Kloster Himmelpforte

Part 3

Chapter 33,023 wordsPublic domain

Eilt alle, rettet euer Leben. Fliehet! Ich bleibe am Altare allein zurück und hüte Eure heiligen Geräte! Ich stehe in des großen Gottes Schutz.

Tiemann

Nur einen Augenblick bleibst du allein, bis ich des Klosters heiliges Gut gesammelt, dann kehre ich zurück, indes Ihr andern durch die geheime Pforte schnell entfliehet, wir finden uns auf unsres Berges Höhen.

(Alle ab.)

Judith (vor dem Kruzifix kniend)

Erlöser, neige dich zu uns in Gnaden. Bewahr‘ uns all vor Leid und Tod und Schaden – ich lege ihn und mich in deine Hände. – Herr, unsere Not zu unserem Besten wende! –

(Draußen lautes Krachen an der Kirchtür. Wildes Getümmel. „Schlagt die Tore auf! Achtet auf die Pfaffen! Schlagt alle tot, falls sie entfliehen sollten.“ – Von der Wand fällt die Statue der Maria auf den Boden und zerschellt. Judith kniet im Gebet am Altare.)

3. Szene

(Gröning und dann Wiardes mit Dantzke und Rese.)

Gröning

Da liegt die Buhle in dem Bußgebete, wie einst die Sünderin vor Jesus Christ. – Hör‘, Judith, ich kann dich von Sünden lösen, wenn du sie mir bekennst in dieser Stunde.

Judith (langsam aufstehend)

Wer bist du, Mönch, daß du dich hier erdreistest, dich als den Beichtiger mir anzubieten? Ich habe keine Schuld dir zu bekennen. Die Buße mußt du selber tun, denn du hast schwer gefrevelt als ein Mönch und Priester.

Gröning

Du bist in meiner Hand; schon lange weiß ich, daß du mit Prior Tiemann buhlst und frevelst, und das erweckte auch in mir Begierde nach dir und deinem schönen Leibe, Judith! Wenn du mir folgst, so will ich dich erretten, und du sollst in reicher Pracht mein Liebchen sein.

Judith

Verruchter Mönch, der Himmel strafe dich!

Gröning

Wenn du nicht folgst, so zwing‘ ich mit Gewalt. (Faßt sie an.)

4. Szene

(Wiardes, Dantzke und Rese.)

Judith

Zu Hilfe!

Wiardes

Ist auch hier der Satan los? Fahr‘ zur Hölle, Bube! (Schlägt ihn tot mit der Keule.)

Judith (fällt ohnmächtig zu Boden).

Wiardes

Komm ich von Sinnen? Draußen, drinnen, überall seh‘ ich die Teufelsmächte blutig rasen und alles Gute in den Abgrund ziehn. Sie greifen auch mit ihrem Arm nach mir, und wollen mich zum Abgrund niederreißen. (Kniet neben Judith.) Du guter Engel, ziehe mich empor. Ich bin verloren, denn ich bin allein! – (Sinkt nieder.)

Dantzke (eintretend)

Wo ist Wiardes? Willst du uns verlassen? Dann bleibe hier. Ich führ‘ das Werk zu Ende. (Den Bauern draußen zurufend:) Nehmt alles, was ihr findet; werft den Brand in diese Hallen, daß in späten Tagen kein Mensch soll wissen, wo das Kloster stand, und wo einst Mönche und die Vögel sangen, da sollen Wölfe heulen im Gestrüpp. Laßt diese beiden liegen, bis die Trümmern auch sie bedenken als die Leichensteine. – (Geht ab.)

Rese

Ich will als treuer Knecht hier Wache stehen und schweres Unrecht, das allhier geschah, nicht noch vermehren durch ein neu‘ Verbrechen. Was hier gefrevelt, wird der Herr einst richten; ihm will ich meine Seele anbefehlen als frumber Landsknecht hier in Himmelpforte. Wacht auf, Ihr beide, die Ihr nah‘ beim Tode, im Leben weithin voneinander kommt, der eine hierhin und der andere dorthin, bis an der ew’gen Himmelpforte alle wir selig uns zusammenfinden werden.

(Während draußen lautes Getümmel herrscht, und auch in der Kirche die Mauern einfallen, trägt Rese die Judith auf den Armen heraus. Langsam senkt sich der Vorhang.)

4. Akt

(1525)

Erster Aufzug

1. Szene

(Marktplatz in Wernigerode. Ein Galgen ist aufgerichtet. Bürger und Bürgerinnen versammeln sich unter lebhaftem Gespräch.)

Kinder (im Reigen tanzend und singend und zweimal dieselbe Strophe)

„Der Räuber ist gefangen, Wiardes wird gehangen, und wer mit ihm gewesen noch, der sitzt im dunklen Kerkerloch.“

Öhlmann

So muß die Strafe jeden Frevler treffen, der Brand und Aufruhr trägt ins Volk hinein. Da löst sich Ordnung auf und das Gesetz, und Vieler Untergang ist stets das Ende.

Metzgermeister

Fast alle Klöster rings umher im Land sind Trümmerhaufen, und erschlagen liegen von Rittern und von Mönchen viele Hundert. Auch unsrer Stadt wär’s beinah‘ übel gegangen, wenn nicht der Bürger auf der Hut gewesen.

Bäcker

Hätt‘ uns die Judith nicht gewarnt, wer weiß, ob wir der Bauern Herr geworden wären. Als plötzlich alle Glocken läuteten, und der Wiardes mit den Bauernführern die Tore für die Rotten öffnen wollte, da fanden sie die Tore fest verriegelt. Die Bürger stellten sich dem Feind entgegen und jagten den Wiardes aus der Stadt mit allen Spießgesellen.

Öhlmann

Doch die Burg war einige Stunden lang in ihren Händen, bis daß Graf Botho unterschreiben mußte, und auch Graf Ludwig haben sie gezwungen, doch er schrieb: „vi“, das heißt: „erzwungenermaßen“.

Metzgermeister

Und als wir Bürger uns gesammelt hatten, und auch des Grafen Troß beisammen war, da haben wir’s den Kerls mit Zins vergolten. Raus flogen sie aus Stadt und Burg und Kloster. Jetzt sitzen alle Führer hier im Kerker, und der Wiardes baumelt gleich am Galgen.

Bäcker

So muß es allen gehen, die Raub und Mord in blutigem Aufruhr in die Städte tragen. Nur die Gewalt kann die Gewalt vernichten; doch seht, da kommt der Bürgermeister Witten.

2. Szene

(Auf der Rathaustreppe erscheint Bürgermeister Witten, neben ihm Prior Tiemann und der gefesselte Wiardes. Stadtknechte führen ihn.)

Witten

Nachdem durch Gottes Hilf‘ der Bauernaufruhr, der großes Unheil brachte unserm Land, gedämpft ist worden, und der Rotten Führer in unsere Hände fielen, ist vom Rat beschlossen worden, sie an Leib und Leben, nach menschlichem und göttlichem Gesetz, mit unseres Grafen Botho Zustimmung, durch Beil und Galgen allesamt zu strafen. Ich gebe dich, Wiardes, jetzt dem Henker. Gott sei der armen Seele gnädig. Amen.

Tiemann

Willst du, Wiardes, noch die Sünden beichten?

Wiardes

Was ich getan, das hab‘ ich schwer bereut. Mein Hochmut war’s, der mich zum Aufruhr trieb, doch bin ich mehr geschoben als gegangen.

Tiemann

Was wolltest du als Führer deiner Bauern?

Wiardes

So kurz am Grabe will ich’s Euch bekennen. Es war die Liebe, Herr, zu Eurer Braut. Ich liebte Judith über alle Maßen. Und darum haßte ich Euch und Euer Kloster. Und wenn der Plan gelang, dann war ich Herr in dieser Stadt und Judith war die Meine.

Tiemann

Du tust mir leid, Wiardes, trotz des Frevels, denn falscher Wahn hat dich zu Fall gebracht; doch der dort oben, der die Herzen prüft, und der barmherzig und auch gnädig ist, der wird auch milde richten über dich. Und wie er einst dem Schächer hat verziehn, so öffnet er auch dir das Paradies. (Wiardes kniet nieder.) Fahr‘ hin in Frieden. Gottes Gnad‘ und Huld sei mir dir jetzt in deiner letzten Stunde. Amen.

Witten

Ihr Henker, tut jetzt Eure harte Pflicht.

(Sie binden den Wiardes mit Stricken, werfen das Tau über den Galgen und fangen an, ihn hochzuziehen. Schreckensrufe in der Menge, die Kinder laufen fort.)

3. Szene

(Burghauptmann von Morungen stürzt eilig durch die Menge.)

Morungen

Halt ein! Halt ein! Ihr Henker, haltet ein, Wiardes ist begnadigt; er ist frei!

(Große Erregung bei allen.)

Witten

Was ist geschehen? Redet, Ritter, redet.

Tiemann

Gott kann in letzter Stund‘ noch Wunder tun.

Öhlmann

Graf Botho ist zu gut, er kann nicht strafen.

Wiardes

Gerettet? Frei? O süßes Sonnenlicht. Ich darf noch einmal fröhlich dich begrüßen. O Leben, mir zum zweitenmal gegeben, du liegst vor mir aufs neue ausgebreitet! Wie soll ich fassen dieses Himmelsglück?

Morungen (zu den Henkern)

Wiardes löst alle seine Fesseln! – Laßt mich von dieser Wendung schnell berichten. Heut morgen, nach der Messe, als Graf Botho aus der Kapelle durch den Schloßhof schritt, tritt Judith ihm entgegen, fällt zu Füßen, und bittet um das Leben des Wiardes.

(Große Bewegung.)

Tiemann

Den guten Engel trieb die Christenliebe.

Wiardes

Was hör‘ ich! Judith hat für mich gebeten?

Morungen

Doch hat der Graf zuerst sie abgewiesen, weil er verpflichtet sei, ein schwer Verbrechen zum Schutz der Bürger und zur Abschreckung mit aller Strenge rücksichtslos zu strafen. Denn niemals wieder dürften in der Grafschaft sich solche Freveltaten wiederholen. Da ging die Judith traurig aus dem Schlosse. Doch als vorhin aus Braunschweig angefahren der Herzog Erich und Elisabeth, da springt die Judith frei auf ihren Wagen und sagt: „Ich flehe Euer Gnaden an, helft mir erretten eine arme Seele; in diesem Augenblick wird auf dem Markt der Bauernführer aufgehenkt, Wiardes. Doch was ihn trieb, war nicht die Lust am Mord, es war Verblendung, Hochmut und die Liebe!“ – „Es war wohl deine Liebe, Kind?“ – sprach da die Herzogin. „Doch nein,“ erwidert Judith. „Mein Herz gehörte einem andern Mann.“ „So komm,“ erwidert schnell Elisabeth, „daß wir zusammen unser Flehn verbinden und unseres Grafen Botho Herz erweichen.“ – Am Fenster, in Gedanken tief versunken, dem Klang des Armensünderglöckchens lauschend, im Auge Tränen, stand allein Graf Botho. Die beiden Frauen nahen sich und sinken ihm zu Füßen. Drauf die Herzogin: „Bevor ich, Vetter, deine Burg betrete, erbitt‘ ich eine Gnade; schenk das Leben dem armen Sünder, der jetzt sterben soll.“ Der Graf bestürzt, er zögert eine Weile. Dann spricht er: „Gut, es soll so sein, doch will ich, daß der Wiardes aus dem Lande gehe und nimmermehr die Heimat hier betrete. Ich schick‘ ins Elend ihn hinaus, daß er sich bessere und sein schwer Verbrechen sühne; noch heute soll der Spruch vollzogen werden.“ –

Witten

Des Grafen Wille soll geschehen. Wiardes, ich weise dich aus unsrer Stadt hinaus. Zieh‘ hin ins Elend. Gott geleite dich.

Wiardes

Es wird mir weich die stolze, harte Seele, und aus den Augen quillt der Tränenstrom. Fahr‘ wohl, geliebte Heimat und ihr Berge des Harzes, fahrt wohl! Zum letztenmal grüßt euch Wiardes. Sei gesegnet, Stadt Wernigerode und Ihr Bürger alle. Nie mög‘ Euch wieder solches Unheil drohen, wie ich es selber über Euch gebracht. Was ich geliebt, das kann ich nicht vergessen; was ich geliebt, das ist die Himmelskraft, die mich geleiten soll auf meinen Wegen und mich emporzieht zu dem ewigen Licht. Lebt wohl! Lebt wohl! Und niemals kehr ich wieder! –

(Tiemann und einige Bürger reichen ihm die Hand.)

Zweiter Aufzug

1. Szene

(Großes Zimmer im Oberpfarrhause zu Wernigerode. In der Ecke ein Hausaltar mit Blumen geschmückt.)

Bärbele (singend und den Altar schmückend)

Mein Schatz ist ein Landsknecht, ein Landsknecht am Rhein, und kommt einst der Maien, dann bin ich ganz sein. – Tralala, tralala.

Rese (der während des Singens eingetreten)

Am Rheine war ich, Bärbele, doch jetzt bin ich im Harze ganz in deiner Nähe; und Maienzeit ist’s auch. Was fehlt uns noch?

Bärbele

Ich bin dir böse, Paul, du hast’s gehalten mit dem Wiardes und den Bauernrotten und hast gepucht das Kloster Himmelpforte.

Rese

Aus Abenteuerlust war ich dabei; doch hab ich stets das Recht beschützt und auch die Judith aus den Flammen rausgezogen, ja selbst die Mönche habe ich gerettet.

Bärbele (ihm um den Hals fallend)

Das dank‘ ich dir und will dir auch von Herzen getreu verbleiben. Heut ist Freudentag. Heut wird die Judith angetraut Herrn Tiemann, und Luther selbst vollzieht den heil’gen Spruch.

Rese

Sag, Bärbele, wär’s da nicht Zeit für uns, daß auch wir zwei bald in den Ehestand treten? Auch ich bin lutherisch wie du geworden.

Bärbele (lachend)

Ich soll als Landsknechtsfrau die Welt durchziehn?

Rese

Braucht’s nit, mein Bärbele, ich bleibe hier als treuer Stadtknecht in der Heimatstadt.

Bärbele

Dann bin ich dein, der Luther soll uns trau’n. (Umarmen sich beide.)

2. Szene

(Bruder Henning in Mönchskutte, Prior Tiemann als evangelischer Pfarrer gekleidet.)

Tiemann

Wenn Judith freit, darfs Bärbele nicht fehlen; wir stellen gleich uns an den Altar hier, aus Luthers Hand zu nehmen unseren Segen. Er führt mir selber meine Judith zu. (Zu Henning:) Wie ist’s so anders worden als es war. – Ist Himmelpforte auch ein Trümmerhaufen, so ist der Himmel näher uns denn je, und Gottes Engel steigen auf und nieder, und durch die Welt tönt’s Evangelium, und all danken’s unserm Reformator.

Henning

Die Augustiner waren es zuerst, die Luthers Fahne folgten, wie auch wir. Es bleibt der Ruhm des Klosters Himmelpforte, daß Luther hier zum Werk den Plan gefaßt, der eine ganze Welt in Scherben schlug, um eine schönere darauf aufzubauen.

Tiemann

Der Luther ist so groß wie ein Gebirg‘, auf dessen Wänden grüne Matten blühn; von oben rauschen Riesenbäche nieder, befruchtend und verheerend allzugleich; ein Gottesmann, so groß wie die Propheten. Doch sieh, da führt er meine Braut herbei.

3. Szene

(Luther führt an der Hand Judith, welche als Braut gekleidet ist, Luther als evangelischer Geistlicher gekleidet.)

Luther (an den Altar tretend)

Nach Gottes heil’gem Evangelium soll Mann und Weib treu beieinander sein im Ehestand. Die Ketten sind zerbrochen, die Papst und Kirche durch das Zölibat auf Priesterschaft und Mönche vordem legten. Ich weiß, daß aus dem neuen Pfarrerhaus ein Segen quillen wird fürs ganze Volk. Des Herren Gnade sei auch mit Euch beiden, die ich vor Gottes Thron allhier zusammenschließe.

Willst, Bruder Tiemann, du die Judith han, In Freuden und in Leiden nimmer lan? Willst du sie als dein Eh’weib ehrlich halten? So sprich dein Ja, und Gott mags‘ gnädig walten.

Tiemann

Ich will es tun, in des Dreiein’gen Namen.

Luther

Willst, Jungfer Judith, du den Tiemann han, In Freuden und in Leiden nimmer lan, Willst du ihm als dem Eh’herrn Treue halten, So sprich ein Ja und Gott wird’s gnädig walten.

Judith

Ich will es tun, in des Dreiein’gen Namen.

Luther

So kniet nieder vor dem heil’gen Gott. (Die Ringe ansteckend.) Was Gott zusammenfügt, soll niemand scheiden. Ich spreche euch zusammen, Mann und Weib, in Leid und Freud‘ für Eure Lebenszeit. Mit euch sei Gottes reicher Segen. Amen.

(Stehen auf.)

(Diese Trauung auf der Bühne kann auch fortgelassen werden. In diesem Falle führt Luther die Braut herein, übergibt sie Tiemann und dieser sagt: „Habt Dank“ usw.)

Tiemann

Habt Dank, ehrwürdiger Vater, tausend Dank, denn alles, was ich bin, das dank‘ ich Euch, des Herzens Frieden und das Glück der Ehe.

Luther

Und wirket hier in dieser alten Stadt als Prediger des Evangeliums, mit allen, die desselben Geistes sind. Noch steht in Kraft des alten Teufels Macht, wirft Klötze in den Weg, das Werk zu hindern, wie es im Bauernkrieg anher geschehn. Doch unser Gott ist auf dem Plan und wird zerstören seiner Feinde List und Macht. Ich bin sein Knecht, mich hat er auserwählt zu seinem Werk, und darum muß ich’s treiben und wenn die ganze Welt voll Teufel wär‘.

4. Szene

Morungen

Gegrüßet seid, ehrwürd’ger Vater Luther, vom Gafen Botho und vom ganzen Haus. Graf Botho will in alter Lehr‘ verbleiben, und auch die Gräfin Anna will es tun. Doch halten ihre Söhne treu zu Euch und sollen auf der Schul‘ in Wittenberg die Wissenschaft in Eurem Geist studieren. Wenn Ihr abfahrt, woll’n sie mit Euch gehn.

Luther

Der deutsche Adel steht auf meiner Seite und deutsche Fürsten halten treue Wacht. Doch darf’s das Schwert nicht machen, nur das Wort, das Wort des Evangeliums allein bringt Gottes Sache siegreich bis zum Ende.

5. Szene

(Bürgermeister Witten, Schneidermeister Öhlmann und alle Bürger treten ein.)

Witten

Der Rat der Stadt entbietet Euch den Gruß, um Euch, Herr Doktor, ehrlich anzusagen, daß hier in allen Kirchen soll die Lehre, wie Ihr sie predigt, rein verkündet werden; die Bürgerschaft ist lutherisch bis zum Tode.

Luther

Nicht lutherisch, Ihr Freunde, macht nicht mich zu eurem Papste! Ich bin Gottes Knecht, der mit der Axt die rauhe Bahn muß brechen, daß laufen kann des Heilands heilig Wort. Ihr dürft auch niemand zwingen zu dem Glauben, denn Glauben ist ein zartes, feines Ding, das keinen Zwang verträgt und keinen Druck. Führt Eure Jugend früh zum Evangelium in Euren Schulen, und habt acht darauf, daß alle Kinder, Knaben und auch Mädchen, in Gottes Wort streng unterrichtet werden, daß unser Volk von seinen Wurzeln an in Glaubenskraft aufwachse und erstarke, ein heil’ger Baum, von dessen goldnen Früchten die ganze Welt soll zehren und gedeihn. Das deutsche Volk ist Gottes Eigentum, vom Herrn erwählt, ums Evangelium der ganzen Welt zu bringen, daß das Reich des Heilands kommen kann zu jedem Volk. So lang‘ das deutsche Volk die Treue hält, so lange bleibt es groß und gottgesegnet, doch wenn es fällt von Gott, dann stürzet auch des Reiches Ehre krachend in den Staub. Ich schau‘ im Geiste schweres Ungewitter am Himmel aufziehn, um sich zu entladen im deutschen Land in Aufruhr, Mord und Not. Ein roter Blutstrom wälzt sich durch das Volk, denn Christus bringt nicht Frieden, sondern Krieg; und hunderttausend Deutsche müssen sterben fürs Evangelium in vielen Schlachten. Der Teufel hört nicht auf, das Werk zu stören und holt die Scharen von dem End‘ der Welt. Und immer muß das deutsche Vaterland der Acker sein, den scharfer Pflug durchwühlt, und in die Furchen streut der Satan Samen, aus dem die Drachen wachsen, die sich selbst zerfleischen in entmenschtem Bruderkrieg. Oh, du mein armes deutsches Vaterland! All diese Not erleidest du durch mich, weil ich dich führen soll auf Gott’s Geheiß! Herr, steh‘ mir bei und meinem armen Volke! Doch einmal geht der helle Morgen auf, wenn wir das Leid getragen bis zum Ende. Halt aus, mein deutsches Land, halt tapfer aus, und wenn du stehen sollst an Abgrunds Rand, du kannst wohl sinken, niemals untergehen. Du deutsch‘ Gewissen, deutsche fromme Seele, wir beide, du und ich, wir sind verbunden für alle Zeiten nach des Höchsten Willen, daß wir zusammen leben oder untergehn. Wird hart der Kampf und allzu groß die Not, der Herr bleibt unsere Burg und unser Gott. –

(Draußen erklingt mächtig der Choral:)

„Ein‘ feste Burg ist unser Gott.“

(Der Vorhang fällt.)

Wer auf geliehene Kostüme nicht verzichten will, wende sich an die Verlagshandlung von Arwed Strauch, Leipzig, welche das Leihen billiger Kostüme vermittelt.

Druck von Dr. F. Poppe, Leipzig-R.

Hinweise zu diesem eBook

Titel: Kloster Himmelpforte Autor: Robert Falke (1864-1948), Wernigeröder Hofprediger Erschienen in Leipzig, 1921 (Verlag von Arwed Strauch) Digitalisiert durch die Deutsche Nationalbibliothek, 2016 Da der Autor 1948 verstarb, ist das Werk seit 2019 gemeinfrei URL: https://d-nb.info/1112479732 URN: urn:nbn:de:101:1-201703194255

Transkribiert von Christian Reinboth, 2026 (unter Beibehaltung der Orthografie des Originals)

Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1921 erschienenen und durch die Deutsche Nationalbibliothek digitalisierten Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Ungewöhnliche und altertümliche Ausdrücke (z.B. ‚puchen‘ für ‚niederreißen‘, ‚Schwäher‘ für ‚Schwiegervater‘ oder Kopplungen mit ‚=‘ wie ‚Bauern=Haß‘) wurden beibehalten, sofern die Verständlichkeit durch diese nicht beeinträchtigt wird. Inkonsistente Schreibweisen (z.B. erwidern/erwiedern; gelegentliche Verwendung von Apostrophen vor dem ‚Plural-s‘) wurden ebenfalls nicht vereinheitlicht.