Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte
Part 77
Von neuweltlichen Eichen mit im ersten Jahre reifenden Früchten und im Herbst abfallenden Blättern ist die wegen ihrer grauweißen, in breiten, dünnen Stücken sich ablösenden Rinde als +Weißeiche+ (~white oak~ -- ~Quercus alba~) bezeichnete Art zu nennen. Der schöne, bis 25 m hohe Baum bildet in den Vereinigten Staaten ausgedehnte Wälder und liefert viel Gerbrinde. Seine Blätter verfärben sich nicht im Herbst. Auch die +großfrüchtige Eiche+ (~Q. macrocarpa~) mit mildschmeckenden Früchten und die +Kastanieneiche+ (~Q. prinus~) sind in Nordamerika sehr verbreitet und liefern zum Gerben sehr geschätzte Rinden. Zu den Eichen mit im zweiten Jahre reifenden Früchten haben wir in der Neuen Welt die auf der Westseite Nordamerikas heimische +weidenblätterige Eiche+ (~Q. phellos~). Der etwa 20 m hohe Baum hat der Silberweide ähnliche Blätter. Ebenfalls im westlichen Nordamerika gedeiht an feuchten Stellen die +Wassereiche+ (~Q. nigra~). Im östlichen Teil Nordamerikas dagegen wachsen die +Färbereiche+ (~Q. tinctoria~), die ihr ähnliche +Scharlacheiche+ (~Q. coccinea~) mit braunroten Blättern, die sich im Herbst scharlachrot verfärben. Sie bildet in den Vereinigten Staaten große Wälder und ihr Holz wird vielfach nach England ausgeführt. Ferner die nach der prächtigen scharlachroten Verfärbung ihrer Blätter so genannte +Roteiche+ (~Q. rubra~), die vom Huronensee bis Florida und Texas in ausgedehnten Beständen wächst und wegen ihrer Raschwüchsigkeit auch in unsere Forsten eingeführt wurde. An feuchten Stellen gedeiht dort die ebenfalls sehr schnellwüchsige +Sumpfeiche+ (~Q. palustris~), die, wie alle vorgenannten, viel Gerbrinde liefert. In Südeuropa bis Syrien dagegen wachsen von den Eichen mit im zweiten Jahre reifenden Früchten die +Zerreiche+ (~Q. cerris~), ein großer Baum mit ungemein festem, hartem Holz, eßbaren Früchten und gerbstoffreicher, zum Gerben dienender Rinde, und in Rumelien, Griechenland und Kleinasien die ebenfalls bis 19 m hohe +Knopperneiche+ (~Q. vallonea~), deren schuppige, 3-4,5 cm im Durchmesser haltende Fruchtbecher als Valonen in den Handel kommen und zum Gerben und Schwarzfärben dienen.
Wie die Eichen gehören die +Buchen+ (~Fagus~) in die Familie der Cupuliferen oder Näpfchenfrüchtler. Unter ihnen ist die +gemeine Buche+ oder +Rotbuche+ (~Fagus silvatica~) der schönste und für uns wichtigste Vertreter der Gattung. Dieser stattliche Baum, dessen glatter Stamm mit hellsilbergrauer Rinde emporstrebt, um hoch oben die volle Besonnung verlangenden grünen Blätter an zierlichen Ästen auszubreiten, bildet den von den Dichtern viel besungenen „grünen Waldesdom“ und soll die Anregung zur gotischen Bauart gegeben haben. Die Buche ist der Hauptrepräsentant des deutschen Laubholzwaldes und gedeiht am besten in nicht zu feuchtem, aber auch nicht zu trockenem, kalkhaltigem Hügel- und Bergland, bildet aber auch auf dem frischen, humösen Sandboden der norddeutschen Ebene mächtige Bestände. Im sandigen Flachlande hat sie allgemein den Nadelhölzern weichen müssen; nur vereinzelt und deshalb vom Naturfreund doppelt geschätzt ragen dort die Buchenwälder wie Oasen aus dem Einerlei der Kiefern. Der Buchenhochwald bedeckt in ganz Deutschland rund 15 Prozent der gesamten Waldfläche. Die Buche eignet sich forstlich für den Hoch-, Mittel- und Niederwaldbetrieb. Das weißliche bis braunrötliche, harte, dichte, schwere, gut spaltbare, aber wenig elastische, stark schwindende und arbeitende Holz weist zahlreiche wie Atlas glänzende Spiegel als Reservestoffbehälter des Holzkörpers auf und verstockt leicht im Wechsel von Nässe und Trockenheit, ist aber stets im Wasser oder stets im Trocknen ziemlich dauerhaft. Absolut unbrauchbar ist es zur Verwendung im Freien, dagegen wird es von Wagner und Drechsler, wie auch zum inneren Ausbau unserer Häuser vielfach verwendet. In heißem Wasserdampf erweicht, wird es biegsam und dient zur Herstellung gebogener Möbel. Österreich-Ungarn besitzt etwa 40 Fabriken zur Herstellung solcher gebogener Möbel, denen 350000 Hektar Buchenwaldungen das Material liefern, die 35000 Menschen beschäftigen und gegen 230000 Meterzentner gebogener „Wiener Möbel“ jährlich exportieren. Deutschland besitzt nur wenige solcher Fabriken, da das Buchenholz hier weit schwieriger zu haben ist und die Arbeitslöhne teurer als in Österreich-Ungarn sind. Imprägniert dient Buchenholz neben dem dafür weit besseren Eichenholz zu Eisenbahnschwellen, gebeizt und gefärbt als Zigarrenkistenholz. Es liefert ein vorzügliches Brennholz, dessen Wert als solches aber durch die Einführung der Steinkohle als üblichstem Heizmaterial bedeutend herabgesetzt wurde. Es gibt auch die besten Holzkohlen und dient zur Darstellung von Holzessig und künstlichem Indigo. Die chemische Fabrik Laufach im Spessart verwendet zur Holzessigfabrikation jährlich etwa 25000 Ster Spessarter Buchenholz. Endlich liefert es auch den vortrefflichen Buchenholzteer mit reichem Gehalt an Kreosot, der meist daraus gewonnen wird. Der Gehalt des Buchenholzrauches an Kreosot ist es, der als viel angewandtes Konservierungsmittel beim Räuchern von Schinken und Würsten dient. Die gerbstoffhaltige Buchenrinde kann als Lohe beim Gerben benutzt werden: die Buchenholzasche gibt die beste Pottasche und Lauge zum Waschen. Die ölreichen Buchennüsse (Bucheln oder Bucheckern) bilden nicht nur eine treffliche Schweinemast, sondern liefern auch dem Menschen ein gutes Speiseöl. Nicht im Öl, wohl aber in den Häuten und im zurückbleibenden Kern der Nüsse ist ein Fagin genanntes Gift enthalten, das in größeren Dosen, namentlich bei Kühen und Pferden, lähmend auf das Rückenmark und die Atmung wirkt.
Die im Herbste abfallenden eiförmigen, in der Jugend weißhaarig bewimperten, glatten, leicht gewellten Blätter geben eine gute Streu für den Waldboden. Sie brauchen zu ihrer Verwesung etwa drei Jahre und bilden dann eine schwärzliche, von Pilzfäden durchzogene Modermasse, die von zahllosen Regenwürmern und anderen kleinen Tieren gefressen und verarbeitet wird. An ihrer Auflösung und chemischen Umsetzung arbeiten auch zahlreiche Fadenpilze und Bakterien. Die so zugerichtete Bodenschicht, der Humus, ist der Nährboden für die höheren Pflanzen, für deren Ansiedlungsmöglichkeit die Buche mit ihren abfallenden Blättern einen wichtigen Faktor bildet. In milden, warmen Lagen gewinnen die das Laub schnell zersetzenden Bakterien die Oberhand und reiche Humusböden schaffen üppiges Gedeihen für Feld und Wald. Bei allzuviel Sonne und zuviel Niederschlägen, wenn ihnen der Boden ungeschützt preisgegeben ist, wird ihr Wachstum gehemmt, nur Fadenpilze vermehren sich weiter und durchziehen die oberen Schichten, mit deren Zersetzung sie aber allein nicht fertig werden. So entsteht fester, saurer „Rohhumus“, den die Regenwürmer nicht mehr zu verzehren und in ihrem Darmkanal durchzuarbeiten vermögen, und der einst stämmige Hochwald wird zu unfruchtbarem Heide- und Moorland. Gegen diese Gefahren ist gerade die Buche eine treffliche Pionierin und ihr reichliches Laub ist besonders im Nadelwald ein vortreffliches Material für die Humusbildung. Dabei vermag ihr an der Spitze fein verästeltes und mit zarten Pilzfäden, die ihr zur Gewinnung des Stickstoffs behilflich sind, umsponnenes Wurzelwerk überallhin durch den Boden zu dringen und die zum Gedeihen und Wachstum nötige Nahrung zu schöpfen.[6]
Auch die Buche erträgt wie Stiel- und Traubeneiche bis 31° C. Kälte. Sie findet sich hauptsächlich in Mitteleuropa, geht westwärts bis Mittelspanien und Nordportugal, südlich bis Sizilien und Apulien, östlich bis zum Kaukasus. Hier überall ist sie ein entschiedener Gebirgsbaum, der je südlicher, um so höher hinangeht. Am Ätna steigt sie bis 1880 m, in den bayrischen Alpen bis 1300 m, in den norddeutschen Gebirgen aber bis etwa 650 m. In Norwegen findet sie sich bis zum 59.° nördlicher Breite. Ihre nördliche Grenze berührt die schwedische Westküste von Gothenburg, geht an der Ostküste nur bis Kolmar bei 57° und durchschneidet fast geradlinig den Kontinent von Königsberg aus über Polen bis Podolien und zur Krim. Jenseits dieser Linie würde die Vegetationsperiode auf weniger als fünf Monate beschränkt werden, was die Buche nicht verträgt.
Im Frühjahr zersprengt das Keimpflänzchen die Buchennuß, streckt zuerst das Würzelchen heraus und sucht sich im Boden zu befestigen und Nahrung und Wasser daraus zu holen. Das Öl der zwei zusammengefalteten Keimblätter verwandelt sich zunächst in Zucker und allmählich in neue Pflanzensubstanz. Sobald die Wurzel hinreichend lang ist, entfalten sich die Keimblätter, werfen die sie einzwängende Schale ab, breiten sich aus und werden grün, um mit Hilfe des Chlorophylls neuen Zucker zu bereiten. Bis zum 6. Jahre wächst die Buche langsam, dann aber streckt sie sich bedeutend und nimmt jährlich 16-24 cm an Länge zu. Vor dem 60. Jahre blüht sie selten. Die Blüten finden sich an heurigen Trieben und entfalten sich gleichzeitig mit dem Ausbruch des Laubes. Seitensprosse haben fast nur langgestielte, hängende, kugelige, männliche Blütenstände in Form von Kätzchen, der Gipfeltrieb trägt männliche und weibliche Blüten, wobei wiederum die männlichen am unteren, die weiblichen dagegen am oberen Teil des Sprosses sich befinden. Mit 120-150 Jahren vollendet die Buche gewöhnlich ihr Wachstum und kann dann bei 0,9-1,25 m Stammdurchmesser über 30 m hoch sein. Sie liebt volle, geschlossene Bestände und gedeiht nur, wenn der Boden vollständig gedeckt ist. Sie war einst mit der Eiche im ganzen westlichen und in ausgedehnten Waldgebieten des südlichen und mittleren Deutschland der herrschende Baum. Seit 1780 ist sie aber vielfach den rascher wachsenden und früher einen nutzbaren Holzertrag liefernden Nadelhölzern gewichen. Die Begründung von Beständen erfolgt unter dem Schatten der den Samen abwerfenden Mutterbäume. Man erzieht die Buchen leicht in Saatbeeten und verpflanzt sie drei- bis vierjährig zu mehreren zusammen ins Freie, wo sie aber gegen Sonnenbrand geschützt werden müssen. Gegenwärtig erzieht man nicht reine Buchen-, sondern aus Eichen, Buchen, Ahorn, Eschen usw. gemischte Bestände, in welchen die Buche den Boden schützt und ihn durch reichlichen Blattfall verbessert, daneben auch die genannten Nutzholzarten durch kräftigen Bestandsschluß zu günstiger Stammausbildung zwingt. Die Buche ist auch wichtig als Bodenschutz oder Treibholz im älteren Eichen- und Kiefernbestand und gibt bis 10 Prozent der gesamten Holzmasse als Nutzholz. In guten Jahren sammelt man pro Hektar etwa 100 Scheffel Buchnüsse im 120jährigen Betrieb.
Eine sehr große Anzahl Insekten und Pilze leben auf der Buche, doch lange nicht so viel als auf der Eiche, die darin weitaus an erster Stelle unter allen Holzgewächsen steht. Obgleich die Rotbuche nicht im alten Griechenland vorkam, kannte sie doch Theophrast als ~oxýa~. Auf den Gebirgen Norditaliens wuchs sie dagegen häufig und wird von den römischen Autoren mehrfach als ~fagus~ erwähnt, eine Bezeichnung, die aus Verwechslung von der griechischen Bezeichnung ~phēgós~ für Speiseeiche (von ~phágein~ essen) abzuleiten ist. Macrobius rechnet die Buche zu den glücklichen Bäumen (~felices arbores~), weil man aus ihrem Holze Opfergeschirre mache. Bei den alten Germanen war die Buche der Göttin des Herdes und der Ehe, Freya, geweiht. In Nordamerika und Japan wird die Buche durch verschiedene nahe Verwandte vertreten, die wir hier übergehen können.
Ebenfalls zu den Kätzchenträgern gehört die +Hain+- oder +Weißbuche+ (~Carpinus betulus~), von den vorgenannten Cupuliferen durch das Auftreten einer falschen, aus einem Blatte gebildeten ~cupula~ ausgezeichnet. Sie ist am nächsten mit den Haselnußarten verwandt. Mit der Rotbuche hat sie wenig Merkmale gemein, außer daß der Stamm bei beiden dieselbe glatte, silberweiße Rinde mit fehlender Borke aufweist. Beide Baumarten wollen im Schatten des Waldes leben und aufwachsen. Müssen sie trotzdem sich in freiem Stande entwickeln, so schützen sie sich durch tief bis zum Boden herabreichendes Astwerk gegen die allzu warm scheinende Sonne. Besonders auf alten Weideplätzen stehen oft solche prächtige, rings beastete „Weidebuchen“. Ist aber der Baum im Bestand erwachsen und wird er plötzlich durch eine Lichtung der Sonne ausgesetzt, ohne daß er Zeit hat, sich allmählich daran zu gewöhnen, so wird die Rinde auf der Sonnenseite gar bald schwarz und brandig, sie stirbt und löst sich ab und der Baum geht an sogenanntem „Rindenbrand“ langsam zugrunde. Der bis 6 m hohe Stamm ist selten gerade, sondern mehr oder weniger eckig, durch tiefe Furchen der Länge nach eingeschnitten, mit deutlichen, den Stamm spiralig umziehenden Längswülsten, wie man sagt „spannrückig“, zudem oft mit starken Beulen und Buckeln versehen. Schon bei 2-3 m Höhe teilt sich der Stamm in starke Äste und setzt sich nach der Astteilung zwar gerade, aber nur schwach fort. Alte Bäume zeigen Astlöcher mit tiefen Aushöhlungen und weisen einen wunderlich gekrümmten Astbau auf. Die Belaubung ist infolge der feinen Verzweigung dicht. Die Krone bildet an jüngeren, kräftig wachsenden Bäumen eine breite, stumpfe Pyramide mit so vielen tiefeckigen Einschnitten, als Hauptäste vom Stamme ausgehen. Mit zunehmendem Alter krümmen sich die Zweige infolge der schweren, fast alljährlichen Fruchtlast abwärts, welchem Drucke endlich auch die Äste folgen, und so mildert sich die vorher etwas starre Form der Krone durch Abrundung der Spitzen und Ausgleichung der Einschnitte.
Gleichzeitig mit dem Ausbruch der Blätter erscheinen im April und Mai die männlichen und weiblichen Blütenstände. Die Frucht ist eine sehr hartschalige, flache Nuß mit Längsrippen. Die Früchte fallen im November und später, nach den Blättern, wie Kreisel sich drehend zu Boden. Die Hainbuche wächst in der Jugend lange buschig und trägt frühzeitig und reichlich Samen. Sie ist unempfindlich gegen Frost und periodische Überschwemmungen und hat wenig von Krankheiten zu leiden. Sie erträgt viel Schatten und dient daher als Bodenschutzholz in lichten Eichenwaldungen. Im Niederwaldbetrieb ist die Hainbuche durch ihre bedeutende Ausschlagsfähigkeit von Wert; auch ist sie, weil sie den Schnitt gut erträgt, zur Anlage von Hecken geeignet. Sie kann ein Alter von 300-400 Jahren erreichen, steht aber im Massenertrage von Holz der Rotbuche weit nach. Ihr gelblichweißes Holz ist sehr schwer, hart und schwierig zu spalten und zu bearbeiten, arbeitet stark und besitzt nur im Trockenen lange Dauer. Es ist ein gutes Werkholz zur Herstellung von Hobelkästen, Kammrädern in Mühlen, Maschinenbestandteilen usw., überhaupt von allem, was Reibung und Stoß auszuhalten hat. An Brennkraft kommt es demjenigen der Rotbuche gleich, gibt auch gute Kohlen und reichlich Pottasche. Die Rinde kann zum Gerben benutzt werden, die Blätter geben Ziegen, Schafen und Pferden ein gutes Futter.
Die Hainbuche war den alten Griechen und Römern nicht bekannt, wohl aber die bei ihnen wachsende +Hopfenbuche+ (~Carpinus ostrya~) -- ~ostrýa~ von den Griechen und ~carpinus~ von den Römern genannt. Cato preist deren Holz als das beste zur Herstellung von Ölpressen. Die Festigkeit und Zähigkeit des Holzes der Hainbuche hat die Redensart vom „hanebüchenen Mann“ entstehen lassen, der aber oft auch „hanebüchen grob“ sein kann. In Ostpreußen sollen einzelne Hainbuchen einen Stammumfang von 5 m besitzen. Eine selbständige Art ist die +orientalische Hainbuche+ (~Carpinus orientalis~), während die +amerikanische Hainbuche+ (~C. americana~) bei uns als Zierpflanze kultiviert wird.
Der als Fruchtbaum aus dem warmen Süden zu uns gekommene +Nußbaum+ (~Juglans regia~) hat ein hochgeschätztes braunes Holz, das mit Vorliebe zu Möbeln, Gewehrschäften, Drechsler- und Bildhauerarbeiten verwendet wird. Es ist gleichmäßig schwer und hart, leicht zu bearbeiten und polierfähig, schwindet aber stark und ist nur im Trockenen dauerhaft. Der Nußbaum liefert auch das meiste Furnierholz. Die Wurzelstöcke, welche gleichfalls zu Furnieren geschnitten werden, besitzen oft eine herrliche Maserung. Die getrockneten Schalen der grünen Nüsse enthalten einen zum Braunbeizen vielverwendeten Farbstoff, die Nuß- oder Körnerbeize. Sein ausgezeichnetes Holz hätte dem Nußbaum den Weg in den Wald geöffnet, wenn nicht seine große Empfindlichkeit hindernd im Wege stünde. An seine Stelle tritt deshalb im Wald vielfach die aus Nordamerika stammende, weniger empfindliche +Schwarznuß+ (~Juglans nigra~), die ebenso wie die +Graunuß+ (~J. cinerea~) wegen ihres schönen, gleichmäßig rotbraunen Holzes besonders zur Herstellung von Möbeln hochgeschätzt ist und dem Holz der einheimischen Walnuß vorgezogen wird. Ein hervorragend zähes und elastisches Holz, das für den Wagenbau große Bedeutung erlangt hat, liefert die ebenfalls aus Nordamerika in verschiedenen Arten in unsere Wälder verbrachte +Hickorynuß+ (besonders ~Carya alba~). Von allen dreien, die durch ihre Fiederblätter gekennzeichnet sind, bedarf sie bei uns allerdings der größten Pflege.
Ein vortreffliches Bau-, Werk- und Faßholz liefert die +Edelkastanie+ (~Castanea vesca~), die aber bei uns nur im Rheintal am Fuß des Schwarzwaldes und der Vogesen in wärmeren Lagen, wo der Weinstock und feinere Obstarten gezogen werden, gedeiht. Hier wird sie im Niederwaldbetrieb bewirtschaftet, um aus den jungen Schößlingen sehr brauchbare Rebstecken zu gewinnen. Ihr Holz besitzt fast alle Eigenschaften, wie auch die Farbe des Eichenholzes, ist jedoch durch das Fehlen der mit freiem Auge deutlich sichtbaren Markstrahlen sofort von jenem zu unterscheiden. Im Gegensatz zum Holze der Edelkastanie ist dasjenige der +Roßkastanie+ (~Aesculus hippocastanum~) von nur geringem Werte, da es leicht, schwammig, weich und von sehr geringer Dauer ist, namentlich in der Nässe rasch fault. Andererseits reißt und wirft es sich wenig, nimmt Farbe und Politur gut an und wird nicht von Würmern heimgesucht. Es wird von Drechslern und Tischlern ähnlich wie das Lindenholz verwendet, kann auch zu Holzschuhen verarbeitet werden. Sonst wird für letztere das weiche Linden- und noch häufiger Erlenholz verwendet.
Auch die +Erlen+ (~Alnus~), von denen es 14 Arten auf der nördlichen Halbkugel gibt, sind Kätzchenblütler und dadurch bemerkenswert, daß sie wie die Schmetterlingsblütler in Symbiose mit Rhizobien genannten Knöllchenbakterien leben, die an den Wurzeln orangefarbene, knollenförmige Auswüchse erzeugen. Indem diese Bakterien den Stickstoff der im Boden enthaltenen Luft binden und in salpeter- und schließlich salpetrigsaure Verbindungen überführen, leisten sie der Erle außerordentlich wichtige Dienste zur Gewinnung dieses für ihr Gedeihen so notwendigen Nährmaterials. Mit Hilfe dieser kleinen Wohltäter vermögen diese Bäume auf stickstoffarmem Boden gut zu gedeihen und durch Stickstoffanreicherung diesen zu verbessern. Von den vier deutschen Erlenarten ist die an Bachufern und in feuchten Niederungen wachsende +Schwarzerle+ (~Alnus glutinosa~) die häufigste. Sie bildet ihren schlanken, dunkeln Stamm von 4-25 m Höhe bis zum Gipfel aus und trägt an den schräg abstehenden Ästen die im ersten Frühjahr sich entfaltenden männlichen und weiblichen Blütenstände. Aus den weiblichen Kätzchen gehen eine Menge brauner Zäpfchen hervor, aus denen im Winter die ungeflügelten Samennüßchen ausfallen. Die Blätter sind glänzend dunkelgrün, fühlen sich klebrig an und sind an der Spitze stark abgestumpft im Gegensatz zu den zugespitzten, weichhaarigen, niemals klebrigen Blätter der +Weiß+- oder +Grauerle+ (~Alnus incana~), die im übrigen der Schwarzerle sehr ähnlich ist. Sie hat ihren Namen von der glänzend silbergrauen, glatten Rinde, wächst meist strauchartig, erreicht aber als Baum eine Höhe von 10 m. Sie liebt weniger nassen humosen Boden als die vorige, gedeiht auch an Berghängen und auf Gebirgskämmen. Sie spielt in der nordischen Mythologie eine große Rolle: aus ihr soll die Frau hervorgegangen sein, während aus der Esche der Mann hervorging. Varietäten beider Arten werden als Ziergehölze kultiviert.
Beide Erlenarten sind durch ganz Europa verbreitet, doch steigt die Weißerle im Gebirge höher hinauf als ihre Verwandte und geht auch weiter nach Norden, was ihr den Namen „nordische Erle“ eintrug. Die +weichhaarige Erle+ (~A. pubescens~) ist wahrscheinlich ein Bastard dieser beiden Arten. Ihre Rinde ist graubraun und ihre mehr stumpfen Blätter sind nur zu äußerst spitz auslaufend. Eine besonders auf Granit in der Knieholzregion des Gebirges, namentlich der Alpen, des Schwarzwaldes, des Jura und Böhmerwaldes, wachsende strauchartige, sich am Boden schmiegende Art ist die +Grünerle+ (~A. viridis~), die, was ihre Verwertung betrifft, nur als Brennholz in Betracht kommt. Alle Erlen verfügen über ein starkes Ausschlagsvermögen, indem sie nach dem Verlust von Ästen aus „schlafenden“ Knospen neue hervorzubringen und so Schädigungen leicht auszugleichen vermögen. Das Holz der Schwarzerle ist frisch gelbrot, trocken rostrot, das der Grauerle dagegen heller und das der Grünerle weiß. Es ist leicht, weich und fest, aber ziemlich grob, leicht brüchig und wenig elastisch. Es verträgt keinen Wechsel, ist aber im Wasser dauerhaft und wird deshalb außer zum Brennen hauptsächlich als Wasserbauholz verwendet. Außerdem dient es zum Schnitzen und Drechseln, wird zu Bürsten und Zigarrenkistchen verarbeitet und in Nachahmung von Mahagoni und Ebenholz gebeizt, auch zu Galanteriewaren, Pfeifenköpfchen usw. verwendet.