Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte
Part 50
Jedenfalls waren aber die Centifolien der Alten noch lange nicht in dem Maße gefüllt, wie sie es heute sind. Gleichwohl haben sie dieselben in hohem Maße entzückt. In den homerischen Epen erscheinen sie mit der Lilie als der Inbegriff des Wunderbaren und Göttlichen. Die Pflanzen selbst scheint der Dichter derselben überhaupt noch nicht gekannt zu haben; er nennt sie, oder besser gesagt, gewisse Eigenschaften von ihnen, wenn er etwas unbestimmt Herrliches ausdrücken will. So bezeichnet er die Morgenröte als rosenfingerig, und Aphrodite salbt den Leichnam des ihr sympathischen Hektor mit rosenduftendem, d. h. besonders herrlich duftendem Öl. Ajax soll eine lilienzarte Haut besitzen, die Hektor mit seinem Speer durchbohren will. Auch bei dem im 8. vorchristlichen Jahrhundert in Böotien lebenden griechischen Dichter Hesiod war es nicht anders. In seiner Theogonie spricht er von zwei rosenarmigen Töchtern des Meergottes Nereus und bezeichnet die Stimmen der Musen und Zikaden als Lilienstimmen, aber was Rosen und Lilien tatsächlich sind, ist ihm völlig dunkel geblieben. Wie hätte er auch diese Blumen kennen sollen, wenn noch in einem von der Forschung in die Mitte des 7. vorchristlichen Jahrhunderts gesetzten Hymnus des alteleusinischen Demeterdienstes erzählt wird, wie Persephone, die Tochter des Zeus und der Erdgöttin Demeter, auf der Wiese mit ihren Gespielinnen gespielt und außer Veilchen, Krokos, Hyazinthen und Schwertlilien auch Rosen (nicht vom Strauch gebrochen und nicht mit Stacheln bewehrt, wie wirkliche Rosen, sondern Phantasierosen) gepflückt habe und die Wunderblume Narkissos „-- ein Wunder zu sehen für Menschen und Götter -- die sich mit hundert Häuptern aus der Wurzel erhebt, deren Duft Himmel, Meer und Erde erfreut“ (also ebenfalls nicht die wirkliche, sondern eine Phantasienarzisse, die, wie der Name bezeugt, der mit dem Wort Narkose zusammenhängt, eine exotische Blume mit berauschendem Dufte bezeichnen sollte). An einer späteren Stelle desselben Hymnus erzählt Persephone ihrer Mutter, wie sie auf einer reizenden Wiese gespielt und „Kelche der Rosen und Lilien -- ein Wunder zu schauen“ gepflückt habe. Dieser Zusatz des Wunderbaren erhebt ja an sich schon diese Blumen ins Fabelhafte, Unglaubliche, noch nie Geschaute.
In einem Fragment des um ein Menschenalter älteren griechischen Lyrikers Archilochos von Paros (um 700 v. Chr.), der aber weiter in der Welt herumgekommen zu sein scheint als der Verfasser jener eleusinischen Tempelpoesie und außer den Ägäischen Inseln auch Thrakien und Lydien kannte, tritt uns erst unverkennbar die Kenntnis des Rosenstrauches entgegen, dessen schöne Blüte (~rodḗs te kalón anthós~) der Dichter neben dem Myrtenzweig als Schmuck des Mädchens, ohne Zweifel seiner Geliebten, der Neobule, erwähnt. Hundert Jahre später war die Rose ein Liebling der Dichterin Sappho aus Mitylene auf der Insel Lesbos (um 600 v. Chr.), von der sie häufig gepriesen und als Gleichnis schöner Mädchen herangezogen wurde. Nach ihr hat der lebensfrohe Lyriker Anakreon aus Teos in Ionien (550-478 v. Chr.), der in Samos und Athen lebte, sie vielfach in seinen Gedichten verherrlicht. Er sagt von dieser Blume: „Mit schönblühenden Rosen bekränzt wollen wir trinken. Die Rose ist die herrlichste Blume; sie ist bei den Göttern beliebt; mit ihr bekränzt sich der Sohn Kytherens (der Liebesgott Eros -- bei den Römern Amor genannt), wenn er mit den Grazien tanzt. So will auch ich mit Rosen bekränzt tanzen.“
Von da an finden wir die Rose neben der Lilie als beliebten Blumenschmuck eingebürgert und bei keinem griechischen Feste fehlend. Zweifellos war sie aus der Landschaft Phrygien im mittleren Kleinasien über Thrakien und Makedonien nach Griechenland eingewandert. Das nyseische Gefilde, auf dem Persephone nach dem homerischen Hymnus Rosen und Lilien pflückt, ist nach den Angaben in der Ilias in Thrakien zu denken, und der Name einer ihrer Gespielinnen, Rhodope, ist zugleich derjenige des thrakischen Gebirges, in welches jene Nymphe verwandelt sein sollte. Und Herodot aus der dorischen Stadt Halikarnassos an der kleinasiatischen Küste südlich von Milet (484-424 v. Chr.) sagt: „In einer Landschaft Makedoniens liegen die sogenannten Gärten des Midas, des Sohnes des Gordios (eines phrygischen Königs und der Kybele, dem Dionysos den Wunsch gewährte, daß alles, was er berühre, sich in Gold verwandle, von welcher lästigen Wohltat er sich dann durch ein Bad im Flusse Paktolos befreite, der seitdem Gold führt). In diesem Garten wachsen die Rosen wild, jede hat 60 Blätter, und sie riechen besser als andere Rosen.“ Gleicherweise drückt sich der bei Athenaios erwähnte alexandrinische Dichter Nikander im zweiten Buche seiner Georgika aus, wenn er sagt: „Midas von Odonien (einer Landschaft in Thrakien) erzog, nachdem er die Herrschaft von Asis (in Kleinasien) verlassen, zuerst in den Gärten von Emathia (einer Landschaft in Makedonien) die Rosen, die mit 60 Blumenblättern umsäumt sind.“ Schon diese bei ihm und Herodot hervorgehobene altbabylonische Zahl 60 weist auf die Herkunft dieses Mythos aus Asien, woher mit dem Dienst der Aphrodite und des Gottes des Natursegens Dionysos auch die ihnen geweihte Blume zu den Griechen kam.
Noch der pflanzenkundige Schüler des großen Aristoteles, Theophrast (390-286 v. Chr.), schreibt in seiner Pflanzengeschichte, daß die meisten reichgefüllten Rosen, die er bereits ~hekatonphylla~, d. h. hundertblätterig -- identisch mit dem römischen ~centifolia~ -- nennt, in der Gegend von Philippi in Makedonien wachsen. An der diesbezüglichen Stelle teilt er uns sein ganzes Wissen über diese Pflanze mit: „Es gibt verschiedene Arten von Rosen (~ródon~); sie haben mehr oder weniger Blumenblätter (~phýllon~), sind mehr oder weniger rauh oder glatt, an Farbe und Wohlgeruch verschieden. Die meisten sind fünfblätterig; es gibt aber auch zwölf- bis zwanzigblätterige, ja die Zahl der Blumenblätter soll bis auf hundert steigen, und solche nennt man ~hekatonphylla~. Die meisten Hekatonphyllen wachsen um Philippi, wohin man sie vom (benachbarten) Pangaiosgebirge, woselbst sie in Menge vorkommen, verpflanzt hat. -- Im allgemeinen richtet sich bei den Rosen die Schönheit der Farben und der Wohlgeruch nach dem Standort; jedoch kann auf demselben Boden der Geruch verschieden sein. Den besten Geruch haben die Rosen von Kyrene (in Nordafrika zwischen Tripolis und Ägypten); daher wird dort die kostbarste Rosensalbe (~mýron~) gemacht. Man kann den Rosenstrauch (~rodōniá~) auch durch Samen vermehren; dieser liegt unter der Blüte in der Frucht (~mélōn~, eigentlich Apfel) und ist mit Wolle umgeben. Da aber das Wachstum aus den Samen sehr langsam vor sich geht, so pflegt man die Rosen durch Stecklinge zu vermehren. Übrigens trägt der Rosenstrauch schönere Blumen, wenn man ihn abgebrannt oder abgeschnitten hat; dagegen treibt er wilde Schößlinge, wenn man ihn nach Belieben wachsen läßt. Auch durch oftmaliges Verpflanzen werden seine Blumen schöner. Die wilden (~ágrios~) Rosen haben rauhere Zweige und Blätter, weniger stark gefärbte und kleinere Blüten.“
Die ältesten Babylonier haben so wenig wie die übrigen vorderasiatischen Völker und die Ägypter der älteren Zeit die Rose gekannt. Erst bei den jüngeren Assyriern tritt sie uns als viel gebrauchtes Ornament, nämlich stilisiert als Rosette, entgegen, und bei den jüngern Babyloniern, wie sie uns der griechische Geschichtschreiber Herodot aus eigener Anschauung um die Mitte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts schildert, hatte sie auch erst durch Vermittlung ihrer persisch-medischen Überwinder Eingang gefunden. So schreibt er im ersten Buche seines Geschichtswerks: „Jeder Babylonier trägt auf seinem Stock das Bild entweder eines Apfels oder einer Rose oder einer Lilie oder eines Adlers oder irgend eines andern Gegenstandes.“ Auch die alten Hebräer zur Zeit Salomos (993-953 v. Chr.), der in seinen wohlgepflegten Gärten eine Menge aus dem Auslande eingeführter neuer Kulturpflanzen ziehen ließ und sich an seinem prunkhaften Hofe gern mit einer so schönen Blume geschmückt hätte, wenn er es hätte tun können, kannten die Rose, dieses herrliche Geschenk Irans, noch nicht. Wenn Luther, der Auslegung der Rabbinen folgend, das hebräische ~susan~ mit Rose übersetzt, so ist dies ein heute vollständig klargelegter Irrtum; es bedeutet vielmehr Lilie, und zwar nicht sowohl die weiße, sondern die farbige Feuerlilie oder noch wahrscheinlicher eine überall in Palästina wildwachsende, ebenfalls glockenförmige Blüten besitzende Kaiserkrone. Dahin sind die Stellen zu berichtigen, wie z. B. bei dem (im 8. Jahrhundert v. Chr. lebenden) Hosea, wo es in den bisher gebräuchlichen Bibelübersetzungen heißt: „Ich will Israel wie ein Tau sein, daß er soll blühen wie eine Rose“, oder an mehreren Stellen des nicht lange nach der Salomonischen Zeit gedichteten Hohen Liedes, wie: „Ich bin eine Blume zu Saron und eine Rose im Tal“, oder: „wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern“ usw. Erst den Verfassern der schon in die griechische Zeit fallenden Apokryphen war die Rose bekannt. Nach allem scheint diese Zierpflanze von dem im Jahre 536 aus dem Exil in Babylon, wohin sie Nebukadnezar nach der Zerstörung Jerusalems 586 geführt hatte, auf Grund der vom Perserkönige Kyros erteilten Erlaubnis nach Palästina zurückgekehrten, etwa 42000 Juden nach Syrien gebracht worden zu sein. Demgemäß wird sie zuerst in den nach dieser Zeit verfaßten Büchern der Weisheit und Jesus Sirach erwähnt.
Auch nirgends in den altägyptischen Inschriften und Papyri wird die Rose angeführt. Auch Herodot, der Ägypten aus eigener Anschauung kannte, erwähnt wohl die Lotosblume, die er als Lilie des Nils bezeichnet, aber nicht die Rose als Zierpflanze Ägyptens. Erst etwa ums Jahr 600 v. Chr. kam die Rose wahrscheinlich von Syrien her und nicht durch Griechen, die allerdings der Handel schon damals zu den Nilmündungen führte, wo ihnen dann König Amasis II. (570 bis 526 v. Chr.), der Freund des Polykrates von Samos, die Stadt Naukratis überließ, nach dem Niltal, wo sie in der Folge besonders in der Landschaft Arsinoe, dem heutigen Fajum, viel angepflanzt wurde. Zur Zeit der Herrschaft der Ptolemäer (323-30 v. Chr.) und der Römer war diese Landschaft bei allen Völkern des Mittelmeerbeckens wegen ihrer Wein- und Rosengärten berühmt. Schon Theophrast berichtet, daß die Rosen und Veilchen Ägyptens, die wie alle Blumen des Landes, außer der Myrte, geruchlos sein sollten, um zwei Monate früher blühen als in Griechenland. Diesen Umstand benutzten die üppigen Einwohner Roms zur Kaiserzeit, um sich zu einer Zeit, da es noch keine blühenden Rosen im eigenen Lande gab, welche von dort kommen zu lassen. So sagt Martial (40-102 n. Chr.), der unter Nero aus seinem Vaterlande Spanien nach Rom kam, in einem seiner Epigramme: „Im Winter schickt der Nil Rosen nach Rom, aber mehr und schönere sendet Paestum (die griechische Pflanzstadt Poseidonia in Unteritalien, dessen verhältnismäßig noch gut erhaltener Poseidontempel aus Abbildungen genugsam bekannt ist).“ Diesen Tatsachen entsprechend hat man erst in den der griechisch-römischen Periode angehörenden Gräbern der Nekropole von Hawara im Fajum Überreste der Rose gefunden, für die es auch keine einheimische ägyptische Bezeichnung gab. In demotischen Texten findet sich dafür der Name ~uartu~, der semitischer Herkunft zu sein scheint, da er sich als ~uard~ im Arabischen wiederfindet. Dies würde für einen Import der Rose durch semitische und nicht griechische Vermittlung sprechen. Bekanntlich hat der Ägyptologe Georg Ebers diese Bezeichnung der Rose als Name der Heldin seines Romanes Uarda benutzt.
Nach Unteritalien kam die orientalische Gartenrose schon früh mit den ihre Kolonien daselbst gründenden Griechen. In ihrer Gesellschaft befand sich jedenfalls auch die morgenländische weiße Lilie, deren griechischer Name ~leírion~ in das lateinische ~lilium~, und der griechische Pluralis ~róda~ in ~rosa~ verwandelt wurde. Im späteren Italien hat diese heilige Blume der Aphrodite-Venus bei den Festen der Vornehmen eine sehr bedeutende Rolle gespielt. Schon der Redner Cicero (106-43 v. Chr.) nennt die Rose da, wo er ein Leben voll Üppigkeit bezeichnen will. Und es war in der Tat orientalische Ausschweifung, wenn, wie Athenaios (um 200 n. Chr.) uns berichtet, Kleopatra in Kilikien, wohin sie dem Marcus Antonius, um ihn für sich zu gewinnen, entgegengezogen war, diesen in Speisezimmern bewirtete, deren Boden eine Elle hoch mit Rosen bedeckt war. Damit man sich nicht in ihnen mit den Füßen verfing, war über sie ein feines Netz gezogen. Die Kosten für diese kleine Überraschung betrugen ein Talent, d. h. 4500 Mark. Derselbe Athenaios berichtet von dem im 4. Jahrhundert v. Chr. über Syrakus herrschenden grausamen Tyrannen Dionysios, daß er die Fußböden seines Palastes mit Feldthymian und Rosen bedecken ließ und sich dann darauf herumwälzte, um in Wohlgerüchen zu schwelgen. Es war eine Nachahmung der üppigen Sitten bithynischer Fürsten, wenn sich der römische Beamte Gajus Verres, der von 73-71 v. Chr. Statthalter von Sizilien war und während seiner dortigen Amtsführung nicht weniger als 40 Millionen Sesterzien, d. h. 6 Millionen Mark erpreßte, weswegen er im Jahre 70 angeklagt wurde, wobei Cicero als Anwalt der Bewohner Siziliens seine berühmten Verrinischen Reden hielt, den für die Begriffe der Römer der damaligen Zeit ganz unerhörten Luxus leistete, mit Rosen bekränzt in seiner Sänfte auf Rosenkissen zu ruhen und dabei ein mit Rosen gefülltes Netzchen an die Nase zu halten. Die diesbezügliche Stelle in der Rede Ciceros gegen Verres lautet wörtlich: „Als unser Feldherr Verres seine Residenz in Syrakus aufgeschlagen hatte, ließ er sich, sobald es Rosen gab, in einer Sänfte herumtragen, in welcher das Polster mit Rosen ausgestopft war; dabei hatte er einen Kranz von Rosen auf dem Kopfe und einen andern solchen um den Hals, und vor die Nase hielt er sich ein aus ganz zarten Leinfäden gestricktes, engmaschiges, mit Rosen gefülltes Netzchen.“
Solche Verschwendung wurde noch bei weitem von den an Größenwahn leidenden Cäsaren Roms übertrumpft. Berichtet doch Spartianus von dem römischen Kaiser Aelius Verus, dem Adoptivsohn des Antoninus Pius, der 161 von Mark Aurel zum Mitregenten erhoben wurde und 169 zu Altinum in Venetien starb, er habe auf einem Bett geschlafen, das mit Rosenblättern gefüllt war, denen das Weiße, also der Nagel, genommen worden war. „Seine Decke bestand aus Lilien und sein Körper war mit persischen Salben parfümiert. Von ebenso gereinigten Rosenblättern und von Lilien ließ er oft die Polster machen, worauf beim Schmause die Gäste lagen, desgleichen auch die Tische selbst.“ Es handelt sich also hier um mit Rosen- und Lilienblättern gefüllte Kissen, die gelegentlich auch von anderen üppigen Kaisern benutzt wurden, wenn es sich um besonderen Pomp bei festlichen Anlässen handelte. So berichtet uns der Geschichtschreiber Aelius Lampridius in seiner Biographie des Kaisers Heliogabalus (der auf Anstiften seiner Großmutter Julia Maesa, der Schwägerin des Kaisers Septimius Severus, 218 17jährig als Oberpriester des Gottes Elagabal, dessen Namen er annahm -- er hieß eigentlich Avitus Bassianus -- in Emesa in Syrien von den syrischen Legionen zum Kaiser ausgerufen wurde, 219 in Rom einzog, wohin er den orgiastischen Dienst seines syrischen Gottes verpflanzte und wo er schwelgerisch und wollüstig lebte, bis er 222 von den Prätorianern ermordet wurde): „Kaiser Heliogabalus speiste öfter auf Kissen, die mit Rosen(blättern) gefüllt waren, hatte mit Rosen(blättern) ausgestopfte Betten und spazierte in Säulenhallen, deren Boden mit Rosen bedeckt war. Er wechselte auch mit der Blume und gebrauchte statt der Rosen Lilien, Veilchen, Hyazinthen oder Narzissen. Er füllte auch Bassins mit Rosen- oder Wermutwein, badete sich darin, trank sich dabei an dem Wein, worin er saß, voll und lud zugleich das Volk ein mitzutrinken.“
Von Kaiser Gallienus (253 Mitregent seines Vaters Valerianus, von 260 an Alleinherrscher, bis er 268 in Mailand ermordet wurde) berichtet uns Trebellius Pollio: „Kaiser Gallienus baute öfter im Frühjahr ganze Villen von Rosen und Burgen aus Obst, bewahrte Trauben drei Jahre lang auf, traktierte seine Freunde mit Melonen und setzte ihnen in Monaten, in welchen eigentlich keine zu haben waren, frische Feigen und andere Obstarten vor.“
Sich mit Rosen zu umgeben galt bei den Machthabern des Altertums als ein Zeichen fürstlichen Prunkes. So berichtet Florus von dem syrischen Könige Antiochos III., dem Großen, der seine Herrschaft über Kleinasien auszudehnen suchte und infolge davon 192 mit den Römern in Krieg geriet und nach zwei unglücklich verlaufenen Schlachten 190 ganz Kleinasien diesseits des Taurus an jene abtreten mußte: „Als Antiochus, König von Syrien, gegen die Römer Krieg führte, hatte er sich zur Winterszeit auf Euboea gelagert; seine Zelte bestanden aus Gold und Seide, von allen Seiten waren Rosen herbeigeschafft und Flötenspieler sorgten für gute Unterhaltung.“ In diesem Bericht und in anderen ähnlichen Inhalts besteht das Luxuriöse gerade darin, im Winter Rosen haben zu wollen, wenn sonst niemand welche hatte. Dazu wurden sie entweder in mit Marienglas gedeckten Kästen getrieben, wie uns dies Martial in einem Epigramm für Rosen und Lilien mitteilt und auch Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. noch erwähnt, oder aus wärmeren Gegenden, besonders Nordafrika, bezogen. Auch Süditalien, wo, wie in Paestum nach der Angabe des Dichters Vergil in seiner Georgica die Rosen zweimal Blüten trugen, lieferte solchen Leuten, die sich nach der Bezeichnung des Seneca, des Erziehers und Leiters des jugendlichen Nero (2-65 n. Chr.), in einer seiner Episteln „durch naturwidrige Mittel im Winter Rosen zu verschaffen suchen“, das Gewünschte. Hier wurden die Rosen nach der Angabe des Plinius (23-79 n. Chr.) in der Weise vorzeitig zum Blühen gebracht, daß man „einen Fuß von der Wurzel des Stockes entfernt einen Graben zog und in diesen warmes Wasser goß“. Dasselbe empfiehlt auch drei Jahrhunderte später Palladius, der rät, zweimal täglich warmes Wasser hineinzugießen. Auf solche Weise war es den Herren der Welt möglich, wie der jüngere Claudius Mamertinus in seinem ~Panegyricus Juliani~, d. h. der Lobschrift über den Kaiser Julianus Apostata (361-363), sagt, an den Tafeln bei ihren Gastmählern „wunderbare Vögel und Fische aus fernen Meeren, Obstsorten, die zu ganz anderer Zeit reifen, Schnee im Sommer, Rosen im Winter beim Schmause zu verbrauchen“. Daß solche Extravaganzen nicht billig zu stehen kamen, ist sehr wohl begreiflich. Doch in Rom, das so viele andere Völker ausgeraubt hatte, gab es genug sehr reiche Leute, die sich diese Vergnügungen leisten konnten. So berichtet der römische Geschichtschreiber Suetonius (70-140 n. Chr.), der einstige Geheimschreiber des Kaisers Hadrian, daß bei einer Festlichkeit, die ein Freund des Kaisers Nero (geboren 37, regierte von 54-68 n. Chr.) mitten im Winter gab, die Beschaffung der Rosen allein die Kleinigkeit von 4 Millionen Sesterzien = 600000 Mark kostete.
Diese nun einmal zum Lebensgenuß gehörende schöne Blume zierte auch die Liebenden, um so mehr, weil sie das Sinnbild der Liebesgöttin selbst war. Wie die Reichen beim Schmause in Rosen lagen, schenkte der Liebende seiner Geliebten die Blume Aphrodites. Schon beim römischen Komödiendichter Plautus (254-184 v. Chr.) treffen wir als liebkosende Anrede den Ausdruck ~rosa~, ~mea rosa~, meine Rose. Wie das Haupt der Tänzerin, der Flötenspielerin und des weinschenkenden Knaben von einem Rosenkranze umwunden war, bekränzte der Trinkende sich selbst und seinen Becher mit der Dionysos selbst geheiligten Blumenzier. Von Anakreon im 6. vorchristlichen Jahrhundert an tönt uns bei den Lyrikern immer wieder als Ausdruck ausgelassener Lebensfreude die Aufforderung entgegen: Laßt uns mit schönblühenden Rosen bekränzen und trinken! Vom Griechen lernte der Römer, so daß bald auch bei ihm Sinnentaumel und Rosen zusammengehörten. So singt Martial: „Wenn der Sorgenlöser rast, wenn die Rose herrscht, wenn die Haare feucht sind vom Taumel, dann...“ Und wie Dionysos, der Gott des Natursegens, zugleich auch der Führer und Herrscher der Abgeschiedenen war, so schmückte man auch die Toten und deren Gräber mit Rosen. Wie der Lorbeer Ruhm, so bedeutete die Rose Liebe und Verehrung, und beides wollten die Einwohner von Cremona dem Kaiser Vitellius bezeugen, als er, nachdem sein Heer bei jener Stadt im Herbst 69 von den Legionen Vespasians geschlagen worden war, das Schlachtfeld besichtigte. „Da“, so sagt uns der Geschichtschreiber Tacitus, „bestreuten die Cremonenser seinen Weg mit Lorbeer und Rosen, errichteten ihm Altäre und brachten ihm Opfer dar.“
Auch zu wohlriechenden Essenzen und Salben fand die Rose vielfach Verwendung. So findet Plinius, daß kein Land so passend sei zur Bereitung wohlriechender Salben, als Ägypten und dann Campanien wegen seines Überflusses an Rosen. Derselbe Autor gibt an, daß aus Rosen das Rosenöl (~oleum rhodinum~) bereitet werde, worunter aber nicht das von uns verstandene Produkt zu verstehen ist; denn die Kunst der Destillation war dem Altertum noch unbekannt. Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt uns, wie solches bereitet wurde: „Um Rosenöl (~oleum roseum~) zu bekommen, braucht man auf 1 Pfund Olivenöl 1 Unze gereinigte Rosenblätter und hängt die Mischung 7 Tage lang in Sonnen- und Mondenschein.“ Sehr beliebt war auch der Rosenhonig und der Rosenwein, deren Herstellung uns derselbe Autor in folgender Weise schildert: „Rosenhonig (~rhodomeli~) entsteht, wenn man Rosensaft mit Honig mischt und die Masse 40 Tage an die Sonne hängt. -- Der Rosenwein (~vinum rosatum~) ist ein Wein, in welchem 30 Tage lang Rosenblätter gelegen haben und der alsdann einen Zusatz von Honig erhält.“ Plinius aber rät den Rosenwein in der Weise zu bereiten, „daß man zerstoßene Rosenblätter in einem Leinwandsäckchen drei Monate in Most liegen läßt. Man preßt auch die Blumenblätter entweder für sich samt den Nägeln (~unguis~, d. h. den farblosen Blumenblattstielen), oder man legt sie, nachdem man die Nägel abgeschnitten hat, in Öl oder Wein, läßt sie so an der Sonne stehen und sondert sie dann durch Pressen von der Flüssigkeit. Einige fügen auch Salz bei. Man nimmt auch recht gut riechenden Blumenblättern die Nägel, zerreibt sie, preßt sie in dichter Leinwand aus und kocht den Saft bei gelindem Feuer bis zur Honigdicke ein.“ Auch Rosenplätzchen (~rodís~), die uns der griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. erwähnt, waren beliebt, und sein 150 Jahre später in dem üppigen Alexandreia lebender Volksgenosse Athenaios empfiehlt als Leckerbissen: „Es gibt eine herrlich duftende Speise, welche ~rodoniá~ heißt. Um sie zu bereiten, mischt man Rosenblätter, die im Mörser zerrieben sind, Gehirn von Hühnern und Schweinen, Eidotter, Olivenöl, Fischsülze, Pfeffer, Wein, reibt alles gut durcheinander und kocht bei gelindem Feuer.“