Herzl-Worte

Part 5

Chapter 5769 wordsPublic domain

Der Dichterruhm kann von einigen entschlossenen Leuten angefertigt werden. Oft nehmen sie sich dazu ein unterwuerfig und talentlos aussehendes Individuum und machen es gewaltsam gross in den Augen der Menge. Diese glaubt darauf, sie wird betaeubt, sie muss. Dann kommen wieder andere und reissen den Hinaufgerissenen herunter. Darueber freut sich die Menge erst recht.

(_Feuill._)

Es gibt nur eine Art, vornehm zu sein: die besteht darin, dass man viel von sich selbst verlangt und nicht das mindeste Gewicht darauf legt, ob die andern das anerkennen oder auch nur sehen.

(_Feuill._)

Die Unsterblichkeit muss wahrhaftig ein hoechst angenehmes Gefuehl sein; besonders solange man noch lebt.

(_P. B._)

Grosse Troester wird die Menschheit immer brauchen! Solange sie leben, nennt man sie Narren, Tagediebe, und wenn sie aufgehoert haben, in beleidigender Groesse unter uns _herumzuwandeln_, nennt man sie _Genies_.

(_Buch d. N._)

_VOM ALLTAG_

Jedes _Werk_ hat Fehler, die nur sein Erzeuger kennt; jeder Reichtum hat Luecken, die nur sein Besitzer sieht.

(_Buch d. N._)

Man gratuliert zu einem Erfolg! Wie ueberfluessig. Der Erfolg ist ja schon die Freude, die nicht mehr uebertroffen werden kann.

(_Buch d. N._)

Die wartenden Besucher sind in der nuetzlichsten Weise gedemuetigt, es macht sie muerbe und klein.

(_P. B._)

Das Harren demoralisiert.

(_P. B._)

Furcht macht Spalier.

(_Buch d. N._)

Kleider sagen immer etwas.

(_P. B._)

Der Haendedruck nach der Mensur ist vielleicht das Maennlichste an der ganzen Fechterei.

(_Die Millionen der Ica._)

Es gibt mehr Appetit als Huehner auf der Erde.

(_P. B._)

In dieser von Vernunft verpesteten Welt kommt auf hundert Konvenienz _heiraten_ bloss _ein_ Selbstmord.

(_Buch d. N._)

Der Bach sieht weniger grossartig aus, wenn keine Steine da sind, ueber die er hinweg muss.

(_P. B._)

Wer blossfuessig geht, hat auf den Sohlen eine dicke Haut.

(_Das neue Ghetto._)

_GOTT UND VERGAeNGLICHES_

Die Bibel hat an Moses nichts verschoent.

(_Herzl 1897 bei_ _Kellner_.)

An einem frischen Grabe sollte man nur weinen und schweigen. Die Schwachen moegen sich in Traenen Luft machen, die Starken werden durch ihr Schweigen das Erhabene gruessen.

(_Feuill._)

Unsere verschiedenen Vorstellungen von _Gott_, ob sie die Weite Spinozas haben oder als suesse kleine Abbreviatur im Abendgebet eines kleinen Kindes gelallt werden, bedeuten ja im Grunde wahrscheinlich alle dasselbe.

(_P. B._)

Gott zerbricht die Werkzeuge, deren er sich bedient hat.

(_n._ _A. Friedemann._)

Die Sehnsucht macht den Messias.

(_Altneuland._)

Was ist die Erkenntnis wert, die mit mir endigt? Und ich will mich vermessen, mit dem Unendlichen zu verkehren? Ich muss die Erkenntnis ueber mich hinaus verlegen, in mein Geschlecht. In meinen Kindern rede ich heiter mit dem Ewigen.

(_P. B._)

_Der Verlag B. Harz, Berlin, hat fuer die in seinen Verlag uebergegangenen nichtzionistischen Schriften Herzls den Abdruck der Zitate freundlichst gestattet._

In dieser Sammlung sind Zitate aus folgenden Werken wiedergegeben:

Die Causa Hirschkorn, Lustspiel in einem Akt, als Manuskript gedruckt. Wien, im Selbstverlag, 1882.

Der Fluechtling, Lustspiel, Reclam-Univ.-Bibl. 1887.

Die Glosse, Lustspiel.

Buch der Narrheit, Leipzig 1888 [Buch d. N.].

Das Palais Bourbon, Bilder aus d. franz. Parlament, Leipzig 1895 [P. B.].

Das neue Ghetto, Schauspiel, 1896.

Der Judenstaat, Versuche moderner Loesung der Judenfrage, 1896.

Philosophische Erzaehlungen, Berlin 1900.

Altneuland, Roman, 1903.

Feuilletons, Berlin 1911.

Herzls Zionistische Schriften.

Das Leben Theodor Herzls von Adolf Friedemann.

Theodor Herzl von Dr. Osias Thon. Zionistisches Zentralbuero Berlin.

Die Welt.

Theodor Herzls Lehrjahre von Leon Kellner. Wien 1920.

INHALT

VON ZION__ ...................................................... 7 Das Volk ...................................................... 9 Die Nation .................................................... 11 Staatsbuergertum .............................................. 13 Judenpolitik .................................................. 14 Der Zionismus ................................................. 15 Von der Idee .................................................. 18 Mittel und Wege ............................................... 21 Der Auszug .................................................... 23 Die Wanderung ................................................. 25 Kolonisation .................................................. 27 Das gelobte Land .............................................. 29 Der Judenstaat ................................................ 31 Der Fuehrer ................................................... 34 Persoenliches ................................................. 35 VOM GOLUS__ ..................................................... 39 Die Assimilation .............................................. 41 Mauschel ...................................................... 43 Der Kampf gegen den Zionismus ................................. 45 Wohltaetigkeit ................................................ 47 Das Leben im Golus ............................................ 49 Judennot ...................................................... 52 Der Untergang der Westjuden ................................... 55 Judenfrage .................................................... 56 Der Judenhass ................................................. 57 VON MENSCHEN UND MENSCHLICHEM__ ................................. 61 Die Menschheit ................................................ 63 Die Menschen .................................................. 65 Allgemein Voelkerpsychologisches .............................. 67 Die Franzosen ................................................. 69 Die Englaender ................................................ 69 Politik und Regierungen ....................................... 71 Nationalsoziales .............................................. 72 Die soziale Frage ............................................. 75 Elend und soziale Teilnahme ................................... 76 Die Utopie .................................................... 78 Zukunft ....................................................... 80 Weisheit ...................................................... 81 Leben ......................................................... 83 Liebe und Hass ................................................ 84 Von unsern lieben Naechsten ................................... 85 Frauen und Kinder ............................................. 86 Poesie und Kunst .............................................. 87 Vom Theater ................................................... 89 Geld .......................................................... 90 Groesse ....................................................... 91 Vom Alltag .................................................... 92 Gott und Vergaengliches ....................................... 93

Anmerkungen zur Transkription

Die folgenden Druckfehler wurden korrigiert:

- *S. 6, Z. 4*: Dennnun brachen Sorge --> Denn nun brachen Sorge - *S. 17, Z. 6*: Fremdenkomission --> Fremdenkommission - *S. 36, Z. 4*: Tagebuch vom 16. 6. 1895. --> Tagebuch vom 16.6.1895. - *S. 34, Z. 3 v. u.*: das Werk zu foerden --> das Werk zu foerdern - *S. 72, Z. 6 v. u.*: im Zeichen dar Arbeit --> im Zeichen der Arbeit - *S. 79, Z. 11*: traegt staatliche eiserne Fahrzeuge --> traegt stattliche eiserne Fahrzeuge - *S. 89, Z. 9* ja eine eine machtvollste --> ja eine einzige machtvollste - *S. 95, Z. 10*: [Buch d. N.] --> [Buch d. N.].