Part 24
Wazera war noch gar nicht lange getauft, als wir gezwungen wurden, während eines Aufstandes unter den Eingeborenen unsre Station zu verlassen. Wazera und einige andre unsrer treuen eingebornen Christen kehrten jedoch wieder um und gingen zur Station zurück, um das Missionseigentum zu bewachen, bis es uns gelingen würde, Erlaubnis zur Rückkehr zu erhalten. Während unsrer Abwesenheit kamen eingeborne Soldaten auch nach unsrer Station und begannen alles zu nehmen, was sie gerade gebrauchen konnten. Als unsre Christen dagegen Einspruch zu erheben wagten, wurden sie ärgerlich und peitschten einige von ihnen mit der schrecklichen Nilpferdpeitsche. Vor allem aber wurde Wazera, der Aufseher, geschlagen. Ich fragte Wazera, was er nach solcher Behandlung empfunden habe. Er sagte mir darauf, daß er zuerst sehr böse geworden sei. Dann aber sei ihm eingefallen, daß Christen auch ihre Feinde lieben und denen Gutes tun sollten, von denen sie gehaßt werden. Darauf sei er hingegangen und habe für die Soldaten eine vorzügliche Mahlzeit bereiten lassen. Auf seine Einladung, zum Essen zu kommen, hätten diese aber nicht gewagt sein Haus zu betreten, weil sie fürchteten, umgebracht zu werden. Er habe ihnen dann das Essen hinaus ins Freie bringen lassen. Aus Furcht, daß die Speisen Gift enthalten könnten, hätten sie auch dann noch nicht eher gegessen, als bis er ihrer Aufforderung nachgekommen sei, selber an der Mahlzeit teilzunehmen. Jene Soldaten seien, nachdem sie die Station wieder verlassen hatten, zum Häuptling gegangen und hätten sich danach erkundigt, was das für Leute gewesen sein könnten, die sie drunten auf der Missionsstation getroffen hätten. Ihnen sei erklärt worden, daß es ~abasomi~ wären, d. h. ‚Leser‘, mit welchem Namen die Eingebornen dort die Christen bezeichnen.
Das Evangelium erweckt in dem bekehrten Heiden neben so manchem Neuen auch ein Gefühl der Verantwortlichkeit andern gegenüber. Der Gedanke ist dem Neger an und für sich fremd. Er versucht im Gegenteil seine Krankheiten und Gebrechen durch allerlei Sympathiemittel und Zaubereien auf den ahnungslosen Nächsten zu übertragen. Er denkt meist nur an sich, was ja bei seiner egozentrischen Weltauffassung leicht erklärlich ist. Wenn schon den Juden die Erweiterung ihres Begriffes vom ‚Nächsten‘ dringend nottat, so ist das in soviel größerem Maßstabe bei unsern Negern der Fall.
Daß nun tatsächlich der bekehrte Heide zu solchem Gefühl der Verantwortung seinen Mitmenschen, z. B. den andern Heiden in aller Welt gegenüber erwacht, dafür liefern u. a. ihre Missionsgaben einen uns oft beschämenden Beweis. Mais, ganze Zuckerrohr- und Kartoffelfelder wurden als Opfer gegeben. Ein Häuptling brachte eine Kuh, das größte Opfer, das ein Mparemann geben kann. Nichts freut sie mehr, als von dem Fortschritt der Evangeliumsbotschaft in aller Welt zu hören. Oft kamen sie noch in später Nachtstunde zum Missionar, um ihre Missionsgaben abzuliefern. ‚Es ist weiß gewordenes (Pare-Ausdruck für heiliges) Geld, das ich nicht unnötig lange mit mir herumtragen möchte,‘ sagte Petero Sebuge. Die Bibel wird ihnen ein köstlicher Schatz, der sie in Zeiten der Anfechtung tröstet und stärkt. So schreibt unser Petero Risase Anfang 1921 in einem Briefe aus Afrika an den Verfasser: ‚Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi sei mit Dir alle Tage, dann möge Gott Dich trösten unsretwegen, denn ich weiß, Du hast diese Trauer bei Dir.‘
Viele Grüße von mir und eine Erinnerung, die sich nicht töten läßt. Deine Grüße habe ich sehr oft erhalten, und ich habe mich sehr gefreut. Ich kann Dir weder auseinandersetzen die Art meiner Freude, wenn ich Deine Grüße bekam, noch die Art meines Nichtseins mit Freude, wenn ich verfehlte sie zu erhalten.
Was ich Dir auseinandersetzen möchte, ist dieses: Ich danke Gott viele Male, weil er mich in den Nöten, die mich erreicht haben, nicht verlassen hat. Bedeutung: Im Jahre 1917 starb mein Vater, 1918 starb auch meine Frau Maria Risase und 1919 starb auch Debora Risase, mein einziges Kind. Als diese alle starben, wurde meine Trübsal sehr groß. Im Gebetshaus war kein Prediger, von dem ich die Dinge der Wahrheit hätte vernehmen können. Mama Kotz hat meine Not gesehen, als sie einmal (aus dem Internierungslager Tanga) herkommen durfte. Und sie tröstete mich in einem Briefe, der sagte: ‚Petero, laß den Teufel nicht dein Herz verderben, denn diese Tage sind die des Endes.‘ Da vernahm ich, wie mein Herz mir sagte: Suche dir selbst geistige Speise und iß! Früher bist du gewöhnt gewesen, daß man dir das brachte, was satt macht, heute grabe selbst und iß ...“ Dann erzählt er weiter, wie das Wort Gottes ihm in jenen schweren Jahren eine beständige Hilfe gewesen sei und welche guten Erfahrungen er mit Gott gemacht habe. In mancherlei Schwierigkeiten haben die meisten von ihnen treu zum Christentum gestanden, Schmach, Verfolgung, Gefängnis und körperliche Strafen um ihres Herrn willen erduldet und mit aller Tatkraft die verwaiste Missionsarbeit aufgenommen. So ist es in jeder Hinsicht wahr, was einer von ihnen einmal sagte: „Das Evangelium hat neue Menschen aus uns gemacht.“ Und das tut in Pare besonders not, wie in den vorhergehenden Kapiteln immer wieder zu zeigen versucht wurde.
Wenn sie uns auch die Wapare als Menschen erkennen ließen, die längst nicht auf so tiefer Kulturstufe stehen, wie gewöhnlich angenommen wird, so haben sie auch die Bande gezeigt, die sie im „Banne der Furcht“ gefangen halten. Sie zählen zu den Völkern, die wir als die primitiven zu bezeichnen pflegen, und die doch lieben und hassen, lachen und weinen und sich, wenn auch oft unbewußt, nach Erlösung sehnen, genau wie wir. Sie haben ein Sprichwort: „Auf meinen Hilferuf in der Wüste hin kam ein neuer Feind!“ Sie befinden sich noch in der Wüste des Götzendienstes, umgeben von den Gefahren des Aberglaubens, und stoßen bewußt und unbewußt den Ruf aus: Kommt herüber und helft uns! Kultur ohne Christentum ist aber nur ein neuer Feind und läßt die Heiden rettungslos dem Islam entgegentreiben, welcher sie weder von ihrem Heidentum noch von ihrem Aberglauben erlösen kann.
Oberstabsarzt ~Dr.~ Otto Dempfwolff schreibt in einem Artikel über die Notwendigkeit der christlichen Mission für die Kolonisation: „Es soll und wird das Christentum als einziger Retter auch die Naturvölker von ihrem Heidentum und Aberglauben erlösen, von den Banden befreien, die jetzt in Zaubervorstellungen und Dämonenfurcht sie hindern, ihren Geist für die Kulturgaben zu öffnen, die wir als Kolonisatoren bringen wollen.
Es kann zweifelhaft sein, ob die Fähigkeiten der Rasse und die Bedingungen des Klimas es je zulassen werden, daß die Farbigen an Leistungen den Weißen je ganz gleich kommen. Um sie aber zu dem zu entwickeln, was sie überhaupt leisten können, um sie soweit als möglich unsrer Kultur zugänglich zu machen, dazu gibt es keine bessere Methode, als ihnen das Christentum zu bringen.
Dieses allein kann dem Eingebornen neue Ideale an Stelle der von uns Weißen unbewußt zerstörten bringen und auch ihn den Sinn des Lebens lehren, so daß er begreift, was uns ‚Kultur‘ heißt: Herr über die Natur zu werden, weil man sich als Kind Gottes fühlen darf!“
Herr über die Natur und damit aus dem Banne der Furcht befreit zu werden, das wollen wir auch unsern Wapare wünschen. Dann wird Nkoma und Dämon aus ihrem Leben ausgeschaltet sein und Christus ihnen A und O werden, nämlich der Anfang zu einem neuen Leben, und aller animistischen Furcht
Ende.
Vom gleichen Verfasser empfehlen wir die Schrift
Von Schwarzen und Weißen.
Diese 64seitige Broschüre gibt in recht anregender und unterhaltender Form die Geschichte unsrer Mission im Südparegebiet (Ostafrika) wieder. Sie umfaßt einen Zeitraum von elf Jahren. Die Schilderung, wie sich die Hand Gottes in den Anfängen bekundete, unter welchen Schwierigkeiten die Arbeit aufgenommen und fortgeführt wurde, dient zur Stärkung des Glaubens. Mit regem Interesse wird der Leser die Negerküche kennenlernen, von der Schularbeit vernehmen und den Missionar in seiner recht vielseitigen Tätigkeit als Helfer der Schwarzen begleiten. Kleine Erlebnisse verschiedenster Art und zahlreiche Bilder beleben die Seiten. Das Evangelium hat Schwarze und Weiße eng verbunden, so daß weder Raum noch Zeit sie trennen können.
Man verlange Preisliste vom Verlag.
Der Advent-Verlag (E. V.), welcher durch Schwesterhäuser und Niederlagen in allen Teilen der Welt vertreten ist, verlegt christliche Bücher, Zeitschriften und kleinere Schriften, die inhaltlich rein biblische Grundsätze vertreten, in annähernd 100 verschiedenen Sprachen. Außer religiösen Themen werden auch Fragen der Gesundheit und Mäßigkeit in erschöpfender Weise behandelt; ebenso ist der Jugendliteratur ein breiter Raum angewiesen. Besonders reichhaltig ist die Auswahl in der englischen und deutschen Sprache, doch sind auch in anderen Sprachen, z. B. der dänischen, schwedischen, französischen, holländischen und spanischen eine gute Anzahl Bücher, Schriften und Zeitschriften erschienen. Die Auswahl wird ständig vermehrt. Preislisten werden auf Wunsch kostenlos zugesandt.
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Druck und Verlag: Advent-Verlag (E. V.), Hamburg.