Königin Heimat

Part 20

Chapter 203,091 wordsPublic domain

Die Vef und der Stanis ... und der Michl ... den sie eingesperrt hatten ... und drunten im Dörfl der Martl ... der vielleicht auch schon ein Lump geworden war ... weil er der Versuchung nicht widerstehen konnte und immer in das feine Gasthaus ging ... Und Gesindel hatte der Mann, der nicht einmal ins Tal gehörte, zu ihm gesagt. Gesindel!

Er murmelte das Wort immer wieder vor sich hin. »Gesindel! Gesindel!« Und der Stanis ... der hatte gesagt, daß es eine Wohltat wäre für die ganze Gegend ... eine Wohltat ... wenn ...

War ein gescheuter Mensch, der Stanis. Aber feig! Feig ... weil er sich betrank und Räusche lieferte. Er, der Wastl, lieferte keine mehr. Nie mehr wollte er einen liefern. Nie mehr! War jetzt schon wieder ganz nüchtern, der Wastl ... nur der Kopf ... der war schwer und wirbelte ihm vom vielen Denken.

Der Wastl umkreiste das Haus und besah es sich von allen Seiten und schlich dann zum Nebenbau hinüber, zu dem Haus, das der Kramer Veit damals für den Florl erbaut hatte. Und umkreiste auch das, langsam und vorsichtig. War ihm gut bekannt ... das Haus. War oft drinnen gewesen ... damals noch, als die Vef lebte.

Und jetzt durfte er nicht mehr hinein. Hatten ihn vor die Türe gesetzt in stockdunkler Nacht, die da drinnen, und ihm nichts mehr zu trinken gegeben. Er wollte aber trinken ... er mußte trinken ... um nicht immer denken zu müssen ... nur nicht immer denken ... an nichts mehr denken ...

Ein Hund schlug warnend an und zerrte an der Kette. Drohend und zornig. Und wollte sich nicht beruhigen. Der Wastl setzte sich auf eine der Bänke, die herumstanden, und horchte. Machte ein pfiffiges Gesicht, der Wastl ... ganz pfiffig ...

Ging ein Brausen durchs Tal ... von jenseits der Berge kommend, wo die Wetter sich ansagen. Und war schwarz und schwer und kein Stern am Himmel und kein Licht mehr drunten im Dörfl.

Dunkel und vornehm und still lag der weiße Block des großen Hotels. Konnte ihn gut sehen, der Wastl, sehr gut. Trotz der großen Dunkelheit ... Und der Wastl lauschte mit eingezogenem Atem und hörte, wie sich die Tür auftat und jemand aus dem großen Haus kam und zu dem Hunde ging, um ihn zu beruhigen.

War zornig, der Hund, und heulte gellend in die Nacht hinein. Und der Wastl kicherte leise und schadenfroh. Hat schon recht der Hund! Soll nur heulen. Ganz recht hat er. Sollen alle heulen ... die da droben ... alle ...

Und wieder schwang der Wastl voll ingrimmigen Hasses seinen Stock gegen das große Haus.

»Gesindel!« sagte er leise und mit verhaltener Wut. »Gesindel! Alle seid's Gesindel! Ös da droben! Alle miteinander!«

Sie mußten den Hund ins Haus bringen und einsperren, weil er so zornig tat. Und der Wastl hörte mit scharfem Ohr, wie er dann trotzdem wieder zornig knurrte, leise und grollend.

Er hatte ein feines Ohr, der Wastl, und auch noch gute Augen. Waren scharf und ungetrübt geblieben und konnten gut sehen im Dunkel. Und hatten erspäht ... wo der große Schupfen war, in dem sie das Futter für die Maulesel und den Holzvorrat fürs Hotel untergebracht hatten.

»Bei dem müsset man zuerst anfangen!« hatte der Stanis gesagt. War gescheut, der Stanis! Aber feig!

Ein Sturm hatte sich erhoben in der schwer dunkeln Nacht. Brauste eisig von den Fernern herüber und kündete wohl frühen Schneefall an.

Es fror den Wastl. Aber er wartete noch. Trotz der Kälte. Wollte ganz sicher gehen ... bis sie alle schliefen ... und ihn nicht stören konnten.

Dann erst schlich er sich hinüber. Tat ... wie's der Stanis ausgekopft hatte. Zuerst der Stadel ... Nein ... das war falsch ... Zuerst das große Haus ... dann der Nebenbau vom Kramer Veit und dann der Stadel ... So war's recht.

Hatte Mühe, der Wastl, bis er vom Schupfen her das Holz zusammentrug ... Dauerte lange die Arbeit ... und der Sturm brauste und der Hund knurrte ab und zu und heulte auf in langgezogenen Tönen.

Und dunkel war's ringsum! Stockdunkel. Nichts mehr konnte man unterscheiden. Gar nichts mehr. Keinen Berg und keine Felder und auch kein Haus vom Dörfl unten. Würde bald hell werden hier oben und leuchten. Und der Wastl lächelte vor sich hin, still und vergnügt.

Leise knisterte das Feuer und züngelte sich zur Flamme. Sorgfältig hatte es der Wastl angelegt ... unter der großen Holzveranda ... wo es so guten Durchzug hatte und bald hell aufschlug. Wie das brannte! Schön war's und würde bald ganz hell werden und lichterloh brennen.

Und der Wastl ging zum Nebenbau hinüber ... langsam und sehr vorsichtig ... und zündete dort das Feuer an. Wartete, bis die Flamme loderte, und lächelte schadenfroh.

»Gesindel!« hatte der fremde Mann ihn beschimpft. »Gesindel! Selber Gesindel ... spottschlechtes! Zugrund sollt's gehen ... alle miteinander!«

Und dann zündete der Wastl den Stadel an. Der fing das Feuer, daß es eine Freude war. Hellauf schlugen die Flammen, vom Winde umtobt.

Schön war das! Herrlich schön. Dieser helle Schein in der dunkeln Sturmnacht. Und leuchtete so hell, daß der Wastl jetzt alles sehen konnte. Das Dörfl unten mit der kleinen Kirche und drüben die düster drohende Bergwand.

Sorgsam ... wie eine heilige Pflicht ... hegte der Wastl die Feuer an den großen Häusern, trug Holz herüber vom Schupfen und legte zu. Aber sie brauchten die künstliche Nahrung nicht mehr, sondern fanden von selbst ihr Futter, die Flammen. Züngelten gierig zum Dachstuhl empor und nach allem, was morsch und holzig war, und brannten lichterloh und brausend im Sturmwind.

Er hatte sein Werk gründlich besorgt, der Wastl so wie es immer seine Art gewesen war. Und durfte nun gehen und sich ausruhen.

Als sie im Hause das Feuer bemerkten, war es zu spät. Nur das Leben konnten die Bewohner retten und nur wenig von den Habseligkeiten. Ein Flammenmeer war es im rasenden Sturm, der sich dem Riesenbrand verbündet hatte. Weithin leuchtete der Feuerschein, die dunkle Nacht erhellend. Und es krachte und zischte und brauste, und eine ganze feurige Hölle der Vernichtung war entfesselt. Menschliche Hilfe? ... Umsonst! Retten, löschen? ... Wer vermochte es, den sturmgepeitschten Flammen Einhalt zu tun? ... Wehklagend klangen die Glocken im Dörfl drunten und riefen um Hilfe. Sie riefen vergebens ... Die entfesselten Elemente waren Herr ... Sturm und Feuer ... und Feuer und Sturm ... beide verbrüdert und verschworen zur furchtbaren Vernichtung ...

Zu Schutt und Asche war alles niedergebrannt, was da droben stolz gethront hatte. Alles ausgebrannt, was nicht Stein und Mauer war. Stand dampfend und rauchend und qualmend ... Ruinen ...

Sie fanden am frühen Tag einen alten Mann. Der irrte umher in den Wiesen und Feldern, barhäuptig und mit schweren Füßen. Sein Gesicht war gelb und fahl und die dunkeln Augen leer und ohne Seele.

Und er wußte von nichts mehr, und wußte auch nicht mehr, wer er sei.

Der Wastl hatte den Verstand verloren.

Achtzehntes Kapitel

Ein neues Geschlecht war erstanden im Tal. Jene, die damals noch Kinder waren, als das Regele von Schande getrieben aus der Heimat flüchtete, waren gereifte Männer und hatten Familien gegründet, und etliche von ihnen lagen auch schon unter der Erde. Und alle waren sie tot, die guten Bekannten von einst. Der alte Perlmoser und der Söllerbauer und sein Weib, und auch die Julie, die dann Wirtin geworden war. Die Perlmoser Rosina aber blieb verschollen. War nie mehr in die Heimat zurückgekehrt. Und auch vom Lois, dem Sohn des Wastl, hatte man wenig mehr gehört.

Das Moidele, die das Kind der toten Mena war, wartete und pflegte die alten Kramersleute bis zuletzt. War gutmütig und nicht recht gescheut, aber dankbar und treu und anhänglich. Und die Regina war gestorben und die alte Mutter Notburg.

Nur der Kramer Veit lebte noch. Wie alt er war? Er wußte es selber nicht mehr recht. Aber alt, uralt war er. Und hatte sie alle dahinsterben sehen müssen, die ihm lieb gewesen waren. Auch den Wastl, den armen Narren.

Den hatten sie nach jener Tat ins Irrenhaus gesteckt und dann nach einiger Zeit wieder entlassen. War ein gutmütiger Narr, der Wastl, und lachte immer vergnügt vor sich hin. Tat niemandem etwas zuleide und folgte den Schwestern des Siechenhauses in dem großen stattlichen Dorf draußen wie ein kleiner Hund. Und lebte noch etliche Jahre, bis er dann sterben durfte.

Er hatte sein Weib lange behalten dürfen, der Kramer Veit. Die Regina war noch vor der Notburg dahingegangen. Und das war gut so; denn mit der Regina war nicht angenehm zu hausen. Bis zu ihrem Lebensende lebte sie im eingebildeten Hochmut dahin. Arbeitete nichts und tat nichts und fühlte sich immer als die Frau Regina Siegwein, zu der sie der Florl erhoben hatte. Schmückte sich mit ihren feinen Kleidern, die sie aus besseren Zeiten her besaß. Thronte würdevoll wie eine Fürstin in hellen Seidenkleidern und mit Schmuck beladen in der großen Stube des Kramer Veit und ließ sich von dem Moidele bedienen.

War unförmlich dick und fett geworden, die Regina, war voll von Launen und Kaprizen und hatte kein Verständnis dafür, daß sie nun arm geworden war und abhängig von anderer Leute Barmherzigkeit. Sie fühlte sich als die Mutter des zukünftigen Besitzers des Anwesens vom Kramer Veit, und der Martl war ihr ein Dorn im Auge. Sie konnte die Abneigung gegen ihn nur schlecht verbergen.

Der Kramer Veit und die Notburg aber hegten einen stillen Wunsch. Sie redeten nicht darüber. Nur wenn die beiden alten Leute ganz allein nebeneinander saßen, dann sprachen sie davon, geheim und im Flüstertone.

Sie hätten es gar zu gern gesehen, wenn der Martl die Tochter der Regina geheiratet hätte. Aber die jungen Leute fanden sich nicht. Das Mädel war wie ihr Bruder, der Anderl, und taugte nicht zur Bäuerin. War still und verträumt und sinnierte viel und einsam.

Und als sie droben, wo das große Alpenhotel gestanden hatte, eine Kirche erbauten und der Andreas Siegwein dort als Kurat einzog, da nahm er die Schwester zu sich, damit sie für ihn sorge. Denn unten in der Villa vom Kramer Veit hauste nun die junge Frau des Martl, die er sich zum Weibe erkoren hatte, und die Notburg war tot.

Und die junge Bäuerin war frisch und lustig und lachte gern und sang ihre schmetternden Lieder. War rasch und energisch und voll Arbeitslust. So recht eine Bäuerin, wie es die Vef auch einmal gewesen war. Und bekam Kinder. Eines ums andere, blond und pausbäckig und mit den strahlenden Augen der Vef.

Und das war das Glück für den greisen Kramer Veit. Richtige Bauersleute waren der Martl und sein Weib, solche vom alten Schlag, wie der Perlmoser gewesen war und wie es einmal der Wastl und die Vef auch waren. Richtige Bauersleute, ohne Sehnsucht nach der Ferne und treu der Scholle, der sie entstammten.

Der Alte mit dem schlohweißen, spärlichen Haar, dem gebeugten Rücken und den noch immer scharfen dunkeln Augen schaute beobachtend umher. Und vieles, was er bei dem neu aufwachsenden Geschlechte sah, mißfiel ihm. Sie waren andere Menschen geworden als ihre Eltern und Großeltern, mit einem Zug ins Weite und in die Ferne. Denn viele von ihnen wanderten jetzt von der Heimat ab. Zogen ins Land hinaus als Händler, zogen in die Städte als Dienstleute und Handwerker, und manche reisten auch als Sänger umher.

Und jene, die daheim blieben im engen Tal, paßten sich den veränderten Verhältnissen an. Denn immer größer wurde der Zuzug der fremden Gäste im Land, und immer neue Fremdenhäuser wurden erbaut. In den tiefsten Tälern schon hatten sie Unterkunftshäuser errichtet, und die Söhne und Enkel jenes alten Geschlechtes, dem der Kramer Veit und der alte Perlmoser entstammten, hausten drinnen als Wirte und als Bauern. Und vielfach auch als Händler. Aber sie waren mehr Händler und Wirte wie Bauern.

Die Sitten wurden lockerer im Tal und der Glaube laxer. Und die Priester wetterten von den Kanzeln gegen den Fremdenstrom, dem sie die Schuld beimaßen. Der alte Kramer Veit aber schüttelte seinen Kopf, so oft er davon erzählen hörte. Denn er erkannte den wahren Grund. Und sprach auch mit dem Anderl darüber ... oft und oft.

»'s sein nit die Fremden ... Anderl. Ganz g'wiß nit. 's sein die Bauern schuld und ihr Eigennutz. Siegst, Bua! Bin selber a Handler g'wesen in meine jungen Tag' und hab' viel derlebt. Mit boade Ellbogen hab' i ausstoßen müassen, damit i mi durchbracht hab'. Und hab' nit alleweil an die andern denken derfen ... was die fühlen dabei, wenn i ihnen an Stoß geben hab'. Auf die Weis' hab' i's zu eppas bracht. Bin wohl alleweil a rechtschaffener Mensch blieben ... aber z'erst hab' i an mi denkt. An mi alloan. Aft sein erst die andern kömmen. Und so ist's halt mit die Menschen aa. Jatz ... weil die Fremden im Land sein ... ist die Krankheit bei die Leut' ausbrochen. Ist wia a Pest. Der Eigennutz und die Habgier. Geld ... Geld und no mehr Geld. Früher haben sie's nit derkennt dös Geld ... haben's nit recht begriffen, was es wert ist. Haben g'schlafen und sein iatz munter g'worden. Und dös ist das neue G'schlecht ... das viele von uns nimmer begreifen. Die neuen Bauern.«

Und Andreas Siegwein, der Priester, dessen Schläfen nun auch schon leicht im Silberschmucke prangten, mußte ihm beistimmen.

»Und gottlos sind sie und ohne Glauben ... trotz ihrer Gebete!« sagte der Priester dann, und sein Mund schloß sich herb und weh. Sie taten ihm leid ... die Menschen.

»Nit a so gach, Anderl! Nit a so gach!« warnte der Kramer Veit. »'s braucht alles a Verstehen auf der Welt ... aa das. Ist wia a Rausch über die Leut' kommen ... dö Erkenntnis vom Geld und seinem Wert. Und hat sie antroffen ohne Vorbereitung. Siegst, Anderl ... dös ist's, und dös habt's ös versäumt ... ös Geistlichen. Ös habt's die Bauern dahindämmern lassen ... weil's enk so gepaßt hat. Aufklären hättet's müassen ... erziehen ... derweil's Zeit war. Das Unkraut von die Herzen außerreißen ... den Eigennutz und die Habgier. Zum Stolz hättet's ihr die Bauern erziehen sollen. Der hätt' müassen so groß werden und so gewaltig, daß er dös andere Unkraut überwuchert hätt'. Zu stolz sollten die Leut' sein ... zur Habgier, und zu stolz zum Eigennutz. Dös Drohen mit'n Tuifl und mit der Höll' alloan tuat's nit. Glaub' mir's, Anderl! An stolzen Menschen ist's zu schlecht, die Jagd nach dem Geld alloan. Denn der Stolz aufs wahre Menschentum macht gerecht und gut.«

Und abermals sprach der Priester und lächelte voll Nachsicht und Güte ... »Bist aber doch gegen das Fremde bei uns im Land, Vater? Gesteh's nur?«

Da seufzte der Alte ... lange und schwer, und sagte nichts. Er hatte es getroffen, der Anderl. Im Grunde seines Herzens war der Kramer Veit doch kein Freund der Fremden. Sie brachten ihm die Unruh' ins Land und die Neuerungen, und allmählich würde ein junges Geschlecht im Tal mit allen alten Gebräuchen aufräumen. Das schmerzte den alten Kramer und tat ihm weh.

Er liebte seine Heimat ... so wie sie gewesen war in seiner Jugendzeit. So rein und unberührt von außen wie damals, da er noch ein Hüaterbübl gewesen war und mit der kleinen Notburg gespielt hatte.

Und daß damals nach dem großen Brande das neue Hotel nicht mehr an der alten Stelle errichtet wurde, das geschah auf Betreiben des Kramer Veit. Veit Galler war angesehen, und sein Wort hatte Geltung in der Gemeinde. Und Veit Galler, der Krämer, sagte, daß jener Platz da droben nur Unglück gebracht habe, und daß man ihn von nun ab geheiligt halten müsse ...

Eine breite Fahrstraße führte vom Tal herauf zu dem neuen Alpenhotel, das jetzt am Eingang des Dorfes erbaut worden war. Groß und schön lag es da, und sein Bau paßte sich der Gegend dieses Tales an.

Droben aber, an jener Stelle, wo der Wastl das Feuer angelegt hatte, stand eine stattliche Kirche. Weiß und freundlich und weit sichtbar leuchtete der spitze Turm ins Tal. Und viele kamen, um dort zu wallfahrten ...

Auch der Kramer Veit pilgerte dorthin. Fast jeden Tag, wenn die Sonne freundlich war und warm. Und wenn es ihm unten im Haus etwas zu lebhaft wurde vom reichlichen Kindersegen. War halt schon recht ... recht alt, der Veit, und sehnte sich nach Ruhe.

Hatte sein Geschäft in Richtigkeit gebracht, der alte Mann. Ob er's auch recht getroffen hatte? Die Bauerschaft mit Vieh und Stall und Äckern, das sollte dem Martl gehören, wenn der Veit einmal nimmer war. Die Villa aber und alles Geld, das er besaß, dem Andreas Siegwein und seiner Schwester.

Ob es so recht war? Gott allein wußte das. Er, der Veit Galler, der irrende Mensch, glaubte, daß es so gut sei. Und hatte es oftmals im Leben so geglaubt und trotzdem schlecht getroffen. Wie damals, als er sich barmherzig um das verlassene Regele angenommen hatte. Und war doch alles, was jener Tat entsprang, zum Unheil geworden.

Alles? Nein. Das fremde Büabl, das der Kramer Veit damals auf der Kraxen seinem Weibe in brennender Sonnenglut heimgetragen hatte ... das war zum Glück gewesen. Für ihn und die Notburg und für alle im Tal. Denn alle liebten sie den Priester Andreas Siegwein ... der den Stolz des wahren Menschentums erkannte ... barmherzig war und gut.

Veit Galler, der Krämer, aber wartete auf den Tod. Wartete ruhig und ohne Bangen ... wie auf einen lieben Freund. Saß droben auf der Bank vor der neuen Kirche und ließ die Sonne auf seine alten Glieder scheinen. Und sah hinüber zu den fernen Bergen. Hörte ganz matt nur mehr und gedämpft das Brausen der drei wilden Gebirgsbäche, die sich tief drunten im Tal zusammenschlossen, und fühlte den heiligen Frieden dieser Einsamkeit.

Dort, wo seine Villa stand ... da balgten sich die Kinder des Martl in den grünen Wiesen. Sie jagten die Kühe und trieben sie im Spiel. Herbst war's, und der Martl ackerte im Feld. Ging hinterm Pflug einher, mit schwerfälligem Schritt. Und sein junges Weib schritt vor ihm und führte den Ochsen. Trug ein helles Tuch überm Kopf als Schutz gegen die Sonne, die noch heftig brannte.

Wie wohl sie dem Greise tat, diese wärmende Oktobersonne! Und wie wohl der Frieden des Tales. Jetzt waren sie nun abermals fortgezogen ... die fremden Gäste ... und geheiligt war das Land.

Mächtig, majestätisch und groß standen die Berge. Und hatten einen Wolkenschleier ums Haupt gelegt. Wie eine Krone, aus der weiße Eiszacken frei und ungehemmt zum Himmel ragten. Wie eine Krone war's ... eine silbernschwere leuchtende Königskrone.

Königin Heimat!

Und Veit Galler, der Krämer ... schlief ein, auf der Bank sitzend, die vor der neuen Kirche stand, und hatte das Gesicht der Sonne zugewendet.

Und wachte nie mehr auf.

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