Handbuch der Pharmakognosie

Part 6

Chapter 62,517 wordsPublic domain

Die _Vanille_ wurde besonders auf ~Morrens~ Betreiben 1841 nach Java überführt. Schon 1820 war sie durch ~Perrottet~ nach Réunion gebracht worden. 1839 wurde dort mit der künstlichen Befruchtung begonnen. Die erste _Vanille_ von Réunion erschien 1862 im Großhandel. «Vanilleries» finden sich aber dort schon seit 1841. _Vanilla_ gelangte im ersten Drittel des XVIII. Jahrh. nach England und wurde zuerst in den Warmhäusern von ~Ph. Miller~ kultiviert, zur Blüte gelangte sie 1800 in den Gärten ~Grevilles~ in Paddington. Von hier kam sie (1812) nach Amsterdam, Paris, Brüssel, Löwen, Gent, Lüttich und (1819) nach Buitenzorg. Es waren von ~Greville~ erhaltene Pflanzen, an denen ~Morren~ sein berühmtes Befruchtungsexperiment (1836) in Lüttich vornahm.

Jetzt gibt es keine wertvolle amerikanische Heil- und Nutzpflanze, die nicht z. B. im Kultur-Tuin des botanischen Gartens in Buitenzorg kultiviert würde, _Coca_ und _Myroxylon_, _Hevea_ und _Manihot_, _Cacao_, _Bixa Orellana_, _Ipecacuanha_ und viele andere werden dort gezogen und auch für die in Indien heimischen Pflanzen ist der Garten eine Pflegstätte geworden. Daß wir der allmählichen Ausrottung der wilden Guttaperchabäume ohne große Besorgnis entgegensehen können, verdanken wir besonders den daselbst und in Tjipetir schon vor vielen Jahren in weitsichtiger Weise angelegten _Palaquium_- und _Payena_-Kulturen.

Aber nicht nur die Verbreitung der amerikanischen Heilpflanzen über andere tropische Gebiete, zunächst Asiens, dann Afrikas ist versucht und erfolgreich durchgeführt worden, auch unter sich tauschten die Länder Asiens ihre Produkte aus. So gelangte der Teestrauch von Assam nach China und in neuerer Zeit auch nach Vorderindien und Java. Die Verbreitung der _Gewürznelken_ und der _Muskatnuß_ füllt ein ganzes Kapitel, das in seinem ersten Teile, wo von der Verhinderung der Verbreitung seitens der holländisch-ostindischen Kompagnie die Rede ist, nicht in die Ehrentafeln der Kulturgeschichte der Menschheit gehört. Das _Muskat_monopol der genannten Kompagnie, das durch die berüchtigten Hongitogten geschützt wurde, bestand von 1621–1796. Aber schon 1750 (bezw. 1754) brachte trotz aller Wachsamkeit der Holländer der französische Gouverneur von Isle de France und Bourbon, ~Poivre~, die ersten _Muskatnüsse_ und _Nelken_ nach Isle de France. Eine zweite Expedition brachte 1769 450 _Muskat_- und 70 _Nelken_pflänzchen, 10000 _Muskat_nüsse und eine Kiste _Nelken_samen dorthin und die Kultur hatte Erfolg. Nach Penang wurde die _Muskatnuß_ durch ~Chr. Smith~ (c. 1797) überführt, nach Sumatra brachte sie ~Hugh Moore~ 1798. Die ersten Nelken gelangten schon 1793 nach Cayenne und bald darauf (1800) von Mauritius nach Sansibar. Zur Zeit, da England die Gewürzinseln besetzt hielt (1796–1802), brachte ~Roxburgh~ den _Muskatbaum_ nach Bengkulen und Penang.

Die +heutigen+ _Ceylonzimt_-Plantagen (Cinnamom gardens) wurden 1770 von ~de Koke~ gegründet und von dem Gouverneur ~J. W. Falck~ 1785 konsolidiert. Die Kultur des Zimtes in Ceylon reicht übrigens bis in das XIV. Jahrh. zurück; sie nahm zuerst unter den Portugiesen (1505–1656), dann unter den Holländern (1656–1797), die beide die Insel besaßen, einen großen Aufschwung. Die englisch-ostindische Kompagnie monopolisierte dann den _Zimt_ (bis 1833).

Mitte der siebziger Jahre des XIX. Jahrh. wurde die wichtigste _Kautschuk_pflanze, die im Amazonasgebiet heimische _Hevea brasiliensis_, nach Indien, speziell Ceylon, gebracht. Die Anpflanzung von _Kautschuk_pflanzen in Ceylon hat in kurzer Zeit enorm zugenommen. Während 1890 nur 300, 1900 1750 acres damit bepflanzt waren, waren 1905 schon 40000, 1907 bereits 120000 acres (1 acre = 4000 qm) mit _Hevea brasiliensis_ bepflanzt (Fig. 14). Auf der malayischen Halbinsel gab es 1906 schon 6 Millionen _Hevea_bäume.

Ein solches rasches Ansteigen nennt man in Englisch-Indien einen «+rush+». Es gab seinerzeit auch einen «rush into coffee» und einen «rush into tea». Solche rushes sind in Niederländisch-Indien unbekannt. Der bedächtige Holländer meidet solche Sprünge.

Die _Teepflanze_ kam 1826 durch ~Siebold~ nach Java. Schon 1827 besaß Buitenzorg eine Pflanzung von 800 Bäumchen und 1839 waren schon 8 Millionen Teesträucher auf Java. Die ersten Versuche, _Tee_ in Vorderindien zu pflanzen, wurden schon Ende des XVIII. Jahrh. von ~Kyd~ in Kalkutta gemacht, im größeren Stil aber erst 1834 bezw. 1839. 1852 brachte ~Fortune~ 20000 lebende Teepflanzen aus China in die Himalayagegenden. 1842 kam die Teepflanze nach Ceylon. Lebende Teepflanzen erhielt ~Linné~ 1763 für den Garten in Upsala.

Die _Kaffeepflanze_ gelangte im VI. Jahrh. nach Arabien, im IX. Jahrh. nach Persien, 1696 nach Java, aber erst im Anfang des XVIII. Jahrh. nach Amerika. _Theobroma Cacao_ kam schon in der Mitte des XVI. Jahrh. nach Celebes, aber erst im XVIII. Jahrh. von dort nach Java. Die Holländer brachten dann die Pflanze auch nach Ceylon. _Nicotiana Tabacum_ gelangte 1558 nach Frankreich und Italien, 1605 nach Japan. Der _Ölbaum_ kam um 1560 nach Peru, wenig später nach Chile und Kalifornien, auch die _Tamarinde_ wurde um diese Zeit nach Amerika gebracht; der _Ingwer_ gelangte zu Beginn des XVI. Jahrh. oder schon Ende des XV. Jahrh. durch die Spanier (~Francisco Mendoca~) nach Westindien. Die _Tapiokapflanze_ (_Manihot utilissima_) wurde von den Portugiesen aus Brasilien nach Indien gebracht. 1786 kam sie von Mauritius nach Ceylon, 1794 aus Südamerika nach Kalkutta und Serampur. _Aloe vera_ (_A. vulg._) ist im XVI. Jahrh. nach den Antillen (Barbados) gekommen. 1650 war sie in Barbados schon ganz heimisch.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß auch vielfach, und zwar natürlich erfolgreich, der Versuch gemacht worden ist, =tropische Heil- und Nutzpflanzen in ihrer Heimat selbst zu kultivieren=. Dies geschieht z. B. mit der _Cinchona Calisaya_ in Bolivien, mit _Castilloa_ in Nicaragua und Mexico, mit _Vanille_ in Mexico, mit _Ipecacuanha_ in Brasilien, mit den _Balsambäumen_ in San Salvador, mit _Mate_ in Südamerika (s. oben).

Von Kulturen europäischer Heilpflanzen seien nur einige erwähnt. (Im übrigen verweise ich auf die Tabellen weiter hinten.)

Die Kultur der _Lactuca virosa_ zur _Lactucarium_gewinnung im Moselgebiet wurde besonders durch den Apotheker ~Alois Goeris~ in Zell an der Mosel 1847 in Gang gebracht.

_Mohn_kulturen zwecks _Opium_gewinnung fanden sich 1828–1830 bei Erfurt, 1860 bei Bern, 1870 in Süddeutschland und Schlesien; noch in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrh. bei Clermont Ferrand (Frankreich). _Mohn_, zum Teil zur _Opium_gewinnung, wird übrigens auch seit 1788 in den Vereinigten Staaten östlich vom Mississippi gebaut.

Im allgemeinen besteht ein =Vorurteil gegen kultivierte Arzneipflanzen=. Dasselbe gründet sich darauf, daß in einer Anzahl von Fällen kultivierte _Digitalis purpurea_, _Aconitum Napellus_, _Artemisia Absinthium_, _Atropa Belladonna_, _Hyoscyamus niger_ und _Datura Stramonium_ bisweilen eine geringe Verminderung ihres Alkaloid- bezw. Glukosidgehaltes gegenüber den wildwachsenden Pflanzen zeigten. (Trotzdem verlangt übrigens Pharm. nederl. ausdrücklich kultivierte _Atropa_, _Digitalis_, _Conium_, _Hyoscyamus_.)

Das kommt nun aber nicht daher, daß die Kultur überhaupt den Alkaloidgehalt vermindert. Die _Cinchonen_ sind ja ein flagrantes Beispiel dafür, daß man durch Kultur sogar den Alkaloidgehalt erhöhen kann -- sondern daher, daß die obengenannten Arzneipflanzen in +ungeeigneter+ Weise kultiviert wurden. Wenn man eine Schattenpflanze in der Sonne, eine Sonnenpflanze im Schatten, eine an Sandboden akkomodierte Pflanze in fetten Böden mit starker Düngung, eine an nährstoffreiche Böden angepaßte in armen Böden kultiviert, so wird die natürliche Folge die sein, daß sich ihre Bestandteile ändern. Es kommt also nur darauf an, die Arzneipflanzen in geeigneten Böden und unter dem natürlichen Standorte nahekommenden Beschattungsverhältnissen anzubauen und man wird nicht nur gleichwertige, sondern unter Umständen sogar höherwertige Produkte erzielen. Nicht die Kultur an sich beeinflußt also den Gehalt der Arzneipflanzen an wirksamen Bestandteilen ungünstig, sondern die +ungeeignete+ Kultur. Alle Erfahrungen sprechen dafür, daß dies richtig ist. Die _Cinchonen_ sind schon oben erwähnt. Auch alle unsere Nutzpflanzen, die _Obstsorten_, der _Wein_, das _Getreide_, die _Feige_ sind gegenüber den wilden Mutterpflanzen wertvoller geworden und haben erst durch die Kultur ihre Bedeutung für uns erlangt. Die _Dattelpalme_ ist zum Fruchtbaum erst durch die Veredelung geworden, die ihr in ihrer Heimat, den Ebenen des Euphrat und Tigris zuteil geworden ist; von hier aus hat sich der Baum dann nach Palästina, Phönizien und Afrika, besonders Ägypten und Kyrene weiter verbreitet. Fortdauernd vollziehen noch heute die Gärtner die «Veredelung» durch Auslese und geeignete Kultur. Warum in aller Welt sollen allein die Arzneipflanzen von dem Gesetze, daß Kultur veredeln kann, eine Ausnahme bilden? Es kommt also nur darauf an, die Verhältnisse bei jeder Pflanze genau zu studieren und die Kulturen richtig zu leiten. Das kann aber nur geschehen, wenn wir, von physiologischen Gesichtspunkten ausgehend und mit physiologischen Methoden arbeitend, nicht nur die Ernährungsbedingungen der Arzneipflanzen, die zu einem kräftigen Wachstum führen, sondern auch den Stoffwechsel innerhalb der Pflanze und die Bedingungen, unter denen Alkaloide, Glukoside und andere für die Arzneiwirkung wertvolle Substanzen in vermehrter Menge entstehen, kennen lernen. Gerade in diesen physiologischen Studien liegt eine der Hauptaufgaben der künftigen Arzneipflanzenkunde (vgl. S. 7). Einige Anfänge sind schon gemacht (vgl. meinen Artikel «Arzneipflanzen» in der Realenzyklopädie der gesamten Pharmazie und das Kapitel Pharmakophysiologie).

Wenn wir die Bedeutung der einzelnen Stoffe für die Pflanze selbst erkannt haben, so werden wir auch Mittel und Wege finden, hier hemmend, dort fördernd einzutreten und durch geeignete Kultur die Stoffe, auf die wir namentlich Wert legen, in größerer Menge zu erzielen. Auf rein empirischem Wege ist man hier schon zu einigen Resultaten gelangt. Man hat durch Schälen bei den _Cinchonen_ eine alkaloidreichere Rinde (renewed bark), bei der _Korkeiche_ einen besseren _Kork_ erzielt. Auch das Studium der einzelnen Bestandteile zueinander führte schon zu einigen Resultaten. Wir wissen beispielsweise, daß zwischen dem Stärkegehalte und dem Gehalte an mydriatischen Alkaloiden bei der _Belladonnawurzel_, zwischen dem Gehalte an Stärke und dem an Harz bei dem _Galgantrhizom_ Beziehungen bestehen.

Wir wissen, daß der Boden von großem Einfluß für die Bildung gewisser Stoffe ist, daß z. B. trockener Boden die Bildung ätherischer Öle und Schleimstoffe begünstigt. Auf trockenem Boden erzogene _Althaea_ ist schleimreicher als auf feuchtem gewachsene, auf trockenem Boden gebauter _Baldrian_ ist ölreicher und kein Boden erzeugt so aromatischen _Ceylonzimt_ wie der trockene weiße Quarzsand der Cinnamon Gardens an der Küste Ceylons. «Bei _Taraxacum_ zeigt die Wurzel in chemischer Hinsicht große Unterschiede, je nach ihrem Standorte und der Jahreszeit» (+Grundlagen+).

Das sind Verhältnisse, die in das Kapitel Pharmakophysiologie gehören und die von physiologischen Gesichtspunkten betrachtet werden müssen.

Der Fall, daß Arzneipflanzen in der Kultur -- aber einer Kultur jedenfalls am unrechten Orte -- degenerieren, kommt allerdings vor. Die Rhizome der in Europa kultivierten _Rheum officinale_ und _palmatum_ z. B. gleichen nicht mehr dem echten _Rhabarber_ und sind chemisch minderwertig geworden. Daß aber ein _Rhabarber_, der bei uns in der Ebene gebaut wird, degeneriert, ist leicht begreiflich, da er in den Gebirgen von Szetchuan am besten zwischen 8000 und 12000´ gedeiht und bis auf 14000´ steigt.

Der günstige Einfluß einer richtigen und der ungünstige einer falschen Kultur wird vortrefflich durch das Beispiel der _Chinarinden_ illustriert. Während die von wildwachsenden Pflanzen gesammelten _Chinarinden_ Südamerikas c. 2% Alkaloid enthalten, bringen es die einer geregelten Kultur entstammenden Rinden Javas auf 10–16% Alkaloid; die in europäischen Gewächshäusern -- also unter ungünstigen Bedingungen erzeugten -- Rinden enthalten dagegen gar kein Chinin (~A. Vogel~, 1886).

Daß Klima und Standort von Einfluß sind, zeigt auch die Beobachtung ~Rochleders~, daß der in Schottland wachsende _Schierling_ nicht giftig ist (war der untersuchte aber auch wirklich echter _Schierling_ oder nicht vielmehr eine physiologische Varietät?) -- zeigten die ersten verunglückten Kulturversuche der _Cinchonen_ in Java. Jetzt wissen wir, daß man _Cocos_ und _Cacao_ nicht in den Bergen, _Tee_, _Kaffee_ und _Cinchonen_ nicht im tropischen Tiefland kultivieren darf. Bevor man heutzutage eine Kultur in Angriff nimmt, werden nicht nur die klimatischen Bedingungen (Meereshöhe, Regenmenge, mittlere Jahrestemperatur) der alten Heimat der Arzneipflanze, sondern auch die der neuen aufs sorgfältigste studiert. Bisweilen ist der Erfolg, d. h. die Erzielung vollwertiger Droge, von scheinbar ganz nebensächlichen Dingen bedingt, wie Anpflanzung an Südhängen, Schutz gegen Wind u. a. m.

Daß vernünftige Kultur den Gehalt der Indigopflanze an Indican bedeutend zu steigern vermag, zeigten neuere Versuche in Indien und die in Shenandoah Valley (Virginia) unter vernünftigen Bedingungen kultivierte _Belladonna_ lieferte Blätter mit 0,32–0,68% Alkaloid (~Reppetoe~), also vollwertige Droge.

Auch für das «Harzen» der Coniferen gilt das gleiche: Nur unvernünftiges und irrationelles Harzen schädigt den Baum.

Natürlich sind +die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Bodens+, Drainage oder Wasserzufuhr von größter Wichtigkeit für das Gelingen der Kultur der Arzneipflanzen. Für jede Pflanze müssen die Bedingungen ihrer Kultur besonders ermittelt werden. Hier können die Großkulturen in den Tropen als mustergültige Vorbilder betrachtet werden, bei denen diese Bedingungen oft bis ins kleinste ermittelt wurden.

Der erste, der den Einfluß verschiedener Bodenarten auf die Entwicklung der Arzneipflanzen studierte, war der erste Direktor des botanischen Gartens in Montpellier, ~P. R. de Belleval~ (1593).

~Gordon~ machte Kulturversuche mit _Belladonna_, _Hyoscyamus_ und _Carthamus_ auf verschiedenen Böden (Am. Journ. pharm. 1900). Den Einfluß der Kalidüngung studierten ~Felber~ und ~Walta~ (Die Kalidüngung in den Tropen und Subtropen, Halle 1907); die Elektrokultur ~Lemström~ (Elektrokultur, Erhöhung der Ernteerträge aller Kulturpflanzen durch elektrische Behandlung, übers. v. ~O. Pringsheim~, Berlin 1902).

Neuerdings (1905) wurde von ~A. Poehl~ mitgeteilt, daß ein Radiumgehalt des Bodens die Arzneipflanzenkultur günstig beeinflußt (?).

Besonders wichtig ist für die Kultivateure die ertragreichste und das beste Produkt liefernde Art zu finden. So hat man _Coffea arabica_ vielfach durch die fruchtreiche, großfrüchtige und kräftigere _Coffea liberica_, die kleinblätterige _Thea sinensis_ durch die großblätterige _Thea assamica_ ersetzt und statt _Theobroma Cacao_ wird jetzt vielfach (z. B. in Ecuador) _Theobroma bicolor_, die fettreichere Samen liefert, kultiviert. (Über physiologische Varietäten vgl. das Kapitel Pharmakophysiologie.)

Daß die Besitzer einträglicher Kulturen den Wunsch hegen, sich ein Monopol für dieselben zu sichern, ist natürlich. Heutzutage ist dies aber kaum mehr möglich, da Samen aller Gewächse jetzt erhältlich sind. Früher ist der Versuch aber öfter gemacht worden und die 1602 gestiftete holländisch-ostindische Kompagnie hat bekanntlich durch künstliche Einschränkung der Muskatnuß- und Nelkenkultur auf wenige Inseln, Einführung einer +Zwangskultur+ und strenge Überwachung der Kulturen durch die Hongitogten (Hongifahrten) viele Jahre sich das Monopol gesichert. Das Monopol erlosch ganz erst 1873.

Die _Nelke_ wurde auf Amboina beschränkt und auf Ternate, Loho und Cambello ausgerottet, die _Muskatnuß_ wurde auf Banda und Amboina beschränkt und auf Kelang und Nila (südlich von Ceram) ausgerottet.

Die holländisch-ostindische Kompagnie handhabte auch das Zimtmonopol mit großer Strenge und eine künstliche Einschränkung der Kulturen ordnete auch zur Zeit der Herrschaft der englisch-ostindischen Kompagnie der englische Gouverneur ~North~ 1802 bei den Cinnamon Gardens auf Ceylon an.

Die in Rußland noch heute bisweilen an einzelne Unternehmer erteilten Handelskonzessionen für gewisse Drogen machen die Konzessionäre zu Monopolisten. So besitzt z. B. eine Kapitalistengruppe das alleinige Ausbeutungsrecht für _Flor. Cinae_ in Turkestan.

Die Phönizier hatten lange Zeit den Handel mit Farbdrogen (_Purpur_, _Safran_, _Granatblüten_) monopolisiert und ebenso Kreta zur Zeit der Römer die Kultur und den Handel mit Arzneikräutern.

Die Kulturen der _Mastix-Pistacie_, die schon im Altertum bestanden und vom XIII.–XVII. Jahrh. von genuesischen Kaufleuten ausgebeutet wurden, waren später türkisches Staatsmonopol.

Die _Krapp_kulturen bei Braunschweig und Speyer waren im XIV. Jahrh. durch strenge Gesetze eingeschränkt, um sie ertragreich zu erhalten.

In Java bestand ehedem (seit 1850) =Zwangskultur= für _Kaffee_, _Zucker_, _Indigo_, _Pfeffer_, _Tee_, _Tabak_, _Zimt_ und _Cochenille_. Dieselbe war aber für die meisten schon 1865 eingegangen, für _Zucker_ erlosch sie 1890 (~Greshoff~).

Ich habe auf Grund der Erfahrungen, die ich 1888–1891 sowohl in Indien wie bei Reisen in die Gebiete der Arzneipflanzenkultur in Europa sammelte, vier =Typen von Arzneipflanzenkulturen= aufgestellt:

1. +die Plantagen- oder Feldkultur+, Kultur im Großen,

2. +die Kampong- oder Gartenkultur+, Kultur im Kleinen,

3. +die Alleekultur+,

4. +die Mischkultur.+

1. Die +Plantagen+- oder +Feldkultur+ ist die Kultur im Großen. Bei ihr werden größere Areale mit der betreffenden Pflanze bestellt. In Plantagenkultur befinden sich auf +Java+ und +Ceylon+ z. B.: _China_ (Fig. 12, 13, 18, 21), _Kaffee_ (Taf. I), _Cacao_, _Tee_ (Taf. II), _Banane_ (_Pisang_, Fig. 25), _Reis_ (Fig. 24) und die _Kautschuk_- und _Guttapercha_-Pflanzen (Fig. 14), auf Sumatra: _Tabak_ (Fig. 22), auf Ceylon: der _Ceylonzimt_ (Fig. 30), bei Mitcham: die _Pfefferminze_, in Deutschland, bei Cölleda z. B.: _Angelica_, _Mentha_, _Alant_, in Miltitz bei Leipzig: _Rosa_ (s. Taf. III), bei Nürnberg und Schweinfurt: _Althaea_ und andere _Malvaceen_, in Rußland: _Anis_, in Holland: _Kümmel_, in England: _Rhabarber_, in Grasse (Fig. 11): die Pflanzen mit ätherischem Öl, in Frankreich: die _Seestrandfichte_ (zur Terpentingewinnung), in Österreich: _Pinus Laricio_ (Fig. 15), in der Schweiz: _Absinth_.

In großem Stil werden in Frankreich die «_Absinthkräuter_», d. h. die Kräuter gebaut, die zur Herstellung des Absinthlikörs gebraucht werden. Es sind dies in erster Linie der große _Absinth_ (_Artemisia Absynth._), dann die aromagebenden Beisätze: der kleine Absinth (_A. pontica_), der _Ysop_ (_Hyssopus offic._) und die _Melisse_. Die _Absinth_kulturen der Schweiz gehen ihrem Ende entgegen, da der Absinthlikör jetzt verboten wird.

Lichte Haine bildet die _Mannaesche_ in Sizilien (Fig. 17) und die _Cocospalme_ in Südasien (Fig. 19), Wälder die _Cinchonen_ (Fig. 18), große Waldbestände die _Seestrandfichte_ in dem Departement des Landes in Frankreich.