Handbuch der Pharmakognosie

Part 15

Chapter 152,794 wordsPublic domain

Auch das +Circa instans+ des ~Platearius~ gibt bisweilen Sammel- und Trockenvorschriften, vom _Absinth_ sagt es z. B.: «in fine veris colligitur, in umbra exsiccatur, per annum servatur», bei _Esula_: «in vere colligitur per biennium in magna efficacia servatur».

Wo es sich um kleine Mengen handelt, ist auch heute noch der an beiden Enden mit Luftzuführung versehene schattige Trockenboden im Estrich der Apotheke ein idealer Trockenraum. Wenn die Arzneipflanzen in dünner Schicht ausgebreitet und täglich gewendet werden und dauernd Zugluft darüber streicht, trocknen die Pflanzen unter dem warmen Dache bei schneller Abführung des Wasserdampfes rasch, ohne sich stark zu verfärben und ohne viel von ihren flüchtigen Bestandteilen zu verlieren. Schwieriger wird die Sache bei größeren Mengen. Hier greift man oft zu dem Aushilfsmittel, die Pflanzen oder Pflanzenteile zu bündeln und in Reihen an einem schattigen Orte aufzuhängen. So sieht man es in Cölleda mit _Angelica_ und _Alant_. Dann auch beim _Tabak_ (Fig. 103). Der _Kaffee_ wird entweder auf Tennen (in Ceylon: barbacues, Taf. XII) oder in eigenartigen Hürden (Fig. 101 u. 102) getrocknet, der _Cacao_ in Südamerika auf Tennen (Fig. 104). In Indien bedient man sich zur Trocknung oft der aus Rotang geflochtenen runden Bambuteller (Tampirs, Fig. 78). Die _Chinarinde_ wird in Java auf Hürden ausgebreitet, die, auf Rollen laufend, während der sonnigen Tagesstunden ins Freie geschoben und bei Eintritt der Nacht oder vor Regenwetter wieder unter das schützende Dach zurückgerollt werden (Fig. 105–107). Ähnliche herausschiebbare Tennen benutzt man in Surinam zum Trocknen des _Cacao_ (Fig. 104). Die _Kulturchina_ Boliviens wird auf Gerüsten getrocknet.

Der _Rhabarber_ wird in China auf Schnüre gezogen und aufgehängt, und ebenso verfährt man mit den _Salepknollen_ in Kaltennordheim, der _Angelica_ in Cölleda und dem _Paprika_ in Ungarn (Fig. 109). Der _Rhabarber_ wird in Szetchuan entweder in der Sonne (sun dried) oder auf erhitzten Steinen oder über Buschfeuer getrocknet (hight dried).

In Scheiben geschnitten wird _Rad. colombo_, _Rad. bryoniae_, _Tub. colchici_, längs halbiert (oder gevierteilt) _Rhiz. enulae_, _Rad. cichorii_, _Rhiz. calami_, wohl auch _Levisticum_, _Valeriana_ und _Angelica_. Die Chinesen haben besondere Handschneidemaschinen, mit denen sie die Drogen, besonders die Wurzeln, in sehr feine Querscheiben zerschneiden. Ich sah in den chinesischen Apotheken fast alle Drogen, die diese Behandlung erlauben, in dieser Form. Beim _Iris_rhizom wird behufs Herstellung der Sorte «pro infantibus» das Rhizom künstlich gestreckt und gepreßt.

Man hat aber auch vielfach zu =künstlichen Trockenapparaten= gegriffen. Solche liefert die Maschinenindustrie in vielen Formen (z. B. die ~Mayfarth~sche Darre). Aber nicht alle sind richtig konstruiert. Die Teetrockner, wie sie in Ceylon und Java benutzt werden, überhitzen meines Erachtens die Droge und auch anderwärts wird die Temperatur nicht niedrig genug gehalten, um Zersetzungen zu verhindern. _Nelken_ können z. B. nicht in Trockenöfen getrocknet werden, wie Versuche (1898) in Sansibar lehrten, da nur in der Sonne getrocknete biegsam bleiben. Hauptsache ist, daß Vorrichtungen bestehen, den gebildeten Wasserdampf rasch abzuführen. Künstliche Wärme und eigenartige Trockenapparate werden in Süd- und Mittelamerika auch beim _Kaffee_ und _Cacao_ angewendet.

Ich halte eine Temperatur von 35–50° als günstigste Trockentemperatur für die meisten Arzneidrogen. ~Agnelli~ fand 35° gut für _Mentha_, _Melisse_, _Ruta_, 45–50° für _Carduus benedict_. Übereinanderschichten nicht ganz trockener Drogen ist immer schädlich.

~Mausier~ empfiehlt (Pharm. Post. 1901) früh und abends bei möglichst niedriger Temperatur (12–15°) zu pflücken und unter Überleiten von trockener Luft bei 15° (nicht höher) zu trocknen. Das ist ein Vorschlag, der ganz gut gemeint, aber nicht durchführbar ist, besonders nicht dort, wo +große+ Mengen +rasch+ getrocknet werden müssen.

Die +Farben der Blüten+ werden durch sehr rasches Entfernen des Wasserdampfes -- rasches Trocknen bei starker Ausbreitung -- am besten konserviert und lassen sich durch Trockenhalten der nicht zu dicht übereinandergeschichteten Blüten, z. B. über Kalk, lange unverändert erhalten. Denn die Bestandteile des Zellsaftes -- und ganz besonders ihre Lösung -- sind es, die verändernd auf die Farbstoffe einwirken.

Die +grüne Farbe der Blätter+ wird ebenfalls am besten durch rasches Trocknen der gut ausgebreiteten Blätter unverändert erhalten. Doch ist die Erhaltung einer rein grünen Farbe ganz abhängig von der Acidität des Zellsaftes und dieser wieder von dem Standorte der Pflanze. Wie ich gezeigt habe (Einige praktische Ergebnisse meiner Untersuchung. über das Chlorophyll, Arch. Pharm. 1884), besitzen Wasserpflanzen und Pflanzen feuchter Standorte einen neutralen oder nur sehr schwach sauren Zellsaft. Da nun die Verfärbung des Chlorophylls, d. h. die Umbildung des rein grünen Chlorophylls in die braungrüne Phyllocyaninsäure, durch Säuren, auch die schwächsten, bewirkt wird, also um so rascher vor sich gehen muß, je saurer der Zellsaft ist (~Tschirch~, Untersuchung. über das Chlorophyll, Berlin 1884), so werden sich die Blätter von Pflanzen feuchter Standorte (z. B. _Menyanthes_) beim Trocknen weniger verfärben als solche trockener Standorte, und von diesen wieder die mit stark saurem Zellsaft (z. B. _Rumex_) stärker als die mit schwächer saurem (z. B. _Digitalis_). Der saure Zellsaft wirkt in der lebenden Zelle auf die in Plasma eingebetteten und selbst mit einer Plasmahaut umgebenen Chlorophyllkörner nicht ein -- das lebende Plasma reagiert alkalisch --; erst nach dem Absterben der Zelle wird die Plasmahaut permeabel. Also kann eine Veränderung erst beim Trocknen der abgelösten, abgestorbenen Blätter eintreten. Andererseits wirken die Pflanzensäuren des Zellsaftes nur in gelöstem Zustande auf das Chlorophyll. Daraus ergibt sich, daß es notwendig ist, so rasch wie möglich das Lösungsmittel zur Verdunstung zu bringen, d. h. +rasch zu trocknen+, wenn man die Blätter grün erhalten will.

Nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Drogen wird +in frischem Zustande+ verwendet. Die meisten dieser frischen Drogen werden aber auch nicht als solche gebraucht, sondern zur Bereitung der Succi recentes und anderer pharmazeutischer Präparate (Extrakte, Sirupe, Tinkturen usw.) benutzt, wie z. B. _Herb. cochleariae officinalis_, _Herb. Nasturtii officinal._, _Rad. armoraciae_, die für _Sirup. cochleariae cps._ gebraucht werden, und auch _Rhizoma Filicis_, das nur im frischen Zustande verarbeitet ein ganz wirksames Extrakt liefert. Von den Drogen wird eigentlich nur noch die _Scilla_ in den Apotheken frisch vorrätig gehalten. Einige Drogen sind in frischem Zustande sehr viel wirksamer als im trockenen, z. B. _Cort. rad. Granati_, _Rhiz. Filicis_.

Die getrocknete Pulpa der Früchte von _Aegle Marmelos_ ist wirkungslos. Die Pulpa der frischen Frucht ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen Dysenterie. Ein singhalesischer Arzt hat mich durch dies Mittel, als ich im Hochlande von Ceylon an einer schweren Dysenterie erkrankt war, vom Tode errettet.

Die meisten Drogen werden getrocknet, ja das «Getrocknetsein» ist eigentlich unzertrennlich vom Begriff «Droge» (S. 15).

Die +Ausbeuten beim Trocknen+ sind verschieden. Ich teile im folgenden eine Liste mit, aus der ersichtlich ist, wieviel Trockensubstanz einige Arzneipflanzen liefern, wenn sie nach dem Trocknen an der Luft (oder im Trockenschrank) lufttrocken gewogen werden.

Tabelle

über die ungefähre Ausbeute von 100 Gewichtsteilen einiger frisch gesammelter, meist einheimischer Drogen an Trockensubstanz.

Boletus cervin. 25 Bulbus Scillae 18 Cort. Mezerei 50 -- Quercus 40 Flos Acaciae 25 -- Arnicae 20 -- Carthami 20 -- Chamomillae roman. 25 -- -- vulg. 26 -- Lamii alb. 20 -- Lavandulae 39 -- Malvae arbor. 20 -- -- vulg. 20 -- Roeados 18 -- Rosae 24 -- Sambuci 25 -- Tiliae 31 -- Verbasci 19 Fol. Althaeae 15 -- Belladonnae 18 -- Digitalis 20 -- Farfarae 19 -- Juglandis 30 -- Malvae 20 -- Melissae 22 -- Menth. pip. und crisp. 20 -- Nicotianae 20 -- Salviae 22 -- Stramonii 45 -- Trifolii 22 -- Uvae ursi 20 Fruct. Myrtilli 16 Gemma Populi 36 Herb. Absinth. 25 -- Card. bened. 25 -- Centauri 26 -- Cochlear. 8 -- Conii 25 -- Hyoscyami 20 -- Meliloti 28 -- Serpylli 36 -- Thymi 33 -- Violae tricolor 24 Rad. Althaeae 25 -- Angelicae 20 -- Belladonnae 38 -- Helenii 25 -- Levistici 38 -- Liquiritiae 33 -- Ononidis 36 -- Saponariae 32 -- Taraxaci 22 Rhiz. Calami 25 -- Filicis 32 -- Graminis 40 -- Imperatoriae 22 -- Tormentillae 42 -- Valerianae 24 Stipit. Dulcamarae 33 Tubera Colchici 34

+Schon das Trocknen verändert aber das Objekt.+ Schon bei dieser Operation gehen, selbst wenn sie noch so vorsichtig vorgenommen wird, an den Bestandteilen Umsetzungen vor sich (vgl. z. B. ~Schoonbrodt~, Jahresber. d. Pharm. 1869, S. 20). Wir können dies bei einigen Drogen direkt durch den Geruch feststellen. Frisches _Irisrhizom_ riecht krautig, der Veilchengeruch tritt erst beim Trocknen hervor. Frische _Aconitknollen_ riechen nach Rettig, frische _Digitalis_- und _Hyoscyamus_blätter widerlich. Der Wanzengeruch frischen _Corianders_ weicht einem angenehmen Geruche beim Trocknen, frische _Menthablätter_, frische _Rosenblätter_, frische _Vanillefrüchte_, frische _Orchisknollen_, frisches _Veratrumrhizom_ riechen anders als trockene. Dasselbe finden wir bei _Rhiz. arnicae_ und _Rhiz. valerianae_. Viele werden durch Trocknen geruchlos.

Nur aus frischer _Enzianwurzel_ kann man _Enzian_schnaps bereiten, nicht aus trockener. Daß die frischen Arzneipflanzen oft Substanzen enthalten, die beim Trocknen ganz oder fast ganz verloren gehen, zeigte auch neuerdings die Untersuchung frischer _Baldrianrhizome_ durch ~Pouchet et Chevalier~ (Bull. sc. pharmacol. 1907), die in der frischen Pflanze ein Alkaloid und ein Glykosid fanden, die beide nicht oder nur in Spuren in den Drogenauszügen nachzuweisen waren.

Viele pharmazeutische Präparate (_Spir. cochlear_, _Sir. cochlear cps._, _Sir. mori_, _Sir. rhamn. cathart._, Ph. helv. IV) werden nur aus der =frischen Pflanze= dargestellt (s. oben). Aus trockener bereitet, sind sie wirkungslos. Andererseits wissen die Destillateure, daß man bei einigen Kräutern (_Mentha_) bessere Ausbeuten erhält, wenn man das getrocknete Kraut benutzt, bei anderen (_Rosa_) aber frische Pflanzenteile destillieren muß.

Bei einigen Drogen zeigt schon der Farbenwechsel, die =Verfärbung=, daß das Trocknen allein schon verändernd wirkt. Ich habe (s. oben) gezeigt, daß sich alle die grünen Pflanzenteile, die einen sauren Zellsaft besitzen, rasch olivengrün bis braungrün färben. Bei den weißen oder rosafarbenen _Kolanüssen_ tritt beim Trocknen Rotfärbung ein, die helle _Chinarinde_ wird schon nach wenigen Sekunden rot. Bei diesen beiden tritt zweifellos ein Ferment in Aktion und bedingt die Rotfärbung. Durch fermentative Spaltung eines Glukosides wird hier Chinarot, dort Kolarot gebildet. Denn wie mich Versuche gelehrt haben, unterbleibt die Rotbildung, wenn man das Ferment abtötet, bevor die _Kola_ getrocknet oder die _Chinarinde_ abgelöst wird. Etwas ähnliches findet offenbar bei dem _Tormentillrhizom_, der _Weiden_- und _Eichenrinde_, den _Nelken_, der _Ratanhiawurzel_ statt, die alle sich beim Trocknen in Rot verfärben.

Der Standard-Versuch ist von mir 1905 publiziert worden (Schweiz. Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1905, Nr. 10). Ich berichtete daselbst folgendes:

«Bei der _Chinarinde_ hatte ich in Java 1889 beobachtet, daß die Rinde unmittelbar nach dem Ablösen farblos ist, sich aber schon nach fünfzehn Sekunden rötet. Ich habe nun durch Versuche festzustellen gesucht, ob die nach dem Ablösen eintretende Rötung unterbleibt, wenn man vor dem Ablösen der Rinde den Zweig bis zu einer Temperatur erwärmt, bei der Fermente abgetötet werden.

Die Versuche sind nach meinem Plane in der Gouvernements Kina Onderneming in Mitteljava und zwar in der Plantage Tirtasari (Bandoeng) zuerst von Herrn Dr. ~van Leersum~, dann von Herrn ~J. Victor Sibinga~ ausgeführt worden.

I. +Versuchsreihe.+ Die Zweige wurden abgeschnitten und sofort in ein Becherglas mit Wasser von 80° gebracht. Sie blieben darin 1½ Stunden. Wurde nun die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie farblos und blieb farblos auch bei nachherigem Trocknen (selbst in der Sonne). Der Versuch mit halbstündigem oder einstündigem Eintauchen in Wasser von 80° lieferte das gleiche Resultat.

II. +Versuchsreihe.+ Die Zweige wurden abgeschnitten, sofort in einen Dampfsterilisationsapparat gebracht und während 1½ Stunden dem Dampfe von ca. 80° ausgesetzt, ohne mit dem Wasser selbst in Berührung zu kommen. Wurde alsdann die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie farblos und blieb farblos, auch nach nachherigem Trocknen (selbst in der Sonne). Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig ½ oder eine Stunde im Dampf verweilte.

III. +Versuchsreihe.+ Ein dünner Zweig wurde, ohne von der lebenden Pflanze abgetrennt zu werden, in eine Schale mit Wasser von 80° eingebogen und darin ½ Stunde gelassen. Die vom Holzkörper abgelöste Rinde war farblos und blieb farblos, auch nach dem Trocknen. Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig fünfzehn Minuten im Wasser verweilte.

Die gleichzeitig ohne vorherige Behandlung mit Wasser von 80° oder Dampf vom gleichen Zweige abgelöste Kontrollrinde färbte sich stets rot.

IV. +Versuchsreihe.+ Abgeschnittene Zweigstücke wurden im Luft-Trockenschrank bei 80° ½, 1, 1½, 2 und 3 Stunden gehalten. Stets trat nach Ablösen der Rinde Rötung ein. Doch nahm die Rötung parallel der Dauer des Versuches ab. Diese Rötung trat sogar noch ein, wenn der abgeschnittene Zweig im Luft-Trockenschranke ½ Stunde auf 100° erhitzt wurde.

Aus diesen Versuchen geht hervor, daß in der Tat ein Enzym die Rötung der _Chinarinde_ bedingt und zwar ein Enzym, das durch Wasser von einer Temperatur von 80° schon nach einer 15 bis 30 Minuten dauernden Einwirkung zerstört wird, resp. nach dieser Zeit nicht mehr wirksam ist, das aber trockener Wärme länger widersteht.

Wahrscheinlich handelt es sich in der _Chinarinde_ um ein Glukotannoid, das nach dem Ablösen der Rinde durch das Enzym gespalten und dessen einer Spaltling entweder das Chinarot selbst ist, oder der zu Chinarot umgebildet wird.

Jedenfalls sind wir aber schon jetzt berechtigt vorauszusagen, daß es sich bei der Bildung der anderen, ‚Rote‘ ebenso verhalten wird wie bei _Cola_ und _China_.»

Den pflanzlichen Enzymen, die von ~Schönbein~ entdeckt und in neuerer Zeit besonders von ~Bach~, ~Chodat~, ~Schär~ und ~Bourquelot~ zum Teil gerade mit Rücksicht auf Arzneipflanzen studiert wurden, kommt offenbar eine große Bedeutung nicht nur im Leben der pflanzlichen Zelle, bei der Stoffbildung und dem Stoffumsatz, sondern auch bei den postmortalen Veränderungen innerhalb der Arzneidrogen zu. Wir wissen freilich noch wenig über die chemische Natur dieser Substanzen. Wir kennen nur einige ihrer Eigenschaften. Ich habe gezeigt, daß sie alle die Pyrrol- +und+ die Furfurol-Reaktion geben, also wohl Übergangsglieder zwischen den Eiweißsubstanzen und den Hemicellulosen darstellen.

Eine ganze Anzahl von Drogen werden nach dem Einsammeln noch einer besonderen Behandlung unterworfen, die direkt auf eine chemische Veränderung der Drogen hinzielt. Die wichtigste dieser Prozeduren ist das sog. =Fermentieren=. In vielen Fällen handelt es sich hierbei wohl um einen Gärungsprozeß, wie schon die Erwärmung zeigt, die dabei regelmäßig beobachtet wird. Bisweilen lassen sich, wie bei dem _Cacao_, sogar noch die Gärungspilze, die _Saccharomyceten_, in dem anhaftenden Fruchtfleisch der Droge nachweisen, von denen es freilich zweifelhaft ist, ob sie die Erreger oder nur Begleiter der eigentlichen Fermentierung sind (s. unten S. 118). In anderen Fällen scheint aber keine eigentliche Gärung, sondern eine andere Fermentwirkung hierbei in Frage zu kommen. Die durch Übereinanderschichten der Droge erzielte Temperatur steigert dann nur die Wirkung des in den Zellen der Droge selbst enthaltenen Fermentes. So haben wir uns nach meinem Dafürhalten z. B. die Fermentierung des _schwarzen Tees_ in der Weise verlaufend zu denken, daß das Kaffeinglukosid durch das Ferment, welches in den Teeblättern nachgewiesen ist, gespalten und Kaffein und Teerot, dem der _schwarze Tee_ seine Farbe verdankt, gebildet wird. Diese Auffassung erhält dadurch ihre Stütze, daß die Teerotbildung nach Abtöten des Fermentes unmittelbar nach der Pflückung, wie es beim _grünen Tee_ stattfindet, auch bei nachträglichem «Fermentieren» in der Tat unterbleibt. Auch bei der ersten Operation, der die _Yerbablätter_ unterworfen werden, bei der sie über nicht rauchendem Feuer erhitzt werden -- der sog. Sapecaje -- scheint ein Ferment abgetötet zu werden. Denn so behandelte Blätter verfärben sich nachher nicht mehr, während dies unbehandelte tun.

Eine Fermentwirkung scheint auch bei der _Vanille_bereitung vorzuliegen, wenn die Früchte in Tücher geschlagen «gären» gelassen werden. Auch hier wird ein Glukosid gespalten. Beim _Tabak_ dürfen wir etwas ähnliches annehmen. Ja, bei dem ubiquistischen Vorkommen der Fermente darf angenommen werden, daß die Mehrzahl der Pflanzen, wenn man sie übereinandergeschichtet einige Zeit sich selbst überläßt, bei der hierbei eintretenden Erwärmung eine fermentative «Gärung» erleiden wird.

Daß bei der Fermentierung des _Tabaks_ (Fig. 110 und Taf. XI) Mikroorganismen beteiligt sind, hat ~J. Behrens~ wahrscheinlich gemacht. Sollten es nicht, falls Bakterien wirklich beteiligt sind, durch diese erzeugte Fermente sein, wie ich dies auch bei der Gummibildung annehme?

~Waghel~ (Chem. Zeit. 1903) vertritt die Ansicht, daß auch das Teearoma durch eine besondere Hefeart bei der Fermentierung erzeugt werde. Bei der Fermentierung des Ceylon-_Cacao_ ist eine Hefe, die ~Axel Pregner~ (Tropenpfl. 1901) _Saccharomyces Theobromae_ nannte, beteiligt.

Das +Fermentieren+ des _Cacao_ erfolgt, nachdem die Früchte «gebrochen» sind. Das «+Brechen+» geschieht entweder in der Weise, daß man die Früchte auf einen Stein legt und mit einem Knüttel oder flachem Holzstück darauf schlägt oder dadurch, daß man sie durch den Schlag mit einem stumpfen Messer (cutlas, machete, Arit, Gaman) öffnet (Fig. 99 u. 111). Die von den als Düngemittel brauchbaren Fruchtschalen getrennten Samen werden so rasch wie möglich in die Fermentierscheunen (Fig. 112–115) gebracht, denn gebrochener _Cacao_ darf niemals über Nacht draußen bleiben. Hier werden sie in große viereckige, am besten aus Cedernholz (oder Zementsteinen) hergestellte Kästen gebracht, deren etwas geneigter Boden durchlöchert ist und die mit einer Isolierschicht versehen sind. Die Schicht der Samen soll nicht mehr als 80 cm betragen. Sie wird mit Bananenblättern bedeckt und mit Brettern beschwert. Die Gärungszeit ist verschieden bei den Sorten und beträgt 1½–10 Tage. Ein Zeichen, daß sie normal verläuft, ist das regelmäßige Abfließen des dem Fruchtmus (der Pulpa) entstammenden «Cacaoessigs» aus den Löchern am Boden. Alle 24 oder 36 Stunden wird «umgeschaufelt», d. h. der _Cacao_ in einen anderen Fermentierungskasten hinübergebracht (Fig. 114). Die Temperatur darf nie so hoch steigen, daß sie der in der Mitte des Haufens hineingesteckten Hand lästig wird. Man kontrolliert den Fortgang der Fermentierung durch Aufbrechen einiger Bohnen und sieht, ob die Nibs (d. h. die Cotyledonen) schon die richtige Farbe haben. Durch das Fermentieren ändert sich nämlich die Farbe in hellbraun oder violett, gleichzeitig wird die Bitterkeit herabgemindert und die Keimkraft der Samen geht verloren.

Die aus den Fermentierkästen herausgenommenen fertig gegorenen Samen gelangen dann in die Trockenhäuser (Fig. 116), werden hier durch Kneten mit den Füßen, «Tanzen», voneinander isoliert -- sie kleben, da sehr schleimig, leicht zu Ballen aneinander und man wäscht sie daher bisweilen vorher -- und werden dann an der Luft oder mit künstlicher Wärme getrocknet.

Läßt man die gepflückten Früchte auf Haufen liegen, so geraten sie auch in Gärung. +Diese+ Gärung vermeiden aber die Pflanzer. Die Frucht wird möglichst bald verarbeitet.

Das Fermentieren in Fässern, Säcken oder Erdgruben führt zu schlechteren Produkten und kommt immer mehr außer Gebrauch (~L. Kindt~, 1904).