Ingeborg

Part 15

Chapter 153,051 wordsPublic domain

Schön ist die Welt! Schön ist das Leben!

Da liegt das Tal, schimmernd und grün. Aus dem Walde drüben winkt eine kleine Fahne.

Die Apfelbäume blühen an der Straße. Ein Wegmacher scharrt auf der Straße, das Messingband auf seinem Hute funkelt wie ein Kronenreif.

Friede und Schönheit sanken vom Himmel auf die Erde, denke ich. Die Sonne schüttet brennenden Wein aus Kannen über die Welt, wie ehedem.

Ich lächle.

Es klingt im Walde, im Tal.

Die Bergstraße herab kommt ein Mädchen, ein schlankes Bauernmädchen, ein weißes Tuch um den Kopf geschlungen, ein Bündel in der Hand. Golden funkelt es unter dem Kopftuche.

Es nickt herüber zu mir, seine Zähne blitzen und seine Augen.

Kind, Kind, was funkelst du mit den Augen und lächelst? Gehst in den Wald und suchst nach einem Geliebten? Es ist Frühling, nimm dich in acht, Kind!

»Guten Morgen!« ruft das Mädchen mit klingender Stimme und geht die Straße hinab.

Und ich stehe auf. Diese Stimme --

Habe ich plötzlich Feuer im Kopfe?

Und ich lächle und stoße einen Schrei aus, wie ein Falke, der sich im Äther wiegt.

Ich gehe ins Haus und reiße mir alle weißen Haare aus. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Die Dämmerung sinkt über das Tal, alles ist still, das Dorf schläft.

Ich sitze auf einem Brunnen, der vor der Hütte steht, weit draußen vor dem Dorfe.

Der Brunnen plaudert und mein Herz bebt.

Ein Mädchen tritt aus der Hütte, mit einem Kruge in der Hand.

Ich stehe auf.

»Guten Abend, Maria.«

Das Mädchen schrickt zusammen und lugt unter dem Kopftuche hervor. Auf dem Kopftuche sind graue blasse Sterne zu sehen.

Golden funkelt es unter dem Tuche.

»Guten Abend, Herr Schwager.«

»Ein schöner Abend, Maria?«

»Ja!«

»Wie schön, Maria! Es ist Frühling. Ich bin hierhergekommen, um mit dir zu sprechen. Ein Wegmacher hat mir gesagt, wo du jetzt wohnst.«

Ob ich ihr etwas von Ingeborg zu sagen habe? »Nein, nein! Sprechen wir nicht von Ingeborg. Wir wollen von uns beiden sprechen, haha! Aber da du von Ingeborg sprichst, so kann ich dir schon etwas sagen. Sei stolz auf Ingeborg, hörst du, sie ist ja deine Schwester. Sie feiern sie, sie beugen die Knie vor ihr. -- Aber sprechen wir nicht von ihr. Sprechen wir von uns!«

Marie läßt den Krug voll Wasser laufen und der Krug gluckst, lacht und singt, immer heller.

Was ich wolle?

Mit ihr sprechen!

Aus der Hütte ruft eine Stimme.

»Der Bauer ruft.«

Maria geht hinein.

* * * * *

Im Walde liegt eine kleine Wiese und Maria pflügt, eine Kuh zieht den Pflug.

Ich trete aus dem Walde, das Gewehr auf der Schulter.

»Da bin ich wieder,« sage ich fröhlich. Unbefangen und jung mache ich meine Stimme.

Maria schweigt.

»Neulich kam der Bauer dazu -- haha! Schön ist es heute, wie! Die ganze Welt brennt!«

Ich blicke unter das weiße Kopftuch Marias.

Ja, ich sei zu ihr gekommen, gerades Weges zu ihr, sage ich und lege sanft meine Hand auf ihre Schulter.

Maria sieht mich erschrocken an. Es glitzert in ihren Augen.

Ja ja, gerades Weges zu ihr!

»Ich liebe dich Maria, kannst es glauben!«

Maria senkt rasch den Kopf. Blaßblaue Sternchen sind auf dem weißen Kopftuche Marias zu sehen.

»Ich liebe dich, Maria -- was sagst du dazu? Nie -- nie habe ich ein Mädchen so sehr geliebt.«

Ich sage es ganz leise und lächle nicht mehr. Meine Augen sind feucht.

»Ich bitte Euch, Herr --«

»Haha, hörst du nicht, daß ich du zu dir sage? Du sollst in mein Haus kommen, die Herrin sollst du sein, Maria -- sprich doch --«

Maria blickt mich an und ihr Gesicht ist so weiß wie das Kopftuch.

Es ist stille. Ein Vogel singt. In der Ferne bläst ein Hirt die Flöte.

Dü -- düdüdü -- düdü -- hell klingt es, nach Liebe und Glück.

Maria weicht langsam zurück, als habe sie Furcht vor mir.

Ich lächle.

»Du bist ganz bleich, Maria. Ich habe dich erschreckt. Wie ungeschickt war ich doch.«

Sie solle mir doch die Hand geben.

»Nein, nein!«

Maria weicht zurück. Sie sinnt nach, sie sinnt so lange nach, daß mir bange wird. Dann sagt sie, und das Blut kehrt in ihre Wangen zurück:

»Ich bitte Euch, geht. Das kann ja nicht sein« sagt sie hastig. »Seht doch, Herr, überlegt es Euch, ich bin eine Bauernmagd, Ihr seid ein Fürst, ein Schloß habt Ihr, Felder und Wälder --«

Maria spricht es gütig und sanft.

»Haha.« Ich lache.

»Was den Fürsten anbelangt -- so ist das -- eine Form -- das ist -- und --«

Ich nicke und gehe. Ein Gedanke jagt durch meinen Kopf.

»Auf Wiedersehn, Maria!« Ich verschwinde im Walde. Man muß nicht blöde sein gegen junge Mädchen. Frisch angepackt, immer los aufs Ziel!

Ich gehe nach Hause und schreibe einen Brief und siegle ihn mit dem Wappen.

* * * * *

Ich trete in den Hof, den Brief mit dem großen Siegel in der Hand. Ich gehe ans Fenster der Gesindestube und poche.

Der Mönch kommt heraus und nimmt den Hut ab.

Ich sage zu ihm: »Siehst du diesen Brief hier? Den trage in die Stadt. Er gehört an den Notar. Verliere ihn nicht, denn es steht auch für dich etwas darin. Ich habe dich einmal unrecht behandelt vor all dem Gesinde, ich habe es nicht vergessen -- auch hast du Pazzo immer so freundlich gestreichelt. Ich habe es beobachtet. Auch die alte Maria habe ich nicht vergessen. Eile.«

Es ist Nacht. Dunkel liegt die Erde und hell ist der Himmel und er glitzert von Sternen.

Ich sitze auf der Bank unter der Birke und blicke auf das Schloß.

Ich lächle. Ein kleines Glück. Hörst du, was klopft in meinem Herzen?

Ich denke an eine kleine Hütte im Walde, an den Geruch des Düngers, an eine hübsche Kuh. An ein Gesicht beim Scheine der Kerze. Wie schön wird es sein, wenn ich dieses Gesicht ansehen darf!

Träume wiegen sich in meinem Kopfe. Wie lieblich sind die Frauen! Wenn sie nur guten Tag sagen! Wie das klingt! Wenn sie schlafen -- es atmet unter der Decke, es atmet so!

Ich blicke auf alle Fenster des Schlosses. Noch ist nichts zu sehen. Aber plötzlich ist ein Zimmer beleuchtet, noch eines, wieder eines. Eine Scheibe klirrt und Rauch fährt heraus.

Das Schloß steht in Flammen.

Hunderttausend rote Derwische heulen und tanzen in den Sälen und auf dem Giebel.

Da wird die Türe aufgerissen und lautschreiend rennt eine Gestalt im Hemd heraus. Es ist die alte Maria. Sie schreit und läuft über die Wiese, die Straße, in den Wald hinein. Ihr Hemd leuchtet rot und weht um die dünnen nackten Beine.

Ich hatte gar nicht an sie gedacht.

* * * * *

Ein herrlicher, frischer Morgen. Rauch zieht über den Wald.

Ich trete aus dem Walde auf die Wiese, Maria pflügt.

»Da bin ich, Maria.«

Maria nimmt die Schürze vors Gesicht und bricht in Schluchzen aus. »O, Herr, Herr, was habt Ihr getan?«

»Siehst du es nun, daß ich dich liebe?« frage ich leise. Ich bin das Gras zu ihren Füßen.

»O, Herr, Herr, was habt Ihr doch getan!«

Ratlos stehe ich da. Die Kuh dreht den Kopf und blickt mich an. Ein Vogel singt. Wie gestern bläst des Hirten Flöte in der Ferne.

»Höre, Maria,« sage ich, »weine nicht. Welch gutes Herz hast du doch, Maria. Ich liebe dich, -- nun --?«

Maria weint in die Schürze.

»O, Herr, Herr! Was habt Ihr doch nur getan!«

»So sei nur stille, Maria. Siehst du, eine Hütte werden wir haben, eine Kuh. Schön wird es sein. Wenn die Vögel singen, wenn der Regen rauscht --«

Maria schüttelt den Kopf.

Ich erblasse, ich fühle es. Wie? denke ich und erblasse.

Ich spreche.

»So sage, Maria, was ist dir? Kannst du mich nicht lieben? Ich sah es ja neulich deinen Augen an -- Ingeborg -- haha, wie sage ich, Maria --«

Maria schüttelt den Kopf.

»O, Herr, Herr.«

Ich stehe still. Meine Lippen zucken. Ich bin wie verzweifelt, einen Augenblick.

»Liebst du einen andern, Maria, sag es?« frage ich leise. »Sage es offen.«

Maria nickt.

»Ja,« sagt sie schluchzend, »was habt Ihr getan. Herr!«

»Nun, beruhige dich, Maria. Ja dann -- --. Leb wohl. Maria gib mir die Hand. Willst du nicht?«

Maria nimmt eine Hand von der Schürze und reicht sie mir.

»Leb wohl, Maria.«

Ich gehe. Einige Schritte, dann kehre ich zurück. Ich habe etwas in der Tasche für sie.

Immer noch steht Maria da, die Schürze vor dem Gesicht und weint.

»Maria«, sage ich, »ich möchte dir wenigstens etwas schenken. Vielleicht gefällt es dir?«

Ich ziehe ein kleines grünes Väschen aus der Tasche.

»Da nimm es. Du kannst Blumen hineintun, die dir dein Liebster schenkt. Willst du es nicht nehmen?«

Maria nimmt die Hand von der Schürze und ich lege ihr das Väschen in die braune schöne Hand.

»Leb wohl, Maria!«

Maria weint.

Ich sehe sie mir noch einmal an -- dann gehe ich in den Wald hinein.

Ich wende mich um, immer noch hat Maria die Schürze vor dem Gesichte.

Die Zweige verdecken sie.

Ich komme auf die Straße und wandere sie entlang, ins Tal hinunter. Die Sonne steigt über die Höhe.

Ich wandere und wandere. Viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Ich gehe immer weiter, immer weiter. Ich bin noch ein wenig traurig, aber es wird bald vorüber sein -- -- --

Ich schreite tüchtig aus -- --

* * * * *

Nun lebe ich in der Steppe, wo die Sonne blendet und jedes noch so kleine Gräschen einen geschliffenen türkisblauen Schatten wirft.

Es ist Nacht geworden. Ich liege im Grase, die Arme unter dem Kopfe verschränkt und sehe den Sternen zu, die über den Himmel wandeln. Auch den Sternen im Nordwesten sehe ich zu.

Es ist Nacht, kein Laut in der Steppe, am Himmel glänzen feierlich und schön die Sterne. Tau fällt auf jede Kreatur.

_Ende_

Druck von W. Drugulin in Leipzig.

Gustaf af Gejerstam

Frauenmacht. Roman. 6. Tausend. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk.

Das Buch vom Brüderchen. Roman. 10. Taus. Jeder Band geh. 3.50 Mk., geb. 4.50 Mk.

Die Komödie der Ehe. Roman. 6. Tausend.

Wald und See. Novellen. 4. Tausend.

Kampf der Seelen. Roman. 4. Tausend.

Alte Briefe. Novellen. 4. Tausend.

»_Frauenmacht_«: Es sind Stellen in dem Buch, die sind zum jubeln, und Stellen von einer Schönheit der Wehmut, wie sie wohl nur der Verfasser des »Buches vom Brüderchen« schreiben kann. Hier ist ein inniges Kunstwerk, durch das man nicht hindurchgeht, ohne bereichert und beglückt zu werden.

(Nationalzeitung, Berlin)

»_Das Buch vom Brüderchen_«: Wie ein großer Dichter seinen tiefsten Schmerz durch seine Kunst verklärt, sehen wir hier mit Bangen und Andacht. Sterbendes Glück zeigt das hinreißende Buch, zeigt es so innig, warm und mit einer hoheitsvollen Ruhe, daß wir wie im Schatten der Ewigkeit wandeln.

(Deutsche Literatur- und Kunst-Zeitung)

»_Die Komödie der Ehe_«: In engem Stimmungszusammenhang mit seinem entzückend feinen und wehmütigen »Buch vom Brüderchen« führt der Dichter uns in die enge, aber unvergleichlich innig bewegte Welt einer Ehe, die seltsam zusammenfällt. Jedes Wort, das hier geschrieben ist, war sicher ein Blutstropfen, von der Gewalt und Tiefe der Stimmung, dieses ganzen köstlichen Duftes, kann man nicht erzählen.

(Breslauer Zeitung)

»_Wald und See_«: Dieser schwedische Dichter hat die beneidenswerte Gabe, mit den schlichtesten und wahrsten und dabei ungemein poetisch wirkenden Worten den erhabenen Frieden des Waldes zu schildern und uns vollständig in den Bann seiner Geschichten zu ziehen: Wald und See und Menschen und der Himmel über ihnen: alles eine einzige wundersame Stimmung.

(Literarische Warte)

Otto Erich Hartleben

Die Serenyi. Novellen, 6. Auflage. Geh. 2 M., geb. 3 M.

Die Geschichte vom abgerissenen Knopfe. 16. Aufl. Geh. 2 M.

Vom gastfreien Pastor. Novellen. 20. Aufl. Geh. 2, geb. 3 M.

Der römische Maler. Novellen. 6. Aufl. Geh. 2, geb. 3 M.

»_Die Geschichte vom abgerissenen Knopfe_«: Hier offenbart sich ein humoristisches Genie ersten Ranges. Hartleben macht keine Witze; keine scharfen, ausgeklügelten Wortspiele, keine raffiniert berechneten Situationen sollen die Kosten der Wirkung bestreiten. Es ist einzig und allein sein goldner Humor, der alles durchtränkt; ihn schlürfen wir hinunter wie einen edlen, klaren, schimmernd hellen Rheinwein besten Jahrgangs, und wohlige Behaglichkeit umfängt uns beim Genuß.

(Reichsanzeiger, Berlin)

»_Vom gastfreien Pastor_«: In der fröhlichen Erzählung vom »Gastfreien Pastor« hat Hartleben ein deutsches Seitenstück geliefert zur lustigen Maison Tellier von Maupassant. Bewundernswert ist die schalkhafte Feinheit, mit der er den Hauptwitz der Handlung so verschleiert hat, daß z. B. ein wirklich unschuldiges, weltunerfahrenes Mädchen die ganze Geschichte lesen könnte und so wenig als der arglose Pastor von Stolberg merken würde, was eigentlich passiert sei. Wir wollen niemand das überraschende Vergnügen, das dieser köstliche Schwank jedem Leser bereiten muß, dadurch wegnehmen, daß wir den Gang der Handlung andeuten.

(Berner Bund)

»_Der römische Maler_«: Diese reizvollen, sprühenden Prosastücke, denen man es anmerkt, daß sie ihr Autor erst dann schrieb, als er das unabweisliche, drängende Verlangen darnach spürte, haben alle die seltene Eigenschaft, daß man sie ein halbdutzendmal lesen kann und jedesmal wieder sein Ergötzen daran findet. Hartleben ist einer der ungezwungensten und Humorvollsten unserer modernen Autoren.

(Ostdeutsche Rundschau)

Hermann Hesse

Peter Camenzind. Roman, 33. Aufl. Geh. 3 Mk., geb. 4 Mk.

Unterm Rad. Roman. 15. Aufl. Geh. 3.50 Mk., geb. 4.50 Mk.

»_Peter Camenzind_«: Es ist ein köstliches, lebensstarkes Buch, eines von den Büchern, die, nachdem wir sie gelesen, eine stille Gewalt über unsere Seelen üben. Diese Schöpfung von Hesse ist so reich und meist auch von so reifer Kunst, daß sie dem Besten, was seine Landsleute Keller und Meyer geschaffen haben, an die Seite gestellt werden darf.

(Der Tag, Berlin)

»_Unterm Rad_«: Es ist dieser Roman ein gutes, tiefes, starkes Buch, geläuterter noch als der »Camenzind«, von einer tüchtigen Männlichkeit durchweht, eine Wohltat für den, der ihn liest, treuherzig, überzeugend, von lebhaftem, heißem Natursinn kündend, frei von ästhetischer Kränkelei -- ein klares Schwabenbuch, ein durch und durch deutscher Roman.

(Münchener Neueste Nachrichten)

Friedrich Huch

Geschwister. Roman. 2. Aufl. Geh. 3.50 Mk., geb. 4.50 Mk.

Wandlungen. Roman. 2. Aufl. Geh. 2.50 Mk., geb. 3.50 Mk.

»_Geschwister_«: Ein voller, inniger Kultus der Schönheit geht durch das ganze Werk, aus jeder Zeile spricht die tiefe Empfindung des Dichters, dessen Wesen reine Harmonie offenbart. Es tut unendlich wohl, einem solchen Geiste zu begegnen und seinen wohlgegliederten Sätzen zu lauschen.

(Allgemeine Zeitung, München)

»_Geschwister_«: Es ist unmöglich, den Eindruck, den dieses seltsame Buch macht, in trockenen Worten wiederzugeben. Es ist zart, duftig und stimmungsvoll wie ein Gedicht.

(Neue Züricher Zeitung)

E. v. Keyserling

Beate und Mareile. Roman. Geh. 3 Mk., geb. 4 Mk.

Schwüle Tage. Novellen. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk.

»_Beate und Mareile_«: Diese elegante Schloßgeschichte, ein sparsam, aber virtuos getöntes distinguiertes Aquarell, ist berückend in ihrer anspruchslosen Selbstverständlichkeit. Könnte man diese kondensierte, weltmännisch überlegene und dichterisch beseelte Geschichte -- etwa in Pastillenform wie ein Medikament verabreichen, wäre die Anämie der deutschen Produktion behoben.

(Wiener Abendpost)

»Beate und Mareile« ist das Werk einer vornehmen, im Psychologischen wunderbar feinfühligen, mit scharfer Beobachtungsgabe und künstlerischer Konzentrationsfähigkeit ausgerüsteten Begabung.

(Das literarische Echo)

George Meredith

Richard Feverel. Roman. Geh. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Der Egoist. Roman. Geh. 6 Mk., geb. 7.50 Mk.

»_Richard Feverel_«: Der Roman ist reich an Begebenheiten und glänzend beobachteten und gezeichneten Charakterbildern, unter denen sich namentlich Frauengestalten von rührender Schönheit und warmblütiger Leibhaftigkeit befinden.

(Königsberger Allgemeine Zeitung)

»_Der Egoist_«: Ein künstlerischer Geist von unerschöpflicher Fülle greift hier in das Leben und zeigt es uns an dem kleinen Ausschnitte nur einer Familie, aber welch einen Strom von Bewegung weiß er auf diesem engen Hintergrunde zu entfesseln. Esprit, Satire, Humor, eine glänzende Fülle tiefer Lebensweisheit entstürzt seinem funkelnden Geiste und umhüllt und umspielt seine Gestalten, daß man zuletzt kaum mehr weiß, durch welche seiner künstlerischen Qualitäten dieser Philosoph und Dichter unsere Bewunderung am stärksten fesselt.

(Freistatt, München)

Thomas Mann

Buddenbrooks. Roman. 37. Aufl. Geh. 5 Mk., geb. 6 Mk.

Tristan. Novellen. 6. Aufl. Geh. 3.50 Mk., geb. 4.50 Mk.

Fiorenza. Drei Akte. 2. Aufl. Geh. 2.50 Mk., geb. 3.50 Mk.

»_Buddenbrooks_«: Dieser Roman bleibt ein unzerstörbares Buch. Er wird wachsen mit der Zeit und noch von vielen Generationen gelesen werden; eines jener Kunstwerke, die wirklich über Tag und Zeitalter erhaben sind, die nicht im Sturm mit sich fortreißen, aber mit sanfter Überredung allmählich und unwiderstehlich überwältigen.

(Berliner Tageblatt)

»_Tristan_«: Hält man den Tristan-Band mit den »Buddenbrooks« zusammen, so hat man eine Verheißung für die Zukunft, deren sich unser Volk wohl freuen kann.

(Hannoverscher Courier)

Jakob Wassermann

Die Geschichte der jungen Renate Fuchs. Roman. 9. Auflage. Geh. 6 Mk., geb. 7.50 Mk.

Alexander in Babylon. Roman. 3. Aufl. Geh. 3.50, geb. 4.50.

»_Alexander in Babylon_«: Wassermann hat mit dieser Krankheitsgeschichte eines Riesengeistes ein Kunstwerk geschaffen, das weit hinausragt über die meisten historischen Romane alten Stils.

(Kreuzzeitung, Berlin)

»_Die Geschichte der jungen Renate Fuchs_«: Jedes große, befreiende Buch muß ein Buch der Erlösung und der Wiedergeburt sein. Dies ist ein Buch von der Erlösung der Frauen, »die alten sinnlichen Vorurteilen zu mißtrauen beginnen, die ihr Schicksal, ihr Frauenschicksal erleben und nicht länger leibeigen sein wollen«. -- Seit dem »Grünen Heinrich« Kellers ist in deutscher Sprache kein so interessanter und tiefsinniger Roman erschienen.

(Die Zukunft)

Hermann Stehr

Leonore Griebel. Roman. Geh. 3 Mk., geb. 4 Mk.

Der begrabene Gott. Roman. 2. Aufl. Geh. 4 Mk., geb. 5 Mk.

»_Der begrabene Gott_«: wieder hat der einsame Lehrer im unbekannten schlesischen Dorfe ein Werk geschaffen, düster, tiefaufwühlend, von gewaltiger Tragik; wieder zeugt dieser neue Roman von dem Seherblick des Psychologen, der mit unheimlicher Notwendigkeit Charakter und Schicksale seiner Personen ineinander flicht, unerbittlich bis zur letzten erschütternden Katastrophe . . . . Die Sprache ist von einer seltsamen Glut; es klingt zwischen den Zeilen wie verhaltenes Schluchzen und man fühlt von Anfang bis Ende die starke und grenzenlose Liebe und Achtung, mit der der Dichter allem Hohen und Tiefen der Menschenseele nachspürt.

(Bremer Bürgerzeitung)

Emil Strauß

Der Engelwirt. Eine Schwabengeschichte. Geh. 3 Mk., geb. 4 Mk.

Freund Hein. Roman. 14. Auflage. Geh. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Kreuzungen. Roman. 6. Auflage. Geh. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Vielleicht war Straußens voriger Roman, der »_Freund Hein_«, packender, vielleicht griff dies wahrhaft bedeutende Buch uns stärker und unmittelbarer ans Herz, weil es unmittelbarer aus eines echten Dichters tiefem Herzen kam. Ein Kunstwerk, ein ganzes, rundes, sind darum die »_Kreuzungen_«, die Strauß nun folgen ließ, nicht minder; sie sind vielleicht in eigentlichstem Sinne mehr noch Kunstwerk, als »Freund Hein«, insofern gerade in ihnen eine völlig ausgeglichene, zielbewußt in sich ruhende objektive Gestaltungskraft bewunderungswürdig zutage tritt . . . Reifer noch geworden denn zuvor, steht Strauß jetzt beinahe goethisch über seinem Stoff; reifer nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch läßt er nun auch stärker jenen heimatlichen, souveränen Humor hervortreten, der in gelegentlichen Lichtern schon im »Freund Hein« aufblitzte.

(Hamburger Fremdenblatt)

Anmerkungen zur Transkription

Im Original folgt auf Kapitel 24 noch einmal Kapitel 24. Dies und alle nachfolgenden Kapitelnummern wurden stillschweigend korrigiert.

Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.