Jud Süß

Part 45

Chapter 452,816 wordsPublic domain

Auch der junge Michael Koppenhöfer war auf der Tribüne. Nun also wird der Mühlstein zermahlen, der dem Land so lang um den Hals hing, der Landverderber schimpflich justifiziert. Aber: diesen hätt die Demoiselle Elisabeth Salomea nicht verabschiedet, fahrig hin und her hastend zwischen Büchern und Stapeln von Wäsche, diesem war sie zugefallen, und er hatte sich wohl nicht einmal sonderliche Mühe zu geben brauchen. Der alte, krumme Jud, was war an ihm? Was war sein Geheimnis? Neidisch und bitter starrte er hin zu dem Mann auf dem Schinderkarren. Doch der junge Geheimrat Götz, unter den Richtern, schaute voll dummer, dumpfer Befriedigung. Jetzt wird die Schmach seiner Mutter und seiner Schwester ausgelöscht. Soll dann einer wagen, schief zu blicken. Wie wird er ihn niederblitzen! Wie wird er wissen, was er zu tun hat!

Aber fein und schwach saß auf der Tribüne der alte, verfallene Weißensee. Nenikekas, Judaie! Nenikekas, Judaie! Ach, der Jude hatte ihn wiederum besiegt. Hatte von allen Tafeln geschmaust, alle feinsten Leckerbissen dieser Welt mit Augen, Sinnen, Hirn geschmeckt, jeden Sieg und jede Niederlage ausgekostet, hatte sich angefüllt mit dem tragischen Ende des Kindes, hatte die bunte, farbige, überfeine, überwilde, höllenschweflige Rache gerüstet und vollendet, und nun starb er diesen Tod, die Augen der ganzen Welt auf sich, diesen abenteuerlichen und wahrscheinlich freiwilligen Tod, viel heroischer als etwa der Tod vor dem Feind. Umprasselt von Haß, umhegt von Liebe, zwielichtig, groß. Was blieb von ihm, von Weißensee? Ein paar jämmerliche Verse seiner armselig verbürgerten Tochter. Doch jener wird weiterleben. Immer wieder wird, was er war, lebte, sah, dachte, starb, von Späteren in die Hand genommen werden, nachdenklich beschaut, nachgelebt, nachgespürt, nachgestorben werden.

Süß war vom Schinderkarren losgebunden worden. Er stand, die Glieder steif, blinzelte. Er sah die Menschen in den Logen, die Perücken, die geschminkten Gesichter der Frauen. Er sah die Truppen, die den Platz absperrten. Ei, man hatte sich mächtig angestrengt; das waren allein um den Galgen mindestens fünf Kompagnien. Selbstverständlich hatte, sichtbarlich vornean, der Major von Röder die militärische Oberleitung. Ja, ja, es brauchte viel Strategie, ihn, den Süß, jetzt vollends aus der Welt zu schaffen. Süß sah die Zehntausende von Gesichtern, neugierige Weiber, die Münder bereit zum Keifen, Männer, bereit, befriedigt zu schmatzen und zu knurren, Kindergesichter, pausbäckig, großäugig, bestimmt, so leer und bösartig zu werden wie die Fratzen der Eltern. Er sah den Atem der Menge, weißlich dampfend, sehr leibhaft in dem hellen Frost, die gierigen Augen, die gereckten Hälse, die sich vormals so devot vor ihm gebeugt hatten. Er sah das Vogelbauer, den umständlichen, schimpflichen Apparat seiner Tötung. Und während er dies sah, drang in sein Ohr etwas Plärrendes, Kläffendes. Der Stadtvikar Hoffmann hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn unterm Galgen zu erwarten, nochmals auf ihn einzureden, von Himmel und Erde, von Verzeihung der Menschen und Gottes, von Sühnung und Glauben. Süß sah dies und hörte dies, er schaute langsam den Stadtvikar auf und ab, wandte sich weg, spie aus. Aufgerissene Augen, leises, empörtes, rasch verstummendes Schnauben der Menge.

Jetzt machten sich die Schinderknechte in ihren neuen, grellen Uniformen an ihn heran, öffneten ihm den Rock. Er spürte die rohen, ungefügen Hände, Ekel stieg hoch, er reckte sich, seine Steifheit war weg, er schlug um sich, wehrte sich verzweifelt. Alle Hälse wurden länger. Es war kurios anzusehen, wie der Mann in dem weißen Bart, in den Galakleidern, den blitzenden Edelstein an der Hand, sich mit den Knechten herumschlug, zappelte. Die Kinder lachten, jubelten, patschten in die Hände; auf den Tribünen begann eine geschminkte Frau schrill und anhaltend zu schreien, man mußte sie wegbringen. Das Barett des Juden fiel auf die nasse Erde, wurde in Kot gestampft. Die Henker packten ihn hart an, rissen ihm den Rock auf, sperrten ihn in den Käfig, legten ihm die Schlinge um den Hals.

Da stand er. Hörte leisen Wind, den Atem der Menge, die scharrenden Hufe der Pferde, das Keifen des Geistlichen. War dies das Letzte, was er auf Erden hören wird? Er dürstete nach anderem, er tat Herz und Ohr weit auf, er wollte anderes hören. Doch er hörte nur dies, dazu den eigenen Atem und das Surren des eigenen Blutes. Schon schwankte der Käfig, hob sich. Da, durch die leeren, grausamen Geräusche ein anderer Ton, gellende, gurgelnde Stimmen, schreiende: „Eins und ewig ist das Seiende, das Ueberwirkliche, der Gott Israels, Jahve, Adonai.“ Es sind die Juden, der kleine Jaakob Josua Falk, der dicke Rabbiner von Fürth, der schmierige Isaak Landauer. Sie stehen, in ihre Gebetmäntel gehüllt, sie und sieben andere, zehn, wie es Vorschrift ist, sie kümmern sich nicht um das Volk, das vom Galgen weg auf sie schaut, sie wiegen heftig die Leiber, stehen und schreien, gellen, gurgeln die Sterbegebete, über den weiten Platz hin: „Höre, Israel, eins und ewig ist Jahve Adonai.“ Weißliche Wolken in dem starken Frost ziehen die Worte von ihren Mündern, in die Ohren des Mannes im Käfig, und der Sohn des Marschalls Heydersdorff tut den Mund auf, schreit zurück: „Eins und ewig ist Jahve Adonai.“

Behend wimmeln, klettern die bunten Knechte die Leitern hinauf. Der Käfig hebt sich, die Schlinge drosselt zu. Unten flucht der Stadtvikar dem Sterbenden nach: „Fahr zur Hölle, verstockter Schelm und Jud!“ Das gelle Adonai der Juden ist in der Luft und in den Ohren aller. Aus dem Käfig tönt es zurück, bis die Schlinge den Ton erdrosselt.

Ganz vorn auf der Tribüne hat sich der Geheimrat Dom Bartelemi Pancorbo erhoben, er stützt die dürren, knochigen Hände auf die Brüstung, reckt aus der riesigen Halskrause den entfleischten, blauroten Kopf. Gierig hinter faltigen Lidern äugt er dem Käfig nach, wie er hochschwebt und in ihm der Mann in dem scharlachfarbenen Galarock und an dem Finger des Mannes der Solitär, tausendfarbig blitzend in der hellen Winterluft.

Nachdem der Kordon der Truppen aufgelöst war, beschaute sich die Menge den Galgen genau, ein paar Buben erstiegen die Leiter bis zur halben Höhe, man befühlte das Gerüst, oben auf den Stangen des Käfigs saßen in dicken Scharen schwarze Vögel.

Langsam zog die Menge in die Stadt zurück. Man hielt den Tag als Feiertag, aß gut, trank gut, soff, tanzte und raufte in den Schenken. Der junge Bürger Langefaß hatte aus dem Kot das zertretene Barett des Süß erobert, er war ein lustiger Bruder, berühmt als Witzbold; er stülpte sich das Barett auf, er stülpte es auch Mädchen und Mägden auf, die vergraust kreischten unter dem Barett des gehenkten Juden. Dennoch kam die rechte Lustigkeit nicht auf. Man wußte nicht recht wie, aber man hatte sich den Tag anders, befreiter, heiterer vorgestellt. Man sang: Der Jud muß hängen, man sang: Da sprach der Herr von Röder: Halt! oder stirb entweder! Doch das Adonai des Juden wollte nicht aus dem Ohr. Die Kinder spielten Hängen; und das Spiel ging so, daß einer oben stand und Adonai schrie und die anderen standen unten und schrien, brüllten, johlten, gellten: Adonai.

* * * * *

In der Nacht nach der Hinrichtung, gegen drei Uhr etwa, kam ein hagerer, großer Herr die Tunzenhofer Steige herauf zu dem eisernen Galgen. Der Weg war ein übles Gemisch von Dreck und schmelzendem Schnee, beschwerlich zu gehen. Der hagere Herr, sehr fröstelnd, hüllte sich tief in einen weiten Mantel von altmodischem, verschollenem Schnitt. Er hatte zwei Burschen mit sich, verkommene Bürgersöhne, in Stuttgart bekannt als beherzt und zu jeder Unternehmung willens, wenn sie nur Geld trug. Die beiden Burschen stiegen ungesäumt die Leiter zu dem Galgen hinauf. Sie hatten Mühe, die Sprossen waren glitschig und gefroren, sie fluchten leise vor sich hin. Um sie herum flatterten Vögel, die Tag und Nacht in dicker Menge auf dem Galgen hockten. Oben hielten sich die beiden Burschen ungebührlich lange auf. Der dürre Herr, der unten wartete, zog nervös die Schultern hoch, trat von einem Fuß auf den andern, murmelte unterdrückt und unwirsch vor sich hin. „Habt ihr ihn?“ herrschte er sie, leise, an, als sie endlich wieder unten waren. „Er ist nicht da!“ stammelten verstört die Burschen. „Ihr habt ihn gestohlen, ihr habt den Stein gestohlen!“ bellte heiser, mühsam gedämpft, der Portugiese. „Ich lasse euch den Prozeß machen, ich lasse euch rädern!“ Doch die Burschen, verängstet, versicherten: „Der ganze Jud ist nicht da. Es hängt ein anderer im Käfig. Der Teufel hat ihn geholt.“ Dom Bartelemi, lang ungläubig, ließ schließlich noch in der Nacht durch Leibhusaren, amtlich, den Käfig untersuchen. Ja, die Leiche war gestohlen, ausgetauscht.

In aller Frühe schon war der wütende, geprellte Mann beim Herzog-Administrator. Das kam von der Güte Seiner Durchlaucht. Jetzt hatten die Juden den Solitär gestohlen. Den Solitär? Karl Rudolf dachte an den Berg von Gold, glaubte es nicht. Die Leiche, ja, die konnten sie gestohlen haben. Er überlegte, hellte sich auf, schmunzelte fast. Eigentlich waren sie Teufelskerle, diese Juden. Stahlen einfach die Leiche vom lichten Galgen weg; Christen und Soldaten hätten das nicht besser machen können. Er gönnte ihnen gern den Solitär als Entgelt, ließ sie nicht verfolgen. Blaurot, dumpf wütend, mit seiner moderigen Stimme grausige Flüche vor sich hinbellend, zog der hagere Portugiese ab in seiner verschollenen Hoftracht.

Die Leiche indes, in großer Eile in Rupfen gewickelt, unter Stapeln von Waren und Kram versteckt, fuhr auf einem Karren nach Fürth. Hausierjuden geleiteten sie, wechselten ab von einem Ort zum andern. Der Solitär stak am Finger des Toten; keiner von den Geleitern fürchtete, sein Nachfolger könnte ihn stehlen.

In Fürth wurde die Leiche gewaschen, in das weiße, lange Totenleinen gehüllt, eingesargt. Zeigefinger, Mittelfinger, Goldfinger gerichtet im Zeichen des Schin, des Anfangsbuchstabens des göttlichen Namens Schaddai; ein kleines Häuflein Erde unter das Haupt, schwarze, krümelnde Erde, Zions Erde. Den Aufsichtsbehörden war gemeldet, ein nicht weiter bekannter toter Jud aus Frankfurt, gestorben auf der Landstraße, werde beerdigt. Auch den Mitgliedern der Gemeinde wurde nichts mitgeteilt. Aber es raunte von Mund zu Mund.

Da lag der Unbekannte, das schwarzblaue erwürgte Gesicht sonderbar umrahmt von dem schmutzigweißen Bart, die Augen hatten sich nicht zudrücken lassen, sie quollen trüb bräunlich heraus, doch zwischen ihnen über der Nase zackten sich tief in die Stirn die drei Furchen des Schin. Aus dem weißen, einfachen Laken leuchtete riesig und verwirrend der Solitär. Die zehn angesehensten Männer der Gemeinde saßen zwischen großen Kerzen und verhängten Fenstern und hielten Wache.

Unter sie trat ein Fremder. Dicklich, bartloses, massiges Gesicht, graue, trübe Steinaugen, altfränkische Tracht. Wasser goß er hinter sich, da er das Totenzimmer betrat, Wasser zu Häupten, Wasser zu Füßen des Toten. Die Männer erkannten den Kabbalisten, flüsterten, gaben Raum.

An die Leiche trat Rabbi Gabriel, knarrte mit seiner mißtönigen Stimme den Segensspruch: „Gerühmt seist du, Jahve, Gott, gerechter Richter.“ Mit den dicklichen Fingern, behutsam, rührte er die Lider des Toten, da schlossen sich die Lider. Dann setzte er sich auf den Boden, senkte zwischen die Knie den Kopf. Die zehn Männer waren bis zur Wand zurückgewichen. Sehr allein trotz ihrer Gegenwart, ein kleines, verlorenes Bündel, hockte Rabbi Gabriel bei dem Toten.

Alle Juden aus Fürth waren auf der Gräberstatt, als der Unbekannte beerdigt wurde. Sie senkten den Sarg in den Grund. Der Solitär war am Finger des Toten, unter seinem Haupt das kleine Häuflein Erde von der Erde Zions. Im Chor antworteten sie dem Vorbeter: „Eitel ist und vielfältig ist und Haschen nach Wind ist die Welt; doch eins und ewig ist der Gott Israels, das Seiende, Ueberwirkliche, Jahve.“ Dann rissen sie Gras aus und warfen es hinter sich. Und sie sprachen: „Wie das Gras welken wir aus dem Licht.“ Und sie sprachen: „Wir gedenken, daß wir Staub sind.“ Dann wuschen sie sich die Hände in fließendem, dämonenscheuchendem Wasser und verließen den Friedhof.

Werke von Lion Feuchtwanger

Im Drei Masken Verlag München:

_Vasantasena_ Schauspiel. Vierte Auflage

_Der holländische Kaufmann_ Schauspiel

_Der Frauenverkäufer_ Spiel nach Calderon

Im Wegweiserverlag Berlin:

_Die häßliche Herzogin_ Roman. 110. Tausend

Im Verlag Gustav Kiepenheuer Potsdam:

_Leben Eduards des Zweiten_ Historie. (Zusammen mit Bertolt Brecht)

Im Georg Müller Verlag München:

_Thomas Wendt_ Ein dramatischer Roman. Dritte Auflage

_Die Kriegsgefangenen_ Schauspiel

_Friede_ Ein burleskes Spiel nach dem Aristophanes

_Warren Hastings_ Schauspiel

Presse-Stimmen

Vasantasena

Man kann das Stück des sagenhaften Königs Sudraka, das ein Jahrtausend vor Shakespeare entstanden ist, nicht besser charakterisieren, als es der Herausgeber in seiner Einleitung tut: „Die Vasantasena vereint süße, weisheitsvolle Resignation mit lichter, anmutiger Schalkhaftigkeit ... Hier ist kein Erdenrest zu tragen peinlich. Diese Dichtung tanzt, schwebt, löst alle irdische Diskrepanz in unirdische Harmonie ...“ – und Feuchtwanger ist es gelungen, diese dichterische Höhe in seiner Nachdichtung zu wahren.

Der holländische Kaufmann

_Berliner Börsen-Ztg._: Das Stück erstrebt große Ziele und weite Perspektiven.

Der Frauenverkäufer

_Neue Freie Presse_, Wien: Calderons Schauspiel ist ein Wurf, aus dem Feuchtwanger in freier und sehr geschickter Nachdichtung eine Komödie machte. Feuchtwanger hat durch stärkeren komischen Einschlag und menschliche Vertiefung ausgleichend eingegriffen. „Der Frauenverkäufer“ wird eine bleibende Bereicherung des deutschen Spielplanes sein.

_Nieuwe Rotterdamsche Courant_: Fruchtbarste Phantasie, zwischen Adelsschloß, Wildnis und maurischen Felsburgen, Sinn und Ulk, Liebe und Kampf hin und her schweifend, sichert dieser Nachdichtung stärkste Wirkung.

Die häßliche Herzogin

_Frankfurter Zeitung_: Ein Roman von wunderbarer Frische und Leuchtkraft, von innerer Wahrhaftigkeit und tiefer Eindringlichkeit, aus mittelalterlichen Zeiten ein farbenkräftiges Gemälde von kultureller Treue, zeitenecht und gleichwohl zu uns sprechend wie zu Zeitgenossen. Eines der besten und wertvollsten Bücher der neueren Literatur.

_Münchner Neueste Nachrichten_: Das ausgezeichnet erzählte Buch ist das Werk eines Dichters und großen Psychologen.

Thomas Wendt

_Der Tag, Berlin_: Feuchtwanger hat in diesem Werk eine auf Erlebnis und scharfer Beobachtung ruhende, glänzende Darstellung der Zeit gegeben. Man kann an diesem ebenso ernsten wie witzigen Werk unmöglich vorbeigehen.

_Thomas Mann_: Dieses Werk hat mich tief ergriffen. Es ist voll Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Schönheit.

Die Kriegsgefangenen

_V. Cyril in der Pariser Humanité_: In diesem Stück ist das Beste deutscher Kunst. Früher Sommer, ruhevolle, sanfte Landschaft, sicheres, hinreißendes Gefühl der Schwingungen von Mensch zu Mensch.

Friede

_Basler Nationalzeitung_: Feuchtwangers Bearbeitung beweist eine geradezu geniale Hand. Die Holzschnittdrastik seiner Knittelverse, voll Schlagkraft, voll sprühenden Witzes, die staunenswerte Beherrschung der Sprache machen das Werk zum Muster- und Meisterbeispiel einer Uebersetzung in unsere Sprache und unsere Zeit.

_Vossische Zeitung_: Eine höchst wirkungsvolle und bühnensichere Komödie.

Warren Hastings

_Frankfurter Zeitung_: Wir grüßen Lion Feuchtwanger. Er bedeutet für die Bühne entschiedenen Gewinn, denn er verweist sie auf neue Möglichkeiten.

_Münchner Zeitung_: Das Ganze ist ein Werk von durchaus persönlicher Haltung, ein Stück, dessen starke Wirkungen nicht mit billigen Mitteln erkauft sind.

Jakob Wassermann

Gestalt und Humanität

Zwei Reden

172 Seiten 8° * Ganzleinen Rm. 4.50

In Wassermanns Reden spiegelt sich ein gut Stück edelster geistiger Kultur der Gegenwart – in einer rhetorischen Prosa, wie man sie heute in Deutschland kaum mehr hört. Unserer Zeit ist der Sinn für das Wesen der Gestalt und die Kraft zu ihrer Schöpfung abhanden gekommen. Gestalt ist Symbol und Repräsentation menschlicher Geisteswelt, ist der höchste Ausdruck menschheitsgeschichtlicher Epochen. Durch Gleichnisse und Bilder führt Wassermann uns in der zweiten Rede in das innere Wesen der Humanität hinein; Verkörperung seiner Idee ist ihm die Gestalt des Humanus, Humanus ist ein Spiegel der Genien, die an der Vervollkommnung der Menschheit gewirkt haben, voll Herzensadel, voll Geistigkeit, voll Phantasie; er ist der Werkmeister am „Bau zur wahrhaften Ehre des Menschen“.

A. M. Frey

Robinsonade zu Zwölft

Grotesker Roman

378 Seiten 8° * Broschiert Rm. 5.–, Ganzleinen Rm. 6.50

Eine groteske Geschichte, dahingeplaudert in einem tollen Wirbelwind der Gedanken und Einfälle, verschroben oft und verwirrend in dem turbulenten Durcheinander der Gestalten und Ereignisse, aber immer spannend und als kraftvolle, dichterisch glänzend gelöste Satire nicht ohne sittlich ernsten Hintergrund. – Eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft von Gegenwartsmenschen wird aus ihrer gewohnten Zivilisation durch ein Flugabenteuer herausgerissen; die zwölf Leutchen haben ihre komplizierten Europäerseelen wieder einmal auf das Natürliche einzustellen. Das führt zu Szenen von überwältigender Komik, aber auch von feinster gesellschaftskritischer Bedeutung.

_Drei Masken Verlag München_

Jerome K. Jerome _Alle Wege führen nach Golgatha_ Roman. Broschiert Rm. 4.–, Halbleinen Rm. 5.–

Carl Sternheim _Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn_ Neue erweiterte Ausgabe mit 16 Holzschnitten von Franz Masereel Broschiert Rm. 10.–, Halbleinen Rm. 12.–

Dmitrij Mereschkowskij _Der vierzehnte Dezember_ Roman. Broschiert Rm. 5.50, Halbleinen Rm. 7.–

_Das Reich des Antichrist_ Broschiert Rm. 4.–, Halbleinen Rm. 5.–

Alfons Paquet _Drei Balladen._ (Einmalige numerierte Ausgabe) Pappband Rm. 7.–, Halbleder Rm. 15.–

_Prophezeiungen._ Roman Broschiert Rm. 4.50, gebunden Rm. 6.–

_Erzählungen an Bord._ 10. Auflage Broschiert Rm. 5.–, gebunden Rm. 6.50

_Delphische Wanderung._ Ein Zeit- und Reisebuch Broschiert Rm. 4.50, Halbleinen Rm. 6.–

_In Palästina._ Ein Reisebuch Broschiert Rm. 4.50, Halbleinen Rm. 5.50

_Rom oder Moskau._ Sieben Aufsätze Kartoniert Rm. 4.–

_Fahnen._ Ein dramatischer Roman Kartoniert Rm. 4.50

_Drei Masken Verlag München_

Druck von Mänicke und Jahn A.-G., Rudolstadt

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme anderer Auflagen, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 14]: ... an ihr abgeglitten wie Wasser von geöltem Körper. Aber: ... ... an ihm abgeglitten wie Wasser von geöltem Körper. Aber: ...

[S. 60]: ... Tenue, sein gutmütiger, etwas lärmender Humor war beliebt ... ... Tenue, sein gutmütiger, etwas lärmender Humor waren beliebt ...

[S. 81]: ... Breuz, Gochsheim, Stetten, Freudenthal abtreten und sich ... ... Brenz, Gochsheim, Stetten, Freudenthal abtreten und sich ...

[S. 167]: ... er blieb auch irgendwo rasten, er reiste stetig und, so ... ... er blieb auch nirgendwo rasten, er reiste stetig und, so ...

[S. 281]: ... sie, so appetitlich sah das ganze Frauenzimmer. Ein ... ... sie, so appetitlich sah das ganze Frauenzimmer aus. Ein ...

[S. 442]: ... errichteten alten Verträgen sie wohl zu beachten, in ... ... errichteten alten Verträgen sei wohl zu beachten, in ...