Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Part 13

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Gleich den übrigen Obstarten haben die Römer auch die Pflaumen und Zwetschen nördlich von den Alpen angesiedelt. Diese Einführung der dort vorher unbekannten Fruchtbäume nach dem Norden haben die Funde aus den Schachtbrunnen der Saalburg und aus einem spätrömischen Pfahlbau bei Fulda in Form von Steinkernen dieser Obstarten bestätigt. Wie aus dem griechischen ~prúmnon~ das ~prunum~ der Römer entstand, so ging aus dem Pluralis des Lateinischen ~pruna~ das althochdeutsche ~pfruma~ und aus diesem schließlich ~pflume~, Pflaume hervor. Im ~Capitulare de villis~ Karls des Großen aus dem Jahre 812 werden ~prunarii diversi generis~, d. h. Pflaumenbäume verschiedener Sorten erwähnt, worunter wohl nicht bloß Pflaumen-, sondern auch Zwetschenbäume in mehreren Spielarten zu verstehen sind.

Die großfrüchtige Zwetsche, die in Turkestan und im südlichen Altaigebirge ihre Heimat hat, kam erst mit den Turkvölkern nach dem Abendlande. Erst vor 400 Jahren wurde sie durch die massenhafte Einfuhr der getrockneten Früchte aus Ungarn und Mähren, wohin sie von der Türkei aus bald gelangte, bei uns bekannt. Auch die von der in Turkestan und Vorderasien heimischen und in Persien angebauten +Kirschpflaume+ (~Prunus cerasifera~) stammende Mirabelle -- die ~Myrobalane~ der älteren Botaniker -- kam erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa in Aufnahme. In Europa wird die großfrüchtige Türkenzwetsche seit längerer Zeit besonders an der unteren Donau im großen gezogen. Dort begegnet man, besonders in Bosnien, ganzen Wäldern von Zwetschenbäumen, deren Früchte im Herbst 4-6 Wochen hindurch die Hauptnahrung der Bevölkerung bilden und in gedörrtem Zustande massenhaft nach Europa und anderwärts ausgeführt werden. Von dem überreichen Ertrag wird auch ein beliebter Branntwein, Sliwowitza genannt (von ~sliva~, verwandt mit Schlehe, Zwetsche), hergestellt, der in Unmengen im Lande selbst konsumiert und auch exportiert wird.

Im Laufe des Mittelalters ist in dem durch seine Obstbaumzucht hervorragenden Frankreich außer anderen saftigen, süßen Spielarten auch die +Reineclaude+ hervorgegangen, die einer nicht festgestellten französischen Königin zu Ehren diesen Namen erhielt, wie heute noch neue Varietäten von Obst oder Blumen gerne nach vornehmen Damen genannt werden. Von Europa sind dann die verschiedenen Pflaumen- und Zwetschenarten nach Nordamerika eingeführt worden, wo sie sich rasch einbürgerten. Gleich allen anderen Obstarten werden sie besonders in Kalifornien im großen gezüchtet und in eisgekühlten Eisenbahnwagen überallhin durch die Vereinigten Staaten versandt, wo sie willige Abnehmer finden.

Edle Früchte hat der Mensch ferner in der armenischen Pflaume oder der +Aprikose+ (~Prunus armeniaca~) und der persischen Pflaume oder dem +Pfirsich+ (~Prunus persica~) -- früher nach Linné ~Amygdalus persica~, d. h. persische Mandel genannt -- gewonnen. Beide Fruchtbäume stammen aus dem Innern Asiens noch jenseits des Kirschen- und Pflaumenlandes, und zwar die Aprikose aus dem östlichen Turkestan, der Dsungarei, der südlichen Mandschurei und Nordchina und der Pfirsich (chinesisch ~tao~) aus Mittelchina, wo in den Gebirgen der Provinzen Schen-si und Kan-su eine als ~Prunus davidiana~ bezeichnete sehr nahestehende Art mit kleinen Früchten, die vielleicht die Stammpflanze des Kulturpfirsichs ist, heute noch wildwachsend angetroffen wird. Das Volk, das beide Fruchtarten zuerst in seine Pflege nahm, sind die Chinesen. Aus den Berichten in den chinesischen Annalen wissen wir, daß ihr Anbau in verschiedenen Varietäten bis ins 3. vorchristliche Jahrtausend zurückreicht. Nur sehr langsam verbreitete sich ihre Kultur west- und südwärts. Weder im Sanskrit noch im Hebräischen existiert ein Name für diese Früchte. Den Ägyptern wurden beide erst in der griechisch-römischen Periode bekannt.

Wie die Forschungen des Sinologen Bretschneider die bis dahin in Kleinasien gesuchte Heimat von Aprikose und Pfirsich nach Ostasien verlegten, so haben sie uns auch einen Einblick in die Wanderung dieser beiden Steinobstarten nach Westen verschafft. Wir wissen jetzt aus chinesischen Annalen, daß im Jahre 128 v. Chr. der kühne chinesische General Tschang-kiën bis zu den Ländern am Oxus und Jaxartes vordrang. Seit diesem denkwürdigen Zuge entspann sich zwischen den Chinesen und dem Volke der Ansi, in denen man mit großer Wahrscheinlichkeit die Parther vermutet, ein lebhafter Handelsverkehr, der das ganze letzte Jahrhundert v. Chr. andauerte. Dieser muß das Verbreitungsgebiet der beiden Obstsorten westwärts ausgedehnt haben. Und die Ansi ihrerseits besorgten den Austausch der aus China kommenden Waren mit den angrenzenden Distrikten Vorderasiens, mit Persien und Mesopotamien. Aus Persien gelangte dann der Pfirsichbaum und aus Armenien der Aprikosenbaum nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die römische Kaisermacht sich nach dem Untergange des Königs Mithridates im Jahre 63 Armeniens und bald darauf auch Persiens bemächtigte, zuerst nach dem Lande der Sieger, Italien. Hier nahmen nun die vorhin erwähnten syrischen Sklaven der vornehmen Römer diese beiden neuen Fruchtbäume in Pflege, und bald wurden sie auch nach Griechenland und in die übrigen Provinzen des römischen Reiches gebracht.

Dieser ihrer Geschichte gemäß weiß kein römischer Schriftsteller weder der ausgehenden Republik, noch des augusteischen Zeitalters irgend etwas vom Pfirsich. Erst auf einem Wandgemälde der im Jahre 79 n. Chr. durch den bekannten Vulkanausbruch verschütteten Stadt Pompeji findet sich eine bildliche Darstellung dieser Frucht, und der bei jener Katastrophe als Befehlshaber der beim Kap Misenum stationierten römischen Flotte umgekommene ältere Plinius berichtet, daß zu seiner Zeit eine einzelne Frucht des Pfirsich (~persica~), der weder in Italien, noch in Kleinasien und Griechenland heimisch, sondern aus Persien nach Italien gebracht worden sei, mit 300 Sesterzien, das sind nach unserem Gelde etwa 45 Mark, bezahlt wurde, so selten und kostbar war sie damals noch. Man nannte sie nach dem Orte ihrer Herkunft ~persica mala~, d. h. persische Äpfel, auch ~persica~ allein, die Aprikosen dagegen ~armeniaca mala~, d. h. armenische Äpfel. Aus dem ~persica~ der Römer hat sich dann später das ~pesca~ der Italiener, das ~pêche~ der Franzosen und das Pfirsich der Deutschen gebildet. Die ~armeniaca~ dagegen wurden später von den Römern in Anlehnung an ihre Benennung im Griechischen ~prēkókkion~, die wir bei Dioskurides und Galen finden, meist als ~praecoqua~ bezeichnet, eine Benennung, die uns Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. noch anführt, indem er berichtet, daß die sogenannten Aprikosen im Januar auf Pflaumen gepfropft werden. Und zwar haben die Römer, wie uns Galen belehrt, eine bessere Aprikosensorte mit der Bezeichnung ~praecoquum~ versehen, während sie der geringeren die Benennung ~armeniacum~ beließen. Aus dem ~praecoquum~ der Römer haben dann die Araber, die bei ihrem Siegeszuge über Syrien und Nordafrika den Fruchtbaum kennen lernten, ihr ~albarkuk~ (wobei ~al~ der Artikel ist) gebildet, und diesen übernahmen dann die Italiener als sie in Sizilien und Unteritalien mit der sarazenischen Kultur in Berührung kamen und den Fruchtbaum von dorther kennen lernten. Wie die Italiener aus dem arabischen ~albarkuk~ ihr ~albercocco~ bildeten, formten die Spanier, die die Bezeichnung mit der Frucht den Mauren entlehnten, ihr ~albaricoque~, woraus das französische ~abricot~ und aus diesem wiederum das deutsche Aprikose wurde.

Der griechische Arzt Galenos meint, der Pfirsich sei dem Magen nicht sehr zuträglich, verdaue sich aber besser, wenn man ihn vor als nach der Mahlzeit esse. Ein Jahrhundert vor ihm erklärten Dioskurides: „Der Pfirsich ist eine gesunde Speise, wenn er gehörig reif ist,“ und Plinius: „Der Pfirsich bekommt einem besser als die Pflaume und das meiste andere Obst. Bei der Pfirsichsorte, die man ~duracinum~ (aus dem Griechischen ~dōrakinón~ laut Geoponika) nennt, geht das Fleisch nicht vom Kern.“ Diese allein läßt sich nach Palladius „auf verschiedene Weise eine Zeit lang aufbewahren.“ Bei den gewöhnlichen Sorten war dies nicht möglich; denn Gargilius Martialis klagt: „Man hat auf mancherlei Weise versucht, Pfirsiche lange aufzubewahren, aber vergeblich.“ Nach Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. kann man Pfirsichbäume aus Kernen ziehen, die im November oder Januar mit der Spitze nach unten in tief gegrabene Beete, je zwei Fuß voneinander gelegt werden, oder auf Wildlinge pfropfen, und zwar auf Pfirsiche, Mandeln, Pflaumen und Aprikosen. „Am besten werden die Früchte an warmen Stellen, auf sandigem, feuchtem Boden. Wachsen die Bäume an kalten und windigen Stellen, so gehen sie ein, wenn sie nicht vor Kälte und Wind geschützt werden. Im Herbst wird die Erde um die Bäume aufgehackt und sie werden mit ihren eigenen Blättern gedüngt. Um große Früchte zu bekommen, begießt man den Baum zur Blütezeit 3 Tage lang mit Ziegenmilch.“

Tafel 17.

Tafel 18.

Wie rasch diese geschätzten Obstsorten durch die Römer nordwärts der Alpen gebracht wurden beweist die Tatsache, daß bereits zu Columellas Zeit gegen das Ende des 1. christlichen Jahrhunderts eine besondere gallische Pfirsichsorte bekannt war. In den ältesten Schachtbrunnen der Römer auf der Saalburg sind, wie bereits erwähnt, sowohl Aprikosen- wie Pfirsichkerne gefunden worden. Auch im Pfahlwerk des Fuldatales aus spätrömischer Zeit kamen 25 Pfirsichsteine zum Vorschein; wie Vonderau berichtet, wurde ein Teil derselben einer Kulturschicht entnommen, die auch mehrere Bruchstücke der glänzend-roten ~terra sigillata~ enthielten. Pater de la Croix entdeckte beim Dorfe Sanxay in Poitou einen kleinen Pfirsichkern in einer Mauer, die aus dem 2.-4. Jahrhundert n. Chr. stammen soll. Ein anderer Fund wurde aus dem Pfahlwerk von Paladru im Departement Isère aus der Merowingerzeit gemacht. Unter den ~persicarii diversi generis~, d. h. Pfirsichbäumen verschiedener Art, die wir im Verzeichnis der Obstbäume aus den Gärten Karls des Großen 812 erwähnt finden, werden sich jedenfalls auch Aprikosen befunden haben, welche im Mittelalter teils zu den Pfirsichen, teils zu den Pflaumen gerechnet wurden. Noch Albertus Magnus (geb. 1193 in Schwaben, gest. 1280 in Köln), einer der größten Gelehrten des Mittelalters, nennt den Pfirsich ~prunum persicum~ und die Aprikose ~prunum armeniacum~, und die Botaniker des 16. Jahrhunderts sahen die Aprikose meist als eine Pfirsichsorte an.

Heute blüht die Kultur der Pfirsiche und Aprikosen außer um Paris, wo besonders diejenigen von Montreuil berühmt sind, besonders im südlichen Nordamerika, speziell in Kalifornien, das ganze Bahnzüge davon frisch oder getrocknet nach den östlichen Vereinigten Staaten versendet. Ebenso in Südamerika, speziell in Argentinien, wohin diese Obstbäume durch die Jesuiten gelangten, werden sie im großen gezogen. Jetzt finden wir in der Nähe der alten Niederlassungen der Spanier reiche Bestände völlig wildwachsender Bäume, die von den Argentiniern nicht bloß ihrer Früchte, sondern auch ihres Holzes wegen geschätzt werden. Oft findet sich der rasch wachsende Baum mitten in den sonst baumlosen Pampas des Holzes wegen ~kultiviert~.

Auch in Chile spielen sie neben dem übrigen von Europa dorthin importierten Obst eine große Rolle. Prof. Otto Bürger schreibt darüber in seinem Buche: Acht Lehr- und Wanderjahre in Chile: „In der Vorkordillere bilden Pfirsiche, süße und saure Kirschen -- ~cerezos~ und ~guindos~ -- fruchtbeladene Haine. Nach der chilenischen Weihnacht beginnt die Zeit ihrer Reife. Da sind die Verkaufsstände voll Kirschen, ~duraznos~ und ~priscos~ (verschiedene Sorten Pfirsiche), ~ciruelas~ (Pflaumen) und Frühbirnen. Was umschließt allein das Wort ~durazno~ für eine Fülle von Früchten, die sich durch Größe, Form, Farbe, Glätte, Flaum, früheres oder späteres Reifen voneinander unterscheiden und dementsprechend verschiedene Namen im Volke führen. Der Pfirsich oder ~durazno~ (offenkundig aus dem lateinischen ~duracinum~ abzuleiten) ist seit der Eroberung in Chile heimisch (1541 wurden die nördlichsten Provinzen durch die Spanier erobert, nachdem Diego de Almagro 1536 von Peru aus zuerst dorthin vorgedrungen war) und war schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts der gemeinste Obstbaum. Eine grünlichgelbe Sorte mit roten Wangen, bei welcher der Kern freiliegt, wird ~prisco~ genannt. Die ~duraznos~ werden in Menge getrocknet und dann, wenn es -- wie meistens -- mit dem Kern geschieht, als ~huesillos~ oder ohne ihn als ~orejones~ bezeichnet und vom Volke mit ~mote~ (gekochten Weizen- oder Maiskörnern) gegessen. Die ~ciruelas~ (Pflaumen) und ~damascos~ (Aprikosen) sind ebenfalls schon lange in Chile heimisch und gedeihen wie die ~duraznos~ am besten in Mittelchile, während die Feigenbäume -- ~las higueras~ --, die im Dezember die größeren und saftigeren ~brevas~ und im Herbste die kleineren und süßen ~higos~ liefern, im Norden sogar noch besser vorwärts kommen. Die getrockneten Feigen sind die der zweiten Ernte. Unter ~tunas~ versteht man die Früchte eines ursprünglich auf den Antillen beheimateten Kaktus (~Opuntia tuna~). Die ~nisperas~, d. h. Mispeln, sind die gelblichen, rundlichen Früchte eines japanischen Baumes (~Eriobotrya japonica~), die in ihren vollständigen, traubigen Fruchtständen gebrochen werden. Sie haben einen säuerlichen Geschmack und sind ein wenig das Aschenbrödel unter ihren Genossen. Der Spanier hat einen Spruch:

„~Quien come nisperas~ Wer (japanische) Mispeln ißt ~I bebe cerveza~ Und Bier trinkt ~I beza a mujeres viejas,~ Und alte Weiber küßt, ~Ni come, ni bebe, ni beza!~“ Der hat nicht gegessen, getrunken, geküßt.

Außerdem gibt es bräunlichgrüne Lucumafrüchte von der Größe eines Apfels von einem aus Peru stammenden dichtbelaubten Sapotaceenbaume (~Lucuma obovata~). Weiter gibt es in Chile eine wilde Art (~L. valparadisea~), welche die feuchten und schattigen Schluchten der Provinzen Aconcagua und Valparaiso bewohnt, deren viel kleinere Früchte wohl süß, aber zugleich adstringierend schmecken und darum nicht gegessen werden. Birnen und Äpfel liefert der Süden, vom Rio Biobio ab, in wahren Prachtexemplaren; es gibt Birnen von einer Größe und süßen Saftigkeit und Äpfel der verschiedensten Sorten von einer Feinheit und Reinheit der Zeichnung und des Aromas, die unseren besten nicht nachstehen. Aus gewissen Sorten wird seit alters Äpfelwein -- ~chicha de manzana~ -- in vorzüglicher Qualität hergestellt, dessen Fabrikation von den Deutschen der Provinz Valdivia ausgedehnt und vervollkommnet wurde.

Und was gibt es noch? Vor allem Trauben, schwarze und gold-grüne, die ebenfalls wie die Wassermelonen mit rotem Fleisch -- ~sandias~ -- und die gelben Melonen zu den Artikeln des Massenkonsums gezählt werden dürfen, so beliebt und billig sind sie, dann Orangen -- ~las neranjas~ --, die aber erst im September am wohlschmeckendsten werden, saure und süße Limonen, Mandeln, Walnüsse und ~avellanos~, die chinesische Haselnuß, die schwere Menge, und dann noch etwas echt Chilenisches, ~piñones~, die Samen der Araukarie des Südens. Ferner die einheimische und europäische Erdbeere, die aus Brasilien oder Peru eingeführte Ananas und Banane, ~platanos~ genannt, die ~chirimoya~ (~Anona cherimolia~), eine Frucht von ganz apartem, wunderbarem Aroma, und die ~palta~ (~Persea gratissima~), welche den Lorbeergewächsen zugehört. Diese reifen in den gegen das Meer hin offenen, warmen und feuchten, gegen die trockenen, eisigen Winde der Hochkordillere geschützten ~Chacras Quillótas~.“

Welche Fülle von herrlichem Obst hat also nicht die Alte Welt der Neuen zu ihren zahlreichen einheimischen Produkten hinzugegeben, die auch sehr schätzenswert sind! Wir werden im folgenden Abschnitte einige der wichtigsten unter denselben kennen lernen. Sonst sind außer den +Guajaven+ (~Psidium pyriferum~) mit birnförmigen und dem nahe verwandten ~Psidium pomiferum~ mit kugeligen, pflaumen- bis apfelgroßen Früchten vom Ansehen der Orangen, unter deren lederartiger Schale ein nach innen schön rosenrot gefärbtes, zartes Fruchtfleisch von Erd- und Himbeergeschmack sich findet, die eirunde und über faustgroße westindische +Anchojebirne+ (von ~Grias cauliflora~) zu nennen. Unsere Kirschen vertreten im warmen Südamerika die vorzüglich in Guiana heimische +Pitanga+ (von ~Eugenia michelii~) und die +Jabuticaba+ (von ~Eugenia cauliflora~). Die Frucht der letzteren von der Größe unserer Herzkirsche hat unter der zarten, schwarzen Haut ein weißes, weiches, sehr saftiges Fleisch mit 2-3 Kernen. Sie steht an Geschmack unseren Kirschen nach, reift in Brasilien am Ende des Winters (September und Oktober) und ist doppelt geschätzt, da sie zu der Zeit die einzige Frucht bildet, welche frisch zu haben ist. Eine andere Frucht von der Größe und Form unserer Pflaumen sind die +Ibametara-Arten+ (von ~Spondias myrobalanus~) u. a., die in Westindien und dem nördlichen Südamerika wildwachsen und hier überall, wie auch anderwärts in den Tropen, wohin alle diese Fruchtbäume verbracht wurden, vom Menschen angepflanzt werden, weil er ihre wohlschmeckenden, süßen Früchte überaus schätzt, Mus daraus bereitet und allerlei Getränke davon macht.

Kehren wir nach diesem kurzen Abstecher nach Südamerika in unsere Heimat zurück, so ist in bezug auf die Kultur der Pfirsiche und Aprikosen zu bemerken, daß sie bei uns nur in südlichen Gegenden oder an sonniger, geschützter Lage gut gedeihen, aber als Hochstämme wohlschmeckendere Früchte denn als Spalierbäume liefern. Mit Vorliebe zieht man sie in den ebenfalls sonnige Lage beanspruchenden Weingärten; aber auch in den wärmeren Obstgärten gedeihen sie gut. Besonders die sattroten, direkt dem Stamm aufsitzenden, vor den Blättern erscheinenden Blüten des Pfirsichs verleihen durch ihre hübsche Färbung zwischen dem weißen Blust des übrigen Kernobstes und den rosafarben angehauchten Apfelblüten einem gemischten Obstgarten ein höchst eigenartiges, manchmal geradezu bezauberndes Gepräge.

Im Gegensatz zum Pfirsich, dessen saftige äußere Fruchtschale gegessen wird, ißt man bei der verwandten +Mandel+ (~Amygdalus communis~) den Samenkern, der in einer süßen und bitteren Abart vorkommt. Diejenigen der letzteren Sorte enthalten in erheblicher Menge die giftige Blausäure und sind deshalb, in größerer Menge genossen, auch dem Menschen schädlich, während sie kleinen Tieren sicheren Tod bringen. Sie dienen vorzugsweise zum Würzen der Speisen. Die süßen Mandeln dagegen werden ihres Ölgehaltes wegen gegessen und allerlei Gebäck und Mehlspeisen zugesetzt. Unter der samtig behaarten äußeren Haut, welche zur Zeit der Reife in einem Längsspalt aufspringt, befinden sich die in der Regel sehr harten, festen Schalen. Man kultiviert aber auch Formen mit brüchigen Schalen, die Knack- oder Krachmandeln, deren Samen wie Nüsse gegessen werden. Die Fruchtknoten aller Kirsch-, Pflaumen- und Mandelarten, die bekanntlich mit dem Kernobst in die Familie der Rosazeen gehören, enthalten zwei Samenanlagen, von denen aber in der Regel nur eine zur Ausbildung gelangt; entwickeln sich aber in den Knackmandeln beide, so entstehen solche Exemplare, die als „Vielliebchen“ dienen.

Der Mandelbaum wächst in Afghanistan, Turkestan, Persien wild und kommt auch hier mit bittern und süßen Samen vor. Indien und Ostasien ist er ursprünglich fremd; dort hat man auch keine einheimische Bezeichnung für ihn. In den Schriften des Sanskrit wird er nicht erwähnt, ebensowenig in der älteren chinesischen Literatur. Erst in chinesischen Werken des 10. oder 11. Jahrhunderts wird er angeführt, und zwar als „Baum aus den Ländern der Muhammedaner“. Er scheint also durch die Handelsbeziehungen der Chinesen mit Baktrien als Tausch gegen Aprikose und Pfirsich von dort her nach China gelangt zu sein. Auch in den vorgeschichtlichen Niederlassungen Südeuropas hat man nirgends Spuren von Mandeln gefunden. Aber in Persien begegnen wir diesem Fruchtbaum sehr früh. Von dort gelangte er schon vor der Mitte des letzten vorgeschichtlichen Jahrtausends nach Syrien und Kleinasien und von da vor dem Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. nach Griechenland. Seine Frucht wird als ~naxía amygdálē~, d. h. Mandel von Naxos -- einer Insel der Cycladen, welche, weil in der Mitte zwischen dem südlichen Kleinasien und Griechenland liegend, eine natürliche Zwischenstation beim Übergang von Kleinasien nach Griechenland bildet -- zuerst von Phrynichos, einem Dichter der älteren attischen Komödie und Zeitgenossen des Aristophanes im 5. Jahrhundert v. Chr. erwähnt. Bei den attischen Komödiendichtern des 4. vorchristlichen Jahrhunderts ist seine Frucht als ~amygdálē~ schlechthin schon ganz gewöhnlich. Von den Griechen lernten dann die Römer den Fruchtbaum kennen. Noch gegen die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. kennt Cato in Italien die Mandeln nur als fremde Importware unter der Bezeichnung „griechische Nüsse“, als Beweis dafür, daß die Römer diese Früchte durch Vermittlung der Griechen Unteritaliens erhalten hatten. Erst bei Columella, einem römischen Ackerbauschriftsteller des 1. Jahrhunderts n. Chr., ist der Mandelbaum unter der griechischen Bezeichnung ~amygdala~ auch in Mittelitalien heimisch, während seine Früchte immer noch griechische Nüsse heißen. Die Bezeichnung ~amygdala amara~ und ~dulcia~, d. h. bittere und süße Mandeln, treten uns zum erstenmal in der „Zusammenstellung der gebräuchlichsten Medikamente“ des Scribonius Largus entgegen, die noch vor der Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts verfaßt wurde. Seither ist die Pflanze in ganz Italien eingebürgert, und aus dem griechisch-lateinischen ~amygdale~ ist im Laufe der Jahrhunderte das italienische ~mandorle~ und daraus unser Mandel geworden. In allen Gärten stehen in Italien die Mandelbäumchen im Februar und März im Schmucke ihrer schneeigen Blüten, bevor noch die Blätter hervorgekommen sind. Ihre Früchte sind nicht bloß eine beliebte Volksnahrung, sondern man gewinnt heute auch aus ihnen ein als sehr mild geschätztes Öl, aus den bittern dagegen das in der Parfümerie Verwendung findende Bittermandelöl und ein bei Husten reizmilderndes blausäurehaltiges Wasser, das übrigens gleicherweise auch aus den Kirschlorbeerblättern bereitet wird.

Nördlich der Alpen ist der Mandelbaum, soweit er in den klimatisch milderen Gegenden noch zu gedeihen vermag, erst in nachrömischer Zeit naturalisiert worden. Bei den Ausgrabungen des römischen Militärlagers der Saalburg bei Homburg vor der Höhe hat man keine Spur von Mandeln gefunden, und der Fund einer Mandelschale in dem wahrscheinlich spätrömischen Pfahlwerk im Tale der Fulda nördlich des Mains wird von den maßgebenden Forschern mit einem Fragezeichen registriert. Der althochdeutsche Name ~mandulae~ hat zwar gegenüber dem gelehrten angelsächsischen ~amigdal~ einen entschieden volkstümlichen Anstrich, er kann aber wegen des unverschobenen ~d~ frühestens im 8. Jahrhundert aufgenommen worden sein. Im ~Capitulare de villis~ Karls des Großen vom Jahre 812 und in dem nach dem Muster desselben abgefaßten Entwurfe zum St. Galler Klostergarten vom Jahre 820 werden unter den zu pflanzenden Bäumen auch ~amandalarii~, d. h. Mandelbäume aufgeführt, aber in den Inventaren der kaiserlichen Gärten vom Jahre 812 fehlen sie.