Hin und Her: Ein Buch für die Kinder

Chapter 2

Chapter 23,869 wordsPublic domain

Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!" Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, groß und klein, haben für gar vieles dankbar zu sein. Die Kinder können sich freuen, wenn sie noch Eltern haben, die sie lieben und für sie sorgen. Erwachsene Leute sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken soll für allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch für die Armen und Unglücklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar sein möge für das Gute und Schöne, was das Jahr gebracht hat.

41. VOM PUTER.

Puter, Puter, Polterhahn, Hast 'ne rote Weste an, Hast 'ne rote Nasenspitze Und 'ne rote Zipfelmütze; Aber das gibst du wohl zu: Ich bin schöner doch als du!

42. DIE VIER BRÜDER.

Vier schöne Brüder kenn' ich wohl, Geschmückt so wunderbar; Sie kommen schon seit alter Zeit Zu uns in jedem Jahr. Der erste Bringt uns einen Strauß, Streut Blumen um sich her. Den zweiten schmückt ein goldner Kranz Von Ähren voll und schwer. Der dritte reicht uns Äpfel dar Und neuen goldnen Wein. Der vierte ist in Pelz gehüllt Wie Schnee so weiß und rein. Wer nennt die schönen Brüder mir, Geschmückt so wunderbar? Sie kommen schon seit alter Zeit Zu uns in jedem Jahr.

43. DIE ZWÖLF MONATE.

Gleich anfangs mit dem neuen Jahr Erscheint der kalte Januar, Dann kommt alsbald der zweite Mann, Der Februar, in Eile an. Der März ist nun auch nicht mehr weit, Und der April ist bald bereit. Ihm folgt der wunderschöne Mai, Der Juni kommt drauf schnell herbei, Und ist der Juli nun erst da, So ist auch der August schon nah; Ihm schließt sich der September an, Und der Oktober folgt alsdann. November ziehet schleunig ein, Dezember wird her letzte sein.

44. DIE BLÄTTER TANZEN.

Die Bäume stehen ruhig da, Die Blätter flüstern leise. Hört ihr den Wind, hei, hussassa, Bald bläst er seine Weise.

Da braust der Wind gar wild einher Und rüttelt an den Bäumen, Er beugt sie hin, er beugt sie her, Läßt keine Zeit zum Träumen.

"Halt ein, du stürmischer Gesell', Wir stehen fest wie Lanzen!" Die Blätter aber lachen hell: "Herr Wind, wir möchten tanzen!"

"Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort, Da kann ich stark mich zeigen!" Er Bläst die bunten Blätter fort; Die tanzen froh den Reigen.

Der Wind ist fort, der Tanz ist aus, Die Blätter sinken nieder; Der Schnee streckt sein Decke aus, Der Frühling hebt sie wieder.

45. DIE VIER JAHRESZEITEN.

Es gibt vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Flüsse werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gärten keimen Gräser und Kräuter, auf den Feldern grünt die Saat, und die Bäume bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blüten. Die Vögel, welche im Herbste in wärmere Länder gezogen waren, kehren zurück. Andere Tiere, die den Winter in ihren Höhlen verschlafen hatten, wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage länger, und die Wärme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst, Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat für das nächste Jahr bestellt. Das Laub der Bäume vertrocknet und fällt zur Erde nieder. Die Tage werden immer kürzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird es recht kalt; die Flüsse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Vögel können draußen kein Futter finden. Sie kommen in die Straßen und vor die Türen, um einige Körner und Bröckchen zu suchen. Zu Hause wird eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann machen zu können. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.

46. WINTERS ANKUNFT.

Im weißen Pelz der Winter Steht lang' schon hinter der Tür, Ei, guten Tag, Herr Winter, Das ist nicht hübsch von dir!

Wir meinten, du wärest, wer weiß wie weit, Da kommst du mit einmal hereingeschneit. Nun, da du hier bist, so mag's schon sein; Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?

Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen: Fröhliche Weihnacht mit Äpfeln und Nüssen Und Schneeballen, Wie sie fallen, Und im Jänner Auch Schneemänner!

47. DER TANNENBAUM.

So manches Bäumchen in dem Wald Verliert im Herbst die Blätter, Jedoch der liebe Tannenbaum Der trotzet Wind und Wetter.

Ist alles draußen öd' und leer, Steht er im grünen Kleide Und setzt sich stolz ein Käpplein auf, Ein Käpplein weiß wie Kreide.

Das nimmt er aber artig ab Am frohen Weihnachtsfeste, Und grüßet liebevoll und gut Die Kinder all' aufs Beste.

O Tannenbaum, o Tannenbaum, Du kannst mir sehr gefallen, Du bist der allerliebste mir Doch von den Bäumen allen.

48. VOGEL AM FENSTER.

An das Fenster klopft es: pick, pick! "Macht mir doch auf einen Augenblick! Dicht fällt der Schnee, der Wind weht kalt, Habe kein Futter, erfriere bald. Liebe Leute, o laßt mich ein, Will auch immer recht artig sein!"

Sie ließen ihn ein in seiner Not; Er suchte sich manches Krümchen Brot; Blieb fröhlich manche Woche da. Doch als die Sonne durchs Fenster sah, Da saß er immer so traurig dort: Sie machten ihm auf, husch, war er fort.

49. DAS BÜBLEIN AUF DEM EISE

Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war zugefroren. Der Knabe hatte große Lust, auf das Eis zu gehen. Der Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug. Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnäßt mußte der Knabe nach Hause laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch von seinem Vater bestraft.

50. RÄTSEL.

Weiß wie Kreide, Leicht wie Flaum, Weich wie Seide, Feucht wie Schaum.

Wer baut wohl die billigste Brücke? Wer reißt sie nieder und schlägt sie in Stücke?

Was mögen das für Blumen sein, Die unsre Fenster zieren, Wenn drauß' vor Kälte Stein und Bein Im rauhen Winter frieren? Sie sind nicht rot und blau gemalt, Wie Blumen auf den Wiesen, Und wenn die liebe Sonne scheint, In Wasser sie zerfließen.

51. WEIHNACHTSFREUDE.

Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief: "Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie hätten seit gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein kleines Kind, und die Großmutter ist krank. Darf ich der Anna heute Abend mein Brot geben?"

"O, gewiß," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, daß sie den armen Leuten helfen durften.

Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz kleines Tannenbäumchen. Das schmückte er mit farbigen Sternen und Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe für Maurers Karl und nahm ein Säcklein voll Nüsse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das packten sie in einen Korb.

Als es dunkel war, nahm Robert das Bäumchen und Else den Korb. Sie gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tür. Dann klopften sie und eilten davon.

Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else meinten, noch nie so schöne Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.

52. SCHNEESTERNE.

_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas mitgebracht. Rate, was es ist!

_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar Kuchen?

_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schöne, weiße Sterne sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schürze!

_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.

_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf meiner Schürze. Ich möchte weinen!

_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne können nicht bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kälte machte sie zu Schnee. Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den Wolken. Ohne Wasser könnten wir gar nicht leben.

53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.

Daheim, am 1. Januar 1913.

Liebe Kinder!

Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Grüße und Wünsche. Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfüllt. Erfreuet Euch nur recht an den Geschenken.

Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr könnt Euren Eltern und mir keine größere Freude machen. Schreibt mir zur rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch das nächste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.

Euer Freund

Der Weihnachtsmann.

54. ZU NEUJAHR.

Noch nicht erwachsen bin ich, Drum wünsch' ich kurz, doch innig: Ein glückliches Neujahr!

Und was euch freut, das weiß ich: Wenn brav ich bin und fleißig, Mehr als ich sonst es war.

Gesundheit, Freude, Frieden Sei allen euch beschieden, Wie heut, so immerdar.

55. VERSTEHST DU DAS?

Er ritt auf einem Rappen aus, Da kam etwas vom Himmel, Und als er wieder kam nach Haus, Da war der Rapp' ein Schimmel. Verstehst du das?

56. DER SCHNEEMANN.

Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Straßen und Plätzen. Die Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, daß der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen großen Schneeball und wälzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde der Ball so groß, daß ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten. Nun wälzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknöpfe des Mannes wurden aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den einen Arm legten ihm die Knaben einen großen Stock.

Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen. Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebällen warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die liebe Sonne über das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen. Tränen liefen ihm über das Gesicht und den weißen Pelzrock. Es war gut, daß die Sonne heute nicht noch länger schien, sonst wäre er ganz zu Wasser geworden. Morgen aber oder übermorgen wird's wohl so kommen.

57. MÄRZ.

Nach vielen trüben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muß der Winter weichen. Der Schnee fängt an, zu schmelzen, und nur noch des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schönen Tagen läßt sich vielleicht ein Vogel hören, und ein fleißiges Bienchen fliegt umher. Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht öde aus. Nur die Weiden und Birken haben graue Kätzchen, und an den Zweigen der Ulme sind kleine Blüten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder lassen den Drachen steigen.

58. OSTERGRUSS.

Das Häschen im Walde eilt hin und her, Nach Eiern ist heute ein großes Begehr. Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz Und sucht für die Nester den passenden Platz. Ein artiges Kindlein erhält heut' sein Ei. Es schleppen die Häschen die Eier herbei; Und bist du am Ostermorgen erwacht, Hat Häschen die Nester gefüllt über Nacht.

59. DER OSTERHASE.

Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der Osterhase! Der bringt schöne, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann müssen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Hüte, Schuhe oder Körbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden! Erst zählen wir sie und spielen damit. Später essen wir sie; sie schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum Präsidenten eingeladen. Sie können lange auf dem Rasen bei dem großen Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schöne Ostereier. Die werden hin und her gerollt und schließlich verzehrt. Ihr möchtet auch dabei sein, nicht wahr?

60. DER OBSTGARTEN.

Neben dem Gemüse und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras und Obstbäume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die Bäume im Frühlinge blühen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen weißen Blüten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr weißes Kleid an. Am schönsten aber Blühen der Apfelbaum und der Pfirsichbaum, die blühen schön rot. Das Obst ist zuerst grün; dann, wenn die Sonne recht heiß scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah, Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif wären!

61. SPRÜCHE.

Was Hänschen nicht lernt, Lernt Hans nimmermehr.

Gute Sprüche, weise Lehren Muß man üben, nicht bloß hören.

Frage nicht, was and're machen, Sieh auf deine eig'nen Sachen.

62. DIE VÖGEL IM FRÜHLINGE.

Im Winter sind nur wenige Vögel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind fortgezogen nach wärmeren Ländern. Jetzt wird es aber auch hier bei uns warm, und die Vögel kehren zurück. Bald werdet ihr sie singen hören. Fleißig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei; damit bauen sie ihre Nester.

63. DAS ROTE HÜHNCHEN.

_Hühnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.

_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.

_Hühnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.

_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit meinen Kindern zu tun.

_Hühnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.

_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muß meine Kätzchen waschen.

_Hühnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?

_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu müde. Pflanz du ihn selber.

_Hühnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde, Körnchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen lassen.

* * * * *

_Hühnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der Mühle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?

_Gans_: Es tut mir recht leid, Hühnchen, aber heute kann ich nicht nach der Mühle fahren. Ich habe Rückenschmerzen.

_Hühnchen_: Willst du es tun, Frau Ente?

_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muß jetzt schwimmen.

_Hühnchen_: So tu du es, alte Katze!

_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann diesmal nicht gehen.

_Hühnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.

_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit für mein Mittagsschläfchen. Du kannst den Weizen selber zur Mühle fahren.

_Hühnchen_: Das werde ich auch tun.

* * * * *

_Hühnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst du das Brot backen, Frau Gans?

_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot gebacken.

_Hühnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente?

_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.

_Hühnchen_: Backe du das Brot, alte Katze!

_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.

_Hühnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.

_Schwein_: Ach! laß mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen helfen, wenn es gebacken ist.

_Hühnchen_: Gut; da backe ich es selbst.

* * * * *

_Hühnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schöne, braune Laibe. Wer will helfen essen?

_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen!

_Hühnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde es essen, und meine Küchlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!

64. RÄTSEL.

Rate flink: Ein kleines Ding, Dünn und spitz; Sticht wie der Blitz.

Zwei sind's, die nebeneinander steh'n Und alles ganz gut und deutlich seh'n, Nur immer eines das andre nicht, Und wär' es beim hellsten Tageslicht.

65. DER NASEWEISE BELLO.

In einem Stalle wohnten fünf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle waren schön weiß mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und lernten auch von der Mutter Ratten und Mäuse fangen.

Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draußen herum. Einmal war Bello--so hieß der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei der Türe stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne wissen, was darin wäre, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt war er über und über mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er zurück und blieb mit hängendem Kopf auf der Türschwelle sitzen. Seine Mutter und seine Geschwister schämten sich des schmutzigen, naseweisen Bello.

66. HEIL, AMERIKA!

Hoch die Fahnen, Sie gemahnen An das teure Vaterland. Rot und weiß die Streifen winken, Licht im Blau die Sterne blinken, Sind der Freiheit Unterpfand.

Freudig singen Wir und bringen Grüße viel von fern und nah. Wo die Flaggen munter wehen, Stolz wir, sie beschützend, stehen, Deiner wert, Amerika!

67. PETERSILIE.

Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. Das Mädchen hieß Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das ärgerte den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden: "Höre ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe zusammenwachsen."

Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft gefahren und rührte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf ihm Silie als grünes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen: Petersilie.

68. DAS KIND UND SEIN BLÜMCHEN.

Ward ein Blümchen mir geschenket, Hab's gepflanzt und hab's getränket. Vögel, kommt und gebet acht! Gelt, ich hab' es recht gemacht?

Sonne, laß mein Blümchen sprießen! Wolke, komm es zu begießen! Richt' empor dein Angesicht, Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht!

Und ich kann es kaum erwarten, Täglich geh' ich in den Garten, Täglich frag' ich: Blümchen, sprich, Blümchen, bist du bös auf mich?

Sonne ließ mein Blümchen sprießen, Wolke kam, es zu begießen; Jedes hat sich brav bemüht, Und mein liebes Blümchen blüht.

Wie's vor lauter Freuden weinet, Freut sich, daß die Sonne scheinet; Schmetterlinge, fliegt herbei, Sagt ihm doch, wie schön es sei!

69. NACHLÄSSIGKEIT.

Eine fleißige Mutter baute in ihrem Garten Gemüse aller Art. Eines Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tüpfelchen! Das sind die Eier, aus denen die schönfarbigen, aber verderblichen Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blätter ab und zerdrücke die Eier, so wird unser Kohl grün und unversehrt bleiben."

Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das saumselige Mädchen bei der Hand und führte es zu den Kohlbeeten, und siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr als die Stengel und Gerippe der Blätter. Das erschrockene und beschämte Mädchen weinte über seine Nachlässigkeit. Die Mutter aber sprach: "Tu' künftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute und verschiebe es niemals auf morgen!"

70. EIN RÄTSEL.

Ratet, ratet, was ist das: Es ist kein Fuchs und ist kein Has'. Es hat zwei Augen und kann nicht sehen. Es hat zwei Füße und kann nicht gehen. Es hat zwei Ohren und kann nicht hören. Es hat zwei Hände und kann sich nicht wehren.

Es ist ein Mädchen hübsch und fein, Tut niemals zanken und niemals schrei'n.

Was für ein Mädchen mag das sein?

71. WAS WÜRDEST DU TUN?

"Wenn ich ein König wäre," sagte ein Kind, "ließe ich mir ein Schloß bauen bis an die Wolken!"

"Und ich," sagte ein anderes, "trüge nur Kleider von Silber und Gold!"

"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich äße nur Kuchen und Wurst!"

"Ich," sagte ein kleines Mädchen und wurde ein wenig rot, "ich gäbe allen armen Kindern Geld, daß sie sich Brot und Kleider kaufen könnten!"

72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?

_Ella_: In fünf Minuten ist Essenszeit, Noch schnell was zu spielen, das wäre gescheit!

_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus, Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.

_Ella_: Das Puppenholen hält aber doch auf! Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!

_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'. Ach! spielen wir lieber Blindekuh!

_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall. Topp! Weißt du was, spielen wir Fangeball!

_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spaß; Reifentreiben, das wäre noch was!

_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus. Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauß!

_Toni_: Wir dürfen ja nicht auf dem Rasen springen. So laß uns lieber ein Liedchen singen!

_Ella_: Ich habe den Husten, fällt eben mir ein!

_Toni_: Na, gut! So spiele ich für mich allein!

_Ella_: Ganz alleine? O, das wäre nicht schlecht: Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!

_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei-- Zum Wettelaufen gehören doch zwei!

_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut-- Alleine tanzen geht auch nicht gut!

_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir müssen ins Haus! Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!

_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen! Wir haben ja nicht einmal angefangen!

_Toni_: Ja! weißt du, das Überlegen und Streiten! Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!

_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt!

_Toni_: Nach Tische spielen wir--

_Ella_: Was dir gefällt!

73. DIE SCHLAUE KATZE.

Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Käfig ließ. Dann hüpfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Vögelchen. Vor einigen Tagen aber erfaßte sie plötzlich den Zeisig, nahm ihn ins Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.

Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes Vögelein auffressen. Da sah sie jedoch, daß die Stubentüre offen war und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich vom Tische herab und ließ den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug gehandelt?

74. KANNST DU ES SAGEN?

Es saßen zehn Sperlinge auf dem Dach; Da kam der Jäger und schoß danach; Er traf davon nur vier. Wie viel bleiben sitzen? Das sage mir.

75. DER SPERLING