Part 7
Ganz eigenartig ist die Kultur des _Reis_ auf den +Sawahs+ (Fig. 24). Hier wird in terrassierten, gestreckt viereckigen, durch niedrige Wälle rings umschlossenen Abteilungen, die periodisch unter Wasser gesetzt werden, die junge Reispflanze in den Schlammboden gesetzt und bis zur Reife im Wasser erhalten. Erst dann wird das Wasser abgelassen.
Höchst eigenartig sind auch die großen _Citrus_kulturen am Gardasee (Fig. 27 u. 28), wo besonders die _Citrone_ im großen Stil kultiviert wird. Es sind terrassenartig übereinanderliegende «Orangerien», die so eingerichtet sind, daß sie oben und an der Vorderseite nötigenfalls gedeckt, resp. verschlossen werden können. Mit ihren weißen Pfeilern bieten sie ein sehr eigenartiges Bild.
Ganz anders sind die großen _Citrus_kulturen in Kalifornien angelegt (Fig. 31), wo das außerordentlich günstige Klima offene ungeschützte Anpflanzungen erlaubt. Hier wird der Boden entweder terrassiert oder man wählt sanft abgedachte Hänge, in beiden Fällen um eine möglichst ausgiebige Bewässerung zu ermöglichen, die bei dem ziemlich trockenen und heißen Klima unbedingt erforderlich ist.
In Plantagenkultur findet sich auch der _Mohn_ in Kleinasien, Persien, Indien und China.
2. Die +Kampong+- oder +Gartenkultur+ ist die Kultur im Kleinen. Kampong ist der malaiische Name für das Dorfwäldchen. In Indien wird _Cocos_, etwas _Kaffee_, vielfach auch _Myristica_ und _Vanille_ sowie _Betel_ in Dorfwäldchen kultiviert (Taf. IV, Fig. 22 u. 32), in China steht der _Tee_ bei den Bauern vielfach in Kleinkultur, in Abyssinien _Kusso_.
In Deutschland ist Jenalöbnitz (Fig. 33) der Typus für die Kultur im Kleinen. Hier werden die Arzneipflanzen in kleinen Parzellen gebaut. Dann sind hier auch die +Bauerngärten+, die ihren Überschuß an die Apotheken abgeben, und die allerdings immer seltener werdenden +Apothekengärten+ zu nennen, in denen _Königskerze_ und _Malven_, _Calendula_ und _Kamille_, _Estragon_, _Absinth_ und _Melisse_ blühen, und von der Frau Apothekerin geerntet werden. Besonders die Bauerngärten liefern, wie mich Erkundigungen in etwa 100 Drogerien und Apotheken lehrten, mehr als man glauben sollte. In den deutschen und schweizerischen +Bauerngärten+ werden jetzt noch folgende Arzneipflanzen regelmäßig kultiviert: _Calendula_, _Chamomilla_, _Paeonia_, _Monarda_, _Rosa_, _Tanacetum_, _Verbascum_, _Malva arborea_, _Althaea_, _Absinthium_, _Majorana_, _Petroselinum_, _Cerefolium_, _Levisticum_, _Armoracia_, _Carum Carvi_, _Melisse_, _Salvia_, _Rosmarin_, _Thymus_, _Mentha crispa_, _Anethum_, _Sambucus_. Viele davon stehen schon in ~Carls~ Capitulare. Die Bauern bringen ihre kleine Ernte dem Apotheker.
3. Die +Alleekultur+, die bei unseren Obstbäumen so viel benutzt wird, fand ich in Indien bei _Dammara_ (Fig. 35) und in beschränktem Maße -- jetzt verlassen -- auch bei _Cinchona_ (Taf. VI) und _Vanilla_. In Alleekultur findet man auch in Südfrankreich die _Korkeiche_ (Taf. V), in Indien die _Tamarinde_ (Fig. 34). Die Lindenalleen liefern den großen Bedarf an _Lindenblüten_. Als Heckenpflanze wurde in Java _Ananas_ und _Bixa orellana_ gepflanzt.
4. +Mischkultur.+ Sie hat viel Ähnlichkeit mit der Kampongkultur im «Dorfwäldchen». Während aber bei dieser alle möglichen Pflanzen durcheinander gepflanzt werden, besteht die Mischkultur meist nur aus zwei Arten, die durcheinander gepflanzt werden. In Mischkultur befindet sich z. B. _Cacao_ und _Kaffee_ auf Ceylon und in Südamerika, _Uncaria Gambier_ und _Pfeffer_ auf dem Rioux-Lingga-Archipel (besonders Rioux und Bintang), _Süßholz_ und _Weizen_ in Calabrien, _Süßholz_ und _Erbsen_ bezw. _Mais_ in Teramo usw.
Die Holländer nennen die Chinapflanzung +Kina tuin+ (d. h. Chinagarten), die Muskatnußpflanzung +Noten tuin+ (d. h. Nußgarten). Die großen Muskatplantagen auf den Bandainseln werden +Perk+ (d. h. Park) genannt, die sie besorgenden Männer +Perkeniere+. Die Engländer sprechen von +China plantation+, +Tea plantation+, +Coffee estate+. Die Vanillepflanzungen heißen bei den Spaniern +Vainillales+, bei den Franzosen +Vanilleries+. Ein Garten von Balsambäumen in San Salvador wird +Balsamal+ genannt (Fig. 23). Die Matewälder in Südamerika heißen +Yerbales+, die Cacaogärten +Huertas+.
In +Cölleda+ a. d. Unstrut nennt man die Arzneipflanzen-Kultivateure +Botaníker+ (mit dem Ton auf dem i) und die Arzneipflanzenkultur +Botanisie+.
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Nicht alle tropischen Pflanzen können in freier Sonne kultiviert werden. Einige verlangen =Schattenpflanzen=, d. h. Schatten spendende. Die erste Pflanze, welche als Schattenpflanze angewendet wurde, war _Erythrina Corallodendron_, die «+madre del Cacao+» oder «+Arbol madre+» in den Cacaopflanzungen Südamerikas. In Java wird beim _Kaffee_ und den _Guttapercha_pflanzen jetzt meist die rasch wachsende _Albizzia moluccana_ (Fig. 36 u. 38) oder -- seltener -- _Hypophorus subumbrans_, _Cassia florida_ oder _Sponia velutina_, in Südamerika beim _Kaffee_ wohl auch _Castilloa_ benutzt. In Ceylon wird der _Kaffee_ ohne Schattenpflanze kultiviert (Taf. I), wie auch der _Tee_ (Taf. II), ebenso der _Tabak_ in Sumatra (Fig. 22).
Schattendächer verwendet man auch bei den Nurseries der _Cinchonen_ in Java, des _Kaffee_, der _Hevea_ u. a. (Fig. 21, 53–55, 57, 58). In den sumatranischen Tabakspflanzungen werden die jungen Pflänzchen durch breite «Schattenhölzchen», die man neben die Pflanze in den Boden steckt und später entfernt, gegen die Strahlen der Sonne geschützt (Fig. 59). Bei den jungen Sämlingen der Korkeiche dient in Portugal der _Wein_ als Schattenpflanze.
In Indien werden junge _Cacao_pflanzen mit _Musa_ (besonders _M. textilis_) beschattet, ältere mit _Albizzia moluccana_ oder _Erythrina lithosperma_ (Dadap). In Ceylon sah ich _Erythrina_arten dem Zwecke dienen (_E. indica_ und _lithosperma_), sowie _Artocarpus integrifolia_ (Djaktree). Auch in Venezuela werden _Erythrinen_ dazu benutzt (_E. Corallodendron_, _velutica_, _umbrosa_), für junge Anlagen an Stelle der _Bananen_ auch _Yuccas_.
In Venezuela wird der _Kaffee_ stets mit Schattenbäumen gepflanzt -- der Schattenbaum heißt «+Koffiemama+» -- und zwar werden in der Tierra caliente und templada _Erythrina glauca_ und _micropteryx_ (Bucares), _Pithecolobium Saman_ und _Inga_arten (Guamos), in der Tierra fria mehrere _Inga_arten (_Inga longituba_, _Hartii, marginata_, _edulis_ usw.) dazu benutzt. Beim _Cacao_ werden in Trinidat _Erythrina_arten (_E. amasisa_, _micropteryx_, _glauca_) oder _Pithecolobium Saman_, in Surinam _Erythrina glauca_ oder _umbrosa_ -- «+Kakaomama+» -- als Schattenbäume gepflanzt. _Hura crepitans_ und _Artocarpus incisa_ haben sich nicht bewährt. In Grenada pflanzt man _Cacao_ ohne Schattenbaum. In Guatemala dienen als Schattenpflanzen entweder stehengebliebene Urwaldbäume (besonders Leguminosen, Fig. 37) oder gepflanzte _Inga_arten, _Gliricidia sepium_ -- hier die «+Madre del Cacao+» --, _Trema micrantha_ und _Erythrina_arten (z. B. _E. amasisa_). In San Andres-Osuna dient _Cinchona Succirubra_, in San Isidro _Castilla elastica_, bei Guatemala sogar eine _Cypresse_ als Schattenbaum des _Kaffee_ (~Preuss~). _Manihot_ wird auf Sansibar als Schattenbaum der _Vanille_ gepflanzt. In Portorico werden neuerdings die _Tabak_felder auf weite Strecken mit leichten Stoffen überspannt (Taf. VII).
Auch das Zurückschneiden (topping, pruning) ist eine bei vielen in Plantagenkultur befindlichen Arzneipflanzen wichtige Operation. So werden die _Tee_- und _Ceylonzimt_bäumchen stets so stark zurückgeschnitten, daß sie Strauchform annehmen (Fig. 29, 30, 40 u. Taf. II). Bei dem _Cacao_baum kappt man den Gipfeltrieb und läßt, um den Baum breiter und niedriger zu halten, nur zwei oder drei gleichwertige Basaltriebe sich entwickeln, so daß man in der Plantage meist zwei- oder dreigabelige Stämmchen findet.
Eine besondere Rolle spielen die dem Rande der Plantage entlang gepflanzten Windbrecher (windbrekers), die dem Windschutz dienen. Bei _Cacao_pflanzungen fand ich in Java oft _Bixa Orellana_ als Windbrecher gepflanzt (Fig. 56), bei _Kaffee_pflanzungen auch _Morus indica_ und _Hibiscus elatus_.
In Südamerika wird _Cedrela odorata_ zu gleichem Zwecke benutzt.
Eine besondere Gruppe bilden die Pflanzen, die nur mit einer Stütze wachsen können, also zur Klasse der Klimmpflanzen (climbing plants) gehören. Sie werden entweder an Spalieren gezogen (Fig. 45) oder an in einiger Entfernung voneinander gepflanzten Stützbäumen (Fig. 42–44) oder an beiden, d. h. an zwischen Stützbäumen angebrachten Spalieren. Alle drei Methoden werden bei der _Vanille_ benutzt. Nur an Stützbäumen werden der _Pfeffer_ (Fig. 43) und die _Cubebe_ (Fig. 42) gezogen.
Als Stützbäume des _Pfeffers_ sind folgende Arten benutzt worden: _Erythrina indica_ (Dadap), _Eriodendron anfractuosum_ (Kapok), _Areca Catechu_ (Pinang), _Artocarpus integrifol._, _Hyperanthera Moringa_, _Morinda citrifolia_, _Mangifera indica_. Sie dienen gleichzeitig als Schattenbäume. An Bäumen gerankt wird die _Vanille_ auf den Seychellen, was sich dort mehr bewährt als die Spalierkultur.
Der eigentlichen Kultur im engeren Sinne steht =die forstwirtschaftliche Pflege= gegenüber, die darin beruht, daß man +vorhandene+ Bestände möglichst schonend ausbeutet und eventuell wieder aufforstet, wo Lücken eintreten. In solcher forstwirtschaftlicher Pflege steht bei uns z. B. die _Eiche_, in China der _Zimtbaum_ und neuerdings, seit die japanische Forstverwaltung eingegriffen hat, in Formosa der _Campherbaum_, ferner in Amerika und in Frankreich (Departement des Landes) die Harz liefernden _Coniferen_. In forstlicher Pflege befinden sich auch die _Korkeichen_wälder in Algerien, Tunis und Marokko.
Übrigens hatte schon ~Mutis~ und dann auch die Jesuiten vorgeschlagen, die _Cinchonen_ in Bolivien und Peru in forstliche Pflege zu nehmen, um der drohenden Ausrottung zu begegnen.
Bei den «_Yerbales_», den _Matebaum_wäldern in Südamerika kann von «forstlicher Pflege» wohl kaum die Rede sein, ebensowenig bei den _Quebracho_wäldern Argentiniens.
Bisweilen werden die =Ernteprodukte sogleich am Orte der Kultur weiter verarbeitet.= So destilliert man z. B. in Cölleda das _Pfefferminzöl_, in den Rosendistrikten Bulgariens und in den Öldistrikten Südfrankreichs wandert man mit den Destillierblasen durch die Kulturen und destilliert die ätherischen Öle an Ort und Stelle und mitten in den Rosenfeldern von Miltitz haben ~Schimmel & Co~. ihre Fabrik errichtet (Taf. III).
Bei der Anpflanzung spielt die richtige =Pflanzweite= eine große Rolle. Sie wird durch Versuche festgestellt. Die _Tee_pflanzen z. B. werden in Java 2–4 Fuß voneinander gesetzt in 3–4 Fuß voneinander entfernten Reihen, die _Cacao_pflanzen 10–20 (meist 15) Fuß voneinander, die _Cinchonen_ sehr verschieden, jetzt meist 4 Fuß voneinander.
Auch beim _Safran_ wird eine ganz bestimmte Pflanzweite innegehalten. Die Knollen werden hier in Abständen von 8–10 cm in Reihen gesetzt, die 20 cm voneinander entfernt sind. Daher kommt es, daß für den Anbau ziemlich große Flächen gebraucht werden.
Bei tropischen Kulturen (_Cacao_, _Tee_) werden auch oft zwischen den Pflanzreihen Gräben zur Drainage gezogen. Die Einzelheiten sind in meinem Buche: «+Indische Heil- und Nutzpflanzen und deren Kultur+» (Berlin 1892) nachzusehen.
Schon ~Plinius~ empfiehlt alternierende Reihen als beste Anpflanzungsart, d. h. eine Anordnung:
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Die sog. +Quincunx+, weil drei Bäume jedesmal eine römische V bilden.
Nur bei einigen der Kulturen im großen Stil (Plantagenkulturen) -- _Tee_, _Cacao_, _Kaffee_, _China_, Riechstoffpflanzen -- sind auch Versuche mit =Kreuzungen= (Hybridenbildung), =Pfropfungen= u. dergl. gemacht worden und nur bei ihnen hat man auch den Einfluß der Düngung, der Bodenbeschaffenheit, der Beschattung, der Drainage, der Meereshöhe und Regenmenge systematisch studiert. Hier bleibt noch ein großes Feld für weitere wissenschaftliche Arbeit im Dienste der Praxis. Denn nur bei den _Cinchonen_ sind die Versuche bisher nach +allen+ Richtungen hin durchgeführt worden, haben aber hier zu sehr bemerkenswerten Resultaten geführt. So liefert z. B. gerade die Hybride zwischen _Cinchona Succirubra_ und _C. officinalis_ eine sehr wertvolle Rinde.
Besondere in den Kulturen geübte Verfahren sind das «+Erneuern der Rinde+» bei den _Cinchonen_, das zur Entstehung der hochwertigen «Renewed barks» führt und das ähnliche Verfahren bei der _Korkeiche_, wo der sog. «+männliche+» Kork abgeschält wird und sich aus dem Korkcambium der viel wertvollere «+weibliche+» Kork entwickelt (s. Einsammlung).
In den alten berühmten Arzneikulturorten +Clermont Ferrand+ (Frankreich), +Puglia+ und +Acquila+ (Italien) und den vielen Orten, die uns aus den Namen der Safransorten des Mittelalters bekannt sind (vgl. Pharmakodiakosmie) -- noch erinnern einige Ortsnamen (Capo Zaffarano bei Palermo, Zaffarana bei Marsala) daran -- sind jetzt die Kulturen von Arzneipflanzen ganz zurückgegangen. Auch die _Crocus_kultur +Frankreichs+ ist jetzt ganz auf Gâtinais, wo im XVII. Jahrh. mit der Kultur begonnen wurde, beschränkt und von 1143 Hektar (1869) auf 477 (1902) zurückgegangen. Vorwärts gehen die Kulturen eigentlich nur in +Amerika+, wo das zielbewußte Vorgehen des +Agriculture Department+ einen Fortschritt anbahnt, in +Spanien+ bezüglich des _Safran_ und besonders in +Rußland+, dessen riesige unbebaute Landflächen billiges Land und dessen arme Bevölkerung billige Arbeitskräfte darbietet, das also für die Arzneipflanzenkultur prädestiniert ist. Schon 1886 habe ich der damals entsandten russischen Studienkommission die Arzneipflanzenkultur warm empfohlen. Auch +Ungarn+ produziert steigende Mengen.
In +Deutschland+ gehen allenthalben die Arzneipflanzenkulturen zurück. Ich wiederhole, was ich schon in meinem Aufsatze: «Der Anbau der Arzneigewächse in Deutschland» 1890 sagte: «Es wird Sache der großen Drogenfirmen sein, die dabei zunächst interessiert sind und allein eine genaue Übersicht über den wirklichen Bedarf, über die Nachfrage haben, auf Erhaltung und Hebung der heimischen Arzneipflanzenkultur durch sachgemäßen, den Kultivateuren erteilten Rat hinzuwirken.»
Gut rentabel wird die Arzneipflanzenkultur in Mitteleuropa nur bei billigen Bodenpreisen und niedrigen Löhnen. Die _Mohn_kultur (zwecks _Opium_gewinnung) und die _Safran_kultur wurden in Deutschland verlassen, da sie zu viel teure Arbeitskräfte verlangten. Doch ist überall dort, wo Böden frei werden, z. B. in von der _Phylloxera_ verwüsteten Weinbergen (vgl. die Lit.) oder wo der Boden eine Fruchtfolge verlangt durch Anbau von Arzneipflanzen eine Rendite zu erzielen und der Apothekergarten lohnt auch heute noch die darauf verwendete Mühe. Der Anbau von _Mohn_ zur _Opium_gewinnung ist meines Erachtens auch in Europa noch heute lohnend, da die Samen als Nebenprodukt gewonnen werden können.
Einjährige Pflanzen werden aus Samen erzogen, mehrjährige (_Mentha_) am besten aus Setzlingen (Stecklingen). Der Boden, die Bewässerung, die Beschattung sind für jede Art auszuprobieren. Alle die, welche sich mit Arzneipflanzenkultur beschäftigen wollen, verweise ich auf die unten angegebene Spezialliteratur (besonders auf ~Löbe~ und ~Schöller~). Die Hauptsache tut aber die eigene Erfahrung.
In starker Progression wachsen die =tropischen Arzneipflanzenkulturen=, die durch Einführung der landwirtschaftlichen Maschinen neue Impulse empfingen. +Von Boden und Klima+ begünstigt, werfen sie, rationell betrieben, guten Nutzen ab. So haben besonders die _Cinchona_pflanzungen auf Java und in Vorderindien, die _Tee_- und _Kaffee_pflanzungen in Java, die Kulturen der _Kautschuk_bäume (besonders _Hevea_) in Sumatra, Malacca, Ceylon, Mysore, Travancore, Assam, Birma, Neu-Guinea, Samoa, der _Guttapercha_bäume auf Java, die _Kaffee_pflanzungen in Brasilien, die _Vanille_kulturen auf Bourbon, den Seychellen, Comoren und Madagaskar und auf Tahiti, die _Pfeffer_kulturen im Malaiischen Archipel bedeutende Dimensionen angenommen und auch in den deutschen Kolonien schreitet man kräftig vorwärts und versucht es mit allen möglichen Heil- und Nutzpflanzen (_Cacao_, _Tabak_, _Kautschuk_, _Kaffee_, _Cinchonen_), wirksam unterstützt von der heimischen Versuchsstation in Berlin und der Station in Amani (D. O. A.). Diese tropischen Kulturen, bei deren Anlage alle Faktoren (Meereshöhe, Regenmenge, Temperatur) berücksichtigt werden, werden jetzt mit allen modernen Hilfsmitteln betrieben. In der Estate (Fig. 48) wohnt der europäische Direktor oder Assistentdirektor und seine Assistenten, in einiger Entfernung liegen die Hütten der unter besonderen Chefs (Mantri besar in Java) stehenden Eingeborenen (Fig. 12). Zunächst wird der tropische Urwald (Taf. VIII) niedergelegt (Taf. IX, Fig. 49–51), die Bäume entweder verbrannt oder verrotten gelassen oder nutzbar gemacht. Dann stellt man mit eisernen Stöcken Pflanzlöcher her (Fig. 51 u. 52). In Keimbeeten (Saatbeeten, Fig. 55 u. 57) werden die Samen zum Keimen gebracht, in Nurseries (Pepinièren, Fig. 59–61) die jungen Pflänzchen bis zur Höhe einiger Dezimeter gezogen, dann in die sorgfältig drainierte und reingehaltene, wohl auch rationell gedüngte Plantage überpflanzt und auch hier noch dauernd überwacht, wie ich dies in meinen +Indischen Heil- und Nutzpflanzen+ ausführlich geschildert habe. Auch dem Trocknen und (event.) Fermentieren wird die größte Sorgfalt gewidmet. Nicht selten wird dann sogar das Endprodukt einer chemischen Kontrolle unterworfen. So gleicht eine solche Pflanzung einem in jeder Hinsicht wohlorganisierten Staate.
In Java bestehen sowohl +Gouvernements+ Kina Ondernemingen (seit 1854) wie +Particuliere+ Kina Ondernemingen (ungefähr seit 1870), d. h. sowohl Regierungs- wie Privatchinaplantagen. Letztere sind viel umfangreicher als erstere. So kamen 1906 aus den Gouvernementskulturen 777660 kg, aus den Particulierekulturen 8016820 kg _Chinarinde_ nach Amsterdam. Auch in Ostindien bestehen beide nebeneinander.
Sehr umfangreich sind in +extratropischen+ Gegenden die _Oliven_- und _Agrumen_kulturen in Italien und Südfrankreich, die immer noch in aufsteigender Richtung sich bewegenden _Rosen_kulturen in Bulgarien, die _Pfefferminz_kulturen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Japan, die _Anis_kulturen in Rußland (1906: 5000 Desjätinen), die _Kümmel_kulturen in Holland, die _Süßholz_kulturen in Südrußland.
Einen besonderen Zweig der Kulturen bilden die Kulturen von Pflanzen mit Riechstoffen (Miltitz b. Leipzig, Grasse, Rumelien). Hier gelangen die kultivierten Pflanzen nicht in den Handel, sondern direkt in die Fabriken der ätherischen Öle, Riechstoffe und Parfüms, wo sie sofort verarbeitet werden.
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Über die =Verbreitung der Arzneipflanzenkultur= orientieren folgende Tabellen (S. 61 u. flgd.).
Bisweilen hat der Versuch, eine außereuropäische Arzneipflanze in Europa zu kultivieren, zwar nicht zu einem gleichwertigen Produkte geführt, aber eine Kultur hervorgerufen, die sich doch als ganz lukrativ erwies. Der Versuch, _Rheum palmatum_ und _Rheum officinale_ in Frankreich und England so zu akklimatisieren, daß ein dem chinesischen _Rhabarber_ gleichwertiges Produkt erhalten wird, darf als vorläufig gescheitert betrachtet werden. Es scheint, daß diese Gebirgspflanzen in der Ebene degenerieren (s. oben). Aber die Rhizome sind doch als «_europäischer Rhabarber_»(neben der _Rhapontic_) verkäuflich, allerdings minderwertig.
1889 wurden auf Anregung des +Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den königl. preußischen Staaten auf den Rieselfeldern bei Blankenburg+ (bei Berlin) systematische Versuche mit dem Anbau von _Mentha_, _Datura_, _Hyoscyamus_, _Salvia_, _Hyssopus_, _Aconitum_ und _Pyrethrum_ gemacht und zum Trocknen eine ~Mayfarth~sche Darre benutzt. Über diese Versuche habe ich (Arch. d. Pharm. 1896) berichtet.
Bisweilen mischt sich der +Aberglaube+ -- wie überall hinein -- auch in die Arzneipflanzenkulturen. So berichtet ~Usteri~ (Beobacht. über tropische Märkte und ihre vegetabil. Prod. Atti soc. elvet. sc. natur. 1903), daß auf Negros die Eingeborenen die Kulturen von _Piper Betle_ aufs Sorgfältigste gegen Eindringlinge schützen, da sie glauben, daß die Pflanzen zum Absterben gebracht werden, wenn drei Personen gleichzeitig den Garten betreten, wenn ein Weib zu den Pflanzen tritt oder jemand Salz an eine seiner Pflanzen wirft.