonden Libyer (Lebu) stets zu Fuß und besitzen außer Rindern und Schafen, die man durch die siegreichen Ägypter fortgeführt werden sieht, keine Pferde. Das war allerdings um die Mitte des letzten Jahrtausends v. Chr. anders; denn Herodot berichtet uns, daß die Libyer von den Ufern des Tritonsees gewöhnlich auf von vier Pferden gezogenen Kriegswagen kämpften. Es wäre merkwürdig gewesen, wenn nicht mit der Zeit auch die Nachbarvölker dieses edle Tier und das zu ihm gehörende Gerät, den leichten, zweiräderigen Streitwagen, von den Ägyptern übernommen hätten. Erfahren wir doch, daß das libysche Volk der Maschuasch schon zur Zeit Ramses III. (1198-1167 v. Chr.) neben dem Esel auch schon das Pferd als Haustier besaß, da dieser König nach einer ihm beigebrachten Niederlage laut einer auf uns gekommenen Inschrift 183 Pferde und Esel von ihm erbeutete.

In der zweiten Hälfte des vorletzten vorchristlichen Jahrtausends hatte die Pferdezucht in Ägypten größere Ausdehnung erlangt, so daß die westasiatischen Kulturvölker ihr edelstes Pferdematerial von dort importierten. Zur Zeit des Königs Salomo, der von 993-953 v. Chr. regierte, bezog der König von Israel viele Pferde seines prunkvollen Hofhaltes und seiner Armee aus Ägypten und machte nebenbei noch ein gutes Geschäft damit, indem er dieses vielbegehrte Material an die Könige der Aramäer und Chetiter weiterverkaufte.

Damals waren in Ägypten die Gestüte königliches Eigentum, dem die Könige große Aufmerksamkeit schenkten. In Dschebel Barkal (dem alten Nepata) fand Mariette eine merkwürdige Stele, auf der erzählt wird, wie ums Jahr 745 v. Chr. der äthiopische König Pianki Meriamen das damals von zahlreichen, aufeinander eifersüchtigen kleinen Fürsten beherrschte Ägypten eroberte. Aus der Schilderung erfahren wir unter anderem, daß die Aufzucht des Pferdes für den Export damals eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes war. Jeder der zahlreichen Teilkönige besaß einen Marstall und ein Gestüt, dessen beste Pferde er dem damals siegreich vordringenden Könige der Äthiopier anzubieten sich beeilte. Letzterer nahm diese Geschenke stets wohlwollend in Empfang. Seine erste Sorge, wenn er wiederum ein neues Teilreich erobert hatte, war, in höchst eigener Person die königlichen Marställe und Gestüte zu besichtigen. In einer Stadt, Hermopolis in Mittelägypten, fand er diese Etablissemente vernachlässigt und die Pferde schlecht gehalten. Da geriet er in großen Zorn und rief aus: Bei meinem Leben, bei der Liebe des Gottes Re, der den Atem meiner Nase erneuert, es gibt in meinen Augen keinen größeren Fehler, als meine Pferde hungern zu lassen!

Bei solcher Wertschätzung der ägyptischen Pferdezucht kann es uns nicht wundern, daß 80 Jahre später, im Jahre 665, als der assyrische König Asurbanipal die ägyptische Residenzstadt Theben einnahm und plündern ließ, er vor allem in dem uns noch erhaltenen Beuteverzeichnis in Keilinschrift, das das Britische Museum besitzt, „große Pferde“ erwähnt. Diese Bezeichnung verdient besonders gewürdigt zu werden, denn sie schließt sich an die dieselbe Tatsache bezeugenden Darstellungen an den Tempelwänden zur Zeit der jüngeren Dynastien Ägyptens an, woraus hervorgeht, daß sich mit der Zeit in Ägypten eine besondere Pferderasse gebildet hatte, die größer und stärker war als die in Syrien und Babylonien gezüchtete. Es ist zweifellos diejenige Rasse, die sich unverändert in Dongolah, im Innern, erhielt und den mit Wattepanzern aus Baumwolle für Pferde und Mensch umgebenen Reitern als hochgeschätztes Kriegsmittel dient.

Durch die Handelsbeziehungen mit Ägypten und Vorderasien hat auch das alte Kulturvolk der Mykenäer auf Kreta und den Ländern am Ägäischen Meer schon vor der Mitte des vorletzten Jahrtausends v. Chr. das Pferd und den von ihm gezogenen zweiräderigen Kriegswagen kennen gelernt und übernommen. So treffen wir schon in den ältesten Partien der Ilias, die teilweise noch Erinnerungen an jene älteste Kulturblüte Griechenlands wach erhält, das Pferd und den Kriegswagen als geschätzte Artikel erwähnt. Sie erwähnt auch in erster Linie der Held Achilleus, wenn er von der ägyptischen Hauptstadt spricht:

„Theben, die hunderttorige Stadt, es fahren aus jedem Tor zweihundert Männer heraus mit Rossen und Wagen.“ --

Unter diesen Wagen sind natürlich ausschließlich Kriegswagen gemeint. Auf einer frühmykenischen Grabstele aus Agamemnons einstiger Residenz, dem „goldreichen Mykene“, sehen wir in ungeschickter, roher Darstellung einen Mann auf einem von zwei Pferden bespannten leichten Streitwagen dahinfahren. Und überall in der Ilias ist bei den Kämpfen zwischen den Griechen und Troern vor Ilions Veste vom feurigen Renner und dem von ihm gezogenen Streitwagen die Rede, auf dem die Helden in die „männermordende Feldschlacht“ zogen, nachdem sie sich „zum Kampfe gegürtet“, d. h. das bis zu den Knien reichende Hemd mit ganz kurzen Ärmeln, den Chiton, damit er nicht die Bewegungen hindere, hinaufgenommen und mit einem Ledergürtel in dieser Stellung fixiert hatten. Dann hatten sie die ledernen Beinschienen angezogen, die zum Schutze der Schienbeine vor dem Anschlagen des gewaltigen, den ganzen Mann bis zum Kinn vor den feindlichen Geschossen deckenden Lederschildes dagegen dienten. Dieser ursprünglich von einer ganzen, bis 50 _kg_ wiegenden Rindshaut, später aus mehreren solchen hergestellte Schild war in der Mitte zum besseren Schutze eingezogen und daran waren zwei Querspreizen befestigt, an denen man ihn halten konnte. Für gewöhnlich geschah dies aber nicht, wie es mit dem erst später aufgekommenen kleinen Rundschild geschah, sondern der Schild wurde an einem Tragriemen getragen, der auf der nackten rechten Schulter auflag. Auf der Brust und auf dem Rücken kreuzte sich der letztere mit dem Riemen, der auf der linken Schulter auflag und an welchem auf der rechten Seite das Schwert getragen wurde. Beim Gehen trug man den Riesenschild auf dem Rücken, im Kampfe dagegen vor sich; beim Rückzuge nahm man ihn wieder auf den Rücken. Welches Gewicht diese Riesenschilde gelegentlich gehabt haben müssen, kann man sich vorstellen, wenn man in der Ilias vom siebenhäutigen Schilde des starken Priamossohnes Hektor liest.

Bei solcher schweren Bürde waren die Helden gezwungen, in einem zweiräderigen Streitwagen, in welchem sie den gewaltigen Schild vor sich hinstellen konnten, in die Schlacht zu fahren. Dort angekommen, kämpften sie stets zu Fuß, Mann gegen Mann, und nicht vom Wagen herab wie die Vorderasiaten und Ägypter. In der Ilias sind nur fünf, und zwar alles nachweisbar späte Stellen, in welchen auch von den Griechen von dem mit zwei flinken Pferden bespannten Wagen herab gekämpft wird. Auch zum Fliehen bediente man sich wiederum des Wagens, indem der außer Schußweite auf den Ausgang des Einzelkampfes wartende Wagenlenker bei Bedrängnis seines Herrn rasch herbeieilte, um ihn aufzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Bei Homer haben nur die Bogenschützen keine Schilde und fahren deshalb nie. Ja, ein Held, der zwölf Wagen und die dazu gehörenden prächtigen Doppelgespanne sein Eigen nannte, ließ diese seine Habe vorsichtigerweise zu Hause und kämpfte zu Fuß als Bogenschütze.

Der Panzer ist dem homerischen Epos durchaus fremd und war bei dem vorhin beschriebenen gewaltigen Schilde durchaus unnötig, ganz abgesehen davon, daß er den Mann, der am schweren Schilde genug zu schleppen hatte, noch unnötig beschwert hätte. Selbst der Kriegsgott Ares trug nach der Schilderung in der Ilias keinen Panzer. Die einzige Bewaffnung der Helden wie auch ihres Anführers ist außer dem Helm von Leder, vielfach mit Eberzähnen überstickt, wie solche in einem Volksgrabe von Mykenä gefunden wurden, und dem vorgenannten großen Schild der mäßig lange Wurfspeer und das kurze Schwert an der rechten Seite. Wer unbeschildet war, trug Pfeil und Bogen. Wer aber als „Schwerbewaffneter“ in den Kampf zog, ließ sich, wenn er es irgendwie vermochte, auf dem Streitwagen dahin führen. So begreifen wir die Notwendigkeit der homerischen Helden, einen Streitwagen zu führen, und fühlen mit dem Dichter, der das edle Pferd als Liebling und Begleiter der Krieger in prächtigen Schilderungen verherrlicht, wie etwa in der folgenden:

„Gleich wie das Roß, das lang im Stall sich genährt an der Krippe, Seine Fessel zerreißt und stampfenden Hufs durch die Ebne Rennt, sich zu baden gewohnt in dem schön hinwallenden Strome, Strotzend von Kraft; hoch trägt es das Haupt und umher an den Schultern Flattern die Mähnen empor. Im Gefühl der eigenen Schönheit Tragen die Schenkel es leicht zur gewohnten Weide der Stuten, -- So schritt Priamos Sohn von Pergamons Veste hernieder, Paris im leuchtenden Waffenglanz, der Sonne vergleichbar, Freudig und stolz, rasch trugen die Schenkel ihn --“

In der klassischen Zeit Griechenlands waren die großen, schweren Schilde, wie auch die Streitwagen zum Transporte der „schwerbewaffneten“ Helden außer Gebrauch gekommen; dafür führte man am linken Arm getragene kleine Rundschilde und einen Panzer, wenn man zu Fuß ging, keinen Panzer dagegen, wenn man zu Pferde kämpfte. In letzterem Falle ritt man ohne Sattel und Bügel auf dem Pferderücken, dem man höchstens etwa eine Decke auflegte. Jeder von uns kennt ja die Art des Reitens der Griechen und später auch der Römer an den mancherlei auf uns gekommenen antiken Darstellungen von Reitern, in erster Linie von der herrlichen Darstellung reitender junger Athener am Panathenäenzuge auf dem berühmten Friese des Parthenon und an den mancherlei Grabdenkmälern in Germanien verstorbener römischer Soldaten. Schon der griechische Feldherr und Staatsmann Xenophon schrieb zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. ein Werk über die Reitkunst. Darin ist von den Regeln die Rede, nach welchen man die Güte eines Pferdes beurteilen, es dressieren und reiten soll, fernerhin ist angegeben, wie Roß und Mann angetan sein und wie Speer und Schwert gebraucht werden sollen.

Das berühmteste aller Pferde von Griechen, die nebenbei bemerkt ausnahmslos von edler asiatischer Zucht waren, war das Leibroß Alexanders des Großen (356-323 v. Chr.), Bukephalos, d. h. Stierkopf, mit Namen. Nach den Angaben in der Naturgeschichte des älteren Plinius soll Alexanders Vater Philippos es ihm, als er noch ganz jung war, aus der Herde des Pharsaliers Philonikos um den Preis von 13 Talenten, d. h. 45000 Mark, gekauft haben, weil es ihm so wohl gefiel. „Obgleich dieses Pferd für gewöhnlich jeden Reiter aufnahm, so litt es doch, wenn es mit dem königlichen Schmucke geziert war, keinen als Alexander. Vorzügliche Dienste leistete es in Schlachten: bei der Belagerung von Theben (im Jahre 335) ließ es, obgleich schwer verwundet, den König doch nicht auf ein anderes steigen.“ Später gab es noch andere Beweise seiner Klugheit und Anhänglichkeit, begleitete seinen Herrn bis nach Indien und als es einige Zeit nach der Schlacht gegen König Porus „entweder an seinen Wunden oder an Altersschwäche starb,“ wie sich der Geschichtschreiber Plutarch ausdrückt, „betrauerte Alexander dasselbe wie einen Freund und baute ihm zu Ehren am Hydaspes die Stadt Bukephaleia. -- Er soll auch einem seiner Hunde, welcher Peritas hieß, zu Ehren eine Stadt gebaut haben.“

Nach demselben Plinius soll wie Alexanders, so auch Julius Cäsars Pferd keinen andern Reiter auf sich gelitten haben. Dieses Pferd soll Menschenfüßen ähnliche Vorderfüße besessen haben, „was auch an seiner vor dem Venustempel aufgestellten Bildsäule ausgedrückt ist“. Er meint damit wohl die unschönen langen Hufe, die lange im Stall stehende Pferde bekommen. Daß nun der stolze Diktator Cäsar einen solchen minderwertigen Gaul gehabt haben soll, ist kaum anzunehmen, noch weniger, daß er sich mit einem solchen Klepper auf einer Bildsäule verewigt habe.

Noch vieles sonst weiß dieser Autor von Pferden zu sagen, von dem wir Einiges hier mitteilen möchten. Er schreibt: „Als vorzüglich werden die skythischen Pferde gerühmt. Als ein Anführer der Skythen in einem Zweikampfe getötet worden war, wurde sein Feind, da er ihm die Waffen abnehmen wollte, von dessen Pferd durch Biß und Hufschlag niedergemacht. Die Gelehrigkeit der Pferde ist so groß, daß alle Pferde der sybaritischen Reiterei nach dem Takte der Musik zu tanzen gewöhnt waren. -- Die Pferde haben ein Vorgefühl von bevorstehenden Schlachten, trauern über ihren verlorenen Herrn und vergießen zuweilen Tränen der Sehnsucht. Als König Nikomedes getötet worden war, hungerte sich sein Pferd zu Tode. Phylarchus erzählt, daß, als der Galater Centaretus das Pferd des in der Schlacht gefallenen Antiochus siegestrunken bestiegen hatte, das edle Tier sich unwillig in die Zügel gelegt und in einen Abgrund gestürzt habe, so daß beide zerschmetterten. Philistus schreibt, das Pferd des Dionysius sei von diesem im Schlamme steckend verlassen worden, habe sich wieder herausgearbeitet, sei den Spuren seines Herrn nachgezogen, unterwegs habe sich ein Bienenschwarm an seine Mähne gehängt. Durch diese gute Vorbedeutung ermutigt, habe sich Dionysius dann der Herrschaft bemächtigt.

Die unbeschreibliche Klugheit der Pferde lernen diejenigen schätzen, welche reitend den Speer werfen, denn sie unterstützen des Reiters Anstrengung durch die Stellung ihres Körpers. Die auf der Erde liegenden Speere heben sie auf und reichen sie dem Reiter. (Plinius, ein tüchtiger Reitergeneral, schrieb ein besonderes Buch „über die Kunst des Kavalleristen, den Speer zu werfen“.) -- Die in der Rennbahn zum Wettlauf Angeschirrten zeigen deutlich, daß sie die Mahnungen verstehen und den Ruhm zu schätzen wissen. Bei den Säkularspielen des Kaisers Claudius wurde beim Wettlauf ein Wagenlenker namens Corax (Rabe) vom Wagen geschleudert; aber seine Pferde kamen allen zuvor, versperrten den einen den Weg, warfen andere um, kurz taten alles, was sie unter der Leitung eines geschickten Wagenlenkers hätten tun können, und standen zur Beschämung der Menschen zuerst am Ziele. -- Für eine wichtige Vorbedeutung galt es bei unsern Voreltern, daß Pferde von einem Wagen, von welchem der Fuhrmann herabgestürzt war, als ob er noch daraufstände, aufs Kapitol und dreimal um den Tempel liefen; aber noch wichtiger schien es, als Pferde mit Kränzen und Palmzweigen von Veji aufs Kapitol gerannt kamen. nachdem Ratumenna, der dort im Wettlaufe gesiegt hatte, vom Wagen gestürzt war. Das Tor, durch das sie hereinkamen, heißt seitdem das Ratumennische. Wenn die Sarmaten (ein Nomadenvolk im Norden des Schwarzen Meeres) eine weite Reise unternehmen wollen, so bereiten sie die Pferde tags zuvor durch Fasten darauf vor, geben ihnen auch nur wenig zu saufen und reiten dann ohne auszuruhen 150000 Schritte weit. -- Hengste können 50 Jahre alt werden; Stuten aber sterben früher. Hengste wachsen bis ins 6., Stuten bis ins 5. Jahr.“ Umgekehrt wie Plinius schreibt Aristoteles: „Der Hengst wird 35, die Stute über 40 Jahre; ja, es ist schon einmal ein Pferd 75 Jahre alt geworden.“

Welche Bedeutung die Pferde schon bei den Griechen, besonders aber bei den Römern bei den Rennen zu Wagen und unter dem Reiter erlangt hatten, ist aus mancherlei Angaben von Schriftstellern zu ersehen. So berichtet Pausanias (der Bädeker des Altertums, dem wir wertvolle Nachrichten über verschiedene Kultstätten und der darin aufgestellten Weihgeschenke verdanken, er lebte im 2. Jahrhundert n. Chr.): „In der 66. Olympiade gewann Kleosthenes zu Olympia den Preis im Wagenrennen und stellte dann in Olympia den betreffenden Wagen nebst seiner eigenen Bildsäule und der seines Wagenlenkers und seiner Pferde auf. Es sind auch die Namen der Pferde (bei den Wettrennen mit Wagen in der Rennbahn fuhr man stets mit einem Viergespann): Phönix, Korax, Knacias und Samos, angemerkt. Auf dem Wagen steht die Aufschrift: „Kleosthenes aus Epidamnos hat mit Rossen im schönen Wettkampfe des Zeus gesiegt.“ -- Der Korinthier Phidolas hatte nach Olympia einen Wettrenner mit Namen Aura gebracht. Dieser warf gleich beim Beginn des Laufes seinen Reiter ab, lief aber doch ganz regelmäßig weiter und gewann den Preis. Phidolas bekam die Erlaubnis, die Bildsäule seines Pferdes zu Olympia aufzustellen“.