Heiraten: Zwanzig Ehegeschichten

Part 20

Chapter 203,770 wordsPublic domain

Er schämte sich wirklich, und jetzt wurde er als Kindermädchen angestellt. Pünktlich tat er seine Pflicht. Er fand nichts Unrichtiges darin, aber er litt darunter. Es sei etwas verkehrt, meinte er, aber seine Frau verstand immer, es nach der rechten Seite zu kehren.

Die Frau sass im Kontor und empfing Inspektor und Grossknecht; sie stand im Speicher und wog ab für die Instleute. Alle, die auf den Hof kamen, wollten die Frau sprechen, aber niemand den Herrn.

Auf einem Spaziergang kam er eines Tages auf eine Wiese, auf der Vieh weidete. Er wollte den Kindern die Kühe zeigen, und führte sie behutsam an die weidende Herde heran. Plötzlich guckte ein schwarzer Kopf über die Rücken der andern Tiere und sah unter schwachem Brüllen den Besuch an.

Der Advokat nahm die Kinder auf den Arm und lief, so schnell er konnte, bis an den Zaun zurück. Dort angelangt, warf er die Kinder über den Zaun und wollte selber hinüberspringen, blieb aber hängen. Da er einige Frauen drüben erblickte, schrie er ihnen, so laut er konnte, entgegen:

– Der Stier, der Stier!

Aber die Frauen lachten und hoben die Kinder auf, die im Graben übel zugerichtet waren.

– Sehen Sie den Stier nicht! schrie er.

– Nein, es ist kein Stier, sagte die älteste Frau. Der wurde vor vierzehn Tagen geschlachtet.

Er kam beschämt und böse nach Haus. Beklagte sich bei seiner Frau über die Leute. Sie lachte nur.

Als die beiden Gatten am Nachmittag allein im Saal sassen, klopfte es an die Tür.

– Herein! rief sie.

Eine Frau, die dem Abenteuer mit dem Stier beigewohnt hatte, trat ein und hielt in der Hand das Halsband des Advokaten.

– Das gehört sicher der gnädigen Frau, sagte sie zögernd.

Adele sah zuerst das Weib an, dann ihren Mann, der mit aufgerissenen Augen seine Kette betrachtete.

– Nein, das gehört dem Herrn! sagte sie und nahm der Frau das Halsband ab. Hab Dank! Der Herr gibt dir wohl Finderlohn.

Der sass blass und unbeweglich da.

– Ich habe kein Geld, wende dich an meine Frau, sagte er und nahm das Halsband.

Seine Frau holte eine Krone aus ihrer grossen Geldtasche und reichte es dem Weibe, das sich entfernte, augenscheinlich, ohne etwas zu begreifen.

– Das hättest du mir doch ersparen können! sagte er schmerzlich.

– Bist du nicht Manns genug, für deine Worte und Handlungen einzutreten? Schämst du dich, ein Geschenk von mir zu tragen, während ich deine trage? Eine Memme bist du! Und das will ein Mann sein!

Seit diesem Tag war der Friede des Mannes aus. Wohin er kam, kicherten Gesichter, und Mägde wie Knechte konnten hinter den Ecken „Der Stier! Der Stier!“ rufen, wenn er vorbeiging.

* * * * *

Die Frau wollte nach einer Auktion reisen und acht Tage fortbleiben. Der Mann sollte während der Zeit ein Auge auf die Leute haben.

Am ersten Tag kam die Köchin und bat um Geld für Zucker und Kaffee. Er gab es ihr. Drei Tage später kam sie wieder und verlangte noch einmal Geld für Zucker und Kaffee. Er drückte sein Erstaunen aus, dass das erste Geld schon verbraucht sei.

– Ich esse es nicht allein auf, sagte die Köchin. Und die gnädige Frau hat nie etwas auszusetzen.

Er gab ihr das Geld. Aber neugierig, ob er wirklich Unrecht habe, schlug er das Haushaltungsbuch auf und begann zu addieren.

Er erhielt eine merkwürdige Summe bei den beiden Posten. Als er für einen Monat alle Pfunde zusammenzählte, ergaben sie ein Liespfund.

Er setzte seine Forschungen fort und kam überall zu ähnlichen Resultaten. Er ging zum Hauptbuch über und fand ausser den hohen Ziffern auch dumme Fehler beim Addieren. Augenscheinlich konnte seine Frau weder benannte Zahlen noch Dezimalbrüche. Diese unerhörte Betrügerei der Dienstboten musste jedenfalls zum Untergang des Hauses führen.

Seine Frau kam nach Haus. Er musste den Auktionsbericht bis zum Ende anhören. Darauf räusperte er sich und dachte anzufangen, aber seine Frau nahm den Faden selber auf:

– Nun, wie bist du mit den Mägden fertig geworden?

– Ich bin sehr gut mit ihnen fertig geworden, aber sie sind bestimmt nicht ehrlich.

– Sie sind nicht ehrlich?

– Nein, zum Beispiel sind die Posten für Zucker und Kaffee zu gross.

– Wie weisst du das?

– Ich habe es im Haushaltungsbuch gesehen.

– Was, du schnüffelst in meinen Büchern.

– Schnüffelst? Nein, es machte mir Spass, nachzuforschen ...

– Was hast du damit zu schaffen?

– Und ich fand, dass du Bücher führst, ohne benannte Zahlen noch Brüche zu können.

– Was? Kann ich das nicht?

– Nein, das kannst du nicht! Und darum ist das ganze Haus unterminiert. Deine Buchführung ist Humbug, meine Alte, das ist sie!

– Wen geht es etwas an, wie meine Bücher aussehen?

– Das Gesetz bestraft falsche Buchführung; wenn nicht dich, so mich.

– Das Gesetz? Ich pfeife auf das Gesetz!

– Ja, das glaube ich, aber fassen tut es uns doch, das heisst mich. Und deshalb will ich künftighin die Bücher selber führen.

– Wir können einen Buchhalter nehmen!

– Nein, das ist nicht nötig! Ich habe ja sonst nichts zu tun.

Und dabei blieb es.

* * * * *

Seit aber der Mann den Platz am Pult einnahm und die Leute zu _ihm_ kamen, verloren Landwirtschaft und Viehzucht ihr Interesse für die Frau.

Eine heftige Reaktion trat ein, und sie sah bald weder nach Kühen noch nach Kälbern, sondern blieb im Hause sitzen. Da hockte sie, und neue Gedanken gärten in ihrem Gehirn.

Der Mann dagegen erwachte zu einem neuen Leben. Er warf sich auf die Landwirtschaft und rüttelte die Leute auf. Jetzt hatte er die Oberhand. Er schaltete und waltete, bestellte und bezahlte.

Eines Tages kam seine Frau aufs Kontor und bat um tausend Kronen für ein Klavier.

– Was denkst du? sagte der Mann. Jetzt, wo der Stall umgebaut werden soll! Dazu haben wir nicht die Mittel.

– Was soll das heissen, antwortete sie. Haben wir nicht die Mittel? Reicht mein Geld nicht.

– Dein Geld?

– Ja, meins, das ich in die Ehe gebracht habe.

– Das ist durch die Ehe Eigentum der Familie geworden.

– Das heisst deins.

– Nein, der Familie. Die Familie ist eine kleine Gemeinde, die einzige, die ein gemeinschaftliches Eigentum hat, mit dem Mann als Verwalter, in den gewöhnlichen Fällen.

– Warum soll er Verwalter sein und nicht die Frau?

– Weil er mehr Zeit hat, da er keine Kinder gebiert.

– Warum können nicht beide Verwalter sein?

– Aus denselben Gründen, aus denen eine Aktiengesellschaft nur einen geschäftsführenden Direktor hat. Würde die Frau auch verwalten, so würden es die Kinder ebenfalls wollen, da es auch ihr Eigentum ist.

– Das ist nur Spitzfindigkeit. Ich finde es hart, dass ich noch um Erlaubnis bitten soll, ob ich mir für mein eigenes Geld ein Klavier kaufen darf.

– Es ist nicht mehr dein Geld.

– Ist es denn deins?

– Nein, auch nicht meins, sondern das der Familie. Du musst auch nicht so falsch sein, und mich „um Erlaubnis bitten“; die Klugheit gebietet nur, dass du den Verwalter fragst, ob der Stand des Vermögens eine grosse Luxusausgabe zulässt.

– Ist ein Klavier denn ein Luxus?

– Ein neues Klavier, wenn man ein altes hat, kann Luxus sein. Nun ist der Stand des Vermögens schlecht, daher erlaubt _der_ nicht, dass du jetzt ein neues Klavier kaufst, obwohl _ich_ natürlich nichts dagegen haben kann noch will.

– Durch eine Ausgabe von tausend Kronen ruiniert man sich nicht.

– Doch man kann den Grund zu seinem Ruin legen, wenn man zur Unzeit für tausend Kronen Schulden macht.

– Das heisst, du weigerst dich also, mir ein neues Klavier zu kaufen?

– Nein, das will ich nicht sagen. Der unsichere Stand des Vermögens ...

– Wann, wann wird der Tag kommen, an dem die Frau ihr Vermögen selbst verwaltet und nicht mehr wie eine Bettlerin zu ihrem Mann zu kommen braucht?

– Wenn sie selber arbeitet. Ein Mann, dein Vater, hat dein Vermögen erarbeitet. Männer sind es, die alles Vermögen erarbeitet haben; darum, siehst du, ist es gerecht gewesen, dass die Schwester weniger erbt als der Bruder, zumal der Bruder mit der Pflicht, eine Frau zu ernähren, geboren wird, während die Schwester keinen Mann zu ernähren braucht. Verstehst du?

– Das ist also Gerechtigkeit: ungleich teilen! Ist es gerecht, ungleich zu teilen? Kannst du das bei deinem guten Kopf wirklich behaupten? Soll man nicht immer in gleiche Teile teilen?

– Nein, nicht immer. Man soll verhältnismässig oder nach Verdienst teilen. Der Faule, der im Gras liegt und zusieht, wie der Maurer baut, soll weniger haben als der Maurer.

– So, du sagst, ich sei faul!

– Hm! Es ist am besten, nichts zu sagen. Als ich aber auf dem Sofa lag und las, hieltst du mich für sehr faul, und ich will mich erinnern, dass du auch etwas ähnliches gesagt hast und zwar recht deutlich.

– Was soll ich denn tun?

– Geh mit den Kindern spazieren!

– Ich passe nicht für Kinder.

– Aber ich musste passen. Hör mal: eine Frau, die sagt, sie passe nicht für Kinder, ist keine Frau. Ein Mann ist sie auch nicht! Was ist sie denn?

– Pfui, pfui, dass du so von der Mutter deiner Kinder sprichst!

– Was sagt man von dem Mann, der nicht nach Frauen sieht? Sagt man nicht etwas sehr Hässliches von ihm?

– Ich will nichts mehr hören.

Und darum verliess sie das Zimmer und schloss sich ein.

Sie wurde krank. Der Arzt, der allmächtige, der die Körper übernommen, nachdem der Pastor die Seelen verloren, erklärte Landluft und Einsamkeit für ungesund.

Man musste also wieder in die Stadt ziehen, damit sich die Frau ärztlich behandeln lassen konnte.

Die Stadt hatte einen sehr guten Einfluss auf den Gesundheitszustand der Frau, und die Rinnsteinluft gab ihren Wangen Farbe.

Der Advokat suchte sich Praxis, und die Gatten hatten Ableiter für ihre Naturen, die sich nicht versöhnen konnten.

Seine Magd oder Debet und Kredit

Mr. Blackwood war Werkdirektor in Brooklyn und hatte sich mit Miss Danckward verheiratet, die in die Ehe eine Mitgift moderner Anschauungen brachte. Um seine geliebte Frau nicht als seine Magd sehen zu müssen, hatte Mr. Blackwood sich mit ihr in einem Boardinghouse in Pension gegeben.

Die Frau, die nichts zu tun hatte, verbrachte den Tag mit Musik und Billardspiel und die halbe Nacht mit Gesprächen über die Frauenfrage und Grogtrinken.

Der Mann hatte 5000 Dollar Gehalt; die lieferte er regelmässig an seine Frau ab, damit die sie verwalte. Sie hatte 500 Dollar Nadelgeld, über die sie selbst verfügte.

Da kam ein Kind. Ein Kindermädchen wurde angestellt, das mit 100 Dollar den kostbaren Beruf der Mutter übernahm.

Es kamen noch zwei Kinder.

Und die Kinder wuchsen heran, und die beiden ältesten begannen in die Schule zu gehen. Aber die Frau langweilte sich und hatte nichts zu tun.

Eines Tages kam sie angeheitert zum Frühstückstisch.

Der Mann nahm sich die Freiheit, sie daran zu erinnern, das sei unpassend.

Sie wurde hysterisch und legte sich zu Bett, und alle Freundinnen des Hauses warteten ihr mit Blumen auf.

– Warum trinkst du, fragte der Mann so zärtlich wie er nur konnte. Hast du einen Kummer?

– Soll ich keinen Kummer haben, wo mein Leben verfehlt ist?

– Wieso verfehlt? Du hast drei Kinder geboren und könntest deinen Tag dazu anwenden, sie zu erziehen.

– Ich eigne mich nicht für Kinder.

– Dann solltest du es lernen, mit Kindern umzugehen. Das ist eine Arbeit für die Gesellschaft und eine ehrenvolle Lebensaufgabe, ehrenvoller als Leiter einer Werft zu sein.

– Ja, wenn ich frei wäre.

– Du bist freier als ich. Ich stehe unter deiner Administration. Du bestimmst von meinen Einkünften die Ausgaben. Du hast 500 Dollar Nadelgeld, über die du frei verfügen kannst, aber ich habe kein Nadelgeld. Ich muss aus der Kasse, das heisst von dir betteln, wenn ich Tabak kaufen will. Bist du also nicht freier als ich?

Sie antwortete nicht, versuchte aber zu denken.

Das Resultat war, dass sie einen eigenen Haushalt haben müssten. Und sie richteten einen eigenen Haushalt ein.

– Teure Freundin, schrieb Mrs. Blackwood einige Zeit nachher an ihre Freundin, ich leide und bin todmüde. Aber ich will bis ans Ende leiden, denn das Leben hat einer unglücklichen Frau, die für nichts zu leben hat, nichts mehr zu bieten. Ich will der Welt zeigen, dass ich nicht die bin, die von der Gnade ihres Mannes lebt, und darum will ich mich – tot arbeiten ...

Sie stand am ersten Tag um neun Uhr auf und brachte das Zimmer ihres Mannes in Ordnung. Dann verabschiedete sie die Köchin und ging um elf Uhr fort, um einzukaufen.

Als der Mann um ein Uhr nach Haus kam, um Frühstück zu essen, war das Essen nicht fertig. Das war die Schuld der Magd.

Die Frau war furchtbar müde und weinte. Der Mann hatte nicht das Herz, sich zu beklagen. Und er ass ein verbranntes Kotelett und ging wieder. Aber er sagte noch:

– Arbeite dich nicht ab, mein Kind!

Abends war die Frau so müde, dass sie einen Teil der Arbeit lassen und um zehn Uhr zu Bett gehen musste.

Am nächsten Tage, als Mr. Blackwood ihr guten Morgen sagte, war er erstaunt über die gesunde Farbe, die seine Frau hatte.

– Hast du gut geschlafen? fragte er.

– Wie so?

– Ich finde, du siehst so gesund aus.

– Sehe – ich – gesund – aus?

– Ja! Etwas Beschäftigung scheint dir gut zu tun.

– Etwas? Nennst du das etwas? Ich möchte wissen, was du dann viel nennst?

– Nun nun, ich meinte es nicht böse.

– Doch, du meintest, ich arbeite zu wenig. Und doch habe ich wie eine Magd dein Zimmer aufgeräumt und wie eine Köchin am Herd gestanden. Vielleicht leugnest du auch, dass ich deine Magd bin?

Als der Mann ging, sagte er zum Mädchen:

– Sie müssen um sieben Uhr aufstehen und mein Zimmer aufräumen. Meine Frau soll nicht Ihre Arbeit tun!

Am Abend kam Mr. Blackwood fröhlich nach Haus; aber seine Frau war böse.

– Warum darf ich dein Zimmer nicht aufräumen? fragte sie.

– Weil ich nicht will, dass du meine Magd bist.

– Warum willst du das denn nicht?

– Weil es mich quält!

– Aber es quält dich nicht, dass ich dein Essen koche und nach deinen Kindern sehe?

Jetzt wurde er nachdenklich.

Während er mit der Trambahn nach Brooklyn fuhr, dachte er hin und her.

Als er abends heim kam, hatte er ein gut Stück gedacht.

– Hör mal, mein Kind, ich habe viel über deine Stellung im Hause nachgedacht, und ich will natürlich nicht, dass du meine Magd sein sollst. Ich habe daher so gedacht. Ich gebe mich bei dir in Pension und bezahle für mich. Dann bist du Herrin im Hause und ich esse bei dir gegen Bezahlung.

– Was meinst du? fragte seine Frau etwas unruhig.

– Wie ich sage. Wir nehmen an, du hältst ein Boardinghouse und ich gebe mich bei dir in Pension. Wir nehmen es nur an.

– Gut! Was willst du bezahlen?

– Ich will natürlich so viel bezahlen, dass ich auf keinen Fall in deiner Schuld stehe. Meine Stellung wird dadurch auch angenehmer, denn ich erhalte dann nicht mehr alles aus Gnade.

– Aus Gnade?

– Ja, du setzest mir ein Essen vor, das nicht gargekocht ist, und wiederholst unaufhörlich, du seist meine Magd, das heisst, du arbeitest dich für mich ab.

– Wohinaus willst du?

– Sind drei Dollar täglich genug für meine Pension? Im Boardinghouse bekomme ich sie für zwei.

– Drei Dollar müssen sehr gut reichen.

– Gut! Das sind jährlich rund 1000 Dollar. Sieh, hier hast du sie im voraus!

Und er legte eine Rechnung auf den Tisch.

– Hier ist die Berechnung:

Miete 500 Dollar Lohn des Kindermädchens 100 „ Lohn der Köchin 150 „ Unterhalt der Frau 500 „ Kleider der Frau 500 „ Unterhalt des Kindermädchens 300 „ Unterhalt der Köchin 300 „ Unterhalt der Kinder 700 „ Kleider der Kinder 500 „ Holz, Licht, Hilfe 500 „ –––––––––––– 4050 Dollar

– Teile diese Summe mit zwei, da wir repartieren, so bleiben 2025 Dollar übrig. Zieh meine 1000 ab und gib mir 1025 Dollar. Hast du sie bei dir, um so besser.

– Repartieren? war das einzige Wort, das die Frau hervorbringen konnte. Soll ich dich bezahlen?

– Ja, natürlich, wenn es gleich sein soll. Ich bezahle den halben Unterhalt für dich und die Kinder. Oder willst du, dass ich alles bezahle? Gut, dann bezahle ich also 4050 Dollar plus 1000 Dollar für meine Pension. Aber ich bezahle besonders: Miete, Essen, Licht, Holz, Bedienung. Was bekomme ich denn für meine Pension? Das Essen bereitet? Das Essen bereitet für 4050 Dollar? Ziehe ich nun wirklich die Hälfte ab, das heisst, was ich zu bezahlen schuldig bin, 2025 Dollar, so bleiben 2025 für die Bereitung des Essens. Nun aber bezahle ich die Köchin besonders für die Bereitung des Essens, wie kann ich da 2025 für Bereitung des Essens bezahlen, und noch 1000 Dollar dazu?

– Das verstehe ich nicht!

– Ja, ich auch nicht. Aber das weiss ich, dass ich dir nichts schuldig bin, wenn ich dir deinen ganzen Unterhalt, den ganzen Unterhalt deiner Kinder, den ganzen Unterhalt deiner Mädchen bezahle; der Mädchen, die deine Arbeit tun, die nach deiner Ansicht meiner gleichkommt oder sie noch übertrifft. Auch wenn deine Arbeit mehr wert wäre, so hast du auch 500 Dollar extra, die von den Ausgaben des Hauses ausgenommen sind, während ich nichts habe, das davon ausgeschlossen wäre.

– Ich wiederhole noch einmal, dass ich deine Berechnung nicht verstehe.

– Ich verstehe sie auch nicht! Vielleicht lassen wir deshalb diese Pension. Das ist vielleicht das beste. Und stellen einfach das Debet und Kredit des Hauses auf. Willst du dein Konto kennen lernen, hier hast du es:

Mrs. Blackwood für Hilfe im Haus, Mrs. Blackwoods Köchin und Kindermädchen geleistet: Unterhalt mit Miete 1000 Dollar Kleider 500 „ Vergnügungen 100 „ An Nadelgeld bar 500 „ Unterhalt für ihre Kinder 1200 „ Und Erziehung 600 „ Für die Mägde, die ihre Arbeit leisten 850 „ –––––––––––– 4750 Dollar Bezahlt: Mr. Blackwood, Werftleiter.

– Ah, es ist schändlich, seiner Frau mit Rechnungen zu kommen.

– Mit Gegenrechnungen! Und du brauchst auch die nicht zu bezahlen, denn ich bezahle alle Rechnungen.

Die Frau knüllte das Papier zusammen.

– Soll ich auch die Erziehung deiner Kinder bezahlen?

– Nein, das will ich, und das tue ich, und ich bezahle die Erziehung deiner Kinder auch! Aber du bezahlst nicht einen Cent für meine. Ist das Gleichstellung? Aber ich will den Unterhalt meiner Kinder und meiner Mägde abziehen: dann geniessest du noch 2100 Dollar für die Hilfe, die du meinen Mägden im Haus leistest. Willst du noch mehr Berechnungen?

Sie wollte keine Berechnungen mehr, niemals mehr!

Der Familienversorger

Er erwacht am Morgen aus schweren Träumen von verfallenen Wechseln und nicht geliefertem Manuskript. Der Angstschweiss klebt in seinem Haar, und seine Wangen zittern, als er sich ankleidet. Aber er hört die Kinder im Nebenzimmer zwitschern, und er wäscht seinen heissen Kopf mit kaltem Wasser. Er trinkt seinen Kaffee, den er selber kocht, um das arme Kindermädchen nicht so früh, nämlich um 8 Uhr, aufzujagen. Dann macht er sein Bett, bürstet seine Kleider und setzt sich hin, um zu schreiben.

Das Fieber kommt, das Fieber, das Halluzinationen von Zimmern erzeugen soll, die er nie gesehen, von Landschaften, die es nie gegeben, von Menschen, die im Adressbuch nicht zu finden sind. Er ist am Schreibtisch in einer Todesangst. Die Gedanken sollen klar, prägnant und malend sein, die Handschrift leserlich, die Handlung soll vorwärts gehen, das Interesse darf nicht nachlassen, die Bilder sollen schlagend sein, die Reden und Gegenreden blitzend. Und dann grinsen ihm die Automaten des Publikums entgegen, deren Gehirne er aufziehen, die Kritiker mit dem Kneifer des Neides, die er überwinden, das bewölkte Gesicht des Verlegers, das er aufheitern soll. Er sieht die Männer der Jury um den schwarzen Tisch sitzen, auf dem die Bibel liegt; er hört die Türen des Gefängnisses sich öffnen, in dem Freidenker das Verbrechen, freie Gedanken für Trägen die gedacht zu haben, sühnen sollen; lauscht auf die schleichenden Schritte des Hotelwirtes, der mit der Rechnung kommt ...

Währenddessen brennt das Fieber, und die Feder läuft, läuft ihren Weg, ohne beim Anblick der Verleger oder Jurymänner zu zögern, und hinterlässt rote Streifen wie von geronnenem Blut, die dann liegen bleiben und schwarz werden.

Als er nach zwei Stunden aufsteht, hat er gerade noch so viel Kraft, dass er bis an sein Bett kommt, auf das er niedersinkt. Dann liegt er da, als ob der Tod ihn gepackt hätte. Das ist nicht der erquickende Schlaf, sondern Betäubung. Es ist eine lange Ohnmacht, aber eine bewusste, die von dem Entsetzen begleitet ist, dass die Kräfte fort sind, die Nerven schlaff, das Gehirn leer ist.

Da läutet die Glocke des Hotelpensionates. Voilà le facteur! Die Post ist gekommen!

Er fährt auf und schwankt hinaus. Empfängt eine Menge Postsachen. Da ist eine Korrektur, die sofort gelesen werden muss; ein Buch von einem jungen Schriftsteller, der um ein Urteil bittet; eine Zeitung mit einem polemischen Artikel, der zu beantworten ist; ein Brief mit dem Ersuchen, an einem Kalender mitzuarbeiten; schliesslich ein warnender Brief vom Verleger. Das alles soll jetzt von einem Kraftlosen erledigt werden.

Das Kindermädchen ist inzwischen aufgestanden, hat die Kinder angezogen, Kaffee getrunken, den das Hotel ihr gekocht, und Brötchen mit Honig gegessen, die das Hotel ihr gestrichen hat. Dann geht sie im Grünen spazieren.

Um ein Uhr läutet es zum Déjeuner. Alle Gäste versammeln sich um den Esstisch. Auch er setzt sich; allein.

– Wo ist ihre Frau? wird von rechts und links gefragt.

– Das weiss ich nicht, antwortet er.

– Welches Untier! flüstern die Damen, die eben ihren Morgenrock angezogen haben.

Dann kommt seine Frau. Die Bedienung wird ihretwegen unterbrochen, und die Hungrigen, die pünktlich gekommen sind, müssen auf den zweiten Gang warten.

Die Damen fragen seine Frau nach ihrem Befinden: ob sie gut geschlafen habe, ob ihre Nerven in Ordnung sind. Niemand aber fragt den Mann nach seinem Befinden. Das glauben sie im Voraus zu kennen.

– Er sieht aus wie ein Kadaver, sagt eine Dame.

Und das tut er auch.

– Er ist sicher lasterhaft, sagt eine andere Dame.

Das aber ist er nicht.

Er spricht nicht bei Tisch, denn er hat diesen Damen nichts zu sagen. Aber seine Frau spricht an seiner Stelle.

Und er würgt sein Essen hinunter, während seine Ohren die Freude haben, alles Erbärmliche rühmen und alles Gute schmähen zu hören.

Als sie vom Tisch aufstehen, bittet er seine Frau um einige Worte.

– Willst du so gut sein, Luise mit meinem Rock zum Schneider zu schicken; eine Naht ist aufgegangen, und ich habe keine Zeit, selber zu gehen.

Sie antwortet nichts; statt aber Luise zu schicken, nimmt sie selber den Rock auf den Arm und geht ins Dorf hinunter, wo der Schneider wohnt.

Im Garten trifft sie einige emanzipierte Damen, die sie fragen, wohin sie gehe.

Sie antwortet so ehrlich wie möglich, dass sie für ihren Mann zum Schneider gehe.

– Er schickt sie zum Schneider! Und sie lässt sich als wie eine Magd behandeln.

– Und jetzt liegt er auf dem Bett und hält Mittagsschlaf. Ein netter Mann!

Er hält wirklich Mittagsschlaf, denn er ist blutarm.

Um drei Uhr läutet der Postbote wieder, und jetzt soll er einen Brief aus Berlin deutsch, einen aus Paris französisch, einen aus London englisch beantworten.

Dann fragt seine Frau, die vom Schneider zurückgekommen ist und einen Cognac getrunken hat, ob er mit den Kindern einen Ausflug machen will. Nein, er müsse Briefe schreiben.