Jedermanns Hundebuch

Part 7

Chapter 73,185 wordsPublic domain

Jedem Haushund muß man sofort auf erstem Blick am Gesamteindruck ansehen, daß er gepflegt ist; das unterscheidet ihn von Straßenköter und Zwingerhund in Verbindung mit einer gewissen Haltung, die nur der wohlerzogene Hund zeigt. Dadurch übertrifft er selbst Ausstellungstiere von höheren Rassenwerten. Ein einmaliges Waschen und Bürsten gibt diesen Eindruck noch nicht; Pflege sitzt wie ein gutgearbeiteter und selbstverständlich getragner neuer Anzug. Wer durch etwas Ausübung Verständnis erhalten hat, wird — um durch sorgfältige Pflege seinen Kameraden zu heben — sogar den Pudel, den rauh- oder langhaarigen Rassenhund dem stock- und kurzhaarigen vorziehen. Allerdings sind die erstgenannten ohne oder mit mangelhafter Haarpflege geradezu abstoßend, die letzteren (kurzhaarige) auch dann noch erträglich. Da sie sehr wenig Pflege brauchen, unterbleibt leider oft das Wenige, doppelt beschämend für den Besitzer, zumal der, der keine Zeit für solche Äußerlichkeiten hat, die alle Welt feststellen und kritisieren kann, noch weniger Lust und Sinn für Erziehung und Innenleben seines Hausgenossen hegen wird und besser täte, gar keinen Hund zu halten. Pünktlichkeit ist das Rückgrat der Pflichterfüllung, deshalb soll eine ganz bestimmte, alltäglich innegehaltene Viertelstunde gewählt und unerbittlich (gegen sich selbst) festgehalten werden, z. B. kurz vor dem Mittagessen, weil da die Hygiene ohnehin geistige und anstrengende körperliche Arbeit verbietet, also eine halbe Ruhepause als Übergang von Arbeit recht nützlich ist. Gibt es auch noch so wenig am Hund zu tun, er wird doch so täglich kontrolliert. Zunächst wird das Haar gebürstet; je länger oder seidiger dieses ist, desto weicher und länger muß die Bürste dazu sein. Ganz kurzhaarige Rassen auch Schäferhunde werden mit einer Borstenkartätsche, wie für Pferde üblich mit Lederschlaufe über Handrücken, behandelt. Vom Kopf nach rückwärts bis zum Rutenansatz, sodann Keulen und Läufe abwärts. Dieses Bürsten ist zugleich eine sehr wohltätige Hautmassage, es entfernt Staub und Schmutz, die für Ungeziefer und Räudeansteckung der Nährboden sind. Für zarte Rassen oder solche mit feiner Haut (Windhunde, Barzois, glatte Terriers, kurzhaarige Zwergpinscher) wird die Bürste am besten durch den sogenannten _Haarhandschuh_ ersetzt. Nach Gebrauch wird letzterer, kräftig ausgeklopft, von Zeit zu Zeit mit Seife gewaschen. Die Bürste, mit Tuch sauber gerieben. Ein Kamm wird für langhaarige Rassen _niemals_ benützt; einem Collie, Bernhardiner, Chin, Pekingesen, Malteser würde damit alle Schönheit (Haarreichtum mit dichter Unterwolle) hoffnungslos ruiniert. Filzt sich Haar je zusammen, so wird es nur mit den Fingerspitzen vorsichtig aufgezupft. Ein Kamm voll Haare nach dem Auskämmen wäre nicht Beweis von Pflege, sondern von unverstandener Mißhandlung. Der schöne Hund soll (ausgenommen Setter und Spaniel) nicht von dünner Haardecke leicht umgeben sein, sondern in einem vollen Haarschmuck prangen. Der harte _Stahlkamm_ dient lediglich _zur Korrektur_ für zu zottig und üppig behaarte Rauhhaarrassen, wie Airedales, Schnauzer, Brüssler Griffons, namentlich muß damit das überragende Haar am Hals, Oberkopf, Läufen, Backen entfernt werden, um eine elegante Erscheinung herzustellen, die nicht wie ein Wollpudel aussieht. Ferner wird mit weitem Kamm täglich beim Wollpudel das Haar auf Kopf und Körper offen gehalten, damit es sich nicht zu Schnüren schließt. Zur Kontrolle, ob Flöhe vorhanden, dient der enge Staubkamm bei kurzhaarigen Rassen. Solche dürfen beim sauber gehaltenen Haushund nie Vorkommen; sie quälen den Hund (abirrend den Menschen) und sind Zwischenträger von Würmern. Sich wegen Ungeziefer kratzende Hunde ruinieren sich damit ihr Haar und ziehen sich leicht Hautverletzungen (Ekzem) zu. Ein gepflegter und gesunder Hund muß immer ein glänzendes Fell haben und auch ohne Bäder sauber aussehen. Nach der Haarpflege wird mit besonderem Tuch das Auge täglich gereinigt, so daß sich in den Winkeln nie Sekret festsetzt. Ist es katarrhalisch entzündet, so wird es mit leichter Borsäurelösung gewaschen, darauf gut getrocknet, damit nicht bei kühlem Wetter eine Erkältung eintritt. Nach den Augen wird das Ohrinnere mit feuchtem Schwämmchen (der in sogenannter Seifenschale geschlossen aufbewahrt und nach Gebrauch ausgewaschen wird) täglich gereinigt. Zeigt sich Ausfluß, so bläst man mit kleinem Röhrchen etwas pulverisierte Borsäure in den Gehörgang. Die Zähne der Junghunde bedürfen noch keiner Pflege; nur bei ersten Anzeichen von _Staupe_ muß _täglichmehr malsdas ganze Gebiß_ mit desinfizierender Flüssigkeit (verdünntem Spiritus, Lösung von hypermangansaurem Kali, essigsaurer Tonerde oder dgl.) gründlich gesäubert werden, um das sogenannte Staupegebiß (kariös, ohne Schmelz) zu verhindern. Mit etwa 5 Monaten ist nachzuprüfen, ob die ersten Hakenzähne, dicht hinter den zweiten stehen geblieben sind. Da sich zwischen diese Speisereste festsetzen, riechen solche Hunde faulig aus dem Maul. Bei Zwerghunden ist das häufig. Die ersten Zähnchen sind mit dafür konstruierten Zange leicht zu entfernen, oft schon mit der Hand; doch soll man sie herausziehen, nicht abbrechen. Erhalten Jährlinge harte Hundekuchen, Knochen für das kräftige Gebiß, das danach verlangt, so wird sich selten ein gelblicher Belag an den Eckzähnen bilden. Wo die Neigung dazu vorhanden ist, genügt ein tägliches energisches Darüberstreichen mit harter Zahnbürste, woran sich Hunde sehr rasch gewöhnen. Die erstmalige Entfernung des schon leicht verhärteten Belags kann mit Fingernagel oder Messer erfolgen. Laufen Hunde wenig auf harter Straße, so werden oft die Krallen zu lang; sie zersplittern sich auch bisweilen, so daß man von Zeit zu Zeit kontrolliert und mit Eisenfeile etwas kürzt. Abzwicken mit Zange erfordert scharfes Instrument (Nagelzangenschere), da sonst die Kralle splittert oder Blutung eintritt, wenn man zuviel wegnimmt. Allmähliches Abfeilen, wobei jemand den Hund beschäftigen und die Pfote halten mag, ist vorzuziehen. Namentlich ist bei Hunden mit Afterklauen (lose, fünfte Zehe am Hinterlauf) die Kralle zu kürzen, da sie sonst in das Fleisch hineinwächst. Vor Abzwicken mit warmem Wasser weich machen, schützt vor Splittern. Ausgenommen bei Hautkrankheiten zu intensiver Behandlung werden Hunde nie geschoren und so des natürlichen Schutzes auch gegen Sonnenbrand beraubt. Infolge des natürlichen Haarwechsels ist im Sommer ohnehin die sogenannte Unterwolle der dichtbehaarten Rassen dünner. Einen dicken Haarpelz, für bestimmte Rassen besonders erwünscht, z. B. für Collies, Chow-Chow, russische Windhunde, erzielt man nur, wenn man sie auch im Winter im Freien schlafen läßt. Die einzige Ausnahme macht der halbgeschorene Pudel, an dessen Keulen, Hüftknochen, Gelenken kleine Krausen stehen bleiben. Die Schnauze wird mit Ausnahme des Bartes bis etwa 2 cm über die Augen geschoren, das Kinn und die Kehle bis etwa unter Halsbandtiefe. Zum Füttern werden die langen Ohren mit einer Klammer (Schnurrbartklammer, bei Friseuren erhältlich) über dem Kopf befestigt. Sein Bart ist täglich mit Schwamm zu reinigen. Wird der Hund täglich mit der Bürste oder Haarhandschuh gereinigt, was die meisten als eine Wohltat empfinden, so daß sie dazu willig sich stellen, so sind Bäder sehr selten nötig. _Junge Hunde,_ die noch Mutterwolle tragen, sollte man überhaupt nicht baden, man setzt sie selbst bei aller Vorsicht im überhitzten Raum der Gefahr von Erkältung aus. Wird der ältere Hund gebadet, so hebt man ihn in eine Wanne, in der das Wasser nicht ganz bis zur Bauchhöhe reicht. In einer Schüssel wird etwas milde Seife im warmen Wasser aufgelöst und damit mittels Bürste (bei kleinen Rassen mit Schwamm) von der Mitte des Rückens nach rechts und links abwärts abgewaschen. Sodann kräftig mit Wasser nachgespült, das Haar energisch nach der Richtung des Wuchses ausgedrückt. Wollte man kräftig den Hund selbst einseifen, so brauchte man eine Unmenge Wasser, um alle Seifenspuren zu entfernen und verfilzt das Langhaar derartig, daß man später beim Auskämmen zu viel ausreißt. Hat man das Wasser aus dem Haar gestrichen, so überdeckt man mit einem Frottiertuch und klopft mit flacher Hand trocken. Zarte Seidenrassen, wie Malteser, Yorkshireterriers werden nachher dicht am wärmenden Feuer mit der Bürste trocken gebürstet; würde man das Haar am Feuer ohne Bürste (immer vom Scheitel abwärts) trocknen, so wird, es wellig, was ein großer Schönheitsfehler ist. Derbe Rassen wie Schäferhunde, Boxer, französische Bulldoggen, Foxterriers kann man etwas kräftiger abreiben, doch benütze man immer milde (überfettete) Seifen und lasse bei Kälte oder Wind die Hunde erst einige Stunden nach dem warmen Bad ins Freie, da die geöffneten Poren leicht zu Erkältung führen. Sehr bequem ist die sogenannte Trockenwäsche für weiße Hunde; doch soll man damit nur das äußere Haar reinigen, nicht die Hautporen verschließen. Trockenwaschpulver (eine Mischung von Kartoffelmehl und Magnesia) ist in Spezialgeschäften für Hundeutensilien erhältlich. Zur Erhaltung der Gesundheit und Sauberkeit wird das lange Stirnhaar (der Fall) von Pudel, Malteser, Yorkshireterrier mit einem Seidenband zusammengebunden, man umfaßt es mit linker Hand, zieht es nach oben, umwickelt mehrmals mit farbigem Band fest zusammen, die Enden werden zu einer Schleife geknüpft. Ein sehr langer „Fall” wird zum Zopf geflochten.

24. Kapitel. =Utensilien zur Pflege und Dressur.=

Mangelhaftes, improvisiertes Werkzeug erschwert jede Hantierung, kostet mehr Mühe und Zeit, bringt geringen Erfolg und läßt schließlich von kleinen Manipulationen absehen, deren Unterlassung später Arbeit und Unkosten verursacht. Vor Ankunft des Hundes muß schon alles bereit liegen, die Anwendung ist zum Teil schon in vorherigen Kapiteln erklärt worden. Zunächst zur Haarpflege _nur Borstenbürsten,_ niemals Marterinstrumente mit Stahlborsten, selbst nicht solche auf Gummiunterlage, man entzündet damit die Haut. Für stockhaarige und rauhhaarige Rassen kurze kräftige Borsten in Kartätschenform. Für Schoßhunde ganz Weiche lange Borsten, die den Kamm ersetzen. Nur in Spezialhäusern für Hundeartikel erhält man die Stahlkämme mit ganz kurzen Zähnen, die zugleich zum Abrupfen des überwuchernden Haares für Rauhhaarrassen dienen. Dieses soll nie so lang werden, daß es die Körperformen merklich überragt. Abgesehen von Bart und Augenbrauen erscheint Rauhhaar, speziell der Terrier, wie ein glatthaariger (nicht kurzh.) Hund; der deutsche Pinscher, Affenpinscher, wird ein wenig länger im Haar gehalten, doch schadet auch für ihn der sogenannte Rupfkamm nicht. Der Zweck der Eisenfeile (für Nagelpflege), harten Zahnbürste ist oben beschrieben. Zwei Porzellanschalen mit Deckel enthalten kleine, dichtgeschlossene Schwämme für Augen- und Ohrenpflege, die öfter in leichtem Desinfektionswasser (Wasser mit etwas Wasserstoffsuperoxydzusatz) ausgewaschen werden. Ebenso die Bürsten. Ein feineres Staubtuch dient zum Nachtrocknen der Ohren und Augen. Ein vorzügliches Putzmittel zum Nachpolieren nach dem Abbürsten ist der _Samthandschuh,_ den man nach Benutzung mit trockenem Tuch abreibt und gleichfalls von Zeit zu Zeit waschen läßt. Wenn man sich vor regelmäßiger Haarpflege einbildete einen sauberen Hund zu besitzen, so wird man sich durch Anblick des Tuches nach Abreiben des Samthandschuhes überzeugen, daß das Gegenteil der Fall war. Kein Wunder, daß manche Hunde übelriechen, wenn sie nach Regen feucht in das Zimmer kommen. Erst durch peinlichste Sauberkeit wird der Haushund zum Hausgenossen, den man auch berühren darf, ohne sich sofort darauf mit Seife und heißem Wasser waschen zu müssen. Begreiflich, daß zu solcher Pflege das richtige praktische blanke Werkzeug gehört. _Schutzdecken_ (Schabracken) werden nur für kurzhaarige Rassen wie Black and Tan Terriers, Zwergpinscher, Windhund, Whippet (letzteren nach Renntraining sofort umgelegt), besonders Windspiel angeschafft; um ihnen ein gefälliges sportliches Aussehen zu geben, sind sie aus dunklem Tuch, mit Hellen, blauen oder gelben Streifen eingefaßt. Ausnahmsweise legt man solche aus Segeltuch und hinten rings geschlossen Doggen an, um aufgeschlagene Rute zu heilen. Für zarte Schoßhunde schneidet man von abgelegten, gestrickten Handschuhen die Spitzen ab, läßt den Schnittrand von der Hausfrau nachgiebig einfassen und zieht sie vor Ausgang bei nassem Schneewetter über die Füße als _Schutzsocken._ Blendend schön behaarte Yorkshireterriers und Malteser, die für Ausstellungen vorbereitet werden, müssen solche Schuhe beständig tragen, damit sie sich nicht kratzen können. Wie die Kravatte des _Herrn_ nebst Nadel das einzige Bekleidungsstück ist, das Geschmack und Eleganz verrät, so auch das _Halsband_ des Hundes, das bei der Dogge, dünn und rund genäht, den eleganten Hals unterstreicht und diskret den Übergang zum Rücken nicht stört, bei dem schwarzroten Dobermann oder Terrier als glattes weißes Band das tief glänzende Fell hebt. Dem gedrungenen Bau mit kurzem Hals durch Wucht und Nägelbeschlag bei der Bulldogge sich anpaßt und den Schein hervorruft, als müßte dieses fürchterliche Tier an schwerstem Halsband gebändigt werden. Beim Barzoi und Pudel oder Collie besteht es nur aus einer vernickelten Kette, die im Haar verschwindet, ohne dieses zu verletzen. Sportrassen wie Foxterriers, Airedales tragen glattes, schmales hellgelbes Lederhalsband, z. B. Dreigliederhalsband, das zwar Zughalsband ist, aber sich nicht völlig zuziehen läßt, wie jedes solche sein sollte, dazu weit genug, um über den Kopf gestreift zu werden. Auffällig als solches durch Farbe oder Zierbeschläge darf nur das Halsband der Bulldogge, der japanische Originalkragen des Chins oder das mit Dachshaaren besetzte der französischen Bulldoggen sein. Das Eigenartige liegt sonst im Passen und Schlichtheit. Zum weißen Halsband gehört die Weiße Leine. Brustgeschirre erhalten nur solche Rassen, die bei fortgesetztem Ziehen am Riemen zu Kropf neigen (glatth. Zwergpinscher, Mops). Ein angehängtes Glöckchen ist eine Zumutung an Nerven des Hundes; geht man aber abends aus, so ist es nicht unpraktisch, ein solches an kleinem Karabiner zu besitzen, damit man die Anwesenheit des Hundes hört, wenn man den kleinen dunklen Kerl nicht sieht. Zum Ausgang in die Stadt gehört die _kurze Führleine;_ je kürzer man den großen Hund hält, desto leichter und fester hat man ihn in der Gewalt. Zur Dressur kann man sich selbst die lange Leine aus fester gedrehter Hanfschnur herstellen. Für harte Hunde benutzt man zur _Dressur_ das unwendbare _Stachelgliederhalsband_ (Torquatus) oder den über das glatte Lederhalsband an zwei Schleifen über- zustreifende Stachelriemen, Marke Horridoh, der nach außen gedreht zum Schutz gegen fremde bissige Hunde dient. Für Hunde, die zum Entweichen oder Wildern neigen, läßt man sich einen sogenannten _Knüppel_ herstellen. Das ist ein rundes Hartholzstück von etwa 50 cm Länge und 8 cm Dicke (je nach Größe, diese für Dobermannpinscher angegeben), dreht in der Mitte eine Ringschraube ein und befestigt mit 2—3 Verbindungsgliedern einen Karabiner, so daß der an das Halsband eingehängte „Knüppel” bis auf die Vorderläufe 1⁄3 von oben) herabreicht. Mit diesem „Knüppel” kann der Hund mit gehobnem Kopf gehen, auch ganz langsam traben, sobald er aber springt oder hetzt, schlägt ihm der Knüppel beständig auf die Vorderbeine. Namentlich für den im Landhaus gehaltenen zum Ausbrechen geneigten Hund, den man tagsüber im Garten frei laufen läßt, ist der „Knüppel” zu empfehlen. Hat er sich einige Zeit bewährt, so kann man ihn durch Absägen auf beiden Seiten kürzen, er wirkt als Warnung trotz Kleinheit weiter. Wer öfter reist und den Hund von mittlerer Größe oder Zwerghund mitnimmt, wird sich vorteilhaft einen _Reise-transportkorb_ mit Gittertür anschaffen, der schon einige Tage vor der Reise nachts als Lager (geschlossen) dienen soll, so daß sich der Hund gar nicht aufregt, wenn er in diesem als Reisegepäck aufgegeben oder im Hotel bei Ausgang eingesperrt wird. Verläßt man das Hotel bei Tage, so überdeckt man den in dunkle Ecke gestellten Korb, weil sich für das Hundegehirn Dunkelheit mit Nachtzeit verbindet und er sich dann ruhiger verhält. Der Pudelbesitzer benötigt die _Haarschere,_ die für großen Schlag eine Schnittbreite von 42—44 mm, kleinen Schlag 32—35 mm, eine Schnittlänge von 1⁄4 mm (sogenannte Bartschere) haben soll. Solche mit 1⁄2 mm schneiden zuweit über der Haut und rupfen. Man ölt gut und setzt kräftig die an der Stellschraube energisch angezogene Maschine gegen den Haarstrich ein. Hat das erstemal ein geübter Pudelscherer den Hund frisiert, so ist es dann eine Kleinigkeit ihn so zu erhalten. Zehen und Gesicht werden alle 8—14 Tage, der Hinterkörper im Sommer alle 14, im Winter jede dritte Woche nachgeschoren. Überragende Haarspitzen entfernt man beim Wollpudel mit der Handschere. Nach dem Bad werden die Schnüren mit Tüchern partienweise trocken frottiert. Leider gehört in vielen Städten zu den aufgezwungenen Utensilien auch der _Maulkorb_ für alle, oder doch größere Rassen, der natürlich gegen Verbreitung der Tollwut durch entweichende Hunde keinerlei Schutz bietet, aber für ängstliche Menschen, die meinen, daß alle Hunde „beißen”, eine Beruhigung ist. Er soll aus Lederriemen hergestellt und so lang sein, daß er vorn Nase und Schnauze nicht scheuert; gegen das Kahlreiben auf Nasenrücken schützt Umwicklung des aufliegenden Lederteils mit Tuchstreifen. Drahtkörbe sind wohl haltbarer, für kurzhaarige Rassen eine Marter, sollten höchstens für Zughunde benützt werden. Man nehme ihn lieber etwas größer als nötig und schütze ihn gegen Abstreifen durch eine Lederschleife hinten, die durch das Halsband gezogen wird. Es ist vorteilhaft, den Maulkorb aus schwarzem, weichem Leder Herstellen zu lassen; hellgelb irritiert das Hundeauge, wie ja auch die schwarze Hornbrille weniger stört als die mit glänzendem Goldrand. Das Angewöhnen erfolgt nicht in Haus oder Garten, sondern nach flottem Spaziergang, der die Aufmerksamkeit ablenkt und zwar in früher Jugend. Haben wir nur noch gut erzogne und wohlbehütete Hunde, keine beständig sich auf Straßen herumtreibenden Köter mehr, so wird der Maulkorbzwang von selbst wegfallen. Die Hundepeitsche braucht nur der Dresseur für den Berufshund (Jäger, Polizeihundführer), _nicht der Erzieher;_ ihm genügt die Gerte oder ein leichtes spanisches Rohr.

25. Kapitel. =Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin.=

Wie das Auge der Spiegel der Seele, so ist die Haut der der Gesundheit. Ein glattes glänzendes, gut anliegendes Haar verbürgt in Verbindung mit klarem Auge und kaltfeuchter Nase das Wohlbefinden. Munteres, lebhaftes Verhalten und guter Appetit sind die Folge. Die Exkremente, konsistent, wenn zu hart und steinig, so gebe man weniger Knochen und mehr Getränk. Zu viel Kot in breiiger Form verrät gehaltloses Beifutter, man füttere daher besser (mehr Eiweißgehalt). Die einfachste Kontrolle für richtige Ernährung und Verdauung ist also tägliche Beobachtung des Kots. Ist alles in Ordnung, so genügt ein Blick darauf. Jede Abweichung von dem eingangs beschriebenen Aussehen erfordert Beachtung. Krankheit kündet sich durch Mattigkeit, Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit an, wird bei täglicher Haarpflege sofort festgestellt. Bei katarrhalischem Aussehen von Nase und Auge wird sofort beim Junghund die Körpertemperatur (im After, Spitze des Fiebertermometers behufs leichten Einführens mit Vaseline oder Öl eingefettet) gemessen, beträgt sie über 39 ° C., etwa 39,5 und dünstet die Haut übel aus, so liegt Staupeverdacht (Sucht) vor, gibt man sofort etwas Hefe, hält den Hund warm im Zimmer und ruft einen Tierarzt, der selbst Züchter oder Spezialist von Hunden ist. Das übliche Futter bleibt sogleich weg, etwas geschabtes rohes Fleisch, falls roh nicht genommen, leicht angebraten und ganz klein geschnitten. Man versäume keine Zeit mit „unfehlbaren Staupemitteln”, die je nur _eine_ bestimmte der zahlreichen Formen treffen, überlasse etwaige Injektion dem Tierarzt. Es ist weder nötig, daß alle Hunde die Staupe bekommen, noch schützt ein Anfall unbedingt gegen weitere; es ist nur wahrscheinlich, daß ein kräftiger Hund, der die Staupe überstanden, gegen nächste Infektion geschützt ist oder sie leicht überwindet. Bleibt nach schwerer Sucht ein Nervenleiden (Zucken, Schwäche in Hinterhand), so soll das unheilbare Tier lieber erlöst werden, es ist zeitlebens ein Schwächling ohne Zuchtwert. Abgang von dünnflüssigem Kot ohne Fieber und Mattigkeit wird sofort mit Diät bekämpft. Tagelang kein kaltes Wasser, gegen Durst höchstens Reiswasser, als Nahrung Schleimsuppe durch ganz geringen Fettzusatz schmackhaft gemacht. Dazu Ruhe, Wärme, keine Medikamente, noch Heilmittel nach Laienvorschlägen. Unschädlich, doch wirksam sind kleine Gaben von Bismut. salicyl. Einmaliges Erbrechen, namentlich von Gras oder ähnlichen Fremdkörpern gibt zur Beunruhigung noch nicht Anlaß, zumal junge Hunde leicht erbrechen. Liegt bei solchem Verdacht vor, daß der Hund auf Spaziergang Aas (Fleischgift) oder Giftbrocken aufgenommen hat, so ist innerlich mit Kalomel (Dosierung je nach Größe durch Apotheker) zu reinigen und gegen Herzschwäche etwas Kognak einzuflößen. Wird ein Hund richtig ernährt, erhält er in der Jugend genügend Knochen, Nährsalze, Lebertran gegen Rachitis, hat er reichlich Bewegung, so ist er widerstandsfähig und wird höchst selten erkranken, namentlich wenn ihn Reinlichkeit gegen Infektion und Hautkrankheiten schützt. Zeigt die Haut kleine, rundliche, kahle Stellen ohne Juckreiz, so liegt Flechte vor; die befallenen Stellen werden mit Jodtinktur, die immer in kleinen Fläschchen vorrätig sein sollte, bepinselt. Haarausfall, heftiger Juckreiz, häßliche Hautstellen verraten Räude. Selbst die früher für unheilbar gehaltene Acarusräude ist durch energische Einreibung mit Schwefeloxydul (Chem. Fabrik Marienfelde-Berlin) heilbar, die gegebnen Vorschriften sind genau zu befolgen, da sonst wirkungslos. Fast alle Mittel helfen, nur muß die Kur bei den meisten sehr gewissenhaft befolgt werden. Es kommt weniger auf das Mittel selbst als auf die Anwendung an. Bei obigem Mittel genügt einmalige Einreibung. Hervorragend gegen Sarkoptesräude, Ekzem, Herpes hat sich Odhlen (Bayer) bewährt.