Handbuch der Germanischen Mythologie
Part 67
[446] So J. Grimm, Myth. 3, 81; Bugge, Studien 17 behauptet: St. Michael wird zu Heimdall umgewandelt, ohne den Gedanken weiter auszuführen. Die Deutungen E. H. Meyers, Völuspa 17, 21, 26 treffen schwerlich das Richtige; doch verdient die Vergleichung der Geburt Heimdalls mit der Christi Beachtung. H. Falk, aarböger f. nord. oldkyndighed 2, 6 (1891), S. 270 Anm. glaubt, man habe Heimdall mit einem Widderkopf sich vorgestellt. Deshalb heisse der Widder auch _heimdalli_ und andererseits der Gott nach dem Widder _hallinskiđi_. Des Widders Haupt ist seine Waffe, sein Schwert, daher ist „_hǫfuđ Heimdallar sverđ_“. Der widderköpfige Heimdall ist dem _corniger Ammon_, dem gehörnten Juppiter, nachgeahmt.
[447] Eine idg. Wurzel „_bhal_“ liegt im griech. φαλός und φάλιος, weiss, glänzend, vor und bildete wol auch ein germanisches Adjektiv *_balaȥ_, got. *_bals_, in der schwachen Form _bala_ als Rossname wie griech. φάλιος gebräuchlich. Vgl. den Rossnamen „_belche_“=_bläss._ Im Ags. begegnet _Bældæg_, heller Tag. Ein idg. _bhaltos_ 1) hell, schimmernd, glänzend; 2) schnell, kühn, zeigt sich in lit. _baltas_, weiss, germ. _balþaz_, kühn. Aus _bhal-tṛ́_ wird germ. _balđr_, der Leuchtende, Licht verbreitende. Ob in dem German. _balđr_ die beiden Bedeutungen „hell“ und „schnell“ vorlagen, woraus der kühne Lichtgott und der Fürst (an. _baldr_, ags. _bealdor_) unabhängig erwuchsen, ob der Göttername in der ags. und an. Dichtung zum Hauptwort für König, Fürst herabsank, lässt sich nicht sagen. Vgl. E. Schröder, ZfdA. 35, 237 ff. Die Wurzel zeigt sich germ. in mehreren Ableitungen: 1) _bhal-os_, φαλός, _balaȥ_, got. _bala_, ags. _bæl_, ahd. _bal_, _pal_ in Eigennamen; 2) _bhal-nós_ in Eigennamen wie _Ballo_, _Ballomer_; 3) _bhal-tos_, lit. _baltas_, germ. _balþaȥ_, got. _balþs_, an. _baltr_, ahd. _bald_; 4) _bhal-tṛ́_, germ. _balđr_, an. _baldr_, ags. _bealdor_, ahd. _balder_. Zur Baldrsage kommt vor allem die Schrift von Bugge, Studien über die Entstehung der nordischen Götter- und Heldensagen, München 1889, S. 34/313, auch wenn man ihren Ergebnissen nicht beipflichtet, als die wichtigste und wertvollste sagengeschichtliche Arbeit in Betracht.
[448] P. E. Müller in der Ausgabe des Saxo S. 120 führt an, die dänische Volkssage dieses Jahrh. lasse den Quell dadurch entspringen, dass Balders Pferd mit seinem Hufe scharrte. Vgl. Thiele, danske folkesagn 2, 341.
[449] Grímn. 12.
[450] Gylfag. Kap. 22; nach Bragar. Kap. 2 darf Skadi einen der Götter zum Manne wählen, aber nur die Füsse sehen. Sie nimmt den mit den schönsten Füssen, in der Hoffnung, es sei Baldr. Es ist aber Njord.
[451] Über das Alter von Baldrs Draumar vgl. Finnur Jónsson, Litteraturshistorie 1, 148.
[452] _Hotvetna grét--býsn þótti þat--Baldr ór helju_, Hrafns saga biskups in biskupa sögur 1, 648; _grátaguđ_, „den beweinten Gott“, nannten die Skalden Baldr nach SE. 1, 260; im Lied auf Ivar Viðfaðmi (Fornaldar sögur 1, 373) ist Baldr der, den alle Götter beweinten.
[453] Vafþr. 54; ebenso fragt Odin-Gest König Heidrek in der Hervararsaga (Bugges Ausgabe S. 263).
[454] _Hverr es Halfdán Snjalli međ ásom? hann vas Baldr međ ásom es ǫll regin gréto_; Fornaldar sögur 1, 373; Corpus poetieum 1, 124.
[455] Gylfag. Kap. 49; Bugge, Studien S. 51 Anm. stellt aus Friggs Worten zwei Halbstrophen her:
_Munat vǫ́pn Baldri_ _vex viđar teinungr_ _né viđir granda,_ _fyr vestan hǫll,_ _hefk af ǫllum_ _ungr sá þottumk_ _eiđa þegua._ _eiđs at krefja._
[456] Sakses oldhistorie, norröne sagaer og danske sagn, Köbenhavn 1894, S. 13 ff.
[457] Nanna zu an. _nenna_, got. _nanþjan_, ahd. _ginenden_, wagen; so erklärt J. Grimm, Myth. 202. Vgl. Bugge, Studien 178. Vom selben Stamm sind die deutschen Namen _Nando_, _Nandger_, _Nandƕin_, _Nandung_, _Ferdi-nand_ gebildet. Nanna erwähnt der Skald Kormak, Corpus poet. 2, S. 64. 25 u. 66, 75. Vǫl. 31 heissen die Walküren _Herjans nǫnnor_, wodurch ebenfalls der Name Nanna vorausgesetzt wird.
[458] Christliche Einflüsse im isländischen Baldrmythus erweisen Bugge, Studien S. 34 ff.; E. H. Meyer. Völuspa S. 137 ff.; 157 ff.; 198; 220.
[459] _Mistelteinn_ als Schwertname in SE. 1. 564; Hervararsaga, Bugges Ausgabe S. 206; Hromundarsaga (Fornaldar sögur 2, 371); in Zusammensetzungen bedeutet „_tein_“ häufig Schwert, wie _benteinn_, _bifteinn_, _eggteinn_, _hjǫrteinn_, _hræteinn_, _sárteinn_, _valteinn_.
[460] Beiträge 18, 82 ff.; 19, 495 ff.
[461] Studien 83 ff. Vgl. namentlich S. 153 die Zusammenstellung der beiderseits entsprechenden Züge.
[462] Mythologie 82 ff.
[463] Ortsnamen in den nordischen Ländern und sonstige Spuren, die auf Bekanntschaft mit der Baldrsage hinweisen, verzeichnet Bugge, Studien 287 ff.
[464] Mythologie 581.
[465] Im Formáli Kap. 10SE. 1, 26 _annar son Óđins hét Beldeg, er vér kǫllum Baldr_. Im Kap. 9 wird auch richtig Oðin mit Woden zusammengestellt. Während fast alle Forscher Baldr und Bældæg als gleich betrachten, was namentlich E. Schröders Erklärung ZfdA. 35, 237 ff. erhärtet, leugnet Bugge, Studien 312/3 jeden Zusammenhang.
[466] _Paltar_ belegt J. Grimm, Myth. 201 aus Meichelbeck, Historia Frisingensis I, 2 Nr. 450, 460, 611 und Myth. 3, 78 aus Monumenta boica 9, 23 und 837; _Baldor_ servus Polypt. de S. Remig. 55ᵃ. Der Ortsname Baldebrunno (Myth. 207) gehört nur, wenn man „bessert“ in Baldersbrunno, zum Gott. Jüngere Namen mit Balder können aus älterem Baldheri stammen, Myth. 201 Anm.; 1210.
[467] Die Göttlichkeit Balders vertritt J. Grimm, Myth. 201 ff. und nach seinem Vorgang nahm man allgemein Balder in diesem Sinn. Dagegen erklärte Bugge, Studien 303 ff. „_demo balderes volon_“, dem Fohlen des Herrn mit Zustimmung Kauffmanns, Beiträge 15, 207 und Steinmeyers, Müllenhoff-Scherer, Denkmäler, 3. Aufl., 2. Band S. 47. Die Auffassung Grimms brachten E. Schröder, ZfdA. 35, 237 ff. und Gering, ZfdPh. 20, 145 ff. wieder zu Ehren. Vgl. auch F. Losch, Balder und der weisse Hirsch, Stuttgart 1892; hierzu R. M. Meyer, AnzfdA. 19, 209 ff. Den Strassburger Blutsegen (Müllenhoff-Scherer, Denkmäler Nr. IV, 6 mit den Anm. in Band II S. 52 ff.) stellt Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur I, 1, 262 ff. so her:
_Genzan unde Jordan giengen sament scôzzôn, thô verscôz Genzan Jordane the sîtun. Vrô unde Lâzakêre giengen fold petrettôn: verstände thiz pluot stant pluot fasto._
Eine Parallelfassung des Spruches setzt Christ und Judas für Genzan und Jordan. In der Heidenzeit sollen Balder und Hadu dafür gestanden sein. Damit werde die Baldersage für Deutschland bezeugt. Balder ward in der Seite verwundet. Vrô und Lâzakêre wurden entsandt, um Erde zu betreten. Das Rasenstück, auf die Wunde gelegt, stillte das Blut. Das ist natürlich alles sehr ungewiss und darf zu keinen bindenden Schlüssen über deutschen Götterglauben verführen.
[468] Ortsnamen mit Phol J. Grimm, ZfdA. 2, 252 ff.; Myth. 206 ff.; 3, 79; dass die Ortsnamen mit Pfahl (oder auch Pfuhl) zusammenhängen, ist sehr wol möglich; vgl. W. Arnold, Ansiedlungen und Wanderungen deutscher Stämme, Marburg 1877, S. 22. Apollo-Balder erklärt Gering, ZfdPh. 26, 146. Hierzu noch Kauffmann ebd. 26, 456 ff. und Gerings Erwiderung S. 462 ff. In Phôl, Pôl, erkennt Bugge, Studien 301, den Apostel Paulus. An Vol denkt Scherer bei Mannhardt, Myth. Forschungen (in Quellen und Forschungen 51, XXVII); als Nom. Sing. zum Gen. Volla nimmt Kauffmann, Beiträge 15, 208 ff. das Wort. Aber die Göttin könnte kaum vor Wodan genannt sein, ebensowenig die Vol als Frija (Bugge, Studien 305). Zu Phol. vgl. noch von Grienberger, ZfdPh. 27, 453 ff.
[469] Kögel, Geschichte der deutschen Litteratur 91 f.
[470] Die Sage von Baltram und Sintram bei den Brüdern Grimm, Deutsche Sagen Nr. 220; Wackernagel, ZfdA. 6, 158; vgl. dazu Müllenhoff, ZfdA. 12, 329 und 353; Bugge, Studien 310 f.
[471] Laistner, Nebelsagen, Stuttgart 1879, S. 196 ff.
[472] Forseti ist nur Grímn. 15 und Gylfag. Kap. 32 mit den oben angeführten Worten erwähnt, sonst völlig unbekannt. Bugge, Studien 290 Anm. 2: „Der Hofname _Forsetelund_ in Onsö, Smaalenene (Matr. 119), _í Fosætte lundi_ Röde Bog S. 515, deutet auf Verehrung des Forseti hin. Er kann von den Norwegern gekannt und verehrt worden sein, ehe er zu Baldrs Sohn gemacht wurde.“
[473] Der Gott hiess nach Alchuine _Fosite_, die Insel _Fositesland_. Altfried hat _Fosetesland_, Adam von Bremen _Fosetisland_. Da beide aus Alchuine schöpfen, ist unsicher, wie der Name eigentlich lautete, _Fosite, Fosete, Foseti_. Will man mit J. Grimm den Namen zum nordischen Forseti halten, so kann nur alter Schreibfehler angenommen werden. Denn Forsete konnte sich lautlich nicht zu Fosete entwickeln. Richthofen, Untersuchungen über friesische Rechtsgeschichte, 2. Teil, Berlin 1882, S. 434 f. Die Ansicht Grimms von der Zusammengehörigkeit des Forseti und Fosete wird allgemein geteilt, besonders von Müllenhoff, Altertumskunde 5, 39 und Mogk, Pauls Grundriss 1, 1066. Kauffmann, Beitr. 18, 181 äussert Bedenken. Zu Forseti: Fosete vgl. das norwegische _í Fosætte lundi_ bei Bugge, Studien 290 Anm. 2. F. Buitenrust Hettema, in tijdschr. v. ned. taal- en letterkunde 1893, S. 281-288, führt den Fosete, Fosite, Foste (letztere Form entnommen aus den „_delubra Jovis et Foste_“ in der um 1400 gefälschten _vita Suiberti_) auf _Donar fôsite_, Donar, den Furchtbaren, zurück. _Fôsite_ sei zu schwed. _fasa_, ags. _fésian_, „schaudern“ und zu dem Namen der _Fosi_ (Tac.) an der Elbe zu stellen.
[474] Der heilige Willebrord wurde einmal zwischen 690 und 714 nach Helgoland verschlagen. _Alchuine_ in der _vita Willebrordi_ Kap. 10, Jaffé, _Bibliotheca rerum germanicarum_ VI, 1873, S. 47 erzählt: _et dum pius verbi Dei praedicator iter agebat, pervenit in confinio Fresonum et Danorum ad quandam insulam, quae a quodam deo suo Fosite ab accolis terrae Fositesland appellabatur, quia in ea eiusdem dei fana fuere constructa. qui locus a paganis in tanta veneratione habebatur, ut nihil in ea vel animalium ibi pascentium vel aliarum quarumlibet rerum auisquam gentilium tangere audebat, nec etiam a fonte qui ibi ebulliebat aquam haurire nisi tacens praesumebat. quo cum vir Dei tempestate iactatus est, mansit ibidem aliquot dies, quousque sepositis tempestatibus opportunum navigandi tempus adveniret. Sed parvipendens stultam loci illius religionem vel ferocissimum regis animum, qui violatores sacrorum illius atrocissima morte damnare solebat, igitur tres homines in eo fonte cum invocatione sanctae trinitatis baptizavit; sed et animalia in ea terra pascentia in cibaria suis mactare praecepit. quod pagani intuentes arbitrabantur, eos vel in furorem verti vel etiam veloci morte perire; quos cum nihil mali cernebant pati, stupore perterriti regi tamen Rabbodo quod videbant, factum retulerunt. qui nimio furore succensus in sacerdotem Dei vivi suorum iniurias deorum ulcisci cogitabat, et per tres dies semper tribus vicibus sortes suo more mittebat, et numquam damnatorum sors, deo vero defendente suos, super servum Dei aut aliquem ex suis cadere potuit; nisi unus tantum ex sociis sorte monstratus et martyrio coronatus est._ Danach Altfried in der _Vita Liudgeri_ I Kap. 19. Liudger zerstörte die dem Fosete erbauten Tempel und errichtete statt ihrer Kirchen; aus der heiligen Quelle taufte er die Bewohner der Insel. Das geschah nach 785. Die Kirchen hatten keinen Bestand. Nach Adam von Bremen 4. Kap. 3 ist Fosetisland Helgoland (Heiligland). Erst in den Tagen Adalberts von Bremen (1072) sei es entdeckt und durch Erbauung eines Klosters zum Wohnsitz für Einsiedler gemacht worden.
[475] Richthofen, Fries. Rechtsquellen 439 ff.; Untersuchungen über fries. Rechtsgeschichte 2, 459 ff. Die Aufzeichnung entstammt erst dem 14. Jahrh. und wurde im 16. Jahrh. gedruckt. Die wichtigsten Worte lauten im Original: _Da sagen se een tretteensta oen der stioerne sitten, ende een axa op synre aexla_ (Var. _ene gildene axe ƕt siner axla_), _deer hy mey toe lande stioerde toienst straem ende ƕynd. Da se toe lande coemen, da ƕorp hy mitter axa op dat land, ende ƕorp een tura op_ (Var. _ene turƕe op_); _da ontsprongh deer een burna, al daerom haet dat to Axenthove. Ende to Eeswey comen se to land ende seten om dae burna ..... al deerom schillet aldeer in da land ƕessa trettien aesgen, ende hyara domen schillet hya dela to Axenthove ende to Eeswey_. Die niederdeutsche Fassung der Sage lässt den Dreizehnten ein Krummholz in der Hand führen, J. Douwama im _boeck der partijen_, um 1526 verfasst, eine Axt, ein Beil. Die Quelle nennt er _Axsborn_. Sollte der hammerbewehrte Donar gemeint sein? So erklärt E. H. Meyer, German. Myth. § 251, S. 188. Eine Verwechslung zwischen Axe und Ax (Axt) ist ja begreiflich. Beziehung auf Wodan, Richthofen, Untersuchungen 2, 463 ist nicht gerechtfertigt.
[476] Mit Ullr ist got. _ƕulþus_, Herrlichkeit, verwandt, vgl. Noreen, An. Gramm.² §215; _ƕulþus_ erscheint in ostgotischen Eigennamen, vgl. Wrede, Über die Sprache der Ostgoten in Italien (Quellen und Forschungen 68), Strassburg 1891, S. 85 u. 147, z. B. Sigiswuldus; altdeutsche Namen in Förstemanns Namenbuch 1, 1338 Wuldebert, Wuldulf. Zu Ullr vgl. Simrock, Myth.⁵ 290; Kauffmann, Beiträge 18, 188; Rödiger, ZfdPh. 27, 11 ff. Munch, Die nord. german. Völker S. 223 „ein solcher Name scheint demnach eher ein Beiname des höchsten Gottes sein zu müssen, als irgend eine besondere Persönlichkeit bezeichnen zu können.“ Ullr und _ƕulþus_ stellte zuerst Bachlechner, ZfdA. 8, 201 ff. zusammen; dazu Weinhold, Riesen, Wiener Sitzungsberichte 26, 1858, S. 264 f.
[477] Von Ullr berichtet Gylfag. Kap. 31; Grímn. 5; seine Namen SE. 1, 266.
[478] Die Skaldenstellen, welche den Schild das Schiff Ulls nennen, stehen SE. 1, 246, 346, 414, 420; vgl. auch Sveinbjörn Egilsson, Lex. poet. 831. Much, Beiträge 20, 35 f. meint, der Schneeschuh (_skíđ_) Ulls sei als sein Schiff und Fahrzeug bildlich bezeichnet worden. _skíđ_, „Schneeschuh“ sei irrtümlich als _skíđ_, „Schild“ (vgl. kelt. _skēto_, Schild) gefasst und durch das gangbare skjǫldr ersetzt worden. Die Kenning _skjaldar áss_ sei eigentlich _*skiđs áss_ und gleichbedeutend mit _ǫndráss_, Schlittschuhgott.
[479] Ortsnamen mit Ullr aus Norwegen sammelt O. Rygh in P. A. Munchs norröne gudesagn 2. udg. Christiania 1880; vgl. das Register; aus Schweden Lundgren, språkliga intyg, Göteborg 1878, S. 71 ff.
[480] Die Sage von Ollerus bei Saxo III S. 130 f., die andern Berichte wurden bereits im Abschnitt über Odin (vgl. oben S. 306 ff.), soweit sie hergehören, mitgeteilt. Zu Ollerus P. E. Müller, Notae uberiores 122 f.
[481] Vgl. W. Müller, Zur Mythologie der griechischen und deutschen Heldensage, Heilbronn 1889, S. 101 u. 159, der hier mit Recht den „historischen“ Mythus der natursymbolischen Deutung vorzieht. Dass Odin unter dem Namen Brúni dem Finnenkönig Gusi im Streit um die Herrschaft gegenüber tritt, dass hier dieselbe Sage wie die von Odin und Ullr vorliege, dass also die geschichtliche Thatsache des Sieges der Nordgermanen über die Finnen im mythischen Gewande behandelt werde, sucht Detter, ZfdA. 32, 449 ff. zu erweisen.
[482] Dass Widar nach Vǫl. 53 R der Sohn Odins und der Hlodyn genannt wird, dass demnach Hlodyn und Grid gleich und wol nur aus der Erdgöttin abgezweigt sind, erweist Kauffmann, Beiträge 18, 135 ff.
[483] Von Widar weiss nur die Liedersammlung und die Snorra Edda. Die Stellen, die in Betracht kommen, sind Vǫl. 54, Grimn. 17, Vafþr. 51, Lokas. 10, Gylfag. Kap. 29, 33, 43, 51, Bragar. Kap. 1, Skáldsk. Kap. 2. Vgl. ausserdem die Benennungen Widars als Eigner des Eisenschuhes, Feind und Töter des Fenriswolfes, Rächer der Götter, Bewohner der Vatershalle, Sohn Odins und Bruder der Götter SE. 1, 266. Ortsnamen mit Widar sammelt Kauffmann, Beiträge 18, 157 Anm. _Viþarshof_, _Viþarsgarþr_ nach M. Arnesen, minder om hedensk gudsdyrkelse S. 62; _Widarsleff_, Lundgren språkliga íntyg S. 78; _Viđarhellisgjógv_ bei Hammershaimb, færösk antologi 350, 3.
[484] _Viđarr_ als _viđ-hari_ zu _viđr_, Wald, stellt Rödiger, ZfdPh. 27, 5; Grimm, Myth. 3, 245 _Viđarr_, ahd. _Witheri_; Kauffmann, Beiträge 18, 168 Anm., der überhaupt in Widar den Hauptgott der Germanen, den grossen Waldesgott erblickt, erklärt Widar als „Gott, der einen Stab, ein Reis vom Weidenholz führt.“
[485] Von Váli berichten Vǫl. 33, Baldrs Dr. 11, Vafþr. 51, Hyndl. 30, Gylfag. Kap. 30, 36, 53; seine Namen SE. 1, 266. Unklar bleibt sein Verhältniss zu Váli, dem Sohne Lokis, der Vǫl. H. 35 und Gylfag. Kap. 50 erscheint; Kauffmann, Beiträge 18, 168 glaubt nachweisen zu können, dass nur Váli als Sohn Odins bezeugt und aus Missverständniss zu Lokis Sohn geworden sei. Viðarr und Váli seien thatsächlich nur Namen einer und derselben Gottheit, die, wo die Weltordnung bedroht ist, sie mit sicherer Kraft in den Fugen hält. Auf Váli geht wol auch Grógaldr 6, wo Gróa den Zauber singt, den einst Rind dem Ran (Wali?) gesungen; vgl. Sijmons zur Stelle. Zur Sage Bugge, Studien 215 ff.; Sievers, Beiträge 18, 582 f. erklärt Váli aus Vǫnli, Vǫli, d. i. Wanula, Wanila und ebenso Ali aus Anula, Anila. Váli, Vǫnli knüpft somit an die _vanir_ an. Einer Deutung enthält sich Sievers, sie wird von Detter, Beiträge 19, 509 versucht.
[486] Über Hönir Vol. 18 u. 63; seine Namen SE. 1, 266 f. Die Stellen der Haustlǫng, die sein Verhältniss zu Odin und Loki voraussetzen, SE. 1, 308, 310, 314; Hönirs Vergeiselung an die Wanen Ynglingasaga Kap. 4.
[487] Das färöische Lied „_Lokka táttur_“ bei V. U. Hammershaimb, färöiske kväder, Kopenhagen 1851, Bd. 1, 140 ff. Zur Erklärung des Liedes Uhland, Schriften 6, 193 ff.; 7, 367 ff. Eine deutsche Übersetzung gibt auch Simrock, Mythologie⁵ 106 ff.
[488] Vǫl. 63
_þá kná Hœ́ner_ _hlautviþ kjósa_;
zur Auslegung der Stelle Müllenhoff, Altertumskunde 5, 100 f.; Gering, Edda S. 15, Anm. 1; Kauffmann, Beiträge 18, 189 erklärt, dass Hönir in der zukünftigen Welt jedem Einzelnen sein Loos zuteilt.
[489] Über Hönir vgl. Weinhold, ZfdA. 7, 24 f.f, wozu Mogk, Grundriss 1, 1086, der an den slavischen Hennil, Hainal, den Gott der Morgenröte, denkt; Uhland, Schriften 6, 188 ff.; Müllenhoff, Altertumskunde 1, 34; Hoffory, Gött. gel. Anz. 1888, S. 161; Nachrichten d. Gött. Gesellschaft, Dec. 1888; Eddastudien 108 ff.; Kauffmann, Beiträge 18, 175 u. 189; Rödiger, ZfdPh. 27, 9 f.; Detter u. Heinzel. Beiträge 18, 542 ff.
[490] Beiträge 18, 547 ff.
[491] Über Bragi vgl. Uhland, Schriften 6, 277 ff.; Mogk, Beiträge 12, 383 ff.; Bugge, Beiträge 13, 187 ff.; Mogk, Beiträge 14, 81 ff.
[492] Grímn. 44.
[493] Sigrdr. 16.
[494] Zur Erklärung von Lokas. 16 Bugge, Beiträge 13, 188 ff.
[495] Die Stelle der Hǫfuðlausn lautet nach Finnur Jónssons Ausgabe
_njóte bauga sem Brage auga!_
Im Sonatorrek 3 heisst es, nachdem von der Entführung des Trankes die Rede war:
_lastalauss es lifnaþe á „nockvers“ nǫkkva Brage._
In „_nockvers_“ vermutet Bugge Verderbniss für „_nǫ́ttvers_“, Nachtaufenthalt, „_á nǫttvers nǫkkva_“ umschreibt im Bett. Die älteren Deutungen bei Sveinbjörn Egilsson Lex. poet. 604 f. Bragis Erzeugung durch Odin und Gunnlod lesen aus den Worten heraus Gisli Brynjúlfsson, antiquarisk tidsskrift 1855/7, S. 148 ff. und Bugge, Beiträge 13, 195 ff.
[496] Über Bragi Boddason Uhland, Schriften 6, 281 ff.; SE. 3, 307 ff. Gering, _kvæþa brot Braga ens gamla_, Halle 1886; Bugge, _bidrag til den ældste skaldedigtnings historie_, Christiania 1894, wo die Echtheit der dem Bragi zugeschriebenen Gedichte mit starken Gründen angefochten wird.
[497] Bragi als Heldenname Helgakv. Hund. 2, 18; SE. 1, 522; im Ortsnamen Bragalund Helgakv. Hund. 2, 8; _bragnar_ steht für *_bragar_, dem alten regelrechten Plural zum Singular _bragi_, Noreen, An. Gramm.² § 334, 4. _bragr_ im Sinne von _princeps_ in _bragr ása, kvenna, karla_ u. s. f. bei Uhland, Schriften 6, 294; Mogk, Beiträge 14, 82 ff. Ags. _brego_, der Herrscher, wird gleich angewandt, vgl. J. Grimm, Myth. 215; es steht im Wurzelablaut zu an. _bragr_, Sievers, Beiträge 11, 355. _bragafull_, Bragibecher, ist nur falsche Lesart minderwertiger Handschriften statt _bragarfull_. Vgl. Gudbrand Vigfusson, Dictionary S. 76; Mogk, Beiträge 14, 83; man darf nicht mit Uhland a. a. O. 279 ff. dem feierlichen Odins, Freys, Njords Vollhorn einen entsprechenden Bragibecher gegenüber stellen.
[498] Den Stein machte Zangemeister in den Bonner Jahrbüchern des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Heft 81, 78 ff. bekannt; ebenda gibt Holthausen eine Deutung; vgl. ferner Holthausen, Beiträge 16, 342 ff.; Much u. Schröder, ZfdA. 35, 375 ff.; Kauffmann, Beiträge 18, 190 ff.; Rödiger, ZfdPh. 27, 12 f.; v. Grienberger, Beiträge 19, 528 ff.
[499] Loki verhält sich zu _lúka_, schliessen, wie _broti_ zu _brjóta_, _skoti_ zu _skjóta_. Vgl. _lok_, der Schluss, das Ende. So erklärte Uhland, Schriften 6, 14. Bugge, Studien 73 ff. glaubt, dass der Name Loki unter dem Einfluss von Lucifer (gespr. Lukifer) entstand, als Abkürzung und nordische Umbildung des fremden Namens aufgefasst werden müsse; vgl. noch Bugge, bidrag til den ældste skaldedigtnings historie S. 122. Auch J. Grimm, Myth. 3, 82, deutet Ähnliches an: „man könnte gar noch auf eine Kürzung aus Lucifer fallen“. Als Beiname einer geschichtlichen Persönlichkeit, des Thorbjorn Loki, steht der Name in der Landnáma 2. Kap. 23 (Islendinga sögur 1, 132). Von besondern Arbeiten über Loki vgl. Weinhold, ZfdA. 7, 1 ff. Nach Weinhold ist Loki ursprünglich eine gütige, mächtige Gottheit („der Hauptkern des Gottes ist und bleibt die eine Seite des alten Himmelsgottes“, Mogk, Pauls Grundriss 1, 1088) und erst später zu einem bösartigen Dämon herabgesunken. Lokis Abfall vom Guten zum Bösen ist freilich zweifellos und wird auch von Wislicenus, Loki, Zürich 1867 nach Gebühr hervorgehoben. Aber man darf darum nicht gleich Loki mit einem der germanischen Hauptgötter zusammenwerfen.
[500] Logi als Bruder der Elemente Wasser (Hlér) und Luft (Kári) und Sohn des Riesen Fornjótr erscheint im Fundinn Noregr (Fornaldarsögur 2, 3 ff.); ausserdem Gylfag. Kap. 46, wo Loki in schwankhafter Weise sich selber in doppelter Gestalt gegenüber gestellt wird, dem Logi und dem Utgardaloki, dem Schadfeuer und dem Höllenfürsten.
[501] Lokis Eltern erklärt Bugge, Studien 80.
[502] Über Lokis Fortdauer in Redensarten des nordischen Volkes vgl. Finn Magnusen, Lex. myth. 232; J. Grimm, Myth. 221 f.; Bugge, a. a. O. 80 f. Vol. 25 Loki hatte die Luft vergiftet (_lævi blandit_), meint wol die verderbliche Schwüle.
[503] Loptr steht Lokas. 6; Hyndl. 43; Fjǫlsv. 26; Haustlǫng 31 (corpus 2, 15; SE. 1, 310) und Eilifs þorsdrápa SE. 1, 290. Loptr ist übrigens ein gebräuchlicher nordischer Personenname, vgl. Islendingasögur 1, 428 im Register und Loptr Pálsson SE. 3, 672, Loptr Hálfdánson ebenda 751; im Frauennamen Lopthœna begegnet derselbe Stamm wie in deutschen Namen mit Luft, z. B. Lufthildis. Bugge, Studien 81 verweist auf die schon bei Tatian zum Ausdruck gelangte Auffassung, dass die Leiber der Dämonen aus Feuer und Luft seien.
[504] Nordisk tidskrift for filologi, ny række 4. Bd. S. 28 ff. Die idg. Grundform des ind. _vṛtrá-s_ wird als _vartrás valtrás_ angesetzt, woraus germ. _vlôđraz_ abzuleiten ist. _vṛtras_ heisst der Deckende, Verhehlende, Hemmende, von der Wurzel _var_ bedecken, hehlen, abschliessen, abwehren gebildet. Vgl. auch Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre 102. Der Name Loðurr begegnet Vǫl. 18; Haleygja tal im Corpus poet. boreale 1, 253.
[505] Über die Namen und ihre Erklärung vgl. Bugge, Studien 75 f.
[506] Gylfag. Kap. 33; als Ase wird Loki SE. 1, 84, 142, 268, 556 bezeichnet.
[507] Die Menschenschöpfung Vol. 17/18; Gylfag. Kap. 9.
[508] SE. 1, 268 heisst Loki _Ođins sinni ok sessi_, Odins Fahrt- und Bankgenosse; Odin heisst _Lođurs vinr_ in der Haralds saga hárfagra Kap. 13; Islendingadrápa 1; weiteres bei Gudbrand Vigfusson, corpus 2, 471.