Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Part 67

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Ein vereinzelt schon in Süddeutschland wildwachsender Schmetterlingsblütler ist der nicht sowohl durch seine wenig zahlreichen braungelben Blüten, als vielmehr durch seine an Fischblasen erinnernden häutigen Hülsen auffallende, 3-5 m hohe +gemeine Blasenstrauch+ (~Colutea arborescens~). Die Hülse, an deren Innenwand die Samen hängen, wird nämlich durch die von der Pflanze ausgeschiedene sauerstoffreiche Luft zu einer Blase prall aufgetrieben, die nach der Reife vom Wind entführt wird, bis sie, allmählich zerreißend, die Samen entläßt und so für die Ausbreitung der Art sorgt. Die Knaben pflegen sie mit starkem Knall zu zerdrücken. Die jungen Triebe färben gelb, die Blätter führen wie die Sennesblätter ab und dienen deshalb auch zu deren Verfälschung. Als Gartenzierstrauch kam aus Vorderasien der etwas kleinere, nur 1,5-3 m hohe +blutrote Blasenstrauch+ mit Trauben schmutzig blutroter Blüten und an der Spitze klaffenden Fruchtblasen zu uns, während der verwandte, 2-3 m hohe +silberweiße Salzstrauch+ (~Halimodendron argenteum~) mit seidenhaarigen Fiederblättern und schönen, fleischroten bis lilafarbenen Blüten wegen der letzteren aus den Salzsteppen am Irtisch in Westsibirien in unseren Anlagen angesiedelt wurde. Ebenso kamen aus Sibirien der +strauchartige+ und der +baumartige Erbsenbaum+ (~Caragana frutescens~ und ~arborescens~) zu uns. Der erstere wird bis 2 m, der letztere bis 5 m hoch. Beide haben gelbe Blüten und werden, weil anspruchslos, häufig gepflanzt und besonders zu Hecken verwendet. Aus den Blättern kann man eine blaue Farbe gewinnen, und die erbsenartigen Samen sind als Geflügelfutter verwendbar. Von ihnen gibt es auch eine hängende und eine buntblätterige Varietät.

Ab und zu trifft man in Ziergärten auch noch andere schmetterlingsblütige Sträucher, doch hat sich keiner derselben auch nur annähernd eine solche Beliebtheit erworben, wie der über 7 m lange Schlingstrauch Chinas, die unter dem Namen +Glycine+ bekannte ~Wistaria chinensis~, die jetzt den Namen ~Kraunhia floribunda~ führt. An nach Süden gerichteten, einigermaßen geschützten Wänden hält sie sogar den norddeutschen Winter im Freien aus und schmückt im Frühjahr die von ihr bekleideten Hausfassaden und Lauben mit der Pracht ihrer blaßvioletten, duftenden Blüten. Von dieser, kletternde Sträucher umfassenden Leguminosengattung mit unpaarig gefiederten Blättern und ziemlich langgestielten blauen, selten weißen Blüten in endständigen nickenden oder hängenden, lockeren Trauben und langen, gestielten Hülsen gibt es vier Arten in China, Japan und dem östlichen Nordamerika. Die bei uns meist gepflanzte chinesische Glycine stammt aus der Mongolei und China, wurde dort und dann besonders in Japan viel zur Zierde kultiviert und kam von dort zu uns. Sie besitzt in der Jugend seidenartig behaarte Blätter und klettert bis 30 m hoch. ~Kraunhia frutescens~ aus Virginia, Illinois und Louisiana ist in allen Teilen kleiner als die vorige, blüht später und besitzt wohlriechende Blüten. Sie ist empfindlicher gegen Kälte als vorige Art und wird in mehreren Varietäten kultiviert. Eine Varietät, ~Kr. magnifica~, blüht noch reicher als die Stammart und hat bläulichviolette Blüten mit gelbem Fleck.

Früher sehr beliebte kletternde Sträucher mit meist matt gefärbten, aber in der Abenddämmerung weithin einen herrlichen Duft aushauchenden Blüten sind die +Loniceren+ aus der Gattung der Geißblattgewächse. Von den über 100 Arten sind fast alle auf der Nordhalbkugel heimisch, und zwar am zahlreichsten im östlichen Asien und im Gebiet des Himalaja. Das gemeine oder +nördliche Geißblatt+ (~Lonicera periclymenum~) ist ein Schlingstrauch Südeuropas, Westasiens und Nordafrikas mit meist außen roten, innen gelben Blüten und roten Beeren. Es ist in Blattform und Blütenfarbe sehr veränderlich und wird in Gärten zum Überziehen von Lauben und Wänden usw. benutzt. In Südeuropa bis zum Kaukasus wächst das +südliche Geißblatt+ (~L. caprifolium~) mit in der Farbe wechselnden, 5 cm langen Blüten. Auch das nordamerikanische immergrüne Geißblatt (~L. sempervirens~) mit glänzend dunkelgrünen Blättern und prachtvoll scharlachroten Blüten mit sehr langer Röhre wird häufig bei uns kultiviert. ~Lonicera brachypoda~ aus Japan wird besonders in der Abart mit goldgelb geaderten Blättern zum Beziehen kleiner Beete und Gitter, auch als Ampelpflanze gezogen.

Die nichtwindenden Geißblattarten bezeichnet man gewöhnlich als +Heckenkirschen+, weil die paarig verwachsenden roten Früchte einigermaßen an Kirschen erinnern. Unter ihnen werden als Ziersträucher kultiviert: die bis 2,5 m hohe +gemeine Heckenkirsche+ oder +Beinweide+ (~Lonicera xylosteum~), mit eirunden, behaarten, besonders auf der Unterseite graugrünen Blättern, weißen, sich später gelb färbenden Blüten und roten Beeren, dann die +tatarische Heckenkirsche+ (~L. tatarica~), ein 2,5-3 m hoher buschiger Strauch mit unbehaarten, hellgrünen Blättern, schönen rosenroten Blüten und roten Beeren aus Mittel- und Südrußland und Sibirien, ferner ~L. nigra~ mit rötlichweißen Blüten und schwarzen Beeren, und ~L. alpigena~ mit purpurnen Blüten und roten Beeren, beide aus den Gebirgen Mitteleuropas. Auch die +kanadische Heckenkirsche+ (~L. canadensis~) und die durch große, schönfarbige Blüten ausgezeichnete ~L. ledebouri~ findet man nicht selten in Ziergärten kultiviert. Doch ist die Anpflanzung von Loniceren in der Nähe von Obstgärten nicht ratsam, weil in ihren Früchten die Larve der Kirschfliege lebt. Von der gemeinen Heckenkirsche wird das knochenharte Holz (Beinholz) zu Peitschenstöcken, Pfeifenröhren, früher auch zu Ladestöcken und Stricknadeln verarbeitet.

Eine nahe Verwandte der Geißblattarten ist die als Zierstrauch häufig angepflanzte, 1 m hohe ~Diervillea canadensis~ mit eiförmigen, zugespitzten, gesägten Blättern und traubigen, gelben, im Juni hervorbrechenden Blüten. Sie hat ihren Namen davon, daß sie der französische Arzt Dierville, ein Freund des Botanikers Tournefort, diesem 1708 von Kanada aus nach Paris sandte. Vom April und Mai an bis in den August blühen dagegen die bis 1,3 m hohen +Weigelien+, deren rotblühende Formen meist auf die nordchinesische Weigelie (~Diervillea florida~) zurückzuführen sind. Die nach dem Greifswalder Botanikprofessor Chr. Ehrenfried Weigel (1748-1831) genannten Sträucher haben längliche Blätter und meist rosarote, angenehm duftende, kelchförmige Blüten, derentwegen sie bei uns eingeführt wurde und häufig in Gärten anzutreffen ist.

Verwandt mit ihnen ist die +Schneebeere+ (~Symphoricarpus racemosus~) ein allgemein bekannter nordamerikanischer Zierstrauch von 1,5 m Höhe, mit unscheinbaren, fleischroten Blüten und kirschgroßen, weißen Beeren, welche in dichten Knäueln den ganzen Winter über an den Zweigen stehen bleiben. Da die eiförmigen Blätter viel Schatten ertragen und der Strauch sehr leicht gedeiht, wird er häufig zur Ausfüllung von Lücken und dunkeln Ecken verwendet.

Eine ähnliche Genügsamkeit in bezug auf Licht und Boden zeigt der ebenso häufig angepflanzte einheimische +schwarze Holunder+ (~Sambucus nigra~), der mit dem ihm nahe verwandten +gemeinen Schneeball+ (~Viburnum opulus~) und dem +wolligen Schneeball+ (~V. lantana~) als Zierstrauch in unsere Gärten wanderte. Ebenso ist der in den Mittelmeerländern heimische +~Laurus tinus~+, der +Gärtner+- oder +Bastardlorbeer+ (~V. tinus~) bei uns als Topfpflanze allgemein beliebt. Während bei der wilden Form des Schneeballs nur der äußerste Kranz der Blütendolde aus sterilen Schaublüten zur Anlockung der Insekten besteht, wird bei ihrer Kulturform die ganze Blütendolde aus geschlechtslosen, blassen Schaublüten gebildet, so daß der Blütenstand sich schneeballähnlich präsentiert, was dem Strauche den Namen gab. Die roten oder schwarzen Beeren dieser Sträucher sind eine beliebte Speise der Vögel, die für die Verbreitung der Art sorgen.

Aus Ostasien und Nordamerika kamen die +Pfeifensträucher+ (~Philadelphus~) zu uns. Von diesen ist der im 16. Jahrhundert aus China und Japan bei uns eingeführte wohlriechende +Pfeifenstrauch+ oder +wilde Jasmin+ (~Ph. coronarius~) mit starkriechenden, teils einfachen, teils gefüllten weißen Blüten in Büscheln, die am häufigsten angetroffene Art. Auch ~Ph. satsumi~ ist verbreitet, doch sind diese ostasiatischen Arten in neuerer Zeit mehr durch nordamerikanische Arten, wie ~Ph. latifolius pubescens~ und ~gordonianus~ verdrängt worden. Den Namen Pfeifenstrauch führen sie von den schlanken, geraden Schößlingen, aus denen man durch Entfernung des Markes Pfeifenröhren macht. Wegen des starken Blütendufts wird der wohlriechende Pfeifenstrauch teilweise auch zur Parfümgewinnung angepflanzt.

Nahe verwandt mit ihnen sind die nach dem Amsterdamer Ratsherrn Johann Deutz, der botanische Forschungsreisen förderte, genannten +Deutzien+ mit ähnlichen, nur etwas kleineren und geruchlosen Blüten. Diese Ziersträucher sind japanischen Ursprungs und gehören zu den dankbarsten Sommerblühern unserer Gärten. Durch Kreuzung sind aus ihnen verschiedene Gartenformen, meist mit gefüllten Blüten, gezogen worden. Die gewöhnlichste ist die 1-2 m hohe +gekerbte Deutzie+ (~D. crenata~), deren rauhe Blätter zum Polieren dienen, und die häufig als frühblühende Topfpflanze gezogene, kleinere +zierliche Deutzie+ (~D. gracilis~), die schon im Mai über und über mit aufrecht gestellten weißen Blütentrauben bedeckt ist.

Noch frühere Blüher sind die ihnen verwandtschaftlich nahestehenden +Johannisbeeren+ (~Ribes~), unter denen zwei nordamerikanische Formen als Ziersträucher die bescheideneren einheimischen Arten verdrängten. Es sind dies die blutrot und goldgelb blühende Johannisbeere (~R. sanguineum~ und ~aureum~). Von ersterer, die 1787 vom schottischen Botaniker Menzies an der amerikanischen Nordwestküste entdeckt wurde, aber erst 1826 in Gärten Europas Aufnahme fand, hängen die schon im April noch vor der Entwicklung der Blätter hervorbrechenden purpurroten Blütentrauben, während die goldgelben geruchlosen oder wohlriechenden Blütentrauben der letzteren, die 1806 westlich vom Felsengebirge in Nordamerika entdeckt und 1812 in unsere Gärten verpflanzt wurde, mehr aufrecht gestellt sind. Sie hat insofern große Bedeutung erlangt, als sie die Pfropfunterlage für die hochstämmig gezogenen Stachel- und Johannisbeersträucher liefert. Beide Arten haben durch Kreuzung einen interessanten Bastard hervorgebracht.

Einen ähnlichen traubigen Blüten- beziehungsweise Fruchtstand wie die Johannisbeeren haben die +Sauerdorn+arten (~Berberis~). Vom +gemeinen Sauerdorn+ (~B. vulgaris~) gibt es mehrere Gartenformen, die sich teilweise durch weißbuntes oder dunkelrotes Laubwerk auszeichnen. Da aber unser Sauerdorn auf seinen Blättern die Zwischenform eines gefürchteten Getreiderostpilzes beherbergt, vermeidet man, ihn in der Nachbarschaft von Getreidefeldern anzupflanzen. Daher trifft man an seiner Stelle vielfach ausländische, teilweise immergrüne Arten.

Glänzende, dunkle, immergrüne Blätter haben auch die nach dem amerikanischen Botaniker Bernhard Mac Mahon genannten, aus Nordamerika in unsere Gärten gelangten +Mahonien+, von denen ~M. aquifolium~ mit der Stechpalme ähnlichen Blättern, gelben Blüten und schwarzpurpurnen, blaubereiften Beeren die verbreitetste ist. Ebenso häufig begegnen wir dem ebenfalls aus Nordamerika zu uns gekommenen +Gewürzstrauch+ ~Calycanthus floridus~, einer 2-2,5 m hohen Gartenzierpflanze mit braunroten, besonders beim Welken starkriechenden Blüten, aus denen bei uns nur selten Früchte hervorgehen. Aus Ostasien bezogen wir den seltener zu findenden ~Calycanthus occidentalis~.

Diese auch in Wurzel und Rinde aromatisch-kampferartig duftenden Sträucher sind die nächsten Verwandten der +Lorbeer+gewächse, unter denen der 5-6,5 m hohe, immergrüne +edle Lorbeer+ (~Laurus nobilis~) seines schönen Laubes wegen als Kalthauspflanze nicht selten gezogen wird. Dieser in Südeuropa häufig kultivierte Baumstrauch ist in den Mittelmeerländern heimisch und wurde nicht erst in geschichtlicher Zeit aus Vorderasien hierher verpflanzt, wie V. Hehn irrtümlicherweise annahm. Seine ästige Krone trägt glänzendgrüne, lederartige Blätter, gelblichweiße Blüten und bläulichschwarze, eiförmige, einsamige Früchte. Letztere schmecken aromatisch bitter und werden in der Volksmedizin zur Stärkung des Magens, als Räuchermittel und in der Veterinärpraxis verwendet. Durch Auskochen und Pressen gewinnt man aus ihnen das grüne, stark gewürzhaft riechende, bei gewöhnlicher Temperatur schmalzartige Lorbeeröl, das man zum Salben bei Entzündung und zum Vertreiben der Fliegen benutzt. Ebenso werden die gewürzhaft riechenden und schmeckenden Blätter seit dem höchsten Altertum arzneilich verwendet, dienen gegenwärtig aber nur als Küchengewürz, zu Essigen und Likören und zum Verpacken von Lakritzenstangen. Sie kommen aus Italien, Frankreich und Spanien in den Handel. In den Mittelmeerländern wird der Lorbeer vielfach kultiviert und findet sich als Zierpflanze auch bei uns, muß aber im Kalthaus überwintert werden.

Wegen des scharfaromatischen Geruchs seiner Blätter und Früchte wurde er frühe schon als eine mit besonderen Kräften begabte Pflanze angesehen. Der Duft seiner Zweige sollte vor ansteckenden Krankheiten und Verzauberung schützen. So suchte, wie berichtet wird, der furchtsame Kaiser Commodus, der von 180 bis 192 n. Chr. regierte und schließlich am 31. Dezember jenes Jahres auf Anstiften seiner Geliebten Marcia erdrosselt wurde, in einem Lorbeerhaine Rettung, wenn die Pest im Anzuge war. Kränze von Lorbeer legte man Wahnsinnigen um Schläfe und Hals, in der Annahme, sie dadurch besänftigen zu können. Lorbeerfrüchte und -Blätter genossen die Priester, wenn sie weissagen sollten, und Lorbeerzweige trugen die Propheten, wenn sie eine Stadt betraten. Der Lorbeer sühnte das vergossene Blut; deshalb reinigten die römischen Legionen gleich nach dem Siege sich, ihre Waffen und Feldzeichen mit Lorbeer. Dadurch wurde der Lorbeerzweig zur Trophäe, zum Symbol des Sieges und zum Verkünder der glücklich vollbrachten Waffentat. Der Lorbeerkranz schmückte die Stirne der siegenden Helden und mit ihm wurden die Fasces, d. h. das zum Auspeitschen dienende Rutenbündel der ihn begleitenden Lictoren oder öffentlichen Diener der mit der Macht des Imperiums bekleideten höchsten Magistrate umwunden. Lorbeergeschmückt (~laureatus~ vom lat. ~laurea~ Lorbeer) folgten die Soldaten dem Wagen des triumphierenden Feldherrn bei seinem Einzuge in Rom, um gleichsam von Mord und Totschlag gereinigt in die Stadt einzuziehen. Später erklärte man, die Ursache, weshalb der Triumphierende sich mit Lorbeer schmücke, liege darin, daß der Lorbeer seinen Namen vom lateinischen ~laus~ Ruhm habe und einst ~laudus~ hieß, was natürlich unrichtig ist.

Von der römischen Zeit an blieb der Lorbeer stets ein Abzeichen des Ruhmes bis in unsere Tage, da junge Doktoren mit beerentragenden Lorbeerzweigen geschmückt wurden, woher das Wort Baccalaureus sich ableitet. Die reinigende Kraft des Lorbeers veranlaßte dessen Verwendung zu Räucherungen wie auch zu Weihwedeln. Im Altertum besprengte sich der Strenggläubige beim Eintritt wie beim Ausgang aus dem Tempel mit dem Lorbeerzweig, der zuvor in Weihwasser getaucht worden war; gern nahm er auch beim Herausgehen ein Lorbeerblatt vom Sprengwedel in den Mund. Die römisch-katholische Kirche übernahm dann allerdings diesen Gebrauch nicht aus dem römischen Heidentum, sondern bevorzugte als Sprengwedel einen Strauß des dem Majoran verwandten Lippenblütlers +Ysop+ (~Origanum smyrnaeum~), eines im östlichen Mittelmeergebiet häufig angetroffenen Halbstrauches, den sie zu demselben Zwecke von den Juden übernahm. Sonst gilt bei uns als Ysop ein anderer, durch reichen Gehalt an ätherischem Öl aromatisch riechender halbstrauchartiger Lippenblütler (~Hyssopus officinalis~) aus Südeuropa, der teils als Zierpflanze, teils als Gewürzkraut häufig auch in Deutschland kultiviert wird und hin und wieder an sonnigen Schutthalden, namentlich in der Umgebung alter Burgen, verwildert angetroffen wird. Das Kraut wurde arzneilich namentlich gegen Magenleiden verwendet, weshalb die Pflanze heute noch besonders in Bauerngärten häufig angepflanzt gefunden wird.

Der von den Griechen ~dáphnē~ genannte Lorbeerbaum war, weil er durch den Duft seiner Blätter Moder und Verwesung verscheuchen sollte, dem Apollon geweiht, der aus einer Personifikation der die Seuche sendenden und daher auch von dieser befreienden Sonnenglut allmählich zum Gott der Sühne für sittliche Befleckung und Erkrankung geworden war. Die Sage meldet, daß, als der Sohn Agamemnons, Orestes, um sich vom Blut der von ihm mit ihrem Buhlen Ägisthos in Mykenä erschlagenen Mutter Klytaimnestra zu sühnen, sich mit seinem Freunde Pylades auf Apollons Geheiß nach Taurien begab, das Bild der Artemis zu holen, und dort von seiner als Priesterin waltenden Schwester Iphigeneia nach Landesbrauch mit seinem Freunde geopfert werden sollte, er von ihr erkannt und gerettet wurde. An seiner Stelle sei dann ein anderes Sühnopfer der Göttin dargebracht worden, und, als die Reste desselben im Boden vergraben wurden, sei aus ihnen der Lorbeerbaum hervorgesproßt. Apollon soll, als er nach der Erlegung des die Gegend um Delphi am Fuße des Berges Parnaß hausenden Drachen Python selbst der Sühne bedurfte, auf Befehl des Zeus sich im Tal Tempe gebadet, sich mit Lorbeer bekränzt und auch einen Lorbeerzweig in seine Rechte genommen haben und sei so nach Delphi gezogen, wo er das dortige Orakel übernahm. In der Folge hat sich der Lorbeer mit dem Kult des Apollon als diesem Gotte heilige Pflanze überallhin verbreitet, wo jenem reinigenden, sühnenden Gotte Heiligtümer errichtet wurden. Bei allen gottesdienstlichen Handlungen des Apollonkultes wurden Zweige von ihm symbolisch verwendet, und er verlieh dem im Dienste des Gottes stehenden Seher die Kraft, Verborgenes zu schauen und den um ein Orakel Bittenden die Zukunft zu enthüllen. So ward der Lorbeer auch das Abzeichen des im Dienste des Gottes zur Begleitung der Leier seine Lieder singenden Sängers und, da der Gott der Anführer der neun Musen war, auch aller mit diesen zusammenhängenden Künste. Und wie zur ~Corona triumphalis~ geflochtene Lorbeerzweige die Stirne des Siegers schmückten, so zierte der Lorbeerkranz auch den im Dienste der Musen sich auszeichnenden Dichter oder Künstler.

Der Lorbeer brennt, nach Plinius, nur widerwillig und zeigt dies durch sein Knistern an. Der feuerabwehrenden Kraft des Lorbeers wurde es zugeschrieben, daß bei dem großen Brande Roms unter den Konsuln Spurius Postumius und Piso, als die Regia in Flammen stand, das ~Sacrarium~, d. h. der Tempel des Apollo, unversehrt blieb, weil ein Lorbeer vor ihm stand. Dann aber war es gerade das Lorbeerholz wegen seiner Härte, das nach Theophrastos und demselben Plinius als Quirl zum Erzeugen des Feuers durch Reiben diente, während als Unterlage, auf der gerieben wurde, das weiche Holz des Efeus oder des Wegdorns (~Rhamnus~) benutzt wurde. Ein reines Feuer zu den Opfern der Griechen und Römer durfte nur der Reibung zweier wie dieser glückbringender Hölzer entstammen, während man in späterer Zeit es vorzog, das reine Feuer zum Gottesdienste mit Hilfe von Brenngläsern, vielfach aus Bergkristall, oder von metallischen Hohlspiegeln zu gewinnen. Der Lorbeer sollte auch die Blitze abwehren. Um vor dieser Gefahr beschützt zu sein, bekränzte sich der abergläubische Kaiser Tiberius, der Schwiegersohn und seit dem Jahre 4 n. Chr. auch Adoptivsohn des Augustus, der nach dessen Tode im Jahre 14 zur Herrschaft gelangte und bis zum Jahre 37 n. Chr. regierte, wie der Geschichtschreiber Suetonius berichtet, mit Lorbeer, wenn ein Gewitter am Himmel nahte. Solche Vorstellungen wurden durch die vielfach gemachten Erfahrungen geweckt, daß nicht alle Bäume gleichmäßig vom Blitze getroffen werden. Auch bei uns schlägt der Blitz fast niemals in Walnußbäume und Buchen, am häufigsten aber in Eichen, welch letztere deshalb von den alten Germanen dem Donnergotte geheiligt waren. Es hängt dies mit der elektrischen Leitungsfähigkeit des Holzkörpers zusammen, das bei den einzelnen Baumarten eine ganz verschiedene ist. Ionesco hat auf Grund von genauen Untersuchungen festgestellt, daß tatsächlich Bäume, die zur Jahreszeit der Gewitter verhältnismäßig viel fettes Öl, wie auch der Lorbeer, in ihrem Holzkörper führen, dem Blitzschlag am wenigsten ausgesetzt sind. Abgestorbene Äste an einem Baume erhöhen für denselben die Blitzgefahr.

Wie der Lorbeer dem Apollon, so war die +gemeine Myrte+ (~Myrtus communis~) bei den Griechen als Symbol der Jugend und Schönheit der Liebesgöttin Aphrodite geweiht und wurde um ihre Heiligtümer herum angepflanzt und bei ihren Festen und den Eleusinien vielfach als Schmuck getragen. Schon von den alten Persern wurde sie bei gottesdienstlichen Handlungen benutzt und galt deshalb bei ihnen als heilige Pflanze. Sie ist ein immergrüner, 2-4 m hoher Strauch oder kleines Bäumchen mit lanzettförmigen, wohlriechenden Blättern, weißen, seltener auch rötlichen oder gefüllten Blüten und schwarzen, aromatischen Beeren, die früher, bevor man den Pfeffer kannte, als Gewürz und Arznei dienten. Bei den Römern gab es einen mit diesen Beeren bereiteten Leckerbissen, der ~myrtatum~ hieß; vielfach wurde, wie Columella berichtet, damit gewürzter Wein getrunken. Die Myrte ist im ganzen Mittelmeergebiet heimisch und wächst hier mit Vorliebe auf sumpfigem Boden. Der griechischen Sage zufolge soll sie, die von den Hellenen ~myrsínē~ genannt wurde, in Attika entstanden sein. Hier liebte einst Aphrodite eine schöne und mutige Jungfrau, und als diese starb, schuf die Göttin zu ihrem Andenken die Myrte. Seither ist sie das Ehrenabzeichen jungfräulicher Bräute bei ihrem Hochzeitsfeste, ein Brauch, der sich bis auf unsere Tage erhielt.

Schon im Altertum wurden auch Myrtenwunder mit der Aphrodite, wie im Mittelalter Rosenwunder mit der Gottesmutter Maria in Zusammenhang gebracht. So schreibt der um 200 n. Chr. in Alexandreia und Rom lebende griechische Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Ägypten in seinen ~Deipnosophistai~, in denen er uns wichtige Nachrichten über das Leben und die Sitten der alten Griechen überlieferte: „In dem Buche des aus Naukratis stammenden Polycharmos, das von der Aphrodite handelt, habe ich über den sogenannten Naukratitenkranz Aufschluß erhalten. Dort heißt es: In der 23. Olympiade (im 7. Jahrhundert v. Chr. um 686) reiste Herostratos, Bürger von Naukratis, in die Fremde, kam weit umher und kaufte zu Paphos auf Cypern ein Bild der Aphrodite, das eine Spanne hoch und uralt war, um es mit nach Naukratis zu nehmen. Auf der Rückreise, als das Schiff in die Nähe Ägyptens kam, trat plötzlich ein solches Unwetter ein, daß man das Land nicht mehr sehen konnte, und keiner von der Bemannung des Schiffes wußte, wo er war. In der Not nahmen sie alle ihre Zuflucht zum kleinen Bilde der Aphrodite und flehten um Rettung. Da ließ die Göttin plötzlich auf dem ganzen Schiff Myrten emporwachsen, und das Schiff füllte sich mit Wohlgeruch, während die Mannschaft eben noch in Verzweiflung gewesen war, an Seekrankheit stark gelitten und entsetzlich gespieen hatte. Mit einem Male hörte das Erbrechen auf, die Sonne zeigte sich wieder, und das Schiff gelangte glücklich nach Naukratis. Dort sprang Herostratos mit dem Bilde der Göttin und mit Zweigen von Myrten ans Land, opferte der Aphrodite, berief seine Verwandten und Freunde in den Tempel selbst zum Gastmahl, gab jedem Gaste einen Myrtenkranz und nannte einen solchen: Naukratitenkranz.“ Der jonische Dichter Anakreon, der in Samos und Athen lebte (550-478 v. Chr.), spricht von mit Rosen durchflochtenen Myrtenkränzen, die man bereits zu seiner Zeit zu Ehren der Aphrodite trug.