Herzl-Worte

Part 2

Chapter 23,331 wordsPublic domain

Aber die ersten, die glaeubig, begeistert und tapfer hinuebergehen, werden die besten Plaetze haben.

(_Der Judenstaat._)

Diese, die zoegernden spaeten Nachzuegler werden hueben und drueben am schlechtesten daran sein.

(_Der Judenstaat._)

_KOLONISATION_

Um eine grosse Ansiedlung zu begruenden, muss man eine Flagge und eine Idee haben. Die waren nicht vorhanden, darum konnte kein Erfolg kommen.

(_Herzl vor der Londoner Fremdenkommission._)

Aber selbst die _Kolonisierungsversuche_ wirklich wohlmeinender Maenner haben sich bisher nicht bewaehrt, obwohl es interessante Versuche waren. Ich glaube nicht, dass es sich dem oder jenem nur um einen Sport gehandelt habe; dass der oder jener arme Juden wandern liess, wie man Pferde rennen laesst. Dazu ist die Sache denn doch zu ernst und traurig. Interessant waren diese Versuche insofern, als sie im kleinen die praktischen Vorlaeufer der Judenstaats-Idee vorstellten.

(_Der Judenstaat._)

Das heilige Land ist eine Wueste. Aber es gibt Oasen! Die Oasen sind unsere juedischen Kolonien.

(_Der Judenstaat._)

Um die Juden aufs _Land_ zu ziehen, mussten sie ihnen ein Maerchen der Goldgewinnung erzaehlen. Phantastisch konnte es so lauten: Wer ackert, saet und erntet, findet in der Garbe Gold. Ist ja auch beinahe wahr. Nur wissen die Juden, dass es ein kleines Kluempchen sein wird. So konnten sie ihnen vernunftmaessiger sagen: wer am besten wirtschaftet, bekommt eine Praemie, die sehr hoch sein kann.

Vielleicht denkt jemand, es werde eine Schwierigkeit sein, dass wir keine gemeinsame _Sprache_ mehr haben. Wir koennen doch nicht Hebraeisch miteinander reden. Wer von uns weiss genug Hebraeisch, um in dieser Sprache ein Bahnbillet zu verlangen?

Die dem allgemeinen Verkehre am meisten nuetzende Sprache wird sich zwanglos als Hauptsprache einsetzen.

(_Der Judenstaat._)

Wie schnell oder wie langsam die von uns vorbereiteten Wirkungen eintreten werden, das koennen wir nicht bestimmen. Von uns hier haengt es nicht ab. Wir konnten nur die Anlage herstellen. Die Kraft koennen wir nicht liefern. Die Kraft muss vom juedischen Volk geliefert werden -- wenn es will.

(_V. Kongressrede._)

Wir sehen es folglich nicht als unsere Aufgabe an, die Leute hinueberzuschaffen. Unsere Aufgabe ist es: drueben fuer sie bessere Bedingungen herzustellen. Dann kommt, wer will. Dann kommt, wer Arbeit und Sicherheit fuer das Erworbene sucht, wer etwas mehr Freiheit, Recht und Ehre geniessen will, als er jetzt hat.

(_Die Millionen der Ica._)

Bei ihrer _Ankunft_ werden aber die Einwanderer von den Spitzen unserer Behoerden feierlich empfangen werden. Ohne toerichten Jubel, denn das Gelobte Land muss erst erobert werden. Aber schon sollen diese armen Menschen sehen, dass sie zu Hause sind.

(_Der Judenstaat._)

_DAS GELOBTE LAND_

Wir wollen aber den Juden eine _Heimat_ geben. Nicht indem wir sie gewaltsam aus ihrem Erdreich herausreissen. Nein, indem wir sie mit ihrem ganzen Wurzelwerk vorsichtig ausheben und in einen besseren Boden uebersetzen.

(_Der Judenstaat._)

Die freie _Heimat!_ Wenn die Bewegung entsteht, werden wir die Einen nachziehen, die Anderen uns nachfliessen lassen, die Dritten werden mitgerissen und die Vierten wird man uns nachdraengen.

(_Der Judenstaat._)

Das erste Ziel ist, wie schon gesagt, die voelkerrechtlich gesicherte Souveraenitaet auf einem fuer unsere gerechten Beduerfnisse ausreichenden Landstrich.

(_Der Judenstaat._)

Noch vor einigen Jahren wurde die Goldgraeberei auf eine wunderlich einfaeltige Weise betrieben. Wie abenteuerlich ist es in Kalifornien zugegangen? Da liefen auf ein Geruecht hin die Desperados aus aller Welt zusammen, stahlen die Erde, raubten einander das Gold ab -- und verspielten es dann ebenso raubmaessig. Heute! Man sehe sich heute die Goldgraeberei in Transvaal an. Keine romantischen Strolche mehr, sondern nuechterne Geologen und Ingenieure leiten die Goldindustrie. Sinnreiche Maschinen loesen das Gold aus dem erkannten Gestein. Dem Zufall ist wenig ueberlassen. So muss das neue Judenland mit allen modernen Hilfsmitteln _erforscht_ und in Besitz genommen werden.

(_Der Judenstaat._)

Wir sind bereit, die Bauzeit des Judentums herbeizufuehren -- alles haben wir dazu in Huelle und Fuelle; die Menschen, das Material, die Plaene. Wir brauchen nur noch -- den Bauplatz.

(_II. Kongressrede._)

Werden wir Haeuser, Palaeste, Arbeiterwohnungen, Schulen, Theater, Museen, Regierungsgebaeude, Gefaengnisse, Spitaeler, Irrenhaeuser -- kurz Staedte bauen und das neue Land so fruchtbar machen, dass es dadurch das Gelobte wird?

(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)

_In dem alten Lande wuenschen wir nur eine neue Bluete fuer den juedischen Geist_.

(_II. Kongressrede._)

Das _Land unserer Vaeter_ existiert also noch. Es ruht nicht auf dem Boden eines Meeres. Es gibt Leute, die dort leben und froehlich arbeiten. Die alte Erde verjuengt sich dort unter den regsamen Haenden. Sie traegt wieder Blumen, sie traegt wieder Fruechte, sie wird vielleicht auch eines Tages, das Glueck und die Ehre der Juden tragen.

(_Rede im Makkabaeerklub._)

Da ist es, Juden! Kein Maerchen, kein Betrug! Jeder kann sich davon ueberzeugen, denn jeder traegt ein Stueck vom Gelobten Land hinueber: der in seinem Kopf, und der in seinen Armen, und jener in seinem erworbenen Gut. Wir werden endlich als freie Maenner auf unserem eigenen Boden leben und friedlich in unserem eigenen Heim sterben.

(_A Solution of the Jewish Question._)

_DER JUDENSTAAT_

Der _Judenstaat!_ Welcher Wahnwitz! Oder soll man sagen: Dummheit? Oder ist es nicht noch eher der Spass eines Humoristen, der einmal die Welt recht herzlich lachen machen moechte -- auf Kosten seines eigenen ungluecklichen Volkes?

(_Rede im Makkabaeerklub._)

Der _Judenstaat_ ist ein Weltbeduerfnis, folglich wird er entstehen.

(_Der Judenstaat._)

Dieses Land, das elende, und das Volk, das elende, zusammengefuehrt, werden einen Zustand ergeben, dass beiden geholfen ist.

(_Rede in Wien._)

Es wird auch im _Judenstaat_ Unglueckliche, Kranke und Arme geben. Aber der Druck, der alle Leiden noch bitterer macht, wird aufhoeren, und kein Talent wird daran verderben, dass es juedischen Ursprungs ist.

(_Rede im Makkabaeerklub._)

_Palaestina_ ist unsere unvergessliche historische Heimat. Dieser Name allein waere ein gewaltig ergreifender Sammelruf fuer unser Volk. Wenn Seine Majestaet der Sultan uns Palaestina gaebe, koennten wir uns dafuer anheischig machen, die Finanzen der Tuerkei gaenzlich zu regeln. Fuer Europa wuerden wir dort ein Stueck des Walles gegen Asien bilden, wir wuerden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen.

(_Der Judenstaat._)

Sie werden doch wissen, dass ich gegen die Infiltration in Palaestina bin -- wir wuerden dort nur neue massacrirbare Armenier ansiedeln.

(_An Samuel Pineles; bei_ _A. Friedemann._)

Begreifen denn die juedischen Gegner des Judenstaates nicht, dass wir schon durch das blosse Aussprechen dieser Forderung die Achtung der Welt erwerben? Wir haben mindestens so viel Recht, wie die anderen, ein Land als Koerper unserer normalen Existenz zu verlangen. Wir haben dieses Recht erworben durch Leiden, die in der Geschichte des menschlichen Geschlechts beispiellos sind. Ein Strom von Blut hat unseren Gang durch die Jahrhunderte begleitet. Es waren sinnlose Qualen, wenn wir sie nicht in der Hoffnung auf den _Judenstaat_ aushielten. Werfen wir unser Judentum weg, wie ein zerfetztes altes Kleid, wenn wir nicht an den Judenstaat denken!

(_Rede im Makkabaeerklub._)

Israel! Andere Voelker waren auch von Missgeschicken heimgesucht, aber es kommt ihnen immer wieder eine ungetruebte Zeit. Jedem Kriege folgt ein Frieden. Nur das verstreute Israel wird immer besiegt und kommt nach den Niederlagen nicht zur Ruhe. Die materielle Sicherheit ist aber die Grundlage der moralischen Gesundheit und darum wuenschen wir mit aller Inbrunst, erstreben wir mit all unserer Kraft fuer unser Volk die materielle Sicherheit, die es nur auf seinen Boden finden kann. Und die moralische Gesundheit eines tatsaechlich in der ganzen Welt verstreuten Volkselements ist von Wichtigkeit fuer die ganze Welt.

(_Tagebuch 1898._)

Da sieht sie ihr altes Land am Mittelmeer herrlich gelegen, mit kaltem, gemaessigtem und warmen Klima; ein Land, aller Kulturen faehig, mit langruhenden Bodenschaetzen und doch fuer andere nichts wert, weil andere nicht die befruchtenden Menschenstroeme hinzuleiten vermoegen, die dem Zionismus gehorchen. Und wenn wir nun nicht verzueckt oder verlogen in die Wolken starren, sondern ruhigen Blickes nach jenem Punkte hindeuten, der wirklich die Erloesung bedeutet, so bedarf das keiner geheimen Auslegungskuenste. Dort ist das _Zion_ der Armen, der Jungen und auch der Frommen.

(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)

_DER FUeHRER_

Wir haben einen Grundsatz bei unseren Weisen gefunden: Die Ehren gebe man dem, der sie nicht sucht!

(_Altneuland._)

Ruhm besteht nicht im Beifall der Menge, sondern im Urteil der Geschichte. Je groesser ein Mensch ist, desto laenger kann er darauf warten, dass man ihn versteht, sei es auch erst in fernen Tagen.

(_A. Friedemann_ _a. O. S. 83._)

Der _Einzelne_, der auch nur Miene machte, ein solches Riesenwerk zu _unternehmen_, koennte ein Betrueger oder ein Wahnsinniger sein.

(_Der Judenstaat._)

Ich meine nicht, dass es etwas Unrechtes sei, wenn man sich mit Geschaeften abgibt. Nur ein Schriftsteller soll kein Geschaeftsmann sein, und beim Diener einer Volksbewegung ist es etwas Unertraegliches.

(_Rede in London._)

Die ersten Maenner, welche diese _Bewegung_ beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein hoher Stolz und das Glueck der innerlichen Freiheit in ihr Dasein.

(_Der Judenstaat._)

In dem, was ich Ihnen (Baron Hirsch) sagen will, wird Ihnen manches einfach und manches phantastisch erscheinen. Mit Einfachem und Phantastischem fuehrt man die Menschen.

(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)

Ja, nur das Phantastische ergreift die Menschen. Und wer damit nichts anzufangen weiss, der mag ein vortrefflicher, braver und nuechterner Mann sein und selbst ein Wohltaeter im grossen Stil. Fuehren wird er die Menschen nicht, und es wird keine Spur von ihm bleiben.

(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)

_PERSOeNLICHES_

Zum Zionisten hat mich naemlich -- der Prozess Dreyfuss gemacht.

(_North American Review 1899 nach Thon._)

Wie Kant aufschrieb: An Johann darf nicht mehr gedacht werden. Mein Johann ist die Judenfrage. Ich muss sie rufen und wegschicken koennen.

_Tagebuch vom 16.6.1895._ (_bei_ _Kellner_.)

(_Von der Abfassung des Judenstaates._)

Ich hatte dann eine sehr ernste Krisis durchzumachen; ich kann sie nur damit vergleichen, wenn man einen rotgluehenden Koerper in kaltes Wasser wirft. Freilich, wenn dieser Koerper zufaellig Eisen ist, wird er Stahl.

(_Selbstbiographie._)

(_Von der Veroeffentlichung des Judenstaates._)

Da ich mich nicht umstimmen liess, rieten sie mir, die Idee wenigstens in der unverbindlichen und unterhaltenden Form eines Romanes vorzubringen mit Liebesgeschichten, menschlichen Einzelschicksalen und einer Malerei kuenftiger Zustaende im Judenlande. Das war ja auch mehr im Einklang mit meiner bisherigen Taetigkeit als Stueckeschreiber und Feuilletonist. Wohl sah ich ein, dass dies ein gutes Propagandamittel fuer die Idee waere und mir die Gefahr ersparte, mich bis auf die Knochen zu blamieren. Aber dann waere keine Tat daraus geworden. Man haette in den Salons und Eisenbahncoupes davon gesprochen, viele haetten ueber den launigen Einfall gelacht, und manche haetten vielleicht heimlich in das Buch hineingeweint. Was war damit erreicht? Noch ein Maerchen in tausend und einer Nacht des Leidens. Nein, es sollte Tag und Tat werden. Aufruetteln mussten wir das juedische Volk, statt es einzulullen. Und wirklich, es hat sich aufruetteln lassen.

(_Der Zionismus._)

Vor allem haben wir uns sozusagen Roecke ohne Taschen angezogen und haben es unmoeglich gemacht, irgend einen Vorteil fuer uns zu haben.

(_Rede in Wien._)

Ich habe nicht das Majoritaetsbeduerfnis, ich brauche keine Majoritaet. Was ich brauche, ist nur, dass ich mit meiner eigenen Ueberzeugung im Reinen bin. Dann bin ich zufrieden, selbst wenn kein Hund von mir ein Stueck Brot annimmt.

(_Stenogramm der Sitzung des grossen A. C. vom 11.IV.04. Rede Herzls gegen die Charkower._)

Ich bin staerker als Sie, (zu seinem Gegner) darum bin ich versoehnlich, weil ich weiss: wenn wir streiten werden, werde ich siegen.

(_Stenographisches Protokoll, S. 477._)

In einem solchen guten Moment, im Herbst 1898 war es, dass ich in London meinen Bruedern im Eastend sagte, dass ich die Verwirklichung unserer Hoffnungen fuer nahe bevorstehend halte. Das haette ich nicht sagen sollen. Man fiel ueber mich her wie ueber einen Charlatan. Das Urteil wird aber eine spaetere Zeit sprechen, der alle Beweismittel vorliegen werden.

(_Rede im Makkabaeerklub._)

Ich, der ich vielleicht ein Stueck Kuchen zu essen habe, habe nicht das Recht, das Stueck Brot, das Armen angeboten wird, abzuweisen, weil ich es nicht will, oder weil ich es nicht brauche.

(_A. C. Sitzung 11. 4. 1904. Stenographisches Protokoll._)

. . . Dass ich an der Guete unseres Menschenmaterials nicht mehr zweifelte, als ich die Kraft des nationalen Erwachens in mir selbst erlebte. Zur Zeit, als Ihr -- und mein -- Freund seine tief aus dem Herzen kommenden Worte niederschrieb, war ich noch ein spoettischer Jude, der wahrscheinlich gelacht haette, wenn ihm diese Aufzeichnung zu Gesicht gekommen waere. Aber es ist in mir eine Wandlung vorgegangen, die ich das Glueck und den Stolz meines Lebens empfinde.

(_Brief an Gustav G. Cohen._)

VOM GOLUS__

_DIE ASSIMILATION_

Unter Assimilation verstehe ich woertlich, was das Wort bedeutet: so aehnlich zu werden, dass man sich in nichts unterscheidet.

(_Herzl vor der Londoner Fremdenkommission._)

Die _Assimilierung_, worunter ich nicht etwa nur Aeusserlichkeiten der Kleidung, gewisser Lebensgewohnheiten, Gebraeuche und der Sprache, sondern ein Gleichwerden in Sinn und Art verstehe, die Assimilierung der Juden koennte ueberall nur durch die Mischehe erzielt werden.

(_Der Judenstaat._)

Nun wuerde allerdings die staatsbildende Bewegung, die ich vorschlage, den israelitischen Franzosen ebensowenig schaden, wie den "Assimilierten" anderer Laender. Nuetzen wuerde sie ihnen im Gegenteile, nuetzen! Denn sie waeren in ihrer "chromatischen Funktion", um Darwins Wort zu gebrauchen, nicht mehr gestoert. Sie koennten sich ruhig _assimilieren_, weil der jetzige Antisemitismus fuer immer zum Stillstand gebracht waere. Man wuerde es ihnen auch glauben, dass sie bis ins Innerste ihrer Seele assimiliert sind, wenn der neue Judenstaat mit seinen besseren Einrichtungen zur Wahrheit geworden ist, und sie dennoch bleiben, wo sie jetzt wohnen.

Sie glaubten vornehmer auszusehen, wenn sie sich nicht als Juden zu erkennen gaben. Aber gerade dadurch zeigten sie die Gesinnung von Bedienten und Freigelassenen. Und sie konnten sich noch ueber die Geringschaetzung wundern, die ihnen zu teil wurde, da sie doch wahrlich keine Selbstachtung an den Tag gelegt hatten. Nachgekrochen waren sie den anderen, und es ereilte sie dafuer die gerechte Strafe: sie wurden abgelehnt.

(_Altneuland._)

. . . Die Leere und Nutzlosigkeit der Bestrebungen "zur Abwehr des Antisemitismus". Mit Deklamationen auf dem Papier oder in geschlossenen Zirkeln ist da nicht das mindeste getan. Es wirkt sogar komisch. Immerhin moegen -- neben Strebern und Einfaeltigen -- auch sehr wackere Leute in solchen Hilfscomites sitzen. Sie gleichen den Hilfscomites nach und vor Ueberschwemmungen und richten auch ungefaehr so viel aus.

(_Nach_ _Kellner_, _S. 137._)

Solange sie scheu und unaufrichtig von Partei zu Partei, von Nation zu Nation taumeln werden, nur um fuer das ein wenig Schutz zu erlangen, was sie fuer uneingestehbar halten, naemlich fuer ihr Judentum -- so lange wird man sie nicht achten noch lieben, nicht einmal dulden. Wer sich fuer anderes ausgibt, als er offenbar ist, erregt Misstrauen, und dieses dumpfe Gefuehl setzt sich herabsteigend bei den Poebelmassen in Gewalttaten um.

(_Die entschwundenen Zeiten._)

An den Siegesfeiern duerfen sie nicht als Vollberechtigte teilnehmen, und die Niederlagen laesst man an ihnen aus, so hueben wie drueben. Sie sind, wie es auch ausgehe, die Geschlagenen.

(_Die entschwundenen Zeiten._)

_MAUSCHEL_

_Mauschel_ ist der Fluch des Juden.

(_Mauschel._)

Diese Leute, von denen man fortwaehrend hoert, bald durch den Skandal ihrer Maitressen, bald durch den Triumph ihrer Rennpferde, bald durch die Boersenmanoever, mit denen sie den Mittelstand der Boerse zu Proletariern machen, bald durch die Korruption, die sie um sich her wie einen Pesthauch verbreiten; diese Leute, die man ueberall sieht, nur nicht, wo die armen Juden in einem schweren Kampfe stehen, diese Leute moegen sich in acht nehmen, dass nicht in ihrem Ruecken eine zweite Volksbewegung gegen sie aufstehe, numerisch schwaecher, aber gerade darum verzweifelter als die erste. Ah ja, es gibt sogenannte "_Wohltaeter_" unter ihnen; das heisst, sie zuechten Schnorrer. Das heisst, sie schaden dem juedischen Volke auch noch durch milde Gaben aus denjenigen Vermoegen, die mitunter auf kompromittierende Art entstanden sind. Ah ja, die Herren sind auch geschickt genug, sich persoenlich vom Antisemitismus loszukaufen: durch Gefaelligkeiten, Geld und Opfer an Ueberzeugung -- die letzteren kosten sie am wenigsten.

(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)

Es sind die Leute, die im sicheren Boot sitzen und den Ertrinkenden, die sich an den Bootrand klammern moechten, mit dem Ruder auf die Koepfe schlagen.

(_Protestrabbiner._)

Es wird immer zu den grossen Merkwuerdigkeiten gehoeren, dass die Herren gleichzeitig um Zion beten und gegen Zion auftreten.

(_II. Kongressrede._)

Fuer den schlimmsten Fall richtet _Mauschel_ seinen Blick ins Weite, aber nicht nach Zion, sondern nach irgend einem Lande, wo er allenfalls bei einer anderen Nation unterschluepfen koennte. Dort angelangt, spielt er nach kurzer Zeit auf den Chauvinisten hinaus, erteilt Unterricht im neuen Patriotismus und verdaechtigt alle, die nicht sind wie er. Dabei begeht er die wunderliche Inkonsequenz, sich von den Juden loszusagen und zugleich in ihrem Namen zu sprechen.

(_Mauschel._)

Den sehnsuechtigen Ruf: "Uebers Jahr in Jerusalem!" hatte eine Generation der anderen uebergeben, und nur in den letzten Jahrzehnten des nationalen Verkommens war bei manchen Rabbinern die waessrige Deutung ueblich geworden, das Jerusalem dieses Spruches solle eigentlich heissen London, Berlin oder Chicago. Wenn man die juedischen Ueberlieferungen in dieser Weise auslegt, dann bleibt freilich vom Judentum nicht mehr viel anderes uebrig als das Jahresgehalt, das diese Herren beziehen.

(_Der Zionismus._)

Die juedische "_Mission_" ist etwas Sattes, Behagliches, Gutsituiertes. Seit Jahr und Tag sehe ich mir die Leute an, die mir diese "Mission" zur Antwort geben, wenn ich von der wachsenden Not unserer Armen rede. Diese Missionaere befinden sich alle vortrefflich.

(_Dr. Guedemanns Nationaljudentum._)

Damit sie fuerder nicht mit den guten Rabbinern verwechselt werden, wollen wir die Angestellten der Synagoge, die sich gegen die Erloesung ihres Volkes verwahren, die Protestrabbiner nennen.

(_Leitartikel der Welt 10.7.1897._)

Er ist der Rabbiner des naechsten Vorteils.

(_Altneuland._)

_DER KAMPF GEGEN DEN ZIONISMUS_

Aber dem Judentum angehoeren, das Judentum sozusagen berufsmaessig ausueben und es gleichzeitig bekaempfen, das ist etwas, wogegen sich jedes rechtliche Gefuehl auflehnen muss.

(_Protestrabbiner._)

Die Sache wird dennoch vielleicht nicht den kostbaren Beifall der juedischen Geldagenten finden. Diese werden sogar vielleicht durch ihre geheimen Knechte und Agenten den Kampf gegen unsere Jugendbewegung einzuleiten versuchen. Einen solchen Kampf werden wir, wie jeden anderen, der uns aufgezwungen wird, mit schonungsloser Haerte fuehren.

(_Der Judenstaat._)

Wenn nun alle oder einige franzoesische Juden gegen diesen Entwurf protestieren, weil sie sich bereits "_assimiliert_" haetten, so ist meine Antwort einfach: Die ganze Sache geht Sie nichts an. Sie sind israelitische Franzosen, vortrefflich!

(_Der Judenstaat._)

Man kann sich als Abkoemmling des juedischen Stammes von unserer Bewegung fernhalten; aber wir glauben nicht, dass sich einer den Beifall oder die Achtung der Nichtjuden erwerben kann, der als Jude die Zionisten mit Kot bewirft. Wer auf diese Art beweisen will, was er fuer ein echter Marrane ist, dessen schmaehliche Liebedienerei ist umsonst.

(_Ergebnisse des Kongresses._)

Haette ich mich mit den chinesischen Angelegenheiten befasst, so wuerden mich die Chinesen angegriffen haben. Allerdings bin ich zu juedischen Sachen etwas besser legitimiert. Aber danach wird bekanntlich nicht gefragt. Wenn ich nun also auch die Angriffe begreife, so habe ich doch Ursache, mich ueber ihre Heftigkeit und Ungerechtigkeit zu wundern, und ich habe das Beduerfnis, mich darueber bei meinesgleichen zu beschweren.

(_Rede im Makkabaeerklub._)

Es ist wahr, diese internationalen Finanziers sind reich genug, das Werk zu foerdern; sie sind nicht reich genug, es zu verhindern. Wenn sie alles kaufen koennen, das Stueck Blech, aus dem die Feder eines unabhaengigen Schriftstellers gemacht ist, koennen sie nicht kaufen.

(_Der ewige Jude._)

Ich glaube, wenn ich mich in den Gedankenkreis eines Herrn vom Finanzgeschaeft versetze, so stellt er sich unter einer Aktie der juedischen Kolonialbank etwas vor, was die Mitte haelt zwischen einer Mitgliedskarte eines Vereines gegen Verarmung und Bettelei und einer Goldminenaktie auf dem Saturn.

(_Rede in Wien._)

Es ist unerhoert und in fuenfzig Jahren wird man diesen Leuten auf das Grab spucken, wenn man es erfahren wird, dass ich mit Abdul Hamid nahezu fertig war und nur die lumpigen Gelder nicht bekommen konnte. Natuerlich duerfen wir heute unserem Zorn und Schmerz nicht Luft machen, denn dann erfuehre auch . . . unsere innere Schwaeche und ich muss mich bemuehen ihn hinzuhalten, Zeit zu gewinnen, Wasser aus den Felsen zu schlagen und Gold aus dem Kot zu kratzen.

(_An Dr. Mandelstamm._)

_WOHLTAeTIGKEIT_

Zunaechst ist da das Prinzip der _Wohltaetigkeit_, das ich fuer durchaus falsch halte. Sie zuechten Schnorrer. Charakteristisch ist, dass bei keinem Volke so viel Wohltaetigkeit und so viel Bettel vorkommt wie bei den Juden. Es draengt sich einem auf, dass zwischen beiden Erscheinungen ein Zusammenhang sein muesse. So dass durch die Wohltaetigkeit der Volkscharakter verlumpt.

(_Theodor Herzl und Baron Hirsch._)

Es ist ein heimlicher Jammer der Assimilierten, der sich in "wohltaetigen" Unternehmungen Luft macht. Sie gruenden Auswanderungsvereine fuer zureisende Juden. Diese Erscheinung enthaelt einen Gegensinn, den man komisch finden koennte, wenn es sich nicht um leidende Menschen handelte. Einzelne dieser Unterstuetzungsvereine sind nicht fuer, sondern gegen die verfolgten Juden da. Die Aermsten sollen nur recht schnell, recht weit weggeschafft werden. Und so entdeckte man bei aufmerksamer Trachtung, dass mancher scheinbare Judenfreund nur ein als _Wohltaeter_ verkleideter Antisemit juedischen Ursprungs ist.

(_Der Judenstaat._)

Unsere jetzige verworrene Privat_wohltaetigkeit_ stiftet im Verhaeltnis zum gemachten Aufwand wenig Gutes.

(_Der Judenstaat._)

Wir hatten unter unseren Argumenten fuer den Zionismus bisher ein sehr starkes in dem Bankbruche der Assimilation. Wir haben da ein neues bekommen: die Insolvenz der Wohltaeter. Welche Insolvenz! Ja, wenn die reichen Leute die Zahlungen einstellen, dann geht viel verloren.

(_II. Kongressrede._)

Ich sagte, dass das System der juedischen Wohltaetigkeit bankerott ist.

(_Herzl vor der Londoner Fremdenkommission._)